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 Betreff des Beitrags: Aus den Schriften Sullins
BeitragVerfasst: 15.04.17, 21:29 
Edelbürger
Edelbürger
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Von tanzenden Sternen
Deutung einer Traums


"Ich sah einen Strom aus Sternen, einen funkelnden Fluß in tiefster Dunkelheit, gespeist aus unzähligen Quellen. Ein Strom hin zum fernen Horizont, eine glühende Spur ins Nichts, in dem sich das Glitzern unzähliger Funken verschmierte. Dieser Fluß strebte in die Ferne, ins Unsichtbare, ein Drängen und Stoßen ohne jedes Entrinnen. Und mir wurde bang ums Herz ob der Unvermeidbarkeit des Stroms."


Die grauen Pfade oder auch das Schattenreich trennt das Diesseits vom Jenseits, das Leben vom Tod. Dort entkleiden sich unsere Seelen von allem unnützen Tand, von Erinnerungen an das vergangene Leben, von allem was noch am Fleisch und Körper hing. Dort machen sich die Seelen auf den langen Weg in die unbekannte Finsternis. Einsam sind sie dort, ohne Augen um zu sehen, ohne Hände um zu greifen, ohne Ohren um zu hören und ohne Münder um zu sprechen und so kreisen ihre Gedanken nurnoch um sich selbst, dort sind sie schlußendlich zur Selbsterkenntnis gezwungen. Doch viele erfasst die höchste Furcht, wenn sie gezwungen sind sich in der kalten Finsternis selbst zu betrachten und so suchen sie wie schon im Leben auch im Tod die Nachbarschaft, denn man braucht doch Wärme. Man liebt noch den Nachbarn und reibt sich an ihm, denn man braucht doch Wärme. Aus diesem Stoßen und Drängen geboren wird der Fluss, der Strom, die Bewegung aus der es kein Entrinnen mehr gibt.


"Doch dann sah ich in der Finsternis eine kaum auszumachende Gestalt, ebenso dunkel und schwarz war ihr Gewand. Einzig der einsame Schein einer Fackel, die die Gestalt in der Ferne in die Höhe reckte, warf ein wenig Licht auf ihre Konturen. Vom Licht gelockt vermochten sich einige Funken aus dem Strom zu lösen, den Weg durch die Kälte der Finsternis zur Gestalt suchend. Dort fern des warmen Glühen des Stroms suchten sich die einsamen Seelen ein neues Heim im sternenlosen Himmel. Jeder Funken strahlte und glänzte in seiner eigenen Brillianz, denn weit war der Raum, der sich zwischen ihnen aufspannte. Die Funken suchten nicht die Nähe der Anderen, auch nicht die Wärme der Fackeln, sondern glitzerten als einsame Sterne in der kalten Finsternis."


Nur wenige sind es, die statt der Gemeinschaft und der Nachbarschaft der Erdenflöhe die Einsamkeit und Kälte der Höhe auf sich nehmen. Wir fühlen uns allein und der Frost der Einsamkeit macht uns zittern, was wollen wir da in der Höhe? Unsere Sehnsucht als auch unsere Verachtung wachsen miteinander und je höher wir steigen, desto mehr verachten wir unser schweres Schnauben und unser Stolpern auf dem Weg, was wollen wir in der Höhe? Wir wollen nahe bei den Sternen sein, selbst einen tanzenden Stern gebären und warten nahe den Wolken. Warten wir auf den Blitz, der uns erschlägt?

Werlcher Sinn steckt in diesem Traum, welche Botschaft entschlüsseln wir aus diesen Bildern? Sind wir die einsamen Sterne, die in der Finsternis glitzern und funkeln wie Diamanten? Sind wir fähig und breit, die frostige Einsamkeit zu ertragen, dort fern der Wärme des drängelnden Stroms verängstigter Seelen? Schwer und lang ist der Weg einen funkelnden Stern zu gebären und keinen Blick erhaschen wir, was hinter dem Horizont liegt. Wer von uns hat bereits einen Stern geboren, ist dies ein Traum darüber was bereits ist oder ein Traum von dem was erst noch werden muss? Ich war es nicht allein, der diese BIlder träumte, auch jene die sich verstoßen glaubten, teilten diesen Traum. Ist die Botschaft allein gewesen, dass sie nicht mehr verstoßen sind? Nicht mehr zurückgestoßen werden in den drängelnden Strom der Seelen, sondern auch ihnen eine Fackel den Weg leuchtet zu einem neuen Heim für ihre Seelen?

Solche Gewissheiten sah ich in dem Traum: Gleich ist es mir, was hinter dem Horizont liegt, gleich ist es mir wohin der glühende Strom strebt. Gleich ist es mir, wovon sich die einsamen Seelen frei machten, ihr helles Strahlen soll mir nur eines verraten: wozu machten sie sich frei? Jede einzelne wurde ihr eigener Stern in der Finsternis. Ihr Funkeln gaben sie sich als neuen Wert, jeder Stern für sich allein. Furchtbar ist das Alleinsein, sich selbst Richter als auch Rächer zu sein und als Gesetz nur den eigenen Willen. Müde macht die Einsamkeit, lässt den Stolz sich krümmen und den Mut knirschen. Das sind Gedanken und Gefühle, die den einsamen Stern töten wollen; geling es ihnen nicht, so müssen sie selbst sterben, doch wer vermag Mörder seiner eigenen Gedanken zu sein? Das ist der schlimmste Feind, der auf uns wartet, er lauert in der Einsamkeit, das sind wir selbst. Verbrennen wollen müssen wir in der eigenen Flamme, denn wie soll ein Stern aus uns schaffen, wenn wir vorher nicht Asche waren? Einsam gehen wir den Weg der Erleuchtung und verachten uns selbst, wie sich nur die Wissenden verachten. Erleuchtet gehen wir in die Einsamkeit und mit unserer Absicht zu schaffen, die Gerechtigkeit hinkt uns erst spät hinterher. Als Verkünder gehen wir in die Einsamkeit, um über uns selbst hinaus einen Stern zu schaffen und als Verkünder zu Grunde zu gehen.


---***~~~***---


Von Luth Chalid
Unbeschriebene Tafeln


Einst wird ein Schüler fragen, welchen Zweck das Wirken des Kults der Schattenhand in Falkensee hatte. Wofür überließ man die Stadt den Endophalis, nachdem der Tempel geschliffen war? Warum versuchte man dort die Geschicke der neuen Stadt namens Luth Chalid aus dem Hintergrund zu lenken und überließ die Herrschaft solchen, die nicht Angamon folgten? Wofür all die Mühe und Anstrengung, wenn doch absehbar war, dass die Stadt keinen Jahreslauf würde erleben?

Ich werde dem Schüler sagen, dass Luth Chalid ein Fehl war, ein Versagen, dass sein Ende in Feuer und Asche fand. Jedes Schaffenden Werk trägt in sich den Keim des Fehlens und genau das war Luth Chalids Untergang: Die freie Stadt, diese Perle des Wüstenvolks, war das Werk von Schaffenden voller Fehl, die Neues zu schaffen suchten nachdem Altes zerschlagen worden war. Und dennoch würde ein jeder der Weggefährten noch einmal diesen Fehl begehen, denn ist es nicht besser zu Strauchelm beim Beschreiben der neuen Tafeln anstatt vor Ehrfucht vor alten güldenen Tafeln zu erstarren?

Mit dem Untergang Falkensees brach die Gemeinde unzählige alte Tafeln, sie ermorderte und erschlug das Höchste was je auf der Insel gewesen war, sie stürzte die Säulen des hohen Tempels der Viere. Für diesen Akt der Zerstörung brauchte es die Wut und Raserei der Zerstörer, der blutrünstigen Wölfe: Dämonenkräfte, Untote und die Macht der Niederhöllen zerbrachen die Säulen und Mauern des Tempels und rissen alles nieder in Schutt und Asche. Kein Stein sollte auf dem Anderen bleiben, der Untergang des Tempels verkündete eine neue Wahrheit. Die Gemeinde Finsterwangens war in der Lage alle Mauern zu zertrümmern und alle goldenen Kuppeln einstürzen zu lassen, dieses Mal nicht gegen den Willen Angamons und Vieh in der Herde von Sha'Naz'Ghul, sondern mit dem Willen Angamons und aus ihrer eigenen Kraft.

Doch in der Schattenhand war eine weitere Erkenntnis gereift, bereits Lukas der Ältere hatte mit dem Kult den Schritt der nächsten Wandlung getan, vom blutrünstigem Wolf zum spielenden Kind. Es war nicht genug Zerstörer und Vernichter alter Wahrheiten zu sein, es galt neue Wahrheiten in die Welt zu bringen, Neues zu erschaffen, sich selbst ein neues Gesetz übers Haupt zu hängen und der Richter und Rächer des eigenen Gesetzes zu werden. Gefährten sucht der Schaffende anstatt einer Herde Hirte zu sein. Solche Gefährten im Spiel des Neuen-Schaffens fand die Schattenhand im Volk der Endophalis, einem Volk das bisher keinen Flecken auf der Insel als seine Heimat heißen durfte und nichts Eigenes besitzen durfte. In diesem Volke fand die Schattenhand Geschwister im Geiste, wenn auch nicht Geschwister im Glauben, und weil der Schaffende sich am Spiel seiner schaffenden Gefährten erfreut, überließ der Kult der Schattenhand die alte Stadt Falkensee dem Volk der Wüste.

Recht erkannt hatte der Kult in diesem Volk seine Weggefährten, denn in Falkensee errichteten und erschufen sie etwas neues, die freie Stadt Luth Chalid. Im Namen Angamons aber nicht unter seinem Banner erbauten sich das Wüstenvolk eine neue Heimat. Was sie schufen, das war zu jung und frisch geboren, als dass über Recht und Unrecht dieser Schöpfung geurteilt werden muss, wichtig ist, dass Neues geschaffen und Altes zerschmettert wurde. Das ist die Mahnung und die Lehre aus dem Aufstieg und Fall der freien Stadt Luth Chalid. Aus der Vernichtung kann Neues und Großes geschaffen werden, auch wenn alle alten goldenen Tafeln zerschmettert wurden, kann ein neuer Friede und neuer Wohlstand einkehren. Luth Chalid fand sein Ende, nicht weil dort Unrechtes und Falsches getan wurde, sondern weil dort das Neu-Geschaffene verehrt und das Alte verspottet wurde.

Die freie Stadt war zuerst Versuch anstatt heiliges Werk. Zuerst ein Wollen als ein Gelingen, mit Luth Chalid warfen wir den Pfeil unseres Geistes zu fernen Horizont. Und wer ein Erstling ist der wird immer geopfert und nun war die freie Stadt gewiss ein Erstling, wie wir auch Erstlinge sind und Verkünder dessen was Kommen wird als auch dessen was Untergehen muss. Deshalb bluten wir alle auf alten Opfertischen, wir brennen alle zu Ehren der alten Götzenbilder und goldenen Tafeln. Unser Schaffen ist noch jung, das reizt noch alte Gaumen. Unser Fleisch ist zart und unser Fell das eines Lamms, so reizen noch die alten Götzenpriester. Selbst in unserem Geiste wohnt doch noch der alte Götzenpriester, der sich unser Bestes zu seinem Schmause brät, noch haben wir ihn nicht ausgetrieben! Daher kann es nicht anders sein, dass das Erste und Junge auch immer Opfer sein wird. So ist die Welt nunmal derzeit geordnet und daher achte und schätze ich das, was sich nicht bewahren lies und zum Opferlamm wurde. Die freie Stadt kündete davon, was sein kann und was einst kommen wird, und wie jeder Verkünder fand sie daher ihren Untergang.


---***~~~***---


Vom verlassenen Thron
Aus der Asche


Die Welt steht Kopf. Was in Finsternis war, ist nun im Licht, doch seine Form ist noch schwerer auszumachen. Was verboten war, heißt man nun willkommen. Freund ist zum Feind geworden und Feind zum Freund. Wir opferten auf dem Altar der Vernichtung und waren Verkünder des Endes. Nun wird uns gesagt, das große Nein zum Jetzt und das große Ja zum Morgen sei nur Lüge gewesen? Auf meiner Zunge schläft weiter das Nein zu allen Dingen und wohnt noch der Wille, alles umzuwerfen, was heute noch ist, und Neues zu errichten. Ich bin noch ein Verkünder der Vernichtung und doch fühle ich mich in diesem Schrein hochwillkommen.

Der Sohn ist nicht wie seine Eltern, er wurde ohne Namen geboren, und hatte die Freiheit sich selbst einen Namen zu geben. Sein Sein folgte seinem Werden, er kam ohne Bestimmung in die Welt, ein Namenloser. Dies ist das Mysterium seines Wesens: Dass er heute nicht sein muss, was er gestern war oder morgen sein wird. Sondern sich wandeln und sich neu erfinden kann zu jeder Zeit. Und so mag er als Sohn in die Wüste gegangen sein, um eine schwere Last zu tragen, denn was adelt einen mehr als demütig sich die schwersten Bürden der Welt aufladen zu lassen? Doch in dieser Wüste wurde der Ochs zum Wolf und es verlangte ihn nach Freiheit. Ein Wolf kennt keine Herren und Meister über sich. Ist es nicht besser in der Wüste zu herrschen als im Himmel zu dienen? Der Wolf will seine Freiheit und den Mord aller Regeln und Gebote. Doch auch wenn die Welt dem Wolf Beute geworden ist, vermag er aus Blut, Fleisch und Knochen noch nichts Neues zu erschaffen. Des Wolfs Bestimmung ist der Mord allein, zur Schöpfung bedarf es dem Kind, dem Sohn.

Der Schrein heißt uns Verkünder der Vernichtung willkommen. Der Sohn fand Gefallen daran, ein König in der Wüste zu sein und die Lust zu Herrschen und der Wille zur Macht ist ihm nicht verloren. Wir haben erlebt, wie er die Wölfe hinter sich gelassen hat, denn sie taugen nur zum Mord, und gleich wie er über seine Eltern hinaus gewachsen ist, so ist auch der Sohn den Wölfen entwachsen. Die alten Wölfe beneiden und verachten ihn, führt sein Weg doch in eine Höhe, wohin sie ihm nicht folgen können. Ihnen bleibt nur sich in aller Ewigkeit im Staub und in der Asche der Wüste zu wälzen, das ferne Sternenufer ist ihnen unerreichbar.

Daher hat der Sohn seinen alten Thron verlassen, den Mantel seiner alten Königswürde abgestreift und die Krone von sich geworfen. Der Mantel ist alt und löchrig und die Krone glänzt nicht mehr, längst ist sie zu klein und eng für sein Haupt. Seine Heerschar sind nun nicht mehr die Wölfe, die nun wild und rasend um sich beissen in der Wüste vor dem leeren Thron. Seine Heerschar sind jene Seelen, die fähig und Willens sind, Vernichter zu sein, Verkünder zu sein und Schaffende zu sein. Wir sind seine Heerschar und sein Wille ist weiterhin die Umwerfung der alten Welt und die Schöpfung einer Neuen. Angamon ist nicht mehr der König der Dämonen, er ist unser König. Weder beugt er sein Haupt vor jenen, denen er längst entwachsen ist, noch können wir uns vor einem Thron beugen, der nicht der seine ist.


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