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 Betreff des Beitrags: Geschichten von den Heilenden Händen
BeitragVerfasst: 19.05.05, 15:23 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 24.11.04, 13:27
Beiträge: 32
Die Patienten waren auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Vor sich hin seufzend stand sie im Behandlungsraum an die Wand gelehnt und beobachtete eine Heilerin, ihre Mentorin, bei der Arbeit. Gerade eben war ein großer, kräftiger Mann ins Hospiz hereingestürmt, in eine schäbige, halb zerfetzte Lederrüstung gekleidet und stark blutend.

Sie half ihrer Mentorin, ihn in den Behandlungsraum zu schaffen und beobachtete diese nun bei der Versorgung des Mannes, um ihr Wissen in der Großen Heilkunst zu erweitern. Die Wunden des Verletzten schienen tief zu sein, aber er tat keinen Schrei, als sie gereinigt wurden. Anfangs wollte er sich ja nicht einmal seine Rüstung ausziehen! Sie schüttelte nur den Kopf. Wie sollten sie ihn denn sonst behandeln? Durch die Rüstung hindurch verbinden?

Und als er nun endlich die Kleidung abgelegt hatte, so erschrak sie beinahe über seinen Gleichmut, mit dem er die Verletzungen und deren Verarztung hinnahm. Dabei floß so viel Blut, daß sie sich schon überlegte, einen Eimer zu holen, damit nicht das ganze Hospiz unter Blut gesetzt werden würde. Wer würde überhaupt den Boden säubern? Mit Anzeichen des Ekels im Gesicht wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder von den Blutlachen am Boden ab.

Als ihre Mentorin nach schweißtreibender Arbeit endlich fertig war und sämtliche Wunden gereinigt und verbunden waren, so wollte der Mann doch tatsächlich aufstehen und einfach so aus dem Hospiz rausspazieren. Wo nahm er bloß diese gigantische Stärke her? Sie selbst wäre bei diesen Wunden wohl ohnmächtig zusammengebrochen. Aber nun gut, sie war im Vergleich zu ihm auch ein zierliches Wesen.
Obwohl sie ihm verzweifelt versuchten zu erklären, daß er sich erholen müßte und mindestens drei Tage Bettruhe benötigte, blieb er stur und verließ – zwar humpelnd, aber sonst ohne jegliche Schmerzregung – das Hospiz. Ihre Mentorin seufzte nur leise und erklärte ihr, daß sie sich daran gewöhnen werde müssen. Die Patienten hörten schon lange nicht mehr auf das, was ihnen die Heiler sagten. Und vielleicht existierte ja ein Wundermittel, das alle resistent gegen Schmerzen machte. Nur wieso hatten sie als Heiler dieses Mittel noch nicht? Da schien ein Fehler im System zu existieren, dachte sie.

Doch auch mancher Heiler war ihr nicht geheuer. Kaum hatte ein Patient die Schwelle des Hospiz überschritten, so schnappten sie sich die Verbände und wickelten drauf los, was das Zeug hielt. Ihr wurde dann erklärt, daß diese Heiler noch Lehrlinge, zumeist noch auf Probe, waren und nur unregelmäßig am Unterricht teilgenommen hatten. Deshalb war ihnen wohl das eine oder andere im Hinblick auf die Behandlungsmethoden im fortschrittlichen Hospiz zu Siebenwind entgangen.
Nun gut, auch ihr selbst war schon der eine oder andere Fehler unterlaufen. War sie wieder einmal die einzige Heilkraft hier und war sich nicht sicher, wie die eine oder andere Krankheit zu kurieren war, so ließ sie den Patienten auch mal lieber ein oder zwei Wässerchen mehr schlucken, um alle möglichen Krankheiten abzudecken. Und empfahl ihnen, sich niederzulegen. Das schadete ja wohl keinem, denn Ruhe war immer ein weiser Ratschlag – dessen war sie sich sicher.

Besonders beeindruckt, leider im negativen Sinne, war sie aber von den Patienten nach Abschluß der Behandlung. Sie alle hier verrichteten ihre Arbeit ehrenhalber und lebten bloß von den Spenden jener, die sie geheilt hatten. Doch so mancher Patient verließ munter und gesund das Hospiz, ohne sich zu erkundigen, ob er sich irgendwie erkenntlich zeigen konnte. Manchmal wurden ein paar Dukaten hinterlassen, aber einmal mußte sie zu ihrem Entsetzen feststellen, daß im Spendentopf am Eingang bloß ein alter, blutverkrusteter Verband hinterlassen worden war. Und vor einiger Zeit hatte wohl jemand den Spendentopf mit einem Spucknapf verwechselt. Das war besonders unangenehm.

Äußerst interessant und lehrreich waren auch immer die Ausflüge zum Ring am Hafen, wenn sie einmal mehr zu einem Verwundeten dort gerufen wurden. Sie war immer wieder überrascht, wie selbständig die Leute doch waren, wenn sie sich selbst die Verbände anlegten. Und wie schnell das ging! Sie selbst hatte lange Monde damit verbracht, das perfekte Anlegen eines Verbandes zu üben, aber diese Krieger und Möchtegern-Prügelknaben hier beherrschten dies ebenso gut, wie sie ihre Klingen schwangen. Da lag jemand am Boden, halbtot geprügelt, schon beinahe in Morsans endgültiger Umarmung, und stand plötzlich locker grinsend auf, wickelte sich eine Bandage um den Arm (sie fragte sich auch immer wieder, wieso die Leute regelmäßig ohne Ausnahme am Arm getroffen wurden – ob das eine Regel der Hohen Kampfkunst war?) und war bereit für den nächsten Kampf.
Und die Orke! Sie verzog bei jedem Gedanken daran das Gesicht. Auch sie schienen niemals die Fähigkeit eines Heilers zu benötigten, leckten sie sich permanent nach einem Kampf über ihre Wunden. Sie hatte erst nach einiger Zeit erfahren, daß das ihre Art des Verbindens war. Aber welche Unmengen von Blut sie damit ableckten! Vermutlich sammelte sich da mehr Blut in deren Mägen als sie tatsächlich in ihren Adern und Venen hatten. Nun, sie kannte sich mit der Physiologie der Orke nicht aus – vielleicht war dies ja ihr natürlicher Blutkreislauf.

Nun gut, sei es, wie es sei... sie verdrängte ihre Gedanken wieder und widmete sich ihren Patienten. Später des Zyklus´, es war kein weiterer Heiler mehr im Hospiz, und sie war im Begriff, sich zur Ruhe zu begeben, wurde die Türe aufgerissen, und ein über und über blutender Mann stürzte herein. Er brüllte nach einem Heiler und warf sich mitten auf den Boden im Behandlungsraum. Nur mit Mühe brachte sie es fertig, ihn auf das Bett zu schaffen.
Es dauerte einige Zeit, bis sie seine Wunden versorgt hatte und bereitete ihn vorsichtig darauf vor, daß er nun die nächsten Zyklen das Bett hüten würde müssen. Daraufhin starrte er sie empört an und stellte fest, daß er – sobald sie hier fertig war – das Hospiz verlassen würde. Schließlich war er ja schon wieder beinahe gesund.

In diesem Moment hatte sie die Eingebung. Sie erklärte ihm, sie würde ihm einen Stärkungstrank bringen und verschwand für einen Augenblick im Labor, wo sie nach einem bestimmten Wässerchen suchte. Als sie es ihm schließlich eingeflößt hatte und er sofort eingeschlafen war (Stärkungstrank – bei Vitama, wie naiv waren diese Krieger eigentlich?), holte sie ein paar Stricke aus der Kiste und begann, ihn sorgfältig an das Bett zu fesseln. Dieser Patient hier würde seine Bettruhe einhalten, das war sicher.


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