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 Betreff des Beitrags: Ein Brief, gesandt an Bernhard Latires
BeitragVerfasst: 10.05.05, 04:04 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 9.08.04, 10:23
Beiträge: 61
Wohnort: Bad Aachen an der Wurm
*21. Triar, 15 nach Hilgorad*

Geliebter Vater!

Die Drachen mit dir, all meinen lieben Geschwistern und vor allem deiner Frau, meiner leidenden Mutter.

Lass mich berichten vom Anfang an, wie auch die Drachen am Anfang begannen. Du wusstest von meinen Plänen, das heimgesuchte Land Vandrien zu besuchen. Tatsächlich bin ich in diesem verlassenen Land, und wehe - ich sage dir: Nie willst du dies Leid in deiner Seele spüren, welches du dort im Auge eines Jeden siehst. Seit der Flucht Raziels sind ist das Gefolge Aarions furchtsam und gespalten. Mir, einem einfachen Mädchen, und meinem lieben, treuen Aurax verwehrte man Speis und Trank im Gasthaus, geschweige denn eine Stätte der Ruhe, kaum wir die Grenzen des Fürstentums hinter uns wussten. Sei es Aarions Gefolge, welches alles niederbrenne, was an die Vier erinnere (gerüchteweise verlangten sie sogar drei- oder fünfbeinige Tische und runde Schemel statt viebeinigen Stühlen) alles Morde, was das Grün Vitamas trage, und jedes Schwert mit silberner Klinge seinem Träger in den Rachen stecke, oder die Inquisition, die alles morde, was bei ihrem Erscheinen nicht die Stirn auf den Boden presse, welches nicht gekrochen käme das Schwert des Inquisitors zu küssen und Busse täte, welche teils aus reiner Willkür Leben gewährte und nahm, diese armen, geplagten Seelen fürchteten selbst ihren eigenen Schatten.
Ich wage es kaum, das Elend zu beschreiben, welches sich mir offenbarte, so ich den sogenannten Schankraum betrat. Auf dem Boden vor mir, kriechend drei oder vier Kinder, kaum ihren fünften Vitama erlebt, doch die Maden an ihnen wie Blätter an einem Baum. Die Haut gemischt aus dem Rot des Bluts, welches aus ihren eitrigen Wunden quoll, und dem Grau des Drecks, der dieses Land in jedem Winkel bedeckt. Ihre mickigen, dünnen Finger griffen mir nach der roten Robe, wie als sie wüsste, was es bedeute, langten sie nach dem Symbol Galamnors, des Herrn, und flehten um einige Dukaten.
An den schäbigen Tischens sassen kleine, schmutzige Gestalten, welche es nicht wagten, den Einen zu verehren, und nicht wussten, wie sie die Viere anbeten sollten, welche ihnen doch alles nahmen, an was sie glaubten. Ihre Gesichter voller Zorn ob des "turkanar", ihrer Leiber ausgemergelt von den Entbehrungen, die die verbannten Felder bedeuteten.... Es ist wohl nur ihrer Kraftlosigkeit zu verdanken, dass sie usn nicht überfielen, den selbst unsere Roben waren kostbar genug, dass sie dafür genug Dukaten eintauschen könnten, dieses verfluchte Land zu verlassen. Ein Bauer in der Ecke kaute, vom Hunger gezeichnet, am Griff seiner schiefen Sense, ein weiterer nagte am ausgebluteten Körper einer Maus. Eine Mutter gar schnitt ihren eigenen Finger ab, um ihrem Kind wenigstens etwas zu Essen geben zu können - diese grausige Kannibalismus hatte sie bereits 2 Finger gekostet.
Der Wirt, dessen Aufgabe wohl eher in der Behausung derer bestand, die Haus und Hof an die Feuer der Inquisition oder der Vandrischen Getreuen verloren hattn, zu behergen, als Nahrung und Getränk zu bieten, sass mager hinter seinem Thresen. Er kaute an der Schwarte eines schimmligen Brotes, trotz der Erbärmlichkeit ein wahrhaft kostbarer Besitz in diesem Land.
Vielleicht war es besser, dass er uns seine Dienste verweigerte, denn wer weiss, welch Schandfraß er uns vorgesetzt hätte, nur um einige armselige Dukaten zu verdienen.
Bei all dem Elend kam ich nicht umhin, mich zu Erbrechen - doch erspare ich dir die Beschreibung der Gier, die diese Masse in den Augen der Hunngrigen hervorrief.
Ich var versucht, meine Tasche zu öffnen, meine Vorräte herauszuholen und sie an die armen Seelen zu verteilen, doch hielt mein lieber Aurax mich auf - er hatte wohl Recht, denn auch ich muss dir erhalten bleiben, mein geliebter Vater. Galamnor sei Dank, dass neben seiner treuen Schwinge auch mein ebenso treuer Geliebter über mich wacht.

Wir beide wussten, dass wir hier nicht übernachten konnten - sie hätten usn nicht aus Zorn, Gier oder wegen unseres Glaubens getötet, sondern allein, um sich selbst zu retten. Trotzdem blieben wir, und während Aurax sein mächtiges Schwert hütend über mich hielt, sass ich zwischen diesen Gestalten, für die der tod eine Erlösung sein mochte, und predigte ihnen vom Glauben an die Höchsten, von der Gnade der Erlösung, die uns nach dem Tode erfährt. Meine Worte, für die ich andernorts den Scheiterhaufen gesehen hätte, waren das einzig Schöne, was diese armen Kreaturen in den letzten Jahren zu hören bekamen, und in einem Land, welches voller Feuer, Gewalt und Streit war, redete ich zu den Ärmsten der Armen von Liebe und ewiger Freude... Nicht selten fiel es mir schwer, mir selbst zu glauben, doch hingen die Augen der traurigen Geschöpfe an meinen Lippen wie ein Fisch an der Angel, jedes Wort lechzend aufsaugend, und wohl das erste Mal in vielen Jahren das Wort Hoffnung wieder aus den Tiefen ihres Geistes hervorholend.
Mein Vater, diese Reise ist mit nichts zu vergleichen, was ich bisher erlebte, obgleich dies nur der erste Tag ist. Ich sitze nun in einem Wald, nahe dem Dorfe, weit genug, um vor ihren gierigen Klingen sicher zu sein. Ich habe Aurax beredet, einige Tage hier zu bleiben, dass ich ihnen die Lehre der Drachen nahebringen und ihnen den Mut zu Leben wieder schenken kann.

Da ich nun das Ziel der Reise, Vandrien, endlich erreicht habe, werde ich dir fortan jeden Tag einen Brief schreiben. Ich weiss, dass meine liebe Schwester Livia mit dem nächsten Schiff zu dir reisen will, auf diesem Schiff werden auch meine Aufzeichnungen zu dir gelangen und sie wird sie dir vorlesen können.

Wandle unter den Schwingen der Hor'eij, zweifle nie am Glauben und vergiss deine dich liebende Tochter nicht.

In Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens

Deine Tochter Esk

*eine Anmerkung an Livia mag darunter geheftet sein, doch weigert sich die junge Magierin, auch diese vorzulesen*


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