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Kapitel 1: Der Stosstrupp
Sein Gesicht verzog sich zu einer hasserfüllten Grimasse, als er auf die gestern erst errichteten Palisaden blickte.
Ein paar Dunkle hatten sich in der letzten Nacht angeschlichen und versucht sie niederzubrennen. Glücklicherweise hatten sich die Palisadenstämme voll Wasser gesogen und wollten so nicht recht Feuer fangen. Doch war dies ein Problem. "Wartet nur....", dachte sich der Hauptmann, "euch Gesindel wird man schon beizukommen wissen."
Er zitierte die Gefreite Leskadon zu sich, sie sollte sich jeden verfügbaren Arm schnappen und einen Graben anlegen, damit das dunkle Gesindel sich nichtmal in die Nähe der Palisaden schleichen konnte. Die Gefreite verstand und machte sich an die Erfüllung ihres Auftrages.
Dann zitierte er seine erfahrensten Mannschaftssoldaten zu sich. Es war einmal mehr an der Zeit, die Initiative an sich zu reissen und dem Feinde einen Besuch abzustatten. In der Stille der Lagerhütte wies er sie in den Auftrag ein. Ein Spähtrupp nach Süden entlang der Murmelrinne sollte mögliche Übergangsmöglichkeiten und Feindstärken sowie Feindbewegungen aufklären. Mit etwas Glück, dachte der Hauptmann, würde es sogar gelingen einen oder zwei Gefangene zu nehmen. Sie traten vor das Tor und rüsteten sich zu ihrem Stoßtruppunternehmen. Die Gefreite Leskadon führte den Trupp Rekruten mit geschulterten Schaufeln und Spaten im Gleichschritt hinaus zu den befohlenen Schanzarbeiten. Befriedigt nickte der Hauptmann zu sich; die Rekruten spurten und die Gefreite war auf Zack.... sie würden allesamt zuverlässig arbeiten. Mittlerweile waren sie bereit zum losschlagen und sie marschierten nach Süden in den Wald auf den Feind zu.
Sie waren noch nicht weit gekommen sich durch das Unterholz zu schlagen, als sie schon ein Röcheln hörten, als sich das Gebüsch teilte, sahen sie eine gerüstete Gestalt stöhnend auf dem Boden liegen. Die Gefreite Inetra rief gleich etwas von einem Verwundeten, dem man helfen müsse. Doch das Herz des Hauptmanns war um soviel kälter in der letzen Zeit geworden. Er rechnete nur noch. Würden sie sich jetzt mit einem verwundeten Narren, der zu unvorsichtig war herumschlagen, würden sie ihren Auftrag niemals ausführen können. Es galt, weiterzumarschieren - Bedenken seiner Untergebenen gegen diesen Schritt wischte er in militärischer Tradition beiseite und befahl den Weitermarsch entlang des Bachbettes. Sie liessen die Gestalt liegen und schwenkten nach Süden. Der Hauptmann ging zuletzt daher bemerkte er das Geraschel hinter sich und hielt inne. "Sollte der augenscheinlich Verwundete nur eine Finte gewesen sein?", dachte er bei sich, als aus dem Gebüsch von drei Seiten Gestalten auf ihn und seinen völlig überraschten Trupp zugestürmt kamen - er sah, wie der Obergefreite Collier einen Dolch in die Seite gestossen bekam und zusammensackte, Inetra wurde von hinten von einem schlürfenden Zombie attakiert und ein weiterer Untoter drang auf den Obergefreiten Ewendor Leonidas ein - ehe er es sich versah befand er sich im dichtesten Getümmel.
Die Klingen des Hauptmanns und des Ketzers, der Collier zu Fall gebracht hatte kreuzten sich unter hellem Klang in schneller Folge - Parade folge auf Hieb - Hieb auf Parade, der Hauptmann fühlte wieder den Kitzel des Duells und heisser Zorn über diesen niederträchtigen Hinterhalt wallte in ihm auf. Der Ketzer duckte sich an ihm vorbei und versuchte Inetra in den Rücken zu fallen - doch der Hauptmann setzte nach und bohrte ihm das Schwert tief in die Seite, er sah den Stich wohl nicht einmal kommen. Anderorts sah es nicht so gut aus, die Zombies traktierten Inetra, Jared Collier erhob sich gerade wieder doch Ewendor drohte unter der Bedrängnis eines weiteren Untoten zusammenzubrechen. Auf den Hauptmann wankte ein kopfloser Körper zu....den Kopf hielt der Körper in der Hand und schlud damit um sich. Obwohl der Hauptmann kein ungebranntes Kind mehr war, musste der doch vor Grauen die Augen schliessen - doch hielt noch seinen Schild rechtzeitig hoch, als der irrsinnig lachende Kopf gegen ihn geschmettert wurde. Der Körper bewegte sich fast nur mechanisch, es war ein leichtes zahlreiche Hiebe und Stiche anzubringen doch der Körper bewegte sich immer weiter schlagend und erst ein starker Stoss mit dem Schild vermochte ihn zu Fall zu bringen. Doch selbst am Boden liegend griffen seine blassen Hände nach den Steifeln des Hauptmanns, der daraufhin wie wahnsinnig vor Angst und Grauen nur noch blindwütig auf den bösartig kichernden eintrat, einschlug und einhackte, bis der Untote anfing sich in seine einzelnen Glieder auflöste...sein Brustkorb brach auseinander und dann sah der Hauptmann, was er davor noch nie erlebt hatte. Aus der Brust des Untoten brach eine Krähe hervor und erhob sich krächzend in den Himmel, während der Glanz in den Augen des Zombies entgültig erlosch. Er blickte sich erneut um. Ewendor rappelte sich wieder im Gebüsch auf, Jared und Inetra waren nirgends zu sehen. Dafür war der Geweihte Jonar eingetroffen, eine Frau der Tempelwache wie eine Schmeißfliege in seiner Nähe. Der Geweihte stürtzte sich in heiligem Zorn auf den anscheinend letzten Untoten, doch der Hauptmann trat zu dem verwundeten Ketzer, der sich mittlerweile an einen Baumstamm geschleppt hatte. Der Ketzer riss beim Anblick des Hauptmanns einen Dolch aus dem Stiefel und machte Anstalten ihn sich in die Brust zu stossen, um seinem ketzerischen Dasein ein Ende zu setzen, doch verhinderte dies der Hauptmann mit einem Schwertstreich gegen den ketzerischen Waffenarm - er brüllte vor Schmerz auf, als die Klinge in seinen Arm schnitt und liess den Dolch in hohem Bogen fallen. Der Hauptmann riss ihn empor und brüllte nach den Obergefreiten, die sich verletzt anschleppten - sie würden den ketzerischen Kämpfer zum Fort zurückschaffen - es war ohnehin nicht weit. Die waren bald darauf im dichten grün verschwunden.
Der Hauptmann stellte sich abseits des Geweihten zwischen zwei Bäume um das letzte Duell zu beobachten, als er aus den Augenwinkeln einen weiteren Menschen aus der Richtung des Feindes kommend entdeckte. Der Mann blickte kurz zu dem Duell, zuckte dann mit Desinteresse mit seinen Schultern und wollte sich von dannen schleichen - weiter auf das Fort zu. "Na warte - Bürschchen", dachte der Hauptmann, "solche Sparenzchen machst Du nicht...." er stellte sich dem Schleicher in den Weg. Wer er sei, woher er komme und was er hier zu suchen habe? Der andere stammelte etwas von Äpfelpflücken und einem ruhigen Spaziergang.....mitten im Feindgebiet? Und ohne Rüstung? Unbeeindruckt vom Kampfe? Inetra tauchte aus dem Hintergrund wieder auf - der Hauptmann war sich sicher - das musste auch ein Verräter sein! Der Befehl lautete Fesseln und ab ins Fort mit ihm zum Verhör - das übliche Gejammer von beteuerter Unschuld und naiver Gutgläubigkeit kannte der Hauptmann in und auswendig..... sie alle waren unschuldig, bis die reinigenden Flammen an ihren verdammten Körpern zehren würden. Abführen! Inetra verstand ihr Handwerk - schnell war er gebunden und sie schleppte ihn wie einen eingefangenen Esel hinter sich in Richtung Fort her. Der Hauptmann folgte ihnen - der Geweihte hatte ohnehin gerade seinen Gegner umgehauen - es gab hier nicht mehr für sie zu tun und zwei eingefangene Feinde an einem Tag waren gar nicht schlecht, auch wenn sie nicht soweit gekommen waren, wie es der Hauptmann geplant hatte. Zudem brach gerade der Dunkelzyklus herein und es war Zeit, wieder in das Fort zu kommen. Das Gejammer des Gefangenen mit ein paar Tritten unterbrechend zogen sie sich alle zurück.
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