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Gedankenverloren ins Leere blickend saß der Elf auf dem Rand des kleinen Beetes vor der Bibliothek des Ordo Astraeli. Der flackernde Schein der Straßenlaterne lockte Motten an und ließ sie im Feuer verbrennen, doch an diesem Abend schenkte der Elf dem bizarren Sterben keine Aufmerksamkeit.
Neben ihm im Beet lugte eine zarte, blaue Blume aus der Erde, im schlechten Licht kaum von anderen Blüten zu unterscheiden.
Der Elf hatte eine einfache Laute auf seinen Schoß gelegt, zupfte an den Saiten und lächelte. Wie an jedem Abend sang er für die kleine, blaue Blüte im Beet, die vielleicht Wurzeln hatte und vielleicht nicht. Die Melodie an diesem Abend klang in ihrer Einfachheit wehmütig. Der Elf war kein großer Sänger.
So kann das Leben Fäden weben, Unschuldsweiß und blutigrot, Ist ein Nehmen und ein Geben, Strebt hin zum einen, letzten Tod.
Mit der Geburt beginnt das Sterben, Ich muss sterben um zu leben, Doch muss ich töten um zu werden? Wieso muss ich die Fäden weben?
Als wär’ zu sein eine Schuld, Von den Göttern aufgeladen, Um sie zu tragen mit Geduld, Ohne unser Leid zu klagen.
So bin ich hier und stehe frei, Unschuldig-schuldig, blutrot-rein, Fürs Leben, das nur ein Faden sei, Im großen Netz bin ich allein.
Der Elf lächelte verträumt und verneigte sich im Sitzen vor der blauen Blüte.
„Das war eine Lektion über das, was dir erspart bliebe, wenn du nicht sein wolltest und keine Wurzeln hättest, Feenwiege“, sprach er leise zu ihr. Trotz allem schien er nicht traurig, eher im Gegenteil: Das Lächeln des Elfen wirkte friedlich.
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