|
Wie lange lag er dort schon? Minuten? Stunden? Es kam ihm vor als hätte er schon immer dort gelegen.
Die Wiese schien so weit, dass man sie nicht mit allen Worten der ihm bekannten Sprachen hätte ausdrücken können. Der Regen prasselte auf sein Gesicht, völlig durchnäßt war er und er zitterte. Doch kalt war ihm nicht. Oder doch? Ja, ihm war kalt, kalt um sein Herz. Verlohrne schien alles. Verlohren für die Ewigkeit. Was war dies nur für ein Wort? Ewigkeit...
Es drückt etwas aus, das kein Mensch beschreiben könnte. Nichtmal die Elfen könnten dies, dachte er.
Ein Rinnsaal von Wasser floß über seine Nase und tropfte dann traurig auf seine Lippen. Doch plötzlich bekam er einen Salzgeschmack auf die Lippen getröpfelt, der sich langsam weiter auf seiner Zunge ausbreitete. Was war das?
Tränen ergossen sich langsam und heimlich aus seinen Augen. Er weinte. Doch empfand er Trauer? Nein. Getrauert hatte er in der Zeit in der er noch Hoffnung hatte. Nun war alle Hoffnung verlohren.
Ihm wurde schwarz vor Augen. Er hatte keine Angst. Würde er nun in Morsans Hallen eintreten? Würde ihm der Weg endlich gewährt werden? Aus dem Schwarz wurde ein leuchtendes Weiß. Ein Hauch von Nichts.
Er fand sich vor einem großen Tor wieder. Von irgendwo her kam sanfter Gesang, vielleicht einer Elfischen Schönheit.
Ein Siegel Morsans verschloß die beiden Türen des Tores. Er starrte darauf. Es wirkte so verlohren.
Er wollte das Tor öffnen, doch egal wie viel Kraft er aufbrachte, er konnte nicht eintreten. Es blitzte. Er blickte sich erschrocken um. Neben ihm war ein alter Mann erschienen.
„Das alles Verwährt er dir. Warum verwärt Morsan seine Hallen den Menschen bis zu einem gewissen Tage?“
Er war erschrocken, denn die Stimme des alten klang jung und unerschrocken. Ein bisschen so wie seine Eigene, dachte er.
„Vielleicht weil die lebenden noch ihre Aufgaben erfüllen müssen... Vielleicht weil...“
Doch es gab kein Vielleicht mehr. Der Mann hatte recht. Warum verwehrte Morsan ihm den Zutritt?
„Alles was die Viere sind ist verleumdung. Alles was die Viere geben können ist Verachtung. Warum gibt es Morsans Hallen? Ist es eine Belohnung dort ein zu gehen? Hättest du nicht auch lieber deine verstorbene Mutter noch an deiner Seite? Wer verspricht dir, dass deine Mutter wirklich in Morsans Hallen eingegangen ist?“
Er war verwirrt. Der alte Mann sprach ihm aus der Seele. Nie hatte er offen darüber nachgedacht. Aber in der Stille, wenn nicht mal er es mitbekam. Im Schlaf, in der Trauer. Er vermisste seine erst vor wenigen Monden verstorbene Mutter. Sein Vater.... Warum?
„Ich werde dir den Weg weisen... Ich werde dir die Stärke zeigen... Ich werde dich erleuchten...“
„Wer bist du?“
„Nenne mich deinen Herren, Janos. Nenne mich Vater wie auch Mutter. Nenne mich bei meinem wahren Namen, auf dass all deine Gegner erzittern mögen, nenne mich Angamon...“
Das weiß, der Raum, das Tor und der alte Mann verschwanden. Nun war wieder die Wiese da. Auch wenn er immernoch dort lag, hatte er unbeschreibliches, warmes Gefühl in sich...
|