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 Betreff des Beitrags: [IG-Buch] Der Weg der verbrannten Asche
BeitragVerfasst: 17.02.19, 19:40 
Edelbürger
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Der Weg der verbrannten Asche
und wie Logik ihn vermeiden kann


von Tendarion Celedelair Celetheyon

Ich möchte meinen Dank an Maichellis Wanderstern, Volandur und Caieta Ajunier aussprechen, die mir die benötigte Inspiration einbrachten diese Schrift zu verfassen. Auch gilt mein Dank all jenen, die mir die benötigte Erfahrung schenkten, um diesen Weg der Logik zu entwickeln und zu leben.



Irrationalität ist in den meisten zivilisierten Völkern ein negativ behafteter Begriff. Ein Begriff, der ausschließlich mit Emotionen und Instinkten, die das Sein und Handeln eines Individuums beherrschen und jeglicher Versuch, mit Logik und Verstand diesem Beseelten aus dieser Irrationalität zu helfen, in eine Spirale aus Frustration, Selbstzweifel und einem Verlust von Selbstbeherrschung führt, in Verbindung gebracht wird.

Oftmals stellen wir uns dann die, durchaus berechtigten, Fragen: Weshalb tue ich mir das an, dieser Person auf ihrem Weg zu helfen? Warum belaste ich mich um das Leben eines anderen zu erleichtern? Wieso kümmern mich die Fehler anderer, wenn ich doch effizienter ausschließlich an meiner eigenen Fehlbarkeit im Gegenzug dazu arbeiten kann?

Doch ehe wir zur Beantwortung dieser Fragen kommen, beleuchten wir zunächst die Gründe, weshalb Irrationalität ein so weit verbreitetes Phänomen ist.

1) Irrationalität – ist sie mit Emotionalität gleichzusetzen?

Generell werden sehr emotionale Beseelte meist als zu sensibel, nicht stark genug oder aber direkt mit dem Stempel der Irrationalität versehen, da ihre ersten, aus dem Affekt gesprochenen, Ideen manches mal naiv, oder sogar dümmlich, anmuten. Doch an dieser Stelle sei angemerkt, dass genau jene Ideen es sind, die uns Beseelten den Fortschritt und die Entwicklung die wir in den Jahrtausenden unserer Existenz beobachten konnten, überhaupt möglich machten. Wer sich von Logik lösen kann, und daraus resultierend auch von dem Aspekt der aus theoretischen Wissen begründeten Unlösbarkeit einer Problematik, der ist auch im Stande neue Wege zu ergründen, was für den an den puren Geist geklammerten Beseelten undenkbar wäre. Doch auch diese Beseelten, die aus dem Bauch heraus entscheiden, haben in der Regel ein gewisses Maß an Überlebensinstinkt und auch einen Anreiz darin, sich selbst und vielleicht auch ihr Umfeld zu schützen. Und dieser Überlebensinstinkt führt zwangsweise zu einer gewissen Vorsicht, die dazu genutzt wird, sich für das kommende Unterfangen nach bestem Gewissen vorzubereiten. Letztendlich würde ein Jäger seinen Bogen und seine lederne Wehr nicht zu Hause lassen, wenn er vorhat ein Bären alleine zu jagen.

Aber was ist mit dem Jäger, der einen Bären jagen will und mit bloßen Händen und ohne Rüstung in die Bärenhöhle geht?

Er wird in der Regel mit der Intention vorangehen, sich selbst und anderen etwas beweisen zu wollen. Wenn er noch dazu keineswegs zögert sein Vorhaben durchzuführen, kann man auch davon ausgehen, dass er sich seiner Sache so sicher ist, dass ihm gar nicht in den Sinn kommt, dass er verlieren könnte, oder anderweitig zu Schaden kommt. Jeder Beseelte, der sich der Gefährlichkeit eines Bären bewusst ist, wird diesen Mann eher als lebensmüde einschätzen, als als mutig. Aber hat es auch zum Resultat, dass ein jeder der so denkt, auch dafür Sorgen wird, dass er sein Unterfangen gar nicht erst umsetzen kann? Nein. Denn es wird immerzu jene geben, die ihn schon als Helden feiern, ehe er überhaupt einen Fuß aus dem Dorf gesetzt hat. Sie werden ihn dazu animieren, in der Hoffnung auf eine gute Geschichte, oder weil sie ebenso davon überzeugt sind, dass der Jäger in der Lage ist den Bären mit bloßen Händen niederzuringen. Und die wenigen Stimmen der Irrationalität werden die Stimmen der Rationalität, die auf die Gefahren hinweisen, um ein vielfaches übertönen.

Was geschieht also wenn der Jäger zurückkehrt, beziehungsweise, er nicht zurückkehrt?

Wenn er zurückkehrt, wird er und alle anderen vor Begeisterung ein Fest geben, noch lange Geschichten erzählen, die durch Wanderer und Gäste des Dorfes auch noch in die umliegenden Dörfer und Städte weitergetragen werden. Ein Mythos, ein Held entsteht. Der Bärenringer, der fünf Dörfer weiter sogar schon fünf Bären ohne einen Kratzer gleichzeitig besiegt hat. Der Kreaturenzähmer, der zehn Dörfer weiter, auf dem Bären in das Dorf zurückgeritten war, und sämtliche Bestien folgten ihm, als ein Avatar der Göttin Rien. Er wird von dieser Geschichte noch zehren können, wenn er ein alter Mann geworden ist und seine Kindeskinder werden diese Geschichte noch ihren Kindern erzählen. Die Gemeinschaft, die den Jäger, den Helden, verehrt, wird ihm nacheifern. Und viele werden sterben, wenige in seine Fußstapfen treten, doch die Geschichte wird überdauern und andere beflügeln.

Wenn er nicht zurückkehrt, wird er als ein Dummkopf dargestellt, seine Gönner, die ihn dazu animiert haben, werden jedem erzählen, dass sie es ihm ja gesagt haben, dass das wahnsinnig sei. Die anderen, die diese Idee zu keinem Zeitpunkt gut geheißen haben, werden in Unglauben, Zorn und Trauer zurückbleiben. Die Erzählung über den dummen Jäger werden nach wenigen Monden oder Götterläufen ausklingen. Der Jäger wird nur ein Toter von so unzählig vielen. Sämtliche Bären im Umkreis des Dorfes werden ausgerottet, da sie als menschenmordende Bestien gelten, die jederzeit in das Dorf einfallen, da sie nun Menschenfleisch geschmeckt haben.

So oder so haben beide Entwicklungen eine gute und vor allem viele schlechte Seiten: Einerseits werden andere animiert diesem Beispiel zu folgen, da sie sich in irgendeiner Form profilieren möchten, andererseits hilft es ihnen aus ihrem Wohlfühlbereich herauszufinden und Dinge zu wagen, die sie sich ohne diese Erzählungen nie getraut hätten. Genauso ist es wichtig und gleichsam bitter, dass jemand ein Leben geben musste und viele Kreaturen sterben mussten, damit man die Gefährlichkeiten Tares erkennt und näher ergründen kann um künftige Sicherheitsmaßnahmen zu treffen.

Nicht jede Irrationalität wird auf eine potenzielle Heldengeschichte begründet. Vielmehr ist die Irrationalität im Alltag eher genau das Gegenteil davon. Der Missbrauch von Alkohol und Rauschmittel. Das Demütigen und die körperliche Züchtigung Schwacher und Untergebener. Das Schmuggeln und Handeln von gefährlichen oder verbotenen Gütern.

Auch ist abseits des Alltags eine große Irrationalität erkennbar, die noch gefährlicher für die Beseelten und das Gefüge Tares sein könnten. Das Paktieren mit Dämonen. Jede Form von Forschung, die Beseelte negativ beeinflusst oder gar tötet. Sklavenhaltung und das Veräußern von anderen Beseelten zu diesem Zweck.

Gerade bei letzteren Beispielen wird umso deutlicher, dass Emotionalität keineswegs mit Irrationalität gleichzusetzen ist. Wenn Emotionen bei Irrationalität eine große Rolle spielen würden, dann würde der Sklavenhändler keinerlei Möglichkeiten haben und sehen seinen zweifelhaften Beruf lange ausführen zu können. Sei es, weil er seine Emotionen solange unterbindet, dass sein Geist dermaßen geschädigt wird, dass er nicht mehr auf gewöhnliche Art und Weise mit Beseelten umgehen kann. Sei es, dass er aus Mitleid seine Sklaven irgendwann entlässt und sein Geschäft somit zwangsweise verliert und aufgibt.

Demnach ist Irrationalität keineswegs ein Werkzeug der Emotionalität, sondern schlichtweg ein sehr weltliches Instrument, das aus Selbstsucht, Ruhmessucht und/oder Herrschsucht stammt.

Wenn wir uns irrational verhalten, möchten wir uns in irgendeiner Form selbst darstellen. Nicht, weil wir zwangsweise etwas Böses damit beabsichtigen, sondern weil wir in diesem Moment einer Überzeugung unterlegen sind, die uns suggeriert, dass wir das Richtige tun. Oder eben dass wir der Meinung sind, dass sich gar kein weiterer Pfad auf unserem Lebensweg für uns auftun wird.

Wir sind davon überzeugt, das einzig Richtige zu tun. Und wer auf Tare kann jemanden, der diese Überzeugung hat, noch umstimmen?

2) Akzeptanz? - Oder wie gehe ich mit Irrationalität anderer um?

Was uns in der Regel nicht bewusst wird, wenn wir der Irrationalität erlegen sind, ist das was wir hinter uns lassen. Wir sind in diesem Moment ein brennender Fels, der sich durch unser Umfeld arbeitet und nichts als verbrannte Asche auf unserem zurückgelegten Weg hinterlässt. Auf verbrannter Asche wird irgendwann wieder neues Wachsen und man wird froh sein, dass der brennende Felsen schnell vorbeigerauscht ist und nichts mehr vorhanden ist, das er nochmals in Brand setzen kann. Man vergisst diese Person. Hauptsache sie ist aus dem Leben heraus und wütet woanders weiter, weit weg von einem selbst.

Diese Form von (Selbst-)Zerstörung lässt sich am schwersten aufhalten, wenn diese Person keinerlei emotionale Bindung an eine vernunftbegabte Person aufgebaut hat, oder aber, diese Personen bereits Tare verlassen haben. Man muss sich als Außenstehender von dem Gedanken jedoch vollständig trennen, dass diese Personen mit Worten allein noch erreicht werden können. In der Regel muss etwas geschehen, das die Empathie der, in ihrer Irrationalität gefangenen, Person wieder auslöst. Ein Unterfangen das man selten herbeiführen kann und meistens auch mit einer sehr negativen Erfahrung einhergeht, die irreversibel ist und nicht wieder gut gemacht werden kann.

Nichts desto trotz, wird Irrationalität immer nur dann auffallen, wenn sich diese Person in einem Umfeld bewegt, das von Regeln bestimmt wird. Die Regeln selbst müssen nicht für jeden rational und logisch erscheinen, doch sie sind dem Kulturkreis angepasste Vorgaben, die ein reibungsloses Miteinander ermöglichen sollen. Die auffälligen Personen werden entweder durch Erziehung oder Strafen, vorausgesetzt, sie wollen in der Gemeinschaft verbleiben, dorthin gebracht sich dem Umfeld angemessen zu benehmen. Bei den Personen, bei denen keine Maßnahme, im Guten, wie auch im Bösen, fruchtet, wird meist mit Ablehnung oder Abwendung reagiert. Nur noch sehr empathische oder emotionale Personen werden diese abgelehnten Individuen aufsuchen und ihnen versuchen trotz aller Widrigkeiten zu helfen.

Doch ab genau diesem Zeitpunkt wird eine neue Spirale gebildet. Sensible und emotionale Beseelte werden aufgrund ihrer naiven Art und Weise, wie sie sich selbst und ihr Umfeld betrachten, unbewusst das Verhalten des Irrationalen sogar unterstützen, indem sie versuchen die Ideen und Taten der Person schön zu reden, damit die Person sich gut fühlt. Der Irrationale hingegen wird darin Bestätigung in seinem Weg sehen und die Person, die ihr helfen will, als Vorwand und Schutzschild zugleich ausnutzen um ihre Taten zu verteidigen. Die emotionale Person wird entweder ebenso zum Abgelehnten und kann mit einem Ausschluss aus der Gemeinschaft rechnen und stillschweigend leiden, oder aber selbst aufbegehren. Letzteres kann sich gegen die Person, richten, die in ihrer Irrationalität diese Situation herbeigeführt hat, oder aber auch gegen die Gemeinschaft, die die emotionale Person ausgeschlossen hat.

Und genau aus dem Grund, da das irrationale Verhalten eines Einzelnen eine solche Kettenreaktion hervorrufen kann, ist die Akzeptanz der Irrationalität ein fataler Fehler.

Eben jene, die den Weg der Logik und der eingeschränkten Emotionalität (nicht zu verwechseln mit eingeschränkter Empathie!) wählen, sind dazu verpflichtet, vorausgesetzt, sie sehen sich als Teil einer Gemeinschaft, diese destruktive Irrationalität zu unterbinden. Zum Schutz der Gemeinschaft selbst, zum Schutz jener, die nicht die nötige Kompetenz aufweisen um einer irrationalen Person die Stirn zu bieten und auch vor allem zum Schutz der Logik selbst.


3) Warum sollte gerade der Logiker, der sich von jeglicher Irrationalität distanziert dieser Einhalt gebieten?

Diese Frage beantwortet sich in sich selbst. Gerade da man der Logik dient, sollte man jede Spross der Irrationalität im Keim ersticken. Irrationale Personen können genauso Herrscher sein - wenn nicht sogar schneller und leichter – wie der hart arbeitende Logiker, der nur das Beste im Sinne Tares im Geiste und Herzen trägt.

Logiker werden für gewöhnlich als hartherzig und ablehnend besehen, da sie sich der Emotionalität nach außen hin nur selten hingeben. Emotionale Personen, lehnen diese wenig erfreulichen Gespräche mit den Logikern ab. Sei es, weil sie sich davon gelangweilt fühlen, sei es, weil sie sich ihrer eigenen Unzulänglichkeiten und Fehlbarkeit im Gespräch mit jenen, die kein Blatt vor den Mund nehmen, gewahr werden, oder weil sie schlichtweg kein Interesse daran haben ihren Lebensweg zu verändern. Logiker hingegen haben selten den Antrieb sich mit Personen zu beschäftigen, die sie immerzu als langweilig, kalt und herzlos bezeichnen, während sie in all ihrem Sein damit beschäftigt sind, Tare auf ihre Weise voranzutreiben. Doch verkennen meist beide Seiten, dass sie nur zusammen Fortschritt und Verbesserung bewirken können. Der Emotionale der seine ungehemmte Kreativität als Ideen beisteuert, und der Logiker, der die möglichen und unmöglichen Wege eruiert diese Ideen umzusetzen. Besonders gesegnete Beseelte haben die Möglichkeit beides in sich zu vereinen. Diese Personen sind in der Regel sehr geschätzt und in jeder Lebenslage flexibel.

Wie passt der Irrationale aber in das Gefüge zwischen Logik und Emotionalität? Der Irrationale hat gelernt das Verhalten der Logiker und Emotionalen nachzuahmen. Er wird in der Regel eine Seite davon vollständig beherrschen und kann über einen unbestimmten Zeitraum diese Front aufrechterhalten. Die Intelligenz und Bildung des Beseelten ist entscheidend, wie lange dieses Gesicht gewahrt werden kann. Wer wenig im Leben lernte und ein sehr eingeschränktes Bild von Tare hat, wird schon nach wenigen Momenten in einer neuen Gemeinschaft unangenehm auffällig werden. Während der Gelehrte in seiner Irrationalität über Götterläufe hinweg die höchsten Ämter bekleiden kann, ehe man die Leichen – sprichwörtlich und wortwörtlich gleichermaßen – in seinem Keller auffindet. Ab diesem Zeitpunkt wird in der Regel auch deutlich, dass die Person bislang eine Rolle spielte, die mit der Gesundheit – oder eher dem Mangel dieser - seines Geistes wenig gemein hat. Auffällig ist in solchen Momenten der grauenvollen Entdeckung meist, wie viele Personen aus dem Umfeld des Irrationalen nun deutlich machen, dass sie bereits länger eine Vermutung hatten, dass mit dieser Person etwas nicht stimmte. Aber es wird ebenso Personen geben, die mit Unglauben und Schock darauf reagieren werden. Und wenige Personen, die bislang immer als Widersacher des Irrationalen galten, werden nun allmählich mit dem Zugeständnis jener, die ihre Meinung nicht teilten, versehen.

Logiker werden oftmals als Widersacher gesehen, da sie unangenehme Dinge aussprechen, die andere nur denken, oder aber gar nicht erst in Gedanken formulierten. Schnell ist die Brücke geschlagen, dass diese Personen schlichtweg ihrer persönlichen Unzufriedenheit Luft machen und das Wohlergehen anderer gleichgültig ist. Ein Gedanke, der auch dann zum Tragen kommt, wenn der Logiker sich in einem Umfeld befindet, das aus vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten besteht. Man wertet demnach seine Worte bei jenen ein, die tatsächlich nur ihren persönlichen Unmut kundtun, aber keinerlei Bestreben haben, die Ursache für ihren Unmut zu bereinigen. Erst dann, wenn der Logiker mit Ergebnissen aufwartet, die seinen Unmut auch für andere nachvollziehbar veranschaulichen, kann der Logiker von dem destruktiven Kritiker unterschieden werden. Der Weg ist meist steinig und oftmals muss der Logiker dabei zusehen, wie der Emotionale und vor allem der Irrationale ihn in Geschwindigkeit und Erfolg um Längen schlägt. Doch wo die einen ein Leuchtfeuer darstellen, das schnell aufgeht, hell scheint und genauso schnell verglüht, wird der wahre Logiker nach wie vor stetig und langsam seinem Weg folgen.
Und diese Stetigkeit ist der Schlüssel um die Irrationalität zu bekämpfen. Wo der Logiker in seinem Labor, Werkstatt oder Schreibstube sitzt und sich am Freudenleben kaum oder wenig beteiligt, verlieren sich der Emotionale und der Irrationale in ihrer Spirale der Empathie und der Egozentrik. Ablenkung ist der Schlüssel um sich temporär vor Problemen zu bewahren, während der Logiker die Probleme zum Kern seines Daseins macht – mit dem Ziel der Beseitigung des Problems, sei es um sich selbst Kummer vom Hals zu schaffen, oder weil er im Altruismus das Heil aller sucht.

Demnach wird der Logiker weiterhin seine Probleme mit den Emotionalen haben, denen er stillschweigend neidet, da auch er gerne Zeiten der Kopflosigkeit erleben wollen wird. Aber gleichsam ist er auch das wachsame Auge, das denn destruktiven Irrationalen erkennt, ehe der Emotionale auch nur erahnt, dass sein Gegenüber diesen Pfad beschreitet. Somit ist der Logiker derjenige, der in der Verantwortung steht, seine Beobachtungen zu teilen, da er, unabhängig davon, wie viel Wert er auf das Leben anderer legt, in seiner Rationalität den Wunsch nach einem ruhigen Leben und Forschen nur dann erfüllen kann, wenn er jegliche Störquellen auch bewusst beseitigt.

4) Die Vernichtung der Irrationalität – Ein Krieg auf sozialen Fronten?

In erster Linie macht sich jeder Beseelte zu einem Opfer und Angreifer gleichermaßen, wenn er gegen einen anderen Beseelten vorgeht. Kritik am Verhalten anderer wird immerzu als Angriff gewertet. Steht Logiker einem Logiker gegenüber, dann wird der Kampf dazu auf verbaler Ebene ausgefochten und Argument um Argument wird an der Front gegeneinander geführt. Der Kampf ist beendet, wenn eine Partei keinerlei Argumente mehr hervorbringen kann. Der argumentlose Logiker gibt sich geschlagen. Der andere Logiker bedankt sich für die Erfahrung und das lehrreiche Gespräch.

Der Emotionale wird mit dem anderen Emotionalen mit Worten, Händen und Füßen und, mehr oder weniger, ernstzunehmenden Vorwürfen und Gefühlsausbrüchen kämpfen. Trifft er dabei auf einen Logiker, ist der Kampf kurz. Beide Seiten verlieren die Geduld. Beide werden als Verlierer aus der Angelegenheit gehen. Je nach Verbindung zwischen den Parteien, wird es zu einem späteren Zeitpunkt eine Versöhnung oder Klärung geben. Doch in der Regel wird der Emotionale mit dem Logiker selten einer Meinung sein. Man arrangiert sich. Trifft ein Emotionaler auf einen anderen Emotionalen, ist die hingegen jedes Ende möglich. Ein Faustkampf, kann in einen gemeinsamen, freundschaftlichen Abend in der Taverne münden. Ein vollkommen belangloses Thema kann zu einer lebenslangen Feindschaft werden.

Wenn der Logiker auf einen Emotionalen oder Irrationalen trifft, wird er beide in den ersten Momenten wenig unterscheiden können. Erst die Tatsache, dass der Emotionale hinterher die Klärung sucht, während der Irrationale immer und immer versuchen wird dem Logiker deutlich zu machen, dass er selbst derjenige ist, der irrational agiert, wird Aufschluss über den Unterschied geben. Der Emotionale hingegen der mit dem Irrationalen versucht auf logischem Wege zu argumentieren, wird genau an dieser Tatsache scheitern. Er wird sich zu Herzen nehmen, was der Irrationale sagt, da sein Herz immerzu schwerer wiegt als sein Geist. Während der Logiker in seiner Distanziertheit für den Irrationalen nur ein müdes Lächeln übrig hat, oder aber eine gewissen Zorn, da er seine Zeit als verschwendet ansieht.

Schwierig wird das Unterfangen dann, wenn der Irrationale in einer hohen Position ist, die das Gefüge der Gemeinschaft auf vielen Ebenen beeinflusst. Dann ist es durchaus möglich, dass der Logiker sehr lange Zeit keinerlei Möglichkeiten hat gegen diese Person etwas zu tun. Sehr geduldige Logiker werden sich in der Regel in den Dienst der Person stellen und das Vertrauen dieser aufbauen, bis sie genügend Beweise erhalten um diese Person zu stürzen, oder aber von ihrem destruktiven Weg wegzubewegen. Weniger geduldige Logiker, werden ihr Leben zunächst als Widersacher fristen müssen, bis sie genügend Mitstreiter haben, die ihnen den Rücken stärken. Aber selbst da wird es in so einer Situation zu einem Putsch kommen, der das Gefüge der Gemeinschaft ebenfalls empfindlich stören wird.
Im kleineren Rahmen, vor allem im Alltag, ist es deutlich einfacher einer irrationale Person aus einer Gemeinschaft auszuschließen. Doch das sollte nur in äußersten Sonderfällen das Ziel sein, wenn diese Person tatsächlich nur Leid über die Gesellschaft bringt, da sie das Leben und das Seelenheil anderer nicht im geringsten schätzt.

Jeder anderen Person sollte in erster Linie geholfen werden aus diesem Kreis der Zerstörung auszubrechen. Sei es um der Gemeinschaft zu helfen, sei es weil man der Meinung ist, dass auch das Leben jener, die sich selbst nicht erhalten können, genauso wichtig ist, wie das Leben jener, die ihre Liebe nach innen und nach außen tragen.

5) Welche Waffen nutze ich in diesem Krieg?

Waffen gibt es viele. Doch darf nicht das wichtigste unterschätzt werden: Der Schutzschild, der ausgerüstet werden muss, ehe man an die Front geht. Wenn ich selbst zu viele ungelöste Probleme im Herzen oder Geist trage, dann werde ich die Probleme anderer nicht lösen können. Der Schutzschild ist demnach aus Selbsterkenntnis und Selbstzufriedenheit geschmiedet. Zweifle ich an mir, können andere diese Selbstzweifel aufgreifen und als Waffe gegen einen selbst richten. Bin ich jedoch der Meinung, dass mein Schutzschild keine nennenswerten Schäden aufweist, kann ich ihn ausrüsten und mir über die Waffen Gedanken machen. Meistens weiß man erst dann, welche Waffenwahl logisch erscheint, wenn man den eigentlichen Kontrahenten kennt.

Demnach sind Gespräche über Gespräche mit den Irrationalen, und jenen die diese kennen, unumgänglich, wenn wir ihnen wahrhaft helfen wollen.

Der Kern muss gefunden werden. Ist er weich und formbar, sollte man sanfte Waffen wählen und den Kern nicht hart durchstoßen, und dabei unbeabsichtigt vernichten, sondern versuchen mit klaren Bildern und Worten diesen so zu verändern, dass die betroffene Person selbst erkennt, dass sie sich selbst umformen kann, Diese Form der Irrationalität entstammt meist der Hoffnungslosigkeit oder der Überforderung. Sie suchte eine starke und führende Hand, die alle Wege offenbart und bei Bedarf noch etwas nachschiebt, wenn man zögert den Weg zu gehen.

Ist der Kern hingegen hart und undurchdringlich ist fast jede Waffe, die man selbst wählen würde, genehm. Ein massenmordernder Verrückter, der eine Schwäche für Kinderfleisch hat, und das auch mit vollster Überzeugung Angesicht zu Angesicht verteidigt, der sollte im besten und klügsten Fall von jeglicher Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Es gibt durchaus Personen, deren Geist so sehr verdreht ist, dass jedwede Empathie vollkommen entschwunden ist. Auch ihre vermeintlich zur Schau gestellte Emotionalität ist nur ein Abbild, das nicht vom Herz getragen wird. Lediglich ein Mittel um zu bekommen, was man sich erhofft. Viele Beseelte wählen in solchen Fällen nicht nur den Ausschluss aus einer Gemeinschaft für diese Person, sondern bestrafen solch ein Verhalten mit dem Tod.

Ist die Person lediglich auf einem Pfad, der einen wegführt von Moral und Emotionalität und allmählich sich von jeglicher Logik entfernt, dann sollte man in diesem Fall alles daran setzen, diese Entwicklung aufzuhalten, damit sich der vorherige Fall gar nicht erst entwickelt. Nicht jeder, der irrational handelt, wird ein Massenmörder, doch kann das Verabschieden von jeglicher Empathie dazu führen, dass man das Leben anderer bei Bedarf beendet. Wer kein Mitgefühl hat, der hat in der Regel auch keine Schuldgefühle. Die Erkenntnis der Absenz jeglicher Schuldgefühle könnte dazu führen, dass diese Person jede Person, die sich ihr in den Weg stellt, entweder erniedrigt um sie so loszuwerden, oder gar schlichtweg tötet. Sehen wir also in einem Kind oder einem Erwachsenen die Tendenz der Schuldgefühllosigkeit, so muss das Umfeld schnellstmöglich reagieren um den Kern dessen gar nicht erst verhärten zu lassen.

Einfacher wäre es, wenn es eine mustergültige Lösung zu diesem Problem gäbe, doch das können wir in einer Sphäre, wo Dämonen auf unser Sein ebenso Einfluss haben, wie die Götter selbst, nicht garantieren. Dämonen werden genau diese Personen nutzen um sie gegen uns zu lenken. Die Schwachstelle aller Beseelten sind letzten Endes wiederum andere Beseelte.

Schlussendlich kann nur der Krieg gegen die Irrationalität gewonnen werden, wenn man nicht nur bereit ist, anderen wahrhaft zu helfen, sondern auch die Stärke hat, andere solange manipulieren und täuschen zu können, bis sie sich ihrer eigenen Stärke wieder selbst bewusst werden. Wer jedoch ein sehr ausgeprägtes Schuldgefühl oder geringes Selbstwertgefühl hat, oder aber wenig Geduld, wird in dieser Hinsicht keinerlei oder nur wenige Erfolge hervorbringen können.

6) Fazit

Die oben genannte Vorgehensweise mag grausam und auch lebensverachtend wirken, da sie jedweden Sanftmut und Verständnis schlichtweg von vornherein ausschließt, doch was steht dem gegenüber? Gesetzlosigkeit, amoralisches Verhalten und die Unterdrückung jener, die nicht in der Lage sind – oder sein wollen – sich gegen solche Personen erwehren zu können. Der Weg der Logik ist ein Weg der Zerstörung, ohne Aussicht auf Neubeginn, in keinem Moment als wünschenswert oder erstrebenswert erachtet. Im Gegenteil: Die Schaffung von Neuem steht an erster Stelle. Nicht jeder Logiker ist ein Altruist. Auch ist nicht jeder Logiker ein Helfer. Aber dies entschuldigt in keinster Weise die Tatenlosigkeit, wenn die vollständige Absenz eines geordneten Umfelds eine logische Vorgehensweise vollständig unmöglich macht.

Der Logiker wird nie seine Geistesgesundheit über seinen Forschungsdrang und den Drang nach Selbstverwirklichung, die den Geist des Fortkommens unterstützt, stellen. Im Gegenteil, er wird jegliches ablenkende Medium von sich schieben, oder aber beseitigen, damit er sich wieder auf die Arbeit selbst fokussieren kann. Und dazu gehört es, jedwede Irrationalität zu vernichten, die als Gegenteil von Logik gegen alles steht, das der Logiker zu erreichen ersucht. Da der Logiker auch weiß, dass das Ablehnen jedweder Emotionalität seinen Forschungen eher Schaden zufügt, wird er auch niemals die Emotionalität als solche ablehnen. Er wird höchstens Freiräume für sich schaffen, wo die Emotionalität keinen Platz hat, aber jederzeit sich vor Augen führen, wo die Türe aus diesem Freiraum ist, wenn er in seiner Forschung nicht weiterzukommen scheint. Sei es, weil er sich selbst der Emotionalität hingibt, oder weil er sich emotionalen Beseelten mitteilt.

Wer also Irrationalität bekämpfen will, sollte keineswegs mit Emotionen in diesen Kampf ziehen, sondern die emotionslose Logik bevorzugen. Und wenn selbst Logik, nach unzähligen Versuchen, verfehlt, dann ist der Ausschluss der Gemeinschaft der einzige Weg die Gemeinschaft selbst zu schützen.


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