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 Betreff des Beitrags: Die Rose der Wüste
BeitragVerfasst: 10.05.05, 21:42 
Altratler
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Die Rose der Wüste

Eine drückende Hitze lag über dem Land, der Schweiß rann seinen Rücken hinab und ließ die weiten Gewänder an seinem Körper kleben während er das schwerfällige Kamel durch die engen Straßen der Wüstenstadt lenkte. Sein Gesicht war verschleiert, nur der graue Bart ragte unten hinaus während er sich einem der Wasserverkäufer näherte und ihm eine Goldmünze aus seiner Tasche zuwarf, welche der Mann in einer fliegenden Geste auffing und hineinbiss, bevor er begann die Schläuche vom Sattel des Kamels zu lösen und mit frischem Wasser zu füllen.
Torans Blick glitt über den Markt, für einen Moment wurde das Sammelsurium der Gerüche nach Knoblauch, Olivenöl, Kameldung, Schweiß und Tabak und die Geräusche von schreienden Markthändlern, spielenden Kindern und lautstark flehenden Bettlern zu einem einzigen kompakten Brei in der heißen Sonne, welches seine Sinne benebelte und seinen Kopf schwirren ließ. Mit einem mühsamen Durchatmen klärte er seinen Verstand und wunderte sich.
Anscheinend hatte ihn die lange Reise doch mehr mitgenommen als er erwartet hatte, und die Hitze tat ihr übriges selbst seinen geübten Verstand zu vernebeln und zu schwächen.
Der Wasserverkäufer hängte die Wasserschläuche zurück an das Kamel, Toran nickte ihm noch knapp zu und ließ das schwerfällige Tier weiterlaufen, er hatte noch einen langen Weg vor sich.

Unbarmherzig brannte die Sonne auf die Wüste hinab, Sand in jede Richtung so weit das Auge reichte, in sanften Dünen aufgeworfen wie ein gefrorenes Meer bis zum Horizont.
Die Hitze war unerträglich, seine Unterkleidung war nass von Schweiß doch wagte er es nicht die schützenden Stoffschichten zu entfernen und sich der Gewalt der Sonne ganz auszuliefern, noch wagte er es seine Magie einzusetzen um sich Kühlung zu verschaffen. Diese Wüste war nicht wie die, durch die er bisher geritten war, seine Sinne und sein magisches Gespür sagten ihm deutlich das sie ihm feindlich gesonnen war, doch schien sie zu schlafen wie ein Riese der in seinem Schlummer noch bedrohlich wirkte.

So ritt er schweigend und schwitzend durch die Wüste in der sich kein Wind regte und die Trockenheit so groß war das sie seine Lippen aufplatzen ließ und er sein eigenes Blut schmeckte, eine Hitze die so groß war das er sein mitgebrachtes Fleisch auf einem schwarzen Stein braten konnte und das Wasser in seinen Beuteln direkt für Tee verwenden konnte. Er wusste nicht mehr genau wie lange er schon unterwegs war, doch sein Wasser war noch reichlich und das Kamel zeigte keine Anzeichen von Erschöpfung, in beständigem Trott bewegte es sich mit seinen großen flachen Füßen die Hänge der Dünen hinauf und hinab in großer Trittfestigkeit.

Doch was ihn am tiefsten berührte.. war die Stille. Noch nie hatte er solche Stille vernommen wie hier, wo kein Geräusch an sein Ohr dran, nicht einmal ein Wispern des Windes oder das leise Rauschen des rutschenden Sandes, es war ein perfekter Ort um zu meditieren, wenn es nur nicht so heiß gewesen wäre.

Immer weiter in die tiefe des Sandmeeres reiste er, sich nachts am Stand der Sterne orientierend, tagsüber dem Lauf der Sonne nach Osten folgend, immer weiter. Seine Handrücken war tiefrot und schmerzten obwohl er Lederhandschuhe darüber getragen hatte, nur weite Gewänder boten überhaupt einen Schutz gegen die unbarmherzige Sonne.
Nach einer weiteren Woche ging sein Wasser zu neige, doch damit hatte er gerechnet. Zwischen ihm und seinem Ziel lag keine Oase und kein Brunnen weshalb er der erste in über tausend Jahren sein würde der dieses Ziel erreichte, denn er war Magier.
Am Morgen, noch bevor die Sonne über den Horizont stieg ließ er sich im kalten Sand nieder, die Hände auf seine Knie legend und stimmte einen tiefen Gesang an der weit über die leere Wüste hallte. In seinem Geist sah er die Magie wirken, das Farbenspiel der Elementarfäden und begann zu weben, jede Bewegung seines Geistes begleitet von einer Note seiner Stimme zu einer schaurig befremdlichen Melodie.

Die Wände der Schalen die er vor sich ausgebreitet hatten schimmerten erst feucht auf, dann perlte das Wasser in dicken Tropfen daran ab, immer mehr und mehr bis schließlich alle vier Schalen randvoll mit klarem kühlem Wasser waren und er erschöpft vor sich hinkeuchte, ausgelaugt wie nach einem Rennen. Doch er hatte Wasser, und das war alles was zählte.

Weiter ging die Reise ins Nichts hinein und aus der Sandwüste wurde eine Steinwüste, wo sich gewaltige Felsbrocken und fester Untergrund abwechselten mit sandigen Stellen, kurz bevor er eine reihe niedriger Berge erreichte und begann einen Pass hinauf zu klettern der ihn nahe an sein Ziel bringen würde, die verwunschene Stadt Qurt Har.

Als er den Bergkamm überschritt breitete sich auf der andern Seite die unendliche Weite der Gipsebene Nur Iu aus, feinster weißer Sand der die Sonne so stark reflektierte das er zu erblinden drohte. Er wickelte sich ein grobes Tuch um den Kopf um seine Augen gegen das Licht zu schützen und ritt weiter, nur noch zwei Tage, vielleicht drei.

Doch wenn ihm der Sand feindlich gesonnen war, so schien ihn die Gipswüste zu hassen und jene Feindlichkeit lag wie Druck auf seinem Geist, wie das beständige Reiben einer scharfen klinge an einem Fels was selbst besten galadonischen Stahl abnutzen und stumpf machen würde. Er wurde benommen und seine Versuche einen klaren Geist durch Meditation zu bewahren zeigten nur sehr geringen Effekt... und dann noch die Hitze, welche ihn Dinge sehen ließ die nicht dort waren, Oasen aus grünen Bäumen mit kristallblauen Teichen, Städte aus seiner Heimat, dem Norden Galadons und Personen die er kannte.

Aus seinem Ritt wurde ein Fiebertraum, gezogen durch die Wüste ohne zu lenken, ohne zu denken und fast ohne zu sein. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern wie er so weit gekommen war, fast hätte er seinen Namen vergessen und nur mit Mühe konnte er sich im Sattel des Kamels halten welches unbeirrt immer weiter gerade aus lief.

Er schlief viel, sein einziger Schutz vor dem Wahnsinn den jene Wüste ihm bringen wollte war es wohl seinen Geist ruhen zu lassen und Unterbewusst, in einer Art und Weise wie es nur Magier konnten nahm er den Fluch wahr der über dem Land log und alles Leben verdorren ließ, der die Menschen mit der Zeit tötete und in den Wahnsinn trieb, ein Fluch so mächtig das es ihm nicht möglich war auch nur annährend seine Ausmaße zu erkennen.

Als er erwachte lief das Kamel zwischen zwei gewaltigen Türmen hindurch, errichtet aus weißem Stein. Mit der Verwirrung eines Menschen der gerade aus dem Reich der Träume erwachte stellt er fast das die Zinnen der Türme gebrochen waren wie geborstene Knochen die aus dem Sand ragten, und als das Tier unter dem Tor hindurch schritt breitete sich vor ihm eine Stadt aus, gewaltig in ihren Ausmaßen und überirdisch schön in ihrer weißen Pracht, wo selbst noch die Ruinen mit dem Ildrun zu Draconis mithalten hätten können.

Mit offenem Mund starrte er um sich, die legendäre verwunschene Stadt Qurt Har betrachtend während das Tier noch immer unbeeindruckt voranschritt durch die Straßen so breit das fünfzig Reiter nebeneinander Platz gefunden hätten.

Es war kühl hier, ein sachter Wind pfiff durch die Ruinen und trieb den Sand vor sich her das es wie ein Wispern und Murmeln in der Stadt klang, der Gesang des Windes auf dem Stein. Torans Nackenhaare stellten sich auf, jeder seiner Sinne sagte ihm das diese Stadt voller Gefahr war, selbst auf magischer Ebene konnte er das Grauen spüren das zwischen diesen Türmen ruhte.

Er zog seinen Stab vom Sattel und ließ das Kamel schneller laufen, während die Sonne sich schon dem Horizont näherte. Das Tier eilte durch die Straßen, Sand aufwirbelnd und direkt auf den zentralen Platz zueilend während die Schatten immer länger wurden und das Singen des Windes an Intensität zunahm. Er kannte sein Ziel, die alten Schriften und die Legenden waren überaus klar gewesen, und als er den Schrein erreicht sprang er mit steifen Knien aus dem Sattel des Tieres und eilte hinein.

Es war ein kleiner Schrein, errichtet aus einem milchigen Marmor der das Sonnenlicht hindurch ließ und im Inneren befand sich nichts weiter als ein kleines Becken, welches jetzt gefüllt war mit weißen Sand, und in mitten des Sandes ragte eine kleine Rose heraus, rot wie Blut waren die Blüten, von einem kräftigen grün der Stängel und von tiefem Schwarz die Stacheln.
Die Rose von Qurt Har, die Rose der weißen Wüste.

<<Und wer einen Blick in den Kelch der Rose der weißen Wüste wirft, dem wird sich das Wesen der Göttlichkeit offenbaren>>, hauchten seine gesprungenen Lippen während er sich hinkniete und vorsichtig nach der Rose griff, er neigt sich nach vorne, bereit einen Blick in den Kelch zu werfen in welchem er schon ein mattes Glitzern zu sehen glaubte als er mit einem Schmerzruf seine Hand zurückzog und auf den kleinen roten Bluttropfen starrte der von seinem Finger hinablief, wo er sich an den Dornen gestochen hatte.
Unter seinen ungläubig geweiteten Augen bewegte sich das Blut von dem Dorn zu dem Grün des Stängels und dieser färbte sich schwarz, immer weitere breitete sich die Schwärze hinauf an der Rose aus und noch während er panisch danach Griff um doch noch einen Blick auf die Göttlichkeit werden werfen zu können zerfiel die Rose zu Sand und war verschwunden.
<<Nein..>>, keuchte er auf, als er nach hinten fiel, unfähig es zu glauben. Ein stechender Schmerz in seiner Hand ließ ihn aufsehen, und ein Schrei des Grauens entrang seiner Kehle als er sah das seine gesamte Hand schwarz war und an den Fingerkuppen bereits zu Sand zerfiel, während sich die schwärze in Windeseile an ihm hochfrass, seinen Hals erreichte, seinen Mund und schließlich die Augen, er schrei in Pein als sich sein Leib in Sand verwandelte und ihm schwarz vor Augen wurde.

Er hatte kein Bewusstsein, er war eins mit dem Nichts, keine Gedanken, keine Erinnerungen und kein Sein, nur Stille, die Stille der Wüste.

Als er die Augen wieder Aufschlug, sah er über sich die strahlende Sonne, die ihm in die Augen stach und spürte unter sich den Sand, seine Lippen waren noch immer gesprungen und er hatte gewaltigen Durst.
Mühsam zwang er sich hoch und sah zu seinem Kamel das einige Schritte von ihm entfernt stand und dumm in der Gegend herumschaute, von der Stadt war nichts zu sehen nur eine weiße Wüste in jede Richtung.
Doch als er auf seine Hand sah, konnte er das geronnene Blut an seinem Finger erkennen und das Loch in das der Dorn stach und ein Zittern überlief seinen Leib.

Keuchend bestieg er den Rücken des Kamels und lenkt das Tier zurück nach Westen, vielleicht war es nicht am Menschen die Göttlichkeit zu erkennen.

_________________
Tarlas: Angamons Segen dispellt keine Meteorregen!


Zuletzt geändert von Hagen: 10.05.05, 22:00, insgesamt 1-mal geändert.

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