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 Betreff des Beitrags: Licht in der Dunkelheit
BeitragVerfasst: 10.12.04, 01:45 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 27.07.04, 02:07
Beiträge: 85
Nur sehr schwach glomm es zwischen der Asche und den Holzresten im Kamin. Sie lag dort, neben ihm so dicht, wie sie es sich vor kurzem nicht getraut hätte und blickte mit halboffenen Augen in die schwache Glut, lauschte dabei seinem regelmässigen Atem. Sie konnte nicht einschlafen, obwohl sie müde war und allmählich gab sie es auf, ihre Augen wie unter Zwang zu schliessen.
Gedanken spukten in ihrem Kopf umher und liessen ihr keinerlei Ruhe.
Er gab ihr Rätsel auf – sein Blick war nicht der, wie sie ihn schon bei anderen gesehen hatten, die sie liebten und auch seine Worte verwirrten sie nicht selten. Hätte sie nicht letztendlich das ausgesprochen, was sie fühlte, würde sie wohl noch immer brav am anderen Ende, am Rande des Fells liegen, so wie man es als mehr oder minder Fremde tut, die ein kleines, noch unfertiges Haus teilen.
Sie hob ihren Kopf vom Fell hoch und sah zu seinem Gesicht, betrachtete es lange, ehe sie eine Hand vorsichtig ausstreckte und ihm eine Strähne seiner Haare zärtlich aus dem Gesicht strich. Obwohl er schlief, machte er einen matten, müden Eindruck und sie erinnerte sich an die Worte des Söldners – der Umgang mit Geistern wird ihn verändern...

Wie weit, fragte sie sich? Sie hatte schon gesehen, was er gelernt hatte und er war eindeutig weiter als sie.
Ihr Blick aus den dunklen, braunen Augen lag weiterhin auf seinem Gesicht, einen Moment lang konzentrierte sie sich, in ihren Gedanken sah sie ein schattenhaftes Tier in der Nacht, dessen Augen kurz aufleuchteten und schon leuchteten auch ihre Pupillen für einen raschen Moment lang auf. Allmählich vergrösserten sich ihre Pupillen und sie sah ihn nun deutlicher, wie er zusammengerollt auf dem Fell lag. Jedes Detail wollte sie sich einprägen... jedes, damit sie sich auf ewig deutlich an ihn erinnern kann und wie er an diesem Tag aussah.

Warum eigentlich, fragte sie sich mit aufkeimender Sorge - gab es dafür einen Grund?
Was ist, wenn ich mich auch ändere?
Und wenn er sich weiter ändert, die Geister noch mehr an seinen Kräften zehren?
Was ist, wenn wir so eine Zeit wie jetzt, irgendwann nicht mehr haben?
Dann will ich zumindest mich an sein Gesicht erinnern, dachte sie und strich sehr vorsichtig und sanft über eine seiner Wangen.
Kurz schüttelte sie den Kopf, schalt sich selbst eine Närrin – wer wäre sie, wenn sie einfach aufgeben würde? Sie würde versuchen ihm zu helfen, wo sie konnte, damit sie beide ihre Träume erreichen können.

Sie strich ihre Haare zurück und beugte sich leise über sein Gesicht, küsste kurz und nur sehr leicht, damit er nicht aufwachte, seine Wange, ehe sie sich zurück an ihre Stelle legte und wieder ruhe- und schlaflos in den Kamin starrte...


Zuletzt geändert von Shahor: 10.12.04, 02:11, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Schattentraum
BeitragVerfasst: 4.01.05, 10:51 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 27.07.04, 02:07
Beiträge: 85
Eine weisse Schlange wand sich um sie und blickte mit ihren lidlosen Augen in ihre hinein. Leise sprach sie und sie glaubte zwei Stimmen zu hören - die des alten Mannes und die zischelnde Stimme der Schlange: "Du hast dich nicht unter Kontrolle. Du wirst was Falsches tun und dich wird man fangen. Du wirst deine Häscher beleidigen, sie verfluchen und du wirst sterben."
Sie legte den Kopf zur Seite, wich dem Blick der Schlange aus.
Wieder sprach sie, doch dieses Mal hörte sie allein die Stimme des Tieres: "Ich kann dir helfen. Ich kann dir beistehen. Sind wir uns nicht ähnlich? Auch ich liebe die Wärme des Vaters und ich bringe dir die nötige Ruhe und Kontrolle. Ich kann dir Kraft und Weisheit geben mit mir als deine Vertraute, mit mir als dein Licht in deinem Herzen. Weisheit, Ruhe - ist es nicht das, was du willst?"
Sie versuchte sich aus den Windungen der Schlange zu befreien, drückte an den fast perlmuttartig schimmernden, harten Schuppen, doch sie wand sich noch fester um sie.

Dann jedoch hörten sie ein leises Fauchen und aus den Schatten, die sie umgaben, trat elegant und leichtfüssig eine grosse Raubkatze mit glänzendem, pechschwarzen Fell heran.
"Auch ich kann dir helfen, auch ich bin dir ähnlich," sprach das Katzentier zu ihr, blickte mit schimmernden, grünen Augen zu ihr hinüber.
"Sind wir beide nicht verspielt und tragen zwei Gesichter? Ruhig und entspannt das eine Mal, kein Mensch kann uns verstehen und weiss, was wir wirklich denken. Dann jedoch, im richtigen Moment, schlagen wir beide zu und nehmen uns, was wir begehren. Wir jagen beide durch die Nacht, liegen in den Schatten auf der Lauer und wehe, eine kleine, schwache Maus kommt uns vor die Pranken. Wir stehlen ihr nicht das Leben, weil wir hungrig sind - nein, es ist der Spass daran, der uns dazu treibt, sich zu nehmen, was wir wollen, nicht wahr? Ich bringe den oftmals notwendigen Tod und doch bewundern mich die Menschen, die den Tod sonst so fürchten."
Einen längeren Moment sah sie hinüber zu der Katze, wie sie langsam sie und die Schlange umrundete. Beide, Schlange und Katze, blickten sich dann gradezu herausfordernd an, dann aber richteten sie wieder ihren Blick auf sie und sie seufzte nur leise gequält auf.

"Ich weiss es nicht.. es hat doch noch Zeit... ich will und kann mich noch nicht entscheiden..."
Endlich hatte sie es geschafft und befreite sich aus der Schlange. Kurz noch sah sie zu den beiden Tieren - der geradezu hypnotische Blick der ruhigen Schlange und der nicht minder faszinierende Blick aus den Augen der Katze, die ruhig schien, deren Schwanz aber wild umher peitschte.
Sie schüttelte den Kopf, wandte sich ab und lief fort...


Zuletzt geändert von Shahor: 4.01.05, 10:57, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Dunkelheit im Licht
BeitragVerfasst: 9.01.05, 05:46 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 27.07.04, 02:07
Beiträge: 85
Fela schien hinab, einige Wolken zogen am ansonsten blauen und klaren Winterhimmel vorbei. Der Schnee glitzterte in dem Licht schillernd und ruhig wie auch einsam lag der Winterwald Brandensteins da.
Lediglich eine einzelne Gestalt schleppte sich erschöpft durch die kalte Wildnis und Dampfwolken bildeten sich vor ihrem Mund.
Es war eine Frau, mit schwarzen Haaren, die jedoch nun an einigen Stellen etwas zerrupft und angebrannt aussahen. Ihr Hemd, ihre Hose und die Weste aus dem hellen Fell der Waldkatze, waren an vielen Stellen schwarz angekokelt und wiesen einige Brandlöcher auf. Die Haut an ihren Händen, in ihrem Gesicht und auch dort, wo sich wohl die Flammen durch die Kleidung gefressen hatten, war gerötet oder gar von Brandblasen übersäht. Hinzu kamen blutige Verletztungen am Kopf, Arme und an einem ihrer Beine.
Dann und wann hielt sie kurz inne, liess ihre eilig zusammengepackte Tasche in den Schnee fallen und legt eine der verletzten Hände an einen Baum. Leises Schluchzen war immer wieder zu hören, dann rieb sie sich über ihre Augen und schlurfte so langsam weiter durch den Wald.

'Sie hatte mir gesagt, ich kann bei ihr wohnen, wenn es zu schlimm wird,' dachte sie und näherte sich der Wohnstatt ihrer Freundin. Sie klopfte an der schlichten, dünnen Holztür an, wartete eine Weile, während sie immer wieder über ihre Augen wischte, doch nichts geschah. So wandte sie sich wieder ab und ging weiter langsam durch den Wald, ehe sie sich mit einem Seufzer unter einem der grossen alten Bäume hinsetzte, den Rücken an den Stamm lehnte und sich ihren Umhang dicht um den Körper schlang.

War dies nun das Ende? War es sogar wahr, was er am Ende behauptet hatte? Wieder schluchzte sie bitterlich auf und vergrub ihren Kopf in ihren Händen. Und doch konnte sie nicht aufhören den Mann zu lieben, der er sonst immer gewesen war.
Wieder fielen ihr die Worte des Söldners ein, dass er sich verändern könne und sie dachte an die anderen Male zurück, als es eskalierte. Anfangs hatte er sich noch verhältnismässig unter Kontrolle gehabt, doch mit jedem weiteren Konflikt zwischen ihnen wurde er brutaler, bis es nun zu dem heutigen Höhepunkt kam.
Kurz fiel ihr Blick auf den einzigen Finger, der keinen Ring mehr trug. Es war vorbei...

Sie seufzte tief und verzweifelt durch, drückt sich an den Stamm des Baumes ran, so wie ein Kind sich Schutz bei seiner Mutter sucht und schaute durch das Gewirr der Äste hoch zum Vater, der strahlend am Himmel stand.
'Es ist so kalt hier - ich will zurück.. zurück in meine Heimat, wo du wärmer bist, Vater!'

Sie legte den Kopf leicht zur Seite und schloss ihre vor Tränen feuchten Augen.

Endophal... Bilder der Wüste kamen ihr in den Sinn, die Hitze dort am Tag, der klare Sternenhimmel und die Kühle in der Nacht... Bilder von Luth-Mahid, wie diese Stadt prachtvoll und mit ihren kleinen und verwinkelten Gassen verwirrend wie ein Labyrinth dalag... Sie glaubte zu hören, wie Menschen miteinander angeregt sprachen... Blumiger, gestenreicher und wärmer waren ihre Gespräche... sie glaubte den Geruch von Abertausenden Gewürzen zu riechen und den Duft der Wasserpfeifen in den Teehäusern... und in ihren Träumen kehrte sie endlich wieder zurück...

Ein runzliges Gesicht schob sich vor ihr, die langen grauen Haare fielen kraus über ihre Schultern hinab und mit ihren fast schwarzen Augen starrte die Alte direkt in ihre Augen hinein.
"Kind, was soll das? Habe ich dich losgeschickt, damit du wie ein Hund mit eingekniffenen Schwanz wieder zurückschleichen kannst? Was bist du? Eine Frau, die der Lage Herr werden kann oder eine weiche Memme, die sofort aufgibt, wenn sich ihr Hindernisse in den Weg stellen?" Die Alte schüttelte den Kopf.
"Ach, Laijira, ich vermisse Endophal," flüsterte sie und sah an der Alten vorbei zu dem sich langsam verwischendem Bild von Luth-Mahid.
"Ich weiss genau, dass es etwas gibt, was du gerade sehr viel mehr vermisst und wenn du nicht langsam stärker wirst, wirst du ihn auf ewig vermissen. Also raff dich auf, wenn du aufwachst und sammele deine Stärke. Finde die Wahrheit raus, die er vor dir verschwieg und entscheide dann. Aber sei nicht so feige und laufe nicht einfach davon!"
Hart klangen die Worten der alten Frau, doch sie waren wahr. Bisher war sie meist weggelaufen, anstatt sich den Problemen zu stellen.
"Ja, du hast recht," sagte sie leise, "ich werde zurückkehren. Aber erstmal brauche ich Zeit."
"Die hast du, Kind, und... natürlich habe ich recht..."
Die Alte verblasste langsam, die Bilder von Luth-Mahid wurden wieder stärker, doch sah sie nun mit einer gewissen Distanz darauf. Ihr vorläufige Heimat war noch immer Siebenwind und soll es auch erstmal bleiben...


Zuletzt geändert von Shahor: 9.01.05, 06:05, insgesamt 1-mal geändert.

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