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Lange noch hatte sie wachgelegen und an die Decke gestarrt. Kein Schnarchen hielt sie heute wach, kein zufriedenes Gemurmel, und diesmal fiel auch niemand aus dem Bett, dass fast eine ganze Armlänge von ihrem eigenen entfernt stand.
Wieviele der Freunde, die hier schon genächtigt hatten, waren tot?
Zuerst Taleris, ermordet vom eigenen Vater, weil er sich beweisen wollte.
Einige Tränen rannen ihr über die Wangen, als sein junges, frühzeitig vor stummem Leid gealtertes Gesicht in der Finsternis auftauchte und ihr ein letztes, müdes Lächeln schenkte, ehe er wieder in der Dunkelheit versank.
Ob es ihm gelungen war, sich von jenen Fesseln zu lösen, die er sich selbst, für seine ihm Liebsten angelegt hatte?
Irgendetwas sagte ihr, dass es wohl nicht der Fall war, und das tat am meisten weh.
Ein helles Lachen erklang, ein wenig spitz, einen Hauch hochmütig und doch stachen ihr die von der Zeit verblassten Klänge ins Herz.
Einmal mehr sah sie, wie die beiden, Saphryriella und Taleris, auf das Schiff stiegen, es die Segel setzte und es davon segelte, in den Tod eines der beiden. Und zurück kehrte nur sie, gebrochen, zerstört, allein.. und nichts, nichts hatte den Verfall stoppen können.
Die starre, kalte, blasse Mine, gereinigt von den heilern des Hospitzes, der geschundene Körper eingehüllt in saubere Bandagen; der schwache Geruch nach der Seife, mit der man sie gewaschen hatte und der den Geruch einer bereits seit Tagen Toten überdeckte.
Vielleicht war es besser so, für sie, aber hatte sie wirklich aufgeben müssen?
War denn da wirklich keine Chance mehr gewesen, keinerlei Zuversicht?
Ihre Fingernägel kratzten über das Signalhorn dass sie fest umklammert hielt, während das Lachen erstarb und von einem freudigen Grunzen ersetzt wurde.
Eine Erinnerung, wie der grünbepelzte Grumpf vom Stuhl fiel und fassungslos die Decke anstarrte, als sie ihm offenbart hatte, es gäbe unendlich viele Zahlen.
Unwillkürlich musste sie lachen, als sie sich seiner stümperhaften Versuche zu zählen entsann. Bis zur 7 hatten sie es geschafft.
Tatsächlich hatte er sogar seinen angeborenen Hass auf Elfen überwunden, selbst nach all den Konflikten mit Fahryn, selbst nach all dem 'bösen Vuthu'.
Was auch immer alle sagten: sie sah Potential im Orkenvolk, sah Schönheit in ihren stolzen Herzen; das hatte ihr die Freundschaft mit Grumpf gelehrt.
Dann trat eine zweite Gestalt auf Grumpf zu, und ihrer Erinnerung begannen die beiden einen freundschaftlichen Kampf mit zwei dünnen Stecken, die sie mit kindlicher Freude aufeinander niedersausen ließen.
Keinen von beiden würde sie je wieder lachen hören; der eine in Fetzen, der andere steif und ertrunken im Hafenbecken..
Ein leiser Schluchzer übertönte das Lachen in ihren Erinnerungen und ihre Finger, die vom Würgegriff um das Horn, das einst Kahlbutz gehört hatte, langsam schmerzten, zogen das Instrument bis an ihr Kinn.
Morgen Abend würde sie alles unternehmen, um die Leiche zu bergen.
Und vielleicht... ja, das Wachhorn als Symbol für die Garde.
Sie merkte gar nicht, wie sie über diesem Gedanken einschlief.
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