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"Was für ein Tag", dachte sie, als sie sich langsam im Bette der Hochmeister wälzte , "ich wußte doch, das es niemals so enden wird, wie ich es mir erhoffe."
Sie erinnert sich langsam an gestern Abend zurück. Einsam durchstreifte sie die Nacht, die Finsternis um sie gehüllt. Ihr wallendes Haar strich durch den Wind. Scheinbar in Gedanken verloren an jemanden.
Erst einige Minuten zuvor redete sie mit einer Freundin darüber, über ihre Gefühle, ihre Sorgen, ihre Ängste. Es schien sie für jenen Moment zu befreien. Die Last die auf ihr lastete. Unerträglich. Ihr unbekannt.
In der ferne erblickte sie die Zinnen des Schieferhorstes. Ein leises seufzen entrann ihre Kehle. Ihr Herz vermochte wie Trommeln zu erschallen, ein
ganzes Orchester das im Rhythmus spielte, immer schneller und stärker, je näher sie zur Burg kam. Mit leicht zögerlichen Schritten trat sie an die Wache, versuchte ihre Unsicherheit zu überspielen und einfach die zu sein, die sie wahr.
"Vjera Vitama mit euch mein Sohn," krächzte sie heiser, "ich suche Sir Athos, Knappe." Scheinbar befreiend wirkten ihre Worte.
Der Knappe verbeugte sich in ihrer Gegenwart und deutete auf den Pagenturm hinter ihr. Sie nickte nur schwach, kaum in der Lage zu antworten, wie ein
Klose in ihrem Halse.
Vorsichtig schritt sie zum Pagenturm, unsicher mit ihren Fingern spielend. So abgeklärt war sie sonst, so erfahren, aber in jenem Moment wie ein Kind, ein Mädchen vor ihrem ersten Treffen mit einem Jungen. An der Türe klopfte sie leise pochend an, fast aus Verlegenheit die Türe streichelnd, als schlagend.
Niemand erhörte sie. Vielleicht war niemand im Turme, vielleicht war es aber auch nur zu leise. Ihre Unsicherheit spiegelte sich in ihren blauen Augen
wieder. Hin und her schweifend, kaum einen Punkt fixierend könnend. Langsam trat sie einige Schritte zurück und atmete schwer aus. Ihr unruhiger Atem
war laut und seufzend. Kurz senkte sie ihren Kopf, um sich selber Mut zu machen, dabei strich sie fast beiläufig eine Haarsträhne hinter das Ohr.
In diesem Moment öffnete sich die Türe am Turme, fast erschreckt, wich sie einen Schritt zurück, total aus den Gedanken gerissen. Ihr Blick erhob sich in Richtung der Türe und sah ihn. Athos. Wie verrückt pochte ihr Herz,
hämmernd gegen ihre Rippen, als würde das Herz herauswollen.
Erst dann erblickte sie Brutha und sie versuchte sich schnell zu beruhigen. Er solle es nicht merken. Niemand solle es merken. Was würde geschehen, wenn
er sie abweist ? Eine Erzgeweihte Vitamas mit gerade 20 Lenzen, die ihre Gaben und ihr Aussehen von der Herrin erhielt. Was würde dann passieren ?
Sie wäre nicht mehr jene Frau, die alle so bewundern, so verehren, so lieben.
"Vje...Vjera Vitama mit euch Sir Athos, Brutha." Knapp konnte sie der peinlichen Situation ausweichen. Nur ein kleiner Verhaspler.
"Das passiert jedem," redete sie sich ein. Und blickte dann zu dem sichtlich überraschten Athos.
Es mag vielleicht ein halber Zyklus gewesen sein, seitdem sie sich nicht mehr gesehen haben. Seit ihrem Gespräche vor einigen Tagen ging er ihr nicht mehr aus dem Kopf. Fast jede Sekunde dachte sie an ihm, trotz der Probleme um sie herum. Sie sprachen davon, das er sich edler kleiden sollte für seinen Stand. Statt es dabei zu lassen, suchte sie einen Schneider auf und versuchte seine Masse zu schätzen. Einige Kleinigkeiten sollten das nur werden, damit es bloß nicht auffällt. Schnell ging sie dann zu einem Freund, der ihr die Sachen färbte. Seine Fragen, für wen es sein sollte, versuchte sie schnell auszuweichen. Niemand solle es erfahren. Niemand. Nur wenige Momente später sah sie ihn schon. Mitten in der Taverne "Zur Goldenen Harfe". Er war aber nicht allein. Sie schluckte schwer und griff sich ein Herz und setzt sich neben ihn. Wer sollte sie schon aufhalten ? Immerhin war sie eine Geweihte Vitamas. Aber sie merkte, das sie im Herzen auch nur eine junge Frau war. Sie legte das Bündel mit den Kleidern auf ihren Schoß, um nur den richtigen Moment abzuwarten.
Athos starrte Tzara verblüfft an. Sprach dann aber abgeklärt wie immer. "Die Viere mit euch, eure Eminenz." Auch Brutha tat jenes und verbeugte sich vor
ihr, aber Tzara schien verloren, verloren in den Gedanken und nur auf Athos konzentriert. Nur beiläufig nickte sie Brutha zu.
"Kann ich euch helfen, Eminenz?", sprach er langsam weiter.
"Ich ersuche ein Gespräch mit euch Sir, unter vier Augen, wäre jenes möglich?"
Er nickte nur leicht und sagte, "Natürlich, Eminenz. Nur einen Moment bitte, ich bin sofort wieder da."
Ohne Widerworte nickte sie nur stumm und folgte Athos und Brutha in den Hof der Burg. Dort verharrte sie Minuten, die ihr wie Stunden vorkommen mochten.
"Was soll ich sagen, was soll ich tun....?", sie wirkte immer panischer. Sie wippte ungeduldig mit den Füßen und trat von einen auf das andere Bein. Sie wartete ohne einen festen Blick, eher mit ihren Gedanken beschäftigt, dachte an die Zeit vor wenigen Tagen, als sie zusammen waren. Alleine!
Und die ganze Nacht miteinander redeten.
Athos kam nach einiger Zeit wieder zurück. Sie schaute ihn mit ihren hellblauen Augen an, total in seinen verloren.
"Nun werte Eminenz, wie kann ich euch behilflich sein?"
Sie schluckte leicht und verlor vollendendes den Faden. "Ääääähm....", sie schweifte schnell mit ihrem Blick umher, "ich wollte euch fragen, wie euch
die Kleider gefallen." Im nächsten Moment dachte sie, wie stumpfsinnig diese Frage war. Jenes würde niemals erklären, warum sie vom Tempel zum Schieferhorst ritt.
Sichtlich verwirrt sprach er, "Ich hab sie noch nicht anprobiert." Sie nickte nur leicht. War das schon alles ? Sie rang nach Worten, um nicht wieder gehen zu müssen.
"Habt ihr heute abend schon gespeist, Sire?", sie schien sichtlich überraschter über ihre Worte als Athos. Nun schien er für einen Moment mit den Worten zu ringen, scheinbar hatten ihre Worte ihn in irgendeiner Weise getroffen.
"Nein eure Eminenz," sprach er dann erst etwas zögerlich, dann jedoch mit schiefem lächeln, "soll das... etwa eine Einladung sein?"
Sie senkte schnell ihren Kopf und nickte wie ein Kind, doch bevor sie etwas sagen konnte, rief jemand am Tor.
"Es ist jemand verletzt, wir brauchen Hilfe!"
"Nicht jetzt!", schreite sie innerlich. "Wieso gerade jetzt?"
Sie schritt schnell mit Athos hinaus zum Vorhof und sie erblickten an der Verwaltung einen schwer verletzten Knappen. Totales Chaos schien in jenem Moment auszubrechen, während sie ihn versuchte zu heilen. Das letzte was sie merkte, war das aus den Zellen unter der Verwaltung Rauch aufstieg.
Schnell versuchten sie aus der Verwaltung zu kommen und sie blickte Athos nach, wie jener mit Aspin, Brutha und einem Rekruten der Garde eine Pferdetränke heran schleppten. Sie schien aber wiederum nur Augen für Athos zu haben. Ihr Blick lag auf seinen Körper, wie jener angespannt, voller Athletik, die Tränke trug. Mit leichten wanken, geschwächt durch die Heilung
des Knappen stand sie vor der Verwaltung und hörte immer nur das Rufen in den Zellen, als die Vier dort unten das Feuer versuchten zu löschen.
Erstmals spürte sie, das ihre Angst grösser um Athos war, als für die anderen drei. Sie schien ihre Objektivität zu verlieren. Die Angst um alle Kinder Vitamas. Sie dachte nur an ihn und das ihm nichts geschehen möge.
Wie vor Angst erstarrt stand sie vor der Verwaltung und blickte zur Türe, hoffend das Athos raus käme. Die Tür glitt auf, und der Rauch strömte hinaus, eine Blaue Tunika mit dem Wappen der Ritter, sie trat schnell vor,
aber es war Aspin, fast wäre sie hingerannt, stattdessen stockte sie und blieb stehen, verharrte, bis sie zur Vernunft kam und zu dem schwer hustenden
Ritter ging. Minuten verstrichen, bis Athos mit den beiden anderen beiden Gardisten kam. Sie trugen eine schwer verbrannte Frau heraus, ihr Körper fast gänzlich entstellt von den Flammen.
Sie blickte erst zu Athos, verharrte mit dem Blick auf ihn, um zu sehen, ob es ihm gut ginge, erst dann widmete sie sich der verletzten Frau zu. Versuchte sie mit zitternden Händen zu heilen, aber sie war schwach.
Überanstrengt. Am Ende. Sie konnte ihr noch die nötige Kraft geben, um am Leben zu bleiben, aber selbst sackte sie zu Boden. Nach Luft hechelnd, keuchend. Für einen Moment waren alle Gedanken fort. Ihr Kopf klar, nicht bedrückend, keine Angst. Harmonie, die nur durch ihre lauten Atemgeräusche übertönt wurden.
Athos und Aspin traten schnell zu ihr, als sie mühsam versuchte sich zu erheben. Aber in jenem Moment wurde alles dunkel um sie. Totale Stille.
Sie spürte nur ihre Liebe.......
Zuletzt geändert von Said: 1.10.02, 19:16, insgesamt 1-mal geändert.
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