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 Betreff des Beitrags: Intermezzo
BeitragVerfasst: 18.03.05, 16:46 
Einsiedler
Einsiedler

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Der Traum beginnt...

Ein schwerer Geruch lag in der Luft... der Duft von Rosenwasser. Von schweren und tiefroten Blüten an den dornenbewehrten dicken Stängeln hängend, gierig nach jedem einzelnen, kühlem, lebensspendendem Tropfen feuchten Nass lechzend und ihren schweren, schwülstigen Gestank verbreitend. Die Königin der Blüten, nach stetiger Fürsorge, kostbarem Wasser fordernd und gierend, doch nur betörenden Duft schenkend... unfassbar und vergänglich wie Nebel... Nichtigkeit und Wertlosigkeit der einzige Lohn.

Seine Augen... waren es seine Augen oder die eines Fremden? Eines Fremden, der er einst gewesen war? Einen Fremden, den man mit rotglühenden heißen Klingen aus seinem Geist geschnitten hatte, ohne Erinnerung, nicht einmal den Fetzen eines Gedankens hinterlassend, einem Fremden, mit dem er Körper, Leib, Augen und Glieder geteilt hatte... und Seele?

Doch dies war nicht sein Körper, zumindest nicht jetzt. Niemals war es sein Körper gewesen, er musste nur an den dünnen unsichtbaren Fäden ziehen. Er war wie eine Puppe, eine Marionette, die nur allzu bereitwillig dem Zug des Puppenspieler gefolgt war... und dann hatte er ihm die Erinnerung an die Fäden und das Puppenspiel genommen, verwischt, jedes Mal, ungezählte Male. Immer wieder geschah das gleiche. Immer wieder musste er sich der Erkenntnis stellen, der Wahrheit, immer wieder wurde vor seinen Augen die Masquerade abgerissen, diesen sich ewig wiederholenden Mummenschanz, wie ein Mühlenrad, sich ewig drehend... ohne Ausweg.

Doch immer wieder vergas er, immer wieder verschwommen die Erinnerungen in einem dunkeln Strudel, alles verschluckend. Einem Strudel, an dessen höhnischem grinsendem Schlund sich unzählige Momente zerfaserten und ihm die Wahrheit, die Wirklichkeit zeigten, wie zerbrochene Spiegelscherben, die alle ein gleiches Bild zeigen, nur schwerlich vom nächsten zu Unterscheiden... unvorstellbar, wenn man bedachte, welche Kluft zwischen den einzelnen Fragmenten klaffte, der breite Abgrund der Zeit, eigentlich unüberbrückbar, doch hier schmolz er zu einem dünnen Rand zusammen.

Seine Klinge nährte sich seiner entblößten Brust... die kleinen dünnen und winzigen Narben an seinen Händen schickten roten pulsierenden Schmerz durch seinen ansonsten tauben Körper. Sie waren Zeichen, Symbole und Zeugnis seines Werkes, doch nur erbärmliche Versuche, wie das ungeübte Tapsen eines Kleinkindes. Nein, sein wahres Werk begann erst nun, nach vielen Experimenten, scheinbar nie endenden Studien... und dann begann das Werk... die Klinge war nur ein unbedeutendes Werkzeug, eine Gehilfe, nicht wichtig. Kurz vor der scharfen Schneide begann sich sein Fleisch zu teilen, zu verformen, durch die erbarmungslose Kraft, die ihren Führer trunken macht, berauscht... Magie

Ein Schwall von Schwerz, blutrot und heiß brandete durch seinen Kopf. Er hieß ihn willkommen, schwelgte in ihm, ließ die erbarmungslose Kälte aus seinen Gliedern vertreiben, aus seinem Kopf, seinem Geist, verlor sich ganz. Wie die Flut riss es seine Gedanken hinfort, während er sich festklammerte an dem letzten festem Kern in seinem Geist... seiner Angst, seiner Furcht, seinen Zweifeln und seiner Wut, dem letzten Anker in dieser blutroten Flut, die zwischen seinen Augen gegen seinen kümmerlichen Geist anbrandete...

Und dort... der schwache Schimmer von Weiß, unnatürlich und vollkommen deplaziert wirkend in diesem roten Meer aus Schmerz... das dünne Rinnsal, es flüsterte von Trost, Hoffnung, Licht, Leben, Freude, Glück... und Vergessen... Vergessen... sich ewig wiederholendem Vergessen...

Beim Aufwachen brannte seine Lunge und er musste husten...


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 Betreff des Beitrags: Akt 1, Teil der Vergangenheit
BeitragVerfasst: 18.03.05, 22:41 
Einsiedler
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Das Leben am Rand

Die Bretter, die die Welt bedeuten... Theatralik, aufgeblasene Gesten, holes Gerede, abgedroschene Phrasen... und doch... und doch hatte er ihn an einen Abgrund getrieben, hatte ihn dazu gebracht sich zu verraten, während seine Identität hinter leeren Worten, hinter denen sich nichts als ungreifbarer Nebel verbarg, im Dunklem blieb... hatte ihm Respekt abgerungen. Er war gefährlicher als gedacht, oh ja, viel gefährlicher. Und doch... er brannte wie ein Leuchtfeuer auf dieser Insel... und zog ihn an, als wäre er eine winzige Motte. Nein, zerquetschen lassen würde er sich nicht... doch eine offene Auseinandersetzung war aussichtslos, ihr Ausgang wäre schon längst festgeschrieben. Doch das Stück, oh, das Stück, war noch vollkommen offen... so offen, dass sich die Möglichkeiten in seinem Kopf entfalteten, ihm die Zukunft vorhersagend, ausmalend wie ein prächtiges Gemälde, riesiggroß, doch trotzdem konnte er jedes Detail erblicken, so klar lag der Weg... nein, die Wege... vor ihm.

Vorbereitungen waren zu Treffen, ein Ausgleich der Macht zu schaffen, eine Demonstration der Nichtexistenz der eigenen Machtlosigkeit... die Schale, den Panzer aus Sicherheit galt es zu zerbrechen und abzureisen und den schwachen Kern freizulegen und ein Aufblitzen der Schwäche und der Erkenntnis in seinen Augen zu erblicken.Doch Vorsicht war das oberste Maß, er wusste zuviel, zuviel war verraten worden, zuwenig hatte man ihm enthüllt... ein dünner Weg, steinig und voller Gefahren mit unzählbaren Abzweigungen ins Ungewisse... oder in die letzte Gewissheit... diesen Weg galt es zu durchschreiten, ohne ein Licht, ohne eine Fackeln, ohne fremde Führung, nur durch den eigenen Willen.

Ohja, wahrhaftig... er hing wirklich am Abgrund. Und er streckte seine Hand aus, sprach von unzähligen Möglickeiten, flüsterte und versprach Schmeicheleien... ohne zu wissen, wie nahe er sich dabei selbst an den Abrung wagte. Die Frucht der Erkenntis würde bald zum pflücken reif sein... nein, ohne ein Exempel, ein Zeichen seines eigenen Willens würde er die ausgestreckte Hand nicht ergreifen


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 Betreff des Beitrags: Akt 2, eine Aufführung ohne Publikum
BeitragVerfasst: 19.03.05, 00:23 
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Feuer, Hitze, Rauch und Schwefel

Überrumpelt... verraten... ausgenutzt... überlistet... nur eine kleine Kerbe konnte er in die Schale schlagen, doch die Zeit verrann zwischen seinen Fingern... keine Gelegenheit, ein Messer hineinzustoßen, zu dehnen, die Wunde zu vergrößern, und die harte Schale, diesen Panzer aus Selbstsicherheit, von innen heraus auszuhöhlen... Wahrheit vermischt mit Lügen, Lügen vermischt mit Wahrheit...

Sein Sklave erschien vor seinen Augen, sein ergebener Diener. Ungeduldig schnappte er nach den wenigen Fetzen, die sein Herr im zu warf, stürzte sich begierig auf das Bühnenstück, in dem er keine Rolle spielte, nur ein Zuschauer, blind für die Maskerade hinter der Maskerade und entzückt vom falschen Funkeln und Glitzern des billigen Schmucks und der Kulisse. Auf einen Wink seinen Herrn würde er heranstürzen, mit einem fahlem Grinsen im Gesicht, dessen Körper in Wahrheit ihm nicht mehr gehörte. Auf einen harschen Befehl, ein Pfeifen, ein Fingerschnipsen würde er morden, zerfetzen oder die Stiefel lecken, ganz nach dem Wunsch seines Herren.

Wie die Motte zum Licht war er gefolgt, sich seines Erfolg so sicher, bereit zu statuieren, zu exzerpieren, zu demonstrieren, dass es so viele verschiedene Formen von Macht gibt... eine glatte Klinge, eine Phiole voll verderbendem Gift, eine scharfe Zunge, Wissen, Täuschung, Worte... Worte. Er hatte sie beiseite gewischt, mit Selbstsicherheit oder Blindheit, unterscheiden lies es sich nicht, glaubte an eine schlichte Drohung und tat sie spöttisch ab. Dummheit, versteckte Klugheit, wer kennt schon die Wahrheit, außer ihm selbst? Zu blind, zu sehr auf seine eigene Person fixiert, überschwellende Arroganz. Er hatte nicht erkannt, was es war, glaubte sich angegriffen, geschmäht und angezweifelt. Doch... doch... wieder streckte er die helfende Hand aus... als ob seine Hilfe gebraucht werden würde... Worte, die eine Entscheidung anmahnten, eine Entscheidung aus freiem Willen, doch Taten, die forderten, die verlangten, die boten und schmeichelten. Eine helfende Hand? Das war die wahre Hybris in diesem Schauspiel, das er doch selber schrieb... eine Ambivalenz der Worte und der Taten... ein Abgrund, aus dem eine Hand sich entgegenstreckte und nichts versprach, nicht mit Worten, doch die Hitze, das Feuer einer Schmiede und Fügung in Aussicht stellte. Und er hatte sie ergriffen, nicht als Geretteter, nicht als Bittsteller, aus freiem Willen, eigener Entscheidung und bereit für beides zu kämpfen bis zum letzten Tropfen seines eigenen Blutes, seines Lebenssafts. Hier am Abgrund griff er nach der Hand der flammenden Bestie.

Und dann... List und Tücke, Lüge und sich verzehrende Gier nach Macht, der Genuss von Qualen, von Gewalt, eine sinnentleerte Demonstration von Macht... etwas zuckte durch Glieder, durch seinen Geist, jeden Moment auskostend schlängelte es sich seinen Körper entlang, dunkler Rauch, schwarzer Nebel, der Geist von Nichts und Kälte. Etwas füllte seine Lungen, nahm ihm jeden Atemzug und sog ihn gierig in sich ein, füllte seine Brust aus, bis sie zu bersten schien.


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 Betreff des Beitrags: Akt 3, der Wendepunkt?
BeitragVerfasst: 20.03.05, 16:38 
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Hybris

Sein Kopf schmerzte. Der Schlaf war ihm genommen worden, gestohlen von grinsenden nebelhaften Schatten mit gebleckten schneeweißen Zähnen. Noch immer schmerzte die Lunge, wie ein schwächlicher Abklatsch an unerträglich heiß brennendes Feuer und wie eine Erinnerung an eine gefallene Entscheidung, die vielleicht den ersten Schritt auf einem steinigen Pfad bedeutete, den er nicht überblicken konnte, der sich zwischen sich dunkel auftürmenden, Unheil verheißenden Bergen bis in den Horizont streckte und sich dort an der Grenze zwischen Himmel und Tare verlor. Sein Verstand kreiste um dieses Bild, kreiste um das Wort „Grenze“ in seinem Geist, haftete sich begierig an jeden kleinen Gedankenfetzen an Ränder und Grenzen und krallte sich erbarmungslos fest, wie in schauderliches Raubtier, zerriss es immer wieder jeden klaren Gedankengang.

Sie war herausgetreten aus dem Schatten, erschienen zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Tag und Nacht, dort wo sich alles Brach und verzerrte. Eine weitere Demonstration von Stärke und von Macht, zum Ziel der bloßen Einschüchterung. Wort für Wort sorgfältig gewählt, gemessen, bewertet und schließlich ausgesprochen... oder auch nicht. Als ob sie irgendwo niedergeschrieben waren, fest auf Papier gebannt, auswendig gelernt und vorgetragen für ein Theaterstück. Von eigener Entscheidung und freiem Willen kündeten die Worte, großspurig und lächerlich bedeutungsvoll. Gleichzeitig tadelte sie ihn für seine Zweifel, Zweifel an ihr, an ihren Worten und Gesten, an allem. Überheblichkeit, pure Hybris, perfekt für das kleine Theaterstück, das den beiden vorschwebte, Fäden ziehend, Schauspieler über die Bühne lenkend, alles in den Händen haltend. Sie verlangte freie Entscheidungen, geboren aus freiem Willen, und dann verbot sie alle Zweifel, alle Gedanken, die in eine Richtung wanderten, die ihr nicht genehm war. Ein kleines Kind wäre er, unfrei, geführt von einer fremden Hand, nicht fähig sich selbst einer Entscheidung zu stellen, für sich selber zu denken. Dann ein trotziges Kind, dumm und unreif, an allem zweifelnd, an allem rüttelnd und unfähig, sich zu fügen. Der Gegensatz offensichtlich, so leicht zu durchschauen. War sie so in ihren eigenen Gedanken, ihrer Welt, gefangen und verloren? So blind, nicht zu sehen, wie sich ihre Worte bissen, im Zwiespalt miteinander standen und sich gegenseitig aufhoben, ihre sorgfältig konstruierte Rede sinnentleert, lächerlich und nichtig machten? Verdeckte Absicht könnte es sein, wohlgeschliffene Worte, eine Prüfung seiner selbst, verborgen durch einen Schleier aus Tadel, Einschüchterung und der Demonstration ihrer Macht. Oder Dummheit könnte es sein, pure Überheblichkeit und Arroganz, angeschwollene krankhafte Selbstsicherheit.

Und er stand seelenruhig da, kein Wort von sich gebend, sein einziger Zweck an diesem Ort war das Halten der lichtspendenden Laterne. Das Bild einer Kette von Dienern, von Sklaven, wortlos ihr Werkt verrichtend, erschien in seinem Kopf. Sein strohblonder Schoßhund, er und nun sie, wie sie dort stand, das Gesicht verhüllt von schneeweißem Tuch, ihre Miene verbergend, wie ein Schutz vor etwas, dass er nicht kannte, nicht wusste.

Dann schritt sie von der Bühne, gemächlich, mit wie einstudierten Schritten, wohlachtend auf den eigenen Eindruck, die eigene Theatralik, gleich dem Abgang einer Göttin in einem wirklichem Theaterstück. Ein weiteres Mal stand er auf der Bühne, allein, sich selbst überlassen, den dunklen Schatten im Wald und den düsteren Schatten in seinen Gedanken. Eine Entscheidung war zu fällen, von ihm allein. Es galt zu messen, abzuwägen, auszumalen und dann die Konsequenzen zu tragen, niemals die eigenen Taten zu bereuen, die einen hierher gespült haben, an diesen Strand von Ort und Zeit, sich niemals für das eigene Handeln zu entschuldigen... und immer, immer, zu jeder Zeit die Konsequenzen zu tragen. Ein kleiner, winziger Kern der Wahrheit in ihren Worten, verborgen von Phrasen und Schmach, versteckt unter Schichten aus Lüge und Schein. Ob unabsichtlich enthüllt, gedankenlos ausgesprochen, oder mit bemessener Präzision zwischen ihre Worte gepresst.... belanglos und unwichtig war es, denn bei ihm lag die Entscheidung.


Zuletzt geändert von Schreiberling: 20.03.05, 17:07, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Akt 4, Ikarus?
BeitragVerfasst: 22.04.05, 14:44 
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Von Trophäen und Wunden

Dünnste kleine Fäden, schwerelos in der Luft schwebend, mal hierhin mal dorthin schwankend und wankend, wie eine winzige Feder im Wind, allerfeinstes Gespinst aus Licht und Schatten und Schwärze. Sich zusammenkrümmend, zusammenziehend, wie ein einzelner unendlich verlangsamter Herzschlag und dabei das umwobene Licht, die umwobene Wirklichkeit, mit sich reißend und zusammenballend zu einem seltsamen eigenartigem Funken, der sich grell strahlend in die Augen einbrennt und eine winzige Erinnerung, einen winzigen blinden Fleck auf der Sicht hinterlässt, während um jenen Punkt der verdichteten, destillierten, Realität fahle Schatten wabbern, eine gräuliche und kränkliche Verzerrung, wie ein billiger Abklatsch von echtem, warmen, hellen, sichtspendendem Licht. Das Echo, ein winziger Nachhall am Rande des Gehörs, das Geräusch von zerreißendem feinstem und dünnstem Tuch.

Selbst kleine Schritte können einen weit weg ins Unbekannte führen.

Eine Symphonie des Schmerzes? Der Demütigung? Von geschliffenen Worten. Worten wie Skalpellschnitte, präzise, kalt, penibelst geplant und ohne Rücksicht auf das Objekt. Subjekt, Objekt? Handelnder oder Ziel der Handlung? Täter oder Opfer des Geschehenden? Wer nicht lernen will, muss fühlen? Geduldsprobe oder Demütigung und Erniedrigung? Respekt entsteht aus Leistung, doch ist es nicht eine Leistung, auf den Respekt von anderen nicht angewiesen zu sein? Und welche Art von Gehorsam erwartet man von Leuten, die keine Ja-Sager sind? Welche Art von Hierarchie baut sich auf, falls die eigenen Taten das einzige Kriterium sind, und wird es als Leistung angesehen nichtnur Blockaden, sondern auch Blockierende, auf dem Weg hinauf zu beseitigen?

Schritt für Schritt lernte er, wie einen Tanz, scheu und zögerlich, wie das Werben von Bienen um Blütenkelche, darauf achtend, nichtnur aus Worten sonder auch aus Handlungen die Essenz des zu Lernenden aufzunehmen. Doch, wer sich hoch hinaus wagt, der fällt schnell.

Schnell taten sich weitere interessante Fragen auf.

Brechen Knochen leichter als der Verstand?
Ist es besser, flexibel zu sein, und sich verbiegen und verzerren zu lassen bis zur Unkenntlichkeit oder einen starken Geist zu haben, der Gefahr läuft zu zerbrechen und in unzählige Teile zu versplittern? Vielleicht ist es sogar am besten, beides in sich zu vereinen?

Doch kleine Schritte können auch einen wieder zurück führen, wenn auch Wunden oder Trophäen bleiben, eingebrannt auf das faserige Gewebe, das Vergangenheit genannt wird.


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 Betreff des Beitrags: Akt 5, Sehend
BeitragVerfasst: 24.05.05, 15:00 
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Eindrücke

Natur, wuchernd, wachsend, verwesend und weiterwuchernd. Ein betäubender Geruch, schwülstig, nach verwesender Fruchtbarkeit stinkend und Kopfschmerzen verursachend. Alles erwächst aus dem Tod von allem. Eine dünne, lächerliche lebendige Schicht, wie eine Haut, um das verschmähte Innere zu verbergen, über unzähligen Schichten des Todes und der Verwesung, tief herabreichend, bis in das dunkelste Innere. Hohle lächerliche Tarnung... Doch abgerissen an jenem Orte, dem Spiegel ohne Verzerrungen, ohne Schlieren, nur die Wahrheit.


Tod, gewalttätig, grausam, alles entreißend, gnadenlos und ohne Unterschied. Zeichen des Siechtums, der Pest, der langsamen, sich dahinziehenden Verdammnis. Madenzerfressene aufgeblähte Leiber, die Haut spröde und grau, wie altes Pergament. Verborgen unter weihrauchgeschwängerten Worten und Reden, verdeckt von hölzernen Käfigen und begraben unter tonnenschwerer Erde, sich selbst überlassen, unbeobachtet...
Doch ans Tageslicht gebracht an jenem Ort, dem Spiegel ohne Verzerrungen, ohne Schlieren, nur die Wahrheit


Feuer, nützlich, wärmend, lichtspendend, ein gezähmtes Wesen, ein Geschenk. Zerstörerisch, Verwüstung und bloße schwarze Asche hinter sich lassend, kümmerliche Überreste, karge Erinnerungen an das Leben, das Treiben, die Vergangenheit. Züngelnd und zischend und fauchend sich in Fleisch grabend, es verbrennend in höchsten Schmerzen bei lebendigem Leib. Gewaltsam, ungezähmt, wild und unsagbar heiß, nicht aufzuhalten auf seinem zerstörerischen Weg durch Land, Stadt, Tier und Mensch...
Doch sein wahres Wesen offenbarend an jenem Ort, dem Spiegel ohne Verzerrungen, ohne Schlieren, nur die Wahreheit.


Geist, ein großartiges Geschenk. Die Fähigkeit des Denkens, des Planens, des Abschätzens, des Schaffens. Ein Licht in der Dunkelheit, eine flammende, hell leuchtende Fackel des Verstandes und des Verstehens. Aus ihm entspringen Kultur, Verstehen und Schaffen aller verständigen Wesen. Kunst, Musik, Literatur, Mathematik, Philosophie. Doch ein Licht in der Dunkelheit wirft Schatten, lange, verzerrte, huschende Schatten. Angst, Furcht und Grauen entspringen jener Fackeln, huschen über unsere Gedanken und zupfen, ziehen, zerren an jeder Faser unseres Denkens, wie geschickte Lautenspieler entlockt die Angst uns Schreie und Handlungen nach ihrem Willen, nach ihrem Plan. Und wie ein Raubtier grinst uns die Urangst aus den Ecken unseres Verstandes an, lechzend und sich verzehrend. Das Grauen vor dem Sein selbst, vor der Selbsterkenntnis selbst, eine existenzielle Angst, die keinem Tier zueigen ist, keinem Ding, außer uns.


Krieg, ein ehrenvoller Wettstreit der Völker, voller Geschichten und Legenden von Helden, von tapfren Mannen, Legenden voller Mut und Ehre, Tapferkeit und Stolz, Ruhm und Heldentaten. Gülden glänzende Rüstungen und ein heiliger Schimmer auf den blankpolierten Schwertern. Doch... Dreck, Schlamm, Blut, der beissende Geruch von Verwesung und von Angst, Männer, die um ihr Leben kämpfen, dreckig um sich schlagend, kratzend, beissend, alle Ehr’ vergessend, während sie sich unbarmherzig an ihr eigenes Leben krallen. Wut und Hass und Zorn in ihren Gesichtern, als Knochen brechen, Blut fließt, Muskeln durchtrennt werden und Fleisch geschnitten. Pferde wiehern, gehen durch, trampeln durch die Reihen und brechen Fleisch und Knochen der eigenen Mannen, wie auch der Feinde. Das surrende, todbringende und unheilverkündende Geräusch von Pfeilen, die wie Rachevögel durch die Luft schneiden, und sich in das Fleisch von Freund und Feind graben, dort fest mit Widerhacken fest hängen und unsagbaren Schmerz verursachen. Die Festen und jedes Land erschüttert vom Geschrei der kriegerischen Horden, die Sphären aus den Angeln gerissen, Tare selbst überzogen mit den Narben vergangener Schlachten.
Die wahre Bedeutung, sein unverzerrtes Wesen zeigt sich an jenem Ort, jenem Spiegel der Realität.


Wasser, vollkommen rein und klar, eine angenehme kühle Nässe, die die Lippen sachte kitzelt
Wir trinken tagtäglich davon, beiläufig, undankbar und nicht bewusst. Erst in der Not erkennen wir, das Wasser uns am Leben erhält. Dass es Felder gedeihen lässt, bis sich schwere Ähren sachte im Winde wiegen. Der Quell des Lebens, ein wahres Lebenselixier. Ein Geschenk, welches wir nicht erkennen, welches wir annehmen, ohne nachzudenken.
Und ein Irrtum, ein Denkfehler, typisch für naive Geister, die es nicht wagen, ihre Gedanken zuende zu bringen bis zur allerletzten Konsequenz. Ja, wir trinken Wasser, dürsten danach, sind unfähig ohne es zu überleben. Doch nicht Wasser hält uns am Leben, durchdringt uns allheilend. Nein, Wasser wurde zu Blut und Blut wird geschaffen aus Wasser. Ist es nut Blut, das durch unseren Körper pulsiert, das uns am Leben hält? Während wir Wasser verschwenden, damit Dreck und Schmutz von unseren Körpern waschen, es schlichtweg beiläufig anbieten und verschenken, gibt kein Mensch leichtfertig sein Blut. Nicht einmal einen Tropfen, ein harmloses nichts. Wir sind uns den Wert von Blut bewusst, so unschätzbar kostbar erscheint uns unser eigenes Blut. Steigern sich Krieger in einen Rausch, wenn sie das Wasser der Feinde stehlen? Nein, ihr Gemüt wallt auf, wenn sie Blut anderer vergießen, wenn sie sich vollkommen bewusst sind, welch unvorstellbare Macht sie über ihre Feinde besitzen, in dem Moment wo die Klinge sich durch Fleisch und Knochen frisst.
Blut bedeutet leben, bedeutet Heilung, Ist es nicht das Blut, das unsere Wunden verschließt, dass sich wie ein Panzer über unseren schwächlichen Körper legt? Es formt uns täglich neu, fließt durch unsere Adern, allreinigend und allheilend. Blut, nicht Wasser, formt uns, formt unser Fleisch und unseren Körper, bewahrt ihn vor dem Tod, ernährt jede Faser des Seins.


Zuletzt geändert von Schreiberling: 14.06.05, 19:23, insgesamt 1-mal geändert.

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