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 Betreff des Beitrags: In dunklen Nächten.
BeitragVerfasst: 27.12.04, 03:51 
Festlandbewohner
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Registriert: 5.09.04, 14:34
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Dunkel war es, Wolken verdeckten die Monde und machten die Nacht zu einer der schwärzesten, die Rohin für lange Zeit gesehen hatte. Die beiden Beschwörer saßen am Ufer des kleinen Gebirgsbachs, der sich durch die Felder vor der Stadt schlängelte.


"Du weißt, dass deine Chancen sich in Grenzen halten." Vareion wusste es, nur zu gut. Heute Nacht würde er entweder sterben oder für immer leben. Aber so schwer konnte es ja nicht sein. Er hatte schon genug Geister bezwungen. Dann würde sein Meister diesen einen ja wohl auch beherrschen können.


Garthol drückt sich von dem Stein empor und griff nach seinem Stab. "Lass uns anfangen." Die beiden entfernten sich etwa dreißig Schritt von dem Fluss. Von der Lichtung aus konnte man in der Ferne die Zinnen der Stadt ausmachen und das gab ihm die nötige Sicherheit. Er hatte für diesen Moment gelebt und jetzt galt es ihn zu meistern. Er war einer der mächtigsten Beschwörer auf Tares Boden, davon war er überzeugt. Er würde einfach sterben und dann wieder leben. Und Garthol war der beste Hintermann, den er für dieses Unterfangen haben konnte.


Er öffnete den Käfig und hob den Hasen im Genick heraus. Er griff nach der Schale, zog den Dolch aus seinem Gürtel und rammte ihn dem Hasen von vorn durch den Hals. Er zog die Klinge zurück und ließ das Blut in die Schale sickern. Als das Tier ausgeblutet war, warf er es zurück in den Käfig und begann das Blut auf der Lichtung zu versprenkeln. Ein Fünfeck, zehn Schritt in jede Richtung. Er griff die Kerzen, entzündete sie mit einem Hauchen und einem Handschwenk und stellte sie entlang der blutigen Markierung auf. Er stand inmitten des Zirkels und sog tief die Luft ein, dieses Bild sollte sich tief in seine Erinnerung brennen.


Garthol räusperte sich hinter ihm. "Die Farbe." Vareion griff ihn die weite Robe, tastete sich durch die Leere der weiten Taschen zu dem Fläschchen und zog mit den Zähnen den Stopfen ab. Er reichte Garthol die Flasche, dieser tropfte sich ein wenig von der blutroten Farbe auf den Finger und begann damit Vareions Gesicht zu bestreichen. Leben und Tod, Rah und Rha. Er flüsterte die alten Worte und zeichnete eigentlich nur die Gesichtslinien nach, wie eine bizarre, übertriebene Schminke wirkte es. Einen Moment lang musste der alte Garthol grinsen. Sein Schüler musste wahnsinnig sein, dass er das wirklich durchziehen wollte. Wahnsinnig, aber genial.


Das ewige Leben zu erreichen war dabei eigentlich seine eigene Idee gewesen. Er hatte nur nie den Schritt gewagt. Er hatte Zweifel, ob ein ewiges Leben ihn überhaupt zufriedenstellen würde. Vareion, sein Schüler, war da anders. Der war mutiger. Und er hatte eben den nötigen Hauch des Wahnsinns.


Vareion kniete sich in das Zentrum des Fünfecks. Was für eine Macht das war, die ihn dort durchströmte. Er konnte die Geister fühlen, die auf ihn zeigten und ihn verhöhnten. "Was für ein Narr", schrien sie, "Was maßt er sich an, nach ewigem Leben zu trachten!"


Garthol legte den Stab aus dem Bannzirkel und zog die weite Kapuze der Robe über den Kopf. Es hatte zu regnen begonnen und die fanatisch anmutenden Augen seines Schülers flößten ihm Angst ein. Es gab hier kein Zurück mehr. Er würde seinen eigenen Zögling töten und ihn zurück ins Leben reißen, seinen Geist wieder in den Körper sperren, und er würde ihm das ewige Leben gegeben haben.


Der lange, verzierte, geschärfte Dolch aus purem Gebein schimmerte im fahlen Kerzenlicht und er sah die großen Augen seines Schülers, diese wahnsinnigen, fanatischen, gierigen großen Augen. Vareion zerriss die Robe über seiner Brust und legte den Kopf in den Nacken. Der alte Garthol zweifelte für einen Moment, ob das so eine gute Idee war, was er nun vorhatte. Aber es war ja doch zu weit. Er hob den Dolch mit beiden Händen über seinen Kopf, ein Blitz erhellte die Nacht als er zustach und der Dolch bohrte sich haargenau in das Herz seines Schülers. Der wahnsinnige, fanatische Blick wandelte sich zu einem verängstigten, fast kindlich hilflosen Gesicht, Vareion begann zu wimmern und das Blut rann ihm an der nackten Brust herunter. Garthol presste die Klinge mit aller Kraft in das zuckende Herz seines Schülers, dessen Hände sich um die des Alten legten.


Garthol spürte den Geist entweichen. Er schrie förmlich nach Erlösung und in dem Moment, als die Augen seines Schülers glasig wurden, entzog sich der Geist mit einem unglaublichen Stoß seinem Willen, seiner Kontrolle. Garthol flüsterte die Worte, die er sich zurecht gelegt hatte, er zwang sich zur Kontrolle über den Geist, der zurück in diesen Körper musste, doch da war nichts. Da war nurnoch Leere. Er starrte auf den Körper seines Schülers. Unter dem Dolch rann das Blut aus dem Körper und benetzte den Boden. Der Körper knickte nach hinten über, da er gekniet hatte, lag er nun bizarr gekrümmt mit der Brust zum Himmel da. Garthol verfluchte sich selbst, dass er zu schwach gewesen war, und presste sich vom Boden empor. Hätte er den Geist seines Schülers doch eingefangen, hätte er ihn doch erwischt, ein neuer Gott wäre es gewesen, einer der den Tod besiegt hatte. Er hatte versagt. Hätte er den unsterblichen Geist, der nach seinem Tod gekommen war, hätte er ihn doch in diesen Körper eingekerkert.


Am nächsten Morgen traten die Wachen zu der Lichtung. Die Kerzen standen noch im Fünfeck, doch sie waren erloschen und das Blut zwischen ihnen vom Regen davongespült. In der Mitte des Zirkels lag ein Mann, auf Knien, den Oberkörper weit hintübergebeugt, ein klaffendes Loch in der Brust.


Man rief die Morsan, den Körper, der wohl einer Horde von Ketzern zum Opfer gefallen war, zu reinigen und in die Krypta zu überbringen. Die Lichtung geriet in Vergessenheit und einzig die Geschichten, die sich die Kinder erzählten, verrieten noch, dass dort irgendetwas geschehen war, was nicht hätte geschehen dürfen. Sie erzählten sich von einem alten Mann mit langem weißen Haar, der von Zeit zu Zeit in einer tiefroten Robe auf der Lichtung wandelte, und wenn die Nächte still waren, dann hörten sie ihn rufen. Geist, wo bist du.



[Anmerkung: Die Geschichte ist - zumindest soweit ich weiß - nie IG passiert. Sowohl Vareion als auch Garthol sind frei erfunden. Es soll lediglich eine Art Werbung für die Klasse (Jung)Schamane - die ich hier frei als Geisterbeschwörer interpretiere - darstellen. Wobei ich natürlich nicht behaupte, dass die Schamanen IG alle so schlimm, machtgeil und wahnsinnig sind. ;) ]


Zuletzt geändert von Phobie: 27.12.04, 15:40, insgesamt 1-mal geändert.

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