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 Betreff des Beitrags: Die verlorene Welt
BeitragVerfasst: 2.08.05, 17:11 
Altratler
Altratler

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Die verlorene Welt

Was sie formte...

Sie sass zusammengekauert auf einem umgestürzten Baumstamm, verloren inmitten der weissen Wälder. Ein verblichener, abgetragener Hut, auf dessen breiter Krempe sich die kalten Flocken niederliessen, bedeckte das wirre, dunkle Haar Es war ruhig und still, die schemenhaften Gestallten, die sie im Schneetreiben am Horizont ausmachen konnte, bewegten sich mit solcher Anmut und solcher Lautlosigkeit, sie hätte sie nicht bemerkt, hätten die Götter ihr das Augenlicht genommen. Sie hob die freie, steifgefrohrene Hand und versuchte die pochenden Finger zu bewegen.
Das waren Menschenhände, und was immer sie auch taten, es würde nie vollkommen sein. Vollkommen, so schien ihr das, was sie jeden Tag aufs neue entdeckte, sie überraschte und überwältigte.
Seit sie denken konnte, hatte sie nie diese grosse Sicherheit gespürt, hatte keinen Schlaf gekannt, der sie hier so tief und friedlich überkam. Hier, unter einem Volk, das ihr fremd war und ihr dennoch so viel an Vertrauen und Milde entgegen brachte...
Sie dachte nach.
Wenn man im letzten Winkel Galadons aufgewachsen war, hinten den 4 Bannenhügeln, war es nicht verwunderlich, dass man sich stets unter Menschen fand... Wohl wahr, sie lernte schnell und hatte begriffen, wie anders die Welt sein konnte, ausserhalb ihres Tales. Nun gab es keinen unbarmherzigeren Widerspruch, als eben jene, die sich so leichfüssig durch den Schnee bewegten und in Lauten sprachen, die wie feiner Saitenanschlag in ihrem Gehört hallten, und ihrer selbst, wie sie vor ihnen in den Wehen knietief versank und kaum wagte, ein Wort an sie zu richten, um mit hartem menschlichen Tone die Lieblichkeit zu versprengen.
Zweifel krochen aus Herz und Verstand hinauf, sie begann über das, was man ihr seit ihrer Kindheit hatte einbleuen wollen, nachzugrübeln.
Wie konnte etwas, dass ihr in der Welt der Menschen stets richtig erschien, plötzlich falsch sein? Sie fragte schon gar nicht mehr, sie wagte nicht zufragen... Liess sie den Namen der Götter im Dank laut werden, so lächelte man hier, voller Verständnis, doch darüber hinausblickend mit der Weisheit, die sie aus etwas schöpften, das sie Terthao nannten. Sie hatte sich gefühlt, wie ein unwissendes Kind, dem man gewiss nicht spottete, aber dessen Wort man nur mit sanfter, freundlicher Überheblichkeit folgte. Sie begannen nicht zu biegen, nicht zu ringen, nicht zu verbessern oder gar zu erneuern... Sie lauschten nur hin und in ihren Augen lag etwas, das von einer anderen Wahrheit wusste. Jede Wahl war frei, jeden Pfad liessen sie ihr offen und genau das war es, das sie sehr verwirrte. Menschen wurden geführt, sie wurden geleitet, alles ward einem Herrn, vor dem man sich niederwarf, dem man folgte und angehalten war zu lieben wie den Vater, war er doch Vater, Stab, Gerechtigkeit und Obhut der ihren. Alles Land, jeder Hain, jedes Wasser, jeder Fels war dem Auserwähltem und welcher Mensch besass je den Mut oder die Torheit, gegen den Willen der Götter aufzubegehren.
Der Herr dieser Wälder?
Sie blickten sie an, in ihrer gütigen Ruhe und wieder lächelten sie still, als widersprachen sie nur nicht, um ihre kindliche Auffassung dieser Welt nicht grausam ausser Kraft zu setzen, in der Hoffnug, sie würde eines Tages selber sehen, was sie nicht begreifen konnte.
"Pherle... Stern...Faewens Heimat...," hörte sie noch immer Worte in ihrem Geist, so leicht und bewegt gesprochen, wie es keines Menschen Zunge vermochte. Ein einziges Wort angefüllt von Bedeutung. Ein Elf hatte sie gesprochen und sein Bemühen war von einer Reinheit und von Eifer, dass sie sich ihrer schämte.
Taten sie denn nie etwas, dass sie nicht fortwährend an sich selber zweifelte, irrten sie denn nie oder war denn nichts unlauteres in ihnen, dass sie nicht die Lastenhaftigkeites ihres eigenen Volkes immerzu spürte.
Langsam hob das Mädchen den Arm, schleppend waren ihre Bewegungen in der Kälte und unter schützendem Leder. Sie griff den alten Hut und hob ihn behutsam vom Haar herunter, schüttelte die nassen Flocken von der Krempe und presste ihn schliesslich wie ein kostbares Kleinod an die Brust.
Es hatte einen Moment gegeben, ein winziger Einschnitt, in dem nichts zwischen ihnen gestanden hatte. Unachtsam war eine Münze den feinen, grossen Händen entglitten und zu Boden gefallen. Hände, die sich warm und lebendig anfühlten, deren Griff stets sicher und niemals grob war. Er liess sie lachen, die einzige Sprache, die sie beide verstehen konnten, ein Blick nur brachte Röte auf unerträgliche, wundervolle Weise in ihr blasses Gesicht. Und dann senkte sie bedrückt den Kopf und schwieg sich in Gedanken aus. Denn hier war sie Mensch, hier war sie gar nichts, unter all ihren Lehren...

Als sie schlief, träumte sie vom Lied des Flusses, von den Tönen, die sich sacht windeten und wandten wie das klares Wasser, das er mit sich führte. Sie sah die Aue, von Sonnenlicht berührt, das durch das Blätterdach des nahen Waldes fiel und ein Mosaik aus tanzenden Schatten malte. Kleine helle Holzhütten, errichtet, als wären sie einst dort im hohen Gras aus dem Boden gewachsen, als hätte die Herrin selbst sie mit ruhiger Hand erschaffen, fein und zierlich bearbeitet. Das Elfenvolk ging still umher, man hütete die Feuer, brachte Körbe von feinem Leinen hinab zum See oder sass nieder, um kunstvolle Bögen mit geschwungenen Messern zu verzieren. Es war friedlich über den Landen und von unerträglicher Schönheit weideten Pferde mit reinweissem Fell und graziler Statur an den grünen Ufern. Kinder sprangen und tollten zwischen den Alten umher, unermütlich und ohne jede Arg, im Schutz der Bäume äste das Wild ohne Scheu und der Gesang der Vögel begleitete munter das Rauschen, das niemals verstummte. Der junger Elf hockte am Gestade, hatte eine Angelrute in die feuchte, duftende Erde gesteckt, und betrachtete das Wasser, wie es sich kräuselte im seichten Boe. Er blickte je auf, als eine Elfenfrau sich nährte, leise, auf nackten Sohlen und lächelnd zu ihm hinab sah. Er blinzelte verlegen auf, gab das stille Lächeln zurück und rührte sich selbst nicht, als sie einen riesigen Hut aus dem Weidenkorb nahm, den sie bei sich trug, und auf sein Haupt setzte. Für einen Elfen mochte er nicht alt an Jahren sein, sein Körper war dünn und schlaksig, winzige Zweige und trockenes Laub hatte das wirre, helle Haar eingefangen.
Mit der Stimme seines Herzens liess er sie sehen und sie träumte, was sein Lied zu erzählen wusste. Dann schoben sich schwere dunkle Wolken über das Tal und es wurde finster. Als Fela es vermochte, mit glühendem Atem alle Schatten davon zu jagen, war es ein ganz anderes Tal, dass sie vor sich sah. Menschen siedelten dort, umgeben von hohen, bewaldeten Tannen, kein Fluss säuselte mehr, nur der kalte Wind, der die Bäume bog, dass es knackte und knirschte im Unterholz. Die Hütten waren karger, das Vieh in Gattern zusammen gefercht, graue Rauchsäulen stiegen von den Dächern zum Himmel auf. Dumpf hallte das Kläffen der Jagdhunde von den Hängen herab, Rotwild brach aufgeschreckt auf die Lichtung hinaus, Pfeile und Speere folgten ihnen und warfen sie nieder, wann immer sie ihr Ziel trafen.
Sie fuhr zusammen, erwachte aus unruhigem Schlaf und richtete sich auf. Im Schein der Feuerstelle zeichneten sich die Umrisse Isalas gross und kräftig vor der Zeltwand ab, einer der Kampftänzer, der dort wachte.
Isalas, der wie der Ly war... "Liiieh", sprach sie das Wort, es kam so schwerlich aus ihrer Kehle, dass es schmerzte und einfacher schien, Rynis das menschliche Wort "Wolf" beizubringen... Sie hielt inne und ihr Lächeln fror auf den blassen Lippen ein.
Und irgendwo dort draussen im wärmenden Schutz des Feuers musste Fyrion sein, der ihre Sprache ausserordentlich beherrschte und so geduldig mit seinen Antworten war. Beruhigend, sie dort zu wissen, wo die Wälder begannen und Gefahr lauerte, war man noch immer nicht fähig, ein Schwert über dem Boden zu halten.
Sie sah sich um und erkannte die meisten der Schlafenden auf den Lagern im flackernden Schein der durch den Verschlag herein fiel alleine an ihren Silhuetten und wie sie sich für gewöhnlich zur Ruhe legten. Ithylin, der sich an die, deren Nähe er erdulden konnte, drängte und einrollte wie eine Raubkatze, das wilde Haupt auf den Händen, Amawien, wie sie...
Amawien...
Sie war nicht dort, wo sie sein sollte, wie der vertraute Anblick in ihren Erinnerungen haftete, sie war nicht dort seit Tagen... Nicht ungewöhlich für eine wie sie, nicht weiter ungewöhnlich. Amawien zog es hinaus und immer kehrte sie wieder. Sie hatte sie aufgelesen in den kalten Nächten, sie beschützt und sie beim Namen der Mutter gerufen...
Es stach ein wenig in der Brust und so legte sich das Mädchen rasch nieder, ganz nahe dem Elfen, der friedlich die Augen geschlossen hielt und bettete den Kopf behutsam auf seinem Arm, sacht, ganz sacht, um seinen Schlaf nicht zu unterbrechen.
"Faewen nicht alleine...Faewen Freude," murmelte er schlaftrunken in ihr dunkles Haar hinein, das seine Nase kitzelte, und sie schliefen fest und einander haltend, bis der neue Tag sie rief.

Was sie einst war...

Weit im Süden Galadons, fern ab der großen, rühmlichen Städte, tief im Herzen Tares, lag geschützt durch dichtbewachsene Nadelwälder das kleines Gut Falae. Hinter Lirendal erstreckte sich das einst herrenlose Lehn verborgen über viere der steilen Anhöhen, der drei Seen von Vaal und den goldenen Kornhängen an seinen Lichtungen. Kein Weg zweigte ab von der langen, staubigen Handelsstrasse zwischen der Stadt Falkenstein und Yota, die nahe der Grenze verlief. Man musste mit dem Landstrich vertraut sein, um den umwucherten Pfad zu finden, der über die bewaldeten Hügel führte und sich an hohen Tannen und dornigem Buschwerk entlang schlängelte. Vom Berge aus konnte man hinabsehen auf die Wasser des Vaal, deren Oberfläche im Schein der Sonne silbern schillerte. Ein rauschender Flusslauf verband sie und führte sein Wasser fort bis zum Meer an der Westküste. Man konnte die Dächer der kleinen Hütten friedlich am Fuße der zerfallenen Felsburg liegen sehen, still und ruhig, als hielt alles einen tiefen Schlaf. In den warmen Monaten wuchs das Korn an den Hängen zum Tal hoch und goldgelb, ihm verdankte Falae, das überhaupt eine Menschenseele um diesen Ort wusste. Die Burg stand leer, zerklüfftet und tot in der Mitte der unbedeutenden Menschensiedlung, auf grauem Fels hatte man sie errichtet, der einzige Schatz, den sie barg, war eine verstaubte Bibliothek – und man hatte vergessen... Jahre schon schützte sie keinen Herrn mehr. Sichere Jäger waren sie, die Männer vom Tale, geübt in der Bogenkunst, gewandt in Speer- und Stabkampf, tüchtige Bauern, die das Korn einbrachten, sobald es in voller Ähre stand, Fischer, die in einfachen Booten hinaus auf die Seen ruderten und ihre Netze auswarfen, doch es waren keine Krieger unter ihnen. Sie waren ein friedliebendes Volk, verschlossen und voller Verschwiegenheit. Einst, so hieß es in den Erzählungen der Alten, hatten Elfen ihren Weg vorbei an Falae gefunden, als sie sich aufgemacht hatten zu einer langen Reise und die Wellen des Meeres in der Ferne brechen hörten. Sie brachten den Menschen die Lehre der Herren und ihre Worte und Weisheiten wurden von Generation zu Generation schwindend weitergegeben, Wurzeln weitergereicht, deren Blüten seit langem verwelkt waren. Längst waren die elfischen Zeilen aus den Gebeten verschwunden, längst gab es keinen mehr unter ihnen, der sich erinnern konnte. Und doch hatten sie nie den Glaube an jene Götter verloren und die Bereitschaft mit Feld und Wald und all den Kreaturen in tiefer Verbundenheit und Eintracht zu leben.
Bevor es kälter wurde und Schnee das Land umhüllte, um der Herrin Ruhen zu wahren, schlugen die Menschen Holz und brachten Gestein, um die Hütten auszubessern und den Frost hinauszusperren. Da ging keiner unter ihnen, der sein Büchlein aufschlug und emsig Brocken für Brocken eintrug und mit erhabenen Gebaren seine Vorstellungen einer Jahrhunderte alten Tratition entgegenbringen wollte. Die Menschen hier hatten schon immer ihre Häuser auf diese Art gebaut und sie kannten keinen, die sich Baumeister nannten. Schürfige, fleißige Hände von Mann und Frau griffen Fels um Fels, um sie aufzutürmen, und wenn Wind, Regen und Glut ihre unbändigen Gewalten entgegensetzten, so begannen sie ihr Werk von neuem, der Vergänglichkeit zum Trotze, so wie es einst Väter und Mütter taten. Bevor die Kälte die Farben des Lebens in tiefe Erde bannte, bis Fela sie sanft zurücklockte, zogen die Menschen umher und sammelten und klaubten auf, was an Früchten und Ähre übrig geblieben, um sich der reinigenden Zeit zu stellen. Und sie schulterten die Bögen und schossen von dem schwächsten und unbedachtesten Vieh, das in den Wäldern hauste, zogen um das Heer von moosdrapierten Nadelriesen und verlangten ihren Teil, den Bund des Lebens zu vollenden. Da war keiner, der die Hand erhob und ihnen den Kreislauf zu verwehren gedachte. Da war keiner, der Schilder ins weiche Erdreich rammte, deren Beschriftung sie zwar entziffern konnten, ihre Bedeutung jedoch nicht zu begreifen wussten. Nicht in den wildesten Träumen kam es ihnen in den Sinn, dass da einer war, der sie des Nährboden ihres Daseins verwies. Die Wiege der Herrin, Sockel und Ursprung aller Schöpfung der Götter - und kein König dieser Welt vermochte es zu unterwerfen durch Worte geritzt in faulendes Holz. Kein Feldherr konnte den Willen der Geschöpfe bezwingen, in ihrer einfachsten Form und an Triebe gebunden, fortzubestehen. Am Ende der Welten, fernab der hohen Höfe, wo man einzig darum rang, die Tage zu überstehen, besassen weder Papier noch Verordnung jegliche Macht.
Knaben die heranwuchsen, wurden an der Seite ihrer Väter stark und von Wissen gefüllt, so war es seit Ewigkeiten, seit Geburt ihrer Stämme. Es brauchte nur die Beständigkeit des Alltags, die geduldige Fortführung dessen, was schon die Ahnen Zyklus um Zyklus vollbrachten. Da legte einer den Hammer in die Hand seines Sohnes und fortan trug er den Namen seiner Sippe, um daran zu wachsen und seinen Platz im Volke einzunehmen und es mit seiner Befähigung zu tragen. Und sie lehrten den Söhnen, niemals ihre Bögen abzuwerfen, sie zu einem Begleite zu machen, der Nahrung und Schutz verbürgte. Nie war da einer, der nur einen Gedanken daran fassen konnte, dieses altgediente Werkzeug an den Toren niederzulegen, aberwitzig jede Vorstellung daran, dieses bedeutungsvolle Gerät je zurückzulassen.
Büsche hatten Dornen, Tatzen verbargen scharfe Krallen und ein Narr war, der in Tuch und Rocke zu den Höhen lief. Ein Narr war auch, der jenen von seinem Schaffen abhielt und aufforderte seine Gewandung noch vor den Mauern abzustreifen, um in Leibwäsche seinen Weg fortzusetzen. Leder, das der Notwendigkeit entsprach, das standhielt gegen Kälte und Hitze, Druck und Biss, Schürfung und Schramme und das man schnitt, nähte, zusammensetzte, flickte, hegte und sich mit ihm bekleidete, einzutauschen gegen reissendes Gewebe widersprach jedem Verständnis dieses Volkes. Und so gingen sie weiter in Leder umher, denn dort hatte noch kein Narr in Seide und Samt überdauert.
Auf sich gestellt, auf Erfordernisse und ihre Ergebnisse beschränkt, zweckmäßig und einträglich in ihrem Tun und Walten. Still ihren Platz einnehmend und ihr Handwerk verrichtend, um Falae zu der Heimat zu machen, die es immer war, mit der sie verwurzelt und vertraut, mit all ihren Brauchtümer und Gepflogenheiten und Widerständen, die es zu überwältigen galt. Mit all seinen Märchen und Erzählungen, Sagen von Elfen und Zwergen, Seelenfänger und grunzenden Unholden, die nicht vernichtet werden konnten, solange man nicht aufbrach um nach ihnen zu suchen.

Was heute blieb...

„Faewen frei.... Faewen...frei...“
Wenn sie sich umdrehte und die Arme anhob, um davon zu fliegen, blickte sie auf unbezwingbare Mauern und ein Feld von Tafeln, die ihr wiesen, wohin sie ihren Fuss zu setzen, welche Gewänder sie anzulegen und welches Wort sie zu sprechen hatte, gleich ob sie sich fühlte, wie in fremde Haut gezwungen, wie der Schwingen beraubt, die das Leben in seiner unendlichen Ausschöpfung und Erforschung lebenswert machten und der Träume entrissen, die ihre Suche begleitet hatten. Von jedem Ort vertrieben und zusammengestaucht, jeder Tat von iregendwem verfolgt und belehrt. Hin und her geworfen zwischen alten und neuen Herren. Jeder Stein, jeder Fels, jeder Baum, jeder Lauf nicht mehr seiner selbst sondern in deren Händen, die sie gängelten und schubsten und ihre Art zu sein befahlen. Lehnsherren wurden Kerkermeister, eine Insel zum Zwangslager und ihr Volk zu Gesetzesbrechern oder Soldaten, denn eine Wahl dazwischen gab es nicht.
„Faewen...frei...“, weinte sie still und sie kam sich so winzig und erdrückt vor, als hätten sie selbst die Lüfte der Herrin geraubt, die ihr den Atem schenkten.
„Niemals zurücklassen, niemals...“
Verzweifelt den einfachen Jagdbogen unter dem wallenden Umhang versteckend, verstörrt den schartigen Armschutz verbergend, den sie trug seit sie selbstständig denken konnte, unfähig mit jeder Erfahrung und Lehre, die ihre Ahnen übertragen hatten, zu brechen, um Verordnungen zu erfüllen. Vor ihrem Lehnsherrn niederknien, das hätte ihr freies Herz getan, doch mit dem Zwang kam das Unverständnis und mit ihm die Unmöglichkeit Treue zu schwören und keinen Widerstand zu leisten.
Die alten Elfen der Auen waren lange fort und es waren andere gekommen vom schönen Volke. Hochelfen, die den ganzen Tag in den Gassen umhergingen, um mit stumpfen Worten, denen jedes Lied entschwunden war und nichts mehr gemein hatten mit ihren fernen Verwandten, jene relegierten, die es wagten ihr Reittier auch nur einen Pflasterstein weit durch die Tore zu leiten. Ihre Weisheit reichte längst nicht mehr aus, zu erkennen, dass das Pferd mit Lasten beladen war, die man nicht selbst zu tragen vermochte oder dass man Gedanken nachgehangen war, die letzte Zuflucht gestatteten vor dem allgegenwärtigen Gesetz. Es waren nicht die, von denen die Amme so schillernd zu berichten wußte, mit dem Beiklang der Ehrfurcht und Achtung in der Stimme, der beeindruckt gespitze Kinderohren gelauscht hatten.
Stramme Soldaten standen an jeder Ecke bereit, um jedes Fehlgehen zu rügen, empfingen schon an den Zugängen mit einem barschen „Heda! Stehenbleiben! Herunter vom Pferd!“ Und wagte man die Verteidigung, so nannten sie Ränge und Namen von denen man in den Wäldern Falaes noch nie etwas vernommen hatte. Verwirrt und ins Stolpern geraten, versuchte man sich zu ergeben, dass man wenigstens eine Weile Ruhe fände, doch verbissen und versteift waren sie auf Pergamente aus, deren Nutzbarkeit einem selbst gerade für das Entzünden eines Lagerfeuers einleuchtete. Diese Pergamente waren überhaupt ein Fluch, ein schändlicher Streich der Bereicherung. Die, die schon um ihren Lebensstand bangen mussten, hatten für diese wertlosen Zeilen Dukaten zu entrichten, die denen zuflossen, die ohnehin schon mehr als genug davon hatten. Und wenn einem versichert wurde, diese Zeilen seien von unermesslichen Werte, traf man in den Wäldern immer noch auf einen, der sie ohne Umschweife für nichtig erklärte und einem zum Verdammten jagte. Sie versank in einem zähen, lähmenden Morast der jeden Schritt den sie tat, erschwerte. Sie hockte da am Ende ihres Daseins und konnte dieses Pergament weder essen noch sich damit kleiden.
Sie drehte sich um die eigene Achse und stand hilflos einem Feind gegenüber, den sie nicht einmal kannte, weder sehen noch ihm entgegen treten konnte. Es war ihr nicht mehr vergönnt, ihre Nahrung zu jagen, Stein auf Stein zusetzen, um in den verbliebenden Wonnemonden, einen Schutz vor den kalten Tagen zu errichten. Es war ihr nicht möglich, es auf dem Weg ihrer Ahnen zu tun, in allen seinen unbedeutenden Ausmassen, so wie sie es liebte. Es war ihr nicht möglich, sie selbst zu sein, so wie es der allerbesten Lebensweisheit ihrer Sippe entsprach.
„Faewen frei...,“ nickte sie entschlossen und wischte sich die Tränen aus dem jungen, aber gezeichneten Gesicht.
Und da man als junge, ehrenwerte Jägerin von Falae nicht die Verordnung brach, die hohe Herren beschlossen hatten, blieb kein anderer Weg, als die Flucht zurück an das Ende der Welt, in das Herze Tares, wo man ungestörrt und ungezwungen den Dingen fronen konnte, die die Väter immer schon getan hatten. Auf diesem Eiland mochte willkommen sein, wer einen Titel besass, wer herrschen konnte über andere oder dem es gefiel, vor ihnen zu kriechen. Für Erzählungen blieb da kein Platz mehr und auch nicht für Freiheit, Schwinge und Herz.


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BeitragVerfasst: 4.08.05, 01:54 
Altratler
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Hatte sie die Türe abgeschlossen, den Schlüssel eingesteckt, das Wasserfass abgedeckt und die Stricke der Pferde überprüft?
Sie lächelte verlegen über sich selbst, als sie sich bei den selben Gedanken ertappte, die ihr immer durch den Kopf gingen, wenn sie aufgebrochen war.
War ja Unfug, sie würde ohnehin nicht zurück kehren. Den Schlüssel hatte sie Bruder Lorien unter den Blumentopf gelegt, ob er ihn finden würde stand auf einem anderen Blatt. Lange hatte niemand mehr die Kapelle entstaubt, der letzte war vielleicht Arlon gewesen und dass der auch unter dem Topf gewischt hatte war zu bezweifeln. Der hatte auch den Dreck unter den Teppich gekehrt, wenn niemand hinsah.
Die Pferde? Die Pferde waren bei einem, der nicht mal gutes Galadonisch gesprochen hatte, so dass sie ihn wirklich verstehen konnte, aber das war unwichtig. Dass er ein guter Herr sein würde, das hatte sie gespürt, denn fürs Vieh hatten die groben ungehobelten Kerle aus dem Norden eine Hand. Und gewissermassen scherten sich die drei Viecher nicht weiter darum, welches Vokabular er besass, solange er sie sich den Bauch vollschlagen ließ. Wenns um die Blumenbeete von Frau Hilamos vor dem Bankhaus ging, vergaßen sie ohnehin jede Treue.
Ansonsten war alles vollständig, genauso wie sie gekommen war, ging sie auch wieder, den Umhang aus dickem gewalkten Stoff umgeworfen, die Beutel schwer am Gurte herabhängend, den Dolch, den Bogen... Etwas vergessen?
Sie zwang sich, den zerstreuten Kopf zurechtzurücken.
Man fühlte sich so unkomplett, hatte man sich erst einmal an das stete Leben gewöhnt. Nun war Schluß mit allen Querelen und dem Durcheinander, nun ging es dorthin, wo sie hingehörte und der Segler sie brachte. Endlich hatte sie Geist und Materie beieinander.
Sie blieb an der Reling stehen, im hinteren Teil, wo niemand Gefahr lief, über sie zu stolpern, während die Matrosen, deren Rufe in den Winden zerrissen wurden, umherrannten, vertäuten, knoteten, rafften und packten. Und jeder schien in dem Gewirr auf wundersame Art genau zu wissen, was er tat.
Sie versuchte gar nicht erst sie bei ihren Durchführungen zu erfassen und zu verfolgen, wie es ihre angeborenen Wissbegierde forderte, die Fahrt zur See war leibhaftig etwas, das ihr nicht ins Blut gegeben war. Und so interessierte es sie nicht tiefgründiger, wie die wohl vierzig Mann es schafften, das riesige Schiff aus starken Holzplanken vom Hafen aus hinaus aufs offene Meer zu manövrieren.
Sie kehrte sich dem Wasser zu, hoch über den Wellen auf denen weisse Schaumkronen tanzten, spürte die Kraft von Wogen und Wind, die ihr so gewaltig erschienen, dass nur Xan und Ventus sie wohl zu bezähmen vermochten.
An für sich war das nasse und kalte Element nichts furchtbares, im Gegenteil, es konnte hübsch mitanzusehen sein, wie die Wogen sich vor dem Schiffe teilten und Fela sich in der Ferne widerspiegelte, jedoch ihr Magen würde sich erst wieder an seiner rechtmässigen Stelle befinden, wenn sie dieses Schiff verließ. Trittfeste Erde brauchte sie unter den Füssen, sicherer Halt, der ihr Wurzeln zu geben schien. Und die wuchsen nun mal nicht hier draussen. Überhaupt wars nirgendwo anders schöner als in... in?
Sie seufzte schwer und wandte sich, die Unterarme auf der Brüstung abgelegt, hielt das Gesicht in die salzige Briese und fühlte die Freiheit wachsen mit jeder Meile die das Schiff zurücklegte.
Wahrscheinlich empfing einen zuhause eine gehörige Trachprügel, weil man sich nicht gebührend abgemeldet hatte. Vielleicht war der Großvater auch einfach nur froh, daß man zwischen den Bolzen von Schwarzpelzen und den Schwertern von Schwachköpfe doch noch halbwegs überlebt hatte. Gerade so...mit Schrammen an den Gliedern, mit denen man herrlich aufschneiden konnte. Ach der Großvater...
Sie blickte sich erschrocken um, als sie bemerkte, dass sie versonnen vor sich hingelächelt hatte. Die Matrosen konnten schließlich nicht wissen, wie es sich anfühlte, wenn man an den Großvater dachte, der vor einer Hütte im wunderschönsten und wunderprächtigsten Tal von Tare stand und der im ersten Moment schon mal überhaupt nichts sagte, während man unter seinem schweigenden Tadel immer weiter zusammenschrumpfte, obwohl man ihn am liebsten umwerfen und erdrücken wollte. Für die Matrosen stand sie gewöhnlich an die Reling gelehnt und griente dämlichst vor sich hin.
Sie wendete sich zurück, auch wenn der Wind ihr kalt entgegenblies, und sie stand so lange dort, bis die Mauern von Brandenstein hinter ihnen kleiner und kleiner wurden, bis der Rand des Meeres sie verschluckten.
Jemand fragte sie, ob sie Junkernschnippeln spielen konnte und wedelte mit einem Kartenblatt, das so speckig und schmierig war, dass man kaum mehr die bunten Bilder darauf erkennen konnte, doch die lückenreichen fauligen Zahnreihen, durch die diese Frage zu ihr drang, bewegten sie nicht dazu, sich zu den Männern an Deck zu gesellen. Tatsächlich hatte sie nicht zugeben wollen, dass sie Junkernschnippeln überhaupt nicht kannte und ein hochmütiges „nein danke, der Herr“ im akkuratesten Galadonisch reichte aus, sich dem zweifelhaften Haufen zu entziehen.
Der Wind riß an den Segeln und zerrte das große Hochseeschiff weiter in einem fort. Die junge Frau zog es vor, unter freiem Himmel, den Rücken an das Holz gedrückt, auf dem Deck zu kauern, beharrlich und verschwiegen. Spannendes würde die nächsten Tage nicht passieren, ausser der ganz links aussen bei der Junkerschnippeln-Runde würde den mit den Flickenhosen und der scharlachroten, schiefen Nase tatsächlich mit dem Säbel durchbohren, das Meer würde irgendetwas anderes sein als blau, nass und unendlich weit oder ihr Magen würde beschließen sich gänzlich nach außen zu kehren und durch ihr winziges Malheur über den Rand des Geländers zur allgemeinen Heiterkeit beitragen ...
Doch oh wie würde es erst sein, die ersten weissen Möwen rufen zu hören, die Brandung zu sehen und den Duft des Landes in vollen Zügen zuatmen, den sie so lange Zeit entbehrt hatte.
Sie würde das Heer der Tannen schon von weitem erkennen, die Rauchsäulen sich neigen sehen, wie zum Willkommen, den Alten entgegenstürmen wie ein junger Wolf und den Rest ihrer Tage... Den Rest ihrer Tage?
Sie warf den Kopf auf und hielt ein, während der Untergrund schaukelte, um noch einmal darüber nachzudenken, ob sie nicht vielleicht doch etwas ausser Acht gelassen hatte.


Zuletzt geändert von Secora: 4.08.05, 01:59, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 4.08.05, 02:06 
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Am Horizont war eine Insel aus dem Meer aufgetaucht. Doch die Matrosen waren sich sicher: da hatte keine Insel zu sein!
Was war das?
Aufgeregt stoben sie durcheinander, machten sich gegenseitig verrückt und auch der Kapitän wusste sich keinen Rat.Doch obwohl sie beidrehten und die Insel zu umfahren suchten, näherte sich der seltsame, nichts weiter als ein Fleck seiende Punkt mit steter Geschwindigkeit dem Schiff.
Nervosität machte sich unter den Matrosen breit und sie zückten ihre Entermesser, als plötzlich der Ausguck brüllte:
"Wal! Das ist ein Wal!"
Alsbald entspannten sich einige der Matrosen wieder, offenbar sahen sie in jenem Wesen keine Bedrohung.
"Und... bei Vitama, der trägt einen Hut!" brüllte der Beobachter, ziemlich fassungslos klingend.
Offenbar war das nicht die Alltagskleidung eines Wals.
Das riesige Tier näherte sich weiter und alsbald konnte man auch den Hut erkennen, und die dunkle Hautfarbe der riesigen Kreatur.
Seltsame pockenartige kleine Wesen hatten sich auf der Haut festgesetzt und sein langer, gigantischer Kopf hob sich aus dem Wasser, während er vor dem Schiff majestisch zur Ruhe kam.
Hektisch mühten sich die Matrosen, das riesige Tier nicht zu rammen, und das Schiff abzubremsen.

_________________
Inaktiv.


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BeitragVerfasst: 4.08.05, 23:41 
Altratler
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"Hm?"
Sie öffnete erst das eine Auge dann das andere. War doch tatsächlich schon im hellen Zyklus eingenickt. Ihr Magen schien entschlossen, sich dem ständigen Auf und Ab anzupassen, doch etwas anderes erlangte ihre vollste Aufmerksamkeit. Ein Trupp Matrosen hatte sich an die rechte Seite des Schiffes bewegt und die Männer sprachen rasch und erstaunt miteinander. Andere standen an den großen Segeln und versuchten sie im Winde abzudrehen. Selbst die Junkernschnippeln-Runde war unter dem Mast verschwunden und es war ihr, als versuchte man den Schiffskörper in den Fluten zu wenden. Sie rappelte sich auf die unsicheren Beine und klopfte den Unrat vom Hinterteil, ehe sie hinüber zu den Männern wankte.
Das erste, an was sie dachte, war Frau Morgen. Sie wußte nicht weshalb und wieso und es geschah auch ohne jede Absicht, aber etwas, das sich einem derartig hirnverbrannt bot, konnte nur an Frau Morgen erinnern... Aber nein... der Hut den der Wal trug, der vor dem Rumpf des Schiffes behäbig seinen dunklen, von kleinen Auswüchsen besetzten Leib walzte, rüttelte auf den zweiten Blick etwas in ihr wach, was gar nicht mehr so hinrverbrannt zu sein schien. Ein großer Hut, geflochten aus Binsen... wie sie in den Auen wuchsen, hoch und biegsam.
Wie riesig der Koloss wirklich war, sah sie erst, als er den mächtigen Kopf aus dem Wasser hob und eine Fontäne durch das Atemloch auf sie niedergehen ließ. Der Hut wurde in die Höhe gehoben und landete sacht wieder auf dem dunklen schimmernden Haupt das Wales.
Sie beugte sich weit über die Reling, blickte hinab, die großen, sanften Augen des Riesens schienen ihr freundlich und einladent entgegen zu blinzeln. Sie überlegte nicht lange, drängte sich an den Männern vorbei und eilte weiter hinauf zu einem Strick, der zusammengerollt vom Geländer hing.
"Hee Kleene, was soll n dat werden, willste als Abendfraß enden was?"
"Der ham se wohl auch einen Trollfurz ins Hirn gesetzt"
"Mädel mach mal halblang und lass mal von dem Ungetüm"
Sie ignorierte die Rufe der Matrosen und machte sich daran, das Seil fester an der Reling zu vertäuen.
"Lass se doch, ist doch von der Insel der Verrückten..."
"Vielleicht eine Zähmerin..."
"Vielleicht so ein Hexenweib, dann kannse auch gleich da draußen absaufen..."
Ungerührt und zielstrebig prüfte sie das Tau, fasst mit beiden Händen zu und kletterte über die Reling die aalglatten, algenbewachsenen Planken hinab.
Den Hut... den Hut kannte sie nämlich, der hatte verdammte Ähnlichkeit mit einem, der zwei winzige Löcher rechts und links am Rande besessen hatte. Zweifelsohne.
Der Wal schob seinen mächtigen Körper durch die Wellen, so nahe dem Schiff, dass er um ein Haar kollidierte. Wieder schnaubte er einen feinen Nieselregen herab auf sie, wie ein Willkommensgruß, und kümmerte sich nicht um die sprachlosen, verdatterten Seemänner an Deck.
Die junge Frau streckte das Bein herab, versuchte mit dem Stiefel Halt zu finden und fand ihn auch an einer der unzähligen Pocken, die den Walkörper bedeckten. Rasch und flink griff sie sie um sich, fasste eines von den steinerenen Tierchen und zog sich heran.
Während die Männer auf dem Schiff noch Maulaffen feil hielten, schob sie sich weiter hinauf auf den Riesen der Meere, der sich sehr behutsam nur vom Tau entfernte, bis sie seinen Rücken erreicht hatte und aufatmend hocken blieb.
Der Hut schwebte noch einmal über dem Atemlochin die Höhe, drehte sich über den Wasserspitzern und kam in ihrer Nähe zu liegen.
Zu ihrem größten Erstaunen baumelte an seiner Krempe eine kleine, zarte Feder, nicht irgendeine Feder, sondern eine ganz besondere. Sie hatte einst die Schwinge eines Falken geziert und dessen Gefieder musste von solch dunkler Farbe sein, wie es sie nur in Falae gab. Es war dieselbe Feder, die einst ihren Gurt schmückte und die sie einem geschenkt hatte, der nichts so sehr liebte wie die Flüsse und das Meer und die Sterne oben am Himmel, die auf ihn herab sahen. Jemand der es fertig brachte, diesen Freund zu senden.
Lachend sah sie zu, wie die Feder sich im Winde drehte und berührte den sanften Riesen mit tätscheln Händen.


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BeitragVerfasst: 4.08.05, 23:53 
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Sobald die junge Frau einen festen Halt gefunden hatte begann der Wal sich in Bewegung zu setzen.
Je weiter er sich vom Schiff entfernte desto mehr nahm seine Geschwindigkeit zu, bis ihr der Wind die Haare flattern ließ.
Ein schöner Tag war es, Fela brannte warm vom Himmel, und alsbald hatten sie das Schiff hinter sich gelassen, nur mehr blaues Meer um sie herum.
Und dann begann der Wal zu singen.
Ein zunächst klagend anmutender Laut, doch während sie dem Ton lauschte, der sich sanft an den Wellen entlangmodulierte, konnte sie darin eine Weise erkennen die von unendlicher Freiheit und grenzenloser Liebe zum Leben erzählte.

Die Reise währte Tage:
Stets gegen Abend steuerte der Wal die seichten Gewässer kleiner Eiländer an, so dass seine Passagierin dort übernachten, trinken und essen konnte.
Auf den Inselchen fand sie auch Spuren eines vorangegangenen Besuchers; hier und da fanden sich sogar Wasserschläuche, die sie fortan nutzen konnte, um sich die Reisen bei Tage angenehmer zu machen...

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