|
Tief in der Erde, dort wo das Fundament der neuen Ritterburg liegen wird, ist eine kleine Flasche vergraben. Eine besondere kleine Flasche. Gold schimmert durch das Glas, völlig in Gold ist sie eingekleidet, fast so etwas wie ein schützender Panzer, der einen noch wertvolleren Schatz hütet. Der Schatz im innern glüht vor sich hin. Ein fetter, leuchtender, Rubin könnte man meinen. Ungefähr so lange, bis man die durchsichtigen Schemen, die ihn am Rande umgeben, berührt. Dann wäre es ein fürchterlich heißer, brennender, fetter, rot leuchtender, darüber hinaus Kraftsaugender Rubin. Ein wirklich merkwürdiges Konstrukt was dort in der Flasche hängt. Es wabert unruhig vor sich hin, kann weder vor, noch zurück. Die versiegelte Flasche vibriert in ihrem Innern vor Energie – nichts kann heraus, nichts kommt hinein. Könnte das Wesen zusammenhängend denken, würde es sich innerhalb von ein paar Sekunden befreien können. Würde ein Magier einen Blick in die Flasche werfen, würde er wahrscheinlich erblinden. Macht befand sich hier drin, unheimlich viel davon. Die gestohlenen Energien vieler Magier, einiger Hexen, mehrerer Hochelfen und von ein oder zwei Schamanen. Könnte das Wesen etwas anderes tun als herumzuwabern, Leuten schmerzen zu bringen und ihre Magie zu stehlen, würde es sich innerhalb kürzester Augenblicke befreien können. Das Gold würde schmelzen, die Flasche explodieren und in dem substanzlosen Körper nicht einmal Schaden hinterlassen.
Leider gehört die Lernfähigkeit nicht zu den Eigenschaften dieses Wesens, so hängt es denn in der Flasche, als kleiner roter Punkt der nur hin und wieder umher wallt. Könnte es denken, würde es mit Befriedigung zurücksehen, an die Brandwunde, die es dieser durchgeknallten Magierin verpasst hat. Könnte es Bedauern empfinden, würde es sich dafür grämen, nicht zuerst sie ausgesaugt zu haben und dann den Inhalt der Flasche. Aber das Verhältnis war ungleich – darüber hinaus war in den Gedanken, so man die fast animalische Gier nach Magie und das unmittelbare Verlangen, was jedoch eher ein Nebeneffekt war, Leute zu brandmarken Gedanken nennen konnte, für solcherlei Überlegungen kein Platz. Es existierte nur durch Hunger nach mehr und für den Hunger nach mehr. Doch das einzige Mehr was es hier gab, war es selber. Es verharrte in der Flasche, nichts anderes konnte es tun, nichts anderes ließ sein Gespür für Magie zu. Ohne Bedauern, ohne Zeitgefühl, ohne Mitleid, ohne jegliche gedankliche Regung. Ein stummer Gefangener in einem goldenen Käfig, dessen Gefängnis wahrscheinlich eher zerstört würde, als dass er sich auflöste. Die Magie konnte nirgendwohin, so blieb sie dort, wo sie war. Es hätte sich vielleicht gefragt, ob ein fast ewig anmutender Kerker ein angemessener Preis für die Unsterblichkeit war – Aber es kannte diese Begriffe nicht. Es hatte keine Erinnerungen, keine Träume. Es kannte weder Zukunft, noch Vergangenheit. Es brauchte sich nicht zu erinnern, es war ein Räuber, ein Jäger, der nur für die Beute lebte. Für ein Wesen, das keinen Begriff von Zeit hat, war dieser Kerker wohl erträglich.
Es konnte nicht ausbrechen… oder?
_________________ Become a part of the league!
look at me still talking, when there's science to do when I look out there it makes me glad I'm not you I've experiments to run, there is research to be done on the people who are still alive
|