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Fela schien hinab, einige Wolken zogen am ansonsten blauen und klaren Winterhimmel vorbei. Der Schnee glitzterte in dem Licht schillernd und ruhig wie auch einsam lag der Winterwald Brandensteins da.
Lediglich eine einzelne Gestalt schleppte sich erschöpft durch die kalte Wildnis und Dampfwolken bildeten sich vor ihrem Mund.
Es war eine Frau, mit schwarzen Haaren, die jedoch nun an einigen Stellen etwas zerrupft und angebrannt aussahen. Ihr Hemd, ihre Hose und die Weste aus dem hellen Fell der Waldkatze, waren an vielen Stellen schwarz angekokelt und wiesen einige Brandlöcher auf. Die Haut an ihren Händen, in ihrem Gesicht und auch dort, wo sich wohl die Flammen durch die Kleidung gefressen hatten, war gerötet oder gar von Brandblasen übersäht. Hinzu kamen blutige Verletztungen am Kopf, Arme und an einem ihrer Beine.
Dann und wann hielt sie kurz inne, liess ihre eilig zusammengepackte Tasche in den Schnee fallen und legt eine der verletzten Hände an einen Baum. Leises Schluchzen war immer wieder zu hören, dann rieb sie sich über ihre Augen und schlurfte so langsam weiter durch den Wald.
'Sie hatte mir gesagt, ich kann bei ihr wohnen, wenn es zu schlimm wird,' dachte sie und näherte sich der Wohnstatt ihrer Freundin. Sie klopfte an der schlichten, dünnen Holztür an, wartete eine Weile, während sie immer wieder über ihre Augen wischte, doch nichts geschah. So wandte sie sich wieder ab und ging weiter langsam durch den Wald, ehe sie sich mit einem Seufzer unter einem der grossen alten Bäume hinsetzte, den Rücken an den Stamm lehnte und sich ihren Umhang dicht um den Körper schlang.
War dies nun das Ende? War es sogar wahr, was er am Ende behauptet hatte? Wieder schluchzte sie bitterlich auf und vergrub ihren Kopf in ihren Händen. Und doch konnte sie nicht aufhören den Mann zu lieben, der er sonst immer gewesen war.
Wieder fielen ihr die Worte des Söldners ein, dass er sich verändern könne und sie dachte an die anderen Male zurück, als es eskalierte. Anfangs hatte er sich noch verhältnismässig unter Kontrolle gehabt, doch mit jedem weiteren Konflikt zwischen ihnen wurde er brutaler, bis es nun zu dem heutigen Höhepunkt kam.
Kurz fiel ihr Blick auf den einzigen Finger, der keinen Ring mehr trug. Es war vorbei...
Sie seufzte tief und verzweifelt durch, drückt sich an den Stamm des Baumes ran, so wie ein Kind sich Schutz bei seiner Mutter sucht und schaute durch das Gewirr der Äste hoch zum Vater, der strahlend am Himmel stand.
'Es ist so kalt hier - ich will zurück.. zurück in meine Heimat, wo du wärmer bist, Vater!'
Sie legte den Kopf leicht zur Seite und schloss ihre vor Tränen feuchten Augen.
Endophal... Bilder der Wüste kamen ihr in den Sinn, die Hitze dort am Tag, der klare Sternenhimmel und die Kühle in der Nacht... Bilder von Luth-Mahid, wie diese Stadt prachtvoll und mit ihren kleinen und verwinkelten Gassen verwirrend wie ein Labyrinth dalag... Sie glaubte zu hören, wie Menschen miteinander angeregt sprachen... Blumiger, gestenreicher und wärmer waren ihre Gespräche... sie glaubte den Geruch von Abertausenden Gewürzen zu riechen und den Duft der Wasserpfeifen in den Teehäusern... und in ihren Träumen kehrte sie endlich wieder zurück...
Ein runzliges Gesicht schob sich vor ihr, die langen grauen Haare fielen kraus über ihre Schultern hinab und mit ihren fast schwarzen Augen starrte die Alte direkt in ihre Augen hinein. "Kind, was soll das? Habe ich dich losgeschickt, damit du wie ein Hund mit eingekniffenen Schwanz wieder zurückschleichen kannst? Was bist du? Eine Frau, die der Lage Herr werden kann oder eine weiche Memme, die sofort aufgibt, wenn sich ihr Hindernisse in den Weg stellen?" Die Alte schüttelte den Kopf. "Ach, Laijira, ich vermisse Endophal," flüsterte sie und sah an der Alten vorbei zu dem sich langsam verwischendem Bild von Luth-Mahid. "Ich weiss genau, dass es etwas gibt, was du gerade sehr viel mehr vermisst und wenn du nicht langsam stärker wirst, wirst du ihn auf ewig vermissen. Also raff dich auf, wenn du aufwachst und sammele deine Stärke. Finde die Wahrheit raus, die er vor dir verschwieg und entscheide dann. Aber sei nicht so feige und laufe nicht einfach davon!" Hart klangen die Worten der alten Frau, doch sie waren wahr. Bisher war sie meist weggelaufen, anstatt sich den Problemen zu stellen. "Ja, du hast recht," sagte sie leise, "ich werde zurückkehren. Aber erstmal brauche ich Zeit." "Die hast du, Kind, und... natürlich habe ich recht..." Die Alte verblasste langsam, die Bilder von Luth-Mahid wurden wieder stärker, doch sah sie nun mit einer gewissen Distanz darauf. Ihr vorläufige Heimat war noch immer Siebenwind und soll es auch erstmal bleiben...
Zuletzt geändert von Shahor: 9.01.05, 06:05, insgesamt 1-mal geändert.
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