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 Betreff des Beitrags: Mirian
BeitragVerfasst: 23.04.05, 08:26 
Ehrenbürger
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Es war ein kühler Tag im Bellum. Laub lag auf dem Vorhof der Burg. Reges Treiben herrschte, denn ein Fest zu Ehren des Kriegsherren stand bevor. Mägde, Knechte, Krieger und Torwachen gingen umher und organisierten. Alles sollte zur Zufriedenheit des Burgherren bestellt werden. Ein rauschendes Fest sollte es werden, so wie jedes Jahr. Schaukämpfe sollten gezeigt werden und Narren sollten das Volk belustigen. Eine allgemeine Fröhlichkeit lag in der Luft und steckte jeden an. Jeden? Nein, nicht wirklich jeden. Sir Horace, seinerseits der treuste Vasall des Burgherren trottete mit grüblerischer und missmutiger Miene über den Hof. Kurz zuvor hatte er etwas erfahren, was ihn mehr als beunruhigte. Gerade hatte er mit dem Herzog der Burg gesprochen und überquerte den Innenhof, da kam ihm sein ältester Sohn entgegen. Gekleidet in die Farben des Falkenordens begrüßte er den Vater in seiner Greifenuniform herzlich. Ritter Arnando war erst vor kurzem aus Endophal heim gekehrt, dort hatte er unter der Führung von Sir Elister, einem Ritter des Drachenordens, einem Bankett eines dort heimischen Landesvaters teilgenommen. Der Vater kam gar nicht erst dazu seinem Sohn die Bedenken, die ihm ins Gesicht geschrieben waren mitzuteilen, denn ein kleiner Wirbelwind trat auf die Bildfläche. Mirian, seine Tochter und irgendwie auch sein ganzer Stolz. Das kleine Mädchen rannte auf den Vater zu und wollte sogleich auf dessen Arm. Sie störte sich nicht mal an der schweren Panzerung des Ritters. Es war ihr egal, hauptsache sie konnte seine Wange küssen und bei ihm sein. "Na mein Kind, bist du der Mutter wieder davon gerannt," fragte er mit sanfter Stimme seine Tochter, welche nur mit einem Kichern antwortete. Ritter Arnando betrachtete das ganze mit einem Schmunzeln auf den Lippen. "Vater, ich muss noch mit dem Herzog reden. Wir reden später." Horace nickte seinem ältesten Sohn kurz zu und widmete sich dann ganz seinem jüngsten Kind. Mirian war durch das Spielen mit den Kindern des Stahlknechts vollkommen verdreckt, aber das wunderte den Vater nicht mehr. Er kannte sie mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass Strafe da nichts brachte. So war nun mal ihr Charakter. Ungestüm und ein bisschen tolpatschig. Sein Kind tragend ging er ein paar Stufen empor, während sie ihm Löcher in den Bauch fragte und er gewissenhaft antwortete. Ihre meisten Fragen drehten sich um die Abenteuer ihres Vaters, der für sie ihr größtes Vorbild war. In früheren Zeiten war der Sire viel gereist. Er war schon in Khalandrien und Endophal gewesen und auch auf der anderen Seite der Drachenschwingen. Auf der Wehrmauer angekommen setzte er seine Tochter zwischen zwei Zinnen ab, so dass ihre Beine herab baumeln konnten und legte ihr die Hände auf die Schultern. Schön sah das Land von hier aus. Saftige Wiesen erstreckten sich in alle Himmelsrichtungen. Nur hie und da stand ein Gehöft. Man sah Pferde auf Weiden herum tollen und Pilger und Händler die zur Burg kamen oder sie verließen. "Vater, denkst du ich kann es schaffen eines Tages auch so ein starker Ritter zu werden wie du?" Diese Frage stellte Mirian oft, denn sie wollte genau wie ihre Brüder eines Tages den Titel eines Ritters tragen. Horace schmunzelte und massierte sanft ihre zierlichen Schultern. "Sicher, wenn du dir Mühe gibst und hart genug dafür arbeitest, wirst du es schaffen. Allerdings glaube ich nicht, dass du ein Ritter des Schwertes werden würdest, so wie ich. Ich denke du würdest ein Ritter der Weisheit und Tugend. Mehr bedacht auf Wort, als auf Kampf. So würde ich mir das jedenfalls wünschen, sonst muss ich mir noch Sorgen um meinen liebsten Dukaten machen." Er nannte sie oft so, "seinen liebsten Dukaten".

Später am Tag wurde sie von ihrem Vater allein gelassen. Er musste mit seinem Sohn reden, denn es gab wichtige Aufgaben die nicht warten konnten. Mirian war etwas enttäuscht, denn es war seit langem der erste Tag gewesen, an dem Horace Zeit für sie fand. Trübsinnig eine traurige Melodie vor sich her summend schlenderte sie durch die Burg. Hie und da grüßte sie Wachen und Bedienstete. Sie war hier bekannt, schließlich hatte sie schon fast jedem Burgbewohner einen Streich gespielt. Einmal hatte sie sogar den Herzog rein gelegt. Dafür hatte sie jedoch eine ordentliche schelte bekommen. Ihr Weg führte sie zum Wohnhaus ihrer Eltern, dass im ersten Ring der stattlichen Burg errichtet worden war. Hinter sich ließ sie die Tür lautstark in das Schloss fallen. Ihre Mutter stand am Feuer und rührte in einem Topf. Ihr jüngerer Bruder, Schildknappe bei ihrem Vater saß am Tisch und beobachtete sie. Beide redeten über besorgnis erregende Dinge, denn ihre Gesichter waren nachdenklich. Als jedoch Mirian eintrat änderte es sich schlagartig. Erinwald sprang auf die Füße und umarmte seine kleine Schwester sogleich. Auch Mirian's Mutter, Eliza, ließ den Topf einen Moment aus den Augen und gab ihr einen Kuss. "Was hast du heute denn wieder getrieben, du bist ja von Kopf bis Fuß verdreckt," rief die Mutter, mit einem erheiterten Gesicht, obwohl sie versuchte irgendwie doch streng zu wirken. "Erinwald, nimm deine Schwester und bade sie. Das Essen ist bald fertig und sie soll dann sauber sein." Der Knappe nickte grinsend, nahm seine Schwester bei der Hand und führte sie ins Badezimmer.

Einen Nachtzyklus später saßen alle am Tisch. Es gab einen Eintopf der einen wohlduftenden Geruch ausströmte. Die ganze Familie war versammelte. Alle unterhielten sich ausgelassen und lachten über naive Bemerkungen des jüngsten Sproßes. Sie fand das gar nicht toll, denn sie kam sich dann jedes mal etwas dumm vor und lief rot an. Gegen später wurde jedoch die Miene des Vaters ernster, ehe er mit ehrfurcht gebietender Stimme um Ruhe bat. "Meine liebe Familie, ich muss euch etwas mitteilen." Alle Augen richteten sich auf ihn. Er seinerseits erhob sich. "Der Herzog unterrichtete mich heute, dass im Landkreis Savaro seit ungefähr 2 Monden eine Räuberbande ihr Unwesen treibt. Die Sache klingt harmloser als sie ist, denn diese Verbrecher sind gut organisiert. Schon zwei Ritter verloren durch sie ihr Leben. Man nennt sie nur die blutroten Reiter aus dem Süden." Alle lauschten des Ausführungen des Greifenritters aufmerksam und ihre Gesichter nahmen besorgte Züge an. "Der Herzog befahl mir eine Gruppe zusammen zu stellen, die dieser Gefahr entgegen wirkt. Deshalb werden Arnando, Erinwald und ich morgen zusammen mit zwei weiteren Rittern und einer zwanzigköpfigen Gruppe auf die Jagd nach diesem Gesindel gehen." Nach diesen Worten schloß er und nahm wieder Platz. Den ganzen Abend über waren alle schweigsam. Mirian wurde wenig später ins Bett geschickt. Sie konnte nicht schlafen, zu schwer war ihr Herz aus Sorge um ihren Vater und die Geschwister. Eine Weile hörte sie die anderen unten noch sprechen, dann fiel sie in tiefen Schlaf.

Seit einer Woche war der großteil ihrer Familie nun weg. Von den Zinnen aus blickte sie herab auf die Wege die zur Burg führten. Sie wollte einen Blick auf sie erhaschen wenn sie wiederkehrten. Dann wäre wenigstens die Gewissheit da, dass alle überlebt hatten. Doch es geschah nicht und sie wurde von Tag zu Tag trübsinniger und launischer. Oft hörte sie ihre Mutter unten im Haus weinen, doch wenn sie ins Zimmer kam waren die Tränen weggewischt und sie lächelte ihre Tochter an.

Dann kam der Tag an dem sie aufatmen konnte. Mittlerweile waren 2 1/2 Wochen vergangen. In der Burg erhallte das wohlbekannte Horn und hufgetrampel war zu hören. Mirian hatte den Vormittag im Stahl verbracht und durch das gemeinsame Spielen mit den Anderen ihre Sorgen verdrängt. So schnell ihre Füße sie trugen, rannte sie hinaus zum Hof. Dort standen knapp 12 Reiter, alle trugen Helme. Als sie losritten waren es wesentlich mehr. Als ein Reiter, gekleidet in dunkles Blau sie erblickte, stieg er aus dem Sattel und nahm den Helm ab. Es war ihr Vater. Sein Gesicht war blass und voller Trauer. Er ging auf seine Tochter zu, kniete sich zu ihr herab und wuschelte ihr durch Haar. Sie fiel ihm um den Hals. "Ich habe dich vermisst, Vater." Er drückte sie kurz ansich und lächelte schwach. "Ich dich auch, Mirian." Mirian's Blick wanderte über die Reiter. Sie erblickte Arnando, ihren ältesten Bruder. Seine Tunika war mit Blut besudelt und Risse waren in seiner Rüstung, aber er sah gesund aus. Wen sie jedoch nicht erblickte, war Erinwald. Er fehlte. "Wo ist den Eri?" fragte sie leise. Ein leiser Seufzer entwich ihrem Vater und er griff ihre Schultern. Direkt sah er ihr in die Augen. "Er ist gefallen, im Kampf." Ein Ruck durchzog ihren Körper. Alles schien ihr taub zu werden. Die Beine zitterten und ihr wurde schwindelig. Sie verlor das Bewusstsein.

Erinwald war ihr Standbein gewesen, jene Person an die sie sich wandte wenn sie kummer hatte. Er war immer für sie da und nicht so vereinnahmt von Pflichten wie die Anderen. Und nun war er weg, getötet durch ein feindliches Schwert. Ihr kindliches Herz war gebrochen und sie veränderte sich von einem Tag auf den anderen. Die Naivität wich und hinterließ nur eine kühle Fassade, die nie zu bröckeln begann.

Jahre strichen ins Land und Mirian begann ihr Schwerttraining. Sie war eine fleißige Schülerin unter der Fuchtel ihres Vaters. Er war streng zu ihr und ließ sie des öfteren Staub schlucken. Ihr war das Recht, denn sie wollte nicht bevorzugt werden, nur weil sie das jüngste Kind war. Ihre Beziehung zu ihrem Vater hatte sich geändert nach dem Tod Erinwalds. Vom fürsorglichen Freund, mit dem sie rumalbern konnte, wurde er zu ihrem strengen Mentor und Lehrer. Er scheute sogar nicht davor, ihr das Kämpfen mit scharfen Waffen beizubringen. Einmal ging er so harsch zur Sache, dass er seine Tochter mit einem Hieb entwaffnete, der eine lange Narbe auf ihrer Wange zurück ließ. Dies konnte er sich lange Zeit nicht verzeihen und er wich seinem Kind aus und vernachlässigte das Training. Durch diese Begebenheit erfuhr Mirian nur die Grundkenntnise des Schwertkampfes.

Es näherte sich allmählich der Tag ihres 18. Lebensjahres. Wie es brauch in der Familie war, diente sie in der Wache zu Savaro. Sie war nur Rekrut, gab sich jedoch Mühe und hielt jeden Abend vor dem Tor Wache. Ein alter Krieger namens Lothar war ihr zugeteilt worden. Er kümmerte sich rührend um sie, auf die Art und Weise, wie es früher ihr richtiger Vater tat. Wenn sie Wache standen redeten sie viel und hielten nur inne um vorbeigehende Pilgerer zu grüßen oder sie zu durchsuchen. Es tat ihr gut jemanden zu haben mit dem sie sich verstand. Dieser alte Mann ersetzte für sie schon fast ihren Bruder, den sie verloren hatte. Jedoch erinnerte er sie auch an ihn, wodurch sie immer schwermütig wurde, wenn sie ihm in die Augen blickte.

Ein halbes Jahr hatte sie in der Wache gedient, lange genug wie ihr Vater befand. Eines Tages nahm er sie zur Seite und redete auf sie ein. "Tochter, ich weiß, dass ich in letzter Zeit ein schlechter Vater war, doch bitte versteh mich. Jener Unfall auf dem Übungsplatz zeigte mir eins. Ich kann nicht dein Lehrer sein, dazu sorge ich mich zu sehr um dich." Bei diesen Worten legte er ihr eine Hand auf die Wange und strich mit dem Daumen über die Narbe. "Ich will das du einen anderen Weg gehst als deine Brüder. Deinen Traum den Ritterstand zu erlangen, will ich dir nicht ausreden ... jedoch ... Bei dir soll es ein anderer Weg sein. Ich will das du eine Reise tust. Ziehe durch Galadon und finde einen Anderen, dem du dein Schwert anbieten kannst. Und eines Tages ... wenn du das Gold der Falken trägst, komm wieder heim. Dann will ich dich betrachten und stolz auf dich sein." Diese Worte rührten sie, auch wenn sie Abschied bedeuteten. Nach all diesen Jahren war er wieder jener Mensch den sie so vermisste. Sie fiel ihm um den Hals und weinte.

Da sie die neue Offenheit ihres Vaters noch genießen wollte, zögerte sie ihre Abreise hinaus. Erst 5 Wochen später belud sie ihr Pferd und ritt nach einer herzlichen Verabschiedung ihrer Freunde aus dem Stadttor hinaus. Das Ziel ihrer Reise war ihr noch nicht ganz klar. Es gab soviele Ritter in diesem Land und alle waren sicher gute Herren. Doch wer war der richtige für sie? Und vor allem, wer von ihnen würde sie akzeptieren? Tage lang ritt sie nach Nord-Osten ehe sie Umdesd erreichte. Hier quartierte sie sich in einer Raststätte ein und blieb auch eine Nacht. Frisch gestärkt wollte sie dann sogleich weiter. Da sie es nicht eilig hatte, entschloss sie den beschwerlicheren Weg zu nehmen. Statt die Feuerwälder und das Phönix Gebirge zu umreiten, wollte sie diese durchqueren und das Gebirge überwinden. Schweren Herzens verabschiedete sie sich von ihrem Schimmel Silberhuf. Auf dieser Strecke konnte er sie nicht begleiten und der Wirt versprach gut für ihn zu sorgen und einen Boten nach Savaro zu schicken, damit man das Pferd abholt. Zu Fuß, gerüstet mit einem Schwert und Proviant, betrat sie den Wald. Verschlungene Bäume taten sich rechts und links des Weges auf. Sie waren Efeu bewuchert und krumm, wodurch sie eine gespenstisches Äußeres aufwiesen. Dieser Wald hatte etwas magisches ansich. So stellte sie sich die bösen Wälder aus den Geschichten vor, die ihr Vater ihr einst erzählte.
Nach einer Weile hielt sie am Wegesrand um zu rasten. Ein Brot genügte ihr als Nahrung für den Moment. Gerade wollte sie sich erheben, als es hinter ihr im Gestrüpp raschelte. Sie fuhr herum, die Hand am Schwertknauf, doch sah sie nichts und es war wieder still. Einen Augenblick noch blieb sie aufmerksam, dann beruhigte sie sich wieder. War wohl nur eine Täuschung gewesen oder ein wildes Tier. Ihre Sachen hatte sie rasch gepackt und den Weg wieder betreten. Zwei Schritte hatte sie getan, da hörte sie das Rascheln wieder, diesmal ignorierte sie es aber. In einem Wald gab es eben Wild, was sollte sie sich drum kümmern. Im nächsten Moment brach etwas durch das Gestrüpp und rannte sie unsanft um. Als sie nach kurzer Benommenheit wieder klar im Kopf war und sich umsah, erblickte sie einen rot gekleideten Mann, der sie entschuldigend anlächlte und ihr die Hand hinstreckte. "Tschuldigung, hab' euch nich' gesehen. Wollt euch nich' weh tun. Lasst mich euch helfen." Sie ließ sich auf die Beine helfen und klopfte den Dreck ab. "Ihr solltet wirklich die Augen auf machen, Herr." Nörglerisch war ihre Stimme und ihre Laune nicht gerade die Beste. Der Mann kicherte verlegen und nickte dann hastig. "Wisst ihr, ich bin oft hier im Wald und normal umgehen die meisten Reisenden ihn. Nur selten treff ich mal jemanden hier, da hab' ich nich' mit euch gerechnet." Mirian nickte sachte. Die Beiden liefen eine Weile nebeneinander her und sprachen. Der Name des Fremden war Erulan. Er war Magier und stammte aus Draconis. Dort ging er zur Akademie und hatte immer hin schon den Rang eines Adepten. Hier im Wald war er meist auf der Suche nach Kräutern für seine heimliche Leidenschaft, die Alchemie. "Irgendwann will ich mal Erzmagier werden, aber nicht lange. Denn eigentlich will ich reisen. Ein reisender Magier will ich werden. Dann komm ich sicher überall hin. Nach Endophal und nach Khalandrien und nach Siebenwind und weiß der Geier wo noch hin." Siebenwind ... Das hatte Mirian einmal gehört. Vor langer Zeit hatte ihr Vater davon gesprochen. Damals sagte er die Insel sei eben erst entdeckt worden und nun Teil des königlichen Landes. Mirian erzählte Erulan von ihren Plänen und er ergötzte sich daran, dass ihre Pläne sich eigentlich ähnelten.
Nach einer längeren Wegstrecke musste sich Erulan dann verabschieden. Er wollte nicht über die Berge, dass war ihm zu anstrengend. Lieber würd' er ein paar Tage länger spazieren und diese umgehen. Sie verabschiedeten sich und Mirian setzte ihren Weg alleine fort. Vor ihr lagen schon die ersten Ausläufe des Gebirges. Verschlungene Pfade führten hinauf zum Gipfel, verliefen sich dann aber knapp davor im Gestein. Es würde sicher ein schwerer Aufstieg, dachte sie sich und setzte ihren Weg trotzdem frohen Mutes fort.

Es war wirklich beschwerlich. Je weiter sie kam, umso dünner wurde die Luft. Das Klima wurde kälter und weiter oben fiel sogar Schnee. Es fror sie, am liebsten wäre sie umgekehrt, aber Aufgeben stand nicht zur Debatte. Über einen weitreichenden Klätscher schaffte sie es schließlich die andere Seite des Bergs zu erreichen. Von dem Plato aus auf dem sie nun stand, hatte sie einen wunderbaren Ausblick. Vor ihr lagen weite Wiesen, ähnlich saftig und grün wie die vor Burg Savaro. In der Ferne sah man die Mauern einer prächtigen, weißen Stadt. Draconis! Weite Mauern umgaben sie und Banner wehten an den Zinnen im Wind. Alles überragend sah man die Türme des Palastes, in dem König Hilgorad residierte. So ein Anblick hatte sich ihr noch nie geboten. Es war einfach nur atemberaubend und wunderschön. Diese Stadt wollte sie von nahem sehen. Die Euphorie gab ihr neue Kraft und sie schritt eiliger voran. Gegen Abend hatte sie den Fuß des Bergs erreicht. Hier stand eine kleine Gaststätte in der sie einkehrte. Der Wirt war ein freundlicher, älterer Herr, der viele Geschichten zu erzählen hatte. Vor allem die Hobbits hatten es ihm angetan und er rauchte gern deren Pfeifenkraut. Noch nie in ihrem Leben hatte Mirian andere Völker gesehen. Der Gedanke, dass sich dies bald ändern könnte erfreute sie.

Am Tag drauf war sie wieder unterwegs. Es war noch ein zweitagesmarsch bis zu den Mauern von Draconis. Sie wollte vor Einbruch der Nacht die halbe Strecke hinter sich gebracht haben. Gegen Mittag kam ihr ein Reiter entgegen, schwang sich aus dem Sattel und hielt ihr einen Steckbrief unter die Nase. Darauf war ein junger Herr abgebildet, der einen finstren Gesichtsausdruck zur Schau stellte. "Habt ihr diesen Mann gesehen? Er hat in der Altstadt der Hauptstadt einen Elfen erdolcht. Ein sehr gefährlicher Herr." Mirian verinnerlichte das Gesicht. Er kam ihr bekannt vor, sie wusste nur nicht von woher. Zu ihrem bedauern musste sie dann den Kopf schütteln. "Nein, denn kenn ich nicht, Bellum sei Dank. Sollt ich ihn sehen, werde ich es der Stadtwache melden." Der Reiter verneigte sich, bestieg wieder sein Pferd und galoppierte davon.

1 1/2 Tage später stand sie endlich vor dem Haupttor der glänzenden, gewaltigen Hauptstadt. Karren von Händlern fuhren ein und aus und viele Reisende strömten in die Stadt. Die Wachen vor dem Tor waren allesamt in weiß gekleidet und standen diszipliniert stramm. Ab und an hielten sie einen Wagen auf und durchsuchten sie. Als Mirian heran trat stellte sich ihr eine Wache entgegen und deutete auf ihr Schwert. "Madame, ich fürchte diese Waffe müsst ihr abgeben, wenn ihr die Stadt betreten wollt. Ihr könnt sie später wieder haben, wenn ihr Draconis verlasst." Das verstand die junge Frau, löste den Waffengurt und überließ ihn der Wache. Diese bedankte sich herzlich und ließ sie passieren. Über einen gepflasterte, breiten Weg betrat sie Draconis. Immer wieder wich sie Kutschen aus die rücksichtslos vorbei breschten. Eng an eng waren hier Häuser gebaut. Im ersten Teil der Stadt waren sie so wie die teuersten in Burg Savaro. Je weiter sie gen Innenstadt ging, wurden sie mehr zu Villen. Hier wohnten nur die Reichsten der Reichen, dachte sich Mirian. Sie erreichte den Marktplatz, hier herschte starkes Gedränge. Immer wieder wurde sie angerempelt und Männer mit Körben warfen ihr böse Blicke zu. An diesem Ort fühlte sie sich nicht sonderlich wohl. Sie war eigentlich ein geselliger Mensch, aber das hier ging ihr eindeutig zu weit. Der Krach, eine Mischung aus Rufen und Hufgetrampel, beleidigte ihr Ohr. Eilig kämpfte sie sich durch die Menschenmenge, bis sie endlich ein ruhiges Gäslein erreichte, ideal zum rasten, was sie auch gleich nutzte um sich gegen die Wand zu lehnen. Einen Schluck aus dem Wasserschlauch nehmend, vergass sie ihre Umwelt. Auch den Lärm des nahen Marktes konnte sie so getrost ignorieren. Erst als sich eine Hand auf ihre Schulter legte schrag sie auf und war wieder geistig anwesend. Zu ihrer Überraschung sah sie ins Gesicht des ihr wohlbekannten Adepten. "Erulan! Habt ihr mich erschreckt." Sie fasste sich an die Brust und grinste. Er tat es ihr gleich und nuschelte wiedermals verlegen. "Tschuldigung." Mirian winkte ab und grüßte ihn dann mit einem Händedruck. "Ist schön euch zu sehn. In der großen Stadt komm ich mir ganz verloren vor und ich kenn mich hier nicht aus. Ihr wisst ja, ich bin auf der Suche nach einem Ritter, um eine Ausbildung zu erfragen." Erulan nickte wissend und deutete dann die Gasse herab. "Hier im Viertel der Mittelschicht hat Dame Asyna ihren Sitz. Sie ist die Kommandantin der Wache und erste Steuereintreiberin dieses Stadtteils. Bei ihr könntet ihr ja mal nachfragen." Mirian bedankte sich für den Ratschlag und verabschiedete sich. Die Beiden gingen wieder getrennte wege, denn Erulan musste zur Akademie. Es stand ein wichtiger Unterricht im Fach Sphärenkunde an, den er nicht verpassen wollte. Das Haus des weiblichen Ritters fand Mirian recht schnell, es war kaum zu übersehen. Für diese Gegend war es regelrecht prunkvoll. Aus weißem Stein gebaut, hingen Banner an den Wänden, die ein aufbäumendes Pferd zeigten, welches wohl wieherte. Vor dem Haus kehrte ein Knecht, gekleidet in edle Gewandung den Weg. Mirian ging auf ihn zu und sprach ihn an. "Verzeiht bitte, ich bin auf der Suche nach Dame Asyna. Ist sie zugegen?" Der Mann unterbrach seine Arbeit und sah sie mit freundlichem Gesicht an. "So ihr ein Gespräch wollt, werd' ich reingehen und fragen, ob sie dazu bereit ist euch zu empfangen. Wartet hier." Den Besen lehnte er Mann an die Wand und verschwand im Haus. Eine Weile kam er auch nicht zurück. Mirian langweilte sich und unweigerlich sah sie den Besen an. Warum nicht etwas gutes tun für den Knecht? Wenn sie bald hier dienen sollte, könnte sie ihm auch die Arbeit abnehmen. Den Besen greifend, begann sie somit den Weg zu säubern. Der Knecht kam einen halben Nachtzyklus später wieder heraus. Er bedankte sich lächelnd für Mirians Arbeit und teilte ihr mit, dass seine Herrin sie empfangen möchte.

Hinter sich schloß sie die Türe. Sie befand sich in einer wunderschönen Eingangshalle. Rechts und links reckten sich Säulen gen der Decke. In sie eingraviert waren Symbole in einer fremden Sprache. An den Wänden hingen Schilde, alle bedruckt mit dem aufbäumenden Pferd, welches sie schon an den Bannern draußen gesehen hatte. Dazwischen verzierten auch Schilde mit einem Falken die Wand. Sie war also ein Falkenritter. Welchen Rang sie wohl inne hatte? Dies wurde schnell beantwortet. Eine schöne Frau, mit wallent blondem Haar tauchte am Kopf der Treppe auf, die zentral in die Halle führte. Sie trug keine Rüstung, jedoch die Insignien des Falken Ordens. An der Art ihrer Unformierung erkannte Mirian, dass sie ein Reichsritter war. Ihre Schritte, voll Eleganz, führten sie zum Fuß der Treppe und sie winkte die junge Frau heran. Mirian kam näher, verneigte sich und sprach dann. "Bellum und seiner Majestät zum Gruße, Wohlgeboren." Die Frau neigte ihr Haupt sachte, einen Gruß sprach sie jedoch nicht aus. "Ihr habt um ein Gespräch mit mir gebeten?" Die Stimme dieser Ritterin war glockenhell und doch flößte sie Respekt ein. Aus dieser nahen Distanz betrachtet, merkte Mirian auch, dass sie nicht mehr die Jüngste war. Leichte Falten zogen sich um ihre Augenpartien und eine graue Strähne lag in ihrem goldnen Haar. Trotzallem war sie eine Schönheit wie man sie selten sah. "Ja, ich wollt' mit euch reden. Mein Name ist Mirian Lasar, ich komme aus Savaro. Mein Vater ist Sir Horace Lasar zu Savaro. Es geht mir um ein Ersuchen." Das Gesicht der Frau hellte sich auf, wenn es denn überhaupt noch freundlicher ginge. Sie lächelte nun wissend und legte ihr eine Hand auf die Schulter. "Horace, ich hörte lange nichts von ihm. Es freut mich seine Tochter kennen zu lernen. Erzählt, was für ein Ersuchen habt ihr?" Mirian atmete tief durch. Das Herz war ihr in die Hose gerutscht. Konnte sie diese Frage einfach so stellen oder war es nicht etwas respektlos und anmaßend? Sie überwandt sich. "Es geht mir um die Pagenschaft. Eines Tages möcht' ich wie mein Vater Ritter sein, drum such ich einen Herren der mich unterweist. Ihr wurdet mir genannt, drum bin ich hier." Die Ritterin nahm die Hand von ihrer Schulter und schreitete an ihr vorbei. Ein nachdenkliches Gesicht machte sie dabei. "Ich habe bereits einen Knappen. Sein Name ist Bendu. Leider muss ich euer Angebot ausschlagen. Die Ritter hier in der Stadt beziehen ihre Pagen grundsätzlich von der Akademie, weil diejenigen sich bewiesen haben. Solltet ihr gewillt sein die Akademie zu besuchen, könnte es in ein bis zwei Jahren klappen. Ich gebe euch jedoch einen Rat." Schwungvoll wandt' sich die hübsche Ritterin herum und sah sie mit einem sanftmütigen und trotzdem durchdringenden Blick an. "Siebenwind." Wieder wurde diese Insel genannt und ein sachtes Nicken überkam Mirians Haupt. "Dort gibt es ebenfalls eine Akademie, jedoch ist die Lage dort anderst. Jedes Schwert wird gebraucht, denn dort sind die Diener des schlechten Herren stark vertreten. Mein Ratschlag wäre eine Reise dort hin. Die Ritter dort sind tapfer und mutig. Vielleicht will einer von ihnen, euer Lehrmeister sein." Dies schien einleuchtend, auch wenn Mirian enttäuscht war. Diese Ritterin hatte etwas an sich. Ihre Präsenz war atemberaubend und sie war sicher sanftmütig und gleichzeitig eine Frau mit starker Hand. Nach ihrem Vater hatte Mirian ein neues Vorbild gefunden, Dame Asyna.

Einen Abend blieb sie noch in der Stadt und stieg in einer billigen Taverne ab. Hier herschte rauer Umgangston. Es gab Raufereien und Gläser folgen umher. Nur indem sie sich ein Kissen auf die Ohren presste, konnte sie schlaf finden. Am Tag drauf wurde sie unsanft vom nicht gerade umgänglichen Wirt geweckt. "He, Mädchen, aufstehen! Du hast für ne Nacht bezahlt und jetzt ist Morgen. Raus aus meinem Zimmer oder du zahlst was drauf." Ihre Sachen hatte sie schnell zusammen gerafft und ebenso schnell hatte sie die Behausung des Unfreundlichen Gastwirts verlassen. Jetzt stand wieder ein langer Marsch bevor. Raus aus der Stadt, ihr Schwert bei der Wache zuerst abholend und immer gen Westen. Die Küste war nun ihr Ziel und von dort aus konnte sie sicher bequem nach Siebenwind reisen. Sie entschied sich den längeren Weg nach Swa zu nehmen, denn in Ravins Höh wollte sie noch ihre Tante besuchen. Die Reise lief ereignislos und auch Ravins Höh ließ sie rasch hinter sich, nachdem sie eine Nacht dort geblieben war und alte Geschichten mit ihrer Verwandten ausgetauscht hatte. Am Horizonat war schon die Mauer von Swa zu sehen. Als drittgrößte Küstenstadt konnte sich dieses Fleckchen Erde wirklich sehen lassen. Nach dem Anblick von Draconis war es jedoch unspektakulär. Neben dem Wegrand fiel ein kleiner Hang steil ab. Darunter waren Büsche angelegt. Dadurch bekam der Weg etwas unheimliches, weil man immer den Eindruck hatte als würde man beobachtet. Der Gedanke schien im nächsten Moment auch nicht umbedingt falsch zu sein. Jemand brauch aus dem Gebüsch hervor, sprang hinter ihr auf den Weg und griff um ihre Schultern. Eine Klinge setzte sich an ihre Kehle und eine bös' klingende Stimme sprach auf sie ein. "Grüß dich du junges Ding. Es wäre sehr freundlich, würdest du mir dein Gold überlassen, dann will ich dir auch nicht die Kehle durchschneiden." Erstarrt verharrte sie. Was jetzt tun? Dem Mann das Gold geben? Er würde sie wahrscheinlich trotzdem töten oder sich vielleicht an ihr vergehen. Im nächsten Augenblick hatte sie beschlossen Gegenwehr zu leisten. Ihr Fuß schnellte herab auf seinen, er fluchte auf und ihr Ellbogen traf darauf hin seinen Magen. Einen kleinen Schnitt verpasste er ihr am Hals, dann ließ er nach hinten strauchelnd von ihr ab. Sie drehte sich ihrerseits herum und zog das Schwert aus der Scheide. Den blanken Stahl streckte sie ihm entgegen. Nun sah sie ins Gesicht eines Bekannten. Diese Augen, diese Mimik ... Sie kannte sie irgendwo her. Natürlich! Der Streckbrief, der ihr vor ein paar Tagen gezeigt worden war. Dies war der Mörder des Elfen. Wahrscheinlich war er auch gerade auf dem Weg nach Swa und brauchte Gold um sich abzusetzen. Statt dem Dolch zog der Mann nun seinerseits ein Schwert und blickte die junge Frau entschlossen an. Er wollte es zuende bringen. Ein Kampf aus Leben und Tod konnte darauß werden. Mirian verhielt sich intovertiert und überließ ihm die Offensive. Dankbar zeigte er sich nicht, im Gegenteil. Er nutzte es schamlos aus und attackierte sie mit einem raschen Hieb. Klinge traf auf Klinge. Mirian wich zurück und mobilisierte alle Kraft um nun selbst anzugreifen. Der Räuber wehrte den Schlag mühelos ab. Dieser Kerl verstand sein Handwerk. Den nächsten Schlag des Wegelagerers konnte sich Mirian nur durch einen beherzten Sprung nach hinten entziehen. Er schlug ins Leere. Eine Weile lang ging es so weiter. Ein paar Schrammen bekam Mirian ab und Blut lief aus einer Schnittwunde an ihrer Schulter. Der Gesuchte war jedoch noch vollkommen fit und führte die Attacken durch wie seine erste, eiskalt und schnell. Ein ungleicher Kampf und Mirian tat nichts anderes als auszuhalten. Wenigstens war das Glück auf ihrer Seite, denn kurze Zeit später ritt eine Patroulle vorbei und unterbrach den Kampf. Mirian ließ freiwillig die Waffe sinken, der gesuchte Mörder jedoch griff die Reiter an. Ein Fehler, kurz darauf wurde er niedergestreckt und ihm wurden die Hände gebunden. Der Anführer des Wachzugs kümmerte sich dann um Miri. Sie erzählte ihm was vorgefallen war und der Mann nickte. "Dieser Kerl wird nicht nur wegen dem Mord gesucht, er ist ein Mitglied der blutroten Reiter und stammt ursprünglich wohl aus dem Lehen Savaro." Diese Worte wühlten Mirian auf. Ein blutroter Reiter. Einer dieser Bastarde, die ihren Bruder ermordet hatten. Am liebsten hätte sie ihre Waffe genommen und ihn erschlagen, aber dies war nicht die Art eines Ritters und sie wollte schließlich einer werden. Gemeinsam mit den Wachmännern, hinten auf dem Pferd des Hauptmanns, ritt sie dann nach Swa.

Nachdem sie ihre Zeugenaussage nochmals vor dem Stadtrichter wiederholt hatte, durfte sie gehen. Der Hauptmann nahm sie zuvor jedoch nochmal zur Seite. "Ihr habt ja reichlich Schwertkunst bewiesen, beim Kampf gegen diesen Mann. Für euer Alter war das beeindruckend. Hier in der Wache könnt' ich ein paar neue Rekruten gebrauchen oder habt ihr vor weiter zu reisen?" Mirian erklärte ihm wo hin ihre Reise führen sollte und woher sie kam. Der Wächter vernahm dies mit großen Augen und beendete ihre Ausführung mit einer Verneigung. Mirian jedoch winkte ab. "Der Titel meines Vaters ist sein Selbstverdienter. Ich habe keinen, bin also nur eine einfache Freie. Ihr braucht mir keinen Respekt zu zollen. Das könnt' ihr machen sobald ich euren Respekt verdient habe." Der Mann musste die Worte scheinbar erstmal vereinnahmen, dann jedoch nickte er, verabschiedete sich und verschwand wieder im Wachhaus. Sie ihrerseits ging ohne Umschweife zum Hafen. Riesige Dreimaster hatten hier angelegt und Schiffsjungen luden Waren ab. Ein älterer Kapitän mit freundlichem Gesicht kommandierte ein paar Männer auf einem mittelgroßen Schiff herum. "Nein, die Ware muss noch bis Etriska und das da nach Siebenwind. Verdammt, ihr bringt ja alles durcheinander. Ja, die Kisten! Die mit dem roten X, die müssen von Bord!" Räuspernd machte Mirian auf sich aufmerksam. Der Seemann blickte sie sofort an und ließ seine Leute einfach machen. Das diese ein paar falsche Kisten von Bord schafften bemerkte er gar nicht. "Was kann ich für euch tun, junge Dame?" "Ihr habt eben gesagt, ihr bringt Ware nach Siebenwind?" Der Kapitän nickte. "Aye, das tun wir wohl!" Miran nickte ebenso. "Kann ich vielleicht eine Kajüte haben. Gold ist nicht das Problem. 2000 Dukaten könnt' ich euch anbieten und meine helfende Hand." Der Seemann rieb sich durch den grauen Bart und sinnierte. "Des Gold nehm ich wohl, arbeiten musst dann aber nit! Wär' ja noch schöner wenn mene Passagiere arbeite müsstn!" Er geleitete sie auf das Schiff und zeigte ihr die Kajüte. Sie war schlicht, aber keineswegs unbequem. Eine Hängematte war an zwei Balken befestigt, darin lag eine Wolldecke und ein Strohkissen. Desweitern stand eine kleine Wanne im Raum und eine Kommode mit Spiegel daneben. So ließ es sich leben, dachte Mirian und dankte dem Schiffsoberhaupt. Er winkte lachend ab. "Is' ja kein Ding nich'! Der Raum steht eh meist leer! Essen gibt's aber nur mit der Crew zusammen!" Das störte sie nicht weiter. Eine gesellige Runde war ihr lieber als einen Monat lang allein in einem dunklen Raum zu hocken, auch wenn er gemütlich war.

Das Schiff lief aus und eine ereignissreiche Reise begann. Sie durchfuhren Sturmwinde und umfuhren gefährliche Seeräuber Gewässer. Es kam an Bord sogar zu kurzen Scharmützeln mit Freibeutern, jene dauerten aber nicht lange und es wurde niemand verletzt. Die Piraten ergriffen geschlagen die Flucht. Es war nicht verwunderlich, dass Mirian die halbe Fahrt gebeugt über die Reeling verbrachte. Dies war ihre erst lange Bootsfahrt und ihr Magen streikte. Da war auch der Matrose Martin keine Hilfe, der ständig von den neusten Gerichten seiner Frau erzählte und so den Brechreiz der jungen Frau nur noch förderte. Wenn sie schlief träumte sie von zu Hause und sah sich in strahlender Rüstung zwischen ihrem Vater und Tiuri stehen. Dieser Traum war das einzige, was sie unter diesen widrigen Umständen bei Laune hielt. In der dritten Woche ihrer Reise, hatte sie sich an die spröde Gischt gewöhnt. Mittlerweile diskutierte sie sogar mit Martin über die Zubereitung von Kalbsleber ohne sofort die Reeling auf zu suchen. Die Leute an Bord waren alle sehr umgänglich und freundlich, wodurch sie neue Freunde fand und gleichzeitig die Zeit auf See genießen konnte. Es tat ihr fast schon leid, als der Schiffsjunge im Ausguck Land meldete. Dies war also das Ende der Reise. Sie würde Abschied nehmen müssen und sich neuen herausforderungen stellen müssen. Darüber betrübt, fiel der Abschied am Hafen von Brandenstein schwer. Martin umarmte sie herzlich, auch den Kapitän drückte sie. Die Beiden würde sie nie vergessen. Sie blieb noch, half beim abladen und wank dann, als das Schiff den Hafen wieder verließ, dann drehte sie sich herum. Auf zu neuen Ufern. Dies war ihr letzter Gedanke also sie los marschierte.

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"It seems as if heaven had sent its insane angels into our world as to an asylum, and here they will break out into their native music and utter at intervals the words they have heard in heaven; then the mad fit returns and they mope and wallow like dogs."
Ralph Waldo Emerson, 1841


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Zuletzt geändert von Shaila: 26.11.05, 21:11, insgesamt 1-mal geändert.

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