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Wer kennt sie nicht? Die nächtlichen Exzesse in der gloreichen Hauptstadt. In dunklen Gassen treiben sich zwielichtige Gestalten herum, welche alle Arten von Rauschmitteln verticken. Der Markt weitet sich immer mehr aus, sogar mancher von Adel raucht gerne mal das Blaublattkraut aus Endophal, auch Nachtschatten genannt. Wem das nicht genügt, der geht zum Alchemisten und lässt sich einen Trank mischen, der zu Muskel Kontraktionen und Visionen führt, auch leichtes Gift genannt. Ein schmutziger Schwarzmarkt verborgen vor der Obrigkeit. Entweder sie übersehen es oder sie wissen nichts davon und wer es weiß steckt selbst bis über beide Ohren drin.
Vitamagasse, kurz nach Sonnenuntergang. Eliza arbeitet schon seit Jahren für einen Mogul der draconischen Unterwelt. Sie ist Kurier, bringt rasch Päckchen und Beutel von A nach B. Bisher hatte sie keine Probleme. Alle das tat sie ja auch nur, weil ihr keine andere Wahl blieb. Sie wollte nicht enden wie die Prostituierten im Lichtscheinviertel. Wenn sie diesen Mädchen ins Gesicht sah, dann sah sie nichts als trauer und gebrochene Herzen. Diese Frauen waren keine Menschen mehr, ihnen blieb der Weg in Morsans Hallen noch eine Weile verwehrt, obwohl sie schon lange Scheintod waren. Doch eins hatte Eliz gelernt, denk nur an dich selbst. Jeder ist allein am stärksten, denn niemand fällt dir so in den Rücken.
Sie war da. Vor einer maroden Eichentür hielt sie inne und klopfte an. Ein Sehschlitz wurde aufgezerrt. Zwei trübe Augen starrten hinaus, tiefe Aggression funkelte in ihnen. Das Augenpaar sondierte das Mädchen, dann wurde der Schlitz wieder zugedonnert. Die Tür wurde entriegelt, eine Hand schnellte hinaus und zerrte das rotgekleidete Mädchen in den Raum. Als Eliz sich vom Schock erholt hatte, sah sie sich in mitten einer kleinen Meute von Personen. Alle hatten wölfische Gesichtszüge und ein barbarisches Grinsen auf den Lippen. Zwar war sie eingeschüchtert, aber ansehen lassen wollte sie sich das nicht. Sie ging auf einen der Männer zu, derjenige mit den teuersten Kleidern und sprach, "ich habe ein Paket. Wo ist das Gold?" Der Mann antwortete nicht, er grinste sie unverwandt an. Die Unruhe entfachte sich immer mehr, wurde zum Flächenbrand und brach dann völlig aus als mehrere Hände nach ihr Griffen. Was folgte war Dunkelheit, durchwoben von kurzen Momenten des Lichts. Schweiß der stinkend ihre Haut bentze, Flüssigkeiten die ihre Lippen benetzten, Rauch der in ihre Lungen vordrang. Ihr Geist war ein einziger wilder Ritt. Bunte Farben, grelle Lichter, drehende Räume und die Fratzen des Wolfsrudels.
Hinter ihr fiel die Tür ins Schloss. Sie war wieder in der Gasse. Das Gold hatte sie bekommen, aber auch noch soviel mehr. Angestachelt und aufgedreht wankte sie durch die Gasse. Vor ihrem Auge veränderte sich alles. Alles drehte sich, alles verzerrte sich und sie sah Dinge die sie zuvor nie sah. Euphorie verwob sich mit innigem Vergnügen. Sie kicherte, rannte voran und hinaus auf den großen Markt. Die Leute die an ihr vorüber gingen sahen so anderst aus. Sie waren Lichtgestalten und Produkte ihrer Fantasie, anderst war es nicht zu erklären. Fliegende Elfen, tanzende Zwerge und kämpfende Hobbits verwoben sich zu einer Vision die ad absordum geführt wurde. Eine Welt voller weiter Wiesen, voller frischem Tau, der explodierte und als Regen herab rieselte auf die abgefahrensten Kreaturen. Schlangenmenschen, Schildkrötenhobbitkreuzungen, Elfenelefanten die sich im zarten Grün umher wälzten. Doch auch das schönste geht zu ende. Ein abruptes Ende. Alles wurde Schwarz.
Sonnenstrahlen weckten sie. Mühselig stand sie auf. Wo war sie nur? Sie roch nach Unrat und anderen unschönen Dingen und um sie herum waren runter gekommene Häuser zu sehen. Ein Zittern durchzog sie. Schweiß ran an ihrer Stirn herab und eine Unsicherheit ohne Grund machte sich in ihr Breit, wie ein Loch im Herzen. So fühlte sich also der Entzug an? Sie brauchte mehr. Mehr von diesem Stoff. So durfte es nicht enden, sie wollte wieder ins Wunderland! Aber halt! Es gab einen Weg. Jenen Weg den sie so verachtete. Ein guter Weg aus dem jetzigen Standpunkt.
Monate waren vergangen. Ein Mädchen, selbst Kurier, kam eine Gasse herab gerannt und sah ein paar Huren an einer Hausecke stehen. Ihre Gesichter waren ausgemerkelt, ihre Augen leer und ohne Hoffnung. Besonders eine junge Frau in rot fiel ihr auf, sie hatte etwas an sich, etwas das ihr vertraut vor kam. War sie ein Spiegelbild oder war sie ihr Nemesis, dass was sie nicht werden wollte. Zweiteres, ja, ganz bestimmt.
Wenn die Unterwelt jemanden erwischt ...
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"It seems as if heaven had sent its insane angels into our world as to an asylum, and here they will break out into their native music and utter at intervals the words they have heard in heaven; then the mad fit returns and they mope and wallow like dogs." Ralph Waldo Emerson, 1841
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Zuletzt geändert von Shaila: 7.04.05, 16:37, insgesamt 1-mal geändert.
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