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 Betreff des Beitrags: Gedanken
BeitragVerfasst: 3.10.03, 15:45 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 26.09.03, 07:11
Beiträge: 16
Es war mittlerweile dunkel geworden und der Wind strich über die kleine Landzunge hinweg. Unter den Sternen sass im Schein des Feuers die rothaarige Gauklerin und wollte so gar nicht fröhlich scheinen. Carla blickte auf ihre noch immer geschwollenen Handgelenke hinab, seufzte leise und blickte dann wieder über die brennenden Scheite hinweg auf das Meer hinaus. Sie war alleine am Feuer und entgegen ihrer Art fühlte sie sich auch so. Es war nicht nur, dass Tanja nicht bei ihr war oder sie fern der Stadt in der Wildnis sass. Das alles hätte sie längst nicht so bedrücken können. Vielmehr grübelte sie über das nach, was sie in den letzten Tagen erlebt hatte.

Heute mittag hatte sie noch vergnügt mit Tanja im Fluss getollt und das Versprechen, Elodia für sie zu suchen und mit ihr zu sprechen hinderte keine der beiden Frauen ausgelassen und fröhlich zu sein. Da war Elodia auch noch weit weg gewesen und Carla hatte sich keine Gedanken darüber gemacht, was sie ihr sagen wollte. Das würde Zeit haben, dachte sie, das würde sie sich auf der Reise einfallen lassen. Doch nun war Elodia zu ihr gekommen, hatte mit ihr an einem Tisch gesessen und sie hatten geredet.

Abermals blickte Carla hinaus auf das Meer und seufzte. Das Gespräch war lang und sehr verwirrend gewesen. Es zeigte ihr deutlich, dass die Schmerzen, die sie in den letzten Tagen in ihren Handgelenken gespürt hatte, nichts bedeuteten im Vergleich zu den Schmerzen, die Tanja in den nächsten Tagen und Wochen haben würde. Carla verzog das Gesicht und fühlte den Schwall heisser Tränen der hinter ihren Augen nur darauf warte hervorbrechen zu können.

Gib ihr die Stärke und die Stütze, die ich ihr hätte geben sollen. So hatte Elodia sie gebeten und Carla biss hart die Zähne aufeinander. Sie fühlte, wie ihre Hände zu zittern begannen und blickte stumm aufs Meer hinaus. Papa fehlte ihr. Er hatte ihr immer wenn sie nicht mehr weiterwusste geholfen und hatte oft den Kopf und den Rücken für sie hingehalten, wenn sie wieder einmal etwas ausgefressen hatten. Er fehlte ihr.

Sie hob den Kopf und blickte zu den Sternen. Nur verschwommen nahm sie den Glanz der kleinen Lichter durch die tränengefüllten Augen wahr. Kaum war ihre Stimme zu hören als sie leise zu beten begann.

Papa, wo immer du auch sein magst, bitte sei bei mir.
Ihr Götter, wo immer ihr auch sein mögt, leiht mir die Wärme, dass ich sie Elodia schenken kann.
Ihr Götter, wo immer ihr auch sein mögt, leiht mir von euerer Stärke, dass ich Tanja die Stütze bin die sie braucht.
Ihr Götter, wo immer ihr auch sein mögt, leiht mir euere Weisheit, dass ich meinen Mund zur rechten Zeit schliesse.
Ihr Götter, wo immer ihr auch sein mögt, leiht mir euere Zuversicht, dass ich nicht verzage wenn sie mich brauchen.
Ihr Götter, wo immer ihr auch sein mögt, leiht mir von euerer Kraft, dass ich bereit bin den nächsten Schritt zu gehen.

Lange sass sie nach diesen leisen Worten still und ruhig auf dem Baumstamm und nur das pfeifen des Windes und das knacken der brennenden Scheite war zu hören. Dann jedoch schluckte sie und begann leise für Elodia zu singen.


Draussen, weit weg von hier, liegt noch ein Teil von dir.
Fern, so weit weg von hier, will er zurück zu dir.
Kannst ihn nicht sehen, willst nicht verstehen,
wie konntest du diesen Schritt nur gehen?

Ich habe den Schlag deines Herzens gespürt,
hört deine Worte, von Eis geziert,
tief in dir drin hab ich ihn geseheh,
der Schimmer der Hoffnung darf nie vergehen.

Draussen, weit weg von hier, liegt noch ein Teil von dir.
Fern, so weit weg von hier, will er zurück zu dir.
Kannst ihn nicht sehen, willst nicht verstehen,
wie konntest du diesen Schritt nur gehen?

Du hast sie vergesen, welch böser Scherz
Trauer und Stille fluten dein Herz
ihr fröhliches Lachen machte dich reich,
sie zu vergessen kommt dem Tode gleich.

Draussen, weit weg von hier, liegt noch ein Teil von dir.
Fern, so weit weg von hier, will er zurück zu dir.
Kannst ihn nicht sehen, willst nicht verstehen,
wie konntest du diesen Schritt nur gehen?

Du warst auf der Suche, hast es gefunden
hast dich an das was du glaubtest gebunden.
Nun willst du zurück, ich wünsche dir Glück
lass uns gemeinsam gehn, seis nur ein Stück.

Draussen, weit weg von hier, liegt noch ein Teil von dir.
Fern, so weit weg von hier, will er zurück zu dir.
Kannst ihn nicht sehen, willst nicht verstehen,
wie konntest du diesen Schritt nur gehen?

Draussen, weit weg von hier, liegt noch ein Teil von dir.
Ich heb ihn für dich auf, trag ihn zurück zu dir.
Dann kannst du sehn, wirst es verstehn,
ich will den Schritt für dich zurückgehn.



Leise klangen die Worte aus und die Gauklerin senkte den Blick. Sie würde in den nächsten Tagen und Wochen stark sein müssen. Doch jetzt konnte sie noch schwach sein und sie liess den Tränen freien Lauf.


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BeitragVerfasst: 4.10.03, 14:23 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 26.09.03, 07:11
Beiträge: 16
Zitternd und mit zugehaltenen Ohren sass Carla auf dem Küchenboden der roten Seeschlange. Sie konnte es nicht mehr anhörtn, all die Worte über den nächsten Morsan und das was geschehen könnte - was geschehen würde. Die harten Worte darüber. dass man beizeiten die Felder hätte bestellen sollen und dass es nun dafür zu spät war. Lange sass sie so in der Küche und achtete nicht auf das Klopfen an der Türe. Sie wollte jetzt alleine sein. Nein, sie wollte nicht alleine sein, nur die verletzenden Worte aussperren.

Irgendwann im nächsten Dunkelzyklus stand sie wieder vom Küchenboden auf. Der Schankraum war leer und nur von oben drang ruhiger Atem und gelegentlich ein Schnarchgeräusch. Leise und vorsichtig huschte sie am mahnenden Pranger vorbei zum Tempel der Viere. Sie musste mit jemandem reden der in seinen Worten auch Wärme und Liebe trug und diese ihr auch geben konnte. Sie fühlte sich leer und ausgebrannt wie noch nie in ihrem Leben. Die Gespräche mit Elodia zehrten immer mehr von ihrer eigenen Wärme auf und auch wenn diese ihre grösste Sorge zerstreut hatte, so brauchte sie nun selbst Wärme und Geborgenheit.

Ihr Hand umfasste zögerlich den Griff der Türe und als sie die Türe öffnete spürte sie das Ziehen in ihrem Handgelenk. Besser waren sie in den letzten Tagen geworden aber es fehlte noch viel um wieder die Saiten der Harfe anstimmen zu können. Vorsichtig und suchend blickte sie in den Tempel hinein und zig die Türe hinter sich wieder zu. Niemand war hier, keine Rianna und auch sonst niemanden. Für einen Augenblick dachte sie daran, wieder zu gehen. Doch dann besann sie sich und setzte sich auf die erste Bank. Einige Minuten wartete sie still doch als niemand kam begannen sich ihre Lippen zu bewegen.

Vitama ich bin hier du Gütige der Vier. Nimm mich in deinen Arm und halte mich warm.

Und sie wartete...


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BeitragVerfasst: 4.10.03, 17:05 
Edelbürger
Edelbürger
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Zusammen gekauert lag Elodia auf dem Boden des oberen Geschosses der Taverne, eingewickelt in den Umhang, den Kopf auf den Rucksack gebettet und die Reihen der Schlafenden musternd. Sie hörte Schritte, kaum mehr als ein Schlurfen von unten, dann wurde die Tür geöffnet und fiel wieder zu. Langsam schloß sie die Augen, nur um sie noch langsamer wieder zu öffnen. Unten war nur noch eine Frau. Sie wußte wo sie hin wollte.
Vielleicht war es ganz gut. An den zwei Tagen hier hatte sie viel gelernt, das sie vergessen hatte, aber es hatte seinen Preis, aber nicht sie zahlte diesen. Sie fühlte sich wie eine Vampirin der Mythen, an die sie nicht glaubte. Es waren Geschichten, teilweise handelten sie von Dämonen, meist aber nur von Männern und Frauen wie sie eine war. Sie trank kein Blut, es war etwas anderes, sie saugte nicht die Körper ihrer Opfer aus, sondern den Geist und die Gefühle, labte sich daran und erstarkte, während ihre Opfer schwächelten. Sie sollte sich daran machen, ihn wieder zu füllen, sonst würde nur eine leere Hülle zurück bleiben.
Sie dachte an das Gespräch mit Gallagher. Ja, sie war noch immer so bösartig wie eh und je. Schmunzelnd dachte sie an den alten Mann von vor drei Tagen. Ihr gefiel die Erinnerung an diesen Mann, in seinem Alter jenseits von gut und böse. Schöpfung ohne Reue, Zerstörung ohne Sinn. Vielleicht sollte sie ihm einen Einblick in ihre Welt gestatten. Irgendwie mochte sie es, wenn jemand, der diese Welt nicht kannte, über eben diese urteilte.
Sie dachte wieder an Carla. Wie sie, Elodia, einer ihrer Fragen ausgewichen war ohne ihr aus zu weichen und wie Carla meinte, daß sie froh sei, daß sie, Elodia, eine von den guten wäre. Arme kleine Gauklerin, gefangen an lieblosem Ort und nun noch gestraft mit einer Vampirin. Sie sollte sie einen Tag in Ruhe lassen, sie würde die Ruhe, die Sorglosigkeit dieses Tages brauchen um durch zu atmen. Sie dachte an den Ort, an dem Carla jetzt war und schauderte. Sie selbst war früher auch oft dort gewesen und noch immer schmerzten die Gedanken daran, wie es sie ausgelaugt hatte.
Unwillkürlich bewegten sich ihre Lippen, Trauer, aber auch Zorn überkamen sie. Lieder waren schon immer ihre Art gewesen, Gefühle zu verarbeiten, die zu stark für sie waren. Leise, ganz leise, um die Schlafenden nicht zu stören, begann sie zu singen, traurig ihre Stimme, ihre Art, Bitterkeit zu verarbeiten.

Die Verzweifelung, um die sie innigst sich bemühten,
Das Netz, das seit Ewigkeiten gewoben...
Der Hohn ward ihrer und ihre Opfer gebrochene Blüten,
Das Wesen zerstört, was gut war ward verdorben.

Verführer, wenn die Hoffnung jäh erstarb.
Verführer, wenn es nichts mehr zu verlieren gab.
Verführer, die Heerschar der Geblendeten hinter sich.
Verführer, wandelnd auf dem Weg voran ins Licht.
Verführer, Verführer!

Nein, sie sind Dir nicht wohl gesonnen noch gut gewillt,
Ihr Wille ist ein Schwert, das knechtet und richtet.
Oh Fluch, daß kein Opfer ihren Hunger stillt,
Daß was immer sie berühren, ist vernichtet.

Verführer, wenn die Hoffnung jäh erstarb.
Verführer, wenn es nichts mehr zu verlieren gab.
Verführer, die Heerschar der Geblendeten hinter sich.
Verführer, wandelnd auf dem Weg voran ins Licht.
Verführer, Verführer!

Nach neuen Opfern gierend greift die Hand,
Zu neuer Werbung schminkt die Hure sich,
Schleichend als Wolf im Schafsgewand,
Schaudere, fürchte sie, doch erhöre sie nicht.

Verführer, wenn die Hoffnung jäh erstarb.
Verführer, wenn es nichts mehr zu verlieren gab.
Verführer, die Heerschar der Geblendeten hinter sich.
Verführer, wandelnd auf dem Weg voran ins Licht.
Verführer, Verführer!


Tief atmete Elodia durch. Das war notwendig gewesen. Sie fühlte die Ruhe zurück kehren, erst in der Taverne, dann in ihr. Ruhe. Sie brauchte Schlaf. Langsam schloß sie die Augen.


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