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Es war irgendwann zu der Zeit, als Angamons Heerscharen die eine Hälfte der Insel hielten und die Völker gerade Brockental zurückerobert hatten. Elfen, Menschen und ein Zwerg wurden ausgesandt, die Untoten Länder möglichst weit zu erkunden. Eigentlich, so erinnerte sich der Elf, wurde der Zwerg gar nicht ausgesandt, er ging einfach mit. Doch seltsamerweise störte sich niemand daran, auch wenn die Mission streng geheim war.
Noch bevor der kleine Trupp das sichere Lager verließ, drückte der Zwerg dem Elfen einen grünen Edelstein in die Hand, in dem scheinbar winzige Bäume wuchsen. Der Elf verstand nicht, doch etwas im Blick des Zwergen überzeugte ihn von der Wichtigkeit dieses kleinen Steines, der so unbedeutend wirkte im Angesicht des Auftrags. Der kleine Trupp ging durchs Tor und bewegte sich vorsichtig ins Feindesland. Sie kamen jedoch nicht weit, da wurden sie von Untoten entdeckt und nach kurzem Kampf mussten sie sich zurückziehen.
In diesem Moment nickte der Zwerg dem Elfen kurz zu und marschierte geradewegs auf die Untoten zu. Er hatte es nicht mal sonderlich eilig dabei. Der Elf zögerte kurz, dann obsiegte jedoch das Band des Vertrauens und er folgte seinem kleinen Freund. Als sie die ersten Untoten erreichten, war er wie ein Bogen gespannt, bereit seine Waffe zu ziehen und das Leben des Zwergen zur Not mit seinem eigenen zu verteidigen. Doch zu seiner Verblüffung gingen die Untoten einfach an ihm vor rüber … als wäre er einer von … ihnen. Sie beachteten ihn nicht weiter. An der Seite des Zwergen passierte er kurz danach einen weiteren Trupp Skelette, die als Verstärkung an die Front geschickt wurden. Und wieder konnte er sie passieren ohne dass sie ihn aufgehalten hätten. Sie gingen einfach um ihn und den Zwergen herum. Der Elf konnte nicht glauben, was geschah doch der Zwerg schwieg und so wagte auch er nicht zu sprechen und gemeinsam gingen sie Stunde um Stunde schweigend nebeneinander her.
Immer wieder trafen sie Skelette und immer wieder wurden sie ignoriert. Schließlich kam das ungleichen Paar an einen Fluß, zu breit um darüber zu springen und zu tief um hindurchzuwaten. Der Elf gewöhnte sich gerade an den unschönen Gedanken durch einen Fluß inmitten des Landes Angamons schwimmen zu müssen, als der Zwerg seinen Stab etwas anhob und die Spitze auf das Wasser am Ufer des Flusses richtete. Ein leichtes Zittern durchzog den Zwergen und dann den Stab und von seiner Spitze lösten sich bläuliche Fäden, dünn wie Seide. Sie Schwebten zum Wasser und wanderten zuckend zum anderen Ufer. Und dort, wo die Fäden das Wasser berührten verwandelte es sich binnen weniger Sekunden zu einer dicken Eisschicht, breit genug um bequem darauf laufen zu können.
Der Zwerg stieg hinab und ging barfuss auf dem Eis entlang, den Stab weiter auf das Wasser vor sich gerichtet und so eine seltsame Brücke aus Eis erzeugend. Als er das andere Ufer erreicht hatte verblassten die Fäden und der Zwerg blickte zu dem Elfen. Kurz entschlossen folgte er dem Zwergen über das Eis und stellte verwundert fest, dass das Eis zwar kühl, aber nicht unangenehm kalt war. Die seltsame Brücke trug auch den Elfen und beide erklommen kurz darauf das andere Ufer. Ohne seinem Werk einen weiteren Blick zu schenken wanderte der Zwerg weiter.
Dem Elf wurde allmählich klamm, ihm war einfach nicht wohl dabei Stunde um Stunde unter toten Bäumen wandern zu müssen, doch er hatte dem Zwergen versprochen ihn zu begleiten und daran hielt er sich.
Sie machten einen großen Bogen um die grausige Feste von Finsterwangen und gingen weiter Südwärts. Kurz darauf passierten sie zwei riesige Gebirge und der Zwerg wandte sich nach Osten. Sie wanderten nahe entlang des Gebirges und dem Elfen war so, als würde der Zwerg immer wieder mit seinen Blicken den Berg absuchen. Schließlich erreichten die beiden einen kleinen Fluss der aus dem Berg kam. Der Zwerg hielt inne und wandte sich dem Elfen zu. Weit musste er den Kopf zurücklehnen um den Elfen in die Augen blicken zu können. Der Elf erkannte etwas im Blick des Zwergen, was er bei ihm noch nie gesehen hatte. Grimmige Entschlossenheit und etwa … endgültiges. Was auch immer der Zwerg vorhatte, dem Elfen wurde klar, erst jetzt begann es. Der Zwerg bat den Elfen zu warten, solange bis die Sonne zum zweiten Mal den Berghang erhellt. Zudem gab er ihm eine kleine kristallene Röhre. Sollte irgendetwas den Elfen angreifen, so sollte er den Zwergen vergessen und die Röhre zerbrechen. Mit diesen seltsamen Worten verließ der Zwerg den Elfen und stieg in den Fluß. Es dauerte nicht lange, da war der Zwerg unter Wasser und das letzte was der Elf erkennen konnte war, dass der Zwerg in den Berg hinein ging. Der Elf tat wie ihm geheißen und wartete. Um sich besser zu verbergen legte er einen Teil seiner Ausrüstung ab, rieb sich am ganzen Körper mit dem Staub ein, der den gesamten Boden bedeckte und kauerte sich an der Bergekette an einen kleinen Felsvorsprung. Für normale Augen war er so nicht mehr zu sehen. Dann wartete er, die Sinne geschärft um jede Regung des Flusses zu verfolgen, in der Hoffnung sein kleiner Freund würde bald wieder auftauchen. Es vergingen quälend lange Minuten. Dann plötzlich hörte der Elf einen grausigen Schrei wie ihn kein Lebewesen vollbringen kann. Ein Wesen schrie voller Zorn auf, doch der Elf verstand nicht, was das Wesen sagte. Doch er spürte, dass jedem Wort ein leichtes Zittern der Erde folgte. Dann konnte der Elf spüren, dass sein Freund in großer Gefahr war. Einige Zeit geschah nichts. Nur immer wieder diese leichten Beben, die von der Stimme des Wesens zeugten. Letztlich fühlte der Elf, wie sich ein dunkler Schatten um den Zwergen legte… wo immer er jetzt auch war, der Elf konnte ihn nicht mehr erreichen.
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