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 Betreff des Beitrags: Sternschwing - Ein Drama in 3 Akten
BeitragVerfasst: 20.12.15, 17:28 
Ehrenbürger
Ehrenbürger
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Beiträge: 768
Seit gestern abend kann man in den Dunkelphasen Kerzenschein in der Bibliothek von Falkensee erblicken. Wer die Räumlichkeiten betritt, mag den Archivar dort vorfinden, wie er fieberhaft mit Feder und Tinte Zeichnungen und Text auf die Seiten eines Buches zaubert, die Augen dabei konzentriert zusammengekniffen. Geschlafen hat er wohl zwischendurch nicht, aber das hält ihn nicht davon ab, das Buch noch vor Beginn der Morsans-Feierlichkeiten heut abend abzuschließen.

Zitat:
.~**~...~** Sternschwing **~...~**~.

Ein Drama in 3 Akten

von Sperling



Bild



~ Akt 1 ~

Der kleine Sternschwing sitzt in seinem Nest, umringt von seinen Eltern. Seine Mutter zupft eben sein noch flaumiges Gefieder zurecht.

Mama Rabe: Sternschwing, mein Sternschwing, kein schöner Geschenk mir je gegeben denn das Ei aus welchem du geschlüpft!
Papa Rabe: Sieh nur, Liebste, wie der Felascheibe zartes Licht in seinen Federn widerspiegelt.
Mama Rabe: Wie der Sterne funkelnd Glanz, seinem Namen zur ewigen Ehr'.

Sternschwing flattert ob der Schmeicheleien freudig mit den Flügeln.

Mama Rabe: Das größte Glück auf Tares Antlitz gar, die Freuden einer Mutter.
Papa Rabe: Des Vaters Glück nicht zu vergessen, Liebste - so könnt kein größer Wunder mir erträumen, denn uns'res Sohnes Anblick hier.

Die beiden Raben trippeln um das Nest herum, liebkosen und umsorgen den kleinen Sternschwing. Der aber beginnt schon bald wieder aufgeregt zu flattern und dann das Schnäblein aufzureißen.

Sternschwing: Mama, Papa, der Hunger drückt mich! Schnell, fliegt los, nach einem kleinen Wurm es mir verlangt!
Mama Rabe: Freilich doch, mein Schatz - will gleich los und suchen dir was Feines!
Papa Rabe: Geschwind, Liebste, will wachen hier über uns'ren Sohn. So flieg denn los und such den dicksten Wurm, auf daß er Kraft und Stärke schenken mag.
Mama Rabe: Will eilen schnell, kein Hunger soll der kleine Schatz gar leiden!

Mama Rabe verläßt wild flatternd das Blickfeld nach links.

Sternschwing: Papa, sag - wann werd ich breiten meine Schwingen aus und mächtig sein des Fliegens, so wie ihr?
Papa Rabe: Geduld, mein Sohn. Ein jeder Rab' noch eilig aus dem Neste sprang, und so wie wir, auch du wirst meistern einst die harte Prüfung.
Sternschwing: Warum nicht jetzt, oh liebster Papa, so lang schon drängt es mich, Tares Weiten zu erkunden!
Papa Rabe: Mit leerem Schnabel du's versuchen willst, mein Kind?

Sternschwing schweigt einen Moment, schüttelt dann energisch den Kopf.

Sternschwing: Recht du hast, wie nur allzu oft - so will geduldig erwarten ich die Rückkehr meiner liebsten Mama, auf daß gestärkt ich...

Während Sternschwing spricht, betritt ein Fuchs von rechts die Szene, lauernd und mit schleichenden Schritten. Noch bevor Sternschwing zu Ende gesprochen hat, stürzt sich der Fuchs auf das Nest und ein Kampf bricht aus.

Papa Rabe: Weh mir, mein Sohn! Rasch, das Köpflein schnell im Nest verbirg!
Sternschwing: Doch was, oh Graus, soll dann werden aus dir, liebster Papa?
Papa Rabe: Gräm dich nicht, den Unhold vertreiben ich will, in Sicherheit wir zwei bald wieder werden sein!

Papa Rabe hackt mit seinem Schnabel wild auf den Fuchs ein, doch immer wenn es schon scheint, der Rabe hätte die Oberhand gewonnen, weicht der Fuchs dem spitzen Schnabel aus und drängt Papa Rabe näher an das Nest heran.

Papa Rabe: Nein, du Schuft, nicht zulassen ich das will! Flieg, mein kleiner Sternschwing! Flieg zum Himmel empor und kein Geschöpf der Götter mag uns etwas anhaben mehr!
Sternschwing: Doch, Papa, weiß doch nicht wie! Von schwerer Prüfung gar sprachst du - wie soll ich dies bewerkstelligen nun?
Papa Rabe: Vertrauen, mein Sohn! Das Kind deiner Mutter du bist, keine Prüfung je dich in die Knie zwingen wird!

Just in diesem Moment bekommt der Fuchs einen Flügel zu fassen, und mit wildem Gejaule wird Papa Rabe aus dem Sichtfeld geschleudert. Sternschwing schreit auf, und wie ihm sein Vater geraten hat, springt er eilig aus dem Nest. Wild flattert er mit den Flügeln, aber im Hintergrund zieht die Welt unbarmherzig an ihm vorbei. Er fällt, und fällt, und fällt...

Ende Akt 1



~ Akt 2 ~

Sternschwing liegt am Waldboden und bewegt sich nicht. Um ihn herum stehen ein Eichhörnchen, eine Elster und ein junger Wolf.

Wolf: Mein Magen knurrt - so sagt mir gar, welch Irrsinn euch befallen hat, mir dieses Mahl nicht zu vergönnen?
Elster: Ein Kind er ist noch, keine Scham dich da befällt, oh Wolf? Zumal der kleine Happen nicht den Magen füllen würd, den Hunger nur verstärken, wohl!
Eichhörnchen: Soll Nüßchen ich holen für den kleinen Schatz? Ganz hungrig sieht er aus, sein Mäglein knurrt gar lauter denn des Wolfs gewalt'ger Bauch.

Sternschwing rührt sich unter leisem Stöhnen und hebt den Kopf, sich umzusehen.

Sternschwing: Oh weh, was ist geschehen? Wo ist der Fuchs, wo gar mein lieber Herr Papa?
Elster: Ruhig, ruhig, mein Kind. Kein Fuchs und kein Rab' wir haben gesehen, nur dich kleines Küken hier.
Sternschwing: Mein Papa, mein Papa, der Unhold wird ihm Böses tun!
Eichhörnchen: Gemach jetzt, wenn er Rabe, in die Lüfte schwingen er sich wird, und kein Leid wird ihm geschehen!
Sternschwing: Und doch, sah wie er wurd verletzt, nur meinetwegen, meinetwegen.
Elster: Dann will ich wohl mich in die Lüfte hoch erheben, nach Fuchs und Rabe Ausschau halten.

Die Elster flattert eilig nach links aus dem Blickfeld. Das Eichhörnchen tätschelt Sternschwing beruhigend den Kopf, während der Wolf ihn sachte mit der Schnauze anstups.

Wolf: Wenn jemand deinen Papa finden kann, dann ist's die Elster wohl.
Eichhörnchen: Wahr, so wahr. Doch sag, mein Kind, wie kommt's daß nicht im wohlig warmen Neste du verweilst?
Sternschwing: Fliegen sollt ich, der Gefahr davon. Doch, weh mir, nur gefallen bin ich, die Flüglein schwach und starr.
Wolf: Klein bist du zwar, ein winz'ger Happen - und doch, so schwach die Flügel mir nicht gar erscheinen.
Eichhörnchen: Erneut ein wahres Wort er spricht. Der Flügel ist's nicht, an dem es scheitern soll, der Geist wohl nur das Hindernis wird sein.
Sternschwing: Ihr sagt, nur lernen müßt ich, meine Schwing' zu nutzen? Und doch, wie soll ich - Mama, Papa gar so fern, kein Vorbild mir vergönnt?
Wolf: Die Elster wird dir Vorbild sein, kein Tier von solcher Eleganz im Flug ich sonst gesehen. Seht, mir scheint, da kommt sie schon!

Die Elster tritt von links herein und landet neben den drei Gestalten.

Elster: Frohe Kunde bring ich, doch auch schlechte.
Sternschwing: Seid ehrlich, Frau Elster - welch Gräuel habt Ihr erblickt?
Elster: Keine Gräuel, mein Kind, nur den Vater fand ich nicht. Doch sei beruhigt, des Fuchses Spur ich folgte, und ohne Beute er ward unterwegs.
Eichhörnchen: Dem Vater geht es sicher gut, wohl suchen wird er schon nach dir.
Wolf: Hört, hört, so wird es freilich sein! Sag, Elster, wollen bringen wir das Kindlein hoch in sein sicheres Nest?
Sternschwing: Doch fliegen kann ich nicht, Frau Elster. Bin eben erst gefallen aus dem Nest.
Elster: Nun, kann nicht im Fluge tragen dich, mein Kind. Willst auf des Eichhorns Rücken du den Baum erklimmen?
Eichhörnchen: Oh weh, mir fehlt die Stärke, fürchte ich - nur Nüßchen ich beim Klettern tragen kann.
Elster: Was ist mit dir, Herr Wolf, bist stark und lang dein Fell, um sich fest darin zu halten.
Wolf: Gern, so gern oh würd ich helfen, doch Bäume zu erklimmen nicht in meiner Natur doch liegt.
Sternschwing: Gehofft wir hatten, mir das Fliegen beizubringen ihr imstande seid, Frau Elster.
Elster: Nicht in gewöhnlicher Manier so schnell, doch wartet, Freunde - kommt mir gar eine Idee sogleich!

Ende Akt 2



~ Akt 3 ~

Noch immer auf dem Waldboden, allerdings zieht nun im Hintergrund die Landschaft vorbei. Der Wolf trägt Sternschwing auf seinem Rücken und läuft zusammen mit dem Eichhörnchen durch den Wald. Die Elster flattert neben ihnen her.

Stimme aus dem Hintergrund: Und so kommt es, daß jeder der Viere beiträgt seinen Teil. Gestärkt durch des Eichhörnchens Nüsse und unabläßliche Zurufe der Aufmunterung läßt Sternschwing sich tragen auf des Wolfs Rücken, streckt voll neu gewonnener Kraft die Flügel gar in den Wind, dem Beispiel der weisen Elster folgend.
Eichhörnchen: Schneller, schneller, dem Wind entgegen, guter Wolf!
Elster: Hoch mit den Flügeln, oh Kind, auf daß die Schwingen dich emportragen mögen!
Wolf: Hab Vertrauen, junger Mann, fühl die Last schon von meinem Rücken weichen!
Sternschwing: Gleich, oh gleich, der Wind wird mich tragen!

Sternschwing flattert eifrig mit den Flügeln, und mit einem Satz springt er vom Rücken des Wolfes, um dann neben den anderen zu fliegen.

Sternschwing: Seht, doch! Seht Freunde, des Fliegens ich mächtig jetzt bin!
Eichhörnchen: Hurra unserm Held, dem Raben so stolz!
Wolf: So schön und so stark, das glitzernd Gefieder in der Luft ihn nun hält!
Elster: Wahrlich, zum Fliegen geboren du bist, mein Kind!

Sternschwing dreht übermütig ein paar Runden um Wolf und Eichhörnchen.

Elster: Ab in dein Nest jetzt, mit dir, daß keine Gefahr dich ereilt!
Eichhörnchen: Auf, auf, ich begleit dich, mein Schatz!
Wolf: Bringt nachhaus ihn behutsam, will sicher ihn wissen!
Sternschwing: Doch, ach, muß meinen Papa noch suchen!

Aus dem Hintergrund kann man das Schlagen von Flügeln hören, und dann ertönt die Stimme von Papa Rabe.

Papa Rabe: Sternschwing, Sternschwing, wo bist du, mein Sohn?

Papa Rabe tritt von rechts heran, wild mit den Flügeln schlagend.

Sternschwing: Seht nur! Mein Papa ist's! Wahr habt Ihr gesprochen, meine Freunde, unverletzt er wohl ist!
Papa Rabe: Sternschwing, mein Kind, sind meine Augen getrübt?
Wolf: Von Tränen vielleicht, doch seht Ihr wahr - ein Meister der Winde Euer Sohn ist geworden!
Eichhörnchen: Hört, hört! Die Lehr' der Elster hat Wirkung gezeigt.
Elster: Aber nein, ganz Eures Sohnes Verdienst ist es allein.

Sternschwing und Papa Rabe umflattern sich aufgeregt, wild tanzen sie hin und her vor Freude.

Sternschwing: Nein, der Dank gilt meinen Freunden - ein jeder trug bei seinen Teil, obschon unterschiedlicher wir nicht könnten sein in Natur und Gestalt.
Papa Rabe: Dann will meinen ewigen Dank Euch zollen, meines Sohnes Freund'. Doch nun komm, mein Kind, deiner Mutter Herz wohl schon vor Sorge vergeht!

Sternschwing dreht sich flatternd zu seinen Freunden um und winkt ihnen fröhlich zu. Die drei verschwinden langsam auf der linken Seite, während die Raben in die Mitte des Sichtfeldes flattern. Das Nest schiebt sich ebenso in die Mitte, Mama Rabe direkt daneben.

Mama Rabe: Sternschwing, mein Sohn, bist du's?
Papa Rabe: Ach freilich, Liebste, siehst nicht das Glitzern der Federn? Unser Kind den Wind hat gefunden, und kräftige Schwing' ihn nun tragen!
Sternschwing: Meinen Freunden zum Dank!

Sternschwing landet elegant in seinem Nest und seine Eltern legen behutsam ihre Flügel um ihn.

Der Vorhang fällt.

Stimme aus dem Hintergrund: Und so kommt es, daß er schließlich heimgekehrt ist auf den sanften Schwingen des Raben.

Ende Akt 3


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