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Es war ein schöner Tag im Carmar. Zumindest der Vormittag, der aus dem dichten und niederschreiben einiger Zeilen für ihr neues Lied vorbeiging. Den Mittag verbrachte sie zusammen mit ihrer Freundin beim Scherzen und lustigen Streichen ausheckend. Einem ansehnlichen Holzfäller hätten die Beiden doch tatsächlich mit ihren Streichen um Hemd und Hose gebracht. Aber so doll wollten sie es gen Ende dann doch nicht treiben.
Auch der Abend begann so, wie es ein Abend sollte. Zusammen mit ihrer Freundin und knapp einer Handvoll Gästen sass sie Harfespielend und singend in der 'roten Seeschlange' und wusste noch nicht, dass sie bald von dem 'ehrenwerten Orden des Falken' mit Milch übergossen, beleidigt, gedemütigt, im Fluss gefoltert und danach in den Pranger geworfen würde. Nun, es würde ein interessanter Abend werden.
Carla hatte eben erst die letzte am Mittag niedergeschriebene Strophe ihres 'Liedes für Calin' gesungen und blickte verlegen ob der unvollendeten Zeilen in die Gesichter der dennoch klatschenden Gäste als die Türe aufschwang und eine Frau in Uniform die gemütliche Runde betrat, quer durch den Raum stiefelte und sich in ihrer Eleganz auf einen der Hocker an dem Tresen plumpsen liess.
Laut verlangte die nach der Wirtin und so erhob sich Carla und legte die Harfe bei Seite um die Uniformierte zu bedienen. 'Met!' verlangte diese und Carla konnte in ihrer dennoch guten Laune nur grinsen. Es war Krieg und so gab es weder Met noch Bier noch Wein noch Klaren noch Whiskey noch Bärenbrand in der Taverne. Wahrscheinlich sah es in den Lagern der Ordensschaften und Ritter anders aus, doch das einfache Volk war nunmal vom Krieg betroffen. So lächelte sie nur und meinte, dass sie ihr Milch ausschenken könne.
Knurrig brummend und laut werdend begann die verwöhnte Falkenschwester zu zetern, dass es nicht sein könne, dass ein ordentliches Haus keinen Met oder Bier ausschenken würde. Doch soweit, dass Carla ihr erklären konnte, dass die Grubenbuddler allen Hopfen aufgekauft hatten, liess die fauchende Frau es gar nicht kommen. Kaum dass sie ihr Glas Milch in den Händen hielt, schüttete sie es der nicht wenig verdutzten Schankmaid über die Kleidung.
Nun gut, so etwas mag kein Orken des öfteren vorkommen, doch Carla war nicht wenig überrascht, wie sehr der Umgang mit den Grünhäuten auf den 'ehrenwerten Orden des Falken' abgefärbt hatte. Dennoch blieb sie ruhig und strich nur lächelnd das Geld vom Tresen. Zumindest war das Glas bezahlt gewesen und sie hatte in ihrer Tasche genug Kleidung um sicher ein gutes dutzend Milchgläser zu verschütten. Doch als ob die 'Dame' noch nicht genug Unheil gestiftet hätte für diesen Abend wuchtete sie ihren 'ehrenwerten' Arsch vom Hocker und stieg hinter den Tresen.
Und wohl nur der EINE kann sagen, wo sie das Glas Bier hergehext hatte, welches sie dann einer anderen Frau vor die Füsse kippte. Doch was genau vorgefallen war konnte Carla sich nur ausmalen, denn sie war in der Zwischenzeit in der Küche gewesen und hatte die milchbesudelten Kleider gegen frische gewechselt. Jedenfalls konnte dank eines jungen Herren und seiner tatkräftigen Hilfe schlimmeres erst einmal abgewandt werden und die 'ehrenwerte' Trollin vom Stamme des Falken verliess die Taverne. Nachdem nun das Ferkel endlich gegangen war, spendierte Carla den übrigen Gästen - es waren ohnehin nur noch zwei eine Runde Most und trank selbst mit. Es hätte dennoch ein schöner Abend werden können.
Zumindest bis die Türe aufschwang und die 'Ehrenwerte' mit zwei ihrer Brüdern hineinpolterte und sich die Hände in die Hüfte schwingend postierte. Ihre Brüder stellten sich neben sie und verlangten in einem Ton, der sich zwischen dem Gezirpe einer Grille und dem Grollen des Donners befinden mochte, dass man sich an seiner 'ehrenwerten' Knappin entschuldigte. Lächelnd stand Carla auf, postierte sich seinerseits vor dem Manne mit dem papageienfarbenen Brustgefieder und sprach eben jenes Wort aus. Nickend bestätigte der 'Ehrenwerte des Falkenordens' ihr dies, doch als sie selbst für die bekleckerte Kleidung eine Entschuldigung einforderte, so bekam sie von der 'ehrenwerten' Dame nur Beleidigungen und freche Worte an den Kopf geworfen. Ein Grinsen schob sich auf Carlas Lippen, denn sie hatte sich schon längst ein Bild der Frau gemacht. Klein war das Bild, verschrumpelt und auf dem Bild mochte die 'ehrenwerte' Frau des Falkenordens mehr wie eine kleine verschrumpelte Kartoffel mit Augen aussehen als das getroffene Mädchen, welches ihr Beleidigungen an den Kopf warf.
Dann wandte sich die 'Ehrenwerte' um und verliess die Taverne wieder und als Carla sah, dass sie auch wieder Gäste zu versorgen hatte, wandte sie sich ebenfalls um und ging zu dem grossen Mann, der am Tresen Platz genommen hatte. Doch bevor sie ihn bedienen konnte, stand der 'ehrenwerte' Herr Laurec Liewellyen hinter ihr und ergriff hart ihren Arm. Gelinde gesagt war Carla verdutzt ob der Behandlung wo doch die Entschuldigung ausgesprochen war und sie sich um die Gäste und um die Sauerei, welche die 'ehrenwerte' Frau hier hinterlassen hatte kümmern musste.
Doch Laurec liess nicht locker und keine zwei Minuten später sass sie mit ihrer Freundin im Pranger ohne eine Ahnung zu haben, was sie denn nun schon wieder angestellt haben sollte. Doch der EINE mochte schon wissen, was in den Köpfen der Männer und Frauen des 'ehrenwerten Ordens des Falken' vorging, denn nach einer kurzen Unterredung wurde sie gefesselt aus dem Pranger gezerrt und zum Fluss hinunter gezerrt. Böses ahnte sie schon, als man sie durch die Stadt zerrte und so wandte sie ihre Gedanken an die Götter, dass sie dem Treiben Einhalt gebieten würden. Doch als sie an den Händen gefesselt von den Dreien über die Brüstung der Brücke gehievt wurde, wusste sie, dass die Götter ihr hier kaum helfen konnten.
Das Seil riss an ihren Gelenken als sie zur Hälfte in das eisigkalte Wasser eintauchte, schnitt ihr tief in das Fleisch und der Schmerz durchzuckte ihren ganzen Körper. Doch trotzig wie sie war, biss sie die Zähne zusammen und strampelte so gut es ging in der kalten und von Unrat durchzogenen Brühe. Von oben hörte sie das Lachen doch sie konnte kaum noch antworten. Vor Schmerz tanzten ihr Sterne vor den Augen und das Wasser unter ihr schien sie ebenso quälen zu wollen wie die Drei vom 'ehrenwerten Orden des Falken'.
Carla wusste nicht, wie lange sie so gehangen hatte, doch es musste eine Ewigkeit gewesen sein. Als sie mehr als unsanft wieder nach oben gerissen wurde hatten sie ihre Kräfte fast gänzlich verlassen und sie plumpste wie ein nasser Sack auf das harte Holz der Brücke. Zittern und frierend lag sie nun dort, nicht fähig ihre Hände zu spüren und zu bestimmen, was ihr mehr weh tat. Die Gewissheit, dass die Viere ihren Blick von den Dreien abgewandt haben mussten oder ihr eigener geschundener Körper.
Doch Herr Laurec Liewellyen vom 'ehrenwerten Orden des Falken' liess ihr keine Zeit um zu Kräften zu kommen. Unbarmherzig zog und zerrte er an dem Seil und schleifte Carla erst über die Brücke um sie mit einem kräftigen Ruck die Stufen hinunterzureissen. Blitze schienen durch ihre Gelenke und die Arme hinauf zu zucken und liessen Carla immer wieder kurz das Bewusstsein verliereun um sie dann schmerzlich wieder in diese vom Krieg zerfressene Wirklichkeit zu holen. Carla konnte nicht sagen, wie lange sie der 'ehrenwerte' Laurec sie so durch die Strassen zerrte, doch irgendwann fühlte sie, wie das unbarmherzige zerren und ziehen aufhörte und sie angehoben wurde. Ihr Kopf sank nach hinten und abermals umfing sie die gnädige Bewusstlosigkeit.
Durchnässt, zitternd und in den durch das Schleifen vollkommen zerschundenen Kleidern legte man sie zurück in den Pranger wo sie ihre Strafe absitzen sollte. Nur schwach fühlte sie ihren Körper, der an allen Stellen zu brennen schien. Doch als sie die fürsorgliche Stimme der anderen Frau hörte und spürte, die sie sich um sie sorgte, da wusste sie, dass zumindest Vitama ihre Hand noch immer schützend über sie hielt und dass alles gut werden würde. Zitternd lag sie in den Armen der anderen Frau und trotz der Schmerzen zierte ein Lächeln ihre Lippen.
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