Siebenwindhomepage   Siebenwindforen  
Aktuelle Zeit: 4.05.26, 14:23

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: In Vergessenheit geraten ...
BeitragVerfasst: 25.05.05, 22:06 
Ratsberater
Ratsberater

Registriert: 11.02.02, 01:10
Beiträge: 3774
Der Schatten der Nacht legte sich über die verbliebenen Ruinen der ehemaligen Hauptstadt der Insel, Rohehafen. Nur wenige Häuser waren noch halbwegs bewohnbar, ein Wachtrum an der Südseite des ehemals so prachtvollen Walls der Stadt. Auf diesem Turm stand er nun schon seid einige Zyklen. Der Wind lies sein Haar aufwehen, die Augen schon seid Stunden geschlossen. Der Kopf leicht abgesenkt auf die verbrannte Erde einige Meter unter ihm, das geheiligte Land. Nur hier war es ihm möglich wahrhaftig ruhe zu finden, frei von den Götzeneinflüssen, seine Erinnerungen streiften immer wieder ab in die Vergangenheit in die Tage an der die Macht des Herren mehr denn je spürbar gewesen sein musste auf dieser Insel. Glorreiche Tage, Siege im Namen des Herren – Vergangenheit.

Trotz des hellen Lichtes des Mondes dieser Tage nahm die Nacht jenen Mann auf, als Teil von ihr vereinte sich seine Nachtschwarze Rüstung, vandrischer Machart mit ihr. Was blieb war der rot schimmernde Umhang und der nachdenkliche Blick in die Dunkelheit hinaus.
Seine Gedanken überschlugen sich und er versuchte sie schon eine Weile zu Ordnen, sich auf sein Innerstes, seinen Glauben zu fixieren diese lästigen Gefühle und Erinnerungen aus seinem Geiste zu bannen.

Warum nur konnte er sich nicht konzentrieren, warum konnte er sich nicht wie jeden Abend dem Gebete widmen um so die Ruhe zu finden dem Herren zu danken für das Geschenk seiner Wahrheit in ihm.
War es dieser vorlaute Schüler der Arkanisten gewesen der ihn so sehr mit seiner fehlenden Demut und seinem losen Mundwerk aufgebracht hatte? Nein er war belanglos, sein Leben ein Affront an den Herren es fehlte ihm an Disziplin doch so der Herr ihn weiter für lebensfähig erachtet würde er leben dürfen. Seine Zeit würde kommen.
Auch das aufeinander treffen mit der Verräterin deren Leben auf eine seltsame Art und Weise noch immer geduldet wurde hätte ihn niemals so tief treffen können. Er wusste um die gerechte Hand des Herren und das sie durch jene Fallen würde wenn es Zeit dafür war. Zu oft schon waren die Gedanken um ihren Verrat durch seinen Geiste gezogen und hatten dort für ein minderes Chaos gesorgt, doch nicht mehr dieser Tage. Jener Verrat würde gesühnt werden.
Seine Gedanken waren schon vor diesem Zeitpunkt des Aufeinandertreffens mit der Verräterin und dem jungen Adepten nicht mehr vollends klar. Schon auf dem Weg durch das geheiligte Land hatte er unentwegt nachdenken müssen, die Herrlichkeit um ihn herum war zweitrangig gewesen. Konnte es die Schmach für die Niederlage im Kampfe gegen jene Person im Rittergewand gewesen sein die ihn keine Ruhe finden lies? Es ging um einen lausigen Schlüssel, es war beinahe amüsant in welchem Hochmut der Ritter auftrat und sich über ihn stellte. Er der einfache Mann, wie er hinaufsehen sollte zu ihm, ein Spiel mit der Macht welches er lange genug spielte um sich nur ein müdes lächeln abzuringen wann immer er damit konfrontiert wurde – Nein es musste etwas anderes sein.

Es verging der gesamte Dunkelzyklus in welchem seine Gedanken weiter zurückreichten um sich dann erneut wieder und wieder mit dem heutigen Tage zu befassen. Es brauchte diese Zeit um das Verständnis zu wecken das es doch um diesen lausigen Schlüssel und den Ritter ging, zumindest zweitrangig. Der Ritter erhielt den Schlüssel und damit Zugang zu ihr. Die Liebe ihn ihrem Herzen welches vormals für ihn schlug galt nun dem Ritter. Er durfte, konnte und wollte ihre Liebe niemals erwidern, seine Liebe galt dem Herren und nur ihm allein. Doch war es Vertrauen welches aus diesem Gefühl der Frau heraus gewachsen war. Sie vertraute ihm und das war das was er wollte und was ausreichen würde. Doch nun war jener Ritter an ihrer Seite, nicht mehr er. Er würde an ihrer Seite einschlafen, sie in die Kapelle begleiten und Tag ein Tag aus seine Lehren von Lüge und Falschheit mit ihr Teilen, in Wort und Tat. Er würde den Funken der Klarheit der langsam in ihr aufkeimte wieder vernichten, restlos.
Eine Weile blieben seine Gedanken an diesem Bild hängen, ihre treuherzigen Augen ihr schmollen wann immer er wieder einen Seitenhieb auf ihre Göttin die Hure fallen lies. All dies würde vergehen und wieder der tiefsten Nacht weichen, das Netz der Lügen würde sie abermals vollends erfassen.
Seine einzige Hoffnung bestand darin das er sie enttäuschen würde in dieser jungen Liebe, worin er zweifelsohne sehr gut war. Dieser Tag an dem dies passieren würde wäre der absolute Tag, er würde zwischen dem Leben in Klarheit und dem Tod der Frau entscheiden ohne das der Ritter darauf einwirken können wird. Seine Tat wird ihn an den Rand drängen und zu seinem hilflosen Zuschauer machen in einem Spiel in dem er nur verlieren kann, und wird. Mit diesem Gedanken an den Tag der Klarheit für die Frau, an ihre Erlösung von der allgegenwärtigen Lüge keimte ein weiterer Gedanke auf, klar und deutlich, ein Ziel welches er zu erreichen hatte. Warten war nicht seine Stärke, nicht in diesem Moment. In diesem Moment erreichten ihn Bilder der Vergangenheit, sein Mentor der die Tugenden und den Kodex unerbitterlich predigte und ihn so schuf, zu dem Machte was er heute ist, begleitet durch den Segen des Herren, einen der Treusten der Treuen.
Als er den Turm kurz darauf verließ war das Ziel deutlich vor Augen und die völlige Klarheit zurückgekehrt in seinen Geiste, er wusste was zu tun war um den Tag der Klarheit für die Frau - zu erschaffen.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: - Der Nebel des Vergessens erhebt sich -
BeitragVerfasst: 27.05.05, 11:50 
Ratsberater
Ratsberater

Registriert: 11.02.02, 01:10
Beiträge: 3774
Von der inneren Ruhe wieder begleitet verbrachte er die Nacht im Gebet kniend vor dem Altar. Er dankte dem Herren und bat ihn um seinen Segen für all jene welche die Wahrheit noch nicht sahen.
Es war der letzte Dunkelzyklus des Tages als er sich eine einfache Robe überwarf und sich in Richtung der Stadt Brandenstein aufmachte. Oger, Wildtiere und lichter am Wall zum heiligen Lande interessiert ihn heute nicht, er ritt zielstrebig weiter – nichts würde ihn aufhalten. Nach einiger Zeit passierte er den Pass, etwas später den Nordwall der Stadt Brandenstein. Er wusste das sie nun nicht mehr weit fort war, wäre ein Blick über die Mauer möglich gewesen hätte er ihr Haus sehen können. Der Herr würde sie zu ihr führen, Zeit war dabei unbedeutend, er würde warten. Warten war niemals seien Stärke gewesen und doch verweilte er an der Küste, den Blick nach Nordwesten gerichtet mit einem wohligen Gefühl in seinem Leib. Egal wie groß die Entfernung auch sein mochte, in dieser Richtung lag Vandrien – Ewigkeiten konnten an jenem Ort ein Wimpernschlag sein.
Zur Mitte des Hellzyklus kam sie, vom Herren auf diesen Pfad geleitet. Als er dies wahrnahm zog sich ein fast schon amüsiertes Lächeln über seine sonst eher kühlen Züge. Was auch sonst hätte passieren können, sie wollte es, sie wollte endlich frei sein und unter der weisenden Hand des Herren neu geboren werden. Der Herr wies ihr den Weg.

Sie unterhielten sich, sie suchte ihn gestand sie, sie machte sich sorgen.
Er bot ihr abermals Klarheit an, Frieden und die Befreiung von dem Schmerz der Liebe – dem Spiel Vitamas.
Sie weinte. Sie sprach davon das sie nicht die Kraft hatte erneut diesen Worten zuzuhören.
Er akzeptierte und teilte er mit das sie ruhen würden bis sie ihn nach diesen Worten fragen würde.


Es folgte Dunkelheit vor ihren Augen. Ihr Körper gab nach uns versagte ihr die Kontrolle.
Der Hellzyklus wich der Nacht. Ein Pferd, auf dessen Rücken zwei Reiter, sucht sich seinen Weg durch das geheiligte Land, zielsicher und strebsam ohne ein Stocken.

Der Ort war gleichgültig doch hielt er jenen Raum für angebracht. Der behauene Stein, das Becken in der Ecke und der durch das Licht eines Pentagramms erleuchtete Altar im Zentrum der kleinen Höhle. Die Frau legte er auf dem Altar ab, nachdem er sämtliche Diener des Allmächtigen des Altarraums verwiesen hatte entledigte er sie ihrer Kleider und bedeckte die Blöße der Frau mit zwei langen breiten Stoffbahnen von schwarzer Seide. In ihren Zügen der Friede einer tiefen Bewusstlosigkeit, wie unschuldig sie doch wirkte.
Er nahm eine der kleinen Knochenschalen unter dem Altar hervor und stellt sie an das Ende des Ausgusses, ein kleiner Opferdolch fand leise Klirrend den Weg auf den kalten Stein des Altars neben sie. Nachdem er von einem der Schüler Bericht erhalten hatte das die von ihm gesuchte Person nicht zu gegen war vertiefte er sich erneut in seine Gebete, zur Seite der Frau am Altar niederkniend.

Es dauerte einige Zeit bis sie schließlich die Augen öffnete, er stand an ihrer Seite und sah sie an. Seine Gebete an den Herren waren erhört worden und so war es der Frau unmöglich sich von den Schultern aus hinab zu bewegen. Lediglich ihr Haupt verbleibt bewegungsfähig. Hilflos lag sie vor ihm, auf dem Altar des Herren, seiner Gnade ausgeliefert.


Zuletzt geändert von DieHammerfelsn: 27.05.05, 11:58, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.05.05, 17:59 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 27.05.05, 17:48
Beiträge: 3
Ihre Gedanken waren vollkommen durcheinander. Zwar waren sie besser als einen halben Zyklus davor, aber noch immer nicht sortiert. Zuviel war auf einmal geschehen, zuviel hätte sie beinahe schon wieder verloren und in den tiefen Abgrund hinein gezogen. Aber die Bilder, das Blut, alles war immer zu sehen sobald sie die Augen schloss. Und war es nur für einen Herzschlag – die Bilder liefen in rasender Geschwindigkeit vor ihren Augen ab. Das panische Wiehern ihrer Stute drang in ihren Kopf, die weit aufgerissenen Augen, der blutverschmierte Körper ihrer Freundin und dieses ergötzende, teuflische Lachen. Ihr Geist hatte diese Gedanken für wenige Zeit verdrängt, da sie für das Ereignis noch nicht bereit war es so zu verarbeiten und hinzunehmen. Aber als ihr Freund sie in die Arme nahm, sie sein Vertrauen spürte und seine Nähe und sie abermals für einen kurzen Moment die Augen schloss, erinnerte sie sich wieder an alles. Sie erzählte es ihm, weinend, vollkommen fertig. Innerhalb kürzester Zeit war sie wieder durchgeschwitzt durch die nackte Panik, die sich in ihr aufbäumte, den aufkeimenden Wahnsinn aber noch im Zaum haltend. Sie gingen auf ihr Zimmer, er lenkte sie ab bis er einschlief. Aber sie konnte nicht schlafen. Nicht jetzt, noch nicht jetzt. Sie hatte panische Angst die Bilder jetzt zu sehen. Zwar hatte sie es dauernd im Hintergedanken, aber sie hatten sich noch nicht wieder über ihren Verstand bemächtigt. Doch sie wusste, je länger sie hier lag, desto länger dachte sie nach und die Erinnerungen würden hochkommen. Vorsichtig entzog sie sich der Umarmung des Mannes und richtete sich auf, ihre zerknitterte Robe strich sie notdürftig glatt. Sie machte einen recht irren Eindruck mit den zerzausten, zum Teil abstehenden Haaren, da sie lückenhaft wirkten durch einige ausgerissene Strähnen, ebenso schien der Großteil ihrer Haare gekürzt worden zu sein. Sie ging in die Küche und warf lächelnd einen Blick auf ihren dicken, zotteligen Hund der am Kamin auf einem Fell in aller ruhe vor sich hin döste. Sofort kam ihr die erste Ablenkung in den Kopf um nicht schlafen zu müssen. Der Hund musste sich eh mehr bewegen und so entschloss sie sich sobald es hell wurde mit ihm Gassi zu gehen. Nach kurzer Zeit war dies eingetroffen und sie verlies mit dem Hund das Haus. Gedankenverloren lief sie aus dem Osttor, der Hund folgte ihr zuerst recht träge, dann lief er aber geradezu hektisch um sie herum und kläffend voraus. Sie schob die Hände in die Robentaschen und lief eine Weile den Weg entlang, ehe ihre Gedanken um ihn schweiften. Seit mehr als 2 Tagen war er nun fort und sie wusste nicht einmal wohin. Nach dem Duell machte er einen bissigen Eindruck auf sie, aber das sollte sich schon wieder legen. Immer noch in Gedanken verloren machte sie schließlich kehrt, sie lief die Strecke wieder zurück und an Brandenstein vorbei zu den Gattern. Der Hund folgte ihr weiterhin und sah ab und zu treudoof hechelnd zu ihr auf. Schließlich fand sie eine Lichtung auf. Für wenige Herzschläge hielt sie inne, einige male entspannt durchschnaufend, denn sie war schließlich noch nicht in bester Form. Langsam drehte sie sich dann einmal im Kreis. Hier hatte er ihr zum ersten Mal davon berichtet. Zum allerersten Mal. Sie hatte seinen Worten anfangs kaum glauben geschenkt, und jetzt tat sie es auch noch immer nicht. Es regte sie zwar öfters zum Nachdenken an, aber vom ihrem festen Glauben brachte es sie nicht ab. Der Wind spielte mit den zerzausten Haaren und sie wurde sich ihrer Umgebung langsam wieder bewusst. Sie wünschte sich, er hätte es ihr niemals erzählt. Denn dann wäre wohl alles normal geblieben…
Geradezu unbewusst wand sie sich wieder herum, ihr Hund folgte ihr auf Schritt und Tritt. Sie ging an einer Küste gedankenverloren entlang, ab und zu trat sie tollpatschig in das Wasser, das hoch spritzte und das Ende ihrer Robe langsam aber allmählich damit voll saugte. Dann bellte ihr Hund wieder auf und sie hielt inne, den Blick gleichzeitig anhebend. Sie sah ihm nach, neugierig sprang er um eine grasende Stute herum, die nicht sonderlich auf ihn reagierte. Sie kannte die Stute. Ein wenig Aufregung stieg in ihr hoch, fast schon zuviel Hoffnung, dass sie ihn jetzt gefunden hatte. Aber er war es wirklich.
Dass er sich irgendwie verändert hatte, stellte sie rasch fest. Sie wollte ihm erzählen was alles erst vor kurzem passiert war, aber er schien immer noch ziemlich bissig zu sein. Er war seltsam, er war… nicht er. Sie nahm sich vor nicht zu lange bei ihm zu bleiben und bückte sich kurz zu ihrem Hund herunter, doch genau als sie dies tat hörte sie nur noch die Worte „Es tut mir leid“ und sogleich spürte sie einen harten Schlag auf ihren Hinterkopf, der sie sogleich das Bewusstsein verlieren lies.

Nach längerer Zeit erwachte sie schließlich. Sie hatte furchtbare Kopfschmerzen. Es dauerte eine ganze Weile bis sich ihre Augen an das gedämpfte, rötliche Licht in der Höhle gewöhnten. Sie wollte ihre Hand anheben und sich über die Augen reiben, doch erschreckend stellte sie fest, dass sie sich nicht bewegen konnte. Ihr ganzer Körper, ausgenommen der Kopf, war stocksteif und sie fühlte ihn nicht mehr. Neben sich erkannte sie das Gesicht eines vertrauten Mannes, den Mann, den sie einige Tage nicht gesehen hatte. Er trug einen schimmernden, roten Umhang und eine schwarze Rüstung. Er redete mit ihr, doch sie hielt das alles für einen schlechten Witz. Das konnte nicht stimmen, es durfte einfach nicht die Wahrheit sein. Sie war nackt, außer das ihre Blöße von zwei schwarzen, seidenen Tüchern verdeckt wurde. Auch entdeckte sie den Opferdolch neben sich. Er musste wahnsinnig geworden sein, oder sie schlief gerade einfach wirklich nur schlecht. Aber dann griff er nach dem Opferdolch, er bohrte ihn ihr nachdem er den Bauch mit den Fingerspitzen abgetastet hat zielsicher hinein. Die ersten Herzschläge lang spürte sie gar nichts. Doch sie hatte Angst, panische Angst vor ihm und die Tränen flossen nur so aus ihren Augen, einige verhangen sich in ihren Wimpern. Urplötzlich spürte sie dann den Dolch in ihrem Bauch, der Schmerz war so plötzlich gekommen, dass sie nicht wirklich vorbereitet darauf war. Sie schrie gequält auf und innerlich bäumte sie sich auf, was sie auch physisch getan hätte wäre ihr Körper nicht derartig gelähmt gewesen. Er zog ihn dann heraus und das Blut quoll aus dem Stich heraus, lief durch rinnen des Altars auf dem sie lag in eine Schale. Der Schmerz zuckte durch ihren ganzen Körper und sie wimmerte und schluchzte leise. Wieder bekam sie nicht mehr allzu viel mit, die Augen presste sie zwanghaft aufeinander. Lieber wollte sie jetzt die Erinnerungen sehen als das, was gerade mit ihr geschah. Dann kam eine Frau mit einem Stab hinzu, die Zwei wechselten Worte… es ging um sie. Sie hoffte, sie würde einfach bewusstlos werden, aber der Wunsch wurde ihr nicht gewährt. Ihr wimmern wurde langsam leiser, ebenso lies das schluchzen nach, denn nun versuchte sie sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Die Frau sollte sich um sie kümmern. Sie sollte die Erinnerungen an den Mann löschen. Alle, seit dem Zeitpunkt an dem sie ihn vor einem Jahreszyklus auf Etriska kennen gelernt hatte.
Mehr wollte sie gar nicht mehr hören. Er hatte sie enttäuscht, tief verletzt. Und sie würde sich dafür rächen, auf ihre Art und Weise und das schon sehr bald und mit etwas, an das er immer erinnert werden würde.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 29.05.05, 12:14 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 27.05.05, 17:48
Beiträge: 3
Sie befand sich wieder nur noch mit dem Tardukai im für sie blasphemischen, unheiligen Höhlenraum. Noch immer von der Starre erfasst lag sie am Altar. Er stand mit einer Wasserschale neben ihr, wusch ihren nackten Körper. Sie war vollkommen verwirrt, zu viele Gedanken stürmten auf sie ein, zu viele Fragen. Nervös knabberte sie dabei unbewusst auf ihrer blutverkrusteten Unterlippen herum, die sogleich aufplatzte und Blut lief aus der Wunde, hinab über ihr Kinn. Der Mann seufzte leise auf und versuchte auch ihr Gesicht zu waschen, doch sogleich wand sie es weg von ihm. Immer und immer wieder versuchte er es, bis ihr der entscheidende Gedanke kam, der nach ihrer Meinung eine Rache war. Sie wand ihr Gesicht zu dem Tardukai, der ihr erst die Wangen sorgfältig säuberte und dann schließlich die Stirn. Als er mit der Hand zum Hals absinken wollte, öffnete sie rasch den Mund und hob den Kopf ruckartig an, um seinen Daumen fest zwischen die Zähne zu klemmen. Sie hatte genau das Gelenk zwischen den Zähnen und biss fest zu. Der Tardukai wies erst keine Rührung auf, hielt die Hand lediglich so ruhig es ihm möglich war und bewegte sie nicht um schlimmeres zu vermeiden. Aber dann knackte das Gelenk, sie hatte die Augen fest zusammengekniffen und das Blut von seinem Daumen rann in ihren Mund. Der bittere, metallene Geschmack hielt sie allerdings nicht ab. Erst als er mit der Hand nach ihrem Hals griff um fest zuzudrücken, begann sie schwer zu röcheln, biss noch einmal fest zu um dann die angespannten Kiefer zu entspannen. Er zog murrend die Hand zurück und umschloss den Daumen mit der anderen Hand. Sogleich lief er zu dem Becken mit Wasser, sie kicherte sogleich unweigerlich auf, dazwischen immer noch ein stocken und man hört wie sie das Blut ausspuckt. Sie wusste nicht wieso, aber sie fand es vollkommen gerechtfertigt. Eigentlich hätte er am besten gleich den ganzen Daumen verlieren sollen, sollte er es als Erinnerung für seinen Fehler behalten. Niemand hatte das recht ausgenommen der Viere sich in ihr Leben einzumischen. Aber er tat es, er nahm sich so dreist einfach das Recht dazu.
Sie wusste nicht, was sie für ihn empfand. Zum Teil schien es für sie wie einzig und allein Hass. Andererseits kannte sie ihn schon so lange, seit sie auf Etriska angekommen war. Sie konnte das nicht glauben, vielleicht wollte sie es auch einfach nicht für die Wahrheit halten.
Er trat wieder zum Altar neben sie. Der Daumen blutete nicht mehr, auch war keine Wunde mehr zu erkennen. Aber trotzdem schien der Knochen nicht geheilt. Die Magistra betrat wieder den Raum und diskutierte mit ihm. Sie beschlossen sie in einen anderen Raum zu bringen und sie somit nicht am geweihten Ort des Einen zu belassen. Und wieder waren sie allein, die Starre verlies quälend langsam endlich ihren Körper. „Kannst du alleine laufen…?“, sie erwiderte nur ein knappes, kraftloses Nicken und richtete langsam ihren Oberkörper auf, die Hände neben sich abstützend und dreht die Beine zur Seite. Sie zog ihre Robe über sich und sah fragend zu ihm hinauf. Eigentlich vollkommen sinnloser Weise, denn der Raum hatte nur einen Ausgang. Aber sie wollte das er voraus ging, denn nur dann hatte sie eine Chance vor diesem gesamten Ketzerhaufen zu fliehen. Der Tardukai lief vorne weg und sie ihm langsam, schlendernd hinterher. Es kribbelte unangenehm in ihren Füßen als sie unbeschuht über den kalten Höhlenboden lief. Ihr Blick wanderte aufmerksam durch die Höhle, war es jetzt doch das erste was sie sah. Sie lief noch etwas langsamer, bis zwischen den beiden gut ein Abstand von 4-5 Schritt war. Dann machte sie einfach auf der Stelle kehrt und wand sich herum, hastig lief sie weiter und als sie seine Schritte wahrnahm beschleunigte sie noch die ihren. Sie rannte einfach, sofern es ihrer müden Beine möglich war. Und dann – kurz bevor sie schon helles Licht in die Höhle fallen sah ergriff ihren Körper wieder diese furchtbare Taubheit, wie zuvor auf dem Altar. Am liebsten hätte sie geschrieen, aber sie war gleichzeitig zu sehr damit beschäftigt doch noch die Flucht zu ergreifen. Ihre Schritte wurden rasch langsamer – ohne dass sie sich dagegen wehren konnte. Und dann folgte der harte Schlag auf ihren Hinterkopf, der sogleich wieder alles vor ihren Augen verschwimmen und sie ihn Ohnmacht fallen lies.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.06.05, 01:30 
Ratsberater
Ratsberater

Registriert: 11.02.02, 01:10
Beiträge: 3774
Es ist ein Zyklus mit festem Anfang und festem Ende. Doch ist die Zeit des Endes unbestimmt. Das Leben folgt diesem Zyklus, stetig kehrt er wieder. Ihn zu unterbrechen, bedeutet das Ende. Es wird nicht Enden. Aus Altem folgt Neues. Der Zyklus kehrt wieder. In seinem Sein, sorgte er dafür.

„Ihre Bindung zu Randur stellt eine Gefahr für alles da was ich bereits erreichen konnte. Weiterhin besteht die geringe Möglichkeit das aus ihr eine Gefahr für die Gemeinschaft entsteht. Könnt ihr ihre Erinnerungen an mich vernichten, restlos, Magistra?“
Die Worte kamen emotionslos und einem flüstern gleich über seine Lippen und wurden nur einen kurzen Augenblick durch die Stille der Höhle getragen um dann wieder der Stille zu weichen. Die Antwort der Maga das es keine einfache Sache sei aber dennoch möglich waren nicht mehr als er erwartet hatte. Ihr Körper sollte gereinigt werden um anschließend mit den Vorbereitungen für den Eingriff beginnen zu können. Die Gefahr für die Frau auf dem einfachen Tisch in dem Lehrsaal der Akademie zur Linken würde von der Vorbereitung abhängen und so überwachte er das Tun der Schüler aufmerksam. Sie reinigten Ihren Körper von jeglichem Schmutz, wuschen ihr die Haare und kleideten sie in eine einfache Robe. Der Alchemist mit der Salbe kam etwas zu spät, diese Verzögerung verärgerte ihn doch war das Gelingen wichtig und Eile nicht geboten.
Die Art und Weise wie dieser Eingriff zum Erfolg kommen sollte waren für ihn uninteressant, die Maga erklärte es, zeigte ihre Schritte auf doch folgte er dem ganzen nur am Rande. Seine Gedanken waren einen Schritt weiter und er dachte darüber nach in welcher Form er ihre Erinnerungen wieder wecken sollte wenn es an der Zeit war. Denn aufgeben wollte er sie nicht, sie aufzugeben würde versagen in ihr bedeuten. Sein Versagen – Und Versagen wird nicht geduldet werden. Weiterhin ging es nicht ausschließlich um sie, sie war nur eine einfache Leidtragende im Netz der Lügen der Viergötzen. In ihre würde der Herr eine Gläubige finden doch war ihrem Sohn ein größeres Ziel zugesprochen. Sie würde der Schlüssel sein, der Schlüssel um die Wahrheit in das Herz des Jungen zu tragen.

Die Maga fuhr fort und er verließ den Ort des Geschehens für einen Moment. Der Zeitpunkt war perfekt und die Vorbereitungen abgeschlossen. Aus ihrer Unwissenheit würde mit der Zeit Zweifel entstehen und schließlich der verzweifelte Ruf um Hilfe. Sie würden weichen, einer nach dem anderen und hilflos und allein würde nur sie bleiben. Die Hände Hilfe suchend in alle Richtung streckend um irgendetwas greifen zu können, halt zu finden und es wird dieser Moment sein in welchem die Wahrheit wie ein Funken, gefolgt von einem Lauffeuer auf trockener Wiese, sich ausbreiten wird. Er würde ihr Hand nehmen und sie auf diesem Weg begleiten.
Lüge wird Wahrheit weichen, Leere wird Hingabe werden und aus Schmerz und Hass wird treuer Glaube.
Er verbrachte einige Zeit im Altarraum um dem stillosen kleinen Anhänger dies zu verleihen was nötig sein würde um sie für diesen Weg vorzubereiten. Kaltes Metall, Warmes Blut der Frau und wahrhaftiger Glaube vereinten sich in einem stillschweigenden treuen Wegbegleiter.
Als er in den Lehrsaal zurückkehrte war der Ritus beendet, er prüfte die Arbeit der Maga auf ihre Worte hin. Zufriedenheit. Sie erhielt ihr Geschenk, und wurde in ihr Leben zurückgebracht.

Einem einsam vor sich hin treibenden Blattes in einem See aus Lügen – doch nicht für die Ewigkeit.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 1.07.05, 21:22 
Einsiedler
Einsiedler

Registriert: 27.05.05, 17:48
Beiträge: 3
Stille. Ein kurzes Pieken in Hand- und Fußgelenke, dann riss sie keuchend die Augen auf und ihr Oberkörper hob und senkte sich rasch durch ihre aufgeregte Atmung. Es war so ruhig, dass sie ihren eigenen Herzschlag hörte, das Pulsieren ihres Blutkreislaufes.

In ihrem Ohr nahm sie benommen das Rauschen des Meeres wahr und langsam öffnete sie wieder blinzelnd die Augen. Das Zwitschern der Vögel mischte sich mit dem Rauschen, der salzige Geruch stieg in ihre Nase und erlöste sie von der Benommenheit. Kraftlos stemmte sie die Hände neben sich ins Gras und drückte ihren Oberkörper langsam auf. Ihr Atem ging gleichmäßig und träge erkannte sie das Meer neben sich, sowie auf der anderen Seite den Wald. Ihr Hund hechelte aufgeregt und sprang von einer Seite auf die andere, ehe er ihr aufgeregt übers Gesicht leckte. Sie hob eine Hand um über ihre Schläfen zu reiben. „Na… was ist denn mit dir los, hm?“ hauchte sie leise dem Hund zu und drückte sich gleichzeitig wieder auf. Erst jetzt erkannte sie den Stein hinter sich, der mit rötlich glänzender Farbe bedeckt war… Blut? Sie fasste sich vorsichtig an den Hinterkopf und tastete diesen nach einer Wunde ab, gefasst darauf einen pulsierenden Schmerz nun zu spüren – doch blieb er aus. Zwar fühlten ihre Haare sich klebrig an und auch war Blut daraufhin an ihren Fingern zu erkennen, aber es war keine Wunde vorhanden. Irritiert starrte sie eine Weile den Stein an, auf ihrer Stirn bildeten sich tiefe Denkfalten.

Bilder von lächelnden Kindern, überall um sie herum. Das Lächeln auf jedem Gesicht wurde euphorisch und immer extremer, die Blicke schienen sie wie Messerstiche zu durchbohren und nach ihr zu lechzen. Etwas anderes befand sich dazwischen – eine Frau. Ihre Lippen bewegten sich, sie sprach und dumpf hallten die Worte durch den Kopf. Dann wieder die Kinder – Augen und Mund mit einem schwarzen Faden vernäht und doch waren ihre Blicke bohrend, ließen nicht von ihr ab.

Sie presste die Lippen aufeinander und machte kehrt, den Weg zurück nach Brandenstein einschlagend. Vor ihren Augen waren die Bilder, unklar und doch wurden sie mit jedem Herzschlag verständlicher…

Nackte, makellose Frauen – begierige und laszive Blicke. Unzählige sanfte Berührungen auf ihrer Haut, die sie schwach und beinahe Ohnmächtig werden ließen.
Hautfetzen – die nacheinander von ihrem Leib gerissen wurden und doch hörte es nicht auf, sich wunderschön anzufühlen. Sie verzehrte sich sehnsüchtig nach diesem Gefühl und ihr Körper schrie förmlich danach.


Kurz tastete sie prüfend über ihren Arm, um sicher zu gehen dass sie auch wirklich nicht wahrhaftig „gehäutet“ worden ist. Diese Bilder vor ihren Augen waren so realistisch und doch nicht Wahr. War er wirklich daran schuld? Hatte er es so gewollt?

„Was gedenkst du, was du jetzt tun sollst?“ ihr stiegen Tränen in die Augen. Sie hatte keine andere Wahl, früher oder später würde sie dem Wahnsinn verfallen in diesem endlos stillen Raum, in dem sie so lange hatte verweilen müssen. Sie tat es aus keinem anderen Grund als dem, dass sie sich sorgen um ihren Sohn machte, ihr über alles geliebter Schatz.
Von jetzt an war sie nicht mehr ihr eigener Herr. Ein Schwur, der bis ans Ende ihres Lebens galt. Von Glauben, Ort und Zeit unabhängig. Aber was sollte es für einen Sinn haben? War es einfach nur ein Machtspiel untereinander…?



Die Zeit verging und er tat so, als wäre nichts geschehen. Dabei hat er den schlimmsten Vertrauensbruch begangen, den man ihrer Meinung nach hätte tun können. Doch musste sie sich hinter einer Maske verstecken, so zu tun als ob sie ihn nicht kannte – und wenn es etwas gab, was sie konnte dann war es das, Leuten etwas vorzuspielen. Sie hüllte sich lange gut unter dem Mantel der Unwissenheit… aber nicht ewig.


Zuletzt geändert von Jirel: 1.07.05, 21:23, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 6 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 40 Gäste


Sie dürfen keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Sie dürfen Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron

Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de