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 Betreff des Beitrags: Wasser zu Blut
BeitragVerfasst: 14.05.17, 01:46 
Ehrenbürger
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Langsam schritt sie die Treppen empor und trat mit gekreuzten Armen an den Altar heran. Ein kurzer Kniefall, eine Kehrtwende, Verneigung gen der beiden Ankhs ehe sie sich abermals um wandte gen der dunklen Hallen und den Sitzreihen. Gerade mal einer. Sei es darum.
Sie hob die Arme gerade an, die Füsse schulterbreit gespreizt und hob zu sprechen an:
"Der Herr sei mit Euch. In Euch. Und durch Euch. In Euren Herzen. In Euren Seelen. In Euren Taten. Ich will heute an diesem Ort, der einst ihm geweiht war und ihm wieder geweiht sein soll, vom Einen predigen."
Ein leises, erstauntes Aufraunen, ein zweifelnder Blick. "Er war entweiht?", entfuhr es dem Mann auf der Sitzbank ungläubig.
Kurz ging ihr Blick über die vermummte Gestalt, dann deutete sie auf die Ankhs. "Er ist noch immer geschwächt. Hörst Du das Rauschen des Blutes? Das Blutes seiner Feinde, die vor Ihm fielen? Das Blut seiner Gläubigen, die es gaben um durch ihre Taten Sein Werk zu mehren?"
Hinter dem Mann betrat eine weitere Frau die Hallen und nahm Platz. Sie selbst indes wandte sich herum, griff in die Rinne die von Ankh zu Ankh am Altar vorbei führte und schöpfte mit der rechten Hand etwas von dem Brackwasser heraus und streckte die Hand auffordernd voran.
"Tritt näher und überzeuge Dich. Brackwasser. Abgestanden. Ohne Kraft."
Der Mann trat näher und musterte was sie ihm hin hielt. Kurz ging sein Blick auch über die Ankhs, die Rinnen darin, das Gestein. Es dauerte eine Weile ehe er antwortete. "Nun ich muss gestehen ich kenne diesen Ort nicht anders. Ich nahm an eine besondere Sitte der Insel."
Erfrischend. Sie schüttelte den Kopf. "Dieser Ort ist geschwächt. Ich vermag nicht zu sagen wie lange schon, aber ich erkenne etwas das nicht ist wie es sein sollte wenn ich es sehe."
Etwas zögerlich antwortete der Mann. "Nun die Gemeinschaft errichtete einen Schrein weit außerhalb. Nun macht es einen Sinn."
"An dieser Stelle muss ich widersprechen. Ein Schrein wird erst dann zu einem Schrein wenn er zu einem solchen geweiht wurde. Nennen wir es eine Pilgerstätte."
"Ich kenne mich damit nicht aus, ein Sprecher des Herren war aber anwesend bei der Einweihung." Eine kurze Pause. "Zumindest wirkte es so auf mich, als einfachen Gläubigen."
Noch jemand, dem das Thema fremd ist? Ihr Blick ging kurz auf die zweite Frau, die den Tempel ruhig betrat und Platz nahm. Nun, es füllt sich. Langsam, aber beständig. Dann sah sie wieder auf den Mann in der vorderen Reihe.
"Weihen können nur Geweihte." Daher der Name. "Aber das gehört wohl eher in einen Unterricht denn in eine Messe."
"Mein Fehler ist meine Wissbegierde", sprach der Mann ruhig, "entschuldigt und fahrt bitte fort."
Fehler? Nein. Sie nickt ihm kurz zu. "Ihr werft dort Weihen, Erhebungen, Segnungen und nun, weltliche Einweihungszeremonien oder magisches Wirken durcheinander. Die Frage ist dennoch berechtigt.
Ich werde Euch sagen was ich hier zu tun gedenke: Ich will diesen Ort wieder soweit stärken, als dass er sich von alleine tragen kann. Auf dass er die Weihen die auf ihm liegen bewahren kann, damit kein zweifel daran auf kommt, dass dieser Ort dem Herren gehört und ein jeder, der sich Ihm nahe fühlen will seine Nähe hier suchen kann.
Vielleicht habt ihr Recht. Ihr seid nicht der Erste, der diese oder eine ähnlich gelagerte Frage an mich richtete. So will ich eingangs vom Thema abweichen.
Was ihr hier seht war einst Wille und Werk des Herren Angamon, denn dieser Ort war eins mit Ihm und Er mit dem Ort. Dieser Tempel war ihm eine Heimstätte an der er sich nieder ließ, ein Stück seiner Erhabenheit hier unter uns auf Tare. Denn genau das ist was geweihte Orte – oder geweihte Personen – von anderen Orten oder Personen unterscheidet. Sie sind ein Gefäß für einen Bruchteil der Essenz eines Gottes. Das ist das Band, das beide miteinander verbindet. Solange sie eins miteinander sind sind seine Macht, seine Präsenz, seine Essenz dort verankert und können mannigfaltig wirken. Zugleich bleibt der Gottkönig in sich selbst aber absolut. Er büßt nichts ein von seiner Macht oder seinem Wesen, da alle seine teile durch Ihn und in Ihm miteinander verbunden bleiben.
Im Grunde könnt ihr Euch einen Ort wie diesen vorstellen wie ein zusätzliches Augenpaar. Zusätzliche Ohren. Was hier geschieht hat seine Aufmerksamkeit und so das was geschieht Seinem Willen entspricht, so wird er auch dies zur Kenntnis nehmen und zugleich wird es seinen Einfluss, seinen Griff um diesen Ort stärken.
Von einer Weihe spricht man wenn diese durch einen oder mehrere Geweihte vorgenommen wird. Diese fungieren als Medium. Als Augen, Ohren wie auch Sprachrohr, sie vermögen es einen Teil Seiner selbst an diesen Ort zu laden und so der Ort im Einklang mit ihm ist, so das Angebot, das man ihm unterbreitet akzeptabel ist, so wird er sich dort nieder lassen.
Eine Erhebung indes geschieht durch den Willen des Gottes alleine ohne das Zutun seiner Geweihten. Jedoch: Wir existieren hier nicht in Horandon, der Sphäre der Götter. Dies ist Mandon, die Sphäre der Lebenden und die Sphäre der Sterblichen. Errichtet, geformt von den Gohor, Sahor und Enhor. Nicht alles was hier unten geschieht erweckt sofort seine Aufmerksamkeit. Deswegen werden solche Orte für gewöhnlich geweiht.
Die Geweihtenschaft lenkt das Augenmerk des Gottes auf das Werk selbst. Punktuell. Präzise.
Dieser Ort könnte auch erhoben werden, aber es wäre ungemein aufwendiger, sowohl für die Gläubigen wie auch für den Gott selbst. Ein größerer Kraftakt wenn ihr so wollt und der Herr schont seine Kräfte gerne um sich nicht angreifbar gegenüber seinen Feinden zu machen. Deswegen gibt es meinesgleichen."
"Ihr seid Geweihte? Oder Priester?"
"Geweihte. Doch hier kommt der Schlüssel: Auch wenn dieser Ort durch Geweihte geweiht wird, so kann die Weihe so sie einmal vollzogen ist auch von gesegneten Priestern sowie durch Gläubige aufrecht erhalten werden. Das ist was hier nicht geschehen ist. Deswegen ist der Ort wie er ist und genau dies soll sich ändern, denn es ist Sein Wille, dass dieser Ort wieder unbestreitbar Sein alleiniges Eigen wird. Sollte der Gottkönig dem Ersuchen statt geben, dann mag man dies als Gunstbeweis deuten, zugleich bleibt es aber auch eine hohe Bürde. Denn Er wird erwarten, dass man sich des Ortes nicht minder widmet wie man sich Seiner selbst widme, denn Er allein ist es, der diesen Ort zu dem macht was dieser Ort sein sollte. Aus diesem Grund will ich ein wenig künden von Lüge und Wahrheit, von Treue und Verrat, auf dass ein jeder der Augen hat zum Sehen und Ohren zum Lauschen den Weg des Herren erkennen möge, wenn er sich vor ihm aus breitet. Seinen Weg, aber auch die Irrwege auf die seine Feine, seine Eltern und Onkel, einen zu führen versuchen zu erkennen und ihnen abschwören zu können."
Sie legte eine kurze Pause ein. "Ich werde Euch jetzt nicht mit Worten über Tugend oder Untugend langweilen und ich werde Euch kein Leitwerk an die Hand dafür geben was ihr wann wo warum tun oder auch nicht tun solltet.
Euer Glaube ist der Eure. Euer Weg zum Herren ist der Eure. Eure Entscheidungen sind allein die Eurigen. Freier Wille. Alle reden sie davon. Alle meinen sie das Prinzip verstanden zu haben. Aber genau das ist der Punkt an dem der Gottkönig sich von allen anderen Göttern unterscheidet, sich über sie hinaus erhebt: Er gewährt uns den freien Willen. Statt ihn uns zu verwehren, ihn zu beschneiden, zu dosieren und es dennoch Freiheit zu nennen. So wie es die Sahorkirche so gerne tut.
Wenn ich also rede von Wahrheit und Lüge, von Treue und Verrat, dann rede ich nicht von gut oder böse, von richtig oder falsch, sondern von Entscheidungen, die wir alle Kraft unseres gottgegebenen und gottgewollten freien Willens treffen.
Denn ich behaupte: Der Gottkönig ist in sich absolut. Er ist unsere Vergangenheit, unser Vermächtnis und zugleich unsere Zukunft, unsere Verheißung. Eine Macht, die allen anderen Mächten trotzt.
Eine Wahrheit kann machtvoll sein. Eine Lüge ebenso. Warum sollte Er sich das eine oder das andere davon verwehren? Nur weil jene die Ihn und den Glauben an Ihn ablehnen und verfolgen es gerne so hätten?
Verrat. Ein überaus machtvolles Instrument. Wer dagegen gefeit sein will muss den Verrat verstehen. Sterbliche neigen dazu sich ihre eigenen Welten zu erschaffen, Konstrukte aus Regeln und Gesetzen und doch belügen sie sich selbst wenn sie denken, dass diese Welten Bestand haben könnten. Denn vor dem Gottkönig kann nur bestehen was Er bestehen lassen will.
Gleichwohl belohnt Er die Treue zu Ihm selbst und missbilligt allzu viel Verrat unter Seinen Gläubigen, denn wenn durch diesen Verrat Sein Wille nicht geschieht, dann haben wir alle als seine Gläubigen vor Ihm versagt."
Ihr Blick ging zum Eingang. Zwei weitere, ein Mann und eine Frau betraten den Tempel und nahmen in der hintersten Reihe nebeneinander Platz. Fünf insgesamt. Mehr als erwartet. Sie riss sich von dem Gedanken los und fuhrt fort.
"Wie passt all dies nun zusammen? Hat jemand eine Idee?"
Der Mann in der ersten Reihe hob an. "Es ist kein Verrat, wenn er in Seinem Sinne und Wille statt findet."
Ein kurzes Nicken, dann griff sie den Faden auf. "Ich will Euch ein Beispiel geben.
Offen und voller Gottvertrauen zum Gottkönig zu stehen ohne auch nur einen Augenblick zu zweifeln oder zu zögern, das ist, was er erwartet. Aber wäre es klug dies einem der Geweihten seiner Feinde offen unter die Nase zu reiben? Oder auch nur einem der Wachen in den Städten der blinden Schafe oder sonst wem, der nicht willens oder nicht fähig ist zu erkennen? Wer derlei tut, der mag wahr sprechen, aber nicht wahr handeln, denn das Tun des Gläubigen sollte auf den Gottkönig ausgerichtet sein. Welchen Nutzen hätte er hiervon? Ein kurzer Triumph, das flüchtige Vergnügen einer offenen Kriegserklärung, aber der Gläubige selbst wäre für Ihn höchst wahrscheinlich verloren, er hätte sich selbst aus dem Spiel genommen und damit auch alle Zeit und Mühen, alle Hoffnungen, die von Sterblichen wie auch vom Gottkönig selbst in den Gläubigen gesetzt werden mit Füssen getreten indem er sie zunichte machte.
Was immer ein Gläubiger tut, das sollte er gläubig tun. Ob er lügt oder die Wahrheit spricht, ob er die Treue hält oder Verrat begeht, jeden Zug den er macht, jeden Schritt den er geht, jeden Atemzug den er nimmt kann und sollte im Einklang mit dem Gottkönig sein. Das ist die Essenz des Glaubens, das ist was den Gläubigen vom Ungläubigen scheidet: Die Suche nach dem Einklang mit dem Willen und dem Werk des Gottkönigs. Denn nur Er, Angamon, ist wahrhaftig und durch Ihn alles, was Seinen Willen in sich trägt.
Ich könnte noch lange hiervon erzählen, Unmengen solcher Beispiele liefern, heraus arbeiten wie der der immer lügt nicht minder berechenbar ist wie der, der immerzu die Wahrheit spricht und wie Berechenbarkeit einem das Potential rauben und den Sieg kosten kann. Ich könnte erzählen, dass notorischen Lügnern und Verrätern irgendwann niemand mehr vertraut und sie so diese Waffen aus der Hand geben, wohingegen denjenigen welche Wahrheit und Treue in Ehren halten niemand einen Verrat zu traut, ich könnte unterstreichen, dass eine schmerzhafte Wahrheit viel tiefere Wunden zu schlagen imstande sei als jede noch so wohl gefeilte Lüge und noch vieles mehr, doch letztendlich will ich nur auf eine einzige, einfache Wahrheit hinaus:
Wer den Herren an seiner Seite hat, der handelt nicht falsch. Nicht in den Augen Angamons. Soweit es mich betrifft sind dies die Augen die zählen. Ob ihr es ebenso halten wollt ... obliegt Eurer eigenen Entscheidung. Eurem freien Willen.
Doch genug der Worte. Worte alleine verändern nichts. Nur Worte aus denen Taten folgen verändern das Weltengeschehen. Wer Taten folgen lassen will, der möge vor treten."
Langsam wickelte sie das Opfermesser aus. Noch immer fühlte sich die Berührung kalt an, taub, leblos. Gut. Der Segen verblasste allemählich, aber er war noch spürbar. Langsam hob sie die Klinge zur Decke hin an, nur wenige Worte, ein leises Flüstern:
"Horkum, Angamon, König unter Göttern, sieh' hinab auf das Opfer und nimm es an."
Sie setzte die Spitze an der linken Unterarmvene an und bohrte die Klinge hinein. Ein dünner Strahl Blut rann ihr in die Handfläche und tropfte von dort aus in die Schale darunter. Sie wartete bis etwa ein Becher voll zusammen gekommen sein mochte, ehe ein kurzes Stoßgebet die Wunde verschloss.
Sie sah in die Runde. Alle saßen noch auf ihren Plätzen.
Auffordernd hielt sie den Griff des Messers voran. "Niemand?"
Der Mann aus der ersten Reihe erhob sich und zog die Handschuhe ab. "Ich will meinen Beitrag leisten."
Sie nickte ihm zu und reichte ihm das Messer an, hielt die Schale unter seinen Arm nachdem er sich geschnitten hatte. Die Frau hinter ihm tat es ihm gleich und hernach standen sie alle im Gang. Einer nach dem anderen trat vor um etwas von seinem Blut zu geben bis die Schale gut gefüllt war, dann nahmen die fünf wieder Platz.
Sie selbst hob die Schale vorsichtig an um nichts zu verschütten und sprach:
"Gottkönig Angamon. Nimm das Opfer das gegeben ward an, das Blut das gegeben für Dich und Dein Wer, auf dass es ein Teil werde dieser Hallen, ein Teil Deines Werkes, ein Teil Deiner selbst.
Dih Thul veh Nekrum. Dein Wille auf ewig. Dih Thul mehch Trinar. Dein Wille, unsere Hände. Dih Thul mehch Blodh. Dein Wille unser Blut. Krin ta Horkum. Für den Gottkönig."
Dann goss sie ein gutes Drittel über dem Altar aus, das zweite über dem rechten und das letzte Drittel über dem linken Ankh. Zufrieden sah sie wie das poröse Gestein die Flüssigkeit auf nahm wie ein trockener Schwamm. Dann trat sie abermals an den Altar heran und breitete die Arme seitlich aus.
"Der Herr sei mit Euch und in Euch und durch Euch. In Euren Herzen und Euren Seelen. In Euren Worten und Taten. Die nächste Messe wird am zwanzigsten dieses Mondes gehalten werden, für den Gottkönig, wider Seine Mutter. Ich danke für Euer Erscheinen. So gehet hin mit dem Segen des Gottkönigs."
Langsam schlug sie das gleichschenkelige Kreuz in die Luft.
"Möget ihr die Weisheit finden um Ihn zu erkennen.
Möget ihr den Willen finden um Ihn an zu nehmen.
Möget ihr den Mut finden um Ihm zu folgen.
Möget ihr in Ihm finden was ihr begehrt. Denn Er ist das Sein und das Nichtsein und wir Seine Gläubigen. Krin ta Horkum. Für den Gottkönig."
Damit kreuzte sie die Arme abermals vor der Brust und verneigte sich leicht gen jedem der Anwesenden, dann tiefer gen Altar und der Ankhs.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wasser zu Blut
BeitragVerfasst: 21.05.17, 14:26 
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Mit gekreuzten Armen verneigte sie sich gen Altar, dann gen beider Ankhs und sprach leise:
"Onach Thul veh Nekrum Horkum Angamon. Dih Thul – mehch Trinar. Dih Voth – mehch Blodh. Krin ta Horkum."
Dein Wille auf ewig Gottkönig Angamon. Dein Wille – unsere Hände. Dein Befehl – unser Blut. Für den Gottkönig.
Dann erst erhob sie sich und wandte sich gen der Sitzreihen. Vier. Na, wenn das mal kein schlechtes Omen ist. Der Fragesteller war nicht dabei. Sei es drum.
Sie hob die Arme seitlich an um mit dem Körper einen Ankh zu bilden:
"Der Gottkönig Angamon sei mit Euch und in Euch und durch Euch. Mit Euren Worten, in Euren Taten, durch Euren Willen. Mögen Eure Worte von Ihm künden. Mögen Eure Taten Sein Werk mehren. Möge Euer Wille der Seine sein. Krin ta Horkum. Für den Gottkönig."
Sie löste die Geste und blickte ein mal über die Reihen. Nun denn.
"Wie bei der letzten Messe möchte ich eingangs ein paar Worte zu Fragen verlieren, die mit dem Thema selbst eher wenige Berührungspunkte haben, die jedoch an mich heran getragen wurden.
Ich wurde nach Gestik und Symbolik gefragt und so will ich einen kurzen Einblick geben."
Sie deutete kurz gen der beiden Ankhs.
"Auf den Ankh als Symbol seiner selbst wie auch des Lebens für und an Ihm, des eigenen Lebens, das wir auf Ihn aus richten, wie auch die Leben jener, die vor ihm fallen müssen, denn beides sind Opfer, die wir ihm dar bringen."
Abermals formte sie den Ankh mit dem Körper.
"Eine Geste, die intuitiv wohl jeder hier schon einmal praktiziert hat. Das Bilden eines Ankhs mit dem eigenen Körper als Geste der Anrufung wie auch des Opfers.
Symbol des Lebens für Ihn.
Symbol des Glaubens an Ihn."
Sie legte eine kurze Pause ein während ihr Blick über die Reihen glitt. Einem schien es bereits genug zu missfallen um zu gehen. Unbeirrt fuhr sie fort.
"Soweit ich es beurteilen kann sind andere Symbole eher regional geprägt, dort kann ich nur weiter geben was man mich lehrte."
Damit kreuzte sie die Arme abermals so vor der Brust, dass die Fäuste die jeweils gegenüber liegende Schulter berührten.
"Das gleichschenkelige Kreuz. Symbol Seiner Ordnung und damit Seines Willens. Diagonal defensiv, eine Geste der Unterordnung unter diese Ordnung und diesen Willen. Üblicherweise liegt hier die Waffenhand innen oder bei Magiern häufig die Hand mit der primär Zauber gewoben werden."
Dann drehte sie die Arme so, dass der rechte Unterarm senkrecht erhoben war, während der linke diesen horizontal mittig kreuzte.
"Dasselbe Kreuz offensiv. Die Ordnung die wir über andere, vor allem seine Feinde, bringen.
Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Gesten und Symbole die mit ihm in Verbindung stehen, aber derlei sollte eher Bestandteil eines Unterrichts sein. Somit sei dieser Exkurs für heute beendet. Sprechen wir das Glaubensbekenntnis."
Abermals kreuzte sie die Arme diagonal und senkte das Haupt dazu ab.
"Wir glauben an Angamon,
Göttersohn, einziger und wahrer König unter Göttern,
den Herren über das Sein und das Nichtsein.
Angamon, der Ordnung und Wille in das Chaos brachte,
Angamon, der die neun Erzdämonen unterwarf,
Angamon, Schöpfer des Dorayon, Meister der schwarzen Magie.
Gebieter der Seelen, Schlächter des Drachenvolkes,
Dein Wille unser Streben, Dein Werk unser Blut,
bis wir eins sein werden in Dir und Deiner Herrlichkeit.
Krin ta Horkum Angamon. Für den Gottkönig Angamon."
Einige Augenblicke ließ sie die Worte nachhallen ehe sie mit ruhiger Stimme abermals an hob.
"Ich möchte heute künden von Seiner Mutter. Häufig unterschätzt. Häufig verlacht. Harmlos mag sie auf den ersten Blick erscheinen in ihrem Tun. Gütig wird sie von ihren Anhängern genannt. Doch werfen wir einen Blick hinter den Schleier.
Wenn da eine Gabe des Gottkönigs ist, die alle anderen in den Schatten stellt, so ist es die Gabe des freien Willens. Was nützen uns Mut, Stärke, Gerissenheit oder auch schlicht Macht wenn wir sie nicht mit einem freien Willen vereinen könnten? Wenn wir nichts wären denn Marionetten? Ratten in einem Käfig dessen Wände andere für uns erbaut haben?
Die Gläubigen der Sahor behaupten häufig es sei ein Geschenk ihrer Götzen, aber wenn dem so sein sollte, weshalb versuchen sie ihn dann in einem fort zu untergraben? Warum wollen sie den freien Willen nur dort zu lassen wo er auf ihre Götzen ausgerichtet ist, wo er die Welt die sich erbaut haben beschützt? Kann das Freiheit sein? Kann das unser eigener Wille sein wenn er überall dort wo er nicht ihren Zielen entspricht beschnitten wird wie eine Münze die durch zu viele unehrliche Hände gewandert ist? Nein, Freiheit wird man in ihnen nicht finden. Denn diese Freiheit, die Freiheit alles tun zu können, alles erlangen, alles erkämpfen zu können, die bietet er alleine an.
Und an genau diesem versucht seine Mutter ihm in das Handwerk hinein zu pfuschen."
Sie deutete auf eine weißhaarige Frau.
"Nenne mir etwas, das Du mit ihr in Verbindung bringst." Ein Kopfschütteln als Antwort. Ihr Finger wanderte zur Frau neben ihr.
"Wie steht es mit Dir?"
"Mitgefühl." Brr. Sie nickte, dann deutete sie zu dem Mann in der Reihe dahinter.
"Und wie steht es mit euch?"
"Sie glaubt ihre Hände in ihren eigenen Tränen reinwaschen zu können."
Abermals nickte sie.
"Gut so will ich das auf greifen. Mitgefühl.
Ich gebe zu, die Tardukai kennen die Gnade, aber es ist die Form von Gnade die unnötiges Leid verhindert, vergleichbar mit Kindern, denen man beibringt, nicht mit dem Essen zu spielen.
Mitgefühl. Sich emotional auf einen Schwächeren ein zu lassen, wie oft ist das was sie Mitgefühl nennen nicht mehr als eine Verlängerung des Leids, eine Geste die ihnen helfen soll das Leid anderer ertragen zu können ohne es wirklich zu beenden?
Mitgefühl. Nicht mehr als ein Versuch uns klein zu halten, unten bei denen von denen sie denkt, dass sie unser Mitgefühl mehr verdient haben denn unsere Verachtung. Wären sie stark, wären sie nützlich und ich behaupte ja selbst wenn sie dies eines Tages sein könnten, dann wären sie nicht darauf angewiesen. Man würde das Potential in ihnen sehen. Es fördern. Sie zu dem machen was sie sein sollten so wie ein Meister den Schüler formt.
Mitgefühl. Nicht mehr als ein Anker, der uns nach unten zieht, der uns dazu zwingt Zeit und Kraft in einen hoffnungslosen Fall zu stecken. Zeit und Kraft die wir nicht darauf verwenden unser eigenes Potential zu entfalten."
Ihr Blick wandte sich zu dem Mann.
"Darf ich Eure Worte so verstehen, als dass sie in ihrem eigenen Selbstmitleid badet, statt sich ihrer Verantwortung zu stellen?"
"Es ist Eure Predigt, entscheidet selbst, wie sie verstanden werden können. Ich dachte nicht an Selbstmitleid, aber auch das ist ohne Zweifel einer ihrer Teile."
"Nun in Euren Worten liegt viel. Dass sie sich selbst belügt. Feigheit. Dass sie sich hinter Tränen versteckt. In all dem liegt Wahrheit."
"Unrecht zu beweinen, anstatt Unrecht zu ermorden, das sollten meine Worte anprangern."
Ein Nicken ihrerseits.
"Auch das ist einer ihrer Aspekte und sogar ein überaus wichtiger, denn in ihm liegt etwas zugrunde, das ihnen allen als Makel an haftet. Der Herr in sich ist eins. Völlig mit sich selbst im Reinen wie im Einklang. Sie jedoch kümmert kein Unrecht, das Unrecht ist etwas, das sie ihrem Bruder überlässt. Wie genau das funktionieren soll ist mir schleierhaft. Entweder ich habe einen Standpunkt, dann verteidige ich diesen auch oder ich habe keinen und lasse alles um mich herum geschehen im Vertrauen darauf, dass schon irgendwer anders die Drecksarbeit für mich erledigen wird.
Ich weiß nicht was ihr alle unter einer gütigen Gottheit verstehen mögt, aber die ausgesprochene Kritik, dass es keine Güte in sich tragen kann wenn man nicht gewillt ist gegen das was falsch ist auch vor zu gehen, die teile ich.
Und ich frage mich ob das ein erstrebenswertes Leben sein soll in dem man alles was geschieht im Guten wie im Schlechten einfach hinnimmt, einfach aussitzt, ein Leben in dem man alles einfach erduldet statt das was man in der Hand haben könnte auch in die eigenen Hände zu nehmen. Ich für meinen Teil würde so nicht leben wollen. Und ich weiß, dass es nicht der Wille des Gottkönigs Angamon ist, wenn wir die Macht die uns gegeben ward nicht nutzen.
Ich könnte noch viele solcher Beispiele bringen. Beispielsweise stellt sie den Rausch unter ihren Schleier, also den völligen und bewussten Verlust des freien Willens, ich könnte darauf verweisen wie sie Sinnlichkeit und Ekstase befürwortet – aber abermals eben nur innerhalb von Grenzen, aber alles würde auf eine einzige, schlichte Wahrheit hinaus laufen:
Dass sie mit allem was sie tut versucht unseren gottgegebenen, freien Willen zu untergraben.
Dass sie uns mit ihrem Blendwerk an sich zu binden versucht und im Grunde am Ende doch mit leeren Händen da steht, denn leere Hände sind was sie zu bieten hat. Denn gerade von Ihm, Ihrem Sohn, ist sie nichts und hat nichts an zu bieten und somit hat sie auch nichts zu fordern. Nicht von Ihm. Nicht von Euch. Doch genug der Worte. Wer willens sei Taten folgen zu lassen möge vor treten."
Damit wickelte sie das Opfermesser langsam aus. Wie schon beim letzten mal machte sie den Anfang bei dem Blutopfer, wie schon beim letzten mal traten die ersten erst näher, als sie mit einem ruhig gefragten "Niemand?" über die Reihen blickte. Die beiden Frauen aus der vorderen Reihe traten vor, der Mann und die Frau die sich indes zu ihm gesellt hatten verblieben auf ihren Plätzen.
Nachdem es getan war hob sie die Opferschale an und sprach:
"Herr, Angamon, König unter Göttern, wir bitten Dich: Nimm das Opfer an.
Deinem Willen folgen wir, Dein Werk verbreiten wir.
Dein Wille unsere Hände, Dein Werk unser Blut
bis wir eins sein werden in Dir und Deiner Herrlichkeit.
Krin ta Horkum."
Dann goss sie abermals ein gutes Drittel über dem Altar aus und den Rest über den beiden Ankhs hinter ihr. Wie schon zuletzt nahm das Gestein das Blut nur allzu begierig in sich auf. Dann trat sie wieder an den Altar heran und sprach:
"Der Herr sei mit Euch und in Euch und durch Euch. Möge Er allzeit das Feuer des freien Willens in Euren Seelen am lodern halten, möge Er Euch erkennen lassen wo immer seine Feinde Euch das was Euch gewährt zu nehmen trachten und möget ihr in Ihm die Kraft finden der Versuchung des einfachen Weges, den seine Mutter vor Euch aus breitet, widerstehen zu können."
Mit der Hand beschrieb sie die vereinfachte Ankhgeste in der Luft.
"Der Herr gewähre Euch den Mut Ihn an zu nehmen,
Den Willen unbeirrt Eurem Weg zu folgen,
Die Stärke Euren Feinden zu trotzen
Und die Weisheit zu erkennen, dass ohne Ihn nichts sein kann wie es sein sollte.
Krin ta Horkum Angamon.
Für den Gottkönig Angamon."
Abermals kreuzte sie die Arme und verneigte sich leicht vor jedem einzelnen der Anwesenden, dann etwas tiefer gen Altar und der Ankhs. Hinter ihr erhoben sich die ersten. Das Werk war vollbracht, die Messe gelesen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wasser zu Blut
BeitragVerfasst: 29.05.17, 00:53 
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Mit mittig gekreuzten Armen verneigte sie sich gen Altar und beider Ankhs, ehe sie ganz an den Altar heran schritt und kurz den Blick über die Anwesenden schweifen ließ. Drei. Jedes mal weniger. Nun bisher waren auch noch immer Nachzügler eingetroffen. Und lieber ein harter Kern als gar niemand.
Mit dem Körper bildete sie abermals einen Ankh nach ehe sie ruhig sprach:
"Der Herr sei mit Euch und in Euch und durch Euch. Mit Euren Worten, in Euren Seelen und durch Eure Taten. Er gewähre Euch den Schleier der Verborgenheit vor den Augen seiner Feinde, Eurer Feinde und er erfülle Euch mit Mut und Zuversicht.
Ich spreche nun das Glaubensbekenntnis:

Wir glauben an Angamon,
Göttersohn, einziger und wahrer König unter Göttern,
Den Herren über das Sein und das Nichtsein.
Angamon, der Ordnung und Wille in das Chaos brachte,
Angamon, der die neun Erzdämonen unterwarf,
Angamon, den Schöpfer des Dorayon, Meister der schwarzen Magie.
Gebieter der Seelen, Schlächter des Drachenvolkes,
Dein Wille – unser Streben, Dein Werk – unser Blut,
Bis wir eins sein werden in Dir und Deiner Herrlichkeit.
Krin ta Horkum Angamon.
Für den Gottkönig Angamon."


Langsam löste sie die zuvor eingenommene Pose mit den gekreuzten Armen, legte eine kurze Pause ein und hob dann wieder an:
"Es hat sich die letzten male ein wenig eingebürgert, dass ich vor der eigentlichen Predigt einige Worte verliere, doch wurden dieses mal die Fragen überschattet von aktuellen Ereignissen.
So werde ich auf das ewige Heer, die güldene Wehr und die vielfachen anderen Namen, die sie tragen mögen, im Laufe der Predigt eingehen, denn sie sind mit jenem verbunden von dem ich heute erzählen mag.
Wie ihr alle wisst hatte der Gottkönig nicht nur eine Mutter, sondern auch einen Vater, der ihn zeugte.
Die die dem Vater folgen nennen ihn den Herren über Ehre, über Mut, über Pflichtbewusstsein und Gerechtigkeit und jedes mal muss ich mir das Lachen verkneifen wenn ich derlei höre.
Aber beginnen wir dort wo eine Predigt ihren Kern haben sollte. Im Herren und damit in seinen Gläubigen. In Euch. So sagt mir was verbindet ihr mit dem Vater des Gottkönigs?"
Damit wandte sie den Kopf gen des Mannes zu ihrer Linken.
"Nur frei heraus."
"Nun hm er ist nicht klug."
"Einmal was ihr sagtet", sprach die Magierin in der Runde, "sowas wie Ehre, Tapferkeit und den Krieg."
Sie nickte einige male. "Möchte noch jemand etwas ergänzen?"
"Er ist der Herr der Scham. Hüllt seine blutige Gestalt in Gewänder aus Gold und Silber."
Sie stutze kurz ehe sie nickte. "Wie immer interessant. Allerdings.
Ich frage mich wie ehrenhaft, gerecht oder vereinfacht tugendhaft es sein mag nicht zu seinen Taten, seinem eigenen Wesen zu stehen. Ich vermag nicht zu sagen was Ehre für Euch bedeutet. Aber meine Ehre ist mein Dienst. Dem Gottkönig zu willen und dienlich sein zu dürfen.
Der Vater klammert sich an die Illusion einer ehrenvollen Niederlage, an den Glauben, dass ein Sieg für den man nicht bereit war alles zu geben, alles zu tun, weniger erstrebenswert sei als die Niederlage, die man in Kauf nimmt, weil man seine eigenen Ideale dem Zweck, dem Willen eines Gottes unter ordnet. Ich indes behaupte:
Der Gottkönig will den Sieg. Der Gottkönig verdient den Sieg. Ihm diesen vor zu enthalten, darin liegt keine Ehre, sondern einzig die Schmach des Versagens. Der Pflichtvergessenheit, der Verweigerung dessen, was gerecht ist, des Aufbegehrens gegen Ihn und all jene, die für Ihn streiten."
Ihr Blick ging einmal durch die Runde.
"Und genau aus diesem Grund, weil sie alle wie sie sind, seine Eltern wie seine Onkel, sich Grenzen auferlegen wo der Herr selbst in sich selbst und in und, die wir an Ihn glauben, alle Ketten sprengt, keine Grenzen akzeptiert, uns immerzu ermutigt über uns selbst hinaus zu wachsen, Ihm näher zu kommen, Ihm noch ergebener und noch siegreicher dienen zu dürfen ist all das Streben seines Vaters vergebens. Null und nichtig in den Augen des einzig wahren Gottes. Seines Sohnes Angamon."
Ihr Blick ging zu dem Mann in der hinteren Reihe.
"Also ja man kann mit Fug und Recht behaupten, dass er weder klug ist..."
Ihr Blick wandte sich gen des Magiers.
"...noch wirklich zu seinen Taten noch seinem eigenen Wesen noch seinen Zielen offen und aufrichtig steht..."
Zuletzt wanderte der Blick hin zur Magierin.
"...noch den Ansprüchen gerecht werden kann, die diejenigen die dem Vater folgen an den Vater stellen. Der angebliche Gott der Gerechtigkeit. Pah. Ein Blender, nicht mehr. So wie jene, die ihm nach folgen, im Leben wie im Tod. Denn im Tod da schart er sie um sich selbst, entsendet sie um die Grenzen die die Götter zwischen den Reichen zogen zu verteidigen, trennt so die seinen von jenen, welche dem stillen Onkel nachfolgen müssen. Ob sie wohl manchmal darüber streiten? Wer weiß?
Was wir aber wissen ist, dass es nicht der Gottkönig war, der diese Grenzen zog und somit ist es sein Recht diese Grenzen nieder reißen zu wollen. Und er wird sie ein reißen. Das ist unbestritten. Aber bis es soweit ist halten unter dem Banner des Vaters jene die er dazu berief ihre Wacht. Dies ist was man als das ewige Heer, das goldene Heer, die güldene Wehr, die Grenzwächter, die Sphärenschreiter und noch vieles mehr benennt.
Ihnen entgegen stehen die Dämonenschwaren, sowie die treuesten Seelen, die im Dienst für den Gottkönig fielen und für diese Ehre auserkoren wurden. Was mich zu dem führt was ich vorhin bereits sagte:
Es sind Seelen. Geboren aus Sterblichen heraus. Sterbliche, die einem Gott folgten, der es nicht wert ist, dass man ihm folgt. Weder unbezwingbar, Noch unkorrumpierbar."
Ihr Blick fiel auf die gerüstete Frau die eilig in den Tempel huschte ehe sie Platz nahm.
"Seelen, die einem Gott folgten, der sie Scham lehrte vor dem Blut, das sie vergiessen. Statt offen dazu zu stehen das Blut der Feinde vergossen sehen zu wollen, wie auch das eigene fließen zu lassen, so der Gottkönig es befiehlt, auf dass es das Werk des Gottkönigs mehre und seinen Willen wahr werden lässt."
Sie zog die Opferschale zu sich heran.
"So wollen wir ein Zeichen setzen für den Glauben an Ihn und wider den Glauben an all jene, die sich Götter nennen und doch kaum mehr sind denn Götzenbilder."
Wie schon so oft wickelte sie das Opfermesser mit dem klobigen Griff aus, setzte es an dem linken Unterarm an und bohrte ein Loch in die Vene, ließ das Blut durch die Hand in die Schale fließen und wartete bis etwa ein Becher voll zusammen gekommen sein mochte, ehe sie an hob.
"Wer Taten folgen lassen will, der möge vor treten."
Der Mann aus den hinteren Reihen trat vor. Sie zog das Messer sachte außerhalb seiner Griffweite.
"Nimm die Waffe, welche Du Dir erkoren hast und reiche sie mir im Anschluss.", sprach sie ruhig zu ihm.
Fragend sah der Mann sie an, worauf sie an knüpfte: "Ihr opfert. Dann segne ich. Alles hat seinen Preis."
Dass der Mann einen verzierten Stoßdegen zog war unerwartet, aber gut. Etwas umständlich öffnete der Mann damit die Vene in der linken Armbeuge und ließ etwas von dem Blut in die Schale fließen ehe er ihr den Degen reichte. Sie nahm ihn entgegen, griff in die Schale und verteilte etwas von dem vermischten Blut auf der Klinge, während sie an hob:
"Herr, Angamon, Gottkönig, dieses Dein Kind erbittet Deinen Segen im Angesicht Deiner Feinde, den Wächter der Sphären, den Behütern des Werkes jener, die Dich zeugten und Dir noch nicht nahe sein können, denn Nichts kann vor Dir Bestand haben.
So ersuchen wir Dich: Möge diese Waffen Verderben über die Jenseitigen bringen, die sich in diese Sphäre wagten, auf dass sie den Hochmut sich gegen Dich und Deine Kinder stellen zu wollen zu bereuen lernen und bekennen müssen:
Sie sind Deiner nicht würdig und so sollen sie fallen vor Deinem Glanze.
Krin ta Horkum. Für den Gottkönig."
Kalt haftete das Blut an der Schneide an, ehe es zu einem rötlichen Raureif gefror, während ein guter Teil davon in die Klinge selbst ein drang. Mit einem leisen Knacken brach das Metall auf, Späne fielen wie ein feiner, scharfkantiger Sterne zu Boden, als die einst elegante und verzierte Fechtwaffe sich wandelte, formte zu einem schimmernden Dolch, kalt, gnadenlos, ein Mordinstrument.
Sie reichte dem Mann den Schlangenzahl an.
"Der Segen währt nicht ewig.", mahnte sie leise an, "Aber der Herr hat die Bitte erhört. Doch bedenke: Sie macht Dich nicht unverwundbar."
Voller Zuversicht antwortete der Mann: "Sie wird das Werkzeug für SEINEN Willen sein." Dann etwas ruhiger: "Mein Dank an Euch und den HERRN."
Sie schüttelte nur ruhig den Kopf. "Ich bin nur das Medium. Der Dank gebührt dem Herren allein."
"So sei es."
Damit ging ihr Blick über die Reihen. "Möchte noch jemand das Opfer vervollständigen?"
Der Magier trat vor und griff nach seinem eigenen Messer, zog es durch die Handfläche und ließ etwas vons einem Blut in die Schale tropfen. Seltsam.
Hinter der Maske war nicht allzu viel aus zu machen und doch spürte sie etwas, das ihr nur zu vertraut war und als sie begann sich auf das Gefühl ein zu lassen war es als könne sie hinter die Maske blicken. Was sie jedoch sah war kein menschliches Gesicht. Sie erkannte einen älteren Wolf, sehnig, hager gebaut, mit stumpfen Reißzähnen. Lange hielt das Bild nicht an, aber nur ein Blick genügte um ihr zu sagen, dass der Magier gerade wohl ähnliches durchlebte. Beide sahen sie sich noch eine Weile an, dann wandte er sich ab und die Magierin trat als letzte vor um das Blutopfer ab zu runden.
Dann hob sie selbst die Schale an und sprach:
"Angamon, Herr, Gottkönig, Vater und Gebieter, wir ersuchen Dich: Sei gnädig und nimm dieses Opfer an, erbracht von jenen die Deinem Weg folgen. Gesegne seiest Du und gesegnet sei Dein Werk, auf dass all jene die gegen Dich stehen bekennen müssen, Du Du allein von ihrem Fall künden magst, dass auch ihre Leben einzig in Deiner Hand liegen. Krin ta Horkum. Für den Gottkönig."
Damit goss sie wie die male zuvor das Blut über dem Altar und den beiden Ankhs aus. Mit einiger Genugtuung nahm sie zur Kenntnis, dass es nach wie vor gut absorbiert wurde, wenn auch nicht so rasch wie die male davor. Steter Bluttropfen nährt das Werk.
"Der Herr sei mit Euch und in Euch und durch Euch. Mit Ihm und in Ihm und durch Ihn kann es nur einen Sieg geben. Einen Sieg über seine Feinde. Einen Sieg über Eure Feinde, die er zu den seinen macht. Denn dies ist gerecht."
Damit zeichnete sie ein gleichschenkliges Kreuz in Richtung der Sitzreihen.

"Es segne Euch der Gottkönig
mit dem Mut Ihn an zu nehmen
mit dem Willen Seinem Wort zu lauschen
mit der Stärke seinem Pfad zu folgen
und mit der Weisheit Euer Heil in Ihm zu suchen und zu finden.
Krin ta Horkum Angamon.
Für den Gottkönig Angamon."


Damit kreuzte sie die Arme und verneigte sich ein mal leicht vor jedem der Anwesenden, dann tiefer gen Altar und der beiden Ankhs.
"Sein Segen mit uns allen.", kam es gedämpft aus den Reihen der Zuhörer.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wasser zu Blut
BeitragVerfasst: 6.06.17, 15:35 
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Mit gekreuzten Armen verneigte sie sich vor den beiden Ankhs, schritt an den Altar und kniete sich kurz hin.
"Horkum Angamon, dieses Werk sei Dir geweiht", hauchte sie noch kurz ehe sie gänzlich an den Altar heran schritt, mit dem Körper einen Ankh formte und mit klarer Stimme an hob:
"Der Gottkönig Angamon sei mit Euch und in Euch und durch Euch. Mit Euren Worten, in Euren Taten, durch Euren Willen."
Ihr Blick ging durch die Reihen. Drei aber gut, drei die bekannt waren.
"Wie es scheint hat sich der harte Kern der Gläubigen in dieser Stadt erneut eingefunden. Nun, auch wenn die Auslese etwas rigider ausfallen mag als sie es vielleicht sollte, so lasse sich damit arbeiten. Ich will mir in dem Augenblick vor dem Glaubensbekenntnis die Zeit nehmen um abermals ein wenig Wissen ein zu streuen, auch wenn es dieses mal nur kurz ausfallen mag."
Ihr Blick wandte sich gen des Schwarzberobten.
"Ich war so frei die Befähigungen der vier goldenen Streiter mal ein wenig aus zu loten und kann daher sagen, dass sie mich zumindest auf fünf Schritt Entfernung nicht erkannt ahben. Ohne jetzt in falsche Sicherheit wiegen zu wollen..." Ihr Blick wanderte zu dem Mann in der ersten Reihe. "... so kann man wohl sagen, dass sie nicht auf den Glauben als solchen reagieren, sondern wohl eher auf Worte und Taten, die im Glauben begangen werden. Zur Umsicht sei dennoch gemahnt."
"Das kann ich bestätigen", kam die Antwort, "ich bin einem von ihnen fast in die Arme gelaufen, wir sprachen kurz und ich merkte ... nun er spürte gar nichts, er redete nur unentwegt."
Sie nickte dazu. "Sei es, dass ihre Befähigung weniger tief reicht, als sie es vor geben, sei es, dass der Herr Seine Hand über die Seinen hält, vom leichtfertigen Umgang rate ich dennoch ab. Es sind Seelen. Nicht unbesiegbar, aber dennoch nicht fleischlich genug um mit profanen Mitteln allzu sehr kompromittiert zu werden. Zumal eine gute Tarnung viel zu viel Arbeit erfordert um leichtfertig aufs Spiel gesetzt zu werden. Nun gut. Ich spreche nun das Glaubensbekanntnis:

Wir glauben an Angamon,
Göttersohn, einziger und wahrer König unter Göttern,
Den Herren über das Sein und das Nichtsein.
Angamon, der Ordnung und Wille in das Chaos brachte,
Angamon, der die neun Erzdämonen unterwarf,
Angamon, den Schöpfer des Dorayon, Meister der schwarzen Magie.
Gebieter der Seelen, Schlächter des Drachenvolkes,
Dein Wille - unser Streben, Dein Werk - unser Blut,
Bis wir eins sein werden in Dir und Deiner Herrlichkeit.
Krin ta Horkum Angamon.
Für den Gottkönig Angamon."


Leises Gemurmel kam als Antwort. Sie selbst verneigte sich ein mal gen Altar ehe sie die Haltung lockerte und in die Runde blickte, ehe sie erneut an hob.

"Ich hatte angekündigt heute von dem einäugigen Onkel des Gottkönigs zu künden, unbeteiligt an seiner Zeugung und doch Teil seiner Formung zu dem wie wir ihn heute kennen und verehren. Wie jedes mal möchte ich das Zepter ein Stück weit an Euch, die Gläubigen, weiter reichen. Was bringt ihr mit dem Einäugigen in Verbindung?"
"Er ist der gefährlichste der Viere.", kam es aus der ersten Reihe.
"Warum? Was macht ihn so gefährlich?"
"Seine Deiner heben keine Schwerter. Sie sind im Hintergrund und der Einäugige kann um so klarer sehen, während die Geschwister eher ... unklug werkeln."
Ihr Blick ging durch die Runde.
"Wenn er und seine Diener Recht sprechen, so sind sie stets zerrissen zwischen Licht und roher Macht."
"Und noch mehr. Durchaus. Keine weiteren Gedanken? Nun dann belassen wir es fürs erste dabei. Recht. Recht haben, Recht sprechen. Zu seinem Recht gelangen. Anderen zu ihrem Recht verhelfen.
All das mag er sich auf seine Fahnen schreiben und doch nicht so recht verstehen worauf er dort zu zu greifen versucht. Es ist bezeichnend, dass er sich allein auf das Recht versteigt und die Gerechtigkeit seinem Bruder überlässt, statt Hand in Hand zu arbeiten, damit beides einander ergänzen kann. Statt dessen wetteifern sie darum wie zwei Dirnen um den Freier, denn in dem Punkt sind sie sich einig: Jeder von beiden erhebt den Anspruch darauf es am besten zu wissen. Der Wichtigere, der Bedeutendere der beiden zu sein und so zanken sie untereinander um Ansehen und Titel und fördern es unter ihren Anhängern.
Alles was Recht ist. Pff. Wären das mehr denn leere Worte müsste er dann nicht einem jeden zu seinem Recht verhelfen? Hätte nicht auch sein Neffe Anspruch darauf zu seinem Recht zu gelangen? An dem Punkt beginnen sie immer herum zu eiern, die eifrigen, selbsternannten Tugendwächter und Rechtsgelehrten, denn eines, das haben sie nie begriffen:
Was göttlich ist ist in sich selbst eins. Vollkommen absolut. Es gibt kein "ein bisschen Recht". Ganz oder gar nicht. Göttlich oder verwaschen. Seine Vorstellung von Recht ist nur eines: Selbstgerecht. Nie so objektiv wie er es gerne dar stellen will, nicht mehr und nicht weniger als der Versuch sich mit Worten an zu eignen, was er sich nicht mit dem Schwert zu erkämpfen vermag.
Ein Versuch diejenigen, die im Recht sind um ihr Recht zu betrügen, indem er es Ihnen ab spricht unter Berufung auf hohle Worte ohne Bedeutung. Und doch fallen so viele darauf hinein."
Ihr Blick wanderte zum Mann in der ersten Reihe.
"Also ja, gefährlich ist er zweifellos. Aber nur wenn man ihm diese Macht auch zugesteht. Wenn man das wozu er angeblich alle anleiten will, die Dinge zu hinterfragen um sie verstehen zu lernen, nicht auf ihn selbst an wendet. Wenn man die Meßlatte, die er an andere legt, nicht auch an ihn zu legen gewillt ist. Wenn man nicht gewillt ist hinter Prunkt, Gepränge und schönen Worten den Blender zu erkennen, der von Recht spricht, aber nur das Unrecht manifestieren will. Ein Blender wie seine Geschwister, unvollkommen, unwürdig im Antlitz des einzig wahren Gottes, der das Recht nicht nur kennt, sondern auch zum Zuge kommen lässt. Der die Starken, die Mutigen, die Klugen und die Ergebenen fördert und für die die nicht mal versuchen seine Achtung zu erlangen auch nicht mehr denn Verachtung übrig hat.
Ein Gott, der über den Versuch lacht den Beseelten die weiße, graue und elementare Magie zu bringen und eben diese Magie zugleich in ein Korsett aus Regeln steckt, auf dass sie sich nie ganz entfalten möge. Ein Gott, der selbst mit der Gabe der schwarzen Magie eine Kraft schub, die ihre magiegewobenen Traumschlösser hinfort fegt wie Blätter im Wind. Der angebliche, einäugige Seher, der nicht erkennen kann, dass all sein Tun, all sein Streben zwecklos sind. Der das Unvermeidliche nur hinaus zögern, aber nicht verhindern kann, denn dazu fehlt ihm das wahrhaft göttliche. Denn auch wenn die seinen sich immer wieder daran versuchen mögen indem sie diese Welt mit ihren Ränken zu unterwerfen oder sich mit Regeln und ihrer Magie gefügig zu machen versuchen: Auf diesem Terrain schlägt der Gottkönig, schlagen wir sie mit Erfahrung, mit Hingabe und mit Glauben. Und an dieser simplen Wahrheit wird der Einäugige zerbrechen so wie es seine Geschwister ebenfalls tun werden. Bestand hat der Einäugige vor dem Gottkönig nicht. Das ist was wir heute hier bezeugen: Dass Halbherzigkeit, Halbwahrheit und Halbrecht nicht an einen vollkommenen, an einen König unter Göttern heran reichen können. So wollen wir entschlossen tun was Recht ist und wahrhaftig."
Damit griff sie nach Schale und Messer um etwas von ihrem Blut in die Schale fließen zu lassen.
"Wer teilhaben mag möge vor treten."
Ihr nach folgte der Mann aus der ersten Reihe, dann der Schwarzberobte. Leise, nur für sie beide hörbar, raunte dieser ihr zu:
Versteckter Inhalt bzw. Spoiler :
"Es ist wohl nicht vor allen Augen angeraten, Recht als auch Gerechtigkeit einen Dolch ins Herz zu stoßen?"
"Vermutlich.", entgegnete sie, "Aber liegen nicht beide ein gutes Stück weit im Auge des Betrachters? Was der Herr will und tut ist recht und gerecht. Wenn man es so betrachten will. Ob man es das gelebte Unrecht oder das gelebte Recht nennt, das kümmert ihn nicht solange man es befürwortet und fördert."
Ein Nicken des Schwarzberobten. "Das ist wahr. Solange es seinen Zweck tut."

Ihm nach folgte die schwarz gewandte Magierin, gerade als die rot gewandte die Hallen betrat. Nachdem sie ging trat auch der Mann aus der letzten Reihe näher, streckte beide Arme aus, zischte leise einige Worte und wandte sich ohne Blutopfer wieder ab.
Versteckter Inhalt bzw. Spoiler :
"In diesen Adern fließt das Blut eines wahren Dieners des Gottkönigs und es widerstrebt mir, dieses Blut zu mischen mit dem Blut einer verräterischen Brut."
Mit diesen Worten wandte er sich ab.
Ganz wie ihr wollt, ganz wie ihr wollt. Finsterwangen vor Angamon, den Verrat begehen und preisen und doch ab lehnen, nur zu. Am Ende werden alle Betrüger betrogen, alle Lügner belogen und alle Verräter verraten sein. So dachte sie nicht ohne Genugtuung und Zuversicht.

Zuletzt trat dann auch die rot gewandte Magierin heran um etwas von ihrem Blut zu opfern. Anschließend wurde die Schale angehoben.
"Herr Angamon, König unter Göttern, blicke hinab auf das Opfer, das die Deinen, die Deinen Willen ausführen, die Dein Werk mehren wollen im Angesicht des freien Willen, den Du uns ermöglicht, erbracht haben. Nimm es an auf dass es bezeuge:
Dein Werk, es schreite voran. Dein Wille, er soll sich erfüllen. Krin ta Horkum. Für den Gottkönig."
Damit goss sie abermals das Blut über Altar und Ankhs aus. Zufrieden sah sie wie es sich gleichmäßig verteilte, bevor es in das Gestein ein zog, ehe sie abschließend sprach:

"Der Gottkönig sei mit Euch und in Euch und durch Euch.
Er geleite Euch durch die Finsternis.
Er behüte Euch vor den Blendern des Lichts,
Auf dass ihr Ihm dienen mögt wie ihr ihm dienen wollt,
auf dass Er Euch als die Seinen erkennen mag.
Der Herr segne Euch mit dem Mut Ihn an zu nehmen,
Mit dem Willen, seinem Weg zu folgen,
Mit der Stärke seinem Wort stand zu halten
Und mit der Weisheit Ihn an zu nehmen wo Er sich Euch offenbart.
Krin ta Horkum Angamon. Für den Gottknig Angamon."


Sie schlug das gleichschenklige Kreuz, dann überkreuzte sie die Arme und verneigte sich vor jedem der Anwesenden, dann gen Altar, dann gen der Ankhs ehe sie sich ohne jede Eile entfernte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wasser zu Blut
BeitragVerfasst: 9.06.17, 18:14 
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Mit gekreuzten Armen verneigte sie sich gen der Ankhs, dann gen Altar, ehe ihr Blick durch die Hallen des Heiligtums wanderten. Drei erledigt. Einer noch.
Sie schritt an den Altar heran, breitete die Arme seitlich aus, mit dem Körper einen Ankh formend und hob mit heller, klarer Stimme an:
"Angamon sei mit Euch und in Euch und durch Euch. Mit Euren Worten, in Euren Taten und durch Euren Glauben. Er behüte Euch vor den Blendern des Lichts und geleite Euch durch die Schatten, auf dass ihr zu Ihm finden mögt so wie auch er Euch finden mag und auf nehme in den Kreis der Seinen. Die Sein Werk verrichten, die Seinen Willen erfüllen, die mit Ihm sind und in Ihm und durch Ihn. Ich spreche nun das Glaubensbekenntnis:

Wir glauben an Angamon,
Göttersohn, einziger und wahrer König unter Göttern,
Den Herren über das Sein und das Nichtsein.
Angamon, der Ordnung und Wille in das Chaos brachte,
Angamon, der die neun Erzdämonen unterwarf,
Angamon, den Schöpfer des Dorayon, Meister der schwarzen Magie.
Gebieter der Seelen, Schlächter des Drachenvolkes,
Dein Wille – unser Streben, Dein Werk – unser Blut
Bis wir eins sein werden in Dir und Deiner Herrlichkeit.
Krin ta Horkum Angamon. Für den Gottkönig Angamon."


Eine kurze Pause während das leise Gemurmel in den Reihen verklang, ehe sie wieder an hob:
"Wie angekündigt will ich heute vom letzten jener künden, die sich Ihm am erbittersten und doch immer auch am erfolglosesten in den Wege stellen. Ich spreche von jenem Seiner Onkel, der als Onkel nicht Teil Seiner Zeugung, wohl aber Seiner Formung war, der, dem man nach sagt, er wache über die Toten. Den Schweigsamen. Den Unbekümmerten. Und wie die male zuvor möchte ich das Zepter an die Gemeinde weiter reichen. So sagt frei heraus was ihr über ihn denkt. Was ihr über ihn wisst oder zu wissen meint. Welchen Stellenwert er für Euch einnehmen mag."
Knurrig und hitzig klang es aus der ersten Reihe: "Den zungenlosen SEELENDIEB!"
Sie stockte kurz ehe sie nickte und ihr Blick durch den Raum ging, die Reaktionen ab schätzend.
"Der wohl bekannteste Aspekte mit dem man ihn in Verbindung bringen mag. Möchte das jemand ergänzen?"
"Den Verächter von Leib und Leben.", kam es aus den hinteren Reihen von einem der maskierten Männer. Abermals nickte sie.
"Gut dann wollen wir das auf greifen. Wohl wahr, er vergreift sich an den Seelen oder versucht es zumindest und doch ist er dort sehr ambivalent, denn und da stimme ich zu, das Leben und die Lebenden bedeuten ihm deutlich weniger als seine Anger mit ihren Gebeinen. Er greift zugleich nach dem Weltlichen, nach Fleisch und Knochen wie nach dem Göttlichen, der Seele und doch behaupte ich: Beides verfehlt er. Seine Gebeinkammern..."
Sie machte eine wegwischende Geste mit der rechten Hand.
"... ich denke den meisten, die dort liegen, wäre es lieber sie müssten es nicht tun. Sorge um Knochen und Fleisch ohne Gedanken an das Leben als solches, wäre das so erstrebenswert wie die seinen es immer an preisen, dann frage ich mich wieso nicht mehr von ihnen einfach Gift nehmen, statt es mit ihren Zungen zu versprühen. Unser aller Ohren wären wohl dankbar dafür.
Ein Aspekt, der auf den ersten Blick seltsam anmuten mag: Viele wollen dem Gottkönig dienen zu Lebzeiten und der Herr nimmt diesen Dienst an, aber zugleich auch wenn der Dienst, der Wille, der Sieg über alles gehen mag, so gab er durch das Geschenk der schwarzen Magie, welches einigen wenigen zuteil wurde, eine Gabe, die es uns ermöglicht die Verluste gering zu halten.
Ich spreche von der Gabe die Toten die Kämpfe austragen, die schwersten Verluste ertragen zu lassen. Vielen mag das amoralisch erscheinen, zumindest ist es das, was der stumme Onkel uns glauben lassen will, aber ich frage direkt: Was ist amoralischer?
Ein Werkzeug zu gebrauchen zu dem Zweck zu dem es erschaffen wurde, ein Werkzeug, das nicht fühlt, nicht denkt, nicht leidet, es zu führen wie einen Bauern im Schachspiel, es opfern zu können ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen oder dasselbe von einem Lebenden zu erwarten? Jemandem, der nützlicher sein kann, wertvoller, jemandem, der eine Seele, einen freien Willen hat? Ich für meinen Teil sage klar:
Jeder Gläubige sollte das Recht haben Ihm im Leben so zu dienen wie er es will. Wir opfern unseresgleichen nur wenn es so sein sein muss. Aber nicht, weil wir uns unsere Befähigungen ausreden lassen. Nicht weil wir nicht willens sind die Gaben, die Er uns gab, auch zu nutzen, nicht nur zu Seinem Wohl, sondern auch zu dem unseren. Und genau an dem Punkt scheitert des Onkels Versuch die Seelen, alle Seelen, in seine Gewalt zu bringen. Diese Sorge um Fleisch und Knochen ohne Sorge um das Leben, die Seele hinter dieser sterblichen und vergänglichen Hülle, die kennzeichnet seinen Bruch mit uns allen und damit auch mit jeder einzelnen Seele.
Fürwahr, versprechen tut er indes wahrlich viel. Nur wie will er es halten, wenn er nicht verstehen kann, dass die Seele nicht gehen will bis sie der Ruf des Gottkönigs ereilt? Wenn er den freien Willen, den uns der Gottkönig ermöglichte, nicht den freien Willen in Käfigen wie ihn seine Eltern und Onkel sehen wollen, nicht verstehen kann? Er ist ein Blender wie sie alle und daher beruht seine Macht auch nur auf Täuschung. Über jene die auf ihn herein fallen und deren Seelen mag er Macht haben. Aber er kann nicht ungeschehen machen, was aus freiem Willen geschah.
Wer dem Herren treu ist, wer sein Leben in Seinen Dienst stellt, wer den Herren und Seine Gaben annimmt und mehr wo sie sich ihm offenbaren mögen über den hat keiner der Blender Macht. Weil sie hinter den Schleier aus schönen Worten blicken und erkennen was dahinter liegt:
Hohle Phrasen und sinnlose Bestrebungen. Der Versuch sich einer unaufhaltsamen Kraft in den Weg zu stellen, eine Kraft, die sie mehr und mehr verdrängt. Mit jeder Tat, die in Seinem Namen geschieht, mit jeder Seiner Gaben, die angenommen und gemehrt wird, bröckelt ihre Fassade weiter und alles was bleiben wird, das wird Er allein sein.
So wollen wir bezeugen, dass vor Ihm nichts bestand haben kann, dass nach Ihm nur Bestand haben wird, was er bestehen lassen will, wenn er empor steigt und alles was war, sit und sein wird unter und in sich vereint."
Damit zog sie wie die male zuvor Schale und Messer zu sich, öffnete die linke Unterarmvene und ließ etwas Blut in die Schale laufen.
"Wer teil haben mag möge vor treten."
Nach und nach traten die meisten vor, sechs an der Zahl, mehr als die male zuvor, so dass die Schale am Ende nahezu über schwappte, als sie sie an hob und sprach:
"Herr Angamon, blicke hinab auf das Opfer das aus freiem Willen gegeben Dein Werk zu mehren, Deinen Willen zu erfüllen auf dass es Teil werde Deiner selbst."
Dann vergoss sie ein Drittel auf dem Altar und jeweils ein weiteres Drittel auf den beiden Ankhs. Rasch verteilte es sich über dem Gestein und lief in die Rinne, verschmolz geradezu mit den dortigen Vertiefungen und eingelassenen Kristallen während die Luft um sie alle herum deutlich schwerer zu werden schien, erfüllt vom kupferartigen Geruch des Blutes, während das fahle Licht der Kohleschalen auf flammte. Nach und nach durchzog das Blut die Rinnen, etwas dünn noch als es mit dem bitteren Wasser vermischt ward, aber doch in einem deutlichen rot.
Sie selbst sog die Luft geradezu gierig ein, ehe sie abermals die Arme aus breitete:

"Der Gottkönig sei mit Euch und in Euch und durch Euch.
Er segne Euch mit dem Mut Ihn an zu nehmen
Mit dem Willen seinem Pfad zu folgen
Mit der Stärke die seine Gaben euch bieten
Und mit der Weisheit Ihn zu erkennen wo Er sich offenbaren mag.
Er behüte Euch vor den Blendern des Lichts
Und geleite Euch sicher durch die Dunkelheit.
Krin ta Horkum Angamon.
Für den Gottkönig Angamon."


Damit verneigte sie sich mit gekreuzten Armen einmal vor jedem der Anwesenden, dann gen Altar, dann gen der Ankhs ehe sie diesen Bereich des Tempels verließ. Es war vollbracht.


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