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Celina beugt sich zu dem Mädchen herab und reicht ihr einen Kringel. „Mir ist gestern eine Geschichte eingefallen… magst du sie hören?“
Mirella schnappt sich mit erfreuter Miene das Gebäck. „Au ja bitte!“
„Die Geschichte heißt: Der König und sein Diener. Es war einmal ein König, der hat vor sooo langer Zeit gelebt, dass man seinen Namen schon gar nicht mehr weiß. Er war sehr sehr mächtig und herrschte über alles. Weil er aber so mächtig war hatte er viel Arbeit. Nun war der König auch sehr klug war dachte bei sich: „Ich brauche jemanden, der mir hilft bei all den vielen Aufgaben. Und jemand ganz besonderes soll es sein“. Also begann er sein Königreich zu durchforsten.“
„Muss fleißig sein!“, ruft das Mädchen hinein.
Celina nickt lächelnd „Genau, fleißig und zuverlässig und dem König ganz treu ergeben. Das war gar nicht so leicht so jemanden zu finden, denn alle hatten immer einen Fehler. Der eine war zu gierig, der andere zu geizig. Der Erste war zu faul, der Zweite war nicht loyal genug. Doch nach langem langem suchen, da fand der König jemanden, der genau richtig war.“
„Waf..waf if loyal?“ Fragt Mia mit bröseligem Mund.
„Loyal heißt, dass jemand treu ist. Das bedeutet, dass ich zu etwas stehe, weil es mir wichtig ist, auch wenn es mir einen Nachteil bringt“
„Also Ehre!“, ruft das Mädchen und nickt eifrig.
„Zum Beispiel, ja. Aber auch Ehrlichkeit. Das heißt, wenn ich einen Freund habe, den niemand mag, sondern nur ich und die andere lachen mich dann wegen dem aus, dann ist es loyal, wenn ich trotzdem zu ihm halte.“
“Und der Mann war das?“
Celina nickt zustimmend. „Ja, das war der Mann und so wurde er der engste Vertraute des Königs. Er war sein Diener und der König hielt ganz große Stücke auf ihn. Er vertraute ihm, dass er seine Aufgaben so erfüllte, wie der König es im Sinn hatte. Nun kamen ein paar reiche Leute, die waren gar nicht zufrieden mit dem Diener des Königs und weil sie ja reich waren und der Diener so arm, da wollten sie ihn bei seinem Herren schlecht machen. „Dein Diener, der macht sowieso alles falsch“, sagten sie „der ist ein übler Geselle". Was meinst du, was der König gemacht hat? Sie schaut gespannt zu dem Kind herab.
Mirella schüttelt den kopf „Was denn, was denn?“
Celina spricht mit lebendiger Stimme weiter. „Der König wurde ganz arg wütend und ließ sie hinauswerfen. „Verschwindet", sagte er. „Den Diener habe ich mir selbst ausgesucht, es gibt keinen Besseren als ihn und euch will ich gar nicht mehr sehen"“ Mirella grinst zufrieden bei dieser Passage.
„So hat sich der König für die Treue seines Dieners bedankt. Und weißt du was?“ Sie lächelt sanft zum Mädchen herab. „So wie der König über das Land herrschte, so herrschen die Götter über Tare. Weißt du auch, wer die Diener der Götter sind?
„Na du!“ kommt es wie aus der Pistole geschossen.
Celina lacht leise. „Das ist richtig, ich bin die Dienerin Vitamas. Das bedeutet, ich stehe immer treu zu ihr, auch wenn sich andere gar nicht darüber freuen.“
„Hat’s die aber gut!“ jauchzt die Kleine.
„Und genauso bedeutet es auch, dass die Götter zornig werden können, wenn man nicht nett zu den Dienern ist, weil sie sie ja extra ausgesucht haben.“ Schmunzelt und küsst das Mädchen auf die Nase.
Das Kind kichert vergnügt und rümpft die Nase „Danke Celina!“
„Gern geschehen Herzkind.“ Sie streicht Mirella noch einmal liebevoll über die Locken.
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