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 Betreff des Beitrags: Neue Chronik Finsterwangen
BeitragVerfasst: 28.11.17, 23:04 
Edelbürger
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Das Buch ist zu finden in Finsterwangen in einem pechschwarzen Buchkästchen neben einigen anderen Schriften.

In dieser Chronik sollen gesammelt werden Alles, was sich ereignet in Finsterwangen auf dem Pfade der Wahrheitssuche und der Enthüllung der Mysterien des neuen Zeitalters. Zum Ende des vergangenen Jahres erhoben sich die Ebenen Yerrodons gegen ihren ehemaligen Meister und erklärten der gesamten Schöpfung und allen Göttern den Kampf. Am Himmelszelt erschienen kaum deutbare Zeichen einer Schlacht zwischen den Göttern, ein grünes Leuchten zwischen der Dunkelheit und einem Feuersturm.

Mit der Zeit gewann in Brandenstein und in der Bruderschaft der Tardukai eine Deutung die Oberhand: Angamons ist wieder ein Teil der Familie der Götter. Schon zu seiner Geburt hatten die Viere ihm die Rolle des Dämonenkönigs zugedacht in einer List, um dem Chaos am Rande der Schöpfung Zügel anzulegen. Eine List der Götter, die sie vor den Sterblichen bis zum Anbeginn dieses ersten Jahres eines neuen Zeitalters geheim hielten und für die sie ihren Sohn in die Dunkelheit schickten.

Hier in dieser Stadt namens Finsterwangen, dem Sitz des ältesten Heiligtums Angamons, ist man noch vorsichtig, wie die Zeichen recht zu deuten sind, was Wahrheit ist und was Mysterium und Rätsel, das nicht verwechselt werden darf mit der Wahrheit. Doch zweifeln wir nicht am Beginn eines neuen Zeitalters. So soll diese Chronik auch alles Wissen und jede Erkenntnis sammeln über das neue Fundament der Schöpfung, damit die Wahrheit recht gedeutet und die Zeichen recht gelesen werden.


26.11 - Tag 330 im ersten Jahr des Neuen Zeitalters

Der Geist, der sich Tarrant nennt und mit einem Dämonen sich eine Manifestation teilt, wurde durch das alte Blut der Gemeinde vom Finsterwangen getauft und in ihre Reihen aufgenommen. Vor Jahrhunderten verschrieb ein Sohn aus dem Grafenhaus Tarrant seine Seele Angamon, um Unsterblichkeit zu erlangen wurde in ihm ein Dämon angekettet, seitdem streift eine Erscheinung durch die Zeit, die sich selbst Graf Tarrant nennt und daran glaubt, gleichzeitig eine Seele und einen Dämon in sich zu bergen.

Nun meint der Graf einen Weg gefunden zu haben, seinen Geist vom Dämon trennen zu können und seine Seele endlich vor Angamons Thron zu führen. Doch vor dieser Austreibung offenbarte er der Gemeinde Antworten auf einige Fragen: Angamon scharrt ein neues Gefolge von Dienern um sich, sein Horwah wird Indoaich genannt und selbst jene Dämonen, die sich nicht der Rebellion anschließen, finden keine Gnade vor ihrem alten Herren. Die Fürsten der Ebenen wetteifern miteinander und die Pforte zwischen den Sphären, das Mal des Dorayons, wird zum Dunkeltief nicht verschlossen bleiben. Der Graf will im Tempel ein Zeichen hinterlassen, wenn die Gemeinde, die ihn als einen der ihren taufte und aufnahm, bei der Vertreibung seines Dämons anwesend sein will.


Zuletzt geändert von Tarlas: 15.12.17, 20:10, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Chronik Finsterwangen
BeitragVerfasst: 30.11.17, 00:08 
Edelbürger
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29.11 - Tag 333 im ersten Jahr des Neuen Zeitalters


Indoaich, ein geflügelter Diener Angamons, erschien in der Stadt Brandenstein auf dem Marktplatz der Stadt Brandenstein. Anlass war der Ruf des Erzgeweihten Bellums nach dem Schwert der Wahrheit, um den Wunsch der Götter aus ihrem Munde zu hören und vor seinem Herren direkt um Antworten zu erflehen. Doch erhört wurde der Ruf allein von Indoaich, er stieg herab, um den Zeugen seines Erscheinens Fragen zu gestatten und ihnen jene Antworten zu geben, die von ihnen keiner hören wollte. Doch es sei daran erinnert, dass es ein Fehlschluss ist, Antworten und die Wahrheit zu verwechseln. Die Wahrheit wird verkündet und offenbart, so offensichtlich, dass sie keiner abstreiten vermag. Antworten folgen auf Fragen und beantwortet vermag allein, wonach gefragt wird. Eine Frage auszusprechen und Antwort zu erwarten, das ist nicht das Gleiche wie nach Wahrheiten zu suchen. Wenn wir Fragen in den Sternenhimmel brüllen und Antworten fordern, ist es dann weise die Wahrheit in großen flammenden Lettern am Horizont zu erwarten - und nicht die Finsternis der Nacht und das Glitzern und Funkeln der Sterne? So rate ich jedem eindringlich, klug zu erwägen, ob von dem Schwert der Wahrheit Antworten zu fordern und Fragen zu stellen, eine weise Handlung ist.

Doch in Brandenstein war die Zunge schneller als das Herz und der Verstand und so wurden unzählige Fragen gestellt und unzählige Antworten gegeben, was davon Wahrheit ist und was nur Antwort auf eine Frage, bleibt aberverborgen, so hütet euch vor Allen, die euch einreden, es sei einfach das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

Indoaich sprach davon, was den Verrat der Dämonen ermöglichte, der Übereifer Bellums war es. Der Herr des Krieges war sich sicher, Yerrodon und das Chaos endgültig schlagen zu können, die List war nicht mehr nötig geworden, und so zerriss sein goldenes Haar die Grenzen zu allen Sphären. Doch wo der Herr des Krieges keinen Erfolg hatte, warfen die Dämonen in all der Verwirrung das Joch Angamons ab und erhoben sich gegen die Schöpfung und ihren ehemaligen Meister. Die Viere sollen sich uneins sein, verwundet, geschwächt und verletzt und im Streit, sodass es nach dem Ende der List zuerst Angamon und seinem Gefolge Bürde und Aufgabe ist, sich dem Heer der Dämonen entgegen zu stellen. Seine Pflicht teilt Indoaich mit zwei weiteren Dienern mit den Namen Nemses und Venatrix. So ist auch Indoaichs erste Aufgabe die Jagd nach Dämonen, Sterbliche erachtet er als nutzlos, schwach und anfällig in die Niederhöllen zu stürzen. Groß war der Unwillen Indoaichs Antworten zu hören auf die Fragen, die jeder selbst aus freiem Willen gestellt hatte und viel Zank und Zwist tat sich auf in den Reihen seines Publikums. Indoaich warnte vor seinem Verschwinden noch vor den kommenden Tagen, denn die Dämonen haben jedes Joch von sich geworfen, zügellos und frei vom Einfluss Angamons stehen der Schöpfung bisher unbekannte und nie erlebte Gefahren bevor, denn nun ist alles Tun und Handeln der Dämonen nicht mehr dem höheren Plan der Götter und ihrer List mehr unterworfen.


Zwischen den Seiten der Chronik liegt an dieser Stelle eine Kohlestiftzeichnung. Eine Gestalt in schwarzer Rüstung, hellem Haar, zerfetzter Tunika. Aus dem Rücken ragen zwei blutende Stumpfen befederter Flügel, der Gestalt fehlt eine Hand und ein Bein. Ein Auge ist verwundet in dem engelhaften Gesicht. Einige Details stimmen nicht, vermutlich hat ein Künstler die Zeichnung nach Beschreibungen angefertigt und war nicht selbst Zeuge einer Erscheinung.


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Chronik Finsterwangen
BeitragVerfasst: 15.12.17, 20:44 
Edelbürger
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14.12 - Tag 348 im ersten Jahr des Neuen Zeitalters


Ein weiterer verborgener Diener aus dem Gefolge Angamons enthüllte sich vor der Gemeinde von Finsterwangen: Venatrix, die Jägerin in der finsteren Nacht. Das neue Bekenntnis in Finsterwangen fand ihr Wohlwollen, auch ihr sind die Dämonen Feind und Beute, die Jagd nach denen, die Angamons Ketten von sich geworfen haben, ist ihre heilige Mission. Venatrix erschien in der Gestalt einer großgewachsenen schwarzen Katze mit grünen Augen, mit Klauen und Fängen aus mörderischem Stahl. Wie alle Raubtiere erheitert sie das Spiel mit ihrer Beute, das Ringen um Leben und Tod, die blutige Hatz. List und Tücke sind ihr wohlgefällig und keine Schmach, Gerissenheit eine Tugend.

Als Anerkennung für das neue Bekenntnis von Finsterwangen sprach Venatrix über das Wesen Indoaichs: Er liebt den Krieg und die Schlacht, nicht nur trotz all seiner Wunden, sondern gerade ob seiner Verwundungen. Er liebt das Blutvergießen und das Ringen der Starken und Mächtigen um den Sieg. Schwäche verachtet er und mitleidlos und streng ist er gegenüber Allem, auch sich selbst, denn seine Wunden künden vom wahren Wesen des Kriegs: Er frisst die Schwachen und lässt auch die Starken nicht unberührt zurück. Doch genau dafür liebt er den Krieg, verhasst ist ihm daher die Lüge, die den Krieg in goldenes Gewand und edle Seide kleidet. Lüge, die den Krieg adelt mit der Krone namens Gerechtigkeit und die Wahrheit verschleiert hinter Erzählungen von Gerechtigkeit und Ehre. Ruhm und Reichtum ist im Krieg zwar zu finden, aber nicht für Alle und Jeden, einzig für die Starken - das Groß kehrt mit leeren Händen und im Totentuch zurück oder nährt mit ihrem Blut die Äcker der Söhne. Einst war Indoaich ein Werber des Kriegs, geschmückt mit bunten Wimpeln, tiefen Taschen für glänzende Felascheiben, Verheißungen von Reichtum, das Schwert verborgen hinterm Rücken, die offene Waffe nur die Flöte. Heute ist er das Schwert der Wahrheit und kündet vom wahren Wesen des Kriegs, selbst wenn der Krieg sich weigert, sein Anlitz selbst im Spiegel zu erkennen.

Diese Worte waren Lohn für das neue Bekenntnis des Tempels von Finsterwangen, das da lautet wie folgt: Die Dämonenreiche haben sich Angamon zum Feinde gemacht. Der Götterkrieg ist vorbei, nun wacht Angamon an Erstes an der Grenze zwischen den Sphären. Der Hochmut Bellum war es, der Angamon vom Thron stieß und die Krone des Dämonenkönigs zu Beginn dieses Zeitalters zerbrach. Aber am Ende dieses Zeitalters wird die Krone der gesamten Schöpfung das Haupt Angamons zieren, nicht erlangt durch Krieg oder das Weltenende, sondern im höchsten Moment der Erkenntnis von Allem was ist. Denn längst ist Angamon den Dämonen weit entwachsen, in die Gefilde höherer Wahrheit vermögen sie ihm nicht zu folgen, allein seinen übrigen Getreuen ist das vergönnt. Und so wird der Eine weiter in die Höhe steigen und allem entwachsen, auch den Göttern, durch deren Zank und Streit die Ketten der Dämonenreiche gesprengt wurden und die schuldig daran sind, dass der Dorayon jeden Tag derart nah ist und die Mauer zwischen den Sphären brüchig. Auf dem Fundament dieses Bekenntnis wird in der kommenden Zeit im Tempel und Heiligtum von Finsterwangen ein neuer Kult erbaut, der Kult vom leeren Thron.



Zwischen den Seiten liegen zwei lose Blätter. Eines ist fast gänzlich mit schwarzer Kohle geschwärzt, allein zwei grüne Raubtieraugen finden sich noch auf dem Blatt. Auf dem zweiten Blatt ist mit groben Strichen ein Kreis gemalt, durchstoßen von Linien, die unterschiedlich weit in die Mitte hinein ragen. Nur eine der Linien reicht bis zur Mitte des Kreises. Die Seiten des Eintrags und die Zeichnungen sind befleckt von gräulich-dunklen Fingerabdrücken, das Blut des während des Bekenntnis ermordeten Dämonen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Neue Chronik Finsterwangen
BeitragVerfasst: 20.01.18, 12:49 
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20.01 - Tag 20 im zweiten Jahr des Neuen Zeitalters


Das Dunkeltief ist vorüber und die Stadt Finsterwangen steht noch und so ist es an der Zeit zusammenzutragen die Beobachtungen und Erkenntnisse aus dem ersten Dunkeltief des neuen Zeitalters. Der Dorayon, das Tor zwischen den Sphären, die blutige Wunde und das Mal an der Grenze dieser Schöpfung, ist nun mehr ganz und gar in Hand der Dämonenreiche, doch sie streiten und zanken sich um diese Beute und das Einfallstor nach Tare auch untereinander. Derzeit gehört der Mond dem Reich der wuchernden Ranken, der messerscharfen Blättern und der blutsaufenden Wurzeln. Doch die Götter und ihre Diener kämpfen und streiten an der Sphärengrenze, sodass noch die Dämenreiche nicht hinüber greifen können in ihrer Zerstörungswut.

So gelangten nur wenige Dämonen auf verschlungenen Pfaden während des Dunkeltiefs auf die Insel. Es mag sein, dass sie auf Schleichwegen durch die Schattenfpade in unsere Sphäre gelangten und dabei die abgelegten Gewänder von Toten und Vergessenen aufsammelten, sodass sie uns als Orken, als tote Könige, als Zwerge und als Kurtisanen erschienen. Besiegt wurden der Ork und der König, geflüchtet ist die Kurtisane, so scheint es derzeit, doch unklar ist, ob es ihnen gelang, nach dem Dunkeltief einen Teil ihres Seins in dieser Sphäre zu halten. Unbesiegt ist der Zwerg, ein Dämon, der Herr über wildgewordene Ranken und mächtige Wurzeln ist. Ihm ist es zweifelsfrei gelungen, in dieser Sphäre Wurzeln zu schlagen und das Dunkeltief zu überstehen. Die Wurzeln dieses Dämons schlummern auf der ganzen Insel unterm Erdreich, selbst in Finsterwangen wurden sie bereits gesehen und sein monströses Herz schlägt weit im Osten der Insel, ein Angriff bedarf einer kleinen Armee.

Indoaich, das Schwert der Wahrheit, scheinen andere Aufgaben an fernen Orten gerufen zu haben, ob sein Beistand uns noch einmal segnen wird, erscheint fraglich. Er ermahnte, dass das Wurzelwerk des Dämons spätestens zum nächsten Dunkeltief eine Gefahr gebären wird, die die ganze Insel verschlingen kann. Sichtungen der Jägerin über die Tage des Dunkeltiefs sind nicht bekannt, aber das blutige Auge, Nemses genannt, erschien in jenen Tagen. Nemses verkündete, dass sein Segen magische Reisen ermöglicht hatte. Das blutige Auge spricht nur mit Magiern mit geisterhafter Stimme und nennt sie Eingeweihte. Der Rest der Insel sieht in Nemses das verlorene Auge Astraels, aber der Rest der Insel ist offt allzu schnell Vermutungen zur Wahrheit zu machen. Ob die äußere Erscheinung von Nemses tatsächlich etwas über seine Herkunft verrät oder ein Symbol, eine Botschaft und ein Zeichen ist, dass es zu entschlüsseln und zu deuten gilt, sollte ein jeder für sich selbst entscheiden.

Die Provinz Finsterwangen und die Akademie zur Linken haben erste Schritte begonnen, gegen die Wurzeln und Ranken vorzugehen, die die Insel bedrohen. Noch sind unter unserer Stadt die Ausläufer nur spärlich und dünn, Berichte über Angriffe gab es nicht und mit Feuern ist den Ranken beizukommen ohne Gegenwehr. Alsbald werden weitere Versuche unternommen, diese Gefahr näher zu untersuchen und einzudämmen.



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