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 Betreff des Beitrags: [IG Buch] Die Sage von Zlata
BeitragVerfasst: 30.11.16, 17:04 
Edelbürger
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Die Sage von Zlata

oder

Die drei großen Prüfungen


Eine Erzählung von

Mazorn - Maichellis Wanderstern - Lazalantin - Gwydeon Lichtertanz - Tendarion Celetheyon - Collnaid




Es gab vor einigen Götterläufen, einen großen Stamm kräftiger und mutiger Orken, der einen großen Frauenmangel aufwies. Es gab kaum Nachwuchs und die stärksten Orkenmänner unter ihnen balgten sich um jedes Weib was noch im Lager verfügbar war. Hitzige Gefechte waren ein steter Begleiter.

Unter den Frauen war Zlata. Sie war dafür bekannt stark und selbstständig zu sein, aber aufgrund ihrer Stärke war sie auch stets unbändig und nicht selten geschah es, dass sie einen ihrer zu aufdringlichen Buhler verprügelte, bis er endlich von ihr abließ. Und auch jenen Tag platzte der Orkin den Kragen, als ihr einer der stärksten Krieger aus dem Stamm sie davon abhalten wollte, ein Reh zu häuten. Sie griff den Rahmen, auf den sie die Haut des Rehes spannen wollte und wuchtete ihn dem Orken entgegen. Auch wenn es nicht ihre Absicht war, ihn ernsthaft zu verletzen - sie wusste, dass davon schon keiner sterben wird - lief sogleich aus der Schläfe des Orken Blut und er verdrehte grunzend die Augen und kippte um.

Triumphierend und erschrocken zugleich, wusste Zlata, dass ihr wohl weniger widerfahren würde, als sie nun befürchtete, da der Ork sich eher zum Gespött gemacht hatte, da er durch ein Weib verprügelt wurde, als dass sie tatsächlich eine Dummheit begangen hatte. Aber sie wusste genau, dass sie ihn entweder umzubringen hatte, oder aber abhauen musste - denn seine Rache würde definitiv folgen, wenn er wieder bei Bewusstsein wäre. Also nahm sie ein getrocknetes Hirschfell, warf getrocknetes Fleisch und ein paar Werkzeuge in dieses, ehe sie sich eine Axt und ein Messer nahm und aus den weniger einsehbaren Stellen zwischen den Hütten aus dem Dorf flüchtete.

Wie jeder Ork, der die ersten Jahre überlebt hatte, wusste auch sie, wie man außerhalb des Dorfes zurechtkam. Trockenfleisch hob man auf, bis man kein Tier mehr fand, das man jagen konnte. Das Werkzeug schonte man und machte sich einen Unterschlupf nur dann, wenn es fürchterlich regnete und man keine trockene Stelle mehr zum schlafen fand.

So kämpfte sich Zlata durch die Steppe, jagte das rare Wild unerbittlich und erfolgreich. Jede Wasserstelle wurde genutzt um zu trinken. Sie bewies, dass sie ein gelehriges und wichtiges Mitglied ihres Stammes war. Ein starkes Weibchen, dass den Männern in nichts nachstand. Schließlich traf sie einen kleinen Trupp Goblins an, die sie als sinnvolle Ablenkungsmanöver erachtete, wenn sie an einen Gegner stoßen sollte, gegen den sie sich alleine nicht behaupten konnte. Als sie gerade die Goblins mit ein paar Fausthieben und ein paar Hanfseilen gefügig machen wollten, kreischte einer von ihnen, dass wenn sie sie gehen lassen würde, würde er ihr verraten, wo der große Schatz sei. Zlata war unentschlossen, aber dachte sich, dass wenn sie einen großen Schatz mit nach Hause bringen könnte, würde sie endlich den Respekt bekommen, der ihr gebührte. Also scheuchte sie die Goblins mit einem Tritt in den Hintern weg, nachdem er kreischend Richtung Sumpf deutete.

Zwei ganze Tagesläufe musste sie gehen, als das Gebiet nicht nur fruchtbarer, sondern vor allem sumpfiger und feuchter wurder. Die Mangroven-Wälder im Sumpf, von denen dicht Lianen hinab hingen, und das vorankommen erschwerten, ließen sie schließlich vollkommen verlaufen. Sie hatte keinen Blick mehr zum freien Himmel, rings um sie her schien sich alles zu gleichen. Zlata wurde immer ungehaltener und hackte sich mit ihrem steinernen Beil durch die Vegetation, ehe sie endlich ein Licht zwischen den Büschen erspähte. Doch anstatt an eine Lichtung zu geraten, bewegte sich das Licht immer weiter von ihr weg. Grollend schlug sie sich durch das Unterholz und wutschnaubend kam sie vor einem riesigen umgestürzten Baum zum stehen. Das Licht schwirrte darum herum und zerplatzte in unzählige leuchtende Funken.

An der Stelle, wo der flimmernde Staub herniederrieselte, lag in einer Spalte des Baumes eine riesige türkise Feder. Gierig stürzte sich Zlata darauf. So eine Feder hatte sie noch nie gesehen, das musste der Schatz sein, von dem die Goblins sprachen! Doch ehe sie die Feder erreichen konnte, hörte sie ein beeindruckendes Kreischen eines Ebers neben sich. Zlata wandte sich langsam in die Richtung und sah sich einer geifernden Schweineschnauze mit vier mächtigen Hauern, die aus dieser links und rechts herausragten, entgegengestellt. Ein kleines piepsiges Grunzen entkam ihr vor Angst und ihre Augen weiteten sich. Doch der Eber schnaubte ihr nur einmal nass entgegen, so dass sein Schnodder sich über ihr Gesicht verteilte. Und eine tiefbrummend, grunzende Stimme entkam dem überirdisch riesigen Keiler.

"Ein Weib wurde also hergeschickt und als würdig erachtet sich den drei Prüfungen zu stellen."


Ein verächtliches nasses Schnauben folgte wieder, während Zlata gerade erst den Schnodder vom ersten Schnauben aus dem Gesicht wischte, und wurde wieder damit eingedeckt. Mit einem Mal quietschte der Keiler bedrohlich auf und sämtliche Vögel im Umkreis schreckten auf, als er im vollem Galopp auf sie zuraste und sie mit seiner mächtigen Schnaunze rammte. Zlata kreischte atemlos auf und flog mehrere Schritt nach hinten - knallte gegen den morschen Baum, der unter ihrem Gewicht und der Wucht zerbarst - und sie fiel in ein nie enden wollendes Loch. Sie knallte gegen eine von Wurzeln gesäumte Erdwand. Links, rechts. Mit der Schulter, mit der Hüfte. Und sie hatte kaum noch Luft zu schreien. Schließlich kam sie in vollkommener Schwärze unten auf und ihr blieb die Luft nach dem Aufprall vollends weg.

Als sie sich wieder bewegen konnte, und anhand der Schmerzen, die ihren ganzen Leib durchzogen, merkte, dass sie noch lebte, rappelte sie sich auf. Es war gar nicht dunkel um sie herum, denn überall leuchtete ein unheimliches blaues Licht an den Wänden, in den Wasserpfützen und sie schreckte zurück, bis sie ein Knirschen unter ihren Füßen hörte. Als sie herabsah, wurde ihr bewusst, dass der gesamte Boden über und über mit humanoiden Skeletten übersehen war. Schädel grinsten ihr grotesk entgegen. Knöcherne Hände schienen nach ihr zu greifen. Hastig wollte sie dem grauenhaften Anblick entkommen und sah hektisch in alle Richtungen, ehe sie ein in der Mitte auseinander gebrochenes Schiff erkannte. Dies schien die einzig erhöhte Stelle in der blauschimmernden Höhle zu sein und sie machte sich daran dort hin zu laufen. Knochen und Knochen knirschten unter ihren Füßen.

Mit einem ersticken Laut der Angst kam sie doch zum Halt, als sich mit einem Mal ein Mensch zu ihr umdrehte, der eben nicht da war und sie direkt anstarrte. Er kam ihr in aller Ruhe entgegen und mit einem Mal wurde ihr eiskalt und der Mann ging durch sie hindurch. Sie rieb ihre Arme, und zitterte am ganzen Leib. Schnee kannte die Orkin nicht, doch hätte sie ihn gekannt, hätte sie das Gefühl damit verglichen nackt im Schnee zu schlafen und danach in einen warmen Raum zu kommen - tausende Nadelstiche an jedem Fleck ihres Körper durchfuhr sie. Und sie wusste nicht mehr, ob sie gen der Knochen oder dem Schiff laufen sollte. Doch schien es keinen Ausweg zu geben, außer den Weg voran, also rannte sie auf das Schiff zu und mit einem Mal tauchte die gesamte Geistermannschaft auf diesem auf. Der Kapitän stand am Steuerrad und brüllte lautlos Befehle an die Matrosen, die gerade ein bläuliches durchscheinendes Segel einholten.

Zlata keuchte panisch und kurzatmig und war einem Panikanfall nahe. Doch sprach der Keiler nicht von einer Prüfung? Warum war sie von ihrem Stamm gegangen um jetzt wegen ein paar Geistern zu fliehen! Geister waren es, mit denen die Schamanen sprachen. Was sollte schon passieren? Und sie rannte brüllend auf das Schiff zu, mit ihrem Beil durch die Geister sinnlos schlagend. Und als sie gerade eine dieser Erscheinungen "köpfen" wollte, wurde es mit einem Mal tiefschwarz.

Hatte sie versagt? Hätte sie mit ihnen reden sollen und sie nicht angreifen sollen? Oder war ihre Angst und ihr Zögern zu groß und zu lang und deshalb ist sie nun ebenso tot? Sie schob das Beil wieder in ihren Fellgürtel und tastete sich blind voran. Kein Knirschen mehr unter ihren Füßen. Nur noch Feuchtigkeit und ein seltsamer modriger und bleierner Geruch lag in der Luft. Als sie schließlich Widerstand an ihren Fingerspitzen fühlte, betastete sie die diesen erst vorsichtig und dann etwas mutiger. Es fühlte sich an wie feuchtes Gestein, ehe es unter ihrer Hand zerbröselte und sich verteilte. Modrige, kalte feuchte Erde.

Ein Plätschern erreichte ihre Ohren und leise grunzend nahm sie die Fährte auf. Sie musste sich von der Erdwand wieder entfernen um dem Plätschern zu folgen, also ging sie erst in die Hocke, ehe sie den feuchten, erdigen Boden mit den Pranken befühlte und sich dem Plätschern näherte. Der Geruch von abgestorbenen Wurzeln und tiefer, alter Erde zog sich in ihre Nüstern, und schließlich tropfte etwas auf ihre Hauer herab und verteilte sich über ihre Lippen. Sie leckte darüber und schmeckte..

..Blut.

Ihre Pranken tasteten vor und etwas warmes und feuchtes, einst lebendiges, war unter diesen zu erfühlen. Sie strich und fühlte und umfasst, was sich unter ihren Händen befand und erreichte schließlich etwas harte, was in seiner Form nur das Geweih eines Hirsches sein konnte. Mit einem Mal grollte ihr Magen auf und der Geschmack auf Blut entfachte ihren Hunger. Sie hatte seit sie im Sumpf war kein vernünftiges Mahl mehr gehabt, nur hier und da ein paar Eidechsen, die nicht schnell genug vor ihr fliehen konnten und für sie war der Hirsch ein willkommenes Festmahl. Sie grub die Pranken in das weiche Fleisch und riss die Eingeweide heraus um gierig zu verschlingen was sich dem warmen Leib entreißen ließ. Das noch warme Blut trank sie direkt aus der Halsschlagader des Hirsches und sie schmatzte und grunzte zufrieden, während sie die augenscheinliche Belohnung für ihren Mut in vollsten Zügen genoss.

Trotz ihres ausgehungerten Freudentaumels, wurde sie aber nicht unvorsichtig und als etwas rechts neben ihr raschelte und zischelte und sich unaufhaltsam näherte, packte sie blitzschnell zu und packte das sich windende schmale Ding in ihrer Hand. Mit blutverschmierter Fratze und den Armen ebenso bis zu den Ellbogen mit Blut gezeichnet, besah sich Zlata ihre Eroberung. Eine schwach leuchtende, smaragdgrüne Schlange, die sich vergebens in der Pranke der Orkin wand.

"SSszzlataa gib mich fffreeeiii. Iiich gebe dir groossszee Macht. Dafür musssszzst du mir nur einen Dienst erweisssszzen, wenn du mich freigegeben hasssszt."

"Welchen Dienst?", grollte Zlata, die der Schlange nicht traute. Tiere die sprechen konnten, und keine Eber waren, fand sie doch sehr sonderbar.

"Du musssszzzt für mich nur ein Tier erlegen und essssz mir opfern."

"Dir, warum sollte ich einer heimtückischen, schwachen Schlange etwas opfern?", entfuhr es Zlata und sie würgte die Schlange fest, nun allmählich mit ihrer Geduld am Ende, da sie doch noch weiter ihren Hirsch essen wollte. Die Schlange zischelte unbeirrt weiter:" Weil ich dir Macht sssssszchenken werde."
"Nur ein Tier dafür opfern? Welches? Den Hirsch da?", Zlatas Augen glommen vor Gier. Ihrem Stamm gegenüber zu treten, wenn sie die Macht dreier Götter in sich vereinte, wer würde ihr dann noch aufzwängen wollen, nichts weiter zu tun als Welpen in die Welt zu setzen? Sie wäre frei. Die Schlange entwand sich ihrer Hand und schlang sich um ihren kräftigen Arm und zischelte der Orkin in das Ohr. "Gib mich frei und komm mit mir. Einen Eber gilt essssz zssssu töten. Er wildert in meinem Revier und dann führssssszt du dein Volk mit mir in eine neue Zzzzzseit."

Da packte die Orkin die Schlange und riss sie auseinander.

Die Schlange ward durch die wilde Kraft der Orkin abrupt entzwei gerissen. Noch wand sich der schuppige Leib in den greifenden Händen. Es zischte und fauchte das Lügenbiest. Und wo der Speichel der Schlange auf den Boden tropfte, ätzte es sich in den Stein. Von allen Wänden klangen die schrillen Sterbenslaute zurück, vom Echo vervielfacht. Zlata verschnaufte erst, als sich die Schlange nicht mehr rührte. An ihren Händen klebte das grünbläuliche, faulige Blut. Auch Schuppen hatte sie mit roher Gewalt abgelöst, als hätte sie einen Fisch entschuppt. Als sich der rote Vorhang ihres Blutrausches wieder lichtete war sie nicht mehr in der ausweglosen düsteren Tiefe der verwunschenen Höhle. Sie erkannte den gespaltenen, verblühten Baum inmitten der Lichtung. Vor Schreck fielen ihr die zwei Teile der Schlange aus den Händen und wurden unter den kraftvollen Hufen des Ebers zermahlen. Das riesenhafte Tier hatte sich ihr so genähert, dass sie nur noch die Hände ausstrecken brauchte um es zu berühren.

Zlata griff nach den Hauern von dem Eber und ein großes Kräftemessen begann. Die Augen des Ebers färbten sich rot. Sie blickte dem Keiler direkt entgegen und knurrend sprach sie:" Ich habe dir Mut und Klugheit bewiesen und ich zeige dir, dass ich stark bin." Und mit einem starken Ruck rang sie den Keiler zu Boden. Grinsend setzte sie sich auf den Eber und sah hinab.

"Und so, Zlata, hast du auch die dritte Prüfung bestanden. Geister, Schlange und Eber hast du besiegt. Hast Mut, Schläue und Stärke bewiesen."


Mit großem Stolz wandte sie sich mit von den Göttern belohnt zurück zu ihrem Stamm. Sie erzählte vor dem versammelten Stamm von ihren Prüfungen, zeigte die türkise Feder, die sie fortan an ihrem Gürtel als Trophäe trug.

Und der starke und mächtige Chohar machte das einzig richtige und beschloss vor dem Stamm, dass Zlata fortan nur noch sein Weibchen ist und er jeden tötet der sie ohne seine Erlaubnis anfassen wird. Er zeugte mit ihr viele Welpen aus denen die mutigsten, schlauesten und kräftigsten Krieger für alle Zeiten und Generationen danach entstammten.


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