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 Betreff des Beitrags: Geschichten aus der Jugend
BeitragVerfasst: 17.05.05, 12:19 
Ehrenbürger
Ehrenbürger
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Das Vitamafest.

Wie gern' erinner ich mich an die Zeit vor 10 Jahren. Alles war noch ruhig, die roten Reiter waren bekannt, aber ich hatte nichts mit ihnen zu tun. Die Burg war geschmückt mit Blüten und kleinen Statuen die unsre geliebte Mutter darstellten. Der Vitama hatte einzug erhalten und alle waren in euphorischer Stimmung. In den Gassen sah man die Leute schaffen, tanzen und Paare die sich küssten erblickte man hie und da auch. In dieser Jahreszeit konnte man das Leben genießen und die Sorgen einfach vergessen. Es scheint mir wie gestern, als ich mit meinem Bruder Erinwald Hand in Hand über den Markt spazierte. Damals war ich gerade mal 8 Lenzen alt und er schon stolze 19. Stets war er gekleidet in die goldnen Farben des Falkenordens. Ein Knappe mit hohem ansehen, der seinem Herren - meinem Vater - alle Ehre machte. Wenn er jedoch mit mir zusammen war, vergaß er seinen Rang und seine Pflichten. Er war einfach Eri, mein Bruder, mein Liebling in der Familie. Es war herrlicht den Markt zu überqueren, den Barden und Theaterleuten zu zusehen, wie sie letzte Vorbereitungen für das rauschende Fest am Abend trafen. Wir hielten auch an einem kleinen Ständchen, eine alte Frau verkaufte dort Blumen aus Endophal. Sie hatten eigentümliche Formen und waren gebettet in Töpfen, die endophalische Runen aufwiesen. Eri kaufte mir eine, sie steht bis heute in meinem Zimmer. Als ich aufbrach nach Draconis, bat ich Tohrwald, unseren Knecht, gut auf das Kleinod acht zu geben. Ich frag mich wie dieses von mir so innig geliebte Gewächs heute aussieht. Ich schweife ab. Eri führte mich auf die Balustrade. Von hier oben sah ich gern' herab auf die Wanderer, die in die Burg pilgerten. Heute waren es mehr als gewöhnlich. Alle Bauern, Mägde und sogar Edelleute der Umgebung wollten dieses Ereigniss nicht verpassen. Wir hatten uns ein Spiel ausgedacht, mein Bruder und ich. Es lief folgendermaßen. Jeder der vorbei kam, wurde einem Tier zu geordnet. Bei Leifjod, dem Bauer aus dem Westen, war das nicht schwer. Er kam aus dem Norland, hatte die Krone aber akzeptiert. Ein mürrischer Mann von stattlicher Statur. Sein Tier war schnell gefunden, der mächtige Bär. Brummig, aber schleckig. Ich erinner mich noch wie er den Honigstand dauernd belagerte. Er gab vor den Honig für Met zu brauchen, aber wenn er dachte unbeobachtet zu sein, steckte er sein Finger in ein Glas und schlechte diesen ab. Doch weiter im Text, es gibt noch andre Bürger, die Tieren ähnelten. Da wäre zum Beispiel der Wirt der Schänke Feldblick, die vor den Mauern Savaros stand. Ein gebeugter alter Mann, der dauernd über seine gebrechen klagte. Wenn er jedoch mal offen zu sprechen begann, entfaltete er Weisheit und Erfahrung. Früher mals diente er in der könglichen Armee, kämpfte sogar im Norland mit, deswegen mögen sich Leifjod und er auch nicht sonderlich. Es ist aber mehr eine Hass-Liebe als ein offener Konflikt. Sie mögen sich, dass weiß hier jeder. Welches Tier passte zu ihm? Gebeugt und doch von stolzer, ehrhafter Natur? Die Schlange nicht, sie besaß kein Rückrat. Ein Wiesel ist zu listig und er war eine ehrliche Haut. Die Ratte stand für Verrat und er hätte sich eher umgebracht, statt die Krone zu betrügen. Vielleicht eine Eule? Weisheit und schöne Erscheinung, doch taucht sie nur Nachts auf, ab und zu, wann's ihr gefällt. Ja, so war er. Wie eine Eule. Am Tag war er der mürrische alte Mann, wenn man ihn brauchte aber ein Quell der Weisheit.

Wir vergeudeten noch viel Zeit mit dem Spiel. Der Abend zog schon über's Land und bedeckte alles mit einem langen Schatten. In der Burg wurden die Lichter entfacht. Alle Farben wiesen diese auf. Blau, Grün, Rot, sogar zartes Rosa. Lustige, bunte Schatten tanzten dadurch umher und ich jagde ihnen nach. Eri lachte vergnüglich. Er lachte sowieso viel, jedoch nie über mich, sondern immer mit mir. Ich hatte nie das Gefühl von ihm verspottet zu werden und wenn doch war es nur liebe Neckerei. Mit sanfter Bestimmtheit führte mich Erinwald hin zum Bankett. Ich wusste mich nicht zu benehmen, im Etikette Unterricht malte ich lieber und bekam dafür oft eins auf die Finger. Diese alte Astrael Geweihte war auch eine dumme Ziege. Viel zu streng in meinen Augen, jedenfalls damals. Zwischen Tiuri und Erinwald nahm ich an der Tafel platz. Der Herzog saß am Kopf des Tisches und erhob sich dann. Ich erinner mich noch an das was er sagte: "Ihr lieben Freien, Bürger, Adlige und Bauern. Es ist schön zu sehen, dass soviele von euch erschienen sind. Meine Tafel soll jedes Jahr zu dieser Zeit ein Ort der Gastfreundschaft sein. So huldigen wir der Herrin Vitama durch nächsten Liebe und ... " er grinste bervor er weiter sprach. Ein charismatisches Grinsen, es entsprach seinem Ruf, ein ehrbarer, weiser Mann zu sein. "Völlerei !" Mit diesen Worten hob er den Krug und eröffnete so das Mahl. Wir griffen alle herzhaft zu. Es gab alle möglichen Leckereien. Fasan aus dem Süden, Schweinefleisch aus dem Norden und sogar sehr zartes, undefiniertes Fleisch aus der Nähe von Col-Air. Jeder nahm den "Befehl" sehr ernst, denn fast alle mussten nach der leckren Mahlzeit ihre Gürtel öffnen. Mein Vater hatte etwas zuviel vom süßen Wein gekostet, seine Nase war rot, er lachte laut und erzählte wilde Geschichten aus Schlachten und Scharmützeln. Das Bankett endete im letzten Zyklus. Ich wurde früher heimgeschickt. Natürlich protestierte ich lautstark, aber wer hört schon auf eine Achtjährige?

Zu schnell ging der Abend zuende. Nur eine weitere Erinnerung blieb. Ich vermisse diese Tage und ich vermisse Erinwald. Doch die Erinnerungen können mir nie genommen werden, ich bewahre sie im Herzen.

_________________
"It seems as if heaven had sent its insane angels into our world as to an asylum, and here they will break out into their native music and utter at intervals the words they have heard in heaven; then the mad fit returns and they mope and wallow like dogs."
Ralph Waldo Emerson, 1841


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