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Der harte Stoß der spitzen Spinnenbeine durchdrang die Kettenrüstung mühelos und so bohrten sich neue Löcher in die Haut; gerade noch verhinderten die engen Kettenmaschen ein tieferes Vordringen. Doch das bekam das Opfer garnicht mehr mit: der Schwung des Angriffs hatte den Burschen, geschwächt von zahllosen Bissen, Stichen, Schlägen und Giftattacken, von den Beinen geholt und gegen die Wand geschleudert.
Einzig der Helm schützte den empfindlichen Kopf wohl vor einer wahrhaft tödlichen Verletzung, doch benommen, fast Besinnungslos, sackte er an der Wand herab.
Rasch war die nächste Spinne über ihm, das letzte, was er sah, war, wie sie auf ihm zusammen brach und ihr widerliches schleimiges Blut über ihn ergoss.
Das letzte, was er hörte, waren die Schreie der Menschen, die noch immer um ihn herum kämpften und irgendjemanden, der gellend den "Rückzug!" forderte..
Tapptapptapp
Der bittere Geschmack nach Galle, Blut und irgend etwas undefinierbares, widerliches war das erste was er wahr nahm als er wieder zu sich kam. Das Zweite war der Gestank, Todesgeruch von Literweise Spinnenblut. Und das Dritte der Druck, der auf ihm lastete.
Mühsam schlug er die Augen auf und sah in das widerliche Antlitzt einer toten Spinne. Erschrocken aufkeuchend versuchte er nach hinten zu kriechen, doch er konnte sich kaum rühren. Nach und nach, hektisch den Kopf immer nur einen Deut drehen könnend erkannte er, was ihn am Aufstehen hinderte:
Er war bedeckt von zahllosen toten Spinnenleibern!
Über sich hörte er schwaches schaben, tapptapptapp, das mittlerweile nur allzuvertraute hin und hergewusel der Spinnen.
"Bellum steh mir bei" wollte er flüstern, doch die Furcht schnürte ihm die Kehle zu.
'Raus hier. Raus hier! Los, beweg dich du fauler Hund!'
Mühsam, die Lippen ob der Schmerzen fest zusammen pressend, schob er Spinnenbeine beiseite, drückte Leiber hoch, trat um sich und kämpfte sich Stück für Stück unter der Masse der Kadaver heraus.
Keuchend kauerte er sich in das geschaffene Loch im grausigsten Berg den er je erblickt hatte und spähte umher. Noch immer war seine Sicht verschwommen; der giftige Geschmack hatte nicht nachgelassen.
Aber eines erkannte er klar:
er war alleine.
Niemand stand mehr dort wo sie den Angriff abgewehrt hatten, einzig einige der großen schwarzen und der noch größeren roten Spinnen klackerten geschäftig hin und her, die Mandibeln klickten Angriffslustig.
'Bei Bellum!'
Er wagte kaum zu atmen, kauerte sich in der geschaffenen Höhlung zusammen und suchte nach seinem Schwert, dass er hatte fallen lassen. Ganz schien ihn das Glück nicht verlassen zu haben: rasch hatte er den besudelten Griff gefunden. Unter gedämpftem Keuchen - bloß nicht die Brut darauf aufmerksam machen, dass er noch hier war! - befreite er die alte, schlichte Klinge, die bereits über und über mit klebrigen Fäden, Blut und Spinnenpanzerbruchstücken gespickt war.
'Das wird eine Arbeit die zu säubern' fuhr es ihm durch den Sinn, dann schüttelte er wirr den Kopf. Wenn er überhaupt je hier herauskam!
Tapptapptapp...
Langsam sickerte die Erkenntnis, völlig allein zu sein, in seinen Verstand hinein, Stück für Stück die fieberhafte, tatkräftige Aufregung abdämpfend. Langsam breitete sich Hoffnungslosigkeit in ihm aus, ließ jeden Mut aus ihm sickern.. oder war es nur das Blut, das jede Kraft mit sich riss, während es aus den vielen Schnitten, Stichen und Platzwunden sickerte?
Er konnte es nicht sagen, aber er würde nicht hier bleiben und es herausfinden!
Wider hob er den Kopf, spähte aus sich mehr und mehr trübenden Augen umher. Wo waren die anderen hin? Wo war er überhaupt? Nichts konnte er widererkennen, nichts war vertraut unter all dem Blut, den Kadavern, den Spinnweben..
Und überall wuselten sie, krochen sie, stöberten in den Kadavern ihrer eigenen Brut nach Überlebenden.
Bald, bald würden sie auch bei ihm ankommen und ihn entdecken.. er musste handeln!
Rasch, viel zu schnell für seinen geschundenen Leib, sprang er über die widerliche Mauer aus Körpern und rollte sich ungelenk ab, der Aufwärtschwung wurde von einem hervorragenden Stück Mauerwerk gebremst.
Nun gut, er hatte angehalten - aber dafür mit dem lauten Rums auch die Aufmerksamkeit sämtlicher Kreaturen im Umkreis von 20 Schritt auf sich gezogen.
Ein unklarer Blick - 'verdammtes Gift! Ich seh nichts!' - dann rannte er los, zog die besudelte Klinge im vorbeihetzen über die Beine einer heranrasenden Kreatur.
Hier und da noch am Schwert klebende Beinfetzen hinter sich verteilend floh er den Gang hinab.
Tapptapptapp...
Dass dieser zunehmend finsterer wurde, immer mehr Spinnweben die Wände und Decke bedeckten, konnte er kaum sehen, sickerte ihm doch Blut in die Augen, trübte das Gift und die Schwäche der Verletzungen den Blick.
Schließlich brachte auch das um sich hacken nichts mehr und kaum mehr fähig zu sehen stolperte er über ein Kniehohes Hindernis, schlug der Länge nach auf und prellte sich das Schwert aus der Hand. Schleifend glitt es einige Schritt davon, mittenin eine Masse aus sich von der Decke abseilenden Spinnen.
Völlig starr blieb er still liegen und hielt den vor Anstrengung heftig gehenden Atem an. Wenn er erstickte, war das wenigstens nicht so schlimm, wie von den Spinnen zerfetzt zu werden!
'Denk sowas nicht.. denk sowas nicht... halt still.. Bellum steh mir bei...'
Hunderte Gedanken schwirrten ihm Träge durch den Kopf, während schon nach wenigen Herzschlägen seine Lunge anfing zu brennen, während das Herz selbst raste, ihm hart in der Brust gegen die Rippen schlug.
Immerhin, das still halten erzielte Wirkung: eine Spinne nur kam näher, stupste gegen den vermeintlichen Kadaver und wuselte geschäftig wieder davon.
Tapptapptpp..
Fest schloss der die Augen und wagte einige vorsichtige Atemzüge. Rasch verlor jedoch die Kontrolle und sog gierig die Luft in die brennende Brust, doch er hatte Glück im Unglück und etwas anderes lenkte die Aufmerksamkeit der Bestien auf sich: ein weiterer Flüchtling, der sich in den zwielichtigen Korridor geflüchtet hatte, um sein Leben rennend.
Bange sah er dem unstet Laufenden nach, der einen Schwarm Spinnen nach sich zog und nach einigen Schritten ebenso zusammenbrach und sich nicht mehr rührte.
'tot?' fuhr es ihm entsetzt durch den Sinn und angestrengt versuchte er etwas zu erkennen, als ihm irgendetwas von hinten einfach über den Rücken lief, als wäre er Bodenbelag: ein Spinnenuntier, halb Kreatur, halb Mensch mit verzerrten Zügen, war mit einigen Beinen über ihn gewandert. Dann trat auch der Schmerz ein: tief hatten sich die Beine der schweren Kreatur in das Kettenzeug gebohrt, es teils aufgebogen und waren tief in das Fleisch gedrungen. Pulsierender, sengender Schmerz; einzig dass er sich ins Handgelenk biss und die Augen fest zusammen kniff, den Atem anhielt und ein albernes kleines Kindergebet im Geist rezitierte verhinderte dass mehr als ein leises, ersticktes Keuchen die Aufmerksamkeit der Wesen auf die vermeintliche Leiche ziehen konnte.
Doch dieser Laut ging zu seinem Glück im leisen
Tapptapptapp...
unter.
Wie lang er da im Zwielicht gelegen hatte, keuchend und um Selbstbeherrschung ringend, konnte er nicht sagen, doch die Spinnen hatten sich allmählich verstreut, in ihre Schlafstätten zurückgezogen..
'Los! Hoch mit dir!'
Wer wimmerte da?
Er konnte es nicht fest machen, begriff nicht, dass der leise Schmerzlaut von ihm selbst ausging, während er sich aufrappelte, zu seinem Schwert kroch und es aufhob. Ein paar Schritte weiter, näher an den anderen Flüchtling - er lebte noch, starrte ebenso entsetzt wie er selbst sich fühlte, an die Decke.
Tapptapptapp...
Er fuhr herum und sah erneut zahllose Spinnen von der Decke, aus den Wänden.. wie, aus den Wänden?
Tatsächlich krochen sie aus gut verborgenen Nischen und krabbelten zielsicher auf ihn zu.
Sofort warf er sich hinter einen Felsvorsprung und kauerte sich dort zusammen. Wie konnten die Kreaturen einen so schnell aufspühren?
Warum wussten sie sofort, wenn sich jemand bewegte?
Der Gang war noch ein Stück dunkler geworden, nun konnte er kaum mehr die Hand vor Augen sehen, aber irgendwie war er froh darum. Das grausige tappen der Spinnenfüße war schrecklich genug, da musste man sie nicht auch noch sehen!
Direkt vor ihm glommen plötzlich 8 winzige Lichtpünktchen auf und ein paar Mandibeln klackten vor seinem Gesicht in die Luft.
Das Biest hatte ihn entdeckt!
Heftig stieß er sich ab, rammte das Vieh mit der Schulter, leise aufschreiend - da tat auch irgendwas weh - und warf es zu seiner eigenen Überraschung um.
Der Andere sah offenbar eine Chance und rappelte sich auf, und gemeinsam flohen sie noch ein Stück den Gang hinunter, während die umgeworfene Spinne hinter ihm seltsame, schaurige Rufe ausstieß.
Weit kamen sie nicht, denn nun versank die Umgebung in gänzlicher Dunkelheit.
Einige Schritte noch stolperte er weiter, dann spührte er etwas unangenehm warmes an seiner Hand - dann ein Schmerz, als etwas seine linke Schulter mit Wucht durchstieß, ihn gegen die Wand schleuderte, schläge und weitere Stiche, irgendwas biss ihm in die Wade, der Schmerz nahm unerträgliche Ausmaße an und sich heiser schreiend sank er in der Finsternis zu Boden, als gnädige Ohnmacht ihn umschloss und den Schmerz ausschloss.
Tapptapptapp..
_________________ Inaktiv. Grund: die Nettigkeit des Rates, der wie üblich keine Ahnung hat, wie man mit Spielern umgeht, noch dazu welchen, die sich für Siebenwind einsetzen. Eventgeilheit ftw!
Zuletzt geändert von Zacharias Gropp: 21.06.05, 02:25, insgesamt 1-mal geändert.
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