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 Betreff des Beitrags: Rückkehr
BeitragVerfasst: 25.09.02, 22:07 
Festlandbewohner
Festlandbewohner

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Ihre Augen gleiten über die Wasserfläche und richten sich auf einen fernen Punkt hinter dem Horizont. Vor wenigen Tagen hatte das Schiff von Etriska abgelegt, und bald würden die ersten Zeichen der Insel auftauchen. Ein sehnsüchtiges Lächeln huscht über ihre Lippen und ihre Augen glänzen freudig. Wie es ihm wohl geht? Ob er auch so oft und sehnend an sie gedacht hatte, wie sie an ihn? .... Oder...... ?! Das Lächeln gefriert für einen Moment, und ein Schleier von Sorge fällt über ihr Gesicht. Schnell wendet sie sich ab, setzt sich wieder auf die Bretterbank, zieht ihren Dolch und lässt ihn spielerisch zwischen den Fingern kreisend über ihre Hand vor und zurück wandern.

Der Aufenthalt auf dem Festland hatte länger gedauert, als geplant. Und obwohl sie die Zeit genutzt und sich neues Wissen und Können angeeignet hatte, war es ihr doch unmöglich gewesen, Nachrichten von ihm zu erhalten. Niemand, dem sie vertrauen konnte! Die ganze Zeit lang hatte sie keine Ahnung, wie sich sein Leben entwickelt hatte..... und ob er überhaupt.......

Ein Poltern reisst sie aus ihren Gedanken. Ungläubig, erstaunt und auch etwas erschrocken blickt sie auf den Dolch, der vor ihr auf dem Boden liegt. Mit starrem Gesichtsausdruck greift sie nach ihm, hebt ihn hoch und beginnt die Übung von neuem. Und wieder entgleitet der Dolch ihren Fingern schon nach kürzester Zeit! Mit einer raschen, verärgerten Bewegung packt sie ihn an der Klinge und schleudert ihn in den Türpfosten..... Dumpf prallt der Griff vom Holz ab und die Klinge schlägt mit der Breitseite auf den Boden, wo die Waffe liegenbleibt. Wie ein höhnisches Grinsen ist die leicht gebogene Schneide ihr zugewandt.......


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BeitragVerfasst: 26.09.02, 00:15 
Festlandbewohner
Festlandbewohner

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Eine Erinnerung steigt in ihr auf.

Grimm, wie er in Finsterwangen auf der Bank vor dem Tempel gesessen und im Schein der Laterne seine Klingen poliert hatte..... An jenem Abend hatte er sich bei ihr bedankt, weil sie sich so loyal gezeigt und ihn mit ihren Worten verteidigt hatte..... Wie sehr hatte sie sich doch damals auf die Ausbildung gefreut, um ihm später auch mit Waffengewalt bei Bedarf zur Seite stehen zu können! Und wie stolz -und froh!- sie gewesen war, unter Matono dienen zu dürfen! ..... Doch dann....... hatte das Schicksal erbarmungslos zugeschlagen..... Ihr Mentor liess sein aufrechtes Leben auf dem Scheiterhaufen, ihr Lehrer verschwand spurlos.... Und plötzlich war sie, blutjung und unerfahren, an die Spitze einer Säule gerückt, die keine Basis mehr hatte..... Wie oft hatte sie sich verwünscht, weil sie ihren Lehrer an jenem Abend alleine ziehen liess, statt ihn zu begleiten?! Dabei hatte er ihr noch den Auftrag erteilt, für ihn mehrere verschiedene Kleidungsstücke zum Wechseln anzufertigen.... Doch er war nie gekommen, um sie zu holen.....

Mit einem langen Schritt erreicht sie ihren Dolch und hebt ihn wieder auf. Rasch vergewissert sie sich, ob die unsachgemässe Behandlung einen Schaden verursacht hat. Nichts geschehen. Ein erleichtertes, dankbares Nicken, dann fährt ihr Blick wieder zur Luke und verliert sich im Glitzern der Sonne auf dem nur leicht bewegten Wasser. Die Hand mit dem Dolch sinkt langsam nach unten und ruht dann regungslos an ihrer Seite.

Auch ihre magiebegabte Freundin hatte sich damals verändert, sich zunehmend abgekapselt und war schliesslich die meiste Zeit ebenfalls verschwunden. Das war die einzige direkte Auswirkung gewesen, die sie von den Veränderungen der magischen Säule mitbekommen hatte. Lange Zeit war sie froh gewesen, diesen Menschen mit ihren unheimlichen Fähigkeiten nicht zu nahe zu kommen, sodass sie ihre eigenen Wege gegangen war. Doch den letzten Auftrag hatte sie ernst genommen. Sie hatte dafür gesorgt, dass die Anhänger in Finsterwangen sich nicht über Fleischmangel beklagen mussten. Die Köchin zumindest hatte sich nie beklagt, wenn sie mal wieder eine kleinere Lieferung vorbei brachte - und der Vorrat war auch immer ein wenig geschrumpft. Nicht so viel, wie sie angenommen hatte, aber doch ein wenig.
Später hatte sie sich zusammenreimen können, warum der Vorrat nur mässig aufgebraucht wurde. Die Fähigkeiten der sie Umgebenden schien wirklich unerschöpflich.....

Zum Zeitvertreib, und im Bestreben, einen weiteren sinnvollen Beitrag für die Gemeinschaft beisteuern zu können, hatte sie damals begonnen, das Leder der erlegten Rehe und Hirsche zu einfachen Schuhen und Stiefeln zu verarbeiten. Wie oft hatte sie sich dabei wunde Finger geholt, war doch das zähe Leder um einiges schwieriger zu bearbeiten, als das so viel feinere, leichtere Stoffgewebe! Dennoch hatte sie die Versuche immer wieder wiederholt, zäh und verbissen, alleine in einem leerstehenden Haus, meistens dann, wenn alle schliefen. In der Dämmerung die Jagd, -ihre einzige Möglichkeit, sich ein wenig mit dem Speer zu üben-, und in der Nacht das lautlose Stechen der Nähnadel. So war ihr Leben eher monoton verlaufen, während sie ständig auf die Rückkehr ihres Lehrers hoffte.

Ausgerechnet derjenige, vor dem sie damals ihren Lehrer mit überzeugter Sicherheit verteidigt hatte -hätte der Attentäter tatsächlich vorgehabt, ein paar Anhänger aus den eigenen Reihen ins Reich des Vergessens zu befördern, hätte er verdeckter mit dem Gift hantiert, und nicht so, dass die ganze Taverne die Tat hätte verfolgen können, davon war sie überzeugt!- ausgerechnet ihm, dessen misstrauischer Blick einem das Blut in den Adern gefrieren lassen konnte, auch ohne dass er seine magischen Kräfte einsetze, war es letztlich gelungen, sie aus ihrer Apathie zu holen und ihr zu zeigen, dass das Leben trotz allem lebenswert war.... Sehr lebenswert sogar....


Das Lächeln gleitet wieder über ihr Gesicht, als sie sich an die verschiedenen Ausflüge erinnert, die sie zusammen unternommen hatten - er auf der Suche nach bestimmten Kräutern oder sonst auf Erkundungstour, und sie auf der Pirsch nach Rehen, Hirschen -- und möglichen zweibeinigen Störefrieden.

Als "Leibwächterin" hatte sie sich gefühlt, und auch er hatte sie, manchmal im Scherz und manchmal im Ernst, so bezeichnet. Doch damals, als der Bär sie angegriffen hatte, war es nur seinen magischen Kräften zu verdanken gewesen, dass sie beide unbeschadet nach Hause gekommen waren...... Nach Hause.....

"Bald..." Fast tonlos gleitet das Wort über ihre vor Vorfreude zitternden Lippen.


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BeitragVerfasst: 27.09.02, 22:32 
Festlandbewohner
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Sie hatte sich gefürchtet. Zuerst vor ihren Gefühlen, dann vor ihm und seinen mit der Zeit doch offenbarten Fähigkeiten, und letztlich davor, vor ihrem Meister zu ihren Gefühlen stehen zu müssen. Aber die einzige Sorge, die am Ende tatsächlich geblieben war, war diejenige, dass sie sich irgendwann einmal entscheiden müsste, wem ihre Loyalität galt. Doch dazu war es nie gekommen. Ihr Ziel war dasselbe, wenn auch die Wege ein wenig unterschiedlich waren.

Langsam steckt sie den Dolch zurück und streicht dann sanft über den Speerschaft, der an ihre Tasche gelehnt in der Ecke steht. Ihre Jagdwaffe.... Nun dient sie nur noch der Erinnerung an gute, aber auch an schlimme Zeiten....

Auf ihrem mehrgleisigem Weg hatte sie viele Menschen kennen gelernt. Doch niemanden, der sie wirklich unterrichten konnte. Einmal, ein einziges Mal, hatte sie gehofft, vielleicht ein paar Tricks und Finten kennenlernen zu können. Die Jägerin hätte ihr mit Sicherheit ein paar brauchbare Dinge beibringen können. Doch......

Ihre Hand ballt sich unwillkürlich hart zur Faust, doch mit purer Willenskraft spreizt sie sofort ihre Finger wieder. SEINE Wege waren unergründlich, und ER alleine weiss, wozu dies alles gut sein soll! Die Verräterin ist ihrer Strafe nicht entgangen - soviel hatte sie noch erfahren, auch wenn sie selbst keinen Finger dazu hatte rühren müssen.... können..... dürfen....? Sie jedenfalls scheint bisher dazu bestimmt zu sein, nicht unter wirklich ihresgleichen wandeln zu dürfen. Das Misstrauen gegenüber der unheimlichen Begabung ihrer Bekannten würde sie wohl nie ganz ablegen können, auch wenn nun einige von ihnen zu ihren näheren Freunden zählen.

Sie hatte die Reise zum Festland angetreten, weil sie Abstand gewinnen und über vieles nachdenken wollte.
So vieles hatte sich verändert, und die Rolle, die sie ursprünglich in der verschworenen Gesellschaft hatte einnehmen wollen, wurde mehr und mehr unwichtig, ja sinnlos. Sie hatte für den Endkampf bereit sein wollen - und musste feststellen, dass sie überflüssig war. Ihre Freunde wurden mächtiger und mächtiger, und es gab keinen, der wirklich auf ihre Hilfe angewiesen wäre. Die Wesen, die sie beherrschten, waren um ein Vielfaches mächtiger, als sie.... Wen interessierte wohl da noch einzerbrechlicher Speer in ihren Händen? Sie selbst jedenfalls nicht mehr. Am Ende war er nur noch Zierde gewesen - und das Einzige, was sie mit dem Grund ihrer ersten Reise nach Siebenwind verband. Die Hoffnung, dass ihr Lehrer eines Tages zurück kehren würde, hatte sie längst aufgegeben. Und dann schien es Zeit, auch die Hoffnung aufzugeben, irgend einen anderen Lehrer zu finden..... Doch was blieb ihr denn noch?


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BeitragVerfasst: 2.10.02, 13:27 
Festlandbewohner
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Mit einem tiefen Atemzug setzt sie sich wieder, nimmt ihre Tasche und ordnet zum xten Male an diesem Tag die Schnittmusterrollen darin an. Obwohl sie weiss, dass niemand sich an der Tasche vergreifen kann, da sie sie wie ihren Augapfel hütet, zählt sie die Rollen noch einmal durch und nickt mit einem erleichterten Seufzen. Es sind -natürlich- noch alle da.

Schon bei der Überfahrt zum Festland hatte sie sich mit dem Flicken, Ausbessern und Färben einzelner Kleidungsstücke ihrer Mitreisenden wieder ein paar Dukaten verdient, machnmal auch nur einfach ein wenig Sympathie, die die Zungen lockerte. Irgendeine ihrer Kundinnen hatte dabei ihre geschickten Finger gelobt, mit denen sie die aufgerissene Stickerei eines Wappenrockes fehlerlos und fast unsichtbar nachgestochen hatte. Doch nicht nur das Lob hatte sie damals gefreut. Vielmehr die doch recht anspruchsvolle Arbeit, die ihre ganze Konzentration erfordert hatte.... Zum ersten Mal seit langem hatte sie wieder eine Arbeit vor sich gehabt, die nicht nur Gewohnheit und Routine gewesen war. Ihre Augen hatten zwar im unsteten Licht der Laterne und vor Anstrengung gebrannt, als sie sich, wie gewohnt, des Nachts an den Wappenrock machte, doch die Freude, als das gemalte Muster und die Stickerei wieder übereinstimmten, hatte sie dafür entschädigt. Darüber hatte sie danach lange nachgedacht, und während dem Rest der Reise hatte sich in ihrem Inneren langsam ein Plan zurechtgesetzt. Mit einem klaren Ziel vor Augen war die Hoffnung schrittweise zurückgekehrt, und tief in ihrem Inneren spürte sie, dass sie der Gemeinschaft doch noch einen Dienst erweisen und sich nützlich machen konnte...


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