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 Betreff des Beitrags: [IG-Buch]Die belächelte Gottheit
BeitragVerfasst: 25.08.17, 14:27 
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Die belächelte Gottheit
Eine subjektive Betrachtung
Von: Diana Weidenbach


Besieht man den Glauben an und den Umgang mit der Gottheit Vitama, so fallen mir zumeist zwei Wege ein zu umschreiben wie jene die sich ihr nicht voll und ganz verschrieben haben mit ihr um zu gehen pflegen: Das Bild einer belächelten Gottheit, die im Vergleich mit ihren männlichen Geschwistern geradezu stiefmütterlich behandelt wird.
So scheint es häufig, dass die Beseelten weder mit ihr noch ihren Geweihten allzu viel an zu fangen wissen, wirken beide, Gottheit wie Geweihte, im Vergleich zu den anderen doch nicht nur bildlich harmlos. Ihr Tun ist nicht geprägt von spektakulärem Auftreten, ihr Wirken erfolgt häufig still und bescheiden und wird daher nicht immer auch als solches wahr genommen. Sie schleudert keine Blitze vom Himmel und sie entsendet keine geweihten Waffen, sie streckt keine Feinde nieder, weil sie mit niemandem in Feindschaft lebt, nicht einmal mit jenen, die ihr diese Feindschaft an tragen. Ihre Schutzbefohlenen sind nicht Ritter in glänzenden Rüstungen oder Magier in langen Roben mit dicken Büchern, nicht Richter über Recht und Ordnung und nicht Soldaten auf ihrer Wacht, es sind die Unscheinbaren. Die Kinder, die Mütter, aber auch die Benachteiligten, jene, die am Rande der Gesellschaft wie wir sie kennen leben. Der Reisende, der Narr, der Berauschte, all' jene welche nur wenig Anklang bei ihren drei Geschwistern finden mögen, sie alle können Zuflucht und Trost bei ihr finden und nicht nur diese.
Denn auch wenn es eine Eigenart Vitamas sein mag, dass gerade die Genannten ihr am Herzen liegen, so ist es doch ebenso ihre Eigenart sich über alles und jeden zu erstrecken. Der Soldat und der Ritter mögen Zuflucht finden in Bellum, dem ihr Tun und ihre Existenz gerecht erscheinen mögen und der Magier und der Richter mögen Zuflucht finden in Astrael, der sie als recht geraten erachten mag und doch ist ihnen allen eines zu eigen, das sie allesamt miteinander und mit Vitama und nur mit Vitama verbindet: Das Leben als solches. Mögen wir uns auch zu anderen Göttern, ob den Vieren oder auch anderen hin gezogen fühlen, das Geschenk des Lebens erhielten wir alle einst von ihr und durch sie. An mindestens einem Punkt in unserem Leben hat sie uns alle so maßgeblich berührt wie nur Götter es vermögen und nur durch diesen Eingriff ihrerseits können wir sein wer wir sind. Mehr noch nur durch diesen Eingriff ist es überhaupt denkbar, dass andere Götter sich entfalten können, denn ohne das Geschenk des Lebens könnten wir nicht sein. Nicht gerecht. Nicht wahrhaftig. Nicht einmal tot, denn zum Sterben müssen wir zuvor gelebt haben.
Bedauerlicherweise wird dies häufig verkannt, das Leben als etwas selbstverständliches oder als etwas das man sich erarbeitet oder anderweitig verdient hat angesehen, aber dem ist nicht so. Es bleibt ein Geschenk das wir in Liebe und Vertrauen empfangen haben und das wie es ihrer Art entspricht ohne Gegenleistung erbracht wurde. Unser Leben dürfen wir nutzen wie immer wir es möchten. Ob wir ihr dafür danken möchten oder auch nicht bleibt uns überlassen. Unserem freien Willen. Dem zweiten großen Geschenk, das wir durch sie empfingen.
Ich kann förmlich fühlen wie an dieser Stelle viele ihre Stirn runzeln. Freier Wille, das klingt eher nach einem der anderen drei und ich bin geneigt soweit zu gehen, dass ich sagen würde, dass es ohne einen der Viere keinen freien Willen geben könnte. Gleichwohl sehe ich den Löwenanteil bei ihr. Denn ohne das Geschenk der Liebe, nicht nur zu uns selbst sondern auch zu anderen entsteht überhaupt erst die Möglichkeit die Welt und die Götter mit den Augen zu sehen mit denen wir sie betrachten. Ohne göttliche Liebe wären wir nicht imstande andere lieben zu können, sei es die Liebe der Eltern zu ihren Kindern, sei es die Liebe innerhalb einer Familie und die Bande die sie knüpft, sei es die Liebe zwischen einem Liebespaar: Ohne Liebe wären wir nicht imstande das Wohl und das Glück eines anderen über das eigene Wohl und das eigene Glück zu stellen. Ohne göttliche Liebe kein Altruismus, sondern allenfalls Egoismus (ob gesund oder ungesund sei ebenso wie beim Altruismus dahin gestellt) bis Parität im Sinne eines Gleichgewichtes von Wohl und Glück aller oder auch einem Bestreben das eigene Wohl und das eigene Glück nicht auf Kosten anderer zu erhöhen. Ohne Altruismus jedoch, also die bewusste Entscheidung das Wohl eines anderen über das eigene Wohl zu stellen hätten wir genau diese Freiheit der Entscheidung nicht. Wir könnten unseren Willen zwar aus üben, aber er wäre begrenzt auf egoistische und paritätische Entscheidungen und damit weniger frei als wir es heute kennen. Wir selbst wären nicht wir. Unsere Entscheidungen wären nicht dieselben. Die Welt in der wir leben wäre ohne diese göttliche Liebe nicht vorstellbar. Freier Wille könnte sich ohne diese göttliche Liebe nicht entfalten. Und ich behaupte: Auch die Götter selbst könnten es nicht.
Von den Vieren wissen wir, dass sie sowohl als Individuen als auch als Pantheon existieren. Jeder von ihnen mit eigenen Charakterzügen, die in sich selbst rein sind und doch auch auf die anderen Götter des Vierepantheons ab färben. Ohne Bellum keine Gerechtigkeit. Ohne Astrael kein Wissen. Ohne Morsan kein Frieden. Und ohne Vitama keine Güte – und damit auch keine in ihren Geschwistern. Wenn wir daher postulieren, dass die Viere uns wohlgesonnen sind, dass sie uns gute Gottheiten sein wollen im Gegensatz zu den neutralen Enhor und dem boshaftem Einen, dann kommt man nicht umhin fest zu halten, dass dieses Gute, diese Güte ihren Ursprung in Vitama haben müssen. Ohne sie kann nichts Gutes sein oder um ein Bild zu nutzen: Ohne sie kann nichts Gutes gedeihen. Nicht in uns. Und nicht in den Vieren als solche. Somit ist dies das dritte, große Geschenk, das sie uns noch vor unserer Geburt machte: Sie schenkte uns nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Geschwister in der Form in der wir sie kennen, ehren und im besten Falle auch lieben.
Und doch liegt genau dort auch der Haken: All' diese Geschenke erhielten wir vor unserer Geburt, vor einem Zeitpunkt an dem wir diese Geschenke auch bewusst wahr nehmen und als solche erachten und in Ehren halten können. Der Effekt ist, dass viele als selbstverständlich erachten, was nicht selbstverständlich ist. Für Vitama selbst ja, sie verschenkt all' dies weil dies ihre Natur ist, aber gerade diese, ihre Natur ist alles andere als selbstverständlich. Sie tut was sie tut weil sie es tun will, weil genau dies sie aus macht. Weil sie uns liebt. Liebe jedoch ist niemals selbstverständlich, sondern immerzu göttlich.
Was bleibt von ihr? Was nehmen wir von ihr wahr, wie nehmen wir sie wahr? Fürsorge und Liebe für die weniger Begünstigten der Gesellschaft die wir uns erschufen. Dies ist was wir wahr nehmen, was wir aber gerade dann wenn wir selbst nicht zu jenen weniger Beglückten zählen mögen als weniger achtenswert betrachten, als es tatsächlich ist. Dazu kommen Liebe im allgemeinen, Glück ob im Unglück oder auch einfach nur so und vieles das wir zu häufig beiseite schieben, weil uns der Augenblick oder die Umstände unpassend erscheinen und gebetet wird wenn es eng wird. Und dieser Umgang mit ihr färbt auf ihre Gläubigen und Geweihten ab. Zu Unrecht möchte man meinen und doch wer an sie glaubt, den bekümmert dies nicht. Nach unseren Standards mag das was ihr entgegen gebracht wird nicht viel sein, nicht viel bedeuten, gemessen an dem was sie uns gab. Aber ihr bedeutet es alles und damit ist es mehr als genug. Auch wenn es zweifelsfrei mehr sein könnte. Aber eben nicht mehr sein muss. Denn das ist ihr viertes großes Geschenk an uns:
Zufriedenheit, nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit uns allen. Die Gewissheit sie niemals so sehr enttäuschen zu können, dass sie sich von uns ab wendet. Das beruhigende Gefühl, dass wir sowieso niemals imstande sein werden das was sie uns allen mit in die Wiege legte jemals auf wiegen zu können, dass sie uns genau dies aber nicht vor hält. Dass wir sie so unbeholfen wie wir uns dabei auch anstellen mögen sie bewusst oder auch unbewusst glücklich und zufrieden machen können. Dass wir genügen, gut genug sind, dass jedes bisschen hilft und jedes noch so kleine Bestreben nicht nur gut sondern besser sein zu wollen bemerkt wird, gleich wie gut oder weniger gut wir uns dann auch tatsächlich dabei anstellen mögen.
Der Umgang der meisten mit ihr mag stiefmütterlich sein. Aber in jeder Stiefmutter steckt vor allem auch eine Mutter und wenn sie belächelt wird, dann lächelt sie zurück. Denn jedes Lächeln bereichert, verschönert die Welt.


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