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BeitragVerfasst: 29.07.04, 17:36 
Altratler
Altratler

Registriert: 7.03.02, 18:16
Beiträge: 1151
Ein Zyklus ist wieder verstrichen und immer noch steht der junge Hirte auf seinen Stab gestützt und wacht über die Herde, die nahe der Stadtmauer weidet. Er nimmt seine Arbei nicht zu genau und sieht den Bürgern nach, die das Stadttor passieren. Dem weizenblonden Hühnen mit dem Dutzend Fellen hinter dem Sattel des kräftigen Braunen, dem tumben Bauern, dem zwei Säcke auf den breiten Schultern lasten und kaum einen Fuss gerade vor den anderen setzen kann, dem Orken in grüner pockiger Haut, der zufrieden grunzend jedes dreckige Rinnsal in den Gossen inspiziert... Der Blick des Burschen fällt auf ein Mädchen, das von der Brücke her kommt und schon liegt ein breites Grinsen über dem gebräunten Gesicht.
Sie trägt wie jeden Tag das dunkelgrüne Wams, den geflickten Lederschutz und wettergeprüfte Stiefel, in denen dürre Beine stecken, die ausgebeulte Hosen bedecken. Das lange schwarze Haar ist gebunden und den Kratzer an ihrer Wange scheint sie nicht einmal bemerkt zu haben. Dennoch hält sie sich erstaunlich gerade. Aufgewühlt sieht sie ihm entgegen, fahrig, wie es nicht ihre Art ist.
Er hält ihr zwanglos und zugleich fordernd die flache Hand entgegen.
Sie fasst in einen der Beutel an ihrem Gurt und wirft ihm eine mindere Münze zu. Die jungen Züge reserviert aufgesetzt, doch in ihren hellen Augen kann sie die Unruhe nicht verbergen.
Wohlig betrachtet der Bursche die Münze, ehe sie in seinem Ranzen verschwindet.
„Und?“ fragt sie forschend, „Hat er ihn gesehen?“
„Ja, das hat er.“
Er belächelt ihre nervtötend wohlerzogene Wortwahl, die so gar nicht zu ihr passen will und trotzdem...
„Er sah ihn.... und... w-was...?“
Ihre Augen haften sich flehend an seine Lippen.
Er richtet sich gelassen vor ihr auf, ohne den Stab aus der Hand zu legen, nicht ganz so regungslos und steif wie sie das für gewöhnlich tut.
„Nun ja... also... er ging.“
„Er ging?“
„Ja, er ging... diesen Weg entlang.“
Sie wendet den Kopf nur kurz um verzweifelt die Gasse hinabzusuchen, als könne dort noch irgendeine Spur sichtbar sein.
Er grinst wieder nur und ignoriert, dass ihre Stirn sich in zarte Falten legt, als sie wieder aufblickt.
„Ist das alles?“ erkundigt sie sich.
Er weiss, dass sie versucht, ihre Stimme kühl klingen zu lassen, dennoch hört er das leichte Zittern darin.
„Hmhm, wenn ich so nachdenke...hm... ja, da war noch etwas.“
„Was war da noch?“ drängt sie ihn angespannt.
Er schmunzelt und hält ihr die Hand geöffnet entgegen.
Sie stöhnt leise auf und sucht eine weitere Münze, die er mit befriedigtem Nicken honoriert.
Sie sieht ihn nur unverwandt an.
Gelasen kratzt er sich über den hellen Flaum am Kinn und mustert sie dabei amüsiert. Er lässt sich Zeit.
„Eine Dame war jene wohl, jetzt fällt es mir wieder ein.“
Ihr Gesicht wird kreidebleich.
„Eine Dame?“
Sie schluckt.
„Jawohl, sie gingen einher, ich sehe noch, wie sie die roten Röcke über das Pflaster hob und ihr Duft... ihr Duft... hm...“
Er hält ein und streckt ihr seine gesprenkelte Nase entgegen.
„Hm nein, ich denke, es war etwas lieblicher.... nicht Pferdestall.“
„Was erlaubt er sich!“
Entrüstet stolpert sie einen Schritt zurück und die Farbe ihrer Wangen wechselt von weiss zu dunkelrot. Sie holt Luft und fängt sich in bemerkenswerter Kürze. Aufrecht hebt sie den Kopf und stürzt die blassen Lippen.
„Und... wer... war diese... Dame?“
„Ich würde, vorsichtig ausgedrückt, behaupten, es war diese Art von Dame, die es versteht, eine Dame zu sein. Einmal abgesehen davon, dass Ihr noch immer den halben Waldboden an Euch haften habt, hat alles andere an Euch wenig mit diesem Abbild an Liebreiz gemein.“
Sein Grinsen will nicht mehr weichen, während sie die Empörung einen Moment nur die gute Kinderstube vergessen lässt.
„Ach! Würde doch Morsan dich holen und der Herrin als Dunk überlassen!“ zürnd sie pikiert.
Er bleibt kühn auf seinen Stab gelehnt, denn er weiss ja, wie verlässlich Sanftheit und Beherrschung sie einholen.
„Hm das ist eigenartig,“ überlegt er.
Die junge Frau sammelt sich und drückt vor Verlegenheit die Nägel ins weiche Holz des geschulterten Bogens.
„Man lehrte Euch lesen und schreiben, aber nicht ein Kleid zu tragen?“
„Ich habe ihn nicht bezahlt, dass er sich Sorgen meiner Gaderobe wegen macht,“ entgegnet sie hochmütig.
Das Feixen bleibt und fast fühlt er so etwas wie Mitleid, denn die hellen Augen verraten ihm ein heimliches Herzweh.
„Ich sagte doch bereits... Oder möchtet Ihr nicht lieber anderen Tratsch aus Brandenstein hören? Stellt Euch nur einen Zyklus lang auf den Markt, kleine Dame, was glaubt Ihr, was Euch alles zu Ohren kommt. Ich hab da etwas vernommen, über den Herren von Wegekreuz, man sagt er ist auf Freiersfüssen... aber ganz oben... Oder die neue Knappin, huh, da weiss man gleich, was sich die hohen Herren dabei dachten... Wollt Ihr davon etwas hören? Nur drei Dukaten und ich sage Euch sogar, was der Herr Magister zum Mittagsmahl hatte...“
Er lacht schallend über seine Worte.
Sie funkelt ihn ungehalten an, um gleich darauf die Lider bekümmert herabzuschlagen.
„Ein Kleid...,“ flüstert sie gepresst.
„Ja, das sind die Hosen mit nur einem Bein.“
„Das sagte mir der Herr bereits ebenfalls.“
„Macht Euch nichts daraus, hm.“
„Ach du...“
Sie lächelt gequält, bevor sie sich von ihm abwendet und zurück zur Brücke geht und bald zwischen den Häusern verschwunden ist.
Der Bursche hält sich am Stab fest und lacht. Es ist kein Spott darin.
„Wer war das?“ fragt der alte Schäfer, der an seine Seite tritt.
„Eine...öhm... Dame aus Falkenstein, aber...“
Er tipt sich vielsagend an die Schläfe.
„Die sind da unten alle etwas... seltsam.“
Der Junge und der Alte schauen sich an.
„Nicht ganz dicht wie der Schwager von Herda.“
Sie grinsen um die Wette.
„Was wird sie jetzt tun?“
„Sie wird sich ein Kleid kaufen, so rot wie die Flammen ihres Herrn.“
„Du hast sie angelogen.“
„Ja, habe ich.“
„Na komm, Junge, geh dich waschen, deine Mutter wartet mit dem Abendmahl und du weißt ja...“
Der Alte legt ihm die Hand auf die Schulter und Dunkelheit breitet sich über den Himmel aus.


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BeitragVerfasst: 30.07.04, 13:33 
Sonnentag, 29.Querler des Jahres 15 nach Hilgorad. Es ist der Beginn der Helligkeit des 5. Zyklus. Es regnet. "Von den Tränen der Xan vollkommen durchnässt", murrt der Mann, der mit tief gebeugtem Kopf und Kapuze über dem Kopf durch die Gassen von Brandenstein eilt. Bei dem ersten Blick erkennt man, er ist ein Weber des Herren Ignis - ein Flammenweber und ein Ketzer. Beim zweiten Blick erkennt man ihn als königlichen Beamten - den Kommerzienrat des Lehens. Auf den letzten Blick mag man vielleicht erkennen, dass auch er jemanden gefunden hat, der auf ihn wartet. In seinem Heim, an seinem Kamin. Er ist verlobt.
"Hurtig, hurtig", ermahnt er sich im Stillen. Lange hatte er meditiert, gebetet und seinen Herren gefragt. Er konnte es sich nicht erklären. Was war überhaupt passiert? War es ein Traum? Was findet das junge Mädchen an einem alten, verbrauchten Ketzer wie mir? Müde dachte er an Akora und seinen Bruder Demian, der vor kurzem einen Schwächeanfall erlebt hatte. "Hoffentlich", murmelt die leise Stimme dann vor sich hin, "Hoffentlich passiert mir nicht gleiches, wie soll das nur alles werden. Hoffentlich muss ich mit Bruder Arden keinen Baum pflanzen und in der Erde der Mutter Rien graben. Hoffentlich...will ich überhaupt Kinder? Diese kleinen nervenden Gören? Nicht dass sie die Ritualrobe des Herren Ignis beschmutzen", nach einem kurzen hilflosen Seufzen, "Hoffentlich akzeptiert sie Heinrich. Hoffentlich....".
Mit schnellem Schritt geht er dann den Vitamasteg hinauf, über die Brücke und dann zu dem Rathaus. Hinter schier unglaublichen Mengen von Akten vergraben und zwischen den Arbeiten von rund zehn bis elf Angestellten der Lehensverwaltung beginnt er dann eine kurze Notiz zu schreiben.

Ringe
Hochzeitskleid
Anzug
Wein
dieses köstliche Fischsteak
Blumen vor der Kapelle für Heinrich und mein Mädchen pflücken

Nachdem er es vollendet hat, steckt er sich den kleinen Zettel in eine Tasche der mit deutlichen Gebrauchsspuren behafteten Robe und murmelt vor sich hin: "Endlich mal wieder einkaufen!". Wohl nur wenige Zyklen später mag man ihn dann nahe dem Hafen, der Werft und der Kaserne zum Handelsbund spazieren sehen, ein kleines Schaf an einer Leine im Schlepptau.


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BeitragVerfasst: 4.11.04, 16:43 
Auf einem Kissen in einer Holzhütte mit knisterndem Kamin, Strohdach und zwei Bewohnern liegt eine einsame ehemalige Seite aus einem Buch. Auf der Rückseite einige Paragraphen aus dem Iuribus auf der anderen Seite einige einfache Zeilen. Die Schreibschrift scheint von geübter Hand, die Buchstaben umschlingen sich selber, das Pergament riecht leicht nach Schwefel. So du es langsam in deine Hände nimmst, deine Augen über die Buchstaben huschen und Zusammenhang suchen, wirst du folgendes erkennen:

Gestern zur späten Zykle stöbert' ich durch alte Bilder
Und da fand ich eins von dir als junges Mädchen.
So wie ich dich kannte, nur ein wenig wilder,
Sahst du mich vergnügt und höflich Hoffnung hegen.

Heute Morgen hatt' ich noch kein Brot gebrochen.
Und ich starrte in mein Wasserglas.
Hab als verliebter Mann dir etwas versprochen.
Und ich kann mich nicht besinnen, was.

Rollt Erinnerung wie Wolle auf der Spule,
Zu Kastanienbaum und Kapellenraum.
Deine zierliche Hand in meiner breiten, warmen -
Doch der Faden bricht in rätselhaftem Wahn.

Meine Kerze will dein Augenlid berühren,
Wenn dein Auge sie auch nicht sehen kann.
Meine Kerze will dich noch einmal beschwören,
Denn was fang ich sonst mit deinem Lachen an?

K.S.

Du weisst, ich bin nicht gut in Worten, aber ich werde dich in meinem Herzen tragen. Deinen Wunsch hoffe ich zu erfüllen, ob Herr, Flamme oder Feuer, du bleibst mein Herz.


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BeitragVerfasst: 10.04.05, 22:04 
Altratler
Altratler

Registriert: 7.03.02, 18:16
Beiträge: 1151
Wind stob die abfallende Seite des Felsmassivs hinauf, doch er brachte nicht die ersehnte Dunkelkühle – warm und trocken schlug er der Gestalt entgegen, die ihm widerstand, bis er abschwächte und sich über dem karken Geröll niederlegte.

Der Mensch dort oben, der sich einen Weg über zerklüfteten Stein gesucht hatte um die Anhöhe an ihrem äussersten Rande zu erreichen, harrte unbeweglich aus und starrte hinab in Tiefen, die sich in Dunkelheit verloren. Kaum mehr zerrte ein Luftzug am staubigen Umhang, der von schmächtigen Schultern über blankes Leder fiel, das den Leib umschlossen hielt.

„Noch nicht... nicht... erst muss... dieses herunter“, keuchte eine heissere Stimme, die befremdend klang in der Stille des verlassenen Ortes und einer trockenen Kehle erlag.

Die junge Frau wandte und rührte sich, bis die Rüste herabfiel und vor den schorfigen Stiefeln liegenblieb. Befreit sog sie die Luft ein, doch der Atem war so brennend, dass Husten sie schüttelte. Abermals fuhr der Wind hinauf, drückte nieder in der Hitze, die er mit sich brachte, strich übers haftende schwarze Haar, die rissigen spröden Lippen, trieb Tränen in die wunden müden Augen.

„Warum gerade jetzt... Oh Herrin, warum jetzt hälst du deine Wasser zurück?“

Beherzt setzte sie den Stiefel nahe dem Rand und umschlang den mageren Leib, den nunmehr weisses Tuch bedeckte und spähte hinab in den finsteren Schlund.

„Wie dem Tod ins Angesicht blicken, wenn es an Lichte fehlt“, raunte sie und schon war der Fuss zurückgesetzt.

Sie kniff die Augen fest zusammen, Sandkörnern gleich rieb die erhitzte Luft in ihnen und nahm den hellen, lauteren Glanz. Sie sammelte sich und hob den Blick entschlossen zum schwarzen Himmel. Schon verhiess der blassrote Schimmer hinter den Gipfeln der höchsten Berge Felas Wiederkehr. Unerträglich lag die Dürre über dem Land, selbst die Düsternis konnte sie nicht verdrängen.

Die junge Frau legte beide Hände flach über die schmierige Stirn und wieder wagte sie den Schritt, der sie vom Abgrund trennte.

„Ob es würdig sei in meinem Leibchen zu sterben?“ fragte sie sich laut, zögerte vor der Tiefe und schien abzuwägen. Die Hand glitt hinab und griff in die flatternden, durchschwitzten Leinen. Sie schüttelte den Kopf, trat zurück, stopfte sorgfältig den Saum in den Bund der Beinkleider und griff den Umhang, um sich zu bedecken. Zufrieden richtete sie sich auf, am Ende des Weges, am Abfall der Hügel.

„Meriwen, du könntest wenigstens Anteilnahme heucheln“, entfuhr es ihr bissig, während sie den Blick hinter sich auf die aufgewühlte Ebene richtete, die wenige Schritte unter ihr lag.

Das Pferd, dessen Umrisse sich schwach vom grauen Gestein abhoben, war von geringem Wuchs, jedoch beinahe breit wie hoch und zupfte ungerührt die letzten verdorrten Halme aus dem harten Boden, ohne auch nur den Kopf zu wenden.

Ein lautes Seufzen hallte von den Felswänden wieder, und die junge Frau kehrte sich dem Abgrund zu, der im einfallenden Licht des frühen Zyklus noch immer nicht seinen Endpunkt preisgeben wollte. Bang verzog sie das junge Gesicht, reckte den Hals und schob die Stiefelspitzen zaudernd vor.

„Was nun wenn meine Rechnung falsch gewesen?“ schreckte sie auf und nahm gleich an die drei Schritte zurück vom Rachen.

Im schwachen Schein hielt sie die Hände vors Gesicht und zählte an den Gliedern schweigend die Anlasten, die ihr einfallen wollten, der Blick gefüllt von bestürzten Tränen, als sie den letzten Finger umschlossen hielt.

„Ich habe diesen ganzen verflixten Pfad betreten, ohne auch nur die geringste Kleinigkeit recht zu tun. Abbüssen will ich meine Taten und... und ich werde meinen Fuss auf den Weg setzen, den niemand geht, kein Unheilt soll lauert dort durch mich, denen, die ich...“

Die Worte verklangen so unwirklich, als wären sie in der Einöde der Anhöhen nie gefallen.

Sie haderte mit sich selbst, beugte sich, griff die lederne Rüste am Gurt und schleifte sie schluchzend über Stein und Fels mit sich her. Sie stolperte und fing sich schleppend in den quälend warmen Winden, die Luft schien anzuschwellen, je weiter Fela seinen Kreis beschrieb.

Neben der stämmigen Stute fiel sie auf die Knie, weinte schmerzlich über die Frevel die von ihrer Besonnenheit raubten. An ihrer Seite lagen Satteltaschen im Sand, aus denen hervor das alte Schwert Darlans ragte, weitergegeben vom Vater an den Sohn, nun an die Tochter, der jeder Versuch misslang, ihre Ehre zu mehren.

„Die Götter sääen in der Menschen Herzen, und schlimmer noch wenn aus den Freuden Schmerzen gedeihen. Ach könnt ichs mir herausreissen, das Herz, könnt ichs mit den Händen greifen und vernichtend schlagen, was unbezwinglicher als jedes Heer.“

Die Stute gab ihr keine Antwort und zermalmte Kräuter, die sich in Klüften fanden.

„Nicht einmal den Tod vermag ich zu erwählen..,“ jammerte die Frau, „sieh nur wie mir tausend Dinge, unvollendet, jenen Weg versagen.“

Die Stute trottete unter der Dürre mit hängendem Kopfe weiter und kehte ihr das breite Hinterteil zu.

Aufschluchzend vergrub sie das Gesicht hinter den Armen, bis sie stille wurde und sich besann. Und so dachte sie eine lange Weile, der Zyklus verstrich und ein anderer folgte. Dachte und dachte, krämte und entzweite sich vor dem Willen des gebietenden Herrn.

Es dürstete sie in der Trockenheit und zusehends schwanden ihre Lebenskräfte, doch in den schwächsten ihrer Atemzüge, lag ein Widerstand, der sie auf die Beine zog und taumeln liess, bis sie erneut den Abgrund erreichte. Hier stand sie nun am Ende ihres Weges, und während man sie noch ausgesandt hatte, ihren Pfad zu suchen, wusste sie, dass sie ihn längst gegangen war. Er endete und kein Lachen sollte Fela mehr entlocken, kein Gedanke, der eine Wahl von ihr verlangte, die sie nicht zu treffen vermochte. Letzte Liebkosungen, sie gebührten dem väterlichen Freund, der zurückgekehrt, sie gebührten denen, die die Zyklen mit ihr teilten, und dem, den sie nicht mehr erreichen konnte und der ihren Händen entglitt wie Flammen nicht zu fassen waren. Der so stark und beharrlich auftrat, dass ihr Dasein neben ihm verblasste. Begriffen und geliebt, freigegeben und betrauert. Mit jedem Gefühl bei den ihren, weitete sie die Augen und ihre Sinne schärften sich in geschulter Wachsamkeit.

Vor ihr in der Tiefe lag die Sicht auf die Wälder frei, kein Reich der Herrin konnte erfüllender und berauschender sein in seiner Pracht. Hänge, deren grüne Färbung in verdortes Braun wechselten, Tannen, die sich schützend um die letzten Schatten drängten und ein Borstenvieh, das sich träge auf die ferne Lichtung schob. Die junge Frau warf den Kopf auf, wachgerufen richtete sie den Blick auf den Keiler, der sich ahnungslos seiner Deckung entzog. Jede Sehnsucht nach dem Ende verschwand und wich einer unfassbaren Lebhaftigkeit.

„Meriwen! Wenn du das sehen könntest!“ rief die junge Frau ergriffen aus und sah sich um zum Plateau, auf dem die Stute ein dumpfes Schnauben ertönen liess.

Die junge Frau verschränkte zufrieden die Arme vor der Brust und betrachtete die versöhnliche Aussicht, die sich ihr bot. Hinter ihr stapfte das beleibte Bergpferd auf die Stufen zu, die man in den Felsen geschlagen hatte, um die Anhöhe erreichen zu können. Mit schleifendem Zügel und Eigensinn steuerte es dem Abstieg zu, ohne in dieser Aufforderung auf sie zu warten, nur das dumpfe Auftreten der lahmen Hufe auf dem Grund der fest war wie gebrannter Lehm, verrieten sie.

„Wie kann es angehen“, murmelte die junge Frau, „wenn es die unergründlichen Launen der Götter nicht tun, wird es lästiges Selbstzweifeln sein, dass mich niederwirft. Vor göttlicher Macht zu straucheln, ist keine Schande, Liebe abzuleugnen die allergrösste... Meriwen! Heda! Vermaledeiter Esel!“

Sie sprang herunter auf die Ebene, wenige Schritte hastete sie der Stute nach, dann bleib sie stehen, keuchte und hustete.

„Und man lässt auch seine Gefährte nicht alleine zurück auf glühenden Gipfeln, die einem Hirn und Hintern versengen!“ brüllte sie der Stute nach, die hinter der Biegung verschwunden war. Ihr eigenes Echo war die einzige Antwort.

Leise fluchend trat die junge Frau in den Staub, kroch zurück zur Hochebene, auf der man die Erde aufgerissen und aufgeschüttet hatte. Mühselig und schwitzend beugte sie sich nach dem Geröll und trug einen Stein zu einem aufgetürmten Stoß. Ein weiterer Findlinge folgte unter Felas erbarmungslosem Stand, wieder einer und wieder, und sie weinte dabei still vor sich hin.

„Nun, Herr Shareth, dann trage ich diese verdammte Last“, zischte sie zerknirscht, „und glaube ja nicht, ich würde davon laufen!“


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