Noch eine ganze Zeit lang blieb er wach, konnte und wollte auch nicht schlafen.Immer wieder führte er seine Finger behutsam durch ihr Haar und an ihren Wangen entlang. Sie hatte so sehr geweint, war weggelaufen vor Scham und vor ihm selbst. Nachgeritten war er ihr, ob es einfach nur Intuition war oder die unter ihm vorbeigezogenen tiefen Einschläge der Hufen, beides führte ihn schnell zu ihr. Allein an dem Ort, wo sie einst so lange so still einfach nur friedlich gesessen hatten, einem ihrer beider Lieblingsorte, weitab von der dicken Luft der Städte und Menschen. "Ich habe Dich enttäuscht," sie schluchzte nur leise. Sie hatte ihnen beiden das Messer durch ihr Unwissen ins Fleisch gedrückt, aber er selbst hätte es sicher aufhalten können, und dafür, dass er es nicht getan hatte, gab er sich die Schuld. "Ich verzeihe Dir," auch wenn die Wunde verheilen musste, ihre Tränen brannten wie Salz darauf, "ich werde dir die Geschichte noch einmal erzählen, wenn du magst". Und so hatte er von den Seerosen erzählt, wie die Götter ihren Weg wie die der Geschöpfe lenkten, von der Bedeutung der Bäume und Tiere und den drei Säulen, derer sie sich nun beweisen musste. Spät erst waren sie zurück und sie war schnell eingeschlafen, mit einem sanften, erschöpften Lächeln um die Lippen und die feuchten Augen. Er würde ihr helfen, diese Prüfung zu bestehen, ohne diese zu seiner eigenen zu machen. Eine misslungene Prüfung lehrt jedem, es beim nächsten Male besser zu machen und sich nun erst recht zu beweisen. Auch wenn er diesen Satz bei jeder zweiten Jagdprüfung nutzte, besaß es heute doch eine ganz andere Bedeutung. Sein Blick wandte sich langsam dem Tisch zu, auf dem die kleine Kiste stand. Sie hatte sich so gefreut, als sie die Schatulle vor einigen Tagen in ihren von der täglichen Arbeit am Holz angerauhten Händen gehalten und geöffnete hatte und der strenge Duft der Tannennadeln in ihrer Nase kitzelte.
"Das sdinkd nach Baum. Was da wohl drin isd?" "Du sollst da nich dran riechen, du sollst das Ding nur wegbringen, Mann. Such einen Boten in Brandenstein und gib das Ding auf." "Einen Boden, dha, isd gud. Und dann komme ich schnell zurück, um das Deck ganz glidzernd zu pudzen."
Mit einem fröhlichen Strahlen im Gesicht und flinken Bewegungen war er auch schon von Deck gesprungen und auf dem Weg in die Stadt. Gleich im ersten Gebäude zur Linken schien reges Treiben, die eine Hälfte der schweren Eisentür stand leicht auf, sodass der gleichmäßige Pegel des geschäftigen Handelns und Feilschens bereits auf die Straße drang. Drinnen musste man sich wohl anstellen, zwei Tresen waren im Innenraum nur besetzt und dafür so viele Leute, dabei hatte er es doch so eilig! Da, da wurde ein Tresen für ihn frei, der weiße Heilermann hatte wohl vergessen, was er wollte. "Dhaliya, ich suche einen Boden!"
, die Gelegenheit ließ er sich nicht nehmen. "Ehm ... ich glaube, wir verkaufen keine Böden, da solltet Ihr Euch vielleicht an einen Schreiner wenden,"
die hellblaue Robenfrau war aber lustig. "Einen Schreiner? Nein, einen Boden, einen Boden! Ich muss ein Paked absedzen! Und viel Zeid hab ich nichd, ich muss noch den Boden an Deck schrubbern und pudzen!" "Den ...? Nun, wenn Ihr einen BoTen meint ..." "Dha, dha, einen BoDen, genau!" "... hinter Euch die Dame gehört zu den Brandensteiner Reitern, vielleicht fragt Ihr die mal."
Dem Deut nachschauend nahm er direkt am zweiten Tresen hinter sich die buntgekleidete Frau mit dem komischen Hut nun genauer in Augenschein. Sie war wohl gerade mit ihrem Geschäft fertig, das war aber sehr trefflich! "Auf bald, ich geh dann jetzt den Deros suchen!"
Nein, er musste doch noch zuerst ... "Nein, nein!"
Wenigstens zog er so die Aufmerksamkeit der Frau im Abwenden doch gerade noch auf sich. "Doch, doch" "Nein, nein, ich brauche einen Boden!" "Ich habe einen ganz tollen Boden, direkt unter meinen Füßen!"
Oh, die bunte Frau war noch lustiger als die hellblaue. "Einen ganz dollen Boden? Nein, aber nichd so einen Boden, sondern einen Boden! Zum Paked einschicken!" "Oh, dann brauchst Du ein Schiff!" "Nein, nein, ich komme doch vom Schiff! Und das Paked doch auch!" "Dann brauchst du einen Boten!" "Dha, das sage ich doch! Einen Boden!"
Einige Male nickte er eifrig, auch wenn er irgendwie nicht wirklich ein Stück vorangekommen war. "Da bist du bei mir ganz fein richtig! Was ist das denn für ein Paket und für wen?"
Recht flink zeigte er das kleine Kistchen mit dem Botenzettel darauf aus seinem Beutel nach vorn. "Ein Paked für Gifur Soresan, oder so ..." "Oh, den kenn ich! Der ist von der Gloria in Südfall!"
Sie kannte den Herrn Soresan, das war gut! Dann konnte er gleich wieder Schrubbern gehn an Bord! "Aber das kostet dich zwei Kuchen!"
Das war nun gar nicht mehr gut. "Aber ich habe keinen Kuchen!" "Das ist nun gar nicht so gut ..." "Nein, das isd nichd gud."
Seine Taschen waren auch ganz leer, den Hosenstoff zog er ein wenig nach außen. "Da muss ich den Kapidän fragen, was er sagd! Der kann vielleichd Fischmünzen geben ..." "Gut, dann einen Haufen schöner Fischmünzen!"
Rasch lief er wieder zum Hafen zum Kutter hin, besorgte einen Haufen der fischigen Münzen aus einem der Laderäume und war ganz schnell wieder bei der bunten Frau. "Hier! Ein Haufen Fischmünzen, sind die gud?" "Oh, ja, fein fein, dann gib mir mal das Päckchen und ich mach mich gleich auf den Weg!" "Das ist gud! Aber ersd brauche ich noch eine Underschrifd auf dem Besdellbladd, damid der Kapidän weiss, wer das Paked gelieferd had! Brauchsd du einen Sdifd?"
Schnell hatte die bunte Frau seinen Zettel bemalt, mit einem
Morgn *und einem kleinen Hut daneben* 
Das Kistchen hatte sie auch, so konnte er jetzt endlich dem Kapidän sein Deck schrubbern!