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 Betreff des Beitrags: Feuerfeste
BeitragVerfasst: 27.07.17, 21:24 
Edelbürger
Edelbürger
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Erstes Feuerfest, 27. Querler


"Möge das erste Feuerfest beginnen! Und die Flamme wohlwollend herab sehen!"


Hoch loderten die Flammen im Hafenviertel, das trockene Holz hatte schnell Feuer gefangen. Vom Lichtspiel eingerahmt wurden zwei Besucher, zwei Frauen, eine davon in zu edler Kleidung, um hier am richtigen Fleck zu sein. Gleichgültig, das Ritual benötigte kein Publikum, am Ende war es nur für einen gedacht und getan. Ein Diener der Flamme, der predigt nicht, der hält auch keine Messen. Die Flamme schert sich nicht um Gläubige, sie hat kein Interesse wie einer sein Leben lebt - nur zwei Dinge sind ihr wichtig, entweder Verehrung oder wo diese nicht zu haben ist, dann doch zumindest Ehrfurcht. Und so war ganz besonders die Bürgerin aus der Oberstadt genau am richtigen Ort.

Und ich sage euch, wir feuern Heute die Flamme und das Feuer! Die Flamme, die hier im Viertel brennt! Das Feuer, immer und stets hungrig! Hungrig nach Gerechtigkeit und dem was ihm zusteht.

Die Flammen tanzten, das Feuer loderte in der Straße vor dem Hafentor, die Funken stieben knistern in den Nachthimmel. Lange Schatten tanzten an den Wänden, die Herzen schlugen schneller, der Atem das Feuers wärmte Gesichter und lies einen nur zu bewusst werden, dass auch in den eigenen Adern ein Feuer pocht. Und dann, am Rand des Feuerscheins, stolperte genau der Richtige aus einer Hütte. Der Bärenringer, Markwart, gesegnet von der Flamme, versehrt von der Flamme. Sie ermuterte ihn, sein Brandmal auf der Zunge vorzuzeigen. Das Zeichen eines Schandmals. Eine Zeichnung der Verachtung, dass sie ihm das Maul stopfen wollten. Aber in seinem Herzen brennt doch ein hungriges Feuer und will sich nicht ersticken lassen und so übervoll ist sein Herz, dass es oft aus ihm hervorbricht, diese heißen Verwünschungen. Markwart, der Bärenringer, der Feuerspucker.

Kommt! Und der Rest auch! Auch du Markwart, du Feuerspucker! Und zeig ihnen gleich deine Zunge, wie dich das Feuer gezeichnet hat! Ersticken wollten sie das Feuer! Genauso wie sie das Feuer im Viertel ersticken wollen. Mit warmen Decken. Mit Suppe. Mit Milde und Mitleid. Und am Ende haben sie ihn nur gezeichnet mit dem Segen der Flamme. Als Feuerspucker. Als Brand, den nichts und niemand löschen kann! Du wirst immer brennen, Markwart. Keiner kann dein Feuer löschen. Keine Suppe aus den Händen eines Schweinepriesters. Keine warmen Decken aus dem Tempel aus der Oberstadt.


Gesegnet, gezeichnet, berührt. All das ist gleich und daher ist kein Funken Lüge darin, den Bärenringer einen Gesegneten zu nennen. Manche bewundern ihn, manche verachten ihn, das machte ihn nicht weniger berührt, denn sie fürchteten ihn auch. Besonders jene, die er selbst Schweinepriester nannte, obwohl sie ihm die Zunge brandmarkten. Genau deswegen war er der Richtige. Sie rief ihn und den Rest der Gruppe zum Tisch, bot das Samelsurium aus grob geschnitzen Holzfiguren an. Viele Soldaten darunter, einige Figuren trugen Kronen, andere waren in weite Roben gekleidet.

Sie lies alle eine Figur wählen. Einer, der ihnen Unrecht angetan hatte. Der sie verachtet hatte oder ihnen Leid angetan. Oder auch nur das verwehrt hatte, was ihnen zustand. Ja sogar solche, die in ihrer Verachtung versuchten die Feuer in ihren Herzen mit Mitleid, warmen Decken oder Suppe zu ersticken. Mancher nahm sich keine Figur, das war nicht falsch. Für die Flamme gibt es kein falsch und kein Richtig. Auch die Zögernden brachten auf dem Altar der Flamme dar, was ihr zustand - wenn nicht Verehrung, dann doch ehrfürchtige Angst. Doch Andere wählten sich Figuren, hölzerne Soldaten und Gardisten und dieser Anblick erwärmte ihr Herz. Auch sie nahm sich eine Figur, mit dem Dolch stoch sie sich in die Fingerkuppe und zeichnete das Gesicht der geschnitzen Statue mit einem blutigen Fingerabdruck.

Ich zeichne dich mit heißen Blut und dem Feuer meines Herzens, mein Feind. Du Verächter, der du die Welt ersticken willst und erstarren in ewiger Kälte! Nichts und niemand kann vor dem Feuer bestehen! Nicht kann das Feuer in unseren Herzen löschen! Den Hunger nach Gerechtigkeit und dem was uns zusteht! Herr der Flamme, der des Hungers, verschlinge unsere Feinde und alle die uns Übel wollen!

Du kleiner Hundesohn. Jetzt kriegst du endlich, was du verdient hast. Amalthea hat so recht! Eh, Gardist! Da siehst du, was du davon hast! Brenne, du gottverdammter Sohn einer Dirne! Dann sehe ich diese Puppe als Priester an! Leide, du Arsch! Fühle meinen Hass!

Der gesegnete Bärenzwinger, das brennende Herz des Viertels, warf gar zwei der Figuren ins loderne Feuer. Und während er noch tobte und Verwünschungen ausstieß und das Schattenspiel der Flammen ihn in eine monströse Erscheinung verwandelten, diesen Wüterich mit den manchmal so sanft wirkenden Augen, entstieg dem Feuer eine Gestalt aus Flammen und Hitze. Ihre alten Lehrer lagen in einem Fehl: Ordnung war nie Teil des Feuers, nur der ewige Hunger. Es galt nicht das Feuer im Herzen zu zähmen, es galt es zu umarmen, selbst zu brennen, selbst zu verbrennen, die Wunden der Berührung stolz und als Zeichen des Segens zu tragen, nicht sie in Scham zu verstecken.

Kommt! Er beehert uns mit seiner Anwesenheit! Führen wir ihn durch unsere Heimat, durch unser Viertel! Seht wer mit uns ist, Ignis ist es, die ewig hungrige Flamme! Seht euch das Feuer an! So sehr brennt unser Herz für das Viertel! Warme Suppen und warme Decken sind nicht genug! Wir wollen das, was uns zusteht! Was uns gebührt!

Die flammende Gestalt wurde durch die Gassen geführt, ihr heißer Atem erfüllte die Gassen, aber nichts fing unter ihrer Berührung Feuer. Das Feuer ist hungrig, doch es nimmt nicht mehr, als ihm zusteht. So ging das Feuerfest zu Ende - und mit einem Päckchen getrockneten Nachtschattens für jeden.

"Aufstehen, beten, hinsetzen, Ael."

In später Stund lachte Amalthea trocken, mit heiserer Kehle und zog nochmal an der Pfeife


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