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 Betreff des Beitrags: [Festlandevent] Die Macht der Miliz
BeitragVerfasst: 19.02.17, 19:44 
Ehrenbürger
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"Der Kornfrachter"


Kalt wehte die Luft vom Meer her in den Brandensteiner Hafen, der Wind zerrte an der Kleidung des sonderbaren Duos - Zwei Einäugige mit einer Vorliebe für Rum. Doch war der eine ein zwielichter Seemann und Händler, der andere ein alternder Diener Bellums.

"Rum?",meint der alte Streiter, als er Wogint die Flasche reicht "Du weißt, dass du für sie gebürgt hast?"

"Sie kommen noch.. Der Wind ist günstig, bald sind sie da.", erwiedert der Seemann beruhigend und nimmt die Flasche entgegen; "So haben wir Zeit uns kennen zu lernen."

"Willst du das wirklich?" der Streiter hebt einen Mundwinkel an.

"Nee..."; der Seemann lacht auf.

"Das dacht ich mir..." brummt der alte Streiter mit einem dreckigen Grinsen.

Langsam segelt eine Kogge unter venturischer Händlerflagge in den Hafen.

"Das sind sie?" raunt der Alte. "Das Schiff schafft es nach Yota?"

"Aye. Das sind Schmuggler... und du wolltest doch nen Kornfrachter als Tarnung..." kommt es grinsend vom Seemann.

"Kornfrachter, kein Seelenverkäufer." schnauft der alte, als die Kogge im nebeligen Hafenbecken anlegt.

"Kannst natürlich noch warten, bis der Festlandhändler kommt und den fünffachen Preis zahlen.." Wogint trinkt noch einen Schluck aus der Rumflasche, "Meine 2000 Dukaten für den Kontakt bekomme ich trotzdem."

"Aye, Sicher." Der Streiter wirft Wogint einen klimpernden Beutel zu.

Ein paar hartgesottene Seebären steigen von der Kogge und komplettieren das sonderbare Treffen.

"Das ist ein verdammter Priester!" krächzt der Erste, "Was soll das, Wogint?! Wieso schmuggelt die Kirche waren nach Yota?!"

"Die Kirche macht gar nichts." Kommt es vom alten Streiter sehr hart zurück, " Ich liefere Waren an einen Freund in Morthum. Waren die nicht an Cortan fallen dürfen. Darum nehm ich ein paar abgerissene Schmuggler in Heuer und schicke sie zu meinem Kontaktmann nach Yota. Problem damit?"

"Erm..." der krächzende Seemann zieht seinen Kopf etwas zwischen die Schultern, "Nee.. Nee euer Gnaden... I..Is schon recht."

"Rodrik. Rodrik Kaltenfels. - Bruder Rodrik reicht." der alte deutet zum vollbeladenen Karren. "Das ist die Ware. Schafft euer Kahn das..?"

"Was ist da drin?" grummelt der andere Seemann, welcher seinem Hut nach der Käpitän ist.

"Waffen, Rüstungen, Verpflegung ... Aber für euch relevant.. Ist Gemüse und Korn." kommt es ebenso grummelig zurück.

"Weil wir eine Kornlieferung nach Yota vereinbart haben" pflichtet Wogint dem Diener bei.

"Ja genau.." der Kapitän nickt ruhig, " Für 15.000 Dukaten machen wir den Abstecher nach Yota."

"Südliche Route?" kommt promt die Frage des Streiters.

"Haben selber Probleme mit den Cortanern... Sicher die südliche Route." erwiedert der Kapitän.

"Gut, ich geb dir 5000 Dukaten extra.. falls es Probleme gibt und ihr euch freikaufen müsst. Sollte es keine geben, ein Bonus für dich und deine Männer." raunt der alte Streiter mit ernster Miene. "Damit seid ihr ein echt gut bezahlter Kornfrachter, Klar?"

"Wie heißt der Kontaktmann in Yota?" krächzt der kleinere Seebär in das Gespräch hinein.

"Joseph Albermann." der alte drückt dem Kapitän einen schweren Sack Dukaten, sowie einige Briefe in die Hand. " Kontor Albermann & Söhne. - Kaltenfels schickt dich. Gib ihm den Brief und sag ihm, dass ich meinen Gefallen einfordere. Er übernimmt dann das weitere."

"Gut. Dann holen wir die Jungs und laden ein." Kommt es vom Kapitän. "Kalle, erst die Waffen und Rüstungen nach hinten, dann die Verpflegung und zuletzt das ganze Korn und sowas... kennst das ja noch vom letzten Mal, was?"

"Aye, Aye - Käpt'n!" krächzt der Seebär und winkt die übrige Beatzung zu sich. Kaum das der Nebel sich im Hafen lichtet, ist die Fracht auf dem Schiff und die Kogge aus dem Hafenbecken entschwunden...

...Keine Spur mehr von dem sonderbaren Treffen, ausser die übliche Rumfahne Wogints.

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„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“
– David Ben-Gurion


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 Betreff des Beitrags: Re: [Festlandevent] Die Macht der Miliz
BeitragVerfasst: 21.02.17, 19:11 
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Teil II

"Nicht einmal meines Vaters Schwert"


... Etwa zeitgleich in dem Gesindehaus eines morthumer Gutshofes...


" Beruhigt euch, junger Herr!" flehte der treue grauhaarige Knecht den jungen Blonden Mann an, "Beruhigt euch! Er ist doch euer Bruder..."

" Mein Bruder? Mein Bruder!" schnaubte der hochgewachsene junge Mann verächtlich, " Was ist das für ein Bruder, der sein eigenes Blut so behandelt? Ich arbeite nicht nur wie ein Knecht, ich speise und schlafe auch bei den Knechten! Was bin ich für ihn?! Wohl kein Bruder!"

" Es ist sicher nicht von Dauer, junger Herr Siegfried." raunte der Knecht beruhigend, während er versuchte ihm beruhigend die Hand auf die vor Wut bebenden Schultern zu legen.

" Es geht schon seit Jahren so! Seit Mutter gestorben ist. Er erbte unseres Vaters Hab und Gut, doch was erbte ich? Nur seinen Namen und die Verachtung meines Bruders! Ich habe ihm nichts getan, Rüdiger! Nichts! Warum tut er mir das an?" wuchtig schlug der junge Mann seine kräftige Faust gegen die einfache Lehmwand.

" Junger Herr, ihr habt vielmehr geerbt als nur eures Vaters Namen... In Euch steckt seine Tatkraft, sein Mut, seine Größe... Das ist, was euch euer Bruder neidet. Wenn wir Knechte euch sehen, sehen wir euren Vater. Einige von uns wollten euren Bruder schon vom Hof jagen, damit ihr euer Erbe erhaltet." die Stimme des Knechts nahm bei der Erwähnung des Vaters wehleidige Züge an, " Wäre er nicht in Khalandra gefallen, er hätte das sicher nicht zugelassen. Er liebte euch."

" ... Und doch hat Gunnar alles geerbt. Er gibt mir nicht einmal Vaters Schwert. Nichteinmal genug Dukaten um mir eine einfache Rüste zu kaufen, damit ich mich für den Kriegsdienst anbieten könnte. Onkel Iswald hat mich ausgebildet, er wäre mich los! Er will mich entweder in Armut sterben oder hier versauern sehen.." wütend schüttelte er das Haupt mit der blonden Mähne, " Nicht einmal meines Vaters Schwert! Es steht mir zu! Er hätte es so gewollt! Und seiner Frau?! Dieser fetten Vettel! Ihr kauft er Juwelen!"

" Mein Herr... Wir Knechte würden euch geben, was wir könnten.. Eurem lieben Vater zu Ehren, doch ihr kennt unser Elend ja zu gut. Sagt es, dann werden wir euren Bruder vom Hofe jagen. Ihn erschlagen! Ihn aufknüpfen, wenn ihr es nur sagt!" untertänigst flehend umpackte der Knecht die Hand des jungen Herrn.

" Und dann...? Dann wäre ich ein Brudermörder und euch würden sie hinrichten lassen, oder schlimmer: in die Minen schicken. Vor Bellum wären wir entehrt. Das wäre nicht das, was mein Vater wollen würde. Wenn Onkel Iswald erst einmal wieder aus cortanischer Gefangenschaft frei kommt, dann wird er mich holen... Dann werde ich endlich für den König kämpfen.." schwermütig wendete sich der Blick des jungen Mannes aus dem Fenster; "Wie Lothar von Steinacker, mein Vater..."

Mit einem Ruck riss sich der junge Blondschopf von der Fensterbank los, drückte sich an dem breitschultrigen Knecht vorbei und eilte aus dem einstöckigen Gesindehaus. Er eilte über den schlammigen Weg zum Herrenhaus herüber, vorbei an den unbestellten Feldern, dem in der Kälte dampfenden Misthaufen und den blöckenden Tieren auf dem Feld. Vor dem Haus waren einige pockennarbige Knechte damit beschäftigt schwere Holzstämme von dem Ochsenkarren zu laden, welcher im tiefen Schlamm stecken geblieben war. Typisches Tauwetter in Morthum - Nass und schlammig.
Die Knechte blickten auf, setzten an ihren Herrn zu grüßen, doch der eilte bereits weiter. Mit schlammigen Stiefeln trat er zur Eingangstür zu, zielstrebig auf die dort stehende Person zueilend.
Der Mann der dort stand, etwas untersetzt und mit Bauchansatz, mit lockigem Haar und speckigem Mondgesicht, blickte auf und hob sofort abwehrend die Hand an.

"Nein Nein! Du hast hier nichts zu suchen! Du gehörst hier gar nicht her! Habe ich mich nicht klar ausgedrückt?" schnautze der dickliche Mann und winkte Siegfried sogleich weg, "Geh Weg, Siegfried!"

"Gib mir Vaters Schwert und genug Dukaten von Vaters Erbe, dass ich mir wenigstens eine Rüste kaufen kann. Dann siehst du mich nie wieder, Bruder." erwiederte Siegfried mit fordernder Stimme.

" Weder das Schwert, noch auch nur eine müde Dukate werde ich dir geben! Undankbarer Hund! Denkst du, dass du auch nur eine Dukate verdienst?! Ich habe mich um den Hof gekümmert. Als Vater seines dummen Traumes wegen uns im Stich ließ, habe ich mich um Alles gekümmert. Und als du dich von Onkel Iswald hast ausbilden lassen, habe ich die Ernte eingefahren. Also sag mir, warum sollte dir auch nur mehr als eine Dukate gehören?!" schnaubte Gunnar und stemmte die Hände in die Seiten, " Du bist ein Träumer. Sei froh, dass ich dich von Rechtswegen her nicht vom Hof jagen kann. Aber wenn du gehen willst, dann geh doch!"

" Du hast dich gekümmert? Rüdiger hat sich um den Hof gekümmert! Die Knechte bestellen das Feld, nicht du! Wer verkauft das Korn nach der Ernte? Das ist ebenso der treue Rüdiger. Also wag es nicht zu behaupten, dass du irgendetwas leisten würdest! Und Vater habe sich nicht gekümmert? Er zog los, damit das Reich geeint und wir in Frieden sind! Vater kämpfte auch für dich! Du solltest dich schämen!", wütend ballten sich Siegfrieds Hände zu Fäusten.

" Und was hat es ihm gebracht? Ein Barbar hat ihm den Schädel zertrümmert. Was hat es Onkel Iswald gebracht? Er sitzt in einer muffigen cortanischen Zelle, wenn er überhaupt noch lebt. Und du? Du hast deine Zeit vergeudet, dich am Hofe irgendwelcher Taugenichtse mit anderen Taugenichtsen zu prügeln. Hättest du lieber etwas anständiges gelernt! Dann wärst du auch besser zu gebrauchen und müsstest nicht mir auf der Tasche liegen!" Gunnar schnaubte verächtlich, das Doppelkinn bebte vor Zorn. " Knechte! Knechte schafft meinen Bruder fort! Er ist mal wieder von Sinnen!"

"Von Sinnen?!" der stattliche Jüngling hob wütend die Faust, " Du bist von Sinnen, wenn du glaubst, dass die Viere dir deine Taten ungestraft durchgehen ließen!"

Da lachte Gunnar grunzend auf und winkte die Knechte heran, welche widerwillig folgend die strammen Arme des jüngeren Bruders umpackten und ihn den schlammigen Pfad zurück zum Gesindehaus zogen.

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 Betreff des Beitrags: Re: [Festlandevent] Die Macht der Miliz
BeitragVerfasst: 7.04.17, 19:45 
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Teil III

"Ein Zusammenstoß auf See kann einem den ganzen Tag versauen..."


Irgendwo auf der weiten See...

Der Wind wehte mild von Norden her, der Kapitän und die Mannschaft waren auf Deck, als sich von Osten her ein schneller Dreimaster heranschob.

"Käpt'n! Freibeuter von Osten her! Cortanische Beflaggung!", rief es vom Ausguck her.

"Verdammt, die sind schneller als wir! Käpt'n was soll'n wir machen!?", schnaufte einer der Seemänner aufgeregt. "Gefechtsstellung, Käptn?"

"Bist'e Bescheuert!?!" schnaubte ihn der alte Seebär an. "Das ist'n Dreimaster - voller kampferprobter Piraten! Lasst bloß alle Waffen versteckt. Kein Kornfrachter hat bewaffnete Männer auf Deck rumstehn."

"Was sollen wir machen, Kapitän?", raunte der Maat, als er gefasst zu seinem Kapitän trat. "Die falschen Bücher? Ich schick die Männer, damit sie die Fracht abdecken."

"Und frisier die Kasse, pass die Bücher an, hörst du? Lass 3000 Dukaten in der Kasse, der Rest kommt unter die Dielen." der alte Seebär rieb sich den buschigen dunklen Bart und schickte seine Männer auf Position.

Die Besatzung raffte die Segel und drehten kampflos bei. Schnell schloss das cortanische Schiff auf, Harken wurden auf Deck geworfen, die Schiffe vertaut. Kurz darauf setzte gleich ein halbes Dutzend bewaffneter Männer über.

"Ahoy! Ihr seid in cortanischen Gewässern! Was ist die Ladung und wohin gehts?" rief ein noch recht unerfahrener aber sehr schneidiger Bursche, der offensichtliche Kapitän der Cortaner.

"Wir sind die 'Xans Becken' und gehören zu 'Güldensteins Handelsflotte'. Kommen aus Brandenstein, auf Siebenwind, haben Korn, Zwiebelb und Mais für Yota geladen.", Antwortete der Kapitän ruhig und legte seinen Säbel zu Boden."Für die müde Heuer kämpfen wir nicht."

"Zwiebeln und Mais?! Soll das ein Scherz sein? Das lohnt ja keinen Überfall!" murrte der Cortaner und schickte seine Männer unter Deck; "Meine Männer gehn das prüfen. Ihr gebt Bücher und Kasse raus."

"Helge, hol die Bücher und die Kasse." der Maat wurde losgeschickt und kam kurz darauf mit Büchern und Kasse zurück. "Da ist das Zeug. Aber erwartet besser nichts großes."

Es dauerte einige Zeit, bis der Cortaner die Bücher durchgelesen hatte, von Seite zu Seite verdunkelte sich seine Miene. " Das ist ja ne Katastrophe! Da hat ja ein Schuster bessere Finanzen! 3000 Dukaten?"

"Und da haste die Hafengebüren von Yota noch nich runter... Mussten in Brandenstein die Mannschaft bezahlen und Schulden bezahlen.", meinte der Alte, ohne eine Miene zu verziehen." Kamen mit Farbe aus Kalamdus, nur hatten wir noch Schulden. Die sind jetzt gedeckt.. Aber aus Siebenwind geht kaum was weg, da mussten wir nehmen was geht.. Jetzt stinkt mein Schiff wie Großmutters Zwiebelsuppe."

Kurz darauf kamen die cortanischen Seeräuber wieder an Deck, niedergeschlagen und mit voll Ekel verzogenen Gesichtern. "Korn, Mais und Zwiebeln. Stinkt da unten, dass die Augen tränen."

"Dann nehmen wir die verdammte Kasse mit!" schnauzte der junge Cortaner "3000 Dukaten, verdammtes Bettlerschiff! Kommt Jungs wir gehn!"

"Aber wir müssen noch die Hafengebüren zahlen! 500 Dukaten! Sonst kriegen wir die verdammte Fracht nicht los! Bei Xans wogenden Busen, seid keine Unmenschen!" rief der Kapitän den Cortanern nach, mit perfekter Verzweiflung in der Stimme. " Den Geruch krieg ich nie mehr raus!"

"Verdammt! Dann nimm! Verdammte Bettler! Wir sollten euer Zwiebelschiff abfackeln!" Murrend warf der junge Kapitän eine Hand voll Münzen über das Deck und zog mit den übrigen Männern von Dannen.

Kaum waren sie von Bord, da ließen sie auch schon vom verschmähten 'Zwiebelschiff' ab und fuhren weiter. Es war als könnte man den jungen Cortaner noch gegen das Meeresrauschen Fluchen hören.

"Knappe Sache, Käpt'n", raunte der Maat zum Kapitän. "2500 Dukaten, dass is zu verschmerzen, aber warum haben die uns nicht versenkt?"

"Der junge Seucher von Kapitän ist'n Jungspund. Muss sich Sporen verdienen. Da will er nicht der Kerl sein, der als erster Beute mit nem Zwiebelkutter heimkommt!", raunte der Alte mit einem rauen Lachen. "Das haben wir dem cortanischen Hochmut zu verdanken!"

Die Männer setzten wieder Segel nach Yota.. Heute waren die Schmuggler billig davon gekommen..

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 Betreff des Beitrags: Re: [Festlandevent] Die Macht der Miliz
BeitragVerfasst: 14.06.17, 18:20 
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Teil IV

"Was die Flut so alles in den Hafen spült..."


Die Möwen krächzten lautstark, als sie durch den blauen Himmel über dem Hafen von Yota ihre Kreise zogen. Die letzten Wochen waren für die Händler recht beschaulich gewesen, durch den Krieg kamen nur wenige Schiffe an. Der alte Joseph Albermann saß in seinem Stuhl vor dem Kontor und blickte über das Meer. Nur eine kleine Kogge hatte an diesem Morgen angelegt, angeblich aus Siebenwind. Siebenwind... Was sollte man davon halten? Der Arsch Tares, welches Handelshaus würde schon mit denen Handeln? Ogerknochen, Trollblut? Was sollte es da schon geben?
Doch kaum, dass er sich ausgemalt hatte, was für einen unnützen Mist diese Kogge wohl geladen hatte, da sah er drei volle Ochsenkarren die Straße herfahren. Eine düstere Vorahnung überfiel ihn, als er erkannt wer diese Wagen führte. Es waren seine drei Söhne, Abel, Jonas und Marek.

„Was?! Warum um der Gnade der Viere bringt ihr mir Waren aus Siebenwind?! Was ist es für eine Abscheulichkeit? Dämonenohren? Echsenmenscheneier? Oh mein eigen Blut, warum tut ihr mir das an?!“ seufzte der alte Händler und hinkte den Söhnen schwerfällig entgegen. „Was hat euch nur geritten? Habt ihr dafür auch noch die Hafengebühr gezahlt? Wollt ihr uns ruinieren?“

„Vater! Es ist alles bezahlt! Und … Es sind normale Waren. Nahrungsmittel, Waffen und Rüstungen.“ erwiderte Abel als erstes.

„Es sollte nur dir geliefert werden, Vater.“ Jonas zog einen Brief aus der Hemdtasche, „ Sogar ein Brief war mit dabei.“

„Ein Brief? Ich kenne niemanden auf dieser verdammten Schicksalsinsel! Was soll dieser üble Scherz!?“ der alte Händler raufte sich das verbliebene graue Haar und schüttelte sich mürrisch.
„Vater, die Lieferung kommt von einem Priester!“ unterbrach ihn der dritte Sohn, „Ein Geweihter Bellums! Gnaden Rodrik Kaltenfels.“

„KALTENFELS??“ der Händler erschrak und wurde regelrecht bleich, als hätte er einen Geist gesehen, „Dieser alte Hurensohn lebt noch... Das ist … Jahre her! - Was will er?“

Sogleich griff der Händler den Brief, den ihm sein Sohn hinhielt, riss ihn auf und überflog die wenigen Zeilen. Seine Gesichtszüge entglitten ihm von Wort zu Wort immer mehr. Besorgt betrachteten die Söhne ihren Vater.

„Er fordert seinen Gefallen ein.“ sprach er dann, „Ich habe gehofft es kommt nie dazu. Wir sollen die Waren nach Morthum liefern. An einen jungen Adeligen.... Kaltenfels stellt eine Armee auf.“

„Nach Morthum? Die Reise wird uns einiges kosten, was soll das für ein Gefallen sein, Vater?“ Fragte Abel und blickte zweifelnd zu den Wägen.

„Es war damals, als der Vandrienkrieg losging. Ich wurde für die Armee des Königs eingezogen. Ihr wart noch kleine Kinder, eure Mutter gerade schwanger mit eurer Schwester und mit dem Kontor lief es auch nicht besonders gut. Ich hatte gefleht, dass sie mich nicht einziehen, doch hatte es keinen Nutzen. Wir wurden von Yota nach Kalamdus geschickt, dort haben sie die Truppen damals gesammelt. Unser Hauptmann war ein mieser Mistkerl, ich hatte versucht ihn umzustimmen, doch er lachte mich nur aus. Genau zu diesem Zeitpunkt kam Kaltenfels... Er gehörte zu einer Gruppe Morthumer Strafgefangener, übles Gesocks die lieber in den Krieg als in die Minen ziehen wollten. Kaltenfels muss gehört haben was wir gesprochen haben, er kam auf mich zu, schlug den Hauptmann mit der Faust nieder und zertrümmerte mir mein Knie mit seinem Helm.“ erzählte der alte Händler., „dann beugte er sich runter und sagte mir, dass ich ihm einen Gefallen schulde.“

„Er hat dir das Knie zertrümmert? Wie soll das ein Gefallen sein?“ fragte Jonas empört, „Du schuldest diesem Kerl nichts, Vater!“

„Was denkt ihr denn? Das hat mir das Leben gerettet.. Mit einem Hinkebein konnten sie mich ja schlecht nach Vandrien schicken. Das hat mich gerettet, denn von meinem Regiment überlebte kaum ein Dutzend.“ da lächelte der alte und klopfte sich auf das kaputte Knie, „ohne diesen Mistkerl, wäre euer Vater nun nicht mehr hier und ihr drei im Armenhaus.“

„Und sie haben ihn nicht eingesperrt? Der kann doch nicht einfach rumlaufen und Leute umhauen?“ , erwiderte Jonas noch immer empört.

„HA! Denkt ihr, dass sich irgendwer mit Morthumern anlegt?! Strafgefangenen Morthumern! Das waren allesamt Verbrecher. Ich glaube, dass Kaltenfels selbst ein Mörder war, die anderen Kerle waren keinen Deut besser... Der Fähnrich hat sich glatt in die Hosen geschissen, als es nach der Sache zu einem Tumult kam.“ da schüttelte sich der Alte, „Mörder, Messerstecher und Totschläger, kaum zu glauben, dass sie alle irgendwann zum Glauben fanden. Sie schlossen sich in Vandrien einem Orden an..“

„Und was sollen wir nun tun Vater?“ fragte Jonas nun besänftigt.

„Du und Abel, ihr besorgt drei günstige Ochsenkarren, nehmt euch drei der Knechte mit und fahrt die Waren zu diesem Adeligen. Marek, du sollst diese zwei Briefe hier ausliefern, nimm dir eines der Pferde und reite gleich morgen los. Einer geht nach Necris, zu einem alten Veteran namens Gerhard Brenner. Der Zweite, da pass bloß auf, geht in ein Straflager am Dabus-Gebirge. Dort triffst du einen Kerl Namens Johannes Eisenbrecher.“ erklärte der alte Händler

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