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 Betreff des Beitrags: Der letzte Weg
BeitragVerfasst: 6.06.05, 03:42 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 1.06.05, 20:38
Beiträge: 7
Dunkelheit lag über der Insel, als an der Seite Galtor's ein Mann hinab in Morsans Hallen wandert. Um die Schultern liegt im dunklen Blau sein Umhang, geziert mit dem silbernen Greifen, darunter schimmert hell die Rüstung. Kein Zögern ist in seinem Schritt, kein Zaudern. Die vormals strengen Züge strahlen einen Frieden aus, wie er nur jenen vergönnt ist, die ihren Weg bis zum Ende beschritten haben. Hinter ihm, im Nebel der Vergangenheit, sieht man auf einer stillen Lichtung seinen Körper, eine tödliche Wunde in der Brust ....

*******

Sie hatte das Blut nicht von den Händen gewaschen, jetzt war es dunkel, bräunlich schon. Noch immer rührte sie sich nicht, saß still auf dem Felsen und verfolgte den Lauf der Monde, wie sie vor Fela wichen und doch am Ende die samtige Schwärze der Nacht wiederbrachten. Und mit der Dunkelheit kam die Kühle, und mit der Kühle die Klarheit, die ihre Gedanken von jeglichem Zweifeln reinigte. Wieder und wieder stiegen die Bilder vor ihr auf ....

.... Ohne zu Zögern hatte er eingewilligt, das geschäftige Treiben des Marktplatzes zu verlassen und mit ihr hinaus vor die Stadt zu gehen. Sie betrachtete ihn auf dem Weg dorthin unauffällig - er hatte sich verändert. Der ernste Zug in seinem Gesicht war einer Melancholie gewichen, die wohl nur jene sahen, die ihm nahestanden. Wo vormals die helle Rüstung schimmerte sah man nun dunkles, edles Tuch. Doch noch immer umgab ihn die Aura von Stolz und Stärke ... wenn auch nun ein Hauch von Unachgiebigkeit sie begleitete. Fremd und doch so vertraut.
Überrascht zügelte sie ihr Pferd, als er sich zu ihr umwendete. Die Stille einer Waldlichtung erstreckte sich vor ihnen und würde das Ende dessen sehen, was vor langer Zeit begonnen wurde. Eine Weile herrschte Schweigen zwischen ihnen, zu lange waren sie sich nicht mehr begegnet, dann die ersten Worte...tastend, vorsichtig doch mit der Zeit drängender. Ihre Hand streckte sich ihm entgegen, die Worte - voller Leidenschaft - trafen auf eine undurchdringliche Mauer, wandelten sich, bis sie die Schärfe von zweischneidigen Klingen bekamen. Und aus den Worten wurde der Klang von Waffen, die den Frieden des Waldes brachen. Die Dunkelheit senkte sich herab und im Licht des Vitamalins woben die Klingen ein blitzendes Netz. Schon bald erkannte sie die Grenzen ihres Könnens, und mit dem Wissen um den nahenden Tod flammte ihr Herz voller Stolz auf. War es die Vollkommenheit des Waffengangs .... war es das Wissen um das Ende des Weges?

Den Reiter, der sich der Lichtung genähert hatte, schien keiner von ihnen bemerkt zu haben, auch seine Worte verklangen ungehört. Dann schien es, als hätten die Götter Tare erstarren lassen, nichts rührte sich mehr. Wie ein einziger Schatten standen der Mann und die Frau da, sahen einander an .... doch es war ihr Schwert, welches im Licht des Mondes blutrot aufschimmerte, als er zurücktrat. Ein heftiger Schlag hatte ihre Hand vom Griff gelöst und es in seiner Schulter zurückgelassen.
Wieder woben die Klingen einen silbrigen Tanz, sangen ihr tödliches Lied - um dicht an der Kehle der Frau zu verharren. 'Bringt es zuende.' 'Nein....' Sachte rinnt Regen wie Tränen über beider Gesicht. Der Ruck, mit dem sie das Schwert aus der Wunde zieht, läßt ihn taumeln. Seine Worte, voller Schwermut und Trauer, scheinen sie nicht zu erreichen - steif aufgerichtet tritt sie zum Pferd, das blutige Schwert in der Hand. Der entsetzte Ruf des Reiters läßt sie herumfahren ... um den Mann vor sich langsam in die Knie brechen zu sehen. Aus seiner Brust ragt ein Schwert, dessen Griff seine Hand noch umklammert. Es sind die Arme des Reiters, die ihn stützen, zu Boden sinken lassen, während mit jedem Herzschlag das Leben schneller aus ihm weicht. 'Warum...?' 'Irgendwann...... hat alles ein Ende.'
Ein Schatten fällt auf beide, die Fingerspitzen der Frau streichen sachte über sein Gesicht, liebkosen es ... und in der Welt der Seelen erhebt sich ein Mann, an seiner Seite ein Schemen. Ein letzter Blick wird er zurück auf die Lichtung werfen, wo eine Frau, stolz aufgerichtet, sich ihrem Pferd zuwendet. Die Worte des Mannes, in dessen Arm der Tote liegt, bleiben ohne Erwiederung.

*******

Dunkelheit liegt über der Insel, als an der Seite Galtor's ein Mann hinab in Morsans Hallen wandert .... der Schemen an seiner Seite verweht.

Agranor Eahlstan ist tot


Zuletzt geändert von SE: 6.06.05, 03:48, insgesamt 1-mal geändert.

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