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 Betreff des Beitrags: Todesfuge
BeitragVerfasst: 17.10.03, 11:38 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 24.05.03, 20:22
Beiträge: 8
Sawa starrte zur Decke. Durch eines der vielen Fenster fielen Sonnenstrahlen genau in ihre graublauen Augen und brachten so ein wässriges Kobalt und Violett ins Spiel. Der ganze kleine Körper der Frau war verkrampft, vom Leben gewichen und der Ausdruck zeugte von keiner Ruhe, keinem Frieden. Nur ein Zerrnis dessen was es einst war.
Die kurzen Kordellsträhnen strichen über ihre Wangen oder dem Platz wo einst diese sonst so mädchenhaft zarte Haut von ihren rosigen Wangen sang.
Das Gesicht hatte an vielen Stellen etliche kleine und größere rote Flecken und hier und dort blieben ihr auch einige Blasen von den Verbrennungen der Vergangenheit. Ein Künstler hätte gar in diesem Moment jene Flecken als ein Geflecht, ein in sich gekehrtes Bild, intepretiert, doch hier war kein Künstler, hier war auch kein anderer Mensch und es war auch keine Kunst.
So lag sie dort in den Ruinen allein, von den Lebenden verspottet und in ihrem Unwissen zurückgelassen. Sie wollte so viel wissen und erfuhr nichts.
Einzig war ihr eine naive Liebe, ihr leidenschaftsvolles Herz geblieben und sie nährte es mit ihrem fanatischem Glauben, doch auch das sollte nicht genügen.

Wie an jedem Morgen stand sie auf und begab sich zu den Ruinen von Brockental. Sie erzählten eine Geschichten, sie hatten eine Vergangenheit und wie sehr beneidete der kleine Blondschopf diese alten Steine, dessen Ruhe sogar die vielen schlürfenden Schritte der Untoten nicht zerstören konnte.
Sie labte sich in Verzückung an diesen kurzen Morgenstunden, denen der Tau der vielen wuchernden Pflanzen kostbare Wassertropfen abgewann und sie zu einem diamantischen Glänzen brachte. Voller Zufriedenheit saß sie hier und betete. Betete für ihre Geschwister auf das auch an diesem Tag sie reichliches Glück bescherte. Denn das Glück, so glaubte sie fest, war etwas wildes und unbendiges, sodass man es mit aller Kraft festhalten musste.

Sie legte ihre zierlichen Finger ineinander und senkte den Kopf.
Genau in diesem Moment erinnerte sie sich an ihre Freundin, die sie so sehr liebte, dass es ihr schwer viel jener nicht um den Hals zu fallen und sie mit tausenden Küssen willkommen zu heißen, wenn sie in die kleine Festung kam um nach dem Rechten zu sehen. Wie sehr wollte sie sie einmal in einen Kleid sehen, mit ihr Wein trinken und einfach nur Lachen - Man musste die Etikette wahren.
Ja, die Etikette, das Benehmen, wie sehr pflegte ihre Freundin es. Sie war stark und sie kannte Sawa von Früher, bevor das alles geschah, bevor man sie zumauerte und mit aller Kaft davon abhalten wollte an an dem Vergessenem zu rütteln, sie in das Jetzige bunkerte und sie mit freien Zukunftsvisonen voller starken Zusammenhaltes lockte.
Doch Sawa war zu schwach. Sie brauchte immer jemanden, der sie schütze, hoffte auf den Beschützerinstinkt, der in Menschen wach wird, wenn sie ein kleines Neugeborenes sehen. Nun musste sie mit Bitterheit feststellen, dass sie kein Kind mehr war und dass sie wahre Verantwortung tragen musste. Sie fühlte sich nicht bereit und hoffte verzweifelt, dass ihre Freundin ihr helfen würde und könnte. Ihr erstes Gebet war stets an Talisha.

Erst jetzt schien der Tag aufzublühen, die Geräusche der Skelette ließ sie vollkommen ausser Acht und konzentrierte sich nur an die Bilder in ihrem Kopf. Stets sah sie die Personen an die sie dachte in einer solchen Präzision, dass es wie ein mit viel Sorgfalt gepinseltes Gemälde erschien als ein wages Bild der Wirklichkeit. Sie schienen aufgefangen in einem bestimmten Moment und meist war dieser lieblich und von wahrer Freude. Solch tiefster Freude, die sie auch für ihren Sohn empfand und so betete sie nun für ihn. Aus purem Egoismus schien es ihr, dass sie betete, er würde seinen Weg unter den Lebenden finden, den sie so vergebens gesucht hatte. Denn sie wünschte ihm Freundschaft, jemanden, der sich um ihn kümmern konnte in der Zeit, wo sie nicht bei ihm war. Sie wusste zwar, dass der Herr stets schützend seine Hand über sie hielt, doch ein innerer Missmut umfing sie stets, wenn sie wiedermalig etwas falsch machte. Fehler ließen sie straucheln und mir ihr ihren Sohn. Doch wie hätte sie auch etwas richtig machen können? Sie wusste nicht einmal wo ihre Fehler waren, denn eigentlich wusste sie nichts über sich. In ihren Kopf waren viele Scherben, Teile, die sie nicht zusammen zu legen verstand und so zog sie sich in eine Sorgnis über die Anderen zurück um sich nur nicht um sich selbst Gedanken machen zu müssen und möglicherweise so zurück in diese Depression zu verfallen und die Hoffnung auf Besserung, auf Wissen zu verlieren.

Sie stand auf, versuchte sich trunken zu bewegen, doch ihr Körper blieb in einem krampfhaftem Sitz fest und löste sich nur aufgeweicht gen kalten steinernden Boden. Sie fühlte sich angezogen von einer Dämmerung, alles in ihr sagte plötzlich "Schlaf". Etwas hielt sie in seinen festen Griff und wollte nicht loslassen. Sie wehrte sich und im gleichen Moment wusste sie von dieser Sinnlosigkeit. Sie war zu stur, sie wollte nie aufgeben, nie. Und sogar als Sawa merkte, dass sie sich gegen ihr eigenes Verlangen nach Ruhe aufbäumte, schrie sie nur mehr auf, sodass der kleine Rabe, der sie stets beim Beten durch seine schwarzen punktartigen Augen beobachtete, wegflog und sie nun in einer völligen Einsamkeit zurückließ. Ihr Körper verkrampfte sich vollends und sie riss die Augen unmenschlich auf, in ihren Kopf drehte sich alles und doch waren ihre Gedanken klarer als sie je gewesen sind.
Sie wollte keine Gejammer mehr hören, keine schmerzverzerrten Gesichter sehen und sie wollte auch nichts von irgendwelchen Verschwörungen hören, die ihr so unnatürlich und so sinnentleert erschien wie ein kleiner Käfig voller tausend Leiber, die sich verzweifelt versuchten zu befreien und doch wussten, dass genau in diesem dreckigen Loch der Panik ihr Weg ein Ende finden würde, zumindest unter den Lebenden. Sawa wollte den Weg unter den Lebenden beschreiten, sie musste noch so viel erledigen, sie durfte nicht versagen und sie durfte sich auch nicht, wie in den letzten 8 Jahren, der verzückenden Umarmung des Todes hingeben.
Jetzt musste sie siegen und sie war bereit alles für diesen Sieg, für den Triumph über die, die sich an dem Leid ihrer Geschwister labten und denen, die nicht verstanden, nicht verstehen wollten. Sie wollte Siegen über den Hass, über diese verschrumpelte Weltanschauung. Sie wollte Frieden.Und in diesen Lumpen ihrer Hoffnung verlor sie sich im farbigen Tanzmeer ihrer Träume und stieg in eine unnatürliche Reise ihrer Vergangenheit hinzu.


Zuletzt geändert von Lillith: 21.10.03, 03:00, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 21.10.03, 01:13 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 24.05.03, 20:22
Beiträge: 8
Dunkelheit... ein Bild, ein weiteres, und dann eine Geschichte, ein Traum?

Der Nebel des frühen Morgens lichtete sich und rege, langsam, doch in unaufhörlichem Fluss kam das Leben zurück auf die Straßen der Stadt.
Die ersten Fensterläden wurden geöffnet. Der Geruch von frischem Brot stieg aus dem Schornstein der Taverne in anlockendem Dampf auf. Markttreiben erfüllte den Platz vor dem Botenhaus aus welchen schlummernd, von der Musik nicht gestört, zwei Menschen, eng umschlungen, lagen und sich dem Reichtum des Ausschlafens hingaben. Erst die tosende imposante Stimme des Fischhändlers ließ ihre Augen aufblinzeln. Wie zwei Marionetten, die zu neuen Leben erwachten, bewegten sie sich, die Decke mehr an ihre beide Körper schmiegend. Eine Frau und ein Mann.

Der Hahn kräht mit seinen Fischen
Tanzend des Tages Lied heran
Man hörts selbst in diesen Nischen
Mein liebster Blödian.


Murmelte eine klare weiblich-kindliche Stimme. Der blonde Lockenkopf, zu der jene gehörte, lehnte sich auf dem Bette hoch und betrachtete mit einem wachen Lächeln das Profil des Mannes.
Seine gerade Nase, die selbst in diesem unschuldsvollem Schlaf arrogant gehoben war. Die langen geschwungenen Wimpern, eher einer Frau als eines Mannes zugehörig. Die hohen Wangenknochen und dieser sinnliche Mund, umrahmt von solch prächtigem kastanienroten Haar. Wahrlich ein Jüngling, wahrlich ein Geschenk der Götter, war er, ihr Liebhaber, ihr Verhängnis, ihr Santino.
Als sie aufstand brachte sie ihr beschwinglicher Gang zu dem großen Schrank in der rechten Ecke des kleinen Zimmers.
Wie all die anderen Möbelstücke, die den Raum unnötig prunkvoll und vollgestopft erscheinen ließen, war er aus edlem Kirschholz im feucht glänzenden Wachs, großzügig mit Rosenknospen und Vögeln verziert. Die kleinen Fingerkuppen der Frau strichen über den geöffneten Schnabel eines kleinen Vogels, über den Punkt des Auges und über die gespreizten Flügen zu welcher in genauster Symmetrie, eine runde Aufstülpung führte, die für das Öffnen der Schranktüren dienlich war. Im Schrank selbst forderte diese üppige verschwenderische Schönheit ihren Tribut ein. Drei Kleider, jeweils in verschiedenen Blautönen und goldumrahmter Spitze, eines mit fellgefütterten Endungen und ein solcher Schal und Umhang hingen genau neben einigen Hemden, Westen und zwei Roben, die durch ihre schlichte Art so gar nicht hineinpassen wollten. Auf der anderen Seite, sauber geordnet, lagen einige einfache Leinenhemden, Hosen, Stiefelstrümpfe und Nachthemden auf einem größeren Stapel neben unzähligen Schuhen und Stiefeln.
Ein schneller Blick, der eher provisorisch wirkte, tastete sich über die einzelnen Kleidungsstücke bevor die Frau zielstrebig das veilchenblaue Kleid herausnahm. Dem Korsett nur ein entschuldigendes Lächeln widmend, zog sie das Kleid an, sodass an einigen Stellen ihre pummelige Figur genaustes zum Vorschein trat. Sie hasste diese Pölsterchen noch hervor zu heben, doch es war ihr Lieblingskleid und es schmerzte sie immer mehr das Korsett tragen zu müssen, sodass sie es schon seit Monaten in den hinteren Teil des Schrankes verbannte. So hob sie nun mit einem Seufzen ihre dunklen Sandalen auf und setzte sich an die Bettkante. Erst als sie deutlich Santinos Blick auf sich spürte, sah sie vom Zuschnüren jener auf und drehte sich mit dem Oberkörper zu ihm hin.
>>Was...?<< sagte sie mit einem nervösem Stirnrunzeln. Eine Weile tiefes Schweigen, einstig ihre Blicke schienen im Austausch
>>Du bist wunderschön.<< Feststellend und doch durch die prägnante Schlichtheit stieg ihr die Schamesröte ins Gesicht und sie wandte sich ab. >>Sag so etwas nicht... << schüchterne Kreise drehte sie mit dem Finger auf dem Laken.
Sie fühlte seine warme Hand an ihrer Taille. Ein sachter Druck folgte, der sie langsam, wenn auch ohne wiederrede zurück zu ihm ins Bett legte. Er kuschelte sich an sie, seufzte, doch sie, sie starrte nur zur Decke und dachte über seine Worte nach. Sie hatten sie erstarrt auch wenn sie zugeben musste, dass ihr dieses Kompliment auf eine Art und Weise gut getan hat, ihr Stärke gab und doch...

Wunderschön...

Wie gerne wäre sie wirklich schön gewesen. Sicherlich war sie nicht hässlich. Sie hatte große graue Augen, die von einem dunklen Geflecht ihrer Wimpern umrahmt wurde. Ein kleiner rosiger Knospenmund, der sich zu schnell schmollend zusammenzog und dem ohnehin kindlichen Zügen eine vollkommene Unschuld verlieh. Doch war dies schön?
Seitdem sie auf Siebenwind war, hatte sie sehr zugenommen, besonders am Bauch. Jeweilige Kleider, außer jener drei, passten ihr nicht mehr. Ihre Kondition hatte nachgelassen, fast jeder längere Fußmarsch war eine Tortour und ihr Bauch und Rücken schmerzten immer wieder fürchterlich, zudem war sie ein körperlicher Schwächling. Ein kleines zierliches Ding. Konnte so jemand schön sein?
Sie hasste ihre Stupsnase, die ihr viel zu groß erschien. Sie hasste ihre Figur, ihre desöfteren auftretenden Launenschwankungen und ihre Fressattacken. Konnte ein Mensch, der sich unwohl in seiner Haut fühlte, schön sein?
Bevor sie auch nur in ihr depressives Loch fallen konnte, küsste Santino sie innig, weich seine Lippen und sie schloss die Augen in ewiger Liebe wollte sie so bei ihm verbleiben, in seinen schützenden Armen.

....wiederkehrende Dunkelheit.


Zuletzt geändert von Lillith: 21.10.03, 02:30, insgesamt 1-mal geändert.

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