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 Betreff des Beitrags: Dornenbote - eine Lebensgeschichte
BeitragVerfasst: 1.10.02, 19:58 
Festlandbewohner
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Die Geschichte vom Dornenboten der Nebelgeborenen
Auch bekannt als Harquel Himmelsbach oder Harquel Yarh Asaih, ven Ashrum da Rha

Der Hüne auf der Ruderbank der Galeere taxierte Harquel schamlos von Kopf bis Fuss, während die Wächter den schmächtigen, aber athletisch gebauten Mann aus Endophal an das Ruderholz ketteten. „Mokwin Mordhand!“, knatterte es aus seiner Kehle hervor, und er verzog sein Gesicht zu etwas, was wohl ein freundliches Grinsen sein sollte. In seinem kantigen und narbenübersäten Gesicht wirkte es aber eher wie die Fratze des Kinderschrecks aus den alten Märchen.
Harquel nickte kurz, und umfasste dann – wie zur Eingewöhnung – den massiven Stiel des Ruders. „Mokwin Mordhand.“, brummte der ungemütliche Gesell ein weiteres mal, dieses Mal wesentlich zorniger als vorher. Stimmungsschwankungen schienen genauso zu ihm gehören wie ein fauliger der einem Orken alle Ehre gemacht hätte. „Vorübergehend Passagier auf diesem Pott hier, doch bald wieder in meinem Revier im Drakenwald!“, er nickte grimmig und fuhr fort: „Du bist?“ – Harquel räusperte sich kurz, trotz seiner heissen Heimat hatte der Gefangenentransport seinen Mund ausgetrocknet, seine Zunge lag darin schwer und unbeweglich wie eine Steinmauer. „Anath Kunra!“, der endophalische Dialekt war unverkennbar, Harquel sah auch aus wie ein waschechter Endophali: hellbraune Haut, dunkelgrüne Augen, kleiner Körperbau, schlank, aber graziös wie eine Gazelle. „Meine Leute rufen mich Harquel Yarh Asaih, ven Ashrum da Rha.“ Am Blick des einem Orger nicht unähnlichen Galadoniers sah Harquel aber sofort, dass er mit diesen Namen eine anstrengende Überfahrt vor sich haben würde. Fremdländische Bezeichnungen schienen diesem Wilden zu missfallen. „Nenn mich Harquel Himmelsbach“, fügte er also schlicht hinzu. Der Nachname erinnerte ihn nicht ohne Ekel an die wahre Abstammung seiner Mutter... Sie war Galadonierin, hatte jedoch mit seinem Vater Yarhiw einen Endophali geheiratet. Natürlich hatte er nach alter Sitte ihren Namen angenommen, ihn jedoch in’s Endophalische übersetzt. ‚Himmelsbach’, den Namen nutzte er selten. Geläufiger war ihm da schon ‚Dornenbote’, wie in seine Gefährten von den Nebelgeborenen zu rufen pflegten. Mokwin würdigte seinen Namen mit einem weiteren kurzen Nicken und einem zufriedenen Schliessen seiner Augenlider.

Doch diese kleine Konversation schien dem nicht minder muskelbepackten Aufseher zu missfallen. Klar hörte Harquel seine schweren Stiefel über die Planken des hölzernen Schiffes poltern. Er war sich sicher, dass dieser unsympathische Zeitgenosse genauso ein Nortrave war, wie dieser morsche Kahn. Viermal schnalzte die Peitsche in seiner Hand, zweimal trieb sie mit roher Gewalt zwei karmesinrote Schrammen in die Rücken des ungleichen Paares auf der Ruderbank. Und ehe der Schmerz sie übermahnen konnte, keifte er ihnen in den Nacken: „Nicht reden, rudern! Noch ein weiteres Wort, und es ergeht euch wie dem da!
Seine Pranke deutete auf etwas an der Schiffswand, was nach einem blutigen Kartoffelsack mit Haaren aussah. Harquel musste nicht würgen. Seine Augen waren kalt geworden, gegenüber solchen Anblicken. Sein Herz kalt für jedes Gefühl, es schlug nur noch für Rache und den eigenen Vorteil. Gelegentlich nur verspürte er Gefühl von Befriedigung – und dies meist auch nur zwischen den glutheissen Schenkeln einer Hure. Die Scharmützel mit den Schatten aus dem Seelenwald hatten ihn verändert, auch wenn er sich das nie eingestehen würde. Für ihn begann dort nur eine gewinnbringende Freundschaft mit Wulfhelm Zornbold, dem Klingengeist der Nebelgeborenen. Und es war ein Ort voller wertvoller Erfahrungen führ ihn. Erfahrungen im lautlosen Töten, egal ob Freund oder Feind. Hauptsache es brachte Gewinn. Doch diese Gedanken huschten ihm eigentlich gar nicht durch den Kopf, viel mehr war er erstaunt über das farblose Erbrochene, welches dem ach so abgebrühten Mokwin zwischen den Lippen herausquoll. Doch davon nahm der brutale Nortrave keine Notiz, er ging seinem Trieb bereits eine Reihe weiter vorne nach. Etwa ein halbes Stundenmass später brüllte er mit heiserer Stimme in den Ruderraum hinein: „Ruder ANHEBEN... AUSFAHREN... ZIIIIIIEHN!“. Harquel hasste diesen Nortraven. Doch er wusste den Hass in seinem Inneren zu versperren, und für einen günstigeren Moment zu verwahren.

Langsam und schwerfällig lief das nortravische Drachenboot aus dem Hafen von Herstakam aus, getrieben durch die pulsierenden Ruderschläge der schwitzenden Strafgefangenen. Der erste Zyklus war angebrochen, die wärmenden Sonnenstrahlen brachen die Kühle der Nacht, deren Kälte durch den blassen Schein des Vitamalins nur unterstrichen worden war. Eine niedrige Nebeldecke hatte sich über die See gelegt, und aus der Ferne betrachtet könnte man sich einbilden, das Schiff würde auf Wolken schweben.

Gegen Mittag war dann der Nebel verflogen, und das Schiff segelte aus eigener Kraft unter azurblauem Himmel geng Siebenwind. Die Sträflinge waren gerade dabei ihr karges Mittagsmahl zu verzehren: ein brauner Brei aus Getreide und ein Tröpfchen Wasser, das in seiner Reichlichkeit nur zum Spott und Hohn da sein konnte. Harquel genoss die brennende Mittagssonne. Sie erinnerten ihn die Stunden, die er stets zu dieser Zeit auf der begründen Terrasse seines Elternhaues verbracht hatte (dem die Bezeichnung fulminant nicht im Ansatz gerecht würde). Die Sicht auf den lebensspendenden See am Fusse der Stadt war einfach fesselnd, die Ruhe überwältigend gewesen. In Luth-Mahid war ohnehin noch vieles einfacher gewesen. Dank dem Einfluss seines Vaters – ein geachteter Baumeister – konnte er tun und lassen, was ihm beliebte. Er spukte in den Gassen auf Pennern, trat die bettelnden Krüppel und vergnügte sich in Spelunken mit Elfenmädchen. Harquel unterdrückte die weiteren Gefühle von Sentimentalität. Für dieses Elternhaus war er gestorben. Alles was ihm geblieben war, war sein Name. Diesen noch zu verlieren, oder den Zorn der Mächte zu erfahren, waren wohl noch die zwei letzten Dinge, die ihm in seinem glücklosen Leben noch Angst machen konnten. Glücklos? „Auf der Sklaveninsel ging es mir wesentlich schlechter“, schoss ihm durch den Kopf. „Meinen Namen kann mir keiner nehmen!“, trotzte er weiter, „und bald werde ich einen weiteren, starken Namen haben. Und die Mächte...“, bei der Erwähnung dieser schickte er einen unsicheren Blick in die Höhe, wie in Erwartung einer Strafe durch die selben, um sofort wieder seine gelassene Miene aufzusetzen und seine Unsicherheit zu überspielen. „... und die Mächte werden mich auch nicht hindern!“, fuhr er fort. Harquel fürchtete die Götter. Er wusste um ihre Existenz, und dennoch verleumdete er sie, wie zum Trotze. Doch wenn es darauf ankommen würde, würde er sie huldigen, für seinen eigenen Vorteil. Doch solange es nicht darauf ankommen würde, würde er es nicht tun, nicht ohne einen Vorteil daraus zu schlagen. Sie waren ihm alle zu besitzergreifend, und gaben ihm zu wenig. Angamon hatte er in seiner leichtsinnigen Jugendzeit verehrt. Doch mehr im Spiel – denn mit zunehmender Ernüchterung wurde ihm bewusst, dass dieser wohl zu viel Zeit darauf verwand seine Konflikte mit den anderen Göttern zu lösen, anstelle ihm die Macht zu schenken, die er schon immer besitzen wollte. Würde er halt seine Ziele ohne die Mächte verwirklichen, und sollten sie ihn nicht daran hindern! Es war unglaublich, mit welch Leichtigkeit der Reichtum seiner Eltern es vermocht hatte, ihn von den jahrhundertalten Traditionen der Südprovinz wegzuleiten.

Ein Gong verhallte in dem mit stickiger Luft gefüllten Unterdeck des Schiffs, Ende der Mittagspause. Die hagern Konturen eines alten Mannes haderten, man möge ihm doch etwas mehr Zeit zur Erholung gönnen. Was prompt mit einem äusserst unhöflichen Knüppelschlag goutiert wurde, und in einem erstickenden Gejammere des selben Mannes endete. Für diesen weiteren Akt der Gewalt erbrachte Harquel keine Aufmerksamkeit, wohl aber für die flinken Hände eines Orken, der etwas aus den Taschen des Wächters zog und geschwind in den eigenen Taschen verschwinden liess. Bald würde Aufbruchstimmung unter den Gefangenen herrschen, dessen war er sich gewiss. Und auch er würde sich dann einen verlängerten Landurlaub genehmigen...

Der Tag ging mit anstrengendem Ruderwerk zu Ende, wie er mit ihm begann. Die Nächte waren kalt, was für Harquel jedoch kein Grund zum Verdruss war. Auch in der Sharra-Wüste waren die Nächte kalt, und die Tage heiss. Doch es war nicht Vordergründig seine Heimat, an die ihn die Nacht erinnerte. Es war viel mehr der Seelenwald, der in seinen Erinnerungen geweckt wurde. Eine gute Zeit hatte er dort verbracht, gute Kontakte geknüpft, auch wenn alles so unvorteilhaft begonnen hatte. Seinen Vater hatte er damals dafür verflucht, ihn mit diesen eierköpfigen Galadonieren zusammen nach Garan zu schicken, um das Handwerk mit dem Bogen zu erlernen. Gegen die Schatten des Seelenwaldes, gefürchtete Gestalten, die die Gegend in Angst und Schrecken versetzten. Aber es war ein Fehler von diesem hochnäsigen Galadonier gewesen, Harquel wie einen Schulbub zu behandeln. Sein leiser Pfeil hatte ihn bei Nacht und Nebel ereilt, obwohl er den Bogen nicht meisterhaft beherrschte. Aus dem Schlachtenrummel hatte Harquel sich jedoch herausgehalten, wie Wulfhelm Zornbold hatte er erkannt, dass sich im Abseits wesentlich lukrativere Geschäfte machen liessen. Ob jemand während der Schlacht gegen den Feind viel, oder gegen den vermeintlichen Freund, fiel ohnehin niemanden auf. Und in der Hitze des Gefechts konnten auch relativ unerfahrene Streiter wie sie es waren gefährliche Attentäter werden. Der dunstige Nebel der ein klares Erkennen des unmittelbaren Gegenübers zudem fast vereitelte, bestärkte sie nur in ihrem Tun. Harquel fand Gefallen an seinem stillen und tödlichen Handwerk. Doch auch die galadonischen Krieger verstanden ihr Werk, und trotz herber Verluste (das sie so immens ausfallen würden, damit hatte niemand gerechnet) waren die Schatten irgendwann zurückgedrängt. Auch häuften sich die Verdachte gegen sie, unlautbaren Geschäften nachzugehen. Aber Wulfhelm hatte ohnehin andere Pläne, vor seinem inneren Auge beherrschte er schon längst die Handelswege Siebenwinds. Und Harquel imponierte dieser Eifer, und es schmeichelte ihm auch etwas, dass Wulfhelm ihn ‚Dornenbote’ nannte, wohl als Anspielung auf seine Vorliebe zum Bogen. Und so beschlossen die Nebelgeborenen, wie sie sich fortan nannten, nach Siebenwind zu reisen. Getrennt, wohl gemerkt!
Doch hätten ihn diese verdammeleiten Häscher nicht gefangen, und auf dieses Schiff gesteckt. Harquel verfluchte geistig abermals den Tag, an dem er gefasst wurde. Das einzige positive an diesem Schiff war wohl wirklich nur, dass es offensichtlich eine Route zu der verheissungsvollen Insel nahm.

Wieder verdrängte er diese abstrusen Gedankengänge. Er musste mehr Disziplin lernen! Und er sollte Wulfhelm vielleicht nicht mehr so Blind vertrauen, wie damals im Seelenwald. Die unangenehmen Bedingungen auf der Galeere schärften sein Misstrauen aus einem unerklärlichen Grund.

Nach bald fünf Wochen hoher See kam Nervösität auf dem Oberdeck auf. Offenbar eine Rangelei. Harquels Blick wandte sich eingefallen nach oben, die Zeit und die Anstrengung hatte ihm doch mehr zugesetzt, als eigentlich erwartet. Stritten da tatsächlich Steuermann und Kapitän darüber, ob sie auf Etriska weiteren Proviant aufnehmen sollten, oder direkt auf Siebenwind zuzusteuern? Ein rascher Blick zu dem Ork, den er zu Beginn der Fahrt bei seinem kleinen Diebstahl beobachtet hatte, verriet ihm, dass dieser das Selbe dachte – und seine Chance darin sah. Der Streit auf Oberdeck schien tatsächlich zu eskalieren, trotz seiner Unsinnigkeit so kurz vor dem Ziel. Auf dem Schiff befanden sich schliesslich nebst den Sträflingen nämlich nur ein paar andere Scharlatane, auch wenn sich diese noch auf freiem Fusse bewegten. Und die Fracht, die das Schiff mit sich führte, war wie man es munkeln hörte auch nicht ohne wert. Ein hoher Herr aus Galadon habe eine wichtige Ladung nach Siebenwind zur Akademie des Pfades zur Linken geschickt. Was oder wer damit gemeint war, war Harquel nicht klar. Was ihm jedoch klar war, dass der Kapitän erbost mit der Faust in die Nierengegend geschlagen hatte, und dass die Konturen des Steuermanns sich gerade gekrümmt gegen Boden bewegten. Doch die Fronten zwischen den Seemännern mussten schon seit längerem in subtiler Weise verklärt gewesen sein. Plötzlich – wie fremdartig und weit weg das durch die Gitter von unten doch aussah – standen sich jeweils hinter dem Rücken vom Steuermann beziehungsweise Kapitän verbittert die Sympathisanten der jeweiligen Personen gegenüber. Ob wohl nur noch ein Tropfen fehlte, der das Fass zum überlaufen bringen würde? Jedenfalls bewarfen sich die beiden Parteien schon mit unterschiedlichen Kraftausdrücken, und waren auch schon auf Tuchfühlung gegangen.

Dann zeriss ein Schrei des gefangenen Orken die ganze Situation, Harquel schreckte regelrecht zusammen. „KRRONÄÄNSCHELÄCKRR!“, brüllte er. Harquel konnte gerade noch erkennen, wie der Grünling derweil an den Schlössern seiner Ketten hantierte, und ein kurzes Klirren und Rasseln zu vernehmen war. Alles andere Entzog sich seinem Blickfeld. Doch oben, wo vorher Meutereistimmung geherrscht hatte, schien sich das Weltbild urplötzlich, wie auf ein Zauberwort geändert zu haben. Die Mannschaft schien sich wieder eins, und projizierte ihre Wut mit wild funkelnden Augen herunter auf den Urheber des Schreis. Harquel kniff sich in den Oberschenkel. Solch ein Stimmungswechsel konnte doch nur im Traum geschehen. Doch es war real, und während er sich selbst gekniffen hatte, quietschte auch schon die Luke zum Gefangenenraum, und die wilde Meute stob hinab, um jäh vor annährend zwei Mann hohen Nortraven mit der Peitsche zu stoppen. Dieser setzte auch schon seinen bulligen Körper in Bewegung, und näherte sich unaufhaltsam dem Orken, welcher mit gesenktem Kopf auf den Boden starrte. Hinter dem Nortraven johlte die restliche Mannschaft, in Erwartung eines blutigen Schauspiels, obwohl sie sich selbst kaum in Zaum halten konnte. Der Nortrave war gerade in Begriff seine Peitsche auf den wie versteinert dasitzenden Orken sausen zu lassen, da kam unerwartet Leben in das grüne Bündel. Seine flinken Bewegungen beeindruckten Harquel, der gut einen Fuss kleinere Ork hatte sich blitzgeschwind erhoben und hinter den Nortraven gesprungen. Zu spät realisierte der Nortrave, dass der Ork nicht mehr gefesselt war, und die eiserne Kette, welche vorher um die Hände des Orken geschlungen war, auf sein Gesicht zubrauste. Eisen prallte auf Knochen, und die Nase stand ihm wenig später unnatürlich schief in’s Gesicht geschrieben. Doch der Ork nahm sich keine Pause, die Kette lag schon wieder in seinen Händen, und wenig später dem Nortraven um den Hals. An seinem Rücken traten Muskeln hervor, als er die Kette anzog und quer über den schmalen Gang zwischen den Bänken an jeder Seite des Schiffs zog. Das Gebrüll des Nortraven, der sich an Nase und nachher Hals gefasst hatte, war zu einem Gurgeln abgeklungen.

Doch nun kam wieder Leben in die völlig überraschte Mannschaft. Der kleine Ork hatte sie um ihren Spass gebracht. Und um ein Mannschaftsmitglied! Die wilde Horde stob auf ihn zu, doch der Ork blieb, wie um sie zu verspotten, mitten im Korridor stehen. Harquel erstaunte es überdies auch nicht mehr, dass sich dann alle Gefangen auf der Seite des Orken erhoben, und mit schadenfrohem Gebrüll sich auf die Belegschaft des Schiffs warfen. Hektisch blickte er sich um: Seine Seite war immer noch in Ketten gelegt, aber „Ah!“, eine Reihe hinter ihm schien eine gebückte Gestallt doch damit beschäftigt zu sein, auch ihnen die Fesseln zu lösen. Mit zittriger Hand konnte Harquel es gar nicht erwarten, gehetzt flog sein Blick von einem Ort auf den anderen der wüsten Schlägerei. Nein, hier würde er nicht mitmischen. Als dann endlich die Schlösser weggezogen wurden, erhob er sich eilig und huschte tunlichst bemüht keine Konfrontation einzugehn zu einem der grösseren Aussparungen in der Aussenwand des Schiffes. Vermutlich waren sie für irgendwelches Kriegsgerät gedacht gewesen, oder um in gehässiger Art und Weise einige der Passagiere den Bestien der Tiefe zu opfern. Harquel schauderte bei dem Gedanken, doch er hatte schon einen Fuss auf die Kante gesetzt, und schickte noch einmal einen Blick nach hinten. Eine säbelschwingende Gestalt rannte auf ihn zu. „Jetzt oder nimmermehr!“, eine andere Wahl blieb ihm gar nicht. Harquel sprang. Das Nass der See schloss sich sofort um ihn, etwas Wasser stieg ihm in die Nase empor und juckte unangenehm, doch es war erstaunlich wie warm das Wasser doch hier war. Mühsam setzte Harquel seine Füsse und Arme in Bewegung, er war ein schlechter Schwimmer, und lediglich die Tatsache, dass das Atoll nicht weit entfernt zu liegen schien, schenkte ihm etwas Zuversicht.

Als der Abend dann schon graute und sich die letzten Sonnenstrahlen in einem Funkelmeer wilde Spiegeltänze auf der Wasseroberfläche erlaubten, spürte Harquel wieder Sand unter den Füssen. Er war heil und unversehrt entkommen! Doch als er dann fast schon etwas mühselig den Kopf nach oben reckte, sah er schon das nächste Hindernis – schroffe Klippen umgaben das Atoll von der Seite, an der er angetrieben worden war. Diese würde er wohl auch noch überwinden müssen, wohl oder übel sofort, sonst würde er Gefahr laufen das ein Landungstrupp vom Schiff hier noch nach entkommenen Sträflingen suchen würde, obwohl er der Mannschaft soviel Pflichtbewusstsein gar nicht zumutete.

So setzte er also Hand und Fuss an den Felsen, und richtete den Blick in den dunkelnden Himmel. Sah er da etwa einen grünen, behänden Körper, der sich weit über ihm auch gerade die Klippen hochzwang? Harquel musste kurz an den kleinen Orken denken, fuhr sich noch mal grüblerisch über den stoppeligen Bart und durch das strähnige Haar (die Fahrt hatte sein Äusseres ziemlich verwahrlosen lassen), rückte die grösstenteils nur noch aus lose zusammehängenden Fasern bestehende Kleidung zurecht und begann dann nach einem schweren Seufzer den schweisstreibenden Aufstieg...


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