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Das Tor vor ihr stand schon einige Momente offen. Sie war sich nicht sicher ob sie hindurch gehen sollte oder nicht. War es nur ein davonrennen vor den Problemen den der Hexenstand, oder vielleicht ja auch nur sie selber hatte, oder war es wirklich Ernüchterung, Entäuschung?
Noch einmal schaute sie zurück. Zurück auf die Insel die sie so liebte, von der sie sich so viel erhofft hatte. Ihre Gedanken schweiften auf die schöne Anfangszeit. Unter der führenden Hand von Sha Shabani waren sie im Begriff einen Hexenstand aufzubauen der ihrer aller Fähigkeiten entsprach. Die Hexen sollten gemeinsam Auftreten, sich auf Siebenwind einen Namen verschaffen, die Kraft der Hexen, die Energie der Natur zu nutzen, sollte in aller Munde sein. Auf der einen Seite gefürchtet und verhasst auf der Anderen aber genauso unentbehrlich wenn es darum ging die Kräfte zum Guten einzusetzen. Doch die Hexen wurden zu Einzelwesen. Der Stab blieb immer dünn und zerbrechlich. Nicht einmal die Drohung, die Mutter würde ihnen entsagen, konnte die Hexen einen. Es kam ihr oft wie ein Fluch vor der auf dem Zirkel lastete. Viele der alten Hexen hat Siebenwind wieder verlassen. Von der Mutter abberufen, einfach verschwunden oder auf Reisen. Jetzt stand sie vor dem magischen Tor. Nur einen Schritt von der Entscheidung, Siebenwind den Rücken zu kehren, entfernt.
Bis auf zwei, drei Ausnahmen empfand sie alle hiesigen Hexen nicht der Mutter würdig. Sie konnte nicht anderst empfinden. Sie war nun einmal so. Ihr Anspruch die Schwestern als Hexen zu akzeptieren war sehr hoch. Sie war der Überzeugung, dass nur ein starkes gemeinsames Auftreten den Hexen den notwenigen Respekt verschaffen konnte. Allein waren sie schwach, nicht spürbar. Sich mit sich selbst zu beschäftigen um ja nicht erkannt zu werden lag nicht in ihrem Sinn. Der Verfall des Hexenstandes war mit dem verschwinden von Sha besiegelt. Mit keiner Unterstützung im Rücken sichte das Hexentum dahin. Bis zum heutigen Tag.
Doch stand sie mit dieser Meinung wohl alleine da. Sie war diejenige welche nicht auf Siebenwind gehörte. Vielleicht war sie es ja die nicht würdig war, kein Verständnis hatte? Wie konnte sie sich immer nur anmassen die Hexen auf den Weg zu führen den SIE als richtig empfand? Laut kreischte sie auf. Sofort verstummte der Wald für einige Momente in seiner vielfältigen Melodie. Das war wohl auch der Grund weshalb sie sich in letzter Zeit so zurück zog. Sie musste mit sich selber ins Reine kommen. Lernen die Dinge so zu nehmen wie sie sind. Man kann viel verändern, kann selber viel dazu beitragen, aber nicht bei Anderen sondern nur bei sich selbst. Sie selber musste umdenken. Und das wollte, ja konnte sie nicht. Kaum merkbar hatte sie sich durch das Tor begeben. Noch einmal schaute sie zurück bevor sich das Tor hinter ihr schloss
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