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 Betreff des Beitrags: Heimkehr
BeitragVerfasst: 19.05.05, 19:25 
Edelbürger
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Eins - Rauhe See

Der Seewind blähte die hellen Segel des Schiffes auf und wirbelte das schulterlange, rote Haar der Frau hin und her. Ihre linke Hand lag fest um einen knorrigen Stab als sie das wogende Meer betrachtete und tief die salzige Seeluft einatmete. Ihre Miene war zu einem leichten Lächeln verzogen, das Gesicht wirkte ziemlich bleich. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, die Frau vertrug Seereisen nicht sonderlich gut und hatte schon gleich zu Anfang ihr gesamtes Essen irgendwo in die See gegeben, was ihr doch den Spott einiger der Seeleute eintrug. Die Bohlen des Dreimasters knirschten, als ein breitgebauter Mann mit einem Bauch wie einem Fass neben sie trat. „Wir haben heute guten Wind Magistra, wenn das so weitergeht werden wir Venturia in gut zwei Siebentagen erreichen“ der Mann schwieg als sie nur knapp nickte und weiter, wie gebannt, auf das Meer hinausblickte. Mit einer Hand fuhr sie sich durch den roten Schopf, in welchem sich schon einige weiße Strähnen zeigten. „Sind die schwarzen Segel wieder aufgetaucht?“, fragte sie dann, nach einiger weiterer Zeit der Betrachtung leise, um sich ihr Unbehagen auf See nicht anmerken zu lassen. „Nein Magistra, aber ich denke nicht dass sie verschwunden sind.“, entgegnete der Kapitän, kurz betrachtete er ihr Profil, dann wandte er sich mit einem kurzen Seufzen herum und ging zurück in Richtung des Steuerrades.

Ich habe alles zurückgelassen, dachte sie bei sich und sah wieder auf das Meer hinaus, in die Ferne, wo irgendwo die Insel Siebenwind lag. Ich denke, keiner von ihnen wird das verstehen, aber es gibt Dinge, um die ich mich kümmern muss. Dinge, über die ich Gewissheit brauche. Sie schüttelte leicht den Kopf um ihre Gedanken wieder freizubekommen. Zwei elendig lange Wochen ! So lange musste sie die plumpen Aufwartungsversuche des Kapitäns noch ertragen, ganz zu schweigen von der Verachtung der gesamten Mannschaft. Nicht nur, dass sie eine Frau war, noch dazu war sie eine Magierin und die bringen ja bekanntlich mehr Probleme mit sich, als sie letzten Endes wert sind. Oh, nicht zu vergessen, dass diese Magierin nicht mal seetauglich war. Das einzige was sie hatte war ein recht hübsch anzusehendes Gesicht und einen Holzstab.

Während die Rothaarige weiter ihren Gedanken nachhing und hinaus auf das Meer starrte verdunkelte sich der Himmel. Die Windböen fauchten nun stärker über das Deck und das Wasser geriet in Aufruhr. Als ein Brecher krachend gegen die Backbordseite des Schiffes krachte wurde die nachdenkliche Frau des Aufruhrs gewahr. „GROSS UND FOCK EINHOLEN !“ schrie der Kapitän mit seiner dunklen Stimme quer über das Deck und die Matrosen eilten auf ihren nackten Füßen rasch über das Deck um diesen Befehlen nachzukommen. Ein kräftiger Mann blieb vor ihr stehen „Zeit nach unten zu gehen, Landradde“ murrte er unwillig und eilte davon, zu schnell um sich auf ein Wortgefecht mit der Frau einzulassen oder ihren eisigen Blick wahrzunehmen. Am Anfang der Reise hatten sie schon gemerkt, dass diese Frau gelegentlich zu ziemlichen Zornesausbrüchen neigen konnte. Einen Matrosen hatte es zu Anfang getroffen, er konnte zwei Tage lang nichtmehr aufrecht gehen. Auch wenn der knorrige Stab nicht wie eine Waffe aussah, ein Hieb in bestimmte Körpergegenden war damit äußerst schmerzhaft.
„Magistra, geht unter Deck. Dieser Sturm ist nicht ungefährlich und er ist bedenklich schnell aufgezogen“, der Kapitän eilte kurz über das Deck um sich dieses Fahrgastes doch noch persönlich anzunehmen. „Kapitän, wenn dieser Sturm natürlich ist, dann verspeise ich euer Großsegel mitsamt der Takelage zum Frühstück“, sie entgegnete das relativ gelassen, wenn man bedachte welche Schwierigkeiten ihr die bisherigen anderthalb Wochen Seereise gemacht hatten. Die rechte Hand lag fest um die Reling während sie an dem Kapitän vorbeizusehen schien. „Ihr solltet eure Matrosen bewaffnen... oder euer Boot dazu bereit machen ganz schnell von hier zu verschwinden“ Mit diesen Worten stieß sie sich von der Reling ab und eilte erstaunlich behände in Richtung des Steuerruders. Der Kapitän drehte sich herum und dann sah auch er es.

Aus der Ferne näherte sich ein Schiff erstaunlich schnell über das Wasser. Schwarzes Holz, schwarze Segel und keine erkennbaren Anzeichen von Leben. Es schien sich mühelos durch Wellengang und Sturm zu schieben, fast als peitsche das Wasser um das Schiff nur herum und der Sturm ebenso. Es war dem Dreimaster auf unheimliche Weise an Geschwindigkeit überlegen und hatte selbst bei diesem Sturm alle Segel gesetzt. „Hol mich der Namenlose“ hauchte der Kapitän als er der Magierin gefolgt war und das schwarze Schiff auf sie zugleiten sah. Es war nur noch gut zweihundert Schritt entfernt und nun sah man, dass die Segel zerfetzt waren, die Reling teilweise zusammengebrochen und das Holz ebenfalls ziemlich ramponiert wirkte. „Das wird er vermutlich wirklich...“, die Stimme der Maga war leise, angestrengt fast. „Kapitän, stellt eure Bemühungen ein, lasst alle Segel eures Bootes runter und sorgt dafür dass sich eure Mannschaft bewaffnet.“, auch wenn die Frau ihre Stimme nicht hob, schien jedes Wort wie eine Peitsche durch die Luft zu knallen und auf den plötzlich hilflos wirkenden Kapitän einzudreschen. Im gleichen Augenblick explodierte das Wasser hinter dem Dreimaster und schoss in einer wilden Säule hinauf, wovon sich das meiste auf das Deck ergoss. Mit einem blubbernden Fluch wurde die Magierin von den Beinen gerissen und prallte hart gegen das Geländer. Der Stoß raubte ihr für eine kurze Zeit die Luft zum atmen. Eine Kriegserklärung... wunderbar, schoss es durch ihre Gedanken als sie sich mühsam wieder aufrappelte, die eine Hand dabei fast an der Reling verkrallt. Die andere lag zwanghaft um das kühle Holz ihres Stabes. „Wa...Was war das!?“, der Kapitän stotterte nur noch als auch er sich, bedeutend schneller als die Frau, wieder aufrappelte. Mit einem Murren wies sie seine Hände zurück, welche ihr aufhelfen wollten. „Eine Duellforderung... Kriegserklärung, wenn ihr so wollt“, entgegnete sie und lehnte sich auf den Stab und starrte hinüber zu dem anderen Schiff „Es scheint so üblich zu sein seine Macht zu demonstrieren“, fügte die Magierin dann etwas leiser hinzu, während sie sich die Worte eines Zauberspruchs in ihr Gedächtnis rief. Sie seufzte leise, dann griff sie nach ihrer Magie und ließ die Flamme der Macht durch ihre Adern fließen, während sie die linke Hand hob und ihr Augenmerk auf das gegnerische Schiff richtete. „Und... Was tut ihr nun?“ sichtlich eingeschüchtert war der Kapitän, offenbar durch die Tat dieses Zauberers auf den anderen Schiff. „Seine Herausforderung ignorieren und gleich angreifen, alles andere ist Verschwendung. Und nun tut etwas damit eure Leute überleben und lasst mich in Ruhe !“ Sie richtete ihr Augenmerk nun gänzlich auf das andere Schiff, spreizte die schlanken Finger ab und richtete die Handfläche dann leicht abgesenkt auf die Reling des anderen Schiffes.

Feuer....

Rote Flammen züngelten aus ihren Fingern hervor, woben sich wie Schlangen um die Handfläche und bildeten eine feurige Sphäre, die sich auf der Handfläche zusammenzog, bis sie etwa die größe eines Kinderkopfes erreicht hatte. Mit einem kurzen Schmunzeln winkte die Frau mit der Hand und das feurige Geschoss zischte auf das andere Schiff zu.

Ein Splittern ertönte, eine Flammewolke stieg von der Einschalgsstelle auf, als das feurige Geschoss auf dem morschen Holz auftraf, es wie ein Katapultgeschoss durchschlug und dann in einem Flammenregen explodierte. Die Magierin stutzte, als das Schiff unbehelligt weiter fuhr. „Geschosse oberhalb der Wasserlinie sind nichtmal den Schweiß wert, den man braucht um sie abzuschießen“, gab ein Matrose neben ihr seinen Kommentar ab, er hätte wohl gegrinst und sah doch irgendwo ein wenig zufrieden aus.
Für ungefähr einen Augenblick, dann drang ein Pfeil in seinen Hals und mit einem Blutspritzenden Gurgeln sank er zuboden.

„Verdammt“, fluchte die Magierin leise. Es war wohl doch nicht so einfach ein Schiff zu versenken, da hätte sie natürlich selber drauf kommen müssen. Eine rasche Handbewegung vor ihr und ein gesprochener Befehl aus ihrem Mund erschufen eine schillernde Hülle um sie herum, wie eine große Seifenblase umgab sie den Körper der zierlichen Frau und schillerte leicht vor sich hin. Mit großen Augen suchte sie das Deck des Schiffes ab.

Skelette
Zombies
Einige schwebende Schemen
Skelette
Zombies
Eine verhüllte Gestalt in schwarzer Robe.

Interessant. Ein Lebendiger? Oder ein Liche?

Sie hatte gar keine Zeit nachzudenken, eine schwarze Kugel, fast wie ein Loch in der Wirklichkeit, raste aus Richtung der Robenverhüllten Gestalt heran. Mit einem zischen sauste es an ihr vorbei und prallte auf einen der Matrosen. Kurz drehte sie sich um und ihr wurde schlagartig übel. Der arme Mann wurde von der Einschlagsstelle aus praktisch aufgefressen und löste sich langsam und unter lauten Schmerzensschreien in Rauch auf. Rasch wandte sie sich ab und starrte fassungslos auf das andere Schiff. Wer war dieser Magier, dass er so schreckliche Magie gegen seine Feinde schleudern konnte? Mit einer ruckhaften Bewegung trat sie dicht an die Reling heran, während weitere Pfeile auf das Deck hagelten. Einige trafen neben ihr in das Holz, wenige prallten gegen den Schild und zersplitterten an ihm einfach. Dimiona warf ihren Stab achtlos auf das Deck, hob beide Hände und formte damit eine Kugel. Langsam blies sie ihren Odem in jene hinein und breitete die Kugel dann aus. Mit einem knirschen bildete sich eine Kugel aus dünnem Eis, Wasserlachen von dem Boden schwebten empor und festigten den vor Kälte dampfenden Ball. Im inneren bildeten sich spitze Eiskristalle mit eisigen und scharfen Kanten. Langsam umformte die Maga die eisige Sphäre mit ihren Händen und nickte, dann streckte sie die Finger aus und griff den eiskalten Ball. Schmerz zuckte durch die Finger, eisige Kälte kroch ihren Arm hinauf und ließ sie die Lippen fest zusammenbeißen. Mit einer weit ausholenden Bewegung schleuderte sie die Kugel dann von sich weg. Mit einem schmatzen löste sich die Hand von dem Ball, an dem sie fast festgefroren gewesen war. In hohem Bogen durchmaß die glitzernde Kugel wie ein Katapultgeschoss die Luft und folg auf das andere Schiff zu um dann auf dem Deck aufzuschlagen.

Natrake !

Ein flüstern glitt von den Lippen der Frau als sie mit der linken Hand auf die Kugel deutete, die Augenlieder leicht gesenkt sprengte sie das eisige Gebilde auseinander. Die Eiskristalle im inneren flogen wie Schrapnelle mit ungeheurer Wucht über das Deck. Knochen knackten, wurden angebrochen, oder durchtrennt. Der schwarze Zauberer hob nur eine Hand und die Splitter welche ihm zu nahe kamen zerbarsten in kleinen Explosionen aus Dampf. Fast meinte sie über die Entfernung sein höhnisches Lächeln zu sehen und seinen Spott über ihren eher unkonventionellen Angriff zu hören.

Kleine Maga.... Kleines... Kleines.... ER wird sich freuen... wenn du stirbst...

Die Stimme erklang unvermittelt wie ein Wispern um sie herum, einige der Besatzungsmitglieder starrten sie an und hielten inne hektisch umherzurennen und Deckung vor den Pfeilen zu suchen. Wie zum Spott hoben sich die Arme ihres Wiedersachers, selbst über den heulenden Wind meinte sie Worte in einer fremden Sprache zu hören. Wie brechendes Eis war der Klang und er schien selbst dem peitschenden Wind schweigen zu gebieten. Die Veränderung war subtil, so überraschend, dass sie nicht daran gedacht hätte.


Ein leises Klappern ertönte, als eines der taue, welches das Segel hielt, durchtrennt wurde und weitere Taue sich wie von Geisterhand lösten. Sogleich reagierte das Segel und peitschte wild umher, die Taue zuckten wie wildgewordene Schlagen umher. Mit einem lauten Schrei wickelte eines sich um den Hals eines Matrosen und schleuderte ihn wie eine wehrlose Puppe umher. Dann kam der Baum.

“DECKGUNG ! BAUM KOMMT !“, hallte ein Schrei über das Deck und im gleichen Moment führ der Baum des gelösten Segels herum, wie eine Sense fegte er über das Deck, brach einige Knochen und schleuderte andere direkt über Bord in die hungrigen Fluten.

Starr vor Schreck sah die Maga das Holz des Baumes auf sich zurasen, mit weit geöffneten Augen beobachtete sie, wie die erbarmungslose Macht dieser Mechanik, verbunden mit der Kraft des Sturms, alles in seinem Weg zerstörte. Ein knirschen ertönte als alles sich zuboden warf, nur die Rothaarige blieb schreckensstarr stehen. Ihr Selbstvertrauen schwand als sie das Holz sah und gleichsam begann die schützende Hülle um sie zu flackern. Unfähig sich zu bewegen sah sie der kommenden Vernichtung ins Auge. Die Zeit schien sich zu dehnen, die längsten Augenblicke ihres Lebens, so argwöhnte sie. Länger als in dem gläsernen Körper des Inharais, länger als die Monate des aphatischen Zuckens im Turm..

Seltsam, wenn sich alles so kurz vor dem Ende verlangsamt. Wahrscheinlich könnte ich noch eben meinen Sarg herbeischaffen um niemandem zu viele Mühen zu machen

Ihre Gedanken trieften vor Sarkasmus. Sie schloss die Augen als ein lautes Brechen ertönte. Ein knirschen wie von überlastetem Holz. Sie wartete auf den Schmerz, auf ein Gefühl von splitternden Knochen und schließlich darauf tot zu sein. So verharrte sie, als nichts passierte öffnete sie vorsichtig die Augen und blickte direkt auf den stabilen Balken der fast direkt vor ihr angehalten hatte. Ihr Blick glitt an dem Holzbalken entlang und sie sah die Haltevorrichtung, die die Wucht des Baumes schließlich gestoppt hatte.

Erleichterung durchflutete sie, genau in dem Augenblick, als neben ihr das Holz in einem grellen Flammenstoß explodierte und sie zuboden schleuderte.

Er Spielt bloß mit mir, für so jemanden bin ich wohl keine Gegnerin...

Diese Gedanken weckten die Wut in ihrem Inneren, mit einem schnaubenden Geräusch erhob sie sich wieder und atmete tief durch. Ohne so Recht zu wissen was sie tat trat sie dicht an die Reling heran und hob beide Hände.

Brennen sollt ihr, stinkende Untote. Brennen und vergehen

Sie erinnerte sich an einen Zauberspruch, rasch woben ihre Finger komplexe Symbole in die Luft, während sie die Augen schloss und nach dem Schiff tastete. Ihre magischen Sinne schienen einfach durch die Bordwand zu gleiten und befanden sich in dem abgewrackten Lagerhaus.

Wasser...

Sie sprach ein Wort, kleine Wassertröpfen erhoben sich dort vom Boden, bildeten eine kleine, fast lächerlich winzige, Kugel die in der Luft schwebte und immer fester zusammengedrückt wurde. Alles wich, bis nur noch das Wasser existierte und in der Luft schwebte, als schillernder Ball in der Finsternis.

Feuer...

Sie streckte sich aus, fast drohte ihr alles zu entgleiten, denn über eine solche Entfernung hatte sie nie ihre Magie gewirkt. Vierzig Schritt waren es bestimmt. Sie sprach den Befehl und erfüllte ihn mit ihrer Zauberkraft. Nichts geschah. Verbittert biss sie sich auf die Lippen und ein eisenartiger Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus. Erneut streckte sie sich, während die Wirklichkeit um sie herum vollkommen an Bedeutung verlor. Nur noch der finstere Lagerraum existierte für sie, ihr unsichtbares Auge, die schillernde Wasserkugel. Sie hauchte, leise, fast bettelnd den gleichen Befehl und in der Dunkelheit flackerte etwas auf, ein kleines, orangerotes, Flämmchen dass eine Spiegelposition zu dem Wasserball einnahm.

Dunkle Klauen griffen nach ihr, Fingernägel aus schwarzem rauch zerfetzten ihre Robe und schabten über ihre warme Fellkleidung darunter. Dann stießen die schwarzen Finger in die feste Kleidung hinein, durchdrangen sie und bohrten sich mit den verdrehten Nägeln in das weiche Fleisch darunter.

Schreie.

Alles in ihr explodierte vor Schmerz, als Feuer und Wasser aufeinander zusausten, wobei sie mit jedem Finger überwundener Entfernung langsamer wurden. Der Körper der Frau sank auf dem Deck zusammen, während die durch den Körper fließende Magie die Schmerzen durch die Klauenhände zu betäuben schien. Der letzte Befehl.

Schlagartig wurde es still, die Welt selber schien einen winzigen Augenblick zu verharren, dann trafen die beiden Elemente aufeinander, ein kurzes Aufflackern der beiden Teile als sie mit titanischer Wucht gegeneinander prallten und sich gleichzeitig abzustoßen, wie zu vereinigen suchten.

Licht

Mit einem Ohrenbetäubenden Krachen explodierte das schwarze Schiff dann, unvermittelt, vor den Augen der arg dezimierten Besatzung. In einem Ball aus weißem Feuer barsten die Planken auseinander und wurden quer über das Wasser geschleudert. Zischend verdampfte Wasser um den Lichtball und in ihm selber, während die See von der Druckwelle umhergewirbelt wurde. Gischtwellen peitschten sich auf, Wasser spritzte auf das Deck des anderen Schiffes und mehrere Dinge fielen im innern zuboden. Dann verschwand das Licht so unvermittelt wie es gekommen war und ließ eine Wolke aus Wasserdampf zurück. Holzstücke schwammen weit entfernt von der Explosionsstelle, der Rest des schwarzen Schiffes war zerfetzt worden und verbrannt.
Atemlos berauteten die Besatzungsmitglieder sich, dann erst sahen sie, welche Zerstörung bei ihnen zurückgeblieben war. Viele der Besatzungsmitglieder waren tot, getroffen von Pfeilen, ins Wasser gestürzt oder zermalmt von dem außer Kontrolle geratenen Baum. Zwei hingen wie ein groteskes Spottbild am Mast, feste Schiffstaue um ihre Hälse geschlungen, die Finger in das Seil unterhalb ihres blau gefärbten Gesichtes verkrallt. Und inmitten dieses Chaos lag eine kleine Frau in zerfetzter Kleidung, mit Gesicht nach unten auf dem Boden.

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BeitragVerfasst: 19.05.05, 19:27 
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Zwei - Beginn der Träume

Sie stürzte in die Leere, eine seltsam erstickende Schwärze umgab sie von allen Seiten, hüllte sie ein wie schwarze, weiche, Watte. Ihre Gedanken waren seltsam träge, unklar, als habe sie am Abend zuvor ein wenig zu tief ins Glas geschaut. Sie war tot... oder? Zummindest spürte sie weder Schmerz, noch Verlust. Ja, sie musste tot sein. Mit einem seufzen versuchte sie die Augen zu schließen, doch sie konnte durch ihre Lieder hindurch sehen, oder blieb die allesumfassende Schwärze gleich? Sie wusste die Antwort nicht, war zu müde darüber nachzudenken und wollte nur noch ruhen.

Ein leises Wispern von weither... ein Flüstern aus dem Nirgendwo

Dimiona.... Dimiona….

Sie versuchte den Kopf zu wenden. Doch ihr Körper war gelähmt, nicht von der Stelle bewegte sich ihr Hals und starr blickte sie nun nach vorne in das wabernde Nichts hinein, wie ein Verurteilter, der auf sein Hinrichtungsurteil wartet.

Dimiona.... Dimiona….

Sie blinzelte erneut, in der Ferne wurde sie eines kleinen Lichtpunktes gewahr. Er kam näher, einem tanzen Irrlicht gleich flog er auf sie zu und begann Konturen zu entwickeln. Jeh näher er kam, desto schärfer wurden die Umrisse und das glänzende Weiß schien sich selber zu mindern, schattiger, grauer zu werden, bis es sich dunkel gegen die schwärze ihrer Umgebung abhob. Ein giftiges Leuchten erhellte den Ausschnitt einer Kaputze und sie sah ein Gesicht darunter. Helle, starr blickende Augen von einem stürmischen Grau. Harte Gesichtszüge, die wohl lange nicht mehr aus Freude gelächelt hatten, wurden in ein unschmeichelhaftes Licht getaucht, welches sie blass und kränklich aussehen ließ. Ein schmaler, zu einem Strich verzogener Mund und ein störrisch wirkendes Kinn. Sie riss die Augen auf, irgendwo stieß dieses Bild auf eine Reflexion, einen schwachen Wiederhall ihres innersten Selbst. Dann schlossen sich die Lieder und die Schwärze begann um die schwebende Frau herumzuwirbeln, sie vermischte sich mit einen holzigen Braunton, fern hörte sie eine Stimme, während sich ein goldenes Gelb um die braunen Streifen herumwandte und das Schwarz schließlich ganz vertrieb. Elend fühlte sie sich, schwach und verbraucht. Um sie herum schien sich, obwohl der Wirbel aus Farben aufgehört hatte, alles weiter zu drehen. Es schwankte hin und her, während golden gelbes Licht auf sie herab schien, aus einer polierten Messinglampe.
Die Erinnerungen kehrten zurück, der Kampf, die Explosion, ihre Ohnmacht. Sie starrte an die Decke und seufzte leise auf [i]Ich habe also überlebt... den Göttern sei dank
, dachte sie und wendete dann den Kopf herum, Schmerz durchzuckte ihren Körper als sie sich bewegte. Das Zimmer war gemütlich eingerichtet, alles war fest am Boden verschraubt. Ihr Zimmer? Sie seufzte, versuchte vorsichtig ihre Finger zu bewegen und atmete keuchend ein, als sie die dicken Verbände spürte und der Schmerz sie bei jeder kleinsten Bewegung peinigte. Mit einem resignierten Seufzen schloss sie wieder die Augen und fiel zurück in einen erschöpften Schlaf.

Als sie erneut aufwachte, roch es nach Essen. Ein würziger, warmer Duft lag in ihrer Kammer. Blinzelnd hob sie den Kopf und stellte erfreut fest, dass es nicht mehr ganz so weh tat. Mit einem leisen Ächzen richtete sie sich auf und sogleich sah sie den Mann, der sich ebenfalls in ihrem Zimmer aufhielt. „Ihr seid wach !“, hörte sie die brummige Stimme des Kapitäns rufen, offenbar war er erstaunt und erfreut zugleich. In seiner Stimme lag nun nicht mehr dieser gekünstelt überlegene Tonfall, sondern scheinbar ehrliche Sorge, auch wenn seine Augen trüb und traurig wirkten. Der Verlust eines Großteils seiner Mannschaft hatte ihn offenbar ziemlich mitgenommen. Sofort setzte er sich auf die Bettkante und griff nach dem Suppenteller, sowie einem Löffel. Trotz der Proteste der jungen Frau fütterte er diese mit der Suppe, da sie offenbar selber dazu nicht in der Lage war. Kurz darauf schlief sie wieder ein.


Ein Raum, kahl und leer. Nur eine Treppe führt rings um den runden Raum herum, bis zu einem undefinierbaren Ende, weißer Nebel brodelt dort oben, wo die Treppe endet. Die Frau dreht sich um, ihr Blick schweift verwirrt und irritiert durch den Raum, als sie zur Stelle, wo sie eine Türe vermutet, zurücksieht, erblickt sie dort ein schwarzes Brodeln.

Du hast die Wahl...., haucht eine eisige Stimme durch die Luft, kurz bilden sich Eiskristalle an den Wänden und schmelzen kurz daraufhin wieder zusammen um die Wände hinunter zu fließen.

Die Frau scheint unentschlossen, dann wendet sie sich mit einem Nicken in Richtung der Treppe und beginnt diese hinaufzusteigen. Ihre Stiefel klacken auf dem weißen Marmor unter den Füßen und hallen unheimlich in dem Raum, der ganzen Halle gar, wieder. Wie ein Spott scheint das Tappen der beiden Füße und das Tocken ihres schwarzen Holzstabes auf sie einzuprasseln, während sie gemütlich die Treppe hinaufgeht. Dann hört sie ein knirschen hinter sich, ein kurzer Blick zurück zeigt nichts ungewöhnliches und so steigt sie die Treppe weiter empor.

deine Wahl....?, die Stimme kommt erneut wieder, wiederum kondensieren Wassertropfen an den Wänden des Raumes, gefrieren zu Eisblumen, die in einem funkelnden Licht blitzen, und schmelzen kurz darauf einfach hinweg.
Die Frau erwidert nichts, sie geht wie im Traum weiter voran. Noch Hundert Schritte bis zur Türe, sie beginnt schneller zu laufen. Fast als befalle sie eine böse Vorahnung, oder sie fliehe plötzlich vor dem drohenden Verhängnis.

Ein Plätschern... Plitsch... Platsch... Plitsch.... Platsch....

Sie schaut zur Seite, Wasser rinnt an den Wänden hinunter und tropft von dem marmornen Treppengeländer hinunter, die Wasserperlen zerplatzen auf dem Boden. Plitsch.... Platsch...

Sie eilt sich nun sichtlich, die schlichte, graue, Robe raffend, stiefelt sie rasch die Treppe hinauf. Ihre Schritte werden lauter, hallen deutlicher, durchmischt mit dem feuchten Platschen, wieder. Nur noch fünfzig Schritte bis zu dem Nebel, dem weißen, von dem sie weiß, dass er ihr die Rettung bringen wird. Plötzlich zerspringt neben ihr eine Wand, Steinsplitter fliegen durch das Treppenhaus hindurch und bohren sich teilweise in ihre Kleidung hinein und in die darunter liegende Haut.
Sie taumelt, weicht zurück und hält gleichzeitig die Hände schützend vor ihr Gesicht. Einen Liedschlag später fährt dort, wo sie eben noch stand, ein gewaltiger Stahlhammer nieder. Er fährt krachend auf den Marmor und sprengt eine Stufe halb in Stücke. Sie taumelt weiter zurück und aus dem weißen Gesteinsstaub, der wie Pulverschnee in der Luft liegt, bricht ein schwarzes Ungetüm. Es ist größer als die Frau, zwei Schritt hoch etwa, mit massigen Schultern. Die Haut ist vollkommen schwarz und von leuchtend roten Adern überzogen. Sie blinzelt, es scheint fast, als wären die Adern wie Spalten in einem Gebirge, aus dem rote Lava ihr teuflisch rotes Licht verstrahlt. Klauen mit langen Fingernägeln, die eigentlich nur noch Krallen zu nennen sind, umgreifen den stählernen Schaft des Hammers. Das Gesicht ist eine ebene Fläche, ohne Gesicht, ohne Augen, ohne sonstige Merkmale. Als hätte ein Bildhauer nur den Körper geformt, die Fläche für das Gesicht aber freigelassen um einen unfertigen Kopf zu präsentieren. Mechanisch bewegt sich die Kreatur nach vorne, mit einer grotesken Mühelosigkeit schwingt sie den gewaltigen Hammer zu einem mörderischen Schlag. Mit einem Keuchen taucht die Frau vor ihm weg, der Hammer fährt in einen Teil des Geländers und reißt es heraus, mit einem krachenden Platsch fällt das Geländerstück hinunter auf den mittlerweile überschwemmten Fußboden. Mit raschen Bewegungen duckt sich die Frau an ihm vorbei, will auf die Treppe zueilen, doch vor ihr bricht schlagartig die Treppe weg, nach unten. Es ertönt wieder das Platschen, als der Marmor in das Wasser fällt. Sie starrt, schreckensstarr, auf den weggebrochenen Teil der Treppe. Sie hört ein Pfeifen hinter sich und lässt sich um gleichen Moment zu boden fallen. Eine rasche Rolle zur Seite rettet ihr das Leben, neben ihr saust der Hammer in den Stein und verursacht eine weitere funkensprühende Explosion aus weißem Gestein. Sie kommt wieder auf die Füße als das Monster den Hammer wieder hebt, der Stab wirbelt herum und stößt direkt in den Bauch der Kreatur.

Stein

Es tockt, der Stab gleitet zur Seite und die Frau taumelt an dem gesichtslosen Krieger vorbei, ihr Stab schlug auf etwas, was so hart war wie Stein. Kein Nachgeben war zu spüren, nur ein steinharter Körper.
Sie fährt herum, kein Fluchtweg. Die Treppe nach unten ist ebenfalls zerbrochen, mit einer raschen Seitwärtsbewegung entgeht sie erneut dem Hammer. Sie starrt nach unten, denn sie steht an der Kante. Das weggebrochene Geländer liegt weit unter ihr, in dem sich langsam mit Wasser füllendem Raum. Die Frau rudert mit den Armen, ihr Gleichgewicht geht verloren und sie kippt nach hinten und fällt rücklings der Tiefe entgegen. Ein heftiges Ziehen macht sich in ihrem Bauch bemerkbar, dann schließt sie die Augen. Sie erinnert sich. Einige Handbewegungen, dann wird sie von einer Rüstung aus Luft umhüllt. Sie flüstert leise, wie im Gebet, die Worte. Dann verlangsamt sich ihr Fall, einen Schritt über dem Boden, kommt sie zum Stehen. Ein kurzer Handwink, sie wird wieder aufrecht auf die Füße gestellt und sieht nach oben. Das Gesichtslose Monstrum starrt zu ihr hinunter. Ihre Füße werden vom Wasser umspielt das langsam immer höher steigt. Sie geht schnell einige Schritte zurück, dann packt das Wesen dem Hammer, holt weit aus und.... springt. Sie hebt, mit einem bedauernden Lächeln den Stab und richtet ihn auf das hinunterbrausende Ding. Erneut, diesmal lauter, kreischt sie einen Befehl. Von ihren Händen zucken violette Blitze herunter, umhüllen die Spitze des Stabes um kurz eine Kugel zu formen, dann durchzuckt ein weit geästelter, violetter, Blitz die Luft. Mit einem Knirschen prallt er direkt auf die Brust des Monsters. Ein hohler Ton ist zu hören, er schwebt einen Augenblick lang in der Luft, die Zeit selber scheint sogleich anzuhalten. Sie steht dort, die Hände umspielt vom Feuer, der Blitz schwebt regungslos in der Luft. So plötzlich dieser Augenblick kam, genauso plötzlich ist er auch vorbei. Die Kreatur wird durch die Luft geschleudert und dann, wie von einer titanischen Faust, gegen die unbefleckte Marmorwand geschmettert. Ein hohler Schrei durchzuckt die Halle, Steinsplitter regnen von dem Körper herab, als dieser sich aufzulösen scheint.

Sie atmet tief durch, Erleichterung durchströmt sie, dann beginnt das ganze Gebilde zu wackeln. Du hast das Leid gewählt, kreischt die Stimme, plötzlich stürzen ganze Sturmfluten auf die kleine, rothaarige, Frau nieder. Drücken sie zuboden und schleudern sie wie eine Puppe hin und her. Sie stößt mit dem Kopf hart gegen eine Wand. Das letzte was sie sieht ist das dunkle, tintige, Wasser, das sich über ihr schließt und die kleinen, aus schimmerndem Silber gemachten, Luftblasen, die aus ihrem Mund entweichen. Dann wird alles schwarz um sie herum.



Ein Mann, ganz in schwarz, steht vor einem Wasserbecken. In der steinernen Schale ist ein seltsames Glühen zu sehen, die Augen starren direkt in die tintige Flüssigkeit, die von einem silbernen Schein umkränzt zu sein scheint. Seine Lippen verziehen sich leicht, als er einen mit Wasser gefüllten Raum sieht und sein Blick heftet sich auf eine Gestalt die regungslos unter der Decke des Raumes treibt, die Augen starr nach oben gerichtet. Zufrieden neigt sich die Kaputze zu einem Nicken, dann streckt er eine Hand direkt in die Flüssigkeit hinein. Wie durch zähen Teer dringen seine Finger hinein und es scheint, als berühre er die Frau kurz an der Stirn. Dann zuckt das Bild heftig zusammen, Wellen und Kringel schlagen in dem Becken hin und her und der Mann haucht etwas, einen kehligen Befehl, dann glättet sich das Wasser wieder und die Szene ist verschwunden.

Dimiona griff erschrocken nach ihrer Brust und fuhr, den Mund zum Schrei geöffnet, aus dem Schlaf hoch. Sie würgte, hüstete und schnappte gleichzeitig nach Luft. In tiefen Atemzügen sog sie den etwas teerigen Holzgeruch des Schiffes ein und ließ sich auf das Kissen zurücksinken. Eine Hand führ durch ihr Haar und sie versuchte sich zu erinnern, was eben geschehen war. Doch es war, als würde ihr jeder Gedanke an das merkwürdige Erlebnis entgleiten. Das einzige woran sie sich deutlich erinnerte, war das Wasser. Viel Wasser. Und sie wusste, dass sie fast ertrunken wäre bis… Ja, bis was genau? Mit einem seufzen rieb sie sich über die schmerzenden Schläfen und strich dann das rote Haar etwas zurück. Niemand war im Zimmer, keiner um sie herum, so stieg sie vorsichtig und wankend aus dem Bett heraus, die Welt schien in Ordnung, bis auf den Punkt, dass sie sich entgegen allen Gesetzen etwas zu drehen schien. Seufzend schloss die Magierin die Augen und wartete bis das Schwanken um sie herum aufhörte. Sie wartete einige Augenblicke, dann blinzelte sie. Schon besser, alles war mehr oder minder an seinem Platz, auch wenn das Schaukeln ihrer Umgebung immer noch andauerte. Sie zuckte leicht mit den Schultern und schlüpfte dann vorsichtig in eine Hose, die neben dem Bett lag. Sie erkannte das Kleidungsstück aus alten Zeiten wieder, eine ziemlich geflickte und arg mitgenommene Hose, die sich aber bestens für Reisen oder Wanderungen eignete. Auch ihr Hemd war etwas mitgenommen, aber das störte sie weniger. Sie blickte umher, suchte nach ihrer Robe und fand diese auch schließlich unter dem Bett. Leicht rümpfte sie die Nase, als sie das Kleidungsstück ausschlug und betrachtete. Jemand hatte einige Risse geflickt, es sah zwar sehr heruntergekommen aus, aber es dürfte reichen. Nach dieser Reise werden sie es wohl sowieso nicht mehr wagen, mich schief anzusehen, dachte die Frau mit einem leichten Seufzer des Bedauerns. Langsam schwankte sie, behindert von den Wankbewegungen, sie war ja auf einem Schiff, wie sie sich grade wieder erinnerte, des Bodens, zur Türe, griff sich den Stab und machte sich auf den Weg nach oben.

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Drei - Auftakt des Wahnsinns - Wahnsinniger Auftakt

Der Himmel war grau und Wolkenverhangen, eine scharfe Briese wehte über das Schiff und blähte die teils geflickten Segel ordentlich auf. Zum ersten Mal sah sie sich um, ihr Blick begegnete dem deck und sie musste zwangsläufig schlucken. An vielen Stellen war das Holz rötlich gefärbt von dem vergossenen Blut, Pfeile, von denen sich keiner die Mühe gemacht hatte sie zu entfernen, steckten immer noch in der Bordwand und sie hörte im Laderaum das Jammern der Verwundeten. Wenige Matrosen eilten mit raschen Schritten und nackten Füßen über das Deck, doch hielten sie alle einen respektvollen Abstand zu der Frau, fast schien es, als würden sie sie absichtlich meiden, ein Matrose schlug sogar ein Zeichen gegen das Böse, als die Magierin ihm den Rücken zuwandte. Furcht schien das Schiff befallen zu haben, eine lähmende Angst, die wie ein schwarzer Finger auf eine wunde Stelle gelegt zu worden sein schien. Dimiona spürte es auch, dass sie teilweise der Grund für diese Furcht war. Sie hatte den Angriff trotz Verwundungen überlebt, es schien fast gespenstisch, dass sie der einzige Gegner gewesen sein sollte, jedoch nicht einmal wirklich etwas abbekommen hatte. So gingen die Matrosen weiter, umgingen die Frau und wichen ihrem Blick aus, zuckten teilweise zusammen als sie sich ihnen näherte und versuchten gar nicht erst ein Gespräch zu beginnen. Sie hatte ein neues Gesicht erhalten, eines, das umfassender zu sein schien, als nur ihr hübsches Aussehen, welches die Matrosen zuerst bemerkten. Manche Matrosen schauderten, als der Wind auffrischte und das Schiff schneller vorantrieb, warfen misstrauische Blicke umher und widmeten sich dann wieder ihrer Arbeit. Traurig ging Dimiona zwischen den Männern hin und her und begutachtete schweigend den Zustand des Schiffes. Dann seufzte sie und tippte einem Matrosen auf die Schulter. Erschrocken fuhr dieser herum und starrte sie einen Moment lang an, dann neigte er rasch sein Haupt
„Wann werden wir vorraussichtlich ankommen?“, fragte sie ihn, wobei sie leicht eine Augenbraue hob. „Ich weiß es nicht, Magistra, vielleicht in einem Siebentag“, der Matrose beeilte sich zu antworten, dann wuselte er rasch davon, nur allzufroh aus ihrer Gegenwart zu entfliehen. Leicht rieb sie sich über die Stirn und atmete tief durch, die weitere Reise versprach ganz und gar nicht heiter zu werden. Dann wandte sie sich herum und ging zurück in ihre Kabine.

Der Kapitän betrat den Raum und er stutze leicht, die Frau saß auf dem Bett, hatte die Hände um einen hell glänzenden Edelstein gelegt und die Augen geschlossen. Es wirkte fast, als leuchte ihre Haut von innen heraus, ebenso wie der helle Edelstein. Als er vorsichtig näher trat um sie zu betrachten seufzte sie leise und öffnete die Augen.
„Kapitän…?“ „Ich wollte euch nicht stören, nur… Es ist so…“ , er trat unruhig von einem Fuß auf den anderen, aber er musterte die Frau erstaunt, ihre Ärmel waren hochgekrempelt und viele der Wunden waren einfach verschwunden, als seien sie in das Fleisch eingesunken oder in sekundenschnelle ohne Narben zugeheilt. Er starrte auf die Arme, welche sich ihm in einem rosigen Hautton präsentierten, dann schloss er die Augen und atmete tief durch.
„Ihr wollt, dass ich euren Verletzten helfe? Ich bin keine gute Heilerin, an die Kräfte einer Weißen werde ich nie dran kommen, aber ich kann sehen, was ich zu tun vermag“ , ihre Stimme klang sanft, fast mitfühlend. Mit einem Nicken beförderte sie den kleinen Stein in ihre Tasche und stand auf, kurz schwankte sie, dann atmete sie tief durch. Ihre eigene Heilung hatte sie selber langsam vollzogen. Immer noch waren einige Narben an ihrem Körper, doch wurden sie durch die Kleidung verdeckt und um die musste sie sich ein andermal kümmern. Sie griff in sich selber hinein, überprüfte ihre eigene Kraft und nickte zu sich selber. Für einige dürfte es reichen, hoffentlich für die schlimmsten Fälle. „Ich sage euch gleich, dass ich nicht allen helfen kann. Aber zumindest könnte ich dafür sorgen, dass alle diese Fahrt überleben und dann in die Obhut eines wirklichen Heilers gelangen können“ , mit diesen Worten ging sie auf das Deck und ließ sich von dem Kapitän die Laderäume zeigen. Sie seufzte leise als sie in die muffige Dunkelheit hinabstieg und die Verwundeten stöhnen und wimmern hörte. Es roch ekelig, etwas huschte in der Dunkelheit hin und her, wahrscheinlich Ratten, und sie hielt sich die Nase zu, von dem Geruch nach offenem Fleisch, Exkrementen und Blut wurde ihr übel. Dennoch zwang sie sich voranzugehen, hob ihren Stab und hielt ihn etwas in die Luft. Ein weiches Licht flammte an der Spitze des Stabes auf und warf die Schatten weit in den Laderaum zurück. Das Krankenlager war entmutigend. Man hatte Mäntel notdürftig ausgebreitet und die Gefangenen darauf gelegt. Lappen und Laken waren um ihre Wunden geschlungen, nur wenige hatten etwas sauberen Stoff als Verband erhalten. „Das ist schlecht. Sie brauchen frische Luft und können nicht hier unten herumliegen, das macht sie nur noch kränker. Wenn ich hier fertig bin, dann lasst sie etwas auf dem Deck liegen oder sitzen, bevor ihr sie hier wieder herunter bringt.“
Die graue Magierin betrachtete die Verwundeten und seufzte dann, sie lehnte den Stab gegen eine Kiste und ging zu dem ersten Mann hinüber, kniete sich sanft, begleitet von einem Rascheln, neben sie nieder. Sanft und kühl strichen ihre Finger über seine schweißnasse Stirn, glitten vorsichtig über den Hals und fuhren um die Wunden herum. Ein sanftes Prickeln schien aus den Fingerspitzen herauszusickern und in den Körper des Verwundeten zu fließen. Dabei intonierte sie einen leisen, melodischen, Singsang. Der Mann seufzte, kurz öffnete er die Augen, sah nach oben und schloss sie wieder, als die Magie der Frau seinen Körper etwas stärkte, damit er aus eigener Kraft mit den Verwundungen und dem Fieber fertig werden könne. Rasch erhob sie sich und ging zum nächsten. Sie sah einen verband um die Hüfte und wickelte ihn vorsichtig ab. Darunter war das Fleisch teilweise stark gerötet und ein hässliches Loch war in seine Seite gerissen worden. Dimiona schloss ihre Augen und schluckte schwer, tastete mit ihren Sinnen nach der Wunde und biss sich selber auf die Lippen. Ein leichtes Kopfschütteln, diesem Mann war nicht mehr zu helfen, er würde sehr wahrscheinlich sterben. Oder aber, seine Heilung bräuchte so viel Kraft, dass für die anderen keine Hilfe mehr möglich war. Zwei Tränen rannen aus den geschlossenen Augen über ihre Wange.

„Das Leben ist niemals einfach. Auf dem Pfad, den du gewählt hast, wirst du Entscheidungen treffen müssen, junge Schülerin. Und oft werden sie schmerzhaft sein und dich selber mehr schmerzen als andere, doch bedenke stets, dass du das tust, was wichtig ist und nicht das, was anderen als richtig erscheint.“

Diese Worte hatte sie vor so langer Zeit gehört, zu einer Zeit, als sie noch selber keine Vorstellung von der ungeheuren Grausamkeit des Lebens hatte. Als sie froh und gut gelaunt in die Zukunft geblickt hatte. Sie erinnerte sich wieder daran, dass er gesagt hatte, dass sie anderen grausam erscheinen möge, doch dies sei manch einmal der Weg, dem sie zu folgen hätte. So sah sie den tödlich verletzten an, blickte in seine fiebrigen Augen und legte ihm eine Hand auf die Stirn. „Mutter…. Mutter….“ , er hauchte, flüsterte, leise zu ihr hinauf, sein Blick in weite Ferne gerichtet und kaum mehr an der Wirklichkeit behaftet. Sie presste die Augen aufeinander, dann flüsterte sie leise und sanft, wie eine Liebkosung, ein Wort in sein Ohr „Zalge“. Mit einem Seufzen schloss er die Augen und schlummerte, scheinbar friedlich, ein. „Gütige Mutter, vergib mir...“, sie murmelte leise in sich hinein, dann stand sie vorsichtig auf und ging weiter zu dem nächsten Verletzten.

Sie arbeitete lange, ging zwischen den Verwundeten hin und her und heilte einen Teil ihrer Wunden und stärkte sie. Drei weitere Männer waren ebenfalls zu schwer verletzt um noch gerettet zu werden, auch sie schliefen nach einem leisen Zauberspruch friedlich ein und ließen die kleine Frau zurück, deren Herz immer schwerer wurde. Schließlich ging sie noch einmal zwischen den verblieben hin und her, helle funken tanzten vor ihren Augen und sie atmete tief durch. Alles um sie herum schwankte, sie griff nach einer Kiste um sich daran festzuhalten und schloss die Augen. Du wirst es nie lernen, immer verwendest du mehr Magie als du solltest, dachte sie mit einem Seufzen, als sie auf dem Boden zusammensackte und in tiefe Ohnmacht fiel. Sie bemerkte nicht einmal, wie mehrere Matrosen hinunter kamen, sie aufhoben und mit ziemlichem Unbehagen in ihre Kabine trugen.

Sie steht in einem dunklen Raum, er schwankt um sie herum, widerwillig wankt er, wie ein betrunkener Händler, hin und her. Außerhalb des Raumes hört sie das Rauschen des Meeres und das Schreien von Möwen, die ihre krakeelenden Stimmen dem Wind und dem Schiff, auf dem sie sich befindet, entgegen werfen. Sie sieht verwirrt umher, ihre Augen gewöhnen sich nur langsam an die Dunkelheit und als sie endlich sehen kann, weicht sie zurück. Sie steht auf einem blutigen Holzboden, um sie herum liegen Körper, in einer seltsamen Haltung erstarrt. Sie strecken ihr die Hände, wie in einem Flehen, entgegen. Es sind vier Stück, das Gesicht ist auf den Boden gesunken, nur die Hände sind zu der Frau gerichtet. Erschaudernd weicht sie zurück, da zucken die von zahlreichen Wunden übersäten Hände auf und die Gestalten erheben sich langsam. Ihre Mimik ist gequält und die Gesichter sind entstellt von Fliegen und faulendem Fleisch. Aus glänzenden, seltsam intakten, Augen starren sie alle in ihre Richtung. Ein seltsamer Gesang ertönt, den sie nicht näher beschreiben kann. Es klingt wie das leise Singen von lauter kehligen Stimmen, die langsame und rhythmische Laute von sich geben. Dazwischen, vereinzelt, sehr schräge Fetzen von einer Art Melodie. Sie schaudert und weicht weiter zurück.
Was hast du, kleine Maga? Du hast dieses Reich selber geschaffen, du hast uns verraten. Du warst zu schwach um uns alle zu retten und darum müssen wir nun alle sterben. Du denkst du hättest uns geholfen, pah ! In Wirklichkeit, haben deine Zauber uns erst wirklich vernichtet. Wie ein seltsamer Chor aus vier Stimmen schwirren diese Worte zu ihr heran und umfließen ihr Bewusstsein. Sie erstarrt und starrt zu weiteren, wankenden, Körpern, die sich aus der Dunkelheit herausschälen und näher schlurfen. Die Frau drückte sich fest gegen die Kisten und sah ängstlich zwischen den Untoten hin und her. Sie erkannte, wie die gesamte Mannschaft des Schiffes auf sie zuwankte, von dem grotesken Chor im Hintergrund angetrieben. Du siehst, alle sind gekommen um dir ihren Dank auszusprechen. Wir fragen dich nach dem Grund, warum du uns hast sterben lassen. Und wir werden dich töten
Die Körper wanken näher, langsam umschließen die schlurfenden Gestalten die rothaarige Frau, die zwischen ihnen hin und her starrt. „Nein… Nein… Ich habe euch nur helfen wollen, das ist nicht wahr…“, ihre Stimme bricht als die Kreaturen ihre Hände nach ihr ausstrecken.

„Nein….“ Dann versinkt sie in den Händen die sie auf den Boden drücken, während augenlose Gesichter sie anstarren. Ihr leises Flüstern hallt geisterhaft um sie herum.
„Nein….“ „Nein….“„Nein….“„Nein….“

Die Hände kommen näher.


Die Hände berühren sie.

Schmerzen schießen wie Feuer durch ihren ganzen Körper. Qualen sorgen dafür, dass sie sich zusammenkrümmt, sie schrie immer weiter, ihre Stimme wurde lauter, bis sie zu einem unartikulierten Kreischen wurde und schließlich verstummte. Gnädige Stille breitete sich in dem Lagerraum aus, nur durchdrungen von einem leisen Schmatzen und hin und wieder auflebenden Stöhnen…


Die Nacht war friedlich, funkelnd zeigten die Sterne ihr Antlitz am Himmel und strahlten neckisch, wie aus Diamanten gegossen, hinunter auf Tare. Die Seeleute auf dem Schiff, „Windgleiter“ war der Name, sahen hinauf in den Himmel. Sie ließen die Eindrücke der letzten Tage an sich vorrüberziehen, viele hatte eine eigentümliche Leere erfasst. Sie fragten sich, warum so viele ihrer Kameraden sterben mussten, warum gerade sie angegriffen wurden und nicht ein anderes Schiff. Viele saßen einfach nur da und starrten hinauf, als wäre ihnen schwerlich bewusst geworden, wie wenig sie doch den Mächten, die nicht von dieser Welt waren, entgegenzusetzen hatten. Doch langsam legten sich auch ihre Gedanken zur Ruhe und langsam schliefen sie ein. ‚Morgen würde ein anstrengender Tag werden’ dachten viele, als sie einschliefen, von dem sanften Schaukeln und Wiegen des Schiffes in den Schlaf getragen.

Ein Schrei gellte aus dem Bauch des Schiffes hervor. Ein langezogener, panisch ausgestoßener, Laut. Sofort war das ganze Schiff wach, als hätte der helle Laut ihre Träume, einem stählernen Messer gleich, durchschnitten. Sie liefen umher, suchten nach der Ursache des Geräusches. Die Verwundeten waren ruhig, sie schienen weiterzuschlafen, als halte Lifna eine schützende Hand über ihnen ausgestreckt um sie sicher in den nachtblauen Armen des Schlafes zu halten.

In ihrer kleinen Kabine richtete Dimiona sich schweißgebadet auf und sah wild, panisch wirkend, hin und her. Sie zitterte wie Espenlaub am ganzen Körper, während ihre Miene in sprachlosem Entsetzen geöffnet war. Sie zuckte heftig zusammen und gab ein leises Wimmern von sich, alles um sie herum war dunkel, jemand hatte die Kerzen ausgemacht. Mit einem heftigen Schlucken griff sie zur Seite, ihre langen, zittrigen Finger glitten durch die Dunkelheit, schienen nach etwas zu suchen und fanden es nicht. Es schien, als bewegten sich Schemen in der Luft um sie herum, dunkle Figuren, die nur in den Schatten auf sie warteten. Sie hielt den Atem an… Wo ist mein Stab?!, fragte sie sich in Gedanken, dann ballte sie eine Hand zur Faust und sprach ein Wort. Sie versuchte, ihre Stimme eindringlich und doch gleich einem Singsang auszustoßen, wie es für Zauberwörter am besten war. Doch alles was sie zu stande brachte, war ein eher raues, quietschendes Geräusch, als habe sie lange lange Zeit nichts mehr getrunken.

„Laf“

Alles blieb dunkel. Sie starrte erschreckt auf ihre Hand, als der so einfache Lichtzauber einfach versagte. Immer stärker zitterten ihre Hände nun, während die Schatten näher zu kriechen schienen. Hie und da sah sie einen Arm aus dem undurchdringlich scheinenden Dunkel herauszudringen und in ihren Ohren hallte ein leises Schlurfen und Stöhnen wieder.
Gleichzeitig begann Holz zu knarren, etwas schweres näherte sich. ES war vor ihrer Türe !
Mit dem Rest ihrer Selbstbeherrschung zwang sie sich zur Ruhe, während kalte Finger kurz über ihren Nacken zu streicheln schienen. Ihr Kopf fuhr herum, doch dort war nur Dunkelheit, die sie zu verhöhnen schien. Sogleich wandte sie sich wieder zur Türe, atmete tief durch und hob beide Arme vor sich. Betont ruhig, auch wenn sie ein leises Knarren unter ihr nun hörte, spreizte sie beide Finger vor sich und öffnete die Augen. Sie konnte ein bisschen besser sehen nun und wurde des schmalen Silberstreifens gewahr, den einer der Monde einem Rettungsseil gleich durch ihr Fenster warf. Der Anblick machte ihr etwas Mut, auch wenn ihre Finger, die sie nun deutlich unter dem silbernen Band sah, weiterhin zitterten.

Sie versuchte erneut sich zu sammeln, die Gefahren in ihrem eigenen Zimmer schlicht mit Missachtung strafend.

Erneut die Berührung dieser unsichtbaren Finger.
Sie schenkte ihnen keine Beachtung, sondern richtete ihren Blick auf die Türe, zog ihre Magie aus sich heraus und wob mit flüsternden Worten, die in ihren Ohren trotzdem unnatürlich laut klangen, einen Zauberspruch. Zeige und Mittelfinger legten sich an den Spitzen sanft aneinander, während ein weißlicher Schimmer ihre Hände umgab. Sie spürte das erregende Hochgefühl der Magie und auch den nahenden Verlust, wenn die Magie wieder von ihr gehen würde.
Sie wartete auf das näher kommende Knarzen des Holzes. Dann verstummte es, die Klinke ihrer Türe drückte sich leicht hinunter. Sie blieb sitzen, die Hände weit nach vorne gestreckt. Dann öffnete sich die Türe und etwas kam hinein. Nicht der Alptraum, den sie erwartet hatte. Nicht der Nachtmahr, der mit feurigen Augen ihren Tod verkündete und auf sie los ging.
Ein dicklicher Mann, mittelgroß und kräftig gebaut in einer Seemannshose und einem kurzen Hemd, er trug eine Kerze.
Sie lächelte, teils besorgt, teils mitleidig. Dämliche Dämonen. Sie würde sich davon nicht täuschen lassen, also rief sie die auslösenden Zauberworte durch den Raum.

Eihwaz Perdo !

Die Zeit schien sich zu dehnen als sie die Worte rief, beleuchtet von dem Flackern der Kerze schien der Dämon in Menschengestalt überrascht, doch gleichzeitig auch verständnislos und verwirrt. Ja… frage dich nur… , dachte die Magierin. Dann prallte der Zauberspruch gegen den Körper des Wesens und warf es mehrere Schritte zurück. Die Kerze fiel zuboden und verlosch zischelnd, Wachs tropfte auf das polierte Holz und hinterließ dicke, graue, Flecken. Zufrieden beobachtete Dimiona, wie sich graue Stränge aus dem Körper des Mannes wanden, sich um seine Füße und Arme wickelten und schließlich zur Decke schnellten.
Sie musste Kichern, als er da vor der Türe in der Luft hing und von grauen, halbdurchsichtigen, Fäden gehalten wurde. Als würde eine überdimensionierte Fliege in einem mindestens ebenso übertriebenen Spinnennetz hängen. Sie grinste den Dämon, der sie immer noch erschreckt und ungläubig zugleich aus seinem Menschengesicht anstarrte, herablassend an. Dann verschwamm die Welt erneut vor ihren Augen und es war ihr, als würden tausende Nadeln direkt in ihren Kopf stechen. Mit einem verdrehen der Augen und ein leisen Stöhnen sank sie zurück in das Bett.
Eine merkwürdige Szenarie, eine ohnmächtige Frau in ihrem Bett, ein Mann, der mitten vor der Türe in der Luft hing und eine ausgegangene Kerze auf dem Boden. Dazu strich der Nachtwind sanft durch das spaltbreit geöffnete Fenster, wie um den Gefangenen zu verhöhnen, der in diesem merkwürdigen Netz gefangen war.

Als der Kapitän bald darauf von der Magie losgelassen wurde, war die Magierin schon lange eingeschlafen. Sie hörte nicht einmal mehr, wie man ihre Zimmertüre zu knallte und dann rasch verschloss.


Ein Traum? Oder die Wirklichkeit?

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BeitragVerfasst: 29.06.05, 18:21 
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Vier - Maskenball des Wahnsinns

Sie findet sich in einem Raum wieder, die Arme hat sie leicht vor dem Bauch verschränkt. Sie guckt kurz an sich herunter, eine beiläufige Bewegung und merkt, dass sie ein buntes Kleid trägt. Ein sehr buntes Kleid, in allen Farben, die sie sich im entferntesten vorstellten kann und auch einige, die ihr ziemliche Kopfschmerzen bereiten. Mit einem Zucken der schmalen Schultern, welche von dem Kleid nicht bedeckt werden, wendet sie ihr Gesicht wieder ihrem Gesprächspartner zu.
Sie plaudert mit einem Spinnennetz. Ihre Unterhaltung dreht sich zuerst um das Wetter, dann um verschiedene Formen von Tanzschritten, doch schließlich schlägt das Spinnennetz vor, dass sie beide in den Ballsaal gehen sollten. Die anderen Gäste würden schließlich warten.
„Andere Gäste?“
„Natürlich andere Gäste, auf unserem Maskenball ist derzeit viel Besuch“

<<Spinnennetze können nicht sprechen>>
Die Frau ist irritiert, als sie die leise Stimme in ihrem Ohr hört. Sie zieht sich beiläufig ihren Ausschnitt zurrecht, während sie eine ruhige Erwiederung gibt.
„Natürlich können sie das, du siehst doch, dass es ohne weiteres möglich ist. Sonst würde ich mich nicht mit einem Spinnennetz unterhalten, oder?“
<<Du hasst Spinnen…>
„Ja, das stimmt. Aber gegen ihre Netze habe ich nichts. Sie sind immerhin nur ekelig und klebrig, haben aber keine acht Beine und giftige Beißwerkzeuge!“
Damit ignoriert die Frau die leise Stimme, die aus ihrem inneren zu kommen scheint und folgt dem Spinnennetz, das einfach mal hier und dort in dem Raum auftaucht, zur Türe. Sie guckt sich kurz um, erkennt, dass es sich um eine Gerümpelkammer handelt. Überall steht Putzgerät in langweiligen Farben wie Braun, Grau, Schwarz, oder weiß, herum. Das Spinnennetz öffnet ihr die Türe, deutet eine Verbeugung an und lässt sie dann vorbeitreten. Die Frau wundert sich einen Augenblick, wie ein großes Spinnenetz sich verbeugen kann, beschließt aber, das nicht in Frage zu stellen.
Als sie in den Ballsaal tritt, ist sie ziemlich verblüfft. Sehr viele Leute laufen dort herum, sehr sehr viele, um genau zu sein. Mehr als die Frau wirklich erfassen kann. Sie lächelt breit als sie die vielen Frauen und Männer sieht, alle gekleidet in die buntesten Farben, die einem Augenschmerzen bereiten können. Sie fängt trotzdem an sie zu zählen, bricht dann aber ab, als ein Mann einfach so in einem Wirrwarr aus Eulenfedern verschwindet und ein zweiter aus einem Weinglas hervor springt, der Frau vor sich einen Stuhl überreicht und dann lächelnd durch die nächste Wand davon tanzt.
„Die Akrobaten sind aber ziemlich gut“, sagt sie mit einer bewundernden Stimme, während sie von dem Spinnennetz in die Mitte des Saals geführt wird. Als sie den zentralen Punkt des Ballsaals erreicht schaut sie kurz nach unten. Sie steht auf einem wirren Symbol, umgeben von Schleifen und Schnörkeln die sich auf irrsinnserregende Art umeinander winden. Sie seufzt leise auf und stellt sich dann auf die Zehenspitzen um etwas über die Menge hinweg sehen zu können, während ihr kleid sich etwas verschiebt und die Farbe ändert.
„Ohhhhh, wie entzückend !“, ruft die Frau dann laut aus und schlägt die Hände in einer kindischen Geste vor dem Gesicht zusammen, als sie die anderen Gäste sieht. Alle tragen Masken, Masken die wirklich gut gearbeitet sind. Eigentlich meint die Frau, in einen Spiegel zu blicken, wenn sie auf die verschiedenen Masken sieht. Die Gesichtsausdrücke sind unterschiedlich, doch unverkennbar ist es immer wieder ihr Gesicht, das sie anblickt. Mal die Miene zu einem Ausdruck purer Wut verzogen, hier ist eine Maske mit einem träumerischen Blick dargestellt, eine andere runzelt nachdenklich die Stirn. Dimiona grinst in sich hinein und wartet dann darauf, dass etwas passiert. Doch nichts geschieht, das Spinnennetz ist neben ihr plötzlich verschwunden. Wortlos wird sie von allen Seiten angestarrt und irgendwie scheint es in dem Raum dunkler zu werden, fast als würden die vielen Kronleuchter nun ein bisschen schwarzes Licht verströhmen.
„Wollt ihr nicht irgendetwas sagen? Mich hier willkommen heißen, auf meinem eigenen Maskenball?“, fragt die Frau etwas schmollend und sieht die Leute der Reihe nach an.
<<Du verdammte Idiotin, das hier ist ein TRAUM und du bist gerade darin, in ihm gefangen zu bleiben. Glaubst du etwa, dass alle diese Leute hier zufällig so aussehen wie du?>> Die leise Stimme klingt aufgebracht, aber auch ziemlich verzweifelt. Die Frau ignoriert sie einfach und sieht erwartungsvoll in der Menge hin und her.
„Willkommen…“, erklingt dann eine leise, rasselnde, Stimme vom Ende des Saals. Die Menge teilt sich schlagartig und gibt den Blick auf eine hochgewachsene Person frei. Sie ist in eine schwarze Samtrobe gehüllt und tritt mit leise klackenden Schritten nach vorne. Die Hände werden von fein bestickten, schwarzen Handschuhen bedeckt. In dem ganzen Pulk von wirren Farben bildet die einfarbige Gestalt einen merkwürdigen Kontrastpunkt, auch wenn sie genauso groß ist, wie der Rest der Gesellschaft, geht sie leicht nach vorne gebückt. Bei näherem Betrachten fallen einem jedoch mehrere silberne Symbole, die auf die Robe gestickt sind, ins Auge. „Willkommen auf dem Maskenball deines Wahnsinns“, krächzt er dann und nähert sich langsam, wobei sich die beiden Hände in der Bewegung anheben.
Die Frau tritt unbewusst einen halben Schritt zurück, eine Hand streckt sie vor, eine andere vor ihr Gesicht haltend. Sie weiß, aus irgendeinem Grund, dass hier gleich die Hölle losbrechen wird. Ihr fallen plötzlich einige Zaubersprüche ein und sofort hebt sie ihre beiden Hände, formt die erforderlichen Gesten um einen Feuerball nach dem Mann in dem schwarzen Gewand zu schleudern. Sie ruft ein Befehlswort, dass sich merkwürdig langsam im Raum zu drehen scheint. Dann platzten zahlreiche bunte Seifenblasen von ihren Fingern. Irritiert blickt die Frau zu den Seifenblasen, dann verfällt ihr Gesicht wieder zu einem einfältigen Lächeln, während sie zusieht, wie die farbigen Bälle durch den Raum huschen und sausen. Während sie fliegen, fangen sie an zu singen, irgendein unbekanntes Lied, aber alle anderen tanzen dazu. Hin und wieder trifft ein Ball eine Person. Mit einem lauten Lachen wird sie dann durch die Luft geschubst und beginnt an Stelle der Farbkugel zu singen.
<<Alle hier sind verrückt… Vielmehr bist du verrückt, ich habe versucht dich zu retten, aber dein eigener Wahnsinn hat verhindert, dass du ihn töten konntest.>> Die Stimme verklingt leise und die Frau blinzelt leicht. Blöde Stimme, denkt sie und verfolgt dann weiter das wunderbare Schauspiel vor ihrem Augen.
Zufällig streift einer dieser Bälle den Mann in Schwarz, der kurz erstarrt und dann wild durch den Raum zu hüpfen beginnt. „Nein… was soll das…“, faucht er leise, während in seiner Stimme eine alte, galadonische, Volksweise erklingt. Er schlägt wild um sich, prallt von Wänden und Decken ab. „Das hier ist meine Schöpfung ! Ich verändere Sie“, die Stimme wird lauter, irgendwie panischer, während die silbernen Glyphen an seiner Robe der Reihe nach aufleuchten. Dann verschmelzen sie eine nach der anderen zu tropfen aus flüssigem Metall und rinnen auf den Boden. Die Frau ist wirklich erstaunt, dann beginnt sich alles in einem weißen Nebel aufzulösen, die Leute fallen hinein und werden zu dampf. Dimiona blinzelt verwirrt, dann hört sie wieder die Stimme schreien, diesmal jedoch aus weiter Ferne „Ich hasse dich…. Tochter…“. Bei diesen Worten schlägt sie die Augen auf.

„Willkommen in Venturia, mein Kind“

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