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 Betreff des Beitrags: Gepeinigt und Gereinigt
BeitragVerfasst: 16.11.15, 19:54 
Einsiedler
Einsiedler

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Beiträge: 29
Sevis trat, nachdem Bruder Phillip aus dem Zimmer ging, zu dem freien Bett und ließ sich langsam nieder. Der ganze Tag war sehr lehrreich und aufschlussreich zugleich. Seine Miene wurde nachdenklich, als er sich seine Rüstung abschnallte und die Fibel seines Umhangs löste. Viel war geschehen und sein Leben verlief nun in eine Richtung die ihm durchaus gefiel. Als er in Unterwäsche vor dem Spiegel stand, musterte er seinen vernarbten Körper, der auch einige Brandwunden aufwieß. Viele der Narben, wird nie jemand zu Gesicht bekommen und auch nie Fragen stellen, dachte er, während er mit der rechten Hand über jene Narben striff. Erinnerungen schossen ihm schmerzlich in den Kopf und er kniff die Augen zusammen. Zu viel verbarg die Vergangenheit, doch wie sein neuer Meister sagte, er ist nun nach dem Eintritt in den Orden ein weißes unbeschriebenes Pergament, ein neuer Mensch, jemand dessen Vergangenheit nichts wiegt, dessen Schuld vergessen scheint und dessen Leid niemand mehr hören würde. „ Ein unbeschriebenes Pergament“ murmelte er leise und begann sich bequeme Sachen anzuziehen.

Nachdem er sich frisch machte setzte er sich an den Tisch im kleinen Ordensraum und kramte sein altes Tagebuch hervor. Wenn man es genauer betrachtete konnte man erkennen, dass es viele vergilbte Seiten besaß und es wohl, anhand des Zustand des Einbands, oft Nutzung fand. Er blätterte im Buch, schüttelte dann den Kopf, zückte flink einen Dolch und schnitt die schon beschriebenen Seiten heraus, ehe er sie in seine Tasche steckte. Danach besah er sich das nun „leere“ Buch. Zufriedenheit fand Einzug in seine Gesichtszüge. Mit ruhiger Hand begann er mit einer Feder im Buch zu schreiben.


Zitat:
Felatag, der 15. Seker

Es ist komisch, wieder in dieses Buch zu schreiben. Seltsam darüber nachzudenken, was hier vorher stand und welche Gedanken jetzt ihren Platz hier finden...

Viel ist passiert seit dem ich den ersten Schritt auf diese Insel gesetzt habe. Wo fange ich an? Ich glaube es beginnt damit, dass ich den Geruch von gefallenem Laub in der Nase hatte, gemischt von dem frischen Wind der durch die Straßen von Falkensee wehte. Die kleine Stadt besitzt einige Wasserläufe und Brunnen, die mich an meine Heimat erinnern. Heimat... Lange habe ich so keinen Ort mehr genannt. Was bedeutet Heimat … für mich? Ein Ort an dem ich mich geborgen fühle? Gebraucht? Nützlich? An den ich gerne Denke, für den ich Kämpfe und für den ich bei der Verteidigung mein Leben lassen würde... Ja das ist Heimat.

Ich habe in den letzten Tagen einige interessante Menschen kennen gelernt unter anderem einen bemerkenswerten Mann, Hochwürden Altor. Diesem Mann begegnete ich bei einer Expedition, die ihren Ursprung auf dem Marktplatz in Falkensee hatte. Er kämpfte so voller Überzeugung und war stets bedacht, die Gruppe zu schützen. Er inspirierte mich mit seinem Tun und Wirken so sehr, dass ich dem Orden des Schwertes des Bellums beitrat. Nun bin ich einer von Ihnen ein Anwärter, ein Diener im wahrsten Sinne des Bellums. Ob ich darüber nachgedacht habe? Sagen wir es war ein Bauchgefühl, ein Gefühl das mich schon so oft recht beraten hatte.

Nun nenne ich einige Menschen auf der Insel meine Brüder und Schwestern, unter Ihnen befindet sich ein interessanter Elf Namens Tendarion, ich weiß nicht warum aber er strahlt so etwas aus, dass ich nicht beschreiben kann. Er scheint eine Art „Mann für alle Fälle“ zu sein. Ich wollte nicht aufdringlich erscheinen aber die Suppe die er kochte roch sehr gut, weiter kümmerte er sich generell um die Fragen des leiblichen Wohls, ein Heiler in jeder weise. Komisch, dass ich ihn nur kurz kenne und mir doch so viele Gedanken darüber mache.

Halgrim Goldaxt - Ich glaube der Name sagt schon alles. Er ist einer vom Zwergenvolk und ich nenne ihn ebenfalls meinen Bruder im Glaube und mein Bruder im Kampfe, er half mir gegen die Banditen und sorgte sich um mich. Er scheint ein sehr treuer Gläubiger zu sein und zudem sicher bald ein Novize. Ich freue mich auf seine Lehrstunden.

Doch die Person die mich am meisten in den Tagen beeindruckte war der Kanzler, der trotz eines Zwistes mit dem Oberhaupt der hiesigen Kirche, ruhig und besonnen blieb, Fassung behielt und sich diplomatisch auszudrücken wusste. Er ist erst seit kurzem Kanzler doch nach dem ersten Auftritt vor dem Lehensbanner würde niemand behaupten er verstehe sein Handwerk nicht.


Ich habe bevor ich hier auf die Insel Siebenwind kam, zu viel in der Vergangenheit gelebt, zu viel darüber nachgedacht was mich an diesen Punkt brachte. Nun aber möchte ich nach vorne Blicken, über den Horizont hinaus, gespannt darauf was mich dort erwartet.


Er setzte kurz die Feder ab und blickte aus dem Fenster, es war schon tiefe Nacht und im Untergeschoss schien immer noch reges treiben zu sein. Kurz schaffte es ein sanftes Lächeln auf seine Lippen, ehe es wieder dem nachdenklichen Gesichtsausdruck platz machen musste. Ruhig schrieb er weiter.

Zitat:
Custodias sprach ein Thema an, meine Vergangenheit. Ich nannte ihm nur die Sachen die ich erklären konnte, die Qualen und die Pein die ich erlitt sollten fest verschlossen in meinem Herzen sein. Hinter einem Gitter das versiegelt ist, dass niemand öffnen kann... Vergangenheit … Nichts was ich gerne zu Tage fördern würde …



Er hob den Kopf, blickte zu dem Mond und schüttelte kurz die Glieder, danach klappte er das Buch zu pustete die Kerze auf dem Tisch aus und legte sich schlafen.


Zuletzt geändert von Sevis: 17.11.15, 14:42, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Gepeinigt und Gereinigt
BeitragVerfasst: 17.11.15, 08:44 
Einsiedler
Einsiedler

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Beiträge: 29
Nach der ganzen Aufregung um den Brand, trat Sevis in den Ordensraum, legte seine Rüstung ab und legte sich in Gedanken versunken auf das Bett. Seine Gedanken kreisten um die Stunden davor, warum hatten alle versucht ihm zu erklären was eine Familie ist? Warum mussten sie so akribisch nach Bohren. Er schüttelte kurz den Kopf, schloss die Augen und genoss die Schwärze, die Ruhe die von dieser Farbe ausging kannte er zu Gut. Ruhe …

Nach einer Weile erhob er sich wieder, um sich an den Tisch zu setzen. Bedächtig holte er sein Tagebuch hervor und begann darin zu Schreiben.




Zitat:
Mondtag, der 16. Seker

Ereignisreich und verstörend, könnte man den Tag heute beschreiben. Nicht nur ein Haus stand in Brand sondern mein ganzer Körper fühlte sich an als würde sich Hitze in ihm entwickeln…. Doch alles nach der Reihe.

Ich lernte eine junge Dame kennen Namens Zwilfy. Sie besitzt weißes Haar und das in ihrem Alter, ich denke, dass es eine Laune der Natur war die ihr diese Haarpracht einbrachte. Dennoch sind ihre Haare nicht das seltsamste an dieser Frau. Ihre Art und Weise, wie sie mich anschaut, angrinst und anlächelt es ist komisch, es pocht leise an das Tor, dass ich verschlossen hatte. Nur leise ohne daran zu reißen. Es ist beunruhigend, dass eine Person die ich kaum kenne, so einen Einfluss auf mich ausübt.

Nunja, Custodias machte mit uns eine Rundführung durch die Tempel der Vier. Über jeden der Vier erzählte er etwas und ihre Aspekte. Es war sehr Aufschlussreich und zugleich Verstörend. Wir fingen beim Tempel Bellums an. Gerechtigkeit, Ehre und Mut sind seine Aspekte. Ich mag jedes einzelne davon und möchte sie in meinen Alltag einfließen lassen, mutig sein, ehrenhaft und gerecht meinem Gegenüber. Es ist mein Bestreben nach dem Vorbild Bellums zu leben, ihn zu ehren und ihm ein guter Diener sein.

Der nächste Tempel war der Tempel der Vitama. Leben, Musik, Kunst und Liebe. Ein Tempel den ich beim Eintreten schon lieber wieder verlassen hätte, aber ich wollte nicht unhöflich erscheinen. Natürlich weiß ich das Vitama ein Teil allen Lebens ist und auch mir das Leben einhauchte, dass sie Teil der Natur ist und des Lebens an sich. Doch der Tempel erfüllte mich mit einem unruhigen Gefühl, ich erinnerte mich an meinen Vater, ich erinnerte mich an seine Worte und diese waren nicht im Einklang mit der Liebe die Vitamas Prediger nennen. Gefühle und Liebe spielten in meinem Leben noch nie eine große Rolle, ich hatte eine einzige Person gerne und die habe ich verloren, für immer. Als wir nach oben gingen, staunte ich nicht schlecht. Kunstvolle Gemälde standen dort und es waren Decken auf dem Boden gelegt, die zum Verweilen einluden. Custodias erklärt für was diese „Gelage“ seien, für die Zusammenkunft von zwei Liebenden, ein Aufenthaltsort für die Zweisamkeit. Ich lebe nicht hinter dem Horizont und wusste worauf er hier anspielte, allerdings war mir das Thema sehr unangenehm. Ich selbst habe mich mit dem Thema Liebe und Frauen bisweilen in keiner Weise auseinandergesetzt, warum auch, ist mein Weg doch der, der Ehre und des Mutes, was kümmern mich solche Sachen….Das rede ich mir ein, in Wahrheit, bin ich jemand der noch nie gelernt hat was Liebe ist, der noch nie gefühlt hat wie es sich anfühlt berührt zu werden. Geborgenheit ist ein Fremdwort für mich und dementsprechend war das alles recht befremdlich. Dazu kam noch der Blick von dieser weißhaarigen Frau der an meinem Gitter pochte…



Schon erschreckend, bevor ich hier her kam hab ich nie darüber nachgedacht ob ich mich allein gefühlt habe, ich hatte viel zu viel damit zu tun am Leben zu bleiben.



Er hob seinen Kopf, blickte nachdenklich zur Türe, erhob sich und streckte seine Glieder. Langsam öffnete er sein Hemd und blickte in den Spiegel. Die große Brandwunde auf seiner Brust zog sich über den kompletten muskulösen Bauch. Vereinzelnd sah man die Narben die wohl fast gleichzeitig wie die Brandwunde entstanden waren. „ Nie wieder …“ murmelte er leise und knöpfte das Hemd zu. Ruhig trat er hinunter in die Küche und überblickte das Angebot in der Vorratskammer. Er griff sich eines der Brote heraus, brach es und zog den Geruch in sich ein, ehe er ein Stück davon zu sich nahm. Seine Augen weiteten sich und ein zufriedenes Lächeln kehrte auf seine Gesichtszüge zurück. „ Der Elf hatte Recht … Es ist köstlich.“ Murmelte er leise, nahm sich ein Stück mit und ging zurück in seine Stube, um mit dem Schreiben fortzufahren.
Zitat:
Der dritte Tempel den wir aufsuchten war der Tempel des Morsan. Ein Gefühl der Ruhe kehrte ein, als ich diesen Tempel betrat. Ich dachte in diesen Hallen und in diesem Moment viel über die Gefallenen nach, wo sie sind, ob sie mir verzeihen. Die Schmerzen, die ich hinter dem Gitter, versiegelt im Inneren, verrotten ließ versuchten nach meinem Herz zu greifen, um es schwerer zu machen, um mich daran zu hindern vorwärts zu gehen. Ich presste sie zurück, kämpfte innerlich mit mir selbst, war Erfolgreich und doch wurde es bemerkt, Schwester Ravenne sprach mich danach an, es würde mir der Tempel immer offen stehen, sollte ich meine inneren Kämpfe nach außen tragen wollen. Im Nachhinein, war es keine gute Idee mich so gehen zu lassen, es zuzulassen, dass dieser Schmerz mich beeinflusst. Doch zu meiner Verteidigung kann ich vorbringen, dass ich durch den verstörenden Besuch im Vitama Tempel etwas geschwächt war.

Der vierte Tempel war der des Astraels – Wissen, Magie und Gleichgewicht zeichneten ihn aus. Eine Waagschale stand auf dem Altar, ein Zeichen für die Argumente, frage ist nur welches überwiegt oder ob sie sich gleich sind. Custodias Führung ging zu Ende es waren einige sehr nachdenkliche Moment für mich aber auch sehr aufschlussreiche.

Nachdem die Führung fertig war gingen wir nach draußen, als wir eine schöne Melodie wahrnahmen, die aus dem Vitamatempel zu stammen schien. Wir begaben und dorthin und lauschten der schönen Musik die wie durch Geisteshand von der Harfe erklang. Ich setzte mich ein Stück von den anderen Weg. Es war keine einfache Melodie, es war eine die den ganzen Körper berührte, jede Faser brachte sie zum Vibrieren, es war überwältigend. Bevor ich merkte wie mir geschah, floss mir eine Träne über die Wange, die ich natürlich ohne das es jemand bemerkte, weg wischte. Das Lied rüttelte ebenfalls an meinem Gitter, warum bei Bellum’s Namen möchte jeder das ich es aufstoße und all die Schmerzen noch einmal durchstehe?

Ich verließ den Tempel, zu viel Gedanken im Kopf machten mir es unmöglich weiter der Musik zu lauschen, ich wollte nicht das Jemand mit bekommt, wie ich mich winde. Ich trat dort ein, wo ich dachte ich könnte alleine sein, weg von den anderen, meinen Gedanken nach hängen, sie sortieren. Dieser Elf Tendarion er ging mir nach. Ich weiß nicht warum aber ich glaube ihm macht es Spaß Leute auszufragen zu analysieren und sie zu quälen. Er stellte mir Fragen über das was ich mich am meisten im Leben freue, ich antwortete, mein Leben. Natürlich ist das nicht die Wahrheit, nicht die Ganze. Es gibt etwas, das mir noch mehr Freude macht, Poesie. So Etwas würde ich aber nie zugeben. Poesie ist bei manchen gleichzusetzen mit Schwäche, Gefühlen und Liebe. Ich selbst Dichte gerne, schreibe mir das von der Seele, was mich bewegt, damit ich nicht damit umgehen muss. Wie auch immer, es stieß Ravenne zu uns und sie fragten mich über Familie, was sie für mich bedeutet, was es für mich ist. Ich antwortete, Verpflichtung. Genau das ist es, eine Verpflichtung. Mein Vater sagte einst“ Familie heißt die Pflicht alles zu tun, damit der andere sich nicht an einem Stört“. So lange ich alles tat was mein Vater von mir wollte, bekam ich zu Essen und konnte etwas Freizeit mit meiner Katze verbringen. Irgendwann war ich Krank und konnte nicht aufs Feld zur Arbeit, er nahm mir die Katze weg und ersäufte sie … Ich wäre Krank geworden weil ich zu viel mit diesem Tier spiele, wenn man Arbeitet würde man nicht krank werden.

Tendarion erhob sich kurz daraufhin und verließ den Tempel, um nach kurzer Zeit mit einer Kette wieder zu kommen. Er legte sie mir um den Hals und ich war überwältigt von dieser Bereitschaft alles über mich herausfinden zu wollen, doch leicht würde ich es ihm nicht machen. Niemand sollte von meiner Vergangenheit erfahren, niemand sollte mich bemitleiden oder mir sagen es sei nicht meine Schuld, es ist meine Schuld. Die weißhaarige setzte sich neben mich, dichter als mir lieb war. Sie wurde aufgefordert etwas über Familie zu erzählen. Nach ihrer Ausführung hörten wir einen großen Knall, der diese Fragestunde glücklicherweise beendete.

Wir eilten nach Norden, woher der Knall kam und entdeckten ein brennendes Haus. Wir löschten das Feuer mit allen umstehenden und Tendarion und ich zerschlugen ein Fenster an der Seite des Hauses, um zu sehen ob im Inneren jemand in Gefahr sei. Wir entdeckten niemanden und so ging ich mit dem Kanzler zusammen zum Lehensbanner um Bericht zu erstatten. Nachdem die Formalitäten geklärt waren, ging ich zurück zum Ordenshaus wo ich die weißhaarige zusammen mit unserem Kanzler in vertrauter Unterhaltung wieder fand. Kurz pochte wieder etwas an meinem Tor, wollte heraus, doch ich ließ es nicht zu, verabschiedete mich und ging in mein Gemach.



Ich denke viel über die Zukunft nach, möchte die Vergangenheit hinter mir lassen, doch scheint sie mein ewiger Schatten. Ein Schatten der mich ab und an zu Boden ringt, der versucht in mich einzudringen, mich zu beeinflussen.



Weg mit dir oh du Dunkelheit,
dringst in jede Ritze in der kein Licht mehr weilt.
Zerstörst die Hoffnung, zerstörst den Mut,
brennst alles schöne aus mir du unersättliche Glut.

Hör auf an mir zu reißen,
Hör auf zu knurren hör auf zu beißen.
Wie eine dreckiger Hund folgst du mir,
sprudelst aus der Oberfläche wie ein brodelnder Geysir.

Ungebändigt würdest du mich verschlingen,
deshalb stach ich in dich meine Klingen,
Klingen aus Hoffnung Klingen aus Wut,
Geh weg du Dunkelheit du unersättliche Brut.



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BeitragVerfasst: 17.11.15, 14:41 
Einsiedler
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Es war dunkel und der Mond schien hell über der Stadt Falkensee. Der Wind trug die Kälte durch die dunklen Gassen und Nebel waberte knapp über dem Boden um Sevis Beine, als er die Stadt betrat. Nachdenklich blickte der junge Anwärter Bellums drein, als er zum Ordenshaus aufbrach. Seine Augen halb geschlossen und erschöpft wirkend, betrat er den Tempelbereich. Sein Blick richtete sich auf den Tempel Vitama's. „ Ich weiß, dass ich dir missfalle … mein tun dir nicht zur Freude gereicht, doch ich tue es nicht, weil ich es nicht genießen würde...“ murmelte er leise und trat dann zum Ordenshaus. Langsam trat er die Treppe nach oben in sein Schlafgemach und legte routiniert die Rüstung ab, ehe er sich erschöpft in sein Bett fallen ließ. Es dauerte nicht lange und er schlief ein.

Plop … Plop … Plop. Stille......

Plop, Plop, …. Plop, …. Ketten Gerassel … Stille.

Männer lachten … gemein und dreckig ….Stille

Plop …. Plop …. Plop … Plop … Stille....

Ein Schrei, wimmern … Jammern … Stille …

Schwärze, Ruhe und den Hauch des Todes im Nacken …. „ Morsan erlöse...mich“ haucht eine heißere Stimme.... Plop Plop …. Stille....

Dann kam sie, die alles einnehmende Schwärze der Schlaf der den letzten Atem nimmt und einen sanft aus dem Leben reißt. „ Nichts da!“ brüllte eine Person und der Geruch von verbranntem Fleisch stieg in die Luft, ein Schrei durchbrach zeitgleich die Stille und wieder hörte man Stöhnen, sowie das Blut das mit einem leisen „plop“ von den vielen offenen Wunden, über den Unterleib zu den Füßen, auf den Boden tropfte....


Sevis schreckte auf, hielt sich den Kopf und blickte zu seinem Körper. Langsam erhob er sich, trat zum Tisch auf dem eine Karaffe mit Wasser stand. Nachdem er seine Kehle befeuchtete, blickte er aus dem Fenster, um sich sogleich wieder in das Bett zu legen, hoffend das der Alptraum nicht noch ein Mal zu ihm fand.

Sevis stand in einem weißen Raum, kein Licht erhellte ihn er war einfach warm, hell und weiß. Man erblickte keinen Anfang, kein Ende nur Leere.“ Lebe“, hauchte eine sanfte Stimme zu ihm. „ Lebe und versperr dich nicht.“ fuhr sie fort, dann meinte Sevis ein schemenhaftes Gesicht in der endlosen Weite zu erblickte, es besaß zu Anfang kein Gesicht, ehe es die Gesichtszüge von einer weißhaarige Dame annahm. Sevis rieb sich die Augen und musterte die Gestalt, die ihn nur mit ihren sanften durchdringenden Augen anblickte. Wärme begann sich in seinem Körper auszubreiten. Wärme die er noch nie spürte. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, Glück durchdrang jede einzelne Faser seine Körpers und seine Augen leuchteten. Dann verblasste das Gesicht und es fand die gewohnte Kälte in seinen Körper Einzug. Alles erstarb, die Gefühle, die Wärme, das Leuchten in seinen Augen und sein Lächeln. Er kauerte sich auf den Boden, schlang seine Arme um die Knie und sah seinen Vater vor sich stehen. „ Du bist Schuld! Nur du alleine! Du hättest alles von mir bekommen, mein Herz meine Liebe, doch du nimmst mir das Kostbarste! Du lebst und sie ist Tod! Ich wünschte du wärst nie geboren, dann würde sie noch Leben!“ danach holte sein Vater mit dem Stock aus und hiebte auf ihn ein. Bevor jedoch der Stock sein Ziel traf, erschien ein gleißendes Licht und die weißhaarige Frau stand wieder vor ihm, wischte die Erscheinung seine Vaters weg, die wie schwarzer Rauch nach oben stieg, um sich sodann aufzulösen. Lächelnd hob sie ihren Arm zu ihm und reichte ihm ihre Hand. Sevis blickte auf und nahm ihre Hand …..

Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen wachte Sevis auf blickte auf seine Hand, die gerade noch … nein, dass war ein Traum … Ein Trugbild, Wunschdenken......Wunsch denken? Wünschte er sich doch bei ihr zu sein? Allein nur ihre lebendige Art zu erleben? Sie besser kennen zu lernen? Tendarion erwähnte etwas, dass ihm nicht aus dem Kopf ging … „ Ich habe sie so noch nie gesehen, sie mag dich ….“, Sevis schüttelte den Kopf, zog sich an und machte sich auf den Weg zum Waschraum.


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 Betreff des Beitrags: Re: Gepeinigt und Gereinigt
BeitragVerfasst: 18.11.15, 18:45 
Einsiedler
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Sevis trat nach dem Frühstück in sein Zimmer zurück und begann in sein Tagebuch zu schreiben

Zitat:
18. Seker

Ich hatte einen merkwürdigen Traum. Eine Mischung aus meiner Vergangenheit und meinen Gedanken zu ... dieser Dame. Ich weiß nichts damit anzufangen doch fühlte es sich Gut an. Vielleicht sollte ich tatsächlich Tendarions Bitte nachgehen und mit Custodias über alles sprechen. Vielleicht kann er mir helfen zu verstehen... Heute früh fühlte ich mich erholter als lange nicht mehr, vielleicht.. Nunja ...






Er unterbrach sein tun, als er jemanden draußen vor dem Fenster sah, klappte sein Buch zu und ging die Treppe runter.


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 Betreff des Beitrags: Re: Gepeinigt und Gereinigt
BeitragVerfasst: 20.11.15, 09:26 
Einsiedler
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Sevis blickte sich im Tempel Bellums um, eine Geborgenheit strahlte dieser Ort für ihn aus. Ein sanftes Lächeln huschte auf seine Lippen, ehe er sich abwendete und den Weg zum Ordenshaus einschlug. Der Tag ging zu ende und so verabschiedete sich die Sonne und machte dem Mond und der Ruhe platz. Oben in seinem Zimmer angekommen fiel sein Blick auf das Tagebuch, ruhig griff er es und begann darin zu Schreiben.


Zitat:
Mittentag, der 18. Seker

Ich muss diesen Eintrag nachholen. Am gestrigen Tage war ich sehr mh mitgenommen und konnte leider nicht schreiben. Es war ein sehr ...aufwühlender Tag. Ich möchte nicht viel darüber schreiben außer, dass ich nun ein anderer Mensch bin, ich fühle mich leer, alles was ich verbarg, verheimlichte oder gar verdrängte kam ans Licht. Eine Person auf dieser Insel weis nun mehr über mich als je ein Mensch zuvor. Ob ich Angst habe? Komischerweise habe ich das Gefühl, dass jene Person das Geheimnis für sich behält.

Das einzige was mir Angst macht ist die Leere die nun dort Wohnt wo einst all der Schmerz war. Wie ich diese Leere ausfülle? Ich weiß es nicht. Derzeit versuche ich die Welt offener zu sehen, mehr zuzulassen. Langsam aber stetig mich auf Beziehungen einzulassen, andere einbeziehen, Freunde finden …. Freunde … Das letzte Mal das ich jemanden einen Freund genannt habe, ist so lange her. Nun habe ich es über die Lippen gebracht und sagte es zu Tendarion. Schon seltsam.

Nun danach traf ich mich noch mit dem Kanzler. Genaueres über das Gespräch möchte ich hier nicht festhalten, doch was ich sagen kann ist, dass ich ein neues Ziel mein eigen nennen kann. Vielleicht erfüllt mich dieses höhere Ziel, vielleicht gelange ich so an die Weisheit die mir noch fehlt.


Ruhig saß Sevis da, blickte aus dem Fenster und versank in Gedanken. Langsam erhob er sich, zog sich um und legte sich schlafen.

„Hey kleiner, Schlaf doch nicht mit offenen Augen!“ brüllte Brim, die kleine rothaarige, Zwergin und stupste ihn mit ihrer Axt an. „ Mach ich doch gar nicht!“, meinte der junge blond haarige Junge, den man auf gut 17 Jahre schätzen könnte und verzog etwas schmollend die Lippen. „ Zieh Sevis doch bitte nicht auf Brim, er hat eben noch nie ein richtiges Weibsbild gesehen und hängt noch Katharina nach“, sprach der große in eine Plattenrüstung gehüllte Krieger, ehe danach sein tiefes Lachen ertönte. Sevis Wangen wurden rot, blickte zur Seite und verschränkte die Arme vor der Brust. „ Jetzt hast du ihn aber erst recht aufgezogen Norbert!“, hallte es lachend von dem dürren, in einer grauen Robe gehüllten Magier Sonther entgegen. Das heitere Gespräch endet abrupt, als ein Schrei von dem Späher von vorne ertönte „ Achtung Trolle!“....

Der Traum verblasste, löste sich in Nebel auf und schwärze nahm den Platz ein. Ruhig trat aus dieser schwarzen Stille ein Mann ins Bild, es schien Tion zu sein. „ Du bist nun ein weißes Pergament, unbeschrieben und bereit zum Neuschreiben.“, hallte seine Stimme durch die schwärze, ehe er verblasste. Die Umgebung wurde weis und ein Schild sowie ein Schwert tauchte in seinem Traum auf...

Sevis wachte auf und blickte zur Decke. Eine ganze Zeit lang lag er so da, nachdenklich....


Ruhig erhob er sich und ging zu seinem Buch, ehe er weiter schrieb.

Zitat:
Vierentag, der 19. Seker

Es war ein schöner Tag, wobei es einige Momente gab die mich verwirrten.

Ich traf auf der Burg Schwingenwacht ein und begleitete den Kanzler bei seinen Gesprächen. Der Hobbit schien sehr froh über die Entscheidung des Kanzlers. Generell hatte ich den Eindruck, als sei der Kanzler am heutigen Tage sehr zufrieden mit seinem Tun, dass gönne ich ihm von ganzem Herzen.

Danach machte ich mich auf die Suche nach Bruder Goldaxt, wollte er mir doch noch eine Lehrstunde geben. Leider kamen wir nicht dazu, die Blutgarde machte Falkensee unsicher und so machte ich mich zusammen mit Goldaxt auf den Weg zum Lehensbanner. Dort angekommen schienen sie schon Abmarsch bereit und wir begleiteten den Kanzler mit dem grauen Erzmagier. Wir gingen zur Akademie in Falkensee. Was dort passierte, werde ich hier nicht notieren ich kann nur sagen, dass der Kanzler jemand ist, den man nicht verärgern möchte.

Nach dieser Zeit machte sich der Kanzler zusammen mit Bruder Goldaxt und mir auf den Weg zu Tion, der uns schon im Schrein in Brandenstein erwartete. Wir philosophierten über Fragen des Glaubens, dass fand ich sehr spannend und erkenntnisreich. Danach gab er uns die Gelegenheit fragen zu stellen. Ich hatte so viele Fragen die mir auf der Seele brannten, doch gab ich Bruder Goldaxt Vorrang. Er sprach über Themen die ich noch nicht begriff und Tion sagte, dass sich der Sinn mir irgendwann erschließe. Verwirrter und mit noch mehr Fragen ging ich aus dieser...Lehrstunde und setzte meinen Kurs in Richtung Tempel. Ich machte mir einige Notizen, vielleicht sollte ich sie mit Tendarion besprechen. Vielleicht werde ich dann mehr verstehen und könnte mein Wissen erweitern... Ich hatte das Gefühl, als Custodias mir seine Lehrstunde gab, alles zu verstehen, jetzt habe ich das Gefühl als nahm ich bisher nur 1 Teil von 100 bestehenden wahr.

Ich habe noch viel zu Lernen und gehe diesen Weg mit kleinen Schritten. Ich hoffe ich kann alles in mich aufsaugen...


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 Betreff des Beitrags: Re: Gepeinigt und Gereinigt
BeitragVerfasst: 22.11.15, 13:09 
Einsiedler
Einsiedler

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Beiträge: 29
Schmerzen durchdrangen seinen Körper. Aus etlichen Wunden floß das süße rote Lebenselixier und tropfte in einem Rinnsal seinen muskulösen Bauch hinunter zu seinen Füßen, wo es sich leise in einer Pfütze des Lebens sammelte. Hin und wieder verlor er das Bewusstsein und verschluckte sich an dem Blut das aus den Wunden im Mundinneren stammte.

Nach einiger Zeit traten die Männer, die das alles zu verantworten hatten, in die Höhle ein. Eine neue Gestallt in Ketten und mit einem Sack über den Kopf, war ihr Gast. Der blonde Gefangene blinzelte etwas und sah nur, dass der Anführer derer die Ihn gefangen hielten, lachte und auf ihn zeigte. Die Augen schlossen sich wieder und die schöne beruhigende Stille trat ein. Ein Schrei durchbrach diese Stille und Sevis sah, wie der Mann der vor ihm auf einen Stuhl gefesselt war ein Schwert in der Schulter stecken hatte. Panik kam in ihm auf. Er kannte diesen Schrei, er kannte diese Stimme, er wusste wer das vor ihm war. Er riss die Augen auf, Adrenalin schoss ihm durch den Körper, seine Muskeln begannen sich anzuspannen, ehe er wieder das Bewusstsein verlor. Schwärze…



Sevis erwachte aus dem Traum, verschwitzt schien sein vernarbter Körper und er atmete schwer. Langsam trat er an den Spiegel, blickte in das gezeichnete Gesicht und begann sich sodann zu waschen. Er strich sanft über die Stellen die am letzten Abend von ihr berührt wurden. Ich werde nicht weg laufen, denkst du das wirklich? …Diese Worte hallten in seinem Kopf wieder. Zwilfy hatte so viele Zweifel zerstreut. Sein Herz schlug etwas schneller und er atmete tief durch. Nach dem er fertig war, begann er sein langes Haar, das ihm bis zu seinem Hintern reichte zu Kämmen. Knapp 50 Minuten verbrachte er damit, es durch zu kämmen und goss dazu ein paar Öle auf das Haar. Nun schien es wie immer gepflegt und duftete nach Seife und dezent nach Kräutern.



Weitere 30 Minuten später kam er herunter und begann seinen Weg zum Tempel des Bellums. Ruhig und mit bedächtigen Schritten trat er demütig, mit gesenktem Kopf vor den Altar, führte das Schwertkreuzsymbol aus und kniete vor ihm nieder. „ Bellum, Beschützer der Schwachen und Streiter für die Gerechtigkeit. Ich danke dir für den Schutz den du den Kriegern des Lehensbanners und mir gewährtest. Stärke meinen Willen am heutigen Tage, damit ich jenen Mut machen kann, die am Verzweifeln sind. Schenke mir Kraft jene Menschen zu beschützen die auf dieser Insel wohnen, die jeden Tag wanken in ihrem Glauben und doch stets auf dem rechten Weg bleiben. Stärke meinen Schild, auf dass ich unschuldige Beschützen kann.“, er schwieg kurz und begann weiter zu reden.“ Ich weiß, ich bin nur einer deiner vielen Diener. Einer unter vielen nichts Besonderes, ich spüre meine Seele und spürte deine Nähe, als Hochwürden sein Seelenschwert herauszog. Ich lauschte dem Vibrieren und hörte etwas, konnte es aber nicht zuordnen. Was ich aber spürte war die Nähe, die Wärme und eine Zuversicht die ich zuvor noch nie spürte. Ich danke dir dafür. Ael.“. Er schlug erneut das Schwertsymbol und erhob sich ruhig. Bedächtig schritt er zurück zum Ordenshaus, um dort in seinem Zimmer das Tagebuch heraus zu kramen. Mit ruhiger Hand führte er die Feder über das Buch.


Zitat:

Königstag, der 21 Seker

Das letzte Mal als ich schrieb ist schon 2 Tage her. Viel ist passiert aber auch manches über das ich lieber Schweige.

Wo fange ich an? Ah ja, ich traf Zwilfy wieder…

Sie raubt mir bis jetzt noch den Verstand. Dort wo ich nach dem Gespräch mit Custodias eine unglaubliche Leere fühlte, fühle ich nun Fülle. Eine Fülle die man nicht anders beschreiben kann als, Glück, Zufriedenheit und Dankbarkeit den Göttern. Sie ist so viel, was ich nicht bin und doch scheint sie ähnliche innerliche Wunden zu haben wie ich. Wenn ich daran denke was sie durch gemacht hat bekomme ich jetzt noch Wut auf diese Dorfbewohner. Wut … eigentlich etwas das ich seit damals nicht mehr gespürt habe. Zwilfy…. Wie der Wind scheint sie, hier und dort zu sein. Ungebändigt wie eine Naturgewalt scheint sie über mich herein gebrochen zu sein, ich frage mich … ob ich es schaffe ein Gedicht über sie zu verfassen….



Frei wie der Wind, der die Bäume umspielt,
kommst du zu mir und veränderst mein Sein.
Einen Bogen gespannt mit einem Pfeil der Zuneigung zielt,
auf mein Herz und trifft mitten ins Schwarze hinein.

Warm wie ein Feuer in einer kalten Nacht,
breitet sich das Gefühl deiner Nähe aus.
Was treibst du mit mir was hast du für eine Macht,
über mich und meinen Körper, komm zeig dich, komm heraus.

Dann stehst du vor mir, trittst aus des Windes spiel,
zeigst mir dein sanftes Lächeln, berührst meine Hülle,
und ich halte dich, nur für den Augenblick und kenne mein Ziel,
jede Sekunde mit dir zu genießen, ich spüre dich und die Zuneigung die unendliche Fülle.

Zwilfy, du bist für mich ein Blatt im Wind,
treibst umher und scheust dich nicht,
anzuhalten dort wo du dich wohlfühlst. Wo viele Menschen sind.
Ich beobachte dich, liebe dich und halte dich in meinem Herzen immer in Sicht.



Es ist nicht Gut. Doch wenn ich meine Gedanken nicht zu Pergament bringe, werde ich noch verrückt. All diese Gefühle die seit dem ich sie getroffen habe in mir umherschwirren. Dennoch muss ich mich auf meine Aufgabe konzentrieren. Auf das was wirklich wichtig ist. Auf meinen Dienst am Herren Bellum.

Tendarion, eine Person die ich in letzter Zeit immer mehr kennen lernte. Er ist sehr Nett, zuvorkommend und ich denke einer der weisesten die ich bisher traf. Jede seiner Antworten scheint philosophisch und mit Bedacht gewählt. Wir sprachen über die offenen Fragen die ich hatte, nach der letzten Lehrstunde. Über Seelen, über die Sphären und über den Einen. Wenn ich an ihn denke hege ich eigentlich etwas Mitleid, trotz seiner Gräueltaten, ein Sohn geboren der nicht geboren werden sollte. Verloren und verstoßen. Es erinnert mich an mich, doch habe ich den rechten Weg behalten. Doch wenn ich wiederum daran denke wieviel Leid er verursacht und das jeder Einzelne wegen ihm einen schwarzen Keim im Inneren der Seele besitzt, weiß ich nicht ob dieser kleine Teil Mitleid irgendwann zum Tragen kommt. Ich spüre Verachtung und Unverständnis. Warum nimmt er schöne Gefühle wie Liebe, Zuneigung und Hoffnung und wandelt sie in, Hass, Neid und Verzweiflung? Ich denke genau dagegen werde ich kämpfen. Es ist kein ausschließlicher Kampf mit dem Schwert oder dem Schild, es geht um mehr als das Körperliche. Es geht um die Seele eines jeden Menschen, genau darum werde ich Kämpfen. Mit Worten und den Lehren Bellums, denn gehet hin und sprecht den mutlosen Mut und folgt jenen die mit Mut im Herzen in den Kampf ziehen, ehre den Mutigen.

Wie dem auch sei, ich hatte ein Gespräch mit einer jungen Dame. Ihr Name ist Marion, ich weiß nicht warum aber es machte mich nachdenklich. Ich sah ihr an, dass sie etwas mit sich herumtrug das sie nicht aussprechen wollte. Das Verhör des einen Gefangenen machte ihr zu schaffen und ich war einer der davon wusste. So lud ich sie in den Tempel ein und sprach mit ihr, bot ihr an für sie da zu sein und würde alles was sie sagt für mich behalten. Sie sprach nicht viel darüber nur, dass es sie belasten würde, sie aber lieber die Ablenkung suche. Ich verstehe diese Haltung, doch wenn man sich dem Problem selbst nicht stellt, wird man nie von der Last erlöst die einem auf den Schultern liegt, ehe man darunter irgendwann zerbricht. Sie sagte ich sei ein außergewöhnlicher Diener Bellums. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht was sie meinte, so fragte ich nach. Ihre Antwort überraschte mich. Sie erklärte mir, sie habe bisher nur Bellumkrieger gesehen die sehr rau waren, kriegerisch und die Schlacht liebten. Ich erklärte ihr, dass ich auch Krieger bin, ich Kämpfen kann und meine Fähigkeiten für das Wohl der Bürger einsetzen möchte. Doch warum sollte ich deswegen Rau sein?

Ist es nicht die Aufgabe des Ordens, nicht nur Schutz im eigentlichen Sinne zu bieten, sondern auch Schutz vor äußeren Einflüssen wie, ketzerische Reden oder Gedanken? Sollten wir nicht jenen Mut zusprechen die mutlos sind? Wie kann ich jemandem Mut zusprechen, wenn ich ihm rau und ohne Sanftheit entgegen trete? Ist es nicht unsere Pflicht auch einfühlsam zu sein um die Menschen zu erreichen die am Boden liegen? Die schon viel Schmach erfahren haben und sich nicht jedem anvertrauen wollen? Ist es nicht unsere Aufgabe jenen zu helfen die zu schwach sind um selbst aufzustehen? Ich verstehe mich in erster Linie als Anwärter zum Behüter des Glaubens, nicht als jemanden der ohne Plan bei jeder Gelegenheit nach vorne prescht. Ist das falsch? Warum die Zweifel an meinem Weg? Waren es Roderiks Worte?

Wenn ich einem Problem gegenüber trete, werde ich versuchen es zuerst im Guten zu versuchen. Zu reden zu schlichten und erst in letzter Instanz das Schwert gegen jemanden richten. Ist es nicht unser Weg die Menschen wissen zu lassen, dass sie nicht alleine sind?

Menschen sind verschieden und so auch ihre Auffassung was richtig und was falsch ist. Ich erhebe mich nicht über sie oder denke mein Weg wäre der Richtige. Es ist mein Weg, für den ich mich entschieden habe, den ich niemandem aufzwängen möchte. Dennoch erscheint er für mich richtig. Wir sind nichts Höheres und nichts Geringeres als jene die um uns herum Glauben. Wir sind alle Diener der Viere, Diener jener Götter die uns erschufen, die uns formten. Niemand steht über den Göttern und niemand sollte es wagen sich über einen anderen zu stellen. Sei zu deinem Feind ehrenvoll. Denn Wille ist der Knochen der meinen Panzer trägt. Mein Wille wird gemehrt durch diejenigen die um mich sind, jene die ich zuvor neutral betrachtete sind mir nun wichtiger, mein Wille stärker. Ich gehe den Weg, für den ich mich entschieden habe…




Er nickte fest, und erhob sich, ehe er das Buch wieder unter sein Bett schob, um dann nach unten in den Ordensraum zu gehen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Gepeinigt und Gereinigt
BeitragVerfasst: 3.12.15, 12:16 
Einsiedler
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Blut befleckte den gelben Stein, der die Form von einem Schwert hatte. Die Blutlache wurde größer unter dem in Rüstung darnieder liegenden Mann mit den blonden langen Haaren. Eine Wunde klaffte an seiner rechten Schulter und er selbst lag wohl bewusstlos auf dem Boden. Schreie, Windgetöse und das Geräusch von donnerndem Gewitter drangen an sein Ohr, als er das Bewusstsein zurück erlangte. Sein Atem ging schnell und er blickte zur Wunde, viel Blut war daraus geflossen und nach seinen Erfahrungen fehlte nicht mehr viel dann würde er erneut das Bewusstsein verlieren oder gar mehr. Mit einer kurzen Anstrengung riss er die Tunika an der Stelle auf, an der das Schwert den Stoff schon geteilt hatte, um ein Stück daraus als Bandage zu nehmen. Mit ernster Miene führte er den Stoff um die Wunde, band ihn fest zu und stöhnte leise, als er den Knoten fest zog.



Durchhalten, nur jetzt nicht noch einmal das Bewusstsein verlieren. Denk an die Zeit des Leidens, denk daran wie du diese Zeit überstanden hast. Keine Panik… Keine Panik! Ruhig … Bellum ist bei dir, er sieht deinen Taten zu…



Er setzt sich etwas auf, um ihn herum standen Soldaten und weiter vorne sah er, wie sie eine Frau herein zerrten und auf die Zinnen brachten. Nach kurzer Zeit ertönte dann das Wort Austausch, die Frau würde freigelassen werden und Sevis würde dann danach frei gelassen werden.


Nach was … Einem Verhör? Folter? Wieder mehr schmerzen? Du schaffst das, du kannst das Ganze noch einmal durchstehen. Kannst du? Du wirst!

Gedanken sausten ihm im Kopf herum und er schüttelte ihn kurz, ehe er dann langsam aufstand, um mit einem der Soldaten mit zu gehen. Er drehte ihm den Rücken zu und Sevis holte geistesgegenwärtig seinen Dolch hervor um ihn in die Seite des Soldaten zu Rammen, der aufgrund des Tumults, der nun von draußen heran trat nur kurz aufschrie und nach draußen eilte. Sevis selbst ließ er alleine stehen ohne Bewachung. Ruhig lauschte Sevis den Worten die von draußen herein kamen. Ein anderer Bellumskrieger sollte ausgetauscht werden für ihn. Er schüttelte den Kopf.

Nein, das wird nicht passieren. Niemals lass ich jemand anderen hier für mich sterben, eher sterbe ich… Denk nach! Was nützt du Tod! Es gibt noch genug Schlachten die geschlagen werden müssen. Willst du sterben? Bist du schon Tod? Lebst du? Träumst du?

Sevis schüttelte etwas verwirrt den Kopf und stieg langsam die Treppe nach oben. Er schlich sich langsam in den Vorraum zu den Zinnen. Er zog sein Schwert hervor und führte es nun mit dem lädierten Arm. Kurz verzerrte der Schmerz sein Gesicht, ehe er die Tür aufstieß. Es stand nur eine Wache dort und der Kampf in seinem Geiste dauerte nur ein paar Sekunden.

Er steht mit dem Rücken zu dir!
Das ist unehrenhaft!
Was aber wenn ich ihn anspreche?
Er wird Verstärkung Rufen!
Es ist unehrenhaft!
Bellum sieht alles!
Aber es würde ein weiterer Streiter Bellums in Gefahr geraten!
Das ist egal!
Es ist unehrenhaft!
Ich kann ihn nicht in Gefahr bringen, lieber lebe ich in Unehre als das ich jemanden für mich sterben lasse.


….. Bellum verzeih ….



Ein erstickendes Gurgeln drang an Sevis Ohr als das Schwert den Schützen von hinten durchbohrte. Langsam kletterte Sevis die Zinnen nach unten und ließ sich das letzte Stück fallen. Unten standen ein paar Leute, mehr konnte er in dem Moment nicht sagen, doch auf einmal flogen Pfeile. Einer davon traf ihn in die Hüfte und durchbohrte seine einfache Eisenringrüstung. Stöhnend ging er zu Boden und ihm wurde schwarz vor Augen.

Das war es, diese Schmerzen. Erinnerungen, verdammt schick sie weg. Diese Bilder, ich will sie nicht sehen.


Er wurde durch Magie geheilt und durchs Portal zurück nach Falkensee gebracht. Noch etwas benommen wankte er zum Hospiz und wurde dort von Tendarion behandelt. Ein Schleier legte sich über seinen Geist und er konnte sich an das kommende nur dumpf erinnern. Seine Hüfte wurde geöffnet, ein Splitter heraus gezogen und die Wunde wieder vernäht. Er verzog aufgrund des Schocks und der Verwirrung keine Miene und spürte nicht viel.

Was hast du getan?
Du hast jemanden gerettet!
Du hast jemanden getötet!
Ehrlos!
Von Hinten!
Niedergestochen!
Ermordet!
Hatte er Familie?
Du willst ein Diener Bellums sein?
EHRLOS!

Als er nach draußen wankte hallten die Worte in seinem Kopf immer und immer wieder, als würde ein kleiner Mann im Kopf sitzen der ihn zum Wahnsinn treiben würde, beharrlich und ohne die Möglichkeit ihm den Mund zu stopfen.

In einem Moment der Klarheit trat er in den Tempel Bellums und kniete sich nieder, ehe er begann zu ihm zu sprechen ….


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 Betreff des Beitrags: Re: Gepeinigt und Gereinigt
BeitragVerfasst: 6.12.15, 14:55 
Einsiedler
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Registriert: 13.11.15, 01:33
Beiträge: 29
Kleine Tropfen des Schweißes bildeten sich auf der Stirn des jungen Mannes. Langsam perlten sie von der Stirn ab und bahnten sich den Weg über die Wangen auf den Boden. Stille herrschte in der Dunkelheit vor, nur den Atem des jungen blonden Mannes hörte man. Er ging schnell, ungleichmäßig und seine Bewegungen schienen sehr unruhig. Plötzlich durchbrach ein Stöhnen die Stille und ein schneidendes „Nein“ entfuhr dem Jüngling, ehe er schweiß gebadet im Bett senkrecht saß. Die Augen weit aufgerissen und seine Miene von Schmerz und Trauer gezeichnet. Zitternd hob er die Hände und blickte auf jene, ehe er den Kopf schüttelte und sie wieder auf den Beinen ruhen ließ.

Kurze Zeit später, saß er mit Hemd und Hose auf dem Stuhl und schrieb in sein Tagebuch.

Zitat:
Felatag, der 6 Sekar.

Ich hatte wieder diesen Traum. Ich sitze im Tempel des Bellum und bete. Plötzlich tropft aus dem Nichts Blut auf meine Hände, dringt in sie ein und färbt die blutrot. Egal wie ich versuche diese Hände sauber zu kriegen, sie blieben rot. Im letzten Traum versuchte ich sie abzuhacken … dann wachte ich auf. Ich hoffe Bellum vergibt mir. Kann ich mir selbst vergeben? Ich warnte mich selbst davor. Hätte ich lieber sterben sollen? Vielleicht wäre es besser gewesen, doch was nun zählt ist, dass ich mutig voranschreite das Vergangene begrabe und daraus lerne.

Es beunruhigt mich, dass bald das dunkel Tief beginnt. Die Gemüter werden düster und die Launen, selbst von jenen die ich nie schlecht gelaunt gesehen habe, schlechter. Jeder scheint davor Angst zu haben, ich habe es bisher noch nie so erlebt. Ich werde alles daran setzen, jene zu schützen die mir lieb und teuer sind.

Lieb und teuer …..Zwilfy. Ich habe sie seit dem wir diese Nacht hatten nicht wieder gesehen. Ist sie böse auf mich? Hat es ihr nicht gefallen? Hab ich sie vertrieben? Ich verstehe es nicht, mein Körper fühlt sich zu ihr hingezogen obwohl mein Geist sie kaum kennt. Anders ist es bei einer anderen Person. Hier fühlt sich etwas anderes zu jemandem hingezogen, nichts körperliches es ist vielmehr ein Gefühl. Ich bin verwirrt. Ich habe ihr gesagt dass ich sie schätze. Wie sie das aufgenommen hat? Ich weiß es ehrlich nicht und noch weniger was sie nun von mir denkt.

Die Person die mich so verwirrt ist mh unerreichbar und das ist in Ordnung, ich möchte mich nun komplett auf meine Ausbildung konzentrieren. Meine Wunde heilt langsam aber stetig und wenn die Fäden gezogen wurden, werde ich wieder anfangen zu Üben. Roderik könnte hier sicher ein guter Partner sein meine Kampffähigkeiten zu verbessern. Ich muss ihn mal fragen.

Wegen diesen Träumen werde ich wohl Mal Hochwürden ansprechen vielleicht kann er sie mir nehmen, ich glaube es liegt an mir. Ich kann mir nicht selbst verzeihen.


Er verschloss das Buch und blickte aus dem Fenster. Eine Krähe saß davor und krächzte kurz, ehe sie sich Abstoß. Sein Blick haftete an dem Vogel bis er weit entfernt schien.


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