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 Betreff des Beitrags: Die Geschichte von Huns Siebzehnrübl
BeitragVerfasst: 18.01.19, 23:39 
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(Beim Stöbern in der Datenbank gefunden; original und unverändert):

Die Geschichte von Huns Siebzehnrübl

Also geboren wurde der Huns vor ungefähr 30 Jahren. Das dürfte wohl so um 15 vor Hilgorad gewesen sein. Genau weiß der Huns das eigentlich nicht, weil mit dem Rechnen hatte er es noch nie so. Was er aber weiß, ist, dass er am 15. Querler geboren wurde, ein Endtag war das. Das weiß er alleine schon deshalb, weil er so gerne seinen Geburtstag feiert. Dreimal hat er jetzt schon seinen 30. Geburtstag gefeiert. Böse Zungen würden jetzt vielleicht behaupten, dass der Huns nicht weiter zählen kann als wie bis auf 30, aber eigentlich will er einfach nicht älter werden. ‚30 Jahre sind genug’, das denkt er sich oft, und älter will er halt nicht sein.

Geboren wurde der Huns im Fürstentum Ossian, in einem kleinen Dorf mit dem Namen Hintermünd, nur zwei oder drei Tagesmärsche entfernt vom berühmten Venturia. Aber Venturia hat der Huns erst vor ein paar Wochen das erste Mal gesehen. Aber das ist ja eigentlich eine lange Geschichte, und so eine lange Geschichte erzählt man natürlich besser von Anfang an, also schauen wir uns mal an, wie das genau war, als der Huns geboren wurde.

Der Sommer war damals ein heißer, vor allem am 15. Querler, im siebten Zyklus. Die Mutter, Miria wurde sie genannt, war schon ganz kaputt, von der ganzen Hitze und so. Der Vater, Much Siebzehnrübl, war schon seit Wochen ganz besorgt gewesen. Als die Stunde der Geburt näherrückte, betete er inständig zu Vitama, auf dass sie über dem Ereignis wachen mochte, schließlich war es sein Erstgeborenes, das ihm seine Frau gebären sollte. Und wie sollte es auch anders sein, bei so viel Beterei, und so viel Vertrauen in die Herrin, der Bub wurde geboren, und er ward gesund, und so feierten die Siebzehnrübels ein großes Fest, zusammen mit den Nachbarn und anderen Leuten, die sie gerade halt irgendwo aufgabeln konnten.

Es gab Wein, und Bier, und Rehbraten, und Schweinebraten, und Rinderbraten, und Wein, und einen guten Schinken, und ein Gemüse gab es auch, und eine ganz besondere Speise, welche sehr neu und ungewöhnlich für die Leute war. Und zwar packte der Much Siebzehnrübl, also der Vater von dem Bub, nur zur Erinnerung, also der packte ein kleines Lamm. Er schnitt ihm die Kehle durch, ließ es ausbluten, und hängte es mit den Vorderhaxen zuvorderst an der Decke auf, schlitzte es auf, nahm die Innereien heraus, um es dem treuen Hunde hinzuwerfen, zog dann die Haut ab, nicht vom Hund, sondern von dem toten Lamm natürlich, und schnitt das beste Fleisch heraus, um es sodann an einem Eisenstab aufzuspießen, immer mehr und immer mehr, bis er einen Spieß mit einem Haufen Fleisch dran hatte. Ganz oben hat er dann noch eine rote Frucht draufgesteckt, wahrscheinlich eine Erdbeere, und das ganze hat er dann gebraten, über einem offenen Feuer, indem er den Spieß mit dem Fleisch dran links und rechts neben dem Feuer befestigte, und selbigen Spieß mit dem Fleisch beständig drehte, auf dass das ganze auch gut gebraten wurde. Wann die oberste Schicht fertig war, hat er sie runtergesäbelt, und dann die darunterliegende Schicht gebraten. Dann hat er so ein Fladenbrot genommen, welches seine Frau noch kurz vor der Geburt gebacken hatte, und das hat er aufgeschnitten, und das ganze gebratene Fleisch zusammen mit einer leckeren Soße und einem Salat und lustigen gelben Kugerln reingestopft. Das haben die dann gegessen, also der Much, die Miria, und die Nachbarn, und die anderen Leute, und dazu haben sie einen Wein getrunken, einen roten, und auch ein Bier, ein leckeres, und das alles, um die Geburt des kleinen Huns zu feiern. Es war ein Festschmaus. Und ein Fest nicht nur wegen dem Buben, sondern auch zu Ehren der Vitama. Und angesichts eines so berauschenden Festes kann man wohl fast mit Gewissheit annehmen, dass die Herrin Vitama auf die Feiernden herabblickte, und Gefallen hatte an dem Treiben.

Wie auch immer, die Zeit des Feierns war dann auch bald wieder vorbei, und der graue Alltag hielt Einzug. Der Bub wuchs heran, und wurde von seinen Eltern natürlich vor allem im Glauben an die Vitama erzogen, wobei sie natürlich auch alle anderen Götter ehrten. Denn das eine sollte nie vergessen werden, das ganze spielte sich ja im Fürstentum Ossian ab, und die Leute dort gelten ja als besonders gläubig, auch, wenn das Fürstentum damals noch einen schlechteren Ruf hatte, aber das war ja bevor Hilgorad kam, und gerade dort die Nordwind bauen ließ.

Der Vater war ein einfacher Tagelöhner, und das Leben war nicht immer einfach. Früh schon musste der Huns mithelfen, alleine schon deshalb, weil er noch viele Geschwister bekommen sollte, viele Mäuler wollten gestopft sein, und so musste der älteste Sohn schon früh mit dem Vater mitkommen, und arbeiten. Für die Arbeit auf den Feldern war der Knabe noch nicht so geeignet, und so wurde er schon früh mit dem Hirten von Schafen und anderen Viechern betraut, was ihm auch gefiel. Und es zeigte sich auch früh, dass er ein glückliches Händchen hatte mit dem Getier. Der Vater war sich sicher, dass dies ein Geschenk der Vitama war. Wie dem auch immer sei, es zeichnete sich ab, dass der Huns gut mit dem Tieren umgehen konnte (was man zum Beispiel nicht vom Akkusativ und Dativ behaupten konnte), und so war der Huns Siebzehnrübl nie auf den Feldern, sei es zum Ackern, zum Säen, oder zum Ernten. Er hütete stattdessen die Schafe, er scherte sie, er schlachtete sie, und das gefiel ihm.

Und die Jahre zogen ins Land, und als der Huns um die 20 Jahre alt war, da hatte er plötzlich zwölf Geschwister, das ist ganz schön viel, vor allem für so arme Leute. Noch weitere zehn Jahre sollte der Huns in seinem Heimatort bleiben, um für die Bauern die Schafe zu hüten, und sich um allerlei anderes Getier zu kümmern, und dass alles, um seinen Eltern zu helfen, auf dass sie alle Kinder gesund aufziehen konnten. Es war eigentlich eine schöne Zeit, und jedes Jahr, am 15. Querler, feierten sie ein großes Fest, zu Ehren des Huns, und zu Ehren der Vitama, und alle betranken sich, und rauchten sich ein, und der Vater bereitete wieder seine leckere Speise mit dem guten Fleisch in dem Fladen und dem anderen Zeug zu, und sie tranken Wein, und sie feierten, und es war lustig.

Und irgendwann kam dann halt doch auch die Zeit, wo es einfach zu eng wurde zuhause, und wo auch das Jüngste der dreizehn Kinder arbeiten konnte, und ihn seine Eltern nicht mehr wirklich brauchten, bzw. brauchen konnten. Als Ältester hätte er zwar auch bleiben können, doch ihn zog es hinaus in die weite Welt Falandriens, genauer gesagt in ein Dorf in der Nachbarschaft, und noch genauer zog es ihn hin zu einem wunderschönen jungen Mädchen, mit dem wohlklingenden Namen Brigitte. Die liebte er, und sie liebte ihn, sie liebten sich gegenseitig, und sie liebten sich sehr, und so war es kein Wunder, dass die Brigitte schon bald immer dicker und immer dicker wurde. Ja, genau, sie ward schwanger, und der gute Huns sollte Vater werden.

Damit hatte er allerdings nicht gerechnet.

Irgendwie war ihm das alles nicht geheuer. Sollte er jetzt seine eigene Familie gründen? Sollte er sie heiraten? Er wusste es zuerst nicht.

Dann, es wurde wieder Sommer, und es ward der 15. Querler, und der Huns wurde zum wiederholten Male 30, und sie feierten sehr, aßen lecker Essen, tranken lecker Wein, rauchten, tanzten, feierten, liebten, da zog sich der Huns plötzlich von den Feierlichkeiten zurück. Sagte, er hätte sich den Magen verdorben. Ihm wäre schlecht. Und er ging zu dem Bach, der unweit vorbeifloss. Er setzt sich hin, und hörte dem Gurgeln des Baches zu.

‚Was soll ich nur tun?’, fragte er sich in Gedanken. ‚War das alles?’ Wo wohl das Wasser hinfließen mochte, was hier im Bach so lustig gurgelte und sprudelte und rauschte, das fragte er sich.

Was dann passierte, ja das ist schwer zu beschreiben. Es entzieht sich auch der Erkenntnis des Erzählers, welcher leider kein Allwissender ist, was an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollte. Auf jeden Fall hat der Huns einige Tage später folgendes in einer schäbigen Taverne in der Hafenstadt Venturia erzählt:

<i>‚Also ich sitze da so, und schaue dem Wasser nach, horche, wie es braust, und spritzt, und sprudelt. Und da denke ich mir: Wo fließt denn das hin? Wo fließt das ganze Wasser in dem Bach hin? Kommt das mal irgendwo an? Und wie ich da so grüble, und wie ich da so nachdenke und sinniere, da höre ich plötzlich eine Stimme. Ja, eine Stimme. Ich weiß nicht wo, gesehen habe ich nichts, vielleicht war die Stimme nur in meinem Kopf. Aber es ward eine schöne Stimme. Die Stimme von einem Weibe. Und der Stimme nach musste es ein wunderschönes Weib sein. Und die Stimme sagte: ‚Finde doch heraus, wohin das Wasser fließt.’ Ja, genau das hat die Stimme gesagt. Sie hat gesagt, dass ich herausfinden soll, wohin das Wasser fließt. Die Stimme kannte ich nicht, und doch ward sie vertraut. Ich weiß nicht, vielleicht hatte ich auch schon zuviel von dem guten Wein, dem roten, getrunken. Aber was ich wirklich glaube? Soll ich sagen, was ich wirklich glaube? Ich glaube, dass es Vitama selbst war, die da gesprochen hatte. Ich glaubte, dass es gut wäre, wenn ich hinausgehe in die Welt. Zurückkommen konnte ich ja noch immer, das dachte ich mir ...’</i>

Und der gute Huns folgte schließlich dem Bach. Er wollte wissen, wohin er floss, und der Weg des Baches sollte nun sein Weg sein. Und so kam er innerhalb einiger Tage durch verschiedene Dörfer. Und immer größer wurden die Dörfer, und alle lagen sie entlang des Baches. Und der Bach wurde immer breiter und breiter, und immer schneller und schneller, und er sprudelte und spritzte und rauschte immer mehr. Und schließlich, nach drei Tagesmärschen, sah er vor sich ein sehr großes Dorf. Eine Stadt. Und keine kleine Stadt. Er war in Venturia, wo der Bach, der hier kein Bach sondern vielmehr ein kleiner Fluss war, ins Meer mündete.

Hier kam also das Wasser an. Und hier kam nun auch er an.

Und weil er jetzt schon da war, wollte er sich dieses Venturia mal ansehen. Und so ging er durch die Straßen und Gassen, und er ward beeindruckt von den hohen und schönen Bauten, von den vielen Menschen, die scheinbar ziellos und willkürlich und für seinen Geschmack viel zu schnell durch die Stadt wuselten. Den ganzen Tag streifte er durch die Stadt, und erst als es langsam dunkel wurde, merkte er, dass ihm die Füße höllisch weh taten, dass er einen unglaublichen Hunger hatte, und vor allem dass er mal ein bisserl was trinken sollte.

Und der Huns ist halt irgendwie schon besonders. Manche würden vielleicht auch sonderlich sagen. Aber an solchen Kleinigkeiten sollten wir uns an dieser Stelle, wo die Geschichte allmählich mal interessanter wird, nicht aufhängen. Naja, vielleicht wird die Geschichte auch doch nicht so interessant. Weil sonst wird sie ja auch irgendwie zu lang, und das will ja auch keiner, wer soll das alles lesen.

Kürzen wir das Nachfolgende als ab:

Der Huns landet in einem Bordell, wo er es sich einige Tage lang ziemlich gut gehen lässt. Bis er irgendwann mit der Realität konfrontiert wird, was in Form einer ziemlich hohen Rechnung geschieht. Zahlen kann er nicht, aber es glückt ihm, dem ziemlich fiesen und hinterhältigen und schmierigem Besitzer des Bordells zu entkommen, und sich in einem der heruntergekommeneren Viertel Venturias zu verstecken. Huns muss feststellen, dass er nicht zurückkehren kann in sein Heimatdorf, weil er den Huren zu viel über seine Heimat erzählt hat, und der Besitzer des Bordells jetzt weiß, wo er ihn finden kann, und ihn dort wohl auch suchen wird. Seine immens hohen Schulden kann und will er auch nicht bezahlen, und so verbringt er einige Wochen damit, sich zu verstecken, und darüber zu sinnieren, wie es weitergehen soll mit ihm. Zunächst glaubt er noch, er hätte Glück gehabt, da er eine nette Frau mit dem wunderschönen Namen Marlene kennen lernt, bei der er unterkommt, und die ihm zu Essen gibt, und die ihn liebt, und die er liebt, nunja, bis, also bis schließlich die gute Marlene immer dicker und immer dicker wird, aber das hatten wir ja schon ...

Das alles wächst dem Huns immer mehr über den Kopf, die ganzen Weiber, die Schulden, die Stadt, aus der er weg will, sein Heimatdorf, in das er nicht zurück kann, zumindest nicht, solange ihn irgendwelche Bordellbesitzer dort suchen, und so glaubt er fast, dass es eine süße weibliche Stimme in seinem Kopf war, die ihn in einer heruntergekommenen Taverne in der Hafengegend treibt, wo er schließlich davon hört, dass noch einige Leute gebraucht werden, die auf einem der Schiffe, die demnächst aufbrechen in Richtung einer Insel mit dem sonderbaren Namen Siebenwind. Große Dinge sollen sich dort abspielen, das hört er, aber davon versteht er nichts, und das interessiert ihn auch nicht, was die Mächtigen machen, das war noch nie sein Welt. Dass der König Hilgorad heißt, das weiß er schon, und dass man sich mit den Oberen nicht anlegt, das ist ihm klar, er ist ja nicht ganz dumm, und auf Ärger und dergleichen ist er ja auch nicht aus, zumindest nicht so direkt ...

Auf jeden Fall sollten demnächst Schiffe aufbrechen zu einer Insel namens Siebenwind. Eine Insel. Eine Insel! Das war es. Keine Weiber mehr, keine Schulden mehr, nur Freiheit. Ja, das musste es sein.

Und so begab er sich zum Hafen, um sich zu melden. Ein richtiger Seemann war er nicht, aber aushelfen auf dem Schiff konnte er allemal, und vielleicht war es die Vitama, die auf den Huns gnädig herabblickte, vielleicht hatte er wirklich eine Art sehr eigenwilliges Glück, vielleicht war es auch Zufall, auf jeden Fall sollten auf einem der Schiffe, die demnächst gen Siebenwind aufbrechen sollten, einige Schafe mitgeführt werden, und es wurde noch jemand gesucht, der sich während der Überfahrt um das Getier kümmert. Es handelte sich nämlich nicht um gewöhnliche Schafe, sondern um eine ganz besondere Züchtung, die mehr Wolle liefern sollte als andere Schafe, und die Tiere mussten die Reise nach Siebenwind sicher überstehen, es ging um ein Geschäft von nicht unerheblichem Ausmaß. Und so kam es schließlich, dass Huns Siebzehnrübl an Bord der ‚Nußloch’ aufbrach in Richtung einer Insel namens Siebenwind, ohne dass er wirklich wusste, was ihn wohl erwarten mochte. Er wusste nur, dass er sich auf die Götter verlassen würde, und dass alles nur noch besser werden konnte, und dass er seine Finger von den Weibern lassen würde, weil irgendwie gab er diesen schon irgendwo die Schuld für seine Lage. Und eigentlich wollte er ja ohnehin weg, hinaus in die Welt, und irgendwie ist das Meer ja auch nichts anderes als ein Bach, und so war er doch auch gespannt, wo dieser große Bach ihn wohl hinführen mochte ...


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