|
*in einem behelfsmäßigen Unterstand in einem Wäldchen, inmitten der Insel welche man Siebenwind nennt, sitzt ein einsamer, vom Schicksal gezeichneter Mann. Auf einem improvisiertem Tisch, welcher aus einem Schild besteht, der auf einem abgesägten Baumstamm liegt, liegt ein Blatt Papier. An einem Baumstamm daneben lehnt der Mann, welcher unruhig mit einem Kohlestift zwischen den Fingern spielt, unentschlossen, ob und wenn ja, was er schreiben soll. Lange Zeit sitzt er dort, bis er nach einer geraumen Weile den Stift oder neben das Papier legt, seinen Kopf nach hinten fallen läßt um ihn durch die Ritzen im dach des Unterstandes von der Sonne bescheinen zu lassen. In dieser Position verharrt er, bis er eingenickt ist.... Eine zeitlang ist nichts weiter, als das zwitschern der Vögel und das knacken des Unterholzes zu vernehmen. Es mögen nur Minuten oder Stunden, vielleicht sogar einige Zyklen verstrichen sein, als der Mann langsam blinzelnd seine Augen öffnet. Als er sich reckt, stößt er dabei den behelfsmäßigen Tisch an, woraufhin der Kohlestift und das Papier auf den erdigen Waldboden fallen. Es dauert eine Weile, bis sich der Mann im klaren ist, warum er diese Gegenstände auf den Tisch legte, denn sein Schlaf war tief und schenkte ihm für einige Zeit ruhiges Vergessen. Doch als es ihm wieder einfällt seufzt er schwer und betrachtet lange und eindringlich das leere Blatt Papier, welches dort, zum Teil mit Erde bedeckt am Boden liegt. Dann endlich besinnt er sich, hebt die beiden Schreibutensilien auf und legt sie zurück auf denTisch.
"Ach verdammt, ich habe jetzt sowieso nichts mehr
zu verlieren!" ruft er plötzlich vor sich, nimmt entschlossen den Kohlestift zur Hand und fängt an zu schreiben. "So, du willst dich also mit mir treffen, nach allem, was du mir angetan hast? Es mag von Courage zeugen, dass du noch den Mut besitzt, mir in die Augen schauen zu wollen, aber vielleicht ist es auch Unverfrorenheit. Falls du es nicht weiß, du hast mir schon zum dritten mal einen Dolch ins Herz gestossen, wie oft soll ich das denn bitte noch ertragen? Aber es scheint dir egal zu sein, ja ich kann es vielleicht sogar verstehen, wenn auch nicht gutheißen. Glaube mir, ich schreibe diese Worte besonnen und nicht im Zorn, denn wenn ich je einen gerechten Zorn empfunden hätte, dann hätte das alles ein anderes Ende genommen. Nein, ich habe lange und intensiv darüber nachgedacht, ob ich dir schreibe und vor allem, ob ICH es ertragen könnte, dich nochmal wiederzusehen. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich dir unterstellen, dass du an mir böswillige Rache nehmen wolltest, für die Torheit und den Schmerz, den ich dir damals angetan haben soll. Doch habe ich zu jener zeit schon mehr als genug gelitten. Gern würde ich dir deine Worte vorhalten, doch ich tue es nicht. Ich habe es nicht nötig, mich in Unbeherrschtheit undWut zu ergeben, wenn auch mein Wille endgültig gebrochen ist, so sei mein Stolz mir gegeben, auf das er noch lange besteht. So du mich sprechen willst, sage mir wann, ich sage dir dann den Ort... Rancor"
Nachdem er den Brief geschrieben hat, nimmt der Mann ihn in die Hand und liest ihn nochmals durch. Lange sinniert er über die von ihm geschriebenen Worte nach, schüttelt enttäuscht den kopf und zerknüllt den Brief zu einer unförmige Papierkugel, welche er achtlos in den Wald wirft. Den Kopf auf der Hand abgestützt, während der Ellenbogen auf dem Tisch ruht, zeichnet er mit dem Kohlestift undeutliche Worte auf den Schild, nur um sie sofort danach wieder wegzuwischen. Dann wiederholt er dieses, schreibt Worte und malt unkenntliche Bilder auf den zerkratzten Schild und wischt letztendlich mit der Hand darüberzuwischen. Das ganze setzt sich solange fort, bis die Sonne schon wieder im begriff ist, unterzugehen und der Kohlestift aus kaum noch mehr besteht als aus einer Kugel, nicht größer als ein Hasenköttel. Achtlos wirft er die Kugel in den Wald hinein und wird erneut des zerknitterten Briefes gewahr, welcher immer noch zwischen einigen Brombeersträuchern liegt. Grummelnd geht er zu der weißen Kugel aus zusammengedrücktem Papier, hebt sie auf, glättet sie, rollt sie dann zusammen und gibt sie einer Taube an den Fuss.
"Ich bin ein noch größerer Trottel, als ich dachte. Ich werde es wieder bereuhen, das fühle ich. Ach verdammt nochmal!"
flucht der Mann erneut in den Wald hinein. Erschrocken durch das rufen fliegt die Taube auf, mit einem uns unbekannten Ziel, doch Taube und der Mann wissen nur zu gut, wohin die Reise gehen soll. Grübelnd und nicht sicher, das richtige getan zu haben, trottet der Mann wieder unter seinen Unterschlupf. Wenig später fängt es an zu regnen und die nacht bricht herein.....
|