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 Betreff des Beitrags: Die Wüste
BeitragVerfasst: 3.02.05, 19:01 
Mama des Shards
Mama des Shards
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Registriert: 9.12.01, 12:17
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Sternlichter taumeln still zu Boden.
Einem Boden der ebenso weiß ist wie jene tanzenden Lichter, lautlos verschluckt er sie, verleibt sie sich ein, macht sich ihre Zartheit zu eigen. Halas'hars Hufen zermalmen die Sterne, drücken die duftigen Wölkchen knirschend zusammen. Langsam trottet das Pferd über die endlose Ebene, unsichtbar der Horizont.
Die Spuren seiner Hufen beflecken nur kurz die jungfräuliche Schneefläche dann werden sie wieder von neuem Sternenfall ausgetilgt, unsichtbar. Unsichtbar auch schon der nächste Baum. Einhüllender Sternentanz wie wenn sie eifersüchtig auf alles wären das Farbe trug.
Eiskristalle bilden sich auf dem zotteligen Pelz des Rosses, ebenso wie sie sich von ihrem Atem auf der Kapuze niederschlagen. Unter einem überhängenden Felsstück das ein wenig Schutz vor dem Wind bot rasten sie. Dicht zusammenstehend, jeder jedem etwas Wärme gebend und in der Stille des Sternentanzes klang selbst ein Atemzug wie eine Entweihung.

Blind wanderten sie weiter. Zarte Kristalle bedeckten Wimpern und Wangen. Sie merkten das Eiswasser des kleinen Baches kaum als sie die Furt querten. Weiter nun durch schattenloses Gleißen, Licht gespiegelt vom weißen Frosttuch, zurückgeworfen vom blendenden Nebelstreif des Himmels irrt es ziellos umher bis es sich Pfeilen gleich schmerzend durch die abgesenkten Lider in die Augen bohrt. Frierend beugt sie sich über den Hals ihres Pferdes und überläßt sich seiner Sicherheit und Obhut. Gibt sich vertrauensvoll in die Hand des treuen Gefährten, während die gewaltige Stille der Kälte ihre Sinne lähmt.

Sie war angekommen. Mit dem Blick ihres Herzens wußte sie das jene Stelle die richtige war. Benommen und langsam, die froststeifen Glieder protestieren schmerzend, gleitet sie vom Rücken des Hengstes. Grob zerrt Meeresatem an ihnen, bringt sie durch seine nicht ablassende Kraft zum wanken und drängt sie gegen das ihm Einhalt bietendes Gestein. Eine von Wind und Wasser ausgehöhlte Nische im Felsen gibt ihnen Schutz vor seinem zornigen Wüten.

Graue Eisschollen rieben knochenklappernd gegen den felsigen Strand. Oder war sie es selbst? Es war ihr nicht bewusst das ihr Körper, sich selbst schützend in jene Muskelkrämpfe verfiel das ihre Zähne auf einander schlagen ließ. Halas’har stieß sie an und schnaubte ungeduldig. Er ist hungrig, tropfte der Gedanke durch die Starre. Ein weiterer Gedankentropfen, es wäre nicht recht wenn auch er hier sterben würde Sie war doch zum sterben her gekommen. Oder nicht? Zäh wie schwarzes Pech zogen die Gedanken in den gefrorenen Teich des Bewusstseins. Nein es war nicht ihr Sterben weshalb sie hier war. Sterben. Tod. Blut. Neben ihr begann das Pferd schnaufend an dem Gepäck zu knabbern. Ein Fremder, der sich mit Schuld beladen hatte. Der Fremde der sie zwang selbst Schuld auf sich zu laden. Durch ihre Hand gerichtet. Es war nicht der Tod er sie so schreckte, sondern die Empfindung die sie hatte als das Messer seinen Hals durchbohrte. Sie hatte es genossen als sich die Klinge durch Haut, sehniges Fleisch und schließlich schwerer durch den knorpeligen Teil der Luftröhre grub und als er röchelnd an seinem eigenen Blut erstickte.
Es war nicht richtig, ihr Weg war der des Geben nicht der des Nehmen und sie hatte ein Leben genommen.

Frustriert und hungrig stieß der Hengst den Kopf gegen ihre Schulter, warf sie gegen die Felswand und der Schmerz brachte sie wieder zurück, sie spürte die lähmende Kälte, der klammernde Biss des Eises der ihre Glieder in festem Griff gefangen hielt. Wenn ich nicht endlich ein Feuer mache werde ich erfrieren.

Als Ventus Schleier sich auf Tare senkte hielt das Meer den Atem an. So wie zuvor Sternenfall alles in Stille senkte so verschluckte das Gespinst des Himmels jedes Geräusch und ebenso jegliche Sicht. Es legte sich erdrückend auf das winzige Lagerfeuer das sie nach unzähligen Versuchen mit starren Fingern zum brennen gebracht hatte.
Nicht mal Wellenschlag vom nahen Strand war zuhören. Allein das leise Kauen Halas’hars und sporadisches Zischen und Knacken des Feuers. Langsam schmolz der Schnee in dem Eisenbecher und sie schnitt dünne Streifen des Räucherfleisches in die klare Flüssigkeit, wartete bis es fast kochte und schlürft den Sud so heiß es nur möglich war. Wärme breitete sich in ihr aus und entfachte eine träge Müdigkeit in der ihre Gedanken wieder abschweiften. Die Seele reinigen hatte Laz ihr geraten. Daheim hätte sie die Abgeschiedenheit der Wüste gesucht für jenes Ritual. Hier war keine Wüste. Aber ebensolche Leere. Unrs brennender Kuss fehlte hier. Auch der staubfeine Sand welcher sich glühend heiß erhitzte. Ihre Finger schmiegten sich an den schlichten Eisenbecher. Schmerzt Kälte nicht ebenso wie Hitze? Könnte sie, so fern ihrer Herkunft jene ihr vertrauten Mächte anrufen mit ihnen Zwiesprache halten? Wären es die Gleichen die ihr rieten?

Der Blick ging leer auf die bleigrauen Schwaden vor ihr. Es war nicht zu erkennen nur Wolkenfetzen die alles mit feuchtkalten Küssen benetzten. Bedächtig stellt sie den Becher ab und begibt sich heraus aus der schützenden Nische zum nahen Strand. Zwischen rundgeschliffenen Felsen zucken die gräulichen Wellen wie hungrige Tiere umher. Demütig sinkt sie kniend in den meeresfeuchten, groben Sand, streift die wärmenden Handschuhe und die Fellkaputze ab. Tief und ehrfürchtig verneigt sie sich vor dem grauen Nichts, ihre Hände wir eine Schale formend, hebt sie den salzklebrigen Sand vor sich während sie in lautlosem Flüstern die vertrauten Asra' bah intonierent um in der geistigen Stille den Mächten näher zu sein.


_________________
Jump Rope!


Zuletzt geändert von Sonji: 8.02.05, 15:11, insgesamt 1-mal geändert.

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