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 Betreff des Beitrags: Der verlorene Knappe
BeitragVerfasst: 28.11.16, 04:46 
Ehrenbürger
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Die eisige Höhle. Die Feinde dort waren besiegt und der Trupp auf dem Rückzug. Nicht weit von der Schwelle zur frischen Luft entfernt brachen Hektik und Chaos aus. Skorpione gruben sich aus dem Boden. Ehe Vincent die Lage überblicken konnte, sah er sich bereits von den Kreaturen umzingelt. Rund um ihn herum das bedrohliche Klappern der Scheren und erhobene Stacheln, die die Luft zerschnitten. Für eine kurze Weile hielt er sie mit wilden Hieben, die an den Panzern abglitten, und lauten Schreien auf Abstand. Doch war er alleine. Er realisierte es, die Feinde ebenso. Nicht lange hielt er stand, bis schließlich die Scheren seine Gewandung zerfetzten und die Stacheln der Schwänze sich durch die Kette bohrten. Er schlug hart auf dem eisigen Boden auf und sah das Ende nahen. Die letzten Augenblicke erschienen ihm so unwirklich und eine Ewigkeit andauernd. Die Kälte fraß sich durch den Rücken in den Körper. Er dachte vorher, es könne nicht mehr kälter werden, als er noch zusammen mit den Anderen auf dem Rückweg vor dem verschütteten Tunnel stand und die Zwerge ihre Spitzhacken in die Felsen trieben, um sie zu befreien. Dabei war er Kälte durchaus gewohnt durch seinen Dienst in den Skapen. Doch hier war es eine andere und der Schmerz unnatürlich.
Jener Schmerz ließ die Benommenheit schwinden, sein Geist schärfte sich wieder ein wenig. Unter den Skorpionen war ein Kampf ausgebrochen, ein jeder wollte die Beute für sich. Die Schwächeren wurden rasch vertrieben und die beiden Stärksten blieben über. Unerbittlich stritten sie um den Knappen, entfernten sich dabei ein gutes Stück. Das war seine einzige Chance. Aus irgendwelchen Ecken seines Körpers mobilisierte er die letzten Kräfte, erhob sich und humpelte zum Ausgang der Höhle. Weder zurück noch zu den Seiten blickend, einfach gerade aus. Die Götter schienen mit ihm zu sein, denn er entkam der Höhle.

Das Wehen kühlen Windes empfing ihn, aber nach der langen Zeit in den frostigen Tiefen kam es ihm wie eine laue Sommerbrise vor. Er schleppte sich den Berg hinab und steuerte den Schlachtenpass an, ehe er die Piraten wahrnahm. Der Weg zurück war ihm verwehrt, sie würden ihn bestenfalls niederschlagen und verschleppen. Die frisch geschöpfte Hoffnung erstarb. Er lehnte sich stützend an einen Baum und wollte schon den Schmerzen nachgeben, ehe ein Geistesblitz seinen pochenden Schädel durchzog. Geisgeach's Stein. Er erinnerte sich daran, wie Rodrik und er einst mit ihren Pferden durch den Schlachtenpass und die Piraten preschten, um zu diesem einsamen Fleck zu gelangen. Also schwenkte er um und nahm diesen Weg in Angriff. Kurze Zeit später erreichte er die Brücke, doch Schmerzen und Erschöpfung lähmten seine Glieder. Er sah die kleine Fischerhütte und fasste den Entschluss, sich dort einen Moment lang auszuruhen. Es war närrisch, aber er glaubte nicht mehr durchhalten zu können. Durch ein Fenster spähte er in die Hütte. Im Kamin loderte ein Feuer, dennoch war die Hütte leer. Er trat und ließ sich vor den Kamin fallen, schnaufend auf den Rücken drehend. In der strahlenden Hitze bemerkt er erstmals seine tauben Finger und Zehen. Doch wagte er es nicht, die Handschuhe abzustreifen. Er lag einfach nur da und wollte schlafen. Einfach loslassen und schlafen. Nur der Schmerz hielt ihn noch wach. Er brannte tief im Körper und ließ Vincent ahnen, dass ihm die Skorpione Schädliches in den Körper gepumpt hatten. Und dass er ohne Hilfe nicht mehr lange überdauern würde. Hier sollte es nicht enden. Schwerfällig richtete er sich wieder auf und begab sich zur Brücke. Mit jedem Schritt geriet diese in Schwingung. Er klammerte sich an eines der Seile und kam nur äußerst mühsam voran. Auf der anderen Seite angelangt, stützt er sich an der Felswand und bezwang die letzten Schritte zu Rodriks Bleibe. Sein Blick verschwamm mehr und mehr. Letztendlich erkannte er nur noch den Schein des Lagerfeuers und schleppte sich dorthin. Neben der Feuerstelle brach er schließlich zusammen.

Eine Weile lag er dort, ehe ihn jemand entdeckte und aufhob.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der verlorene Knappe
BeitragVerfasst: 28.11.16, 16:40 
Festlandbewohner
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Beiträge: 1179
Ein paar Schritte, noch ein paar, dann hielt er inne. Irgendwas kratzte in seinem müden Kopf, scharrte beharrlich nach Aufmerksamkeit. Unwillig schüttelte er den schweren Kopf, seufzte und konzentrierte sich.
Was war es, dass ihn störte?
Gedanklich ging er alles noch einmal durch.
Die Piraten betrieben Bergbau. Über den Höhlen der Dämonenanbeter. Gut, sollten sie: wenn das schon solche Beben auslöse, würden sie früher oder später hindurch stürzen. Dann hätten sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, nichts, worüber er sich ärgern würde.
Gut. Die von Hochwürden Altor erwähnte Präsenz hatte sich nicht gezeigt; das war also auch fürs erste abgehakt.
Dass sie obgleich Verhandlungen zu den Piraten angesetzt werden sollten im Schlachtenpass eingedrungen waren, um in die Höhlen zu gelangen.. nein, das hatte er schon durchdacht, aber auf später verschoben und während er den Gedanken nochmals durchging, kratzte das nervige Etwas noch immer an seinem Bewusstsein herum.
Was war das nur?
Der Vollständigkeit halber ging er im Kopf die Truppen durch, die er das Tor in die eine wie auch die andere Richtung hatte passieren sehen, und da durchzuckte es ihn wie ein Blitz.
Vincent fehlte.
Ob Caieta ihn mit genommen hatte?
Nein, sie war alleine verschwunden, das konnte es nicht sein.
Maik warf sich herum und hetzte, obgleich bereits müde von den vorangegangenen Anstrengungen zurück zum Schlachtenpass. Vielleicht war der Knappe ja direkt nach Seeberg weiter...
Vor den Toren des Schlachtenpasses fand er keine weiteren, irgendwie hilfreichen Spuren, nur die Verstärkung der Piraten, die unruhig und wachsam hinter den Gittern auf und ab streunte. Eilig lief er weiter, verfluchte die Tatsache, dass Sternfall friedlich auf der Weide stand und vermutlich gerade irgendeinen armen Wallach nervte, beschleunigte seinen Schritt.
Lass ihn zur Burg gegangen sein..
Der Elf ahnte allerdings bereits, dass es nicht so sein konnte: er hatte Vincent seit dem die Kreaturen sich aus dem Eis gegraben hatten, nicht mehr gesehen, und die weiß-silberne Gewandung des Knappen war im Schnee und unter den eisbläulichen Monstrositäten leicht zu übersehen.
Grimmig verfiel er in Laufschritt und erreichte bald die Festung, trabte den Weg hinauf und sprach die Wachen an.
Wie angenommen wussten sie von nichts und hatten den Knappen nicht gesehen.
Also blieb nur...
Gaisgeachs Stein!
Die letzte Hoffnung. Wenn Rodrik da war, würde er Vincent sicherlich helfen, sollte dieser es in das Lager schaffen.. aber was, wenn nicht?
Noch während er nach dachte, trabte er wieder von dannen, hielt auf die Kesselklamm zu, die verdutzt dreinblickenden Wachen hinter sich zurück lassend. Licht, war er müde! Erst die stundenlangen Erkundungen und Kämpfe im Ödland, dann der Einsatz in den Höhlen und nun das hier...

Es dauerte fast eine Stunde, bis er sich endlich durch die verstreuten Vogelhexen gekämpft hatte, und lehnte sich für einen Moment um Atem ringend an das verwitterte Holz der Tore.
Geschafft.
"Gebieter Bellum, bitte lass ihn die Kraft haben, sich bis hierher durch zu kämpfen... Bitte, gnädige Herrin Vitama.. lass mich nicht zu spät sein. Bitte, gnädiger Herr Astrael - lass mich nicht irren und hier meine Zeit vergeuden!" flüsterte er und stieß sich von seiner Lehne ab, strauchelte kurz, blinzelte verärgert und setzte seinen Schritte über den leicht ausgetretenen Pfad fort, erreichte bald die Siedelei. "Rodrik?" rief er, "Vincent?", doch niemand antwortete ihm.
Wenigstens hatte er vorgewarnt, öffnete die Türe. Eine Kuh muhte mürrisch, geweckt von seinen Rufen, schwach brennendes Feuer... der Elf hielt darauf zu, sah sich um.
Da war Blut im Gras... und dort ein zerlumptes, blutiges Bündel, gleich neben dem Feuer, reglos und zerrissen.
"Vincent!"

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Abt Arin Sperling, Geweihter Vitamas, Regenbogenspatz & lebendes Stimmungsbarometer: "Mutter liebt dich!"
Fear'Mineyl Maichellis Wanderstern, Sprecher der Fey'haim, Marschall a.D., Ehrenbürger der Baronie, Hauptmann der Brandensteiner Marine: "Sei ein Licht in der Dunkelheit."
Bürgerin Ines Schmitt, Prospektierchen& gutmütiger Proll: "Ohne Fleiß kein Preis!" - abgereist
Fyrjarlain: "Das wollt ihr wirklich anziehen...?"


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 Betreff des Beitrags: Re: Der verlorene Knappe
BeitragVerfasst: 29.11.16, 09:18 
Ehrenbürger
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Beiträge: 595
Lautstark bellten die Hunde, als sie die entlegene Einsiedelei betraten. Etwas stimmte nicht, Spuren im Gras und in der feuchten Erde, schlürfende Schritte? Die Hunde nahmen die Spur sofort auf, jemand muss hier gewesen sein, verletzt. Doch da war noch etwas, Abdrücke die deutlich weniger tief waren, eine Frau? Mit so großen Füßen...? Vermutlich ein Elf. Davon gab es nur zwei, die den Weg hierher wagen würden. Melerwen fiel jedoch aus, nicht einmal auf dem feuchten Boden hier, hätte sie irgendwelche Spuren hinterlassen. Also war es vermutlich Maik... Doch wer war der Verletzte gewesen? Stinker konnte die Spur immerhin noch Richtung des Passes zurückverfolgen..
"Hrmm.. hoffen wir, dass er von hier kam und nicht ging.." brummte er."wenn sie doch auf halbem Weg umdreh'n, werd ich mal die Schülerhütte herrichten.. mit Ofen und Decken.."
Kaum wieder im Lager wurden die Blumen aus ihrem Winterquatier in eine der anderen Hütten gebracht, ein Ofen aufgetrieben und in der Hütte eingesetzt, der alte Streiter stellte sogar eine Kiste mit Kleidung und Nahrung, sowie ein paar Tränken bereit. Und als all dies getan war, stellte er noch eine Kerze der Mutter auf und sprach ein Gebet für den unbekannten Verletzten. Sollte er wieder kommen, oder ein Anderer, wäre Gaisgeachs Stein vorbereitet ihn willkommen zu heißen.
"Dann sollten wir Räuchern, was Stinker?" brummte der Alte zum Hund, welcher freudig zur Antwort bellte.
Und kurz darauf stieg der schwarze Rauch aus Lilienwall auf. Der gute Rauch, wie so Mancher zu sagen pflegte. Denn wenn er nach Totholz und nicht nach Mensch roch, dann ist es der Räucherofen, und kein Scheiterhaufen, der in Lilienwall brennt...

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„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“
– David Ben-Gurion


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