*An dem Znetralen Brett in der Stadt Brandenstein hinter der Brücke und am grossen Pfahl in Falkensee findet sich jeweils ein Pergament*
Im Namen seiner Allerheiligkeit, Fürst Raziel von Vandrien, grüsse ich euch.
Es soll der Wahrheit über jene Geschehnisse an den Feuerbergen nicht dem einfachen Volke vorenthalten werden. Es soll berichtet werden über unnötige Qualen und Schmerz ausgelöst durch das wiederholte Versagen der Ritterschaft welche im Namen der falschen Götzen zur Schlacht riefen. Fehlentscheidungen führten zu tiefen Wunden und vielleicht dem Tod einiger der Krieger welche Blind dem Aufruf folgten.
Fehler sind Schwäche. Schwäche führt zu Versagen. Auf Versagen steht der Tod. Erwartet diesen durch Seine Hand, er wird euer Richter sind.
In ewiger Treue zu ihm
Tardukai Bheliar
*darunter angefügt ein weiteres Pergament wohl geschrieben von anderer Hand*
Zitat:
Die Worte waren deutlich gewesen. 'Geht als freie Kriegerin mit, jedoch haltet euch zurück und beobachtet, lernt, um dann zu berichten.' So stand sie nun hier nahe der Schlucht, die hinauf zur alten Festung führte und wartete auf ... ja auf wen eigentlich. Der Aufruf in Brandenstein war von einem Knappen unterzeichnet, doch würden selbst die Ritter nicht so dumm sein, dieses Unterfangen einem zu überlassen.
Die Zwerge waren die ersten, die an den Felsen vor ihr vorbeischritten, das Banner, der Bund, die Magier folgten ... und dann kamen jene leicht bekleideten, welche jedem Heerbann folgten.
Damit begann auch ihre erste Lehrstunde .... die Ritterschaft war so dumm. Nicht nur, das sie ihre Knappen sandte, nein, sie schickten wohl auch die Unerfahrendsten. Oder sie übten eine neue Taktik, in der die Anführer nicht zu erkennen waren ... um nicht Ziel eines Angriffs zu werden. Ihre Mundwinkel kräuselten sich unter in einem spöttischen Lächeln. Sie trat vor und die ungeordnete Masse der Kämpfer verschluckte sie.
Die Gläubige hatte wahr gesprochen, der Weg die Schlucht hinauf war frei von Spinnen. Nur ihre Worte über die Fallen, wie man sie meiden konnte, waren überflüssig gewesen, denn wie ein riesiger Wurm wälzte sich die Masse hinauf. Wahrscheinlich tappten sie in mehr Fallen als jemand zuvor gezählt hatte, aber was machte es. Wo einer stürzte, traten drei Neue an seine Stelle, was sich am Ende als erfolgreich herausstellte. Niemand verschwendete dabei einen Blick zurück auf die zusammengekrümmten Körper am Wegesrand. Irgendwann würde sich irgendwer darum kümmern ...
Tiefer und tiefer hinab ging es in die Katakomben der zerfallenen Burg. Hinter jeder Biegung, hinter jeder Säule ja selbst von den Decken und aus den kleinsten Mauerritzen hörte man das stakkatohafte Trippeln unzähliger Spinnebeine. Vom Willen zu töten beseelt stürzten sie sich auf die Eindringlinge, schier endlose Körper türmten sich bald um die Kämpfer auf. Manch ein Gang endete vor einer Mauer, doch andere wiederum führten weiter und weiter ... bis in den Gängen Stille herrschte, nur unterbrochen vom Stöhnen der Verwundeten.
Es war ein Diener des Schlächters - dessen gierige Hand sich nach einem goldenen Armreif streckte - der hinab in die Tiefe eines verborgenen Ganges stürzte und so neue Schwärme von zischelnden Spinnen aufscheuchte. Weiter ging es in einer Orgie aus Blut, Schleim und zerstückelten Körper, bis die Kämpfer knietief darin wateten. Wie ein stachelbewehrter Wurm kämpften sie sich Schritt für Schritt voran, gierig nach der Beute suchend, die tief unten zu finden sein sollte. Allen voran die Knappen, blind für mancherlei Gänge und Abzweigungen, in ihren Sinnen wohl nur der Gedanke an das Schwert.
Im Schatten des Verlieses verharrte die Kriegerin, ihr Auge ruhte auf zwei Knappen, welche mit gierigem Blick die Bruchstücke eines Schwertes in ihren Händen betrachteten, während nicht weit von ihnen die Schreie der sterbenden Kämpfer erklangen. Keine Geste, keine Regung entging ihr, weder von der Knappin noch von dem Knappen, an dessen Umhang eine feingearbeitete Falkenspange aufschimmerte. Dafür war sie hier ... das Schwert zu finden und es den Treusten der Treuen zu überbringen. Sie wollte nicht nur lernen, nicht nur sehen, sie wollte die Hand sein, welche die Trophäe ergriff zum Ruhme des Herrn. So blieb nur noch ein Stück, welches ihr dies ermöglichen würde.
Das Schreien und Rufen der Kämpfer, das schrille Kreischen der Wesen hier unten liessen sie zurück in den Gang blicken. Wo vormals Furcht in den Augen von manchem war, sah man nun blankes Entsetzen. Die Katakomben spieen ihr wahres Grauen aus. Und inmitten all dieses Grauens sah man silbrig das Bruchstück eines Schwertes aufblitzen. Tief stak es in dem Panzer einer Kreatur. Wie ein Tänzer erhob sie das Schwert und bahnte sich einen Weg durch das Gewirr der Körper und Beinen. Dort war, was sie suchte ... wollte. Die Gänge quollen über vom Heer der Kreaturen, doch sie würde es schaffen, es war zum Greifen nahe. Von einem Moment auf dem anderen sah sie das gierige Gesicht des Schlächters - nein, seines Dieners - vor sich, wie seine Hand sich nach dem Gold streckte während um ihn herum der Tod war.
Nein! Es würde eine andere Zeit geben, einen anderen Ort dafür. Ihr Schwert erhob sich wieder, doch diesmal zum Schutze jener um sie herum, von dem mancher wie sie dem Herrn dienen mochte. In ihrem Inneren loderte die Flamme auf ... das Wort des Herrn wurde zu einer scharfen Klinge.
Der Weg zurück ... wie ein dunkler Traum aus wirbelnden Klingen und schwarzglänzenden Zangen, die nach jeder Bewegung schnappten. Ein schimmerndes Rund ... dunkles Grün weich unter ihren Füßen ...