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 Betreff des Beitrags: Keimende Furcht
BeitragVerfasst: 4.05.05, 13:59 
Ehrenbürger
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Wieder war ihr Ziel einen Schritt näher gerückt. Sire Kantrin hatte ihr die Uniform eines Rekruten überreicht. Die ganze Zeremonie war ermüdent gewesen. Ihr Alltag bestand nur noch aus Streß und Verpflichtungen. In Gedanken malte sie sich aus irgendwann Urlaub zu machen, weit weg vom Trubel um die Akademie und ihre Person. Es war schön dass sie mittlerweile beliebt war, jedoch konnte sie auf soziale Kontakte wie dem zum Baumeister seiner Majestät verzichten. Der Besuch bei Herren Schoenbach war wohl auch der Auslöser für ihre heutige Schwäche. Was sie in seinem Haus erlebt hatte, konnte sie sich nur in ihren schlimmsten Albträumen ausmalen. Ein bestialischer Gestank der Verwesung, Müll der sich in allen Ecken türmt, Vögel die wild zwitschernd gegen Fensterscheiben knallen und vergammelte Möhren die als Sammlerobjekt bezeichnet wurden. Ser detailiert erinnerte sie sich noch an die Räumlichkeiten und an ihren Kampf den Brechreiz zu unterdrücken. Was für eine Befreiung war es, als sie es endlich schaffte das Haus zu verlassen. Sie wog sich in Sicherheit und Arel stand dort, scheinbar auf sie wartend. Er war genau die Person die sie in diesem Moment brauchte und sie wollte nur weg. Leider wurde darauß nichts, dieser penetrante Gehilfe kam ihr nach und überreichte ihr ein Geschenk, welches der letzte Tropfen auf dem heißen Stein war. Aus dem schmierigen Stoff der ihr überreicht wurde, stieg ein unsäglicher Geruch empor. Ihre Nase wurde gekitzelt, ihr Magen rebellierte und sie konnte die letzte Mahlzeit nicht mehr bei sich halten.
Die Handlungen danach waren nur noch Reflex. Taub von Schwäche war sie in ihr Bett gekrochen, hatte Arel und den Gehilfen einfach auf der Straße stehen lassen und war eingeschlafen, gefangen in leichte Fieberträume. Für ein zartes Gemüt wie sie eines besaß, war dieses Ereigniss einfach zuviel gewesen.

Doch das war gestern und sie musste sich auf das heute konzentrieren, auch wenn es schwer fiel. Dankbarkeit stieg in ihr auf, als der Apell sich dem Ende neigte. Endlich konnte sie sich dem Schwächegefühl hingeben und einfach einknicken, irgendjemand würde sie schon fangen. Doch dies sollte ihr nicht gewährt werden. Der Apell war nicht das einzig geplante an diesem Abend, es sollte noch Unterricht geben. Und wie in den meisten Unterrichtsstunden bei Lehrmeister Midas waren Leibesertüchtigungen immer ein Teil des Unterrichts. Die beißende Hitze nagte an ihr, wie ein Aasfresser an seiner Beute und der heiße Regen sorgte nicht für Abkühlung. Durch die Liegestütze die jeder von ihnen ausführen musste, war ihre gerade erst erhaltene und angezogene Rekrutenuniform bedeckt mit Schlamm und Dreck, doch sie hielt durch, denn sie musste den Fehler im Manöverunterricht wieder wett machen. Nicht gern erinnerte sie sich an diesen Moment der Schwäche, wo sie ein Kommando erhielt und statt heilloser Panik kaum was zustande gebracht hatte. Noch schlimmer, sie hatte vor dem Lehrmeister geweint, ihr schien das unverzeihlich. Wie sollte ein schwacher Mensch wie sie, der schon vor einer augenscheinlich so leichten Aufgabe kapituliert je in den Dienst der Ritterschaft treten können? Doch was hatte Anijane in ihrem kurz zuvor geführtem Gespräch gesagt? "Du selbst kannst nicht bewerten wie die Ritter dich bewerten werden." Eine vernünftige Aussage, die ihr Hoffnung machte, ihrem Selbstvertrauen aber nur bedingt auf die Beine half. Die Worte des Lehrmeisters schienen so fern. "Erzgeweihter gleich Eminenz, Hochgeweihter gleich Hochwürden ..." so ging es die ganze Zeit. Die volle Bandbreite der Etikette und kaum ein Titel wurde ausgelassen. Wie befreiend es war als die letzte Frage gestellt wurde. Welchen Rang hat Hilgorad? Wie automatisiert schritt sie aus der Reihe, um zu signalisieren, dass sie eine Antwort parat hatte, jedoch wurde dem neuernannten Koporal der Vortritt gewährt. Ihr sollte es recht sein, es war mühsam jeden Titel des Königs aufzusagen. Nachdem nur ansatzweise ein paar Titulierungen des Königs herab gepredigt wurden, wurden mit einem "wegtreten" die Reihen gelichtet. Heim ... das war ihr einziger Wunsch. Ein Bad nehmen und dann ins Bett. Weg von Seeberg, weg von diesen tyranischen Lehrkörpern.

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"It seems as if heaven had sent its insane angels into our world as to an asylum, and here they will break out into their native music and utter at intervals the words they have heard in heaven; then the mad fit returns and they mope and wallow like dogs."
Ralph Waldo Emerson, 1841


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BeitragVerfasst: 11.05.05, 16:05 
Ehrenbürger
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Sie war eingeschlafen. Friedlich. In den Armen Arel's, ihres Geliebten. Er gab ihr Wärme, jene Art Wärme die sie in dieser schweren Zeit brauchte. Immer noch nagte Ungewissheit an ihr. Was wenn ihr Traum zusammenbrechen würde wie ihr Nervenkonstrukt an manchen Tagen? Konnte man Nerven trainieren? Wenn nicht sah es schwarz für ihre Zukunft aus. All der Streß, die Übungen in der Akademie und die immer wieder auftauchenden Berichte über die schwarzen Reiter setzten ihr zu. Sollte sie nicht lernen, statt ins Feld zu ziehen? Es lag nicht in ihrer Macht darüber zu entscheiden, jene von hohem Stand mussten dies entscheiden. Wieder schmiegte sie sich an ihren Liebsten. Ihr Blick fuhr über dessen zarte Gesichtszüge. Er war ein Schönling, ihr Schönling und sie liebte ihn von ganzem Herzen. Das einzige was die Liebe trübte war ihre Verschwiegenheit. Alles konnte sie ihm nicht sagen, er würde es nicht verstehen, davon war sie überzeugt. In ihrer kindlichen Navität machte sie viele Dummheiten. Ihre Unerfahrenheit machte sie traurig. Schnellst möglich wollte sie dies ausbügeln. Was war ihr schon alles passiert? Während eines Unterrichts war sie weinend zusammen gebrochen, weil sie mit dem Druck nicht klar kam. Ein 16 Jähriger hatte sie im Zweikampf entwaffnet und so besiegt. Wie konnte es soweit kommen? Und dann ausgerechnet auch noch vor den Augen eines Ritters? Sie fühlte sich wieder nutzlos, klein und unbedeutend. Sie hätte wahrscheinlich schon lange aufgegeben, wenn es da nicht die Erinnerung an ihren Bruder geben würde. Erinwald, einst gestorben durch eine Meute von Räubern, die in Savaro ein Blutbad anrichteten. So viele Jahre war es nun her und sie vermisste ihn immer noch. Er war zu ihrem Schutzpatron geworden, er schenkte ihr andren Mut als den welchen sie von Bellum erhielt. Sein Mut war greifbarer, nährhafter und trieb sie vorran. Sie wollte ihn stolz machen und wusste das er aus Morsans Hallen auf sie herab schaute. Er war ihr größter Kritiker, ihr bester Freund und sie liebte ihn. Doch hat er auch eine hohes Maß vorgelegt. Bester seines Jahrgangs an der Akademie, drei Orden, alle überwiegend wegen Tapferkeit, Koporal und er beendete seine Prüfungen mit bravour. Und sie? Sie fiel über die eigenen Füße und ihre erste Prüfung brachte ich nur 9 von 11 Punkten. Beste des Jahrgangs war sie sicher nicht, auch den Posten eines Koporals hatte sie der eigenen Auffassung nach nicht verdient.

Die Zukunft war so ungewiss und befand sich hinter einem nebligen Wall.

Schweigsam schloß sie wieder die Augen, den Kopf lehnend an Arels Schulter und schnell fiel sie wieder in unruhigen Schlaf, der durchwoben war von Träumen, die überwiegend ihre Unfähigkeit thematisierten.

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"It seems as if heaven had sent its insane angels into our world as to an asylum, and here they will break out into their native music and utter at intervals the words they have heard in heaven; then the mad fit returns and they mope and wallow like dogs."
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