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 Betreff des Beitrags: Adelsblut
BeitragVerfasst: 24.07.05, 19:14 
Altratler
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Huhu,

das nachfolgende soll der Anfang eines Krimis sein, der im Stil der alten Fernsehkrimis ala Miss Marple oder - insbesondere - Pater Brown gehalten wird. Ich hoffe das ich in den kommenden Wochen genug Zeit und Lust dazu habe die Geschichte weiterzurschreiben.

Viel Spaß beim Lesen,
Tim


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Hektisch flatternd lies sich der Schmetterling auf der Blüte des Gänseblümchens nieder. Seine blau goldenen Flügel glänzten im Sonnenlicht, während er genüsslich den frischen Nektar aus der Blüte saugte. Hätte er seinen Blick nur für einen Augenblick von seiner Mahlzeit gehoben, dann wäre ihm vielleicht die braune Kutsche aufgefallen, die nur wenige Schritte entfernt über die matschige Handelsstraße rumpelte. Es war keine sehr große Kutsche in der wohl höchstens vier Personen Platz gehabt hätten, wenngleich der riesige Gepäckberg auf dem Dach dem zu widersprechen schien. Das Prachtstück war freilich der riesige Reisekoffer, den wohl ein Troll hinauf gehoben haben musste. Darum verteilten sich Dutzende kleinerer Stücke und auffallend viele Hutschachteln. Was es damit wohl auf sich hatte?
Den Schmetterling interessierte es wenig. Er hatte seinen Magen gefüllt und erhob sich wieder in die milde Luft des späten Vitamas. Indes rappelte das Gefährt weiter voran, gezogen von zwei Schimmeln und geführt von einem zusammengekauerten alten Fuhrmann. Leicht nach vorne gebeugt hockte er auf dem Bock der Kutsche und rauchte Pfeife, während er ab und zu mit den Zügeln schnalzte um die Pferde anzutreiben. Bekleidet war er mit einem zerschlissenen Wettermantel, der schon bessere Tage gesehen haben musste. Er hoffte das er noch vor Ende des Tages Destelbach erreichen würde, damit er endlich wieder seine Ruhe hatte. Noch nie hatte er erlebt das zwei Menschen so viel Gepäck mit sich führen konnten. Denn das war die erstaunliche Wahrheit: Obwohl die Kutsche vier Passagiere tragen konnte gehörte all’ das kleine und große Brimborium hinter ihm auf dem Dach nur zwei Leuten. Und wie zur Bestätigung hob gleich darauf hinter ihm im Inneren eine Stimme an.
„Nun zieht euch endlich euren Mantel an, euer Gnaden, ihr werdet euch noch verkühlen!“
Die Stimme gehörte einer dicklichen Frau Ende Fünfzig, die eine weiße Schürze umgebunden hatte, die so gar nicht zu ihrem großem Damenhut passen wollte den sie auf ihren runden Kopf gesetzt hatte. Es handelt sich dabei um Elayra, der Haushälterin seiner Gnaden Sebian, Geweihter Astraels, der nun seinerseits genervt seufzte.
„Elayra, meine Gute, bei aller Liebe, aber wir haben Spätvitama! Wie soll ich mich da noch verkühlen? Fela scheint vom Himmel herab und die meisten Tiere suchen um diese Uhrzeit den nächstbesten Schatten auf!“
Damit wollte es Wees Sebian, ein kleinerer Mann Mitte der Vierzig, bei dem sich die ersten grauen Stellen im Haar zeigten, eigentlich bewenden lassen, doch das lies seine Haushälterin ihm nicht durchgehen.
„Hach, ihr habt gut reden! Hättet ihr euch in Draconis etwas zurückgehalten, dann hätten wir diese beschwerliche Reise gar nicht erst auf uns nehmen müssen. Ihr wusstet doch genau welche Folgen es haben musste, wenn ihr euch dort einmischt! Aber ich will mich ja nicht beschweren, Vitama bewahre. Doch eins lasst euch gesagt sein: Wenn ihr morgen mit Fieber im Bett liegt, dann koche ich euch keine Suppe!“
Innerlich verdrehte Sebian die Augen. Allerdings musste er seiner Haushälterin recht geben. Er war etwas zu vorlaut gewesen als er sich in den Streit am Hof in Draconis eingemischt hatte. Das ihn seine Ordensleitung darauf in irgendein fernes Nest schicken würde hatte er ja nicht ahnen können. Nun, so würde er eben Astrael in einem kleinen Dorf von Bauern dienen müssen.
Das was er über Destelbach gelesen hatte war allerdings wirklich nicht berauschend. Die Bewohner lebten zum größten Teil von der Landwirtschaft und der Viehzucht, natürliche Rohstoffe gab es keine nennenswerten, außer sehr viel Grasland und ab und zu ein kleineres Wäldchen. Verwaltet wurde das ganze vom Grafen Zerelus von Destelbach, der zwar aus einem ehrwürdigen und alten Adelsgeschlecht stammte, dessen Zeit aber schon lange vorbei war. Es würden geruhsame Tage in Destelbach werden – sehr geruhsame Tage.

Mit Beginn des siebten Hellzykluses waren endlich die ersten Rauchfahnen zu sehen und wenig später rollte die Kutsche in das Dorf ein. Die Bauern schienen alle auf den Feldern zu sein, denn niemand war gekommen um diesen ungewöhnlichen Besuch zu empfangen – mit einer Ausnahme: Etwas verloren stand vor der kleinen Astraelkapelle des Dorfes ein Mann in einer hellblauen Robe. Als das Pferdegespann angehalten hatte kam er sogleich auf den Wagen zugerannt. Nur ein hastiger Sprung zur Seite bewahrte ihn davor in den Staub geworfen zu werden, als die Türe mit einem Mal aufgeworfen wurde und Elayra sich daran machte die Kutsche zu verlassen. Er wollte noch hinzueilen, doch erkannte er schnell, dass sein Versuch wohl kläglich gescheitert wäre angesichts der Masse dieser Frau. Als sie es dann endlich geschafft hatte festen Boden unter ihren Füßen zu bekommen, richtete sie fahrig ihr mitgenommenes Kleid und die Schürze und sah sich dann neugierig um. Sobald ihr Blick auf den jungen Mann Anfang Dreißig fiel, erschien ein honigsüßes Lächeln auf ihrem Gesicht.
„Oh, schaut euer Gnaden, man erwartet uns bereits!“
In diesem Moment machte sich auch Sebian daran die Kutsche zu verlassen.
„Ah, ihr müsst der Novize Bar Cabol sein! Man erzählte mir in Draconis schon das ihr hier auf uns warten würdet. Schön das ihr uns empfangt.“
Der Novize setzte zu einer Verbeugung an.
„Dem Allsehenden zum Gruße, euer Gnaden. Mich erreichte vor einigen Tagen ein Brief unseres Ordens der mir eure Ankunft ankündigte nachdem mein alter Meister ja leider verstorben ist. Ich hoffe ihr hattet eine gute Reise?“
„Oh, ja sicher doch. Vitama war uns hold. Wenngleich man mich auch immer wieder dazu drängen wollte doch etwas wärmeres anzuziehen.“
Dabei warf der Geweihte einen lächelnden Blick zu seiner Haushälterin, die ihn ihrerseits mit leicht geröteten Wangen peinlich berührt ansah. Doch bevor sie etwas erwidern konnte sprach Sebian, der es inzwischen ebenfalls geschafft hatte die Kutsche zu verlassen, weiter.
„Wir sind noch etwas erschöpft. Könntet ihr uns vielleicht zu unserer Unterkunft bringen? Eine kräftigende Mahlzeit wäre nicht schlecht und danach wäre ich erfreut wenn ihr mir das Dorf zeigen könntet.“
„Wie ihr wünscht, euer Gnaden.“, erwiderte Cabol mit kühler Zurückhaltung. So machten sich die drei auf in Richtung des kleinen Hauses neben der Astraelkapelle.
Auch der alte Fuhrmann war inzwischen vom Bock hinab geklettert und sah der kleinen Gruppe nun nach. Langsam wanderte sein Blick nach oben zum Dach des Wagens.
„Und die Koffer?.“

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Benion - vita et amor - Pater Brown Verschnitt, Häretiker und Lord der Vitamith - Geburtshelfer: 8 mal - Ehejahre-Rekordhalter
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BeitragVerfasst: 25.07.05, 14:04 
Altratler
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Es waren einige Tage seit der Ankunft von Sebian und seiner Haushälterin in dem kleinen Dorf Destelbach vergangen. Cabol hatte sich alle Mühe gegeben die beiden mit der Dorfgemeinschaft bekannt zu machen, die sie nach anfänglichem Zögern freundlich aber zurückhaltend aufnahm. Anders hatte der Geweihte das aber auch nicht erwartet. In dieser ländlichen Gegend mitten im Nirgendwo kamen nicht oft Fremde vorbei und zudem hatte das Dorf davor über fünfzig Jahre hinweg ein und denselben Geweihten gehabt, der sich um die Kapelle gekümmert hatte – das waren immerhin fast zwei Generationen! Was ihn jedoch ein wenig wunderte war die Zurückhaltung des Novizen. Er schien nicht recht glücklich damit, dass er nun einen neuen Meister hatte. Doch mit seinem für ihn typischen Optimismus sagte er sich, dass auch dies noch werden würde. Kommt Zeit, kommt Rat, hatte sein Mentor immer gesagt.
Wieder einmal stand er an seinem Schreibpult und sah sinnierend aus dem großen milchigen Fenster vor sich hinaus. Da fiel sein Augenmerk auf einen jungen Burschen in viel zu großen Kleidern mit einem großen Schlapphut, der ihm halb ins Gesicht hing. Er erinnert sich daran ihn schon einmal am ersten Tag nach seiner Ankunft gesehen zu haben. Wenn er sich recht erinnerte hatte ihm Cabol zugeflüstert, dass es sich bei dem Burschen um den Dorftrottel handelte. Nachdenklich zog der Geweihte seine Stirn kraus. Selbst unter den einfachsten Leuten gab es also noch Abstufungen. Dagegen musste er dringend etwas unternehmen. Kurzer Hand ergriff er seinen Hut und wandte sich der Türe zu. Den Einwurf seiner Haushälterin, die ihn mahnte, dass es gleich Essen geben würde und er jetzt doch nicht mehr vor die Türe gehen könnte, überhörte er genau so wie die zeternden Worte die sie ihm hinterher warf. In der Wärme des Mittags angekommen sah er sich sogleich nach dem jungen Mann um, der gerade damit beschäftigt war mit einem Eimer Wasser aus dem Brunnen zu holen. Zwei kräftige Bauernsöhne lehnten unweit von ihm unter einem schattigen Baum. Amüsiert blickten sie hinüber zu dem Schlapphutträger und machten sich offensichtlich über ihn lustig.
„Pass auf das du nicht wieder alles verschüttest, Trottel!“, rief einer der beiden zum Brunnen hinüber und der andere fiel gleich darauf ein.
„Ja, sonst musst du alles noch mal machen und so wie du aussiehst brechen dir dann die Arme ab!“
Die jungen Männer klopften sich lachend auf die Schenkel, während der vermeintliche Dorftrottel ihnen immer wieder ängstliche Blicke zuwarf. Sebian hatte genug gesehen. Wenn er eines nicht leiden konnte, dann waren es Demütigungen von hilflosen Menschen. Also Schritt er mit weit ausgreifenden Schritten auf den Brunnen zu. Die Bauernsöhne, die erst jetzt seiner gewahr wurden, verstummten und nahmen hastig Haltung an.
„Dem Einäugigen zum Gruße, euer Gnaden!“, plärrten sie beinahe synchron hervor, doch der Geweihte würdigte sie keines Blickes. Sie würden schon noch ihre Abstrafung bei der nächsten Messe erhalten. Stattdessen wandte er sich an den scheu zu Boden blickenden Burschen.
„Wie ist dein Name, mein Sohn?“
„Pelos, Herr. Aber ihr könnt mich auch einfach Trottel oder Schwächling wie die anderen nennen, Herr.“
Sebians Stirn runzelte sich immer mehr. Offenbar wurde dieser junge Mann noch sie sehr gute behandelt in seinem Leben.
„Du kannst mir ruhig in die Augen schauen, wenn ich mit dir rede, Pelos.“
Wie als hätte man ihn geohrfeigt zuckte der Schlapphutträger zusammen, doch schließlich hob er langsam seinen Blick an.
„Gehst du einem Handwerk nach, Pelos?“
„N...nein, Herr.“
„Was treibst du dann den lieben langen Tag?“
„I...ich arbeite in der Taverne, Herr. Über den Tag hinweg putze ich und füttere die Schweine und am Abend schenke ich aus, euer Gnaden.“
„Bist du damit denn zufrieden?“
„Herr?“
„Ob du zufrieden bist mit deiner Arbeit.“
„Oh, Herr, bitte versteht mich nicht falsch. Ich bin sehr dankbar das mich der Wirt aufgenommen hat. Sonst wollte mir keiner Arbeit geben, weil ich zu schwach bin.“
„Aber?“
Der junge Mann, den Sebian nun bei genauerer Betrachtung auf die Anfang Zwanzig schätze druckste herum.
„Na ja...“, brachte er langgezogen hervor.
„Nun sprich schon, mein Sohn. Meine Haushälterin wartet ungeduldig mit dem Essen auf mich.“
Wieder zuckte Pelos wie von einem Schlag getroffen zusammen.
„Ich werde oft gehänselt, Herr, und die Bauern schütten ihr Bier über mir aus und tun dann so als hätte ich es verschüttet...“
Der Geweihte nickte bedächtig. So etwas hatte er schon erwartet.
„Hättest du Lust für mich zu arbeiten, Pelos?“
Die Augen unter dem Schlapphut wurden groß und deutlich konnte der Geweihte sehen wie die Wangen des Burschen sich vor Aufregung rot färbten.
„Für euch, Herr? Aber was kann ich denn für euch tun?“
„Oh, wir finden da schon etwas für dich. Fürs erste könntest du mir vielleicht etwas mehr über das Dorf erzählen. Doch nun eile schnell zur Taverne und hole deine Sachen. Wo ich wohne weißt du ja.“
Der hagere junge Mann nickte eifrig und flitzte davon. Seufzend sah ihm der Geweihte nach. Diesem Burschen etwas mehr Selbstvertrauen zu geben würde harte Arbeit werden. Er wandte sich zu seinem Haus und wollte gerade wieder eintreten als sich die Türe öffnete und ein junger Mann ihm entgegentrat. Gekleidet war er in den Farben des Hauses von Destelbach, einem etwas merkwürdig anzusehenden Mischmasch aus orange und schwarz.
„Euer Gnaden! Hier seid ihr also. Eure Haushälterin sagte schon das ich euch hier draußen finden würde. Sie lässt euch übrigens ausrichten das ihr euch nun nicht mehr beeilen müsst, weil das Essen schon kalt ist. Doch will ich mich zunächst vorstellen. Ich bin Gejalf, Bote des Grafen von Destelbach. Und seine Grüße soll ich euch entrichten.“
„Es ist mir eine Freude, mein Sohn. Wie ihr vermutlich schon wisst bin ich Wees Sebian, bescheidener Diener Astraels. Wie kann ich euch und eurem Herren helfen?“
„Mein Herr heißt euch herzlich in seinem kleinen und bescheidenen Lehen willkommen und möchte euch für heute zum siebten Dunkelzyklus auf sein Schloss einladen um mit ihm gemeinsam zu speisen. Eure Frau Haushälterin ist natürlich auch recht herzlich eingeladen.“
„Dann richtet ihm meinen Dank aus, meine Haushälterin und ich werden gerne kommen.“
Der Bote nickte und verabschiedete sich freundlich ehe er wieder davoneilte. Seufzend drehte sich Sebian wieder der Türe zu. Nun galt es das schlimmste Ungeheuer Tares zu besänftigen: eine wütende Elayra, die vor kaltem Essen saß.

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BeitragVerfasst: 26.07.05, 13:40 
Altratler
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Das Mittagsmahl hatte die schlimmsten Befürchtungen des Geweihten noch übertroffen. Erst musste er das Gezeter seiner Haushälterin über sich ergehen lassen, dass er nur durch die Einladung des Grafen etwas lindern konnte, dann war von dem Moment an der junge Novize schlecht gelaunt und sagte kaum ein Wort. Als dann noch ein fröhlicher Pelos in die Stube kam lies der Novize schließlich sein Besteck liegen und verschwand mit einer gemurmelten Entschuldigung. Sebian sah ihm nachdenklich nach. Er würde wohl ein längeres Gespräch mit Cabol führen müssen.
Der Rest des Tages verging wie im Flug. Während seine Haushälterin den neuen Zuwachs in die Hausarbeit einwies und ein Schlafstätte für ihn auf dem Dachboden herrichtete, war der Diener Astraels mit seiner Arbeit an der nächsten Messe beschäftigt. Erst als es langsam dunkler wurde sah er von seiner Arbeit auf. Es war höchste Zeit zu gehen. Kurz darauf flog die Türe zu seinem Schreibzimmer auf.
„Euer Gnaden! Seid ihr denn immer noch nicht angezogen?! Wollt ihr etwa so vor den Grafen treten? Außerdem ist es kühl draußen, ihr solltet unbedingt euren Umhang anziehen.“
Mit einem Seufzer drehte er sich herum.
„Elayra, meine Liebe, es ist wirklich schön das ihr euch so viele Sorgen um mich macht, aber...“
Weiter kam er nicht, da war sie auch schon heran und machte sich daran ihm seinen Umhang anzulegen.
„Kein Aber, euer Gnaden! Ihr verkühlt euch noch. Ich habe auch euren edlen Umhang genommen, damit ihr besser ausseht, schließlich treffen wir einen waschechten Grafen!“
„So viel ich über den Grafen gehört habe wird er sich wohl nicht an meiner einfachen Kleidung stören, meine Gute.“
„Ha, das sagt ihr! Euch fehlt einfach der nötige Ehrgeiz und eure Manieren sind grauenhaft.“
Sebian wollte darauf noch etwas erwidern, überlegte es sich dann aber anders. Wenn er eines gelernt hatte in den letzten zehn Jahren, dann das man Elayra möglichst nicht widersprechen sollte – zumindest nicht wenn die Zeit knapp war. So verließen sie kurz darauf das Haus. Der Geweihte war heilfroh das seine Haushälterin ihm zumindest seine gemütliche Robe gelassen hatte. Er war kein Mensch der sich gern herausputzte.
Zu Fuß war es nicht weit vom Dorf zu dem Schloss des Grafen, wenn es denn diesen Namen verdient hätte. Waren die beiden aus Draconis viele prächtige und riesige Gebäude gewohnt, so fanden sie hier ein Herrenhaus vor, wie es sich schon das reichere Bürgertum in der Hauptstadt Galadons hatte leisten können. Auf dem Land war eben alles ein wenig kleiner.
Als das ungleiche Gespann sich den großen Eingangstüren näherte wurden sie Zeuge eines Streites zwischen zwei älteren Herren Anfang der Siebzig, die sich auf der Treppe gegenüberstanden. Bei einen von beiden musste es sich wohl um den Grafen handeln, der andere war Sebian unbekannt.
„Ihr werdet ja noch sehen was ihr davon habt, Graf!“
„Ich sage es nur noch einmal, Baron, verschwindet von meinem Gut, oder ich lasse die Hunde los!“
„Ihr wagt es mir zu drohen?!“
„Ich wage es nicht nur euch zu drohen, sondern die Drohung auch noch in die Tat umzusetzen!“
„Das ist ja die Höhe! Großmäuliger Destelbach!“
„Hintertriebener Hornstein!“
Der Unbekannte schien noch etwas erwidern zu wollen, doch wandte er sich schlagartig ab und stürmte ohne zu grüßen an dem Geweihten und seiner Haushälterin vorbei. Der Graf sah ihm noch kurz nach, dann fiel sein Blick auf die beiden Hinzugekommenen.
„Ah! Ihr müsst seine Gnaden Sebian sein und das ist sicher eure bezaubernde Haushälterin Elayra! Den Vieren zum Gruße! Aber ich will mich erst einmal vorstellen: Ich bin Graf Zerelus von Destelbach.“
Elayra lies es sich nicht nehmen zu knicksen, was bei ihrer Statur ziemlich lächerlich wirkte. Der Geweihte belies es bei einer leicht angedeuteten Verbeugung.
„Ich grüße euch, mein Graf. Ist es uns erlaubt einzutreten?“
„Bitte, bitte, kommt doch herein!“
Damit trat er die Stufen hinauf und lies es sich nicht nehmen die große Türe zu öffnen. Kurz bellte er einen Befehl in das Haus.
„Gejalf, du kannst die Hunde wieder anbinden!“
Er sah wieder lächelnd zu Sebian.
„Es tut mir leid, dass ihr diesen Streit miterleben musstet.“
Langsam führte er sie durch das Haus, dass von innen sehr viel prächtiger aussah als von außen. Hier und da glänzte Blattgold und an den Wänden hingen große Gemälde mit Portraits. Vereinzelt glaubte der Geweihte eine Verwandtschaft mit seinem Gastgeber zu erkennen.
„Wisst ihr, mein Haus und das derer von Hornstein ist schon seit langer Zeit verfeindet. Der Baron ist ein hintertriebener zwielichtiger Kerl, der das Lehen gleich neben dem meinigen besitzt. Diese Hornsteins behaupten zwar ihr Haus sei schon älter als das unsrige, aber damit irren sie natürlich. Die Destelbachs gab es schon zur Zeit Levarums des Zweiten! Während der Magierkriege war einer meiner Vorfahren sogar ein persönlicher Berater seiner Majestät Odalerich des Ersten. Die Hornsteins wären froh wenn sie auf eine so lange und glorreiche Tradition zurückblicken könnten.“
Interessiert verfolgte Sebian der Erzählung des alten Mannes. Er liebte Geschichte und hatte schon so manche Nacht in den Archiven der königlichen Lehranstalt für Magie in Draconis verbracht.
„Wenn ihr mir die Frage erlaubt, mein Graf, was war die Ursache des Streites zwischen euren Familien?“
„Das weiß niemand mehr so genau, aber er wurde von den Hornsteins begonnen. Sie sind einfach so... ach ich finde keine rechten Worte. Stellt euch vor, er will mich doch tatsächlich überzeugen einen Teil meines Lehens an ihn abzutreten, weil er meint genau auf der Grenze Gold im Boden gefunden zu haben. Gold! Das ich nicht lache. Auf diesem Land wurde noch nie etwas wertvolles gefunden, hier gibt es nur Vieh und Getreide. Er will mir nur mein Land wegnehmen, damit seine Herde von meinem saftigen und gesunden Gras fressen kann!“
Damit hatten sie den Speisesaal erreicht und der Graf wollte es offensichtlich auf sich bewenden lassen. An dem Mahl nahm außer den Dreien noch ein weiterer Mann teil, den Sebian auf Mitte Fünfzig schätzte und der sich selbst als Veremal vorstellte. Offenbar handelte es sich bei ihm um Verwalter des Grafen. Er wirkte auf den Geweihten etwas fahrig und sah immer wieder nervös hin und her, aber Sebian dachte sich nichts weiter dabei, auch nicht als er sich nach dem Mahl entschuldigte und schnell den Saal verlies.
„Macht euch nichts draus, euer Gnaden, er ist in letzter Zeit etwas angespannt. Nur die Viere wissen wohl warum.“
„Also ich empfand sein Verhalten als sehr unhöflich!“, mischte sich Elayra ein.
„Soll ich ihn vielleicht zurückrufen lassen?“
„Nein, nein, dass wird nicht nötig sein.“, sagte Sebian schnell.
Der Graf lächelte.
„Darf ich euch dann vielleicht auf eine Pfeife auf den Balkon einladen, euer Gnaden?“
„Sehr gern, mein Graf.“
„Und ich werde mich etwas frisch machen!“, verkündete die Haushälterin.
„Wie ihr wünscht, meine Dame. Folgt einfach meiner Bediensteten Medelia.“
So gingen der Geweihte und der Adelsmann auf den Balkon und stopften ihre Pfeifen, während Elayra mit dem Mädchen, dass auch die Speisen aufgetragen hatte, das Zimmer verlies. Der Graf gab eine Geschichte zum Besten und entschuldigte sich dann, dass er noch schnell etwas erledigen müsste. Er würde aber gleich zurück sein, versprach er. Da Sebians Pfeife ohnehin noch nicht zu Ende geraucht war, machte es ihm nichts aus und er blieb auf dem Balkon zurück. Die Sterne funkelten am Nachthimmel und schließlich klopfte auch er seine Pfeife aus. Wo der Graf wohl blieb? Vermutlich war er noch aufgehalten worden, dachte sich der Diener Astraels. Doch als Zerelus auch nach längerer Zeit noch nicht zurückgekehrt war, beschloss er nach ihm zu sehen. Er schätzte den Grafen nicht so ein, dass er seine Gäste so vernachlässigte. Sollte er sich getäuscht haben?
Drinnen fand er auch seine Haushälterin, die sich wieder an den Tisch gesetzt hatte und noch etwas von der Nachspeise naschte.
„Elayra, habt ihr den Grafen gesehen?“
„Er kam mir entgegen, euer Gnaden, und meinte er wollte noch kurz in die Bibliothek. Dann verschwand er hinter einer Türe.“
„Erinnert ihr euch noch wo das war? Das Personal scheint sich ja rar zu machen und ich würde gerne nach ihm sehen.“
„Sicher doch, euer Gnaden! Folgt mir einfach.“
Sie erhob sich träge aus dem Stuhl und ging voran. Es dauerte dann doch noch einige Zeit bis sie die Bibliothek gefunden hatten, denn das Herrenhaus war größer als erwartet, doch merkwürdigerweise begegnete ihnen auf dem Weg keiner der Bediensteten. Ob sie wohl schon frei hatten?
Schließlich fanden sie was sie gesucht hatten. Langsam drückte Sebian die Klinke der schweren Eichentüre nach unten und schob sie auf. Die Bibliothek war dunkel, was den Geweihten verwunderte. Bei diesem Licht konnte man schlecht etwas nachschlagen. Also nahm er sich kurzerhand einer der Kerzen vom nahen Wandhalter und betrat das düstere Zimmer.
„Seid vorsichtig, euer Gnaden, nicht das ihr euch wo anstoßt! Überhaupt, wer studiert schon bei so wenig Licht, da erkennt man ja nichts!“
Die empörten Einwürfe seiner Haushälterin überhörend tastete sich Sebian langsam weiter voran, als er plötzlich über etwas stolperte. Offenbar war das Zimmer nicht nur grauenhaft beleuchtet, sondern auch noch unordentlich. Und so etwas nannte sich Bibliothek. Langsam senkte er die Kerze hinab, um zu sehen über was er gestolpert war. Es war ein Körper. Der Körper seines Gastgebers.
„Oh, ist der Arme gestürzt?“, fragte die Frau besorgt.
„Nein, er wurde ermordet.“
Polternd fiel Elayra in Ohnmacht, als auch sie den Knauf des Messers im Rücken des Grafen entdeckte.

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BeitragVerfasst: 27.07.05, 13:36 
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Der Hellzyklus des nächsten Tages hatte schon begonnen, als endlich eine Wachmannschaft der nahegelegenen Garnison eintraf. Die Haushälterin des Geweihten war in der Zwischenzeit wieder zu sich gekommen und saß nun in der Küche, wo sie von der Köchin des Verblichenen mit einer kräftigen Suppe und Tee versorgt wurde. Von den anderen Angestellten hingegen fehlte noch immer jede Spur, was die Soldaten jedoch nicht weiter zu interessieren schien. Überhaupt hielt sich ihr Anteilnahme in Grenzen, wie Sebian feststellen musste, als er sich mit dem Leutnant der Truppe in der Bibliothek unterhielt.
„Ich denke die Sachlage ist klar, euer Gnaden. Das Fenster dort drüben ist offen und ihr sagtet das Licht im Zimmer wäre erloschen gewesen, als ihr hier her kamt. Ich denke also folgendes ist passiert: Ein Räuber ist durch das Fenster in die Bibliothek eingestiegen. Durch den Windzug gingen die Kerzen aus, es wurde Stockdunkel. In diesem Moment betrat der Graf die Bibliothek und überraschte den Einbrecher. Dieser bekam Panik und erdolchte den Grafen als er sich herumdrehte um sein Hauspersonal herbeizurufen. Anschließend verschwand er wieder aus dem Fenster.“
„Warum sollte ein Räuber in eine Bibliothek einbrechen? Die wenigsten können lesen, sollte man meinen.“
Der Soldat zuckte mit den Schultern.
„Hier auf dem Land wird alles geklaut. Die Leute sind sehr Arm und vielleicht hätten sie das Buch ja an irgendeinen fahrenden Magier verkaufen können.“
Sebian runzelte die Stirn, sagte aber nichts weiter dazu. Als der Leutnant dies merkte zuckte er erneut mit den Schultern und rutschte dann sein Barett zurecht.
„Nun euer Gnaden, ich denke hier können wir nichts mehr tun. Wir werden einen Brief nach Draconis schicken um seine Majestät von dem Vorfall zu berichten, damit er einen neuen Lehnsherren einsetzen kann. Bis dahin muss sich jedoch weiter um das Lehen gekümmert werden. Könntet ihr das nicht tun als Vertreter der Kirche?“
„Ich? Oh je, bei Astrael, nein. Ich eigne mich nicht sonderlich gut für solche Dinge. Jedoch hatte der Graf einen Verwalter. Ich denke er wird bis auf weiteres dafür sorgen können, dass die Ordnung gewahrt bleibt.“
„Sehr gut, dann soll er das machen. Wenn ihr mich dann entschuldigen würdet?“
„Gewiss, Leutnant.“
„Die Viere mit euch.“
Damit verlies der Offizier die Bibliothek und lies den nachdenklich dreinblickenden Geweihten zurück. Noch einmal besah er sich den Tatort. Das Zimmer war rechteckig und drei der vier Wände waren fast komplett von riesigen Regalen verdeckt. Die Ausnahme bildeten nur ein Kamin an der linken Wand und die Türe. Dann war da noch die vierte Seite, die von zwei großen Fenstern eingenommen wurde. An der Wand zwischen den Fenstern standen zwei größere Kerzenständer, deren Kerzen inzwischen wieder entflammt waren. Die Mitte des Raumes wurde von einem großer Tisch dominiert, um den mehrere bequeme Sessel angeordnet waren. Und schließlich war da noch die Leiche des Grafen, die inzwischen mit einem Tuch bedeckt worden war.
Langsam schritt Sebian zum offen stehenden Fenster und betrachtete es.
„Euer Gnaden, was tun sie denn da?!“
Offenbar hatte sich Elayra schon wieder vom ersten Schock erholt, denn ihre Stimme klang so vorwurfsvoll wie nur sie das konnte.
„Wonach sieht es denn aus, meine Beste?“
„Ihr wisst genau, dass ihr euch da nicht einmischen sollt! Ihr seid einfach zu neugierig. Das ist Arbeit der Wachen und nicht eure.“
„Ich halte die Soldaten aber nicht für sehr fähig...“
„Wie...?“
„Kommt doch einmal her. Seht ihr dieses Fenster? Nach der Theorie des Leutnants war es ein Einbrecher, der sich von außen Zutritt verschaffte. Doch ist das Fenster unbeschädigt, ebenso der Schließmechanismus. Außerdem ist vor dem Fenster ein Blumenbeet. Seht ihr hier irgendwo Erde auf dem Boden? Also entweder handelt es sich um einen sehr reinlichen Einbrecher, der nebenbei noch das Fenster reparierte, nachdem er sich Zugang verschafft hatte, oder diese Theorie ist falsch.“
„Aha.“
„Und noch etwas passt nicht dazu: Der Leutnant meinte der Einbrecher habe den Grafen in den Rücken gestochen als dieser sich umdrehte um seine Bediensteten zu rufen, doch zeigt sein Kopf in Richtung des Fensters und nicht in Richtung der Türe. Ich bin mir sicher, wenn ich hinaus gehe und mir das Blumenbeet genauer ansehe, dann werde ich nur Spuren entdecken die vom Fenster wegführen, aber keine die hinführen.“
Die Haushälterin hatte die Stirn tief in Falten gezogen und sah ihn zweifelnd an.
„Versteht ihr nicht, Elayra? Der Mörder war schon hier im Haus und hat den Grafen erstochen als er in das Zimmer kam. Aber ein Einbrecher marschiert nicht einfach so in ein Haus. Das heißt also der Mörder muss im Haus bekannt sein!“
Ein mitleidiges Lächeln zeigte sich nun auf dem Gesicht der Frau.
„Wisst ihr was ich denke, euer Gnaden?“
„Nein, was?“
„Ich denke ihr hattet heute einen sehr anstrengenden Tag. Es wird das beste sein wenn wir jetzt nach Hause gehen und ihr erst einmal darüber schlaft.“
Seufzend ergab Sebian sich in sein Schicksal. Es hatte ja doch keinen Sinn weiter zu diskutieren und irgendwo hatte sie ja auch recht.

Leider schien der Geweihte vom Pech verfolgt zu werden, denn als er sich am nächsten Tag nach einem schnellen Frühstück zum Herrenhaus des Grafen aufmachte, musste er erschrocken feststellen, dass es über Nacht geregnet hatte. Und so verwunderte es ihn auch nicht weiter, als er keine Spuren im Boden des Beetes finden konnte.
Die Bediensteten des Grafen waren indes wieder eingetroffen und alle zutiefst schockiert über den Tod ihres Herren. Sebian unterhielt sich kurz mit jeden von ihnen und sprach ihnen sein Beileid aus. Zum Mord wollte er sie noch nicht genauer befragen, denn sie brauchten erst einmal etwas Zeit sich zu fangen. Das er den Mörder suchen wollte stand für ihn außer Frage, egal was seine Haushälterin dazu sagen mochte.
Er machte sich gerade auf den Rückweg zum Dorf, als ihm Pelos entgegengeeilt kam.
„Euer Gnaden! Elayra schickt mich, ich soll euch zum Mittagessen holen. Sie sagte wenn ihr nochmals das Essen kalt werden lasst, dann wird sie euch nie wieder eure Lieblingsspeise kochen.“
Der Geweihte schmunzelte. Seine Haushälterin war zwar stur und tat streng, aber sie hatte ein gutes Herz und würde so eine Strafe ohnehin nicht lange aufrecht halten können. Dennoch beschleunigte er seine Schritte etwas.
„Pelos, kannst du mir etwas über die Bediensteten seiner Grafschaft, möge er in Morsans Hallen ruhen, berichten?“
„Mhm, nun ja, da gibt es einmal die Köchin Seleija. Eine herzensgute Seele, die immer etwas warme Suppe übrig hat für Leute wie mich. Und dann ist da noch der Lehensverwalter, Veremal. Ich kann ihn nicht ausstehen. Er würde seine Mutter verkaufen, wenn man ihm genug Geld bieten würde, wenn ihr mich fragt. Gejalf ist, nein war, das Mädchen für alles. Er hat sich um das Vieh des Grafen gekümmert, Botengänge erledigt, die Kutsche des Grafen geführt... eben alles was so anfiel. Außerdem ist er ein ziemlicher Draufgänger und Mädchenschwarm. Es gibt kein Mädchen in Destelbach das nicht von ihm träumt.“
Sebian nickte zum Zeichen, dass er Pelos zuhörte.
„Die letzte seiner Bediensteten ist Medelia. Sie hilft der Köchin und putzt das Schloss. Sie ist etwas ganz besonderes. Denkt ihr denn einer von ihnen hat den Grafen ermordet?“
„Das wäre gut möglich, mein Sohn.“
„Ich weiß nicht, euer Gnaden. Der Graf war im Dorf allgemein nicht sehr beliebt. Zwar hat er sich nicht groß eingemischt in die Angelegenheiten der Bauern und hat auch nicht viele Steuern verlangt, aber man ist neidisch auf seinen Reichtum.“
„War der Graf denn sehr reich?“
„Oh ja! Man munkelt das er irgendwo unter dem Schloss eine große Schatzkammer hat, indem es mehr Gold geben soll als auf den Kuppeln der Kathedrale der Viere in Draconis!“
Sebian musste insgeheim schmunzeln. Wenn der junge Mann wüsste, dass es sich dabei hauptsächlich um Katzengold handelte, dass von Magiern behandelt worden war, wäre für ihn wohl eine Welt zusammengebrochen. Das Gold das wirklich einmal dort oben angebracht war, hatte man schon vor langer Zeit verkaufen müssen, als während des nortravischen Krieges das Geld knapp wurde.
„Könnte also ein Bauer der Mörder des Grafen gewesen sein?“
Pelos zuckte mit den Schultern.
„Ich kenne mich in solchen Dingen nicht aus.“
In diesem Moment erreichten sie die Unterkunft des Geweihten.

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BeitragVerfasst: 28.07.05, 11:59 
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Wenig später saß Sebian vor seinem Haus auf der Bank und streckte die Beine aus. Er hatte sich eine Pfeife angezündet und schmauchte sie nun. Während er langsam den Blick über den leeren Dorfplatz schweifen lies, glitten seine Gedanken ab.
Wer wohl der Mörder sein konnte? Am ehesten hätte wohl noch der Baron ein Motiv, doch wie sollte er in das Haus gekommen sein? War vielleicht einer der Bediensteten des Grafen mit ihm verbündet? Die Köchin konnte er wohl in der Tat ausschließen. Sein Gefühl sagte ihm, dass sie für einen Mord viel zu gutmütig war. Wer blieb also noch? Vielleicht der Bote? Er wäre stark genug um den Graf zu erstechen. Aber passte das zu einem Mädchenschwarm? Also vielleicht doch die junge Frau? Sie selbst hätte die Tat nie begehen können, dafür wäre sie zu schwach. Aber sie hätte ja mit dem Täter zusammenarbeiten können. Und was war mit dem Verwalter? Er wirkte den Abend so fahrig und nervös. Zudem schien er von Gold viel zu halten und davon gab es bei dem Verstorbenen genug, weiß Astrael. Der Verwalter...
Der Verwalter! Sebian konnte seinen Augen nicht trauen. Wie als hätte jemand seine Gedanken gelesen, spazierte in diesem Moment Veremal über den Dorfplatz. Der Geweihte wollte gerade zum Gruß ansetzen, hielt dann jedoch inne. Irgendetwas an dem Verhalten des Mannes kam ihm merkwürdig vor. Er wirkte gehetzt. Schnell lies sich Sebian auf die Knie sinken und kroch hinter das nächste Gebüsch, von wo aus er den Mann beobachten konnte ohne selbst gesehen zu werden.
Dieser war inzwischen vor der Türe einer der Häuser angekommen und klopfte einige Male an. Dabei schien er jedoch auf einen besonderen Rhythmus bedacht: dreimal kurz, einmal lang, zweimal kurz. Darauf hin wurde die Türe einen Spalt geöffnet und Veremal verschwand im Dunkeln des Hauses. Was für eine interessante Wendung! Sebian würde sich gleich erheben und hinüberschleichen, dann könnte er...
„Euer Gnaden! Was treibt ihr da?!“
Elayra hatte ihn entdeckt und sah schockiert zu ihm hinab.
„Ich... ähm... dachte ich hätte ein Kraut gesehen. Ja, genau, ein Kraut.“
Mühevoll drückte sich der Geweihte hoch und klopfte seine Robe ab.
„Ein Kraut? Was für ein Kraut?“
Die Haushälterin warf ihm einen misstrauischen Blick zu.
„Kraut... ja... nun... eine seltene Form des Silberblatts!“
Die Falten auf der Stirn der Frau wurden immer tiefer, dann wurde ihr Blick vorwurfsvoll.
„Für ein bisschen Grünzeug werft ihr euch in den Dreck? Schaut euch doch an wie ihr ausseht! Ich werde die Robe heute noch waschen müssen. Ihr seid wie ein kleines Kind, dass im Matsch spielt. Dabei seid ihr ein Diener Astraels! Meint ihr denn der Allwissende wird darüber erfreut sein, wie ihr euch aufführt? Nun kommt herein und zieht etwas anderes an, so könnt ihr euch ja nicht in der Öffentlichkeit zeigen!“
„Elayra, meine Teuerste, dass ist wirklich nicht...“
Sebian brach ab, als er das Funkeln in den Augen seiner Haushälterin sah. Wenn er nun nicht aufpasste, dann würde er vielleicht wirklich sein warmes Essen für die nächsten drei Tage gefährden. Also ergab er sich in sein Schicksal. Kurz bevor er das Haus betrat, warf er einen Blick zurück und sah mit an wie der Verwalter das Haus wieder verlies.

Er musste eine längere Standpauke über sich ergehen lassen, doch in Gedanken war er bei den Geschehnissen von eben. Was es damit wohl auf sich hatte? Vielleicht würden Pelos oder Cabol etwas mehr wissen. So lies er wenig später, inzwischen frisch eingekleidet in ein – wie er fand – scheußliches Hemd und in eine kratzende Hose, den Novizen zu sich rufen, der kurze Zeit später das Zimmer betrat. Wie immer hatte er scheinbar schlechte Laune.
„Bar, schön das du kommen konntest.“
„Hatte ich denn eine andere Wahl?“
Sebian runzelte die Stirn, sagte aber nichts weiter dazu.
„Setz’ dich doch.“
Elegant lies sich der Novize auf einen der Stühle im Schreibzimmer des Geweihten gleiten.
„Ich hätte einige Fragen zum Dorf und hoffte du könntest sie mir vielleicht beantworten?“
„Gewiss.“
„Es gibt einige Häuser die an den Dorfplatz angrenzen, dazu gehören die Kapelle, dieses Haus hier, die Taverne, der Dorfschmied und noch vier weitere Wohnhäuser.“
Bar Cabol nickte schwach und sah mit einem genervt wirkenden Blick zu Sebian hinüber.
„Ich würde gerne etwas mehr über eines dieser Wohnhäuser wissen. Es ist das mit dem kleinen Erker und dem Pferdestall gleich daneben. Kannst du mir darüber etwas genaueres erzählen?“
„Nein.“
„Nein? Das ist schade. Nun, dann werde ich wohl Pelos fragen müssen.“
Der Novize schnaubte.
„Gibt es vielleicht etwas was du mir sagen möchtest?“
„Pelos, euer Gnaden?! Zieht ihr einen Dorftrottel einem Novizen Astraels vor?“
Ah, das war es also was Cabol erzürnte. Sebian blieb ruhig.
„Ich ziehe ihn nicht vor, Bar.“
„Doch das tut ihr! Ihr verhätschelt ihn! Und ihr seid nicht besser als die anderen Geweihten aus Draconis. Sie trauen mir nicht, haben mir noch nie getraut! Sonst hätten sie MICH zum Geweihten gemacht, anstatt euch zu schicken!“
Damit sprang der Novize auf und stürmte aus dem Zimmer. Kurz darauf hörte der immer noch erstaunte Wees Sebian eine Türe zuknallen.
„Nun, “, dachte er, „dass erklärt einiges.“

Auch Pelos konnte die Neugier des Geweihten nicht stillen, denn er war unauffindbar. So hatte Sebian schließlich beschlossen selbst herauszufinden was es mit dem Haus auf sich hatte. Er wartete damit jedoch noch bis zum sechsten Dunkelzyklus – es musste ja nicht jeder sehen, wie er durchs Dorf schlich. Während er darauf wartete, dass Fela sich hinter den Horizont neigte, dachte er nochmals über das Gespräch mit seinem Schüler nach. Offenbar fühlte sich Cabol übergangen und gab ihm die Schuld dafür. Als ob er sich je darum bemüht hätte hier her versetzt zu werden. Eigentlich wäre er lieber in Draconis geblieben. Wenn er doch nur etwas zurückhaltender gewesen wäre!
Es war etwa ein Jahr her, da kam der Sohn des Fürsten von Ossian zu ihm. Der Adelige verweilte damals am Hof seiner Majestät, um dort in der Kunst der Politik unterwiesen zu werden. Verhängnisvollerweise hatte er sich dabei in eine der Zofen verliebt. Das allein wäre ja nicht so schlimm gewesen, wenn diese nicht auch noch seine Liebe erwidert hätte und inzwischen Vitamas Geschenk unter dem Herzen tragen würde. Der Fürstensohn war verzweifelt und wusste nicht weiter. So hatte er sich an Sebian gewendet, der ihn damals in Geschichte Galadons unterrichtet hatte. Das Herz des Geweihten war schon immer etwas größer gewesen als es gut für ihn war und so hatte er beschlossen dem Fürstensohn zu helfen. Er versprach eine Unterkunft für die Zofe zu finden, damit sie in Ruhe ihr Kind zur Welt bringen konnte. Würde der Fürst von Ossian davon erfahren wäre er sicher nicht sehr glücklich, denn das hätte der Familie nur Schande eingebracht und wohl auch einen erheblichen Machtverlust bedeutet. Doch alles ging gut. Sebian fand eine Unterkunft für die Schwangere bei einer befreundeten Familie, wo sie dann auch ihr Kind gebar. Wäre da nicht dieser eine verhängnisvolle Tag gewesen, an dem ein Offizier der Leibgarde des Königs den Fürstensohn heimlich beobachtete wie er in das Haus ging. Es dauerte nicht lange und alles kam ans Licht. Wie erwartet zürnte der Fürst von Ossian sehr. Letztendlich konnte sein Sohn seine Geliebte nur dadurch vor dem Pranger und schlimmeren bewahren indem er sie heiratete. Das tat er auch, doch wurde er dafür von seinem Vater enterbt und als Botschafter in das verregnete Morthum geschickt.
Natürlich hatte das ganze auch ein Nachspiel für den Geweihten gehabt. Die Obersten seines Ordens entschieden, dass er als Lehrer in Draconis nicht mehr haltbar war und schickten ihn schließlich hier her.
Es half nichts den alten Zeiten nachzutrauern. Er musste sich mit dem Weg zufrieden geben, den Astrael für ihn bestimmt hatte.
Inzwischen war Fela hinter dem Horizont verschwunden. Also schnappte Sebian sich seinen Hut und verlies das Haus. Er eilte über den Platz und stand schon wenige Sekunden später vor der Türe, an der einige Stunden zuvor auch der Verwalter gestanden hatte. Noch einmal hielt der Geweihte inne und atmete tief durch, dann hob er die Hand zum Klopfen: dreimal kurz, einmal lang, zweimal kurz.

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BeitragVerfasst: 29.07.05, 11:28 
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Nichts tat sich. Sebian legte sein Ohr an die Türe und lauschte. Offenbar war niemand zu Hause. Seine Hand glitt zum Türgriff und rüttelte leicht daran, doch es war abgeschlossen. Langsam trat er einen Schritt zurück und spähte hinauf. Das Haus war mit vermoderten Holzschindeln bedeckt, aber an der Seite war eine kleine Dachluke angebracht. Eine Dachluke die offen stand. Vorsichtig schlich der Geweihte zur Seite des Hauses, sich dabei nochmals umsehend, ob ihn auch wirklich niemand beobachtete. Eine Leiter, wie er sich erhofft hatte, fand er nicht, dafür aber einen wackelig aussehenden Tisch, einige gefüllte Säcke und einen Pferdekarren. Schwer schluckend schickte er ein Stoßgebet zu Astrael.

Er ahnte nicht, dass er in der Tat von jemanden beobachtet wurde. Etwa dreißig Schritte entfernt verbarg sich der Novize Bar Cabol halb hinter dem Baum nahe des Brunnens. Mit einem Arm stütze er das kleine Buch ab, in das er sich eifrig mit einem Kohlestift Notizen machte.
„Sieh an, sieh an, was seine Gnaden da so treibt.“, dachte er sich.
„Na das wird Draconis sicher gefallen.“
Er hoffte bloß, dass er noch die Chance bekommen würde diesen Brief nach Draconis zu schicken, denn was der Geweihte nun anstellte erschien Bar doch sehr wagemutig. Er hatte den Karren an das Haus herangezogen und ihn mit einem einfachen Stück Holz, dass er gefunden hatte abgestützt. Nun war er dabei den Tisch auf die Ladefläche des Karrens zu schieben, was alles andere als lautlos vonstatten ging. Erschrocken sah sich der Geweihte um und Bar wich schnell weiter in den Schatten zurück. Sebian durfte ihn nicht entdecken, wenn seine Intrige erfolgreich sollte. Er würde eine Sammlung all’ seiner Beobachtungen und Verfehlungen des Geweihten nach Draconis schicken. Die Ordensleiter wären über seinen Bericht sicher mehr als erfreut und würden ihn dafür zum Geweihten machen, während dieser gutmütige Trottel als Missionar in die frostige Steppe des Norlandes oder in das heiße Endophal geschickt werden würde.
Nach einiger Zeit wagte Bar es wieder in Richtung des Hauses zu spähen. Er konnte seinen Augen kaum trauen als er sah was Sebian tat. Dieser hatte inzwischen die Säcke auf den Tisch gehievt und war nun dabei das instabile Konstrukt hinauf zu klettern, dass dabei schwankte wie ein Schiff im Sturm. Ein oder zweimal meinte Bar das der Geweihte kurz davor war abzurutschen und sich den Hals zu brechen, doch schließlich schaffte er es wirklich auf das Dach zu kommen.

Mühevoll zog Sebian sich hinauf. Schweiß stand ihm auf der Stirn und sein Herz pochte schnell. Er schwor sich nach diesem Tag nie wieder auf etwas zu steigen was mehr als eine Handbreit über dem Boden lag. Zu allem Überfluss hörte er in diesem Moment ein verdächtiges Geräusch, das ihn an das Splittern eines Holzstückes erinnerte. Sein Verdacht wurde bestätigt als kurz darauf seine improvisiertet Leiter unter lautem Poltern zusammenbrach. Hastig presste er sich an die Schindeln unter ihm. Zu erklären was er hier oben tat hätte ihn einigen Einfallsreichtum gekostet. Er lauschte in die Dunkelheit und tatsächlich hörte er kurz darauf zwei Männerstimmen.
„Und ich sage dir, ich habe etwas gehört!“
„Natürlich hast du etwas gehört, du Dummkopf, es gab sicher niemanden im Dorf der den Krach nicht gehört hat. Warte, es muss gleich hier um die Ecke geschehen sein.“
Schritte näherten sich und Sebian betete das die Männer nicht auf den Gedanken kamen hinauf zu blicken.
„Ah, da haben wir ja auch die Ursache.“
„Meinst du es war ein Bär?“, die Stimme klang deutlich nervös.
„Ein Bär um diese Jahreszeit? Nein, die kommen nur im Morsan. Vermutlich hat der Hund vom Wirt wieder verrücktgespielt und irgendeine Katze gejagt.“
„Bist du dir sicher?“
„Ja, natürlich. Komm, gehen wir rein, die anderen müssten auch gleich kommen.“
Die Schritte entfernten sich wieder und kurz darauf wurde eine Türe geöffnet und wieder geschlossen. Sebian glaubte nun dumpfe Stimmen aus dem Inneren des Hauses zu hören. Keuchend überwand er den Rest der Strecke und kletterte alles andere als elegant durch die Luke. Er blinzelte einige Male, dann hatte er sich an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt. Offenbar befand er sich in einem, denn überall stand Gerümpel herum. Die Stimmen klangen nun deutlicher an sein Ohr. Die Männer mussten sich genau unter ihm befinden. Es dauerte nochmals einige Augenblicke bis er einen Lichtfleck auf dem Boden erkannte. Als er näher trat, erkannte er, dass es sich dabei um ein Astloch handelte, durch welches das Licht des darunter liegenden Raumes in den Lagerraum strahlte. Vorsichtig näherte er sich noch weiter. Hoffentlich würde keine der Dielen knarren und so seine Anwesenheit verraten. Langsam lies er sich auf die Knie nieder und spähte durch das Loch. Außer der Oberfläche eines Holztisches konnte er nicht viel erkennen, doch hörte er die Stimmen nun wieder ganz deutlich.
„Wo sie wohl bleiben?“
Es klopfte an die Türe – in der Sebian gut bekannten Reihenfolge. Darauf hörte er wie sich einer der Männer von einem Stuhl erhob und zur Türe ging. Ein Holzriegel wurde beiseitegeschoben und es ertönten weitere Stimmen. Der Geweihte schätze, dass es wohl noch mindestens drei Männer waren, die nun eintraten. Es dauerte einige Zeit, dann hatten scheinbar alle um den Tisch Platz genommen. Sebian platzte nur so vor Neugier. War er vielleicht nicht nur einem Mörder auf der Spur, sondern einem ganzen Mordkomplott? Hatten sich diese Männer verschworen um ihren Lehnsherren umzubringen? Bis jetzt hatten sich die vermeintlichen Verschwörer nur über Nebensächlichkeiten unterhalten, wie die Ernte. Doch gleich würden sie sicher auf den Grafen zu sprechen kommen. Der Geweihte hielt die Luft an...
... und stieß sie enttäuscht wieder aus, als er einen Würfel über den Tisch rollen sah. Einen Würfel? Knobelten sie nun aus wer die Reichtümer des Verstorbenen bekommen sollte?
„Ich habe eine Fünf. Drei Dukaten, dass niemand höher würfelt in dieser Runde!“
„Da geh’ ich mit!“
„Ich auch.“
„Das Risiko ist mir zu hoch, ich setze aus für die Runde.“
„Ja, dass war klar, du setzt immer aus.“
„Gar nicht!“
Sebian blinzelte verwirrt. Glücksspiel? Das war alles? Er war in ein Haus eingebrochen – was ihn einiges an Buße vor Astrael kosten würde – nur um ein Glücksspiel zu beobachten? Der Geweihte seufzte theatralisch, als einer der Männer seine Aufmerksamkeit erregte.
„Was ist eigentlich mit Veremal?“
„Der kann heute nicht, nach dem Tod des Alten muss er die ganze Arbeit übernehmen.“
„Er kann nicht? Na ich hoffe das ist jetzt nicht seine Standardausrede, er schuldet mir noch eine Menge Geld.“
„Mir auch!“
Zustimmendes Gemurmel ertönte, offenbar hatte der Verwalter nicht sehr viel Glück gehabt.
„Keine Sorge, jetzt da Destelbach gestorben ist, kann Veremal noch mehr von dessen Eigentum abzweigen. Das hat er mir versichert. Er wird alle seine Schulden begleichen.“
Das war es! Jetzt kannte Sebian das Motiv des Verwalters. Spielschulden! Deshalb hatte er den Grafen umgebracht. Der Geweihte beschloss, dass er genug gehört hatte. Er würde Veremal morgen stellen. Behutsam schlich er zurück zur Luke und kletterte hinaus auf das Dach. Langsam lies er sich die Holzschindeln hinabgleiten bis zum Ende des Daches, da stand er vor einem weiteren Problem: Wie sollte er nun wieder hinab kommen? Es half nichts, er würde springen müssen. Also schloss er die Augen und rutschte über die Kante. Irgendwie gelang es ihm sich abzurollen, so dass er unbeschadet unten aufkam, doch seine Kleidung war dreckiger als je zuvor.
„Das gibt Ärger.“, schoss es ihm durch den Kopf.

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BeitragVerfasst: 30.07.05, 17:06 
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Mürrisch kaute Sebian auf dem Stück Brot herum. Es hatte Ärger gegeben – und was für welchen. Elayra war darauf in einen Kochstreik getreten und da er es schaffte sogar Wasser anbrennen zu lassen, bestand sein ganzes Mittagsmahl aus einer trocknen Scheibe Brot. Cabol schien unterdessen erstaunlich gute Laune zu haben, doch wollte er den Grund dafür nicht Preis geben.
In diesem Moment betrat Pelos die Stube. Als er den Geweihten erblickte hielt er inne und neigte höflich sein Haupt.
„Der Mutter zum Gruße, euer Gnaden!“
„Dem Allwissenden zum Gruße, mein Sohn. Wir haben dich schon vermisst.“
Die Wangen des jungen Mannes färbten sich leicht rot und er sah ertappt zu Sebian.
„Ich war... ähm...“
„Schon gut, Pelos. Deine persönlichen Angelegenheiten gehen mich nichts an. Ich würde nur begrüßen, wenn du dich das nächste Mal abmeldest, damit wir uns keine Sorgen um dich zu machen brauchen.“
Der dürre Mann nickte eifrig.
„Und nun geh ihn die Küche. Ich denke Elayra wird noch etwas zu Essen für dich haben, wenn sie schon keines für mich hat.“
Damit war Pelos auch schon verschwunden. Sebian sah ihm kurz nach, dann drückte er sich aus seinem Stuhl hoch. Es war höchste Zeit dem Verwalter gegenüberzutreten und ihn zur Rede zu stellen. Bevor er das Haus verlies, nahm er seinen Hut und setzte ihn sich auf.

Er kam jedoch nicht weit. Schon kurz nachdem er das Dorf verlassen hatte, begann es zu regnen. Große, schwere Regentropfen durchnässten alles, was nicht irgendwo Unterschlupf finden konnte. So hatte der Geweihte auch schnell eine Weide auserkoren ihm Schutz zu bieten. Nun stand er unter den weit ausladenden Zweigen des alten Baumes und spähte hinaus in das Unwetter, dass noch an Stärke zuzunehmen schien. Es war in diesem Augenblick, als er des Umrisses einer Person gewahr wurde, die aus Richtung des Schlosses kam. Sie hatte einen schweren grauen Umhang um sich gezogen und eilte leicht vorgebeugt voran. Sebian fragte sich, wer das wohl sein mochte. Sein Instinkt bewegte ihn dazu sich noch etwas mehr in den Schatten der Weide zu drücken und tatsächlich: Gleich darauf sah sich die Gestalt hektisch um. Offenbar hatte sie den Schutzsuchenden nicht gesehen, denn schon eilte sie weiter. Der Geweihte hatte sie aber erkannt.
„Was die Bedienstete des Grafen wohl bei diesem Wetter vor die Türe treibt?“, fragte er sich. Scheinbar hatte in dieser Gegend jeder irgendein Geheimnis. Doch das sollte ihn jetzt nicht weiter aufhalten, schließlich war er kurz davor einen Mordfall aufzuklären. Wie als wären auch die Götter dieser Meinung, wurde der Regen kurz darauf immer schwächer und erstarb schließlich ganz. Die Luft roch nun rein und gewaschen, was das Herz des Geweihten beflügelte und ihn fröhlich pfeifend weitergehen lies.
Erst als er das Herrenhaus erreicht hatte, wurde er wieder etwas ernster. Er musste zweimal an die Türe pochen, bis schließlich geöffnet wurde. Der Bote Gejalf hieß ihn willkommen und bat ihn einzutreten.
„Ich komme um mit Veremal zu sprechen. Ist er zugegen?“
„Ja, euer Gnaden. Folgt mir doch bitte.“
Nickend tat der Geweihte wie ihm geheißen.
„Auf dem Weg hier her kam mir Me... wie hieß sie noch gleich?“
„Medelia?“
„Ja, genau, Medelia. Nun sie kam mir auf dem Weg hier her entgegen. Wisst ihr, was sie bei diesem Wetter vor die Türe scheuchte?“
Gejalf zuckte leicht mit den Schultern.
„Nein, tut mir leid, euer Gnaden. Seit dem Tod des Grafen ist hier einiges Durcheinander. Jeder kommt und geht wann er will. Die letzte Nacht war sie sogar gar nicht hier.“
Sebian nickte leicht, dann hatten sie das Zimmer des Verwalters erreicht.
„Hier ist es, euer Gnaden. Benötigt ihr noch etwas?“
„Nein, danke Gejalf. Ich denke ich komme allein zurecht.“
Der Bote nickte und wandte sich ab. Kurz sah ihm der Geweihte nach, dann klopfte er.
„Herein!“, ertönte es dumpf aus dem Zimmer.
Sebian öffnete die Türe und trat ein. Der Raum war eher spartanisch eingerichtet und verfügte nur über ein Fenster. Die linke Wand wurde von einem Regal dominiert, in dem sich Dutzende von Pergamente stapelten, die rechte von einer großen Karte, die das Lehen zeigte. Hinten, am Fenster, stand ein einfaches Bett und davor ein großer Schreibtisch mit einem vielarmigen Kandelaber.
„Oh, euer Gnaden, Astrael zum Gruße. Wie komme ich zu der Ehre?“
„Dem Allwissenden zum Gruße, Verwalter. Darf ich mich setzen?“
„Natürlich, natürlich.“
Veremal erhob sich hastig und schritt um den Schreibtisch herum um einen Stuhl für den Geweihten zurecht zu schieben, dann setzte er sich selbst wieder.
„Wie geht es euch, mein Sohn?“
„Es ist viel Arbeit, nachdem mein Herr, möge er in Morsans Hallen ruhen, von uns gegangen ist. Ich habe einige Briefe zu schreiben, um die entfernten Verwandten des Grafen über sein Ableben in Kenntnis zu setzen.“
Sebian betrachtete kurz die Tischfläche vor sich, die erstaunlich aufgeräumt wirkte.
„Ihr seid ein ordentlicher Mensch, wie mir scheint.“
„Euer Gnaden?“
„Na euer Tisch.“
„Mein Tisch?“
„Er ist aufgeräumt, trotz all’ der vielen Arbeit, die ihr habt.“
„Ach das, nun ja...“, der Geweihte sah dem Mann an, wie er nach Worte suchte, dieser entschloss sich aber wohl zur Flucht nach vorn.
„Ihr seid doch sicher nicht hier her gekommen um mein Zimmer zu begutachten, oder, euer Gnaden?“
„Nein, natürlich nicht, verzeiht. Eigentlich komme ich zu euch, um euch die Beichte abzunehmen.“
Täuschte er sich, oder wurde Veremal tatsächlich etwas blasser?
„Die Beichte? Ich fürchte ich verstehe nicht recht...“
„Ihr habt gesündigt, mein Sohn.“
„G...gesündigt?“
„Ja, aber lasst mich euch zunächst eine Geschichte erzählen.“
Der Verwalter saß nur da und sah ihn aus großen Augen an. Er war tatsächlich blasser geworden.
„Es war einmal ein Mann. Er liebte den Glanz des Goldes und so war er immer auf der Suche nach noch mehr dieses kostbaren Materials. Eines Tages stieß er auf eine Gruppe gleichgesinnter und er entdeckte eine Möglichkeit an sehr viel Geld zu kommen – wenngleich auch mit hohem Risiko: Glücksspiel. Doch Vitama war ihm nicht hold und er verlor ein ums andere Mal. Schließlich hatte sich ein riesiger Schuldenberg angehäuft. Nun, der Mann war nicht dumm und zufällig arbeitete er als Verwalter bei einem reichen älteren Herren. Da dache er sich: Warum sollte ich nicht sein Geld nehmen und damit meine Schulden bezahlen? Allerdings hatte er nicht mit seinem Herren gerechnet, der hinter das Geheimnis kam. Der verzweifelte Verwalter entschloss sich zu einem gewagten Schritt: Wenn er seinen Herren umbringen würde, dann würde dieser nicht nur das Geheimnis mit ins Grab nehmen, sondern der Verwalter könnte auch all’ seine Schulden unbemerkt begleichen. Gesagt, getan. Eines Abends sah er wie sein Herr die Bibliothek betrat. Da zog der Verwalter seinen Dolch – den er seit dem er seinen Plan gefasst hatte immer mit sich trug – und schlich hinter ihm her, um ihn zu erstechen. Das Unternehmen gelang. Doch wie sollte er das ganze vertuschen? Also öffnete er die Fenster und tat so als wäre jemand eingebrochen.“
Während Sebian die Geschichte erzählte beobachtete er seinen Gegenüber sehr genau, der immer blasser wurde.
„Nun, was sagt ihr zu der Geschichte, mein Sohn?“
„Ich...“, der Verwalter schluckte schwer. Plötzlich sprang er auf und hastete an dem überraschten Geweihten vorbei zur Türe hinaus.
„Halt Veremal, bleibt stehen!“
Sebian erhob sich so schnell er konnte und wollte dem Fliehenden nachrennen, als er ein dumpfes Poltern und darauf einen gedämpften Schrei hörte. Als der Geweihte vor die Tür trat erkannte er auch den Grund. Offenbar war der Verwalter geradewegs in Gejalf gerannt. Da dessen Masse aber ungleich größer war, wurde er einfach zurück auf den Boden geschleudert. Der Bote wollte dem Liegenden gerade aufhelfen.
„Gejalf, haltet ihn fest!“
Verständnislos sah der muskulöse Mann zu ihm. Veremal rappelte sich hastig auf und versuchte weiterzulaufen, aber da wurde er auch schon am Arm gepackt und festgehalten. Winselnd und ängstlich sah der Verwalter zu Sebian.
„Euer Gnaden, bitte...! Ja... ich habe von dem Geld des Grafen hier und da etwas abgezweigt. Ich brauchte es um meine Schulden zu bezahlen, wo ich das Spielen doch so sehr liebe. Aber glaubt mir, euer Gnaden, ich habe den Grafen nicht umgebracht!“
„Das ist Sache des Richters dies rauszufinden.“
Damit nickte der Geweihte Gejalf zu, der Veremal mit sich zog.

Es dauerte fast wieder einen ganzen Zyklus, bis endlich die Wachmannschaft aus der Garnison eingetroffen war. Sie würden den vermeintlichen Mörder mit sich nehmen, um ihn in der nächsten größeren Stadt einem Richter zu übergeben. Der Leutnant bedankte sich bei Sebian.
„Habt vielen Dank, euer Gnaden, ich schätze ich stehe jetzt in eurer Schuld.“
„Keine Ursache, Leutnant.“
„Kann ich euch sonst noch irgendwie helfen?“
„Nein, sorgt nur dafür das Veremal eine ordentliche Verhandlung bekommt, so wie es sich Astrael wünschen würde.“
„Schön, dass dieser Mord aufgeklärt wurde. Möge Bellum mit euch sein.“
„Und mit euch, Leutnant.“
Der Offizier nickte nochmals und kehrte dann zu seinen Soldaten zurück, die den Verwalter zwischen sich genommen hatten. Nachdenklich sah Sebian ihm nach. Er war sich inzwischen nicht mehr so sicher, ob er den Richtigen überführt hatte.

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BeitragVerfasst: 1.08.05, 16:53 
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Der Mordfall lies ihm auch in den kommenden Tagen keine Ruhe. Er wollte nicht so recht an die Schuld des Verwalters glauben. Sein Verdacht wurde eine Woche später zur Gewissheit, als der Leutnant der Wachmannschaft an seine Türe klopfte und ihm berichtete, dass der Rest der kleinen Glücksspielgemeinschaft einheitlich und glaubwürdig ausgesagt hätten, dass Veremal am Abend des Mordes bei ihnen gewesen wäre. Er würde dennoch nicht frei kommen, da das nichts daran änderte, dass er vom Grafen Geld gestohlen hatte. Sebian entschuldigte sich vielmals für die falschen Anschuldigungen und kehrte dann geknickt in sein Arbeitszimmer zurück. Er machte sich Vorwürfe, dass er übereifrig gehandelt hatte.
Einige Zeit später betrat Pelos den Raum. Der Geweihte hatte sein Notizbuch aufgeschlagen und betrachtete die Namen, die er sich notiert hatte. Veremal war inzwischen durchgestrichen worden, dafür hatte er Medelia eingekreist. Das merkwürdige Verhalten, dass sie neulich an den Tag gelegt hatte, ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Doch was hatte sie für ein Motiv? War sie vielleicht eine Geliebte des Verstorbenen gewesen? Hatte er sich mit einer anderen Frau eingelassen und sie ihn darauf aus Eifersucht umgebracht?
Sebian war so in seine Gedanken versunken, dass er nicht bemerkte wie der junge Mann hinter ihn trat und ihm über die Schulter sah.
„Was ist mit Medelia, euer Gnaden?“
Erschrocken fuhr der Sitzende zusammen und sah dann vorwurfsvoll über die Schulter .
„Pelos, du kannst mich doch nicht so erschrecken!“
„Entschuldigt, euer Gnaden.“
Sebian seufzte.
„Schon gut, ich war wohl etwas in Gedanken. Nun, so will ich auf deine Frage antworten. Es stellte sich heraus, dass Veremal... du kannst lesen?!“
„J...ja, euer Gnaden.“, Pelos senkte das Haupt, „Ist das schlimm?“
„Schlimm? Warum soll das schlimm sein? Ich bin nur erstaunt. Ich hätte nicht erwartet das hier auf dem Land jemand dazu fähig ist.“
Erleichtert sah der junge Mann wieder auf.
„Wie kommt es dazu, dass du lesen kannst?“
„Seit meiner Kindheit wurde ich schon immer gehänselt, euer Gnaden. Daher hatte ich keine Freunde. Einmal kam ein wandernder Gelehrter in die Taverne. Er konnte sein Zimmer nicht bezahlen, so überlies er dem Wirt eines seiner Bücher. Dieser wusste damit nichts anzufangen und wollte es ins Feuer werfen, da habe ich es an mich genommen und so lesen gelernt. Von da an waren Bücher meine Freunde und wann immer sich mir die Gelegenheit bot habe ich ein neues zu meiner kleinen Sammlung hinzugefügt.“
„Du hast dir selbst Lesen beigebracht?“
Pelos nickte einige Male stolz.
„Das überrascht mich umso mehr. Die anderen haben dich wohl zu Unrecht für einen Dorftrottel gehalten.“
„Danke, euer Gnaden.“
Seine Wangen färbten sich rötlich.
„Aber nun gut... zurück zu deiner Frage: Es stellte sich heraus, dass Veremal den Mord nicht begangen hat. Nun überlege ich wer sonst in Frage kommt.“
„Und ihr denkt an Medelia?“
„Na ja, dass wäre eine Möglichkeit. Meinst du sie könnte ein Verhältnis mit dem Grafen gehabt haben?“
Nun färbte sich der Kopf des Jungen knallrot, diesmal allerdings vor Zorn.
„Das würde sie nie tun!“
Verdutzt sah ihn Sebian an. Mit dieser Reaktion hatte er nicht gerechnet. Er musste sich beeilen aufzustehen und Pelos am Arm zu packen, als dieser kehrt machte und aus dem Zimmer eilen wollte.
„Lasst mich!“
„Beruhige dich, mein Sohn.“
„Lasst mich los!“
„Ich will nur mit dir reden.“
„Ich will aber nicht mit euch reden!“
„Sei doch vernünftig, Pelos. Was ist auf einmal mit dir los?“
Der junge Mann beruhigte sich langsam wieder und drehte sich zum Geweihten um.
„Es ist... nichts.“
„Nichts? Das sieht mir aber nicht nach nichts aus.“
Sebian lies ihn los und betrachtete ihn. Offenbar rang Pelos gerade innerlich mit sich selbst.
„Willst du es mir nicht erzählen?“
Der Angesprochene senkte sein Haupt.
„Wisst ihr noch neulich, als ihr mir sagtet, dass ich mich abmelden soll, wenn ich länger nicht da bin?“
„Ja, daran kann ich mich erinnern. Du warst die ganze Nacht weg.“
„Ich habe mich mit Medelia getroffen, euer Gnaden.“
„Mit Medelia? Aber warum triffst du dich mit...“
Da begriff Sebian endlich das merkwürdige Verhalten seines Schützlings. Und er erinnerte sich auch daran was der Bote des Grafen gesagt hatte: Medelia war in der selben Nacht nicht da gewesen. Die Züge des Geweihten wurden milder.
„Ihr seid ein Paar?“
Pelos nickte schwach.
„Aber warum die ganze Heimlichtuerei?“
„Ich bin... war der Dorftrottel, euer Gnaden. Wenn die anderen von ihrer Liebe zu mir erfahren hätten, dann hätten sie auch über sie schlecht gesprochen. Außerdem sind wir hier auf dem Land. Man sieht es nicht gern wenn sich zwei Verliebte vor dem Bund treffen. Es gehört sich nicht.“
Sebian musste schwach schmunzeln.
„Und als der Mord geschah... war sie da bei dir?“
„Ja, euer Gnaden, sie ist unschuldig, dass müsst ihr mir glauben!“
„Keine Sorge, Pelos, ich glaube dir. Aber in einem Punkt muss ich den Bauern recht geben.“
Der junge Mann sah mit großen Augen zu ihm.
„Wenn ihr euch so liebt, dann solltet ihr vielleicht wirklich darüber nachdenken den Bund vor Vitama einzugehen. Doch lasst euch von mir nicht drängen.“
Sein Schützling, dessen Wangen sich wieder rot gefärbt hatten, nickte schwach.
„Ach... warum bist du eigentlich zu mir gekommen?“
„Elayra lässt euch ausrichten, dass sie wieder bereit ist für euch zu kochen und fragt, ob ihr Hunger habt.“
„Bei Astrael und was für einen Hunger ich habe!“

Einige Zeit später saß Sebian satt und zufrieden vor einem leeren Teller und streckte die Beine aus. Das Mahl war wirklich nötig gewesen. Er hatte in den vergangenen Tagen, als er sich nur von Brot ernährte, sicher ein oder zwei Kilo abgenommen. So gestärkt konnte er wieder über den Mordfall nachdenken.
Wer kam noch für den Mord in Frage? Von den Bediensteten war als Verdächtiger nur noch Gejalf, der Bote, übrige geblieben. Da er alle anderen ausgeschlossen hatte, musste er doch der Täter sein – oder nicht? War er zu sehr auf die Idee fixiert, dass es sich bei dem Täter um einen Bediensteten des Grafen handelte? Vielleicht war der Baron gar nicht nach dem Streit nach Hause gegangen, sondern in das Haus geschlichen und hatte auf einen günstigen Augenblick gewartet. Die Zeiten das Blutrache zum täglichen Leben in Galadon gehörte war zwar längst vorbei, aber jemand, der einen Streit nur deshalb weiterführte weil es auch schon seine Vorfahren getan hatten, könnte dies anders sehen.
Es half wohl nichts: Sebian würde als nächstes das Gespräch mit Baron Wedesto Hornstein suchen müssen. Lange hatte er sich davor gescheut, denn einen Adeligen zu verdächtigen war eine heikle Sache. Dennoch beschloss der Geweihte ihm morgen einen Besuch abzustatten.

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BeitragVerfasst: 2.08.05, 13:36 
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Fela brannte heiß vom Himmel hinab. Wer konnte blieb zu Hause und versuchte sich so wenig wie möglich zu bewegen. So sah man an diesem Tag nur eine einsame Gestalt in einer hellblauen Robe und mit einem großen Hut auf dem Kopf durch das kleine Dorf wandern. Zum Glück war niemand in der Nähe, sonst hätte diese Person wohl das leise Fluchen des Mannes mitbekommen.
„Bei Astrael, wer kam auf die dumme Idee Roben als Ordenstracht zu wählen? Ich wünschte er wäre hier und müsste zehn solcher Roben tragen!“
Brummelnd gelangte Sebian zu der Dorfgrenze. Es würde wohl noch einen halben Zyklus dauern bis er das Schloss des Barons erreicht hatte – in dieser Hitze eine Ewigkeit. Er musste bei Zeiten unbedingt Pelos darum bitten sich nach einem Pferd für ihn umzusehen. Wenn er noch länger hier auf dem Land bleiben musste, dann wollte er nicht jedes Mal laufen müssen.
Zum Glück erreichte er bald darauf einen kleinen Wald, der ihm wenigstens etwas Schatten spendete. Schließlich sah er nach etwa der Hälfte der Strecke ein vermodertes Schild an einem Baum hängen, dass ihm darüber Auskunft gab, dass er nun das Lehen Destelbach verließ und dafür das Lehen Hornstein betrat. Der Geweihte glaubte sich zu erinnern, dass der Name von einem merkwürdig anzusehenden Monolith herrührte, der wie ein Horn geformt unweit des kleinen Dorfes Hornstein aus dem Boden ragte. Eine Legende besagte, dass es sich dabei um den Zahn eines Riesen handelte, der ihn dort verloren hatte. Vielleicht würde Sebian ja die Gelegenheit haben um diesen Stein auf dem Rückweg zu besuchen. Man sagte auch, dass die abergläubische Bevölkerung des Lehens sich Heilung davon versprach, wenn sie den Felsen berührte – was unweigerlich dazu führte, dass dieser immer dünner wurde.
Leider sollte die Hoffnung des Geweihten enttäuscht werden. Es zeigte sich, dass das Schloss Hornstein ein gutes Stück vom Dorf entfernt lag und zudem auf der dem Monolithen gegenüberliegenden Seite. Auch bei diesem Adelssitz handelte es sich höchstens um ein etwas besseres Herrenhaus. Daneben stand noch ein kleines Gestüt und eine Schmiede. Interessiert trat Sebian näher. Vielleicht konnte er hier ein Pferd bekommen? Vorsichtig klopfte er an die Türe der Schmiede, aus der das laute Hämmern harter Arbeit ertönte. Als dieses jedoch nicht verstummte, trat er einfach ein.
Sofort bereute er die Entscheidung. Glaubte er draußen wäre es heiß gewesen, so wurde er nun eines besseren belehrt. Das innere der kleinen Schmiede glühte förmlich und war von einem ohrenbetäubenden Krach erfüllt. Am Amboss stand ein Mann, der ungefähr die Statur von Gejalf hatte, jedoch mit pechschwarzem Haar. Sebian klopfte ihm vorsichtig auf seinen Lederwams, doch der Schmied reagierte nicht, also klopfte der Geweihte stärker. Auch dann dauerte es noch einige Sekunden bis der kräftige Mann mit seiner Arbeit aufhörte und sich herumdrehte. Sebian glaubte ihn schon einmal gesehen zu haben.
„Astrael zum Gruße, mein Sohn.“
„Ignis zur Ehr’, euer Gnaden.“, erwiderte der Angesprochene nach einem kurzen Blick auf die Ordenstracht des Besuchers.
„Arbeitet ihr für den Baron?“
„Ja, so ist es.“
„Dann gehört das Gestüt vermutlich auch dem Baron?“
Der Schmied nickte.
„Ich bin nämlich auf der Suche nach einem Pferd, müsst ihr wissen.“
„Da müsst ihr den Baron fragen, euer Gnaden. Aber er ist sehr eitel was seine Pferdezucht angeht.“
„Ja, das werde ich tun.“
Der Mann betrachtete Sebian etwas nachdenklicher.
„Seid ihr nicht der Geweihte, der den Mordfall am Grafen von Destelbach aufklären will?“
„Oh, ihr wisst davon?“
„Ja, ich komme ab und zu nach Destelbach und da hört man so einiges.“
„Sieht das euer Herr denn gern, wenn ihr in das benachbarte Lehen geht?“
„Ihr meint wegen dem Streit zwischen ihm und dem Grafen?“
Sebian nickte leicht.
„Der Streit herrscht eigentlich nur zwischen den beiden Adelshäusern. Den Bewohnern des Lehens ist er egal. Aber ihr habt recht, gern sieht er es nicht.“
„Nun gut. Eigentlich bin ich ja gekommen um mit ihm zu sprechen.“
„Da werdet ihr etwas warten müssen, er ist gerade auf einem Spaziergang.“
„Habt vielen Dank, ich warte dann vor dem Schloss.“
Erneut nickte der Schmied und wandte sich schon wieder der Arbeit zu. Schnell verließ Sebian den Raum. Er schwamm nun regelrecht in seiner Kleidung und sah sich hastig nach ein wenig Schatten um. Zum Glück befand sich unweit eine kleine Buche, vor deren Stamm eine Bank angebracht war.

Es sollte nicht lange dauern bis der Baron zurück kam. Von den Knien abwärst war seine Hose mit rotem Schlamm beschmutzt. Der Geweihte erhob sich und trat ihm entgegen, dann deutete er eine Verbeugung an.
„Dem Allwissenden zum Gruße, Baron!“
„Bellum zum Gruße.“
Wedesto Hornstein musterte den Mann in Blau misstrauisch.
„Wer seid ihr?“
„Wees Sebian und meines Zeichens Diener Astraels, Baron.“
„Ah... ihr kommt aus dem Lehen der Destelbachs, oder? Ich hörte ihr schnüffelt überall herum und versucht den Mord aufzuklären. Baltasar, mein Schmied, erzählte mir von euch.“
Sebian seufzte innerlich. Das würde kein leichtes Gespräch werden und sein Pferd konnte er sich wohl abschminken. Wenigstens hatte er nun den Namen des Schmiedes erfahren.
„Ich hatte schon die Ehre die Bekanntschaft mit ihm zu machen. Es scheint mir als wäre er ein fähiger Schmied.“
„Er ist der Sohn einer meiner verstorbenen Bediensteten. Da der Vater nicht bekannt war habe ich ihn bei mir aufgenommen. Aber was wollt ihr nun von mir?“
„Eigentlich hoffte ich mich mit euch über den Mord unterhalten zu können.“
Der Baron murrte.
„Von mir aus... aber ich will es euch gleich sagen: Ich bedauere seinen Tod nicht! Folgt mir doch in mein Schloss.“
Wedesto führte den Geweihten in einen Salon und bat ihn sich zu setzen.
„Ich werde mir noch schnell eine frische Hose anziehen gehen.“
„Ich hoffe ihr seid nicht gestürzt?“, erkundigte sich Sebian höflich.
„Das geht euch nichts an!“
Damit war der Baron auch schon verschwunden. Stirnrunzelnd sah der Geweihte ihm nach. Wenn er es sich so überlegte, dann hatte sein Gastgeber das perfekte Motiv – zu perfekt. Sollte er Zerelus von Destelbach wirklich nur wegen des alten Familienstreits umgebracht haben?
Eine Frau trat herein und brachte ihm ein Glas Wasser, dass Sebian dankend entgegen nahm und mit einem Schluck beinahe leerte. Kurz darauf kam auch Wedesto zurück. Er nahm allerdings nicht Platz. Wie es schien hatte er beschlossen seinem Gast deutlich seine Abneigung zu zeigen.
„Dann fangt an, meine Zeit ist kurz... euer Gnaden.“
„Ich weiß, dass eure Familie und die des Grafen, nun, nicht gerade befreundet waren.“
„Ihr denkt ich habe ihn umgebracht?“
Sebian sah ihn überrascht an. Schnell antwortete er:
„Nein, nein, Baron, ich würde nie wagen euch so etwas zu unterstellen! Eigentlich wollte ich nur etwas mehr über diesen Streit erfahren.“
„Was soll das mit dem Mord zu tun haben?“
„Vielleicht könnte jemand versuchen diesen euch unterzuschieben.“
Wedesto schien diese Notlüge zu akzeptieren und setzte sich nun doch hin.
„Es ist ein sehr alter Streit. Die genaue Ursache kann ich euch nicht nennen, doch fest steht, dass ihn die Destelbachs begonnen haben! Dabei steht fest, dass die Hornsteins viel älter sind als die Destelbachs. Woher wisst ihr überhaupt davon?“
„Ich war am Tag des Mordes beim Grafen eingeladen und wurde dort Zeuge einer... Diskussion zwischen ihm und euch.“
„Ah ja.“
„Ihr habt danach ziemlich wutentbrannt den Hof verlassen und seid an meiner Haushälterin und mir vorbeigestürmt.“
„Ja, ich glaube ich erinnere mich. Was er sagte hat mich ziemlich aufgeregt. Zu allem Überfluss hatte sich meine Stute losgerissen. Allerdings traf ich gleich darauf einen Händler aus meinem Dorf, der mich auf seinem Pferdewagen hier her bringen konnte.“

Das Gespräch dauerte noch einige Zeit an. Je mehr Sebian erfuhr, desto unwahrscheinlicher schien es ihm, dass der Baron der Täter war. Als es dunkel wurde verließ der Geweihte schließlich das Herrenhaus und machte sich auf dem Heimweg. Einige Teile wollten einfach nicht in das Puzzle passen.
Kurz vor der Grenze der beiden Lehen hörte Sebian neben sich etwas im Gebüsch rascheln. Er dachte sich nichts weiter dabei und wollte weitergehen, da sprang eine große Gestalt vor ihn auf den Weg. Weil Fela schon untergegangen war und durch das dichte Blätterdach des kleinen Waldes nur wenig Licht hinab bis auf den Boden reichte, konnte der Wanderer seinen Gegenüber nicht erkennen – sehr wohl aber das Schwert, dass der Schatten in diesem Augenblick auf ihn richtete.

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BeitragVerfasst: 3.08.05, 14:47 
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Ängstlich wich Sebian zurück. Was wollte der Fremde von ihm? War es ein Straßenräuber? Die Gestalt folgte ihm und holte mit dem Schwert aus. Ein Stoßgebet zu Astrael schickend hielt der Geweihte die Luft an. Da zuckte das Schwert auch schon auf ihn nieder. Sebian schrie auf, doch nicht etwa weil die Waffe sein Fleisch durchschnitt, sondern weil er im Rückwärtsgehen über eine Wurzel gestolpert war. Er verlor das Gleichgewicht und kippte mit rudernden Armen nach hinten, was ihm das Leben rettete. Das Schwert zischte eine Handbreit an ihm vorbei und bohrte sich in einen Baumstamm. Sein Kopf jedoch schlug unsanft auf einer weiteren Wurzel auf. Es wurde ihm schwarz vor Augen. Er kämpfte darum bei Bewusstsein zu bleiben, aber vergebens. Als letztes nahm er noch wahr wie der Unbekannte zu einem neuen Streich ausholte.
Langsam öffnete der Geweihte wieder die Augen. Zu seiner Überraschung fühlte sich der Tod sehr weich an, zudem duftete er nach einer frischen Gemüsesuppe. Dafür dröhnte ihm der Kopf. Hieß es nicht in den Schriften, dass in Morsans Hallen all’ der Schmerz des Lebens vergessen sei? War er am Ende gar bei dem Ungenannten gelandet? Es dauerte noch einige Sekunden bis ihm klar wurde, dass er gar nicht tot war, sondern in seinem Bett in Destelbach lag. Um seinen Kopf war ein dicker Verband gebunden worden und irgendjemand hatte ihn in dicke Decken eingepackt, dass er glaubte zu glühen. Wie war er bloß hier her gelangt? Hatte ihm Astrael einer seiner Diener geschickt, um ihn hier her zu tragen?
In diesem Augenblick wurde die Türe aufgeschoben und eine besorgt dreinblickende Elayra trat herein.
„Euer Gnaden! Vitama sei dank, ihr seid erwacht!“
In den Händen trug sie eine übergroße Schüssel mit einer dampfenden Flüssigkeit, bei der es sich wohl um die Gemüsesuppe handeln musste.
„W...wie...“
„Nein, jetzt keine Fragen, ihr müsst euch erst ausruhen!“
Sebian wollte aufbegehren, sah dann jedoch schnell ein, dass er in diesem Zustand weniger als je zuvor eine Chance gegen sie gehabt hätte. Also lies er sich für den Rest des Tages bemuttern.

Auch am nächsten Morgen wurde er von seiner Haushälterin noch zu Bettruhe verdonnert. Es zeigte sich schnell, dass er bis auf eine ziemlich dicke Beule keine weiteren Schäden von dem nächtlichen Überfall davon getragen hatte. Gerade als der Unbekannte das zweite Mal ausholen wollte waren Pelos und Bar aufgetaucht. Elayra hatte sie in böser Vorahnung dem Geweihten nachgeschickt, damit sie ihm mit einer Lampe entgegen gingen. Von dem unerwarteten Besuch aufgeschreckt war die Gestalt geflohen bevor sie ihre Tat zu Ende führen konnte. Die Beiden hatte den Geweihten gefunden und ihn mühevoll zurück ins Dorf geschleppt.
Natürlich nutzte seine Haushälterin die Gelegenheit um Sebian vor Augen zu führen, wie gefährlich es in der Dunkelheit auf den Straßen war. Sie war der festen Überzeugung, dass es sich bei dem Unbekannten um einen Räuber gehandelt haben musste. Dem Geweihten schien dies hingegen wenig plausibel. Normalerweise beschränkten sich Räuber darauf zunächst einmal nach Dukaten zu fragen und danach zuzuschlagen. Sicherlich, es hätte ein sehr brutaler Abkömmling dieser Sippe sein können, doch daran wollte Sebian nicht glauben. Es erschien ihm merkwürdig, dass ausgerechnet jetzt so etwas geschah. Hatte er durch seine Nachforschungen jemanden aufgeschreckt? Nachdem der Baron ebenfalls ausgeschieden war, blieb nur noch ein Verdächtiger übrig: Gejalf. Der Unbekannte hatte in etwa seine Statur gehabt. Sollte er Angst bekommen und sich daher zu so einer Tat entschlossen haben? Der Geweihte wusste es nicht und weiteres Nachdenken war müßig, also lehnte er sich zurück und schloss die Augen.

Die Vermutung das Gejalf der Mörder war verdichtete sich schon bald. Sebian hatte endlich wieder die Erlaubnis bekommen auf zu stehen und so gesellte er sich am Frühstückstisch zu Pelos und Medelia – der Novize Bar aß wie immer allein bei sich auf dem Zimmer. Die ehemalige Bedienstete des Grafen erzählte besorgt davon, dass der Bote seit zwei Tagen nicht mehr im Schloss war. Er hatte sich davor sehr merkwürdig verhalten und war immer wieder für längere Zeit weg gewesen. Der Geweihte hörte ihr nachdenklich zu. Vielleicht hatte Gejalf nach dem vereitelten Attentat auf ihn die Flucht ergriffen. Wenn es so war, dann würde er keine Möglichkeit mehr bekommen das Verbrechen aufzuklären. Auf sein Bitten hin versprach Medelia ihm, ihn zu Gejalfs Zimmer zu bringen. Vielleicht würde er dort ja etwas mehr erfahren.
So kam es, dass die junge Frau, Pelos und der Geweihte kurz darauf im Herrenhaus des verstorbenen Grafen standen. Zunächst versuchte Sebian es mit Klopfen an der Türe des Boten, es kam jedoch keine Antwort. Auch war sie verriegelt, wie der Geweihte feststellen musste, als er die Klinke hinabdrückte. Er wandte sich zu den beiden anderen herum.
„Medelia, bring mir bitte ein Messer. Und du, Pelos, suchst nach einer dünnen, biegsamen Eisenstange.“
Die Angesprochenen eilten davon und kamen beide kurz darauf mit dem Angeforderten zurück. Staunend beobachteten sie, wie der Geweihte beides an sich nahm und damit im Schloss der Türe hantierte.
„Euer Gnaden, was macht ihr da?“, fragte der junge Mann.
„In meiner Zeit als Novize war ich in der Seelsorge beschäftigt. Immer wieder kamen Diebe zu mir, die nicht mehr weiter wussten. Von denen habe ich mir das ein oder andere abgeschaut.“
Der Diener Astraels grinste zufrieden, als ein leises Klicken ertönte und die Türe aufsprang.
„So, dann wollen wir mal.“
Alle drei betraten das Zimmer. Es war recht klein und enthielt neben einem Bett, dass ziemlich unordentlich war, noch einen kleinen Schrank und eine größere Truhe. An der Wand war ein Kleiderhaken angebracht, an dem ein dicker grüner Umhang hing. Es sah nicht so aus, als wäre der Bote mit all’ seinem Hab und Gut verschwunden.
Sebian näherte sich der Truhe und öffnete sie.
„Euer Gnaden!
Pelos sah schockiert zu ihm.
„Ich sehe nach wohin unser guter Gejalf verschwunden sein könnte, mehr nicht.“
„Aber ihr könnt doch nicht einfach seine Sachen durchwühlen!“
„Fällt dir ein anderer Weg ein, mein Sohn?“
Darauf kam kein weiterer Einspruch mehr. Dennoch beschränkte sich das junge Paar darauf an der Türe zu stehen und das ganze mit einem beschämten Gesichtsausdruck zu beobachten.
Der Geweihte suchte jedoch vergebens. Den ein oder anderen Gegenstand betrachtete er etwas genauer, wie zum Beispiel das kunstvoll gefertigte Messer, in dem die Initialen „B.O.“ eingraviert waren. Den Schlüpfer, den der Mädchenschwarm wohl einer der Mägde aus dem Dorf abgenommen hatte, ließ er lieber schnell wieder in der Truhe verschwinden. Medelia war die Situation auch jetzt schon peinlich genug, wer wusste wie sie auf ein so heikles Kleidungsstück reagieren würde. Schließlich gab Sebian es auf und wandte sich dem Kleiderschrank zu.
„Ist das wirklich nötig, euer Gnaden?“, fragte die ehemalige Bedienstete nochmals nach, während der Geweihte den Schrank öffnete.
„Keine Sorge, ich glaube wir sind fertig.“
Triumphierend zog er ein Stiefelpaar hervor und hielt es in die Höhe. Es war über und über mit rotem Schlamm bedeckt.

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BeitragVerfasst: 4.08.05, 13:47 
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Medelia und Pelos sahen verständnislos zum Geweihten.
„Was soll es mit diesen dreckigen Stiefeln auf sich haben, euer Gnaden?“, fragte der junge Mann.
„Das weiß ich noch nicht.“
„Aha.“
„Aber ich weiß, dass der Baron damit etwas zu tun haben muss! Als ich neulich bei ihm war, trug seine Hose auch diesen Schmutz.“
„Es ist Schlamm, euer Gnaden.“
„Ja, dass sehe ich, mein Sohn.“
„Es gibt auf dem Land sehr viel Schlamm, euer Gnaden.“
Sebian seufzte.
„Ja, natürlich. Aber es ist genau der selbe Schlamm, Pelos!“
„Woher wollt ihr das wissen?“
„Wie oft hast du schon so rötlichen Schlamm gesehen?“
Der Mann zuckte mit den Schultern und kräuselte dann seine Stirn leicht.
„Nicht oft, schätze ich.“
„Eben!“
Noch immer standen die beiden jungen Leute da und sahen ihn hilflos an. Sie wollten offenbar die Tragweite seiner Entdeckung nicht begreifen. In seinem Kopf formte sich jetzt schon ein neues Bild. Er war überzeugt der Lösung des Rätsels endlich ganz nah gekommen zu sein.
„Pelos?“
„Ja, euer Gnaden?“
„Meinst du, du kannst herausfinden wo in der Umgebung es solchen Schlamm gibt?“
„Ich werde es versuchen, wenn ihr es wünscht.“

Die Drei waren daraufhin zum Dorf zurückgekehrt, doch schnell ernüchterte Sebian. Niemand im Dorf schien zu wissen, wo man solch einen Schlamm finden konnte. Also zog der Geweihte sich wieder in sein Arbeitszimmer zurück. Sein Vorgänger hatte ihm einige Bücher hinterlassen, darunter auch eine Beschreibung der näheren Umgebung. Er wälzte ein Buch nach dem anderen, aber auch dort konnte er nichts finden. Offenbar war der Schlamm einfach vom Himmel gefallen. Resignierend gab Sebian spät in der Nacht auf und legte sich ins Bett.
In der Nacht träumte er wilde Dinge. Er sah sich selbst vor einem riesigen Stiefelpaar davon laufen, dass ihn in ein Feld voller Schwerter trieb. Noch dazu war der Boden von einer schmierigen roten Masse bedeckt, die ihn immer wieder ausgleiten ließ. Schweißgebadet erwachte er.
Am nächsten Morgen sollte er eine Messe abhalten und hatte daher keine Zeit sich weiter um den Mordfall zu kümmern. Wie immer war die kleine Kapelle gut besucht und Sebian freute sich auch einige der Glücksspieler zu sehen, die späte Reue zeigten. Danach kamen Medelia und Pelos zu ihm.
„Euer Gnaden, könnten wir kurz mit euch sprechen?“, fragte der ehemalige Dorftrottel schüchtern.
„Sicher doch, meine Lieben. Worum geht es?“
Der Geweihte nahm den Weihwasserkelch und stellte ihn beiseite.
„Wir haben über das Gesprochen, was ihr mir vor einigen Tagen geraten habt.“
Der ältere Mann sah etwas verständnislos zum jüngeren, so dass dieser sich genötigt sah seine Worte zu erklären.
„Der Vitamabund, euer Gnaden.“
„Oh.“
„Wir haben uns entschlossen diesen einzugehen, sobald der Mord aufgeklärt wurde.“
Sebian lächelt fröhlich.
„Es freut mich, dass ihr diesen Schritt begehen wollt. Ich denke da sind wohl meine Glückwünsche angebracht.“
Medelia senkte verlegen den Blick.
„Wir hätten noch eine Bitte an euch, euer Gnaden.“
„Ja?“
„Es wäre uns einer Ehre, wenn ihr uns trauen würdet.“
Das Lächeln des Geweihten gefror.
„Ich? Aber ich bin doch ein Diener Astraels... ich habe so etwas noch nie gemacht. Soll ich nicht lieber einen Diener Vitamas aus der nächsten Stadt kommen lassen?“
„Macht euch keine Sorge, euer Gnaden, das stört uns nicht. Ihr habt so viel für uns getan. Bitte.“
Sebian seufzte und nickte dann schwach. Glücklich verließen die beiden jungen Leute die Kapelle. Alle drei sahen sie nicht wie der Novize Bar im Hintergrund den Kopf schüttelte und sich einige Notizen in sein Buch machte.

Nachdenklich schlenderte der Diener Astraels einen Zyklus später über den Marktplatz, als er auf zwei Bauern aufmerksam wurde, die an einem Karren herumhantierten.
„Kann ich euch helfen?“
Beide Männer sahen auf und zogen grüßend ihren Hut vom Kopf.
„Nein, habt vielen Dank, euer Gnaden.“, antwortete der eine.
„Die Metallstange, die den Karren mit dem Joch verbindet, ist gebrochen.“, meinte der andere.
„Wie kann das passieren?“
Sebian trat mit der für ihn typischen Neugier näher.
„Es ist durchgerostet, euer Gnaden.“
„Durchgerostet?“
Der Geweihte sah auf die verrostete rote Eisenstange hinab. Verwirrt sahen die beiden Bauern ihm nach, als er davon spurtete.
„Was ist denn mit dem los?“
„Ach du weißt doch, Geweihte...“
Schulterzuckend machten sie sich wieder an die Arbeit.

Sebian hetzte an der protestierenden Elayra vorbei, die ihn mahnte seine Schuhe gefälligst abzuputzen. In seinem Arbeitszimmer angelangt ging er zum Regal mit den Büchern und überflog die Titel. Eine verärgerte Haushälterin folgte ihm.
„Euer Gnaden, wie könnt ihr nur...“
„Das ist es!“
Der Geweihte zog ein Buch hervor.
„Das ist was?“
„Minerale!“
Die wohlbeleibte Frau sah ihn skeptisch an. Sie musste wohl der Meinung sein, dass er jetzt ganz durchgedreht war, doch das störte ihn nicht. Er legte das Buch auf den Tisch und blätterte hastig darin.
„Wie dem auch sei, dass ist noch lang kein Grund...“, versuchte sie es erneut.
„Hier! Eisen!“
„Eisen?“
„Ja, Eisen! Wenn Eisen verrostet nimmt es eine rötliche Färbung an. Daher ist der Schlamm in Eisenminen oft rötlich!“
„Aha.“
Er sah lächelnd zu ihr auf.
„Versteht ihr denn nicht? Der Baron meint Gold gefunden zu haben. Vermutlich hat er eine Mine graben lassen und Gejalf war dort!“
„Und deshalb lauft ihr mit dreckigen Schuhen... Halt, wo wollt ihr denn hin?“
Doch Sebian war schon verschwunden.

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BeitragVerfasst: 5.08.05, 13:48 
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Schon einen halben Zyklus später standen Sebian und Pelos vor dem Eingang der Mine. Der Geweihte hatte seinen Schützling nach seiner Entdeckung umgehend aufgesucht. Dieser wusste von der Mine und auch wo sie lag. Er hatte, als er noch für den Wirt arbeitete, einige Bauern belauscht, die für den Baron arbeiteten. Angeblich sollte man bisher noch keinen einzigen Brocken Gold gefunden haben, dennoch ließ der Adelige immer tiefer Graben. Sebian war daraufhin überzeugt gewesen, dass er dort weitere Hinweise zur Lösung des Rätsels finden würde und hatte Pelos los geschickt um zwei Pferde zu leihen.
Nun betrachteten beide den finstren Schlund.
„Wollen wir da wirklich rein, euer Gnaden?“
„Ich bin überzeugt davon dort das zu finden, was ich suche.“
„Und warum sind hier keine Arbeiter?“
„Es hat in der letzten Nacht stark geregnet. Es ist in diesem Fall zu gefährlich weiterzugraben.“
„Äh...“
„Ach, mach dir keine Sorgen, die Götter werden schon auf uns acht geben!“
Der junge Mann wirkte wenig überzeugt, machte sich aber dennoch daran seine Lampe zu entzünden. Beide traten sie vorsichtig näher, bis sie in die Dunkelheit abtauchten. Sie konnten nur wenige Schritt voraus sehen, was vermutlich auch besser war: Die Stützbalken wirkten nicht sehr vertrauensselig. Je weiter sie voran kamen, desto schmieriger wurde der Boden. Ein kurzer Blick nach unten bestätigte den Verdachte des Geweihten: Es war roter Schlamm.
Der Weg führte stetig weiter nach unten. Nicht lange und sie kamen zu einer Weggabelung. Nach kurzem überlegen Entschied sich der Geweihte für den rechten Gang, auch weil aus dem linken beunruhigendes Plätschern zu hören war. Vielleicht hatte er die Gefahr ja doch unterschätzt, aber er wollte nun auch nicht mehr umkehren. Irgendetwas musste hier unten sein, dass konnte Sebian spüren.
Es sollten noch weitere Weggabelungen folgen. Hier und da ging ein Stollen zur Seite ab und endete nach wenigen Schritten. Die Luft wurde warm und stickig. Schon bald waren beide Männer durchschwitzt.
„Euer Gnaden, seid ihr sicher, dass wir noch weiter gehen sollten?“
„Nur Mut, mein Sohn. Ich glaube wir sind nah dran!“
Der Gang vor ihnen knickte nach links ab. Sebian hatte die Biegung fast erreicht, als er mit seinem Fuß unsanft gegen einen Stein stieß und vornüber kippte.
Seine Lampe fiel scheppernd zu Boden und erlosch, er selbst landete mehr oder weniger sanft im Schlamm. Hastig kam Pelos zu ihm geeilt.
„Alles in Ordnung, euer Gnaden?“
Brummelnd drückte sich der Geweihte wieder hoch.
„Ja, ja. Nur werde ich die nächsten vier Tage wieder von Wasser und Brot leben müssen.“
Er wischte sich seine Hände an der nun ohnehin vollkommen verdreckten Robe ab.
„Komm mal etwas näher und leuchte mir, sonst finde ich meine Lampe nie.“
Der junge Mann tat wie ihm geheißen.
„Wo ist sie nur? Ach hier, bei dem... bei den Vieren!“
Was der Gestürzte bisher für einen Stein gehalten hatte stellte sich im Licht auf einmal als Fuß heraus. An dem Fuß hing ein Bein, dass wiederum mit einem Torso verbunden war. Dieser gehörte zu Gejalf dem Boten – einem toten Gejalf.
„Nun haben wir ein Problem.“

Es dauerte einige Zeit, bis Pelos sich wieder beruhigt hatte. Währenddessen untersuchte Sebian die Leiche flüchtig. Offenbar war sie erstochen worden und das lag wohl schon einige Tage zurück. Das erklärte zumindest warum er sich nicht mehr im Schloss hatte blicken lassen. In der Hand des Toten fand der Geweihte zudem ein zerknülltes Stück Pergament. Es dauerte einige Zeit bis er es aus der erstarrten Hand der Leiche befreit hatte. Als er versuchte es zu lesen wurde er jedoch enttäuscht. Bei dem schlechten Licht war es zwecklos, also steckte er es in seine Robentasche. Schließlich wandte er sich wieder seinem Schützling zu.
„Komm, wir gehen.“
„Wollt ihr ihn einfach so liegen lassen, euer Gnaden?“
„Wir sind beide nicht die Stärksten und Gejalf war sehr massig. Ich denke nicht, dass wir ihn hinauf bringen können. Außerdem wäre es schlecht wenn der Baron so erfahren würde, dass wir hier unten waren. Er würde dann ahnen, dass wir ihm auf die Schliche gekommen sind.“
„Sind wir das denn?“
„Ja.“
„Aha.“
Widerwillig gab der junge Mann schließlich nach und sie machten sich auf den Rückweg. Sebian rechnete damit, dass die Arbeiter morgen wieder zur Mine kommen würden, dann würden sie den Toten sicherlich finden. Es fiel ihm sehr schwer ihn zurückzulassen, verstieß es doch gegen die Lehren Morsans. Insgeheim fragte er sich natürlich, warum der Bote umgebracht worden war. Wusste er zu viel? Hatte jemand den Mörder beseitigt, um selbst unerkannt zu bleiben? Er würde es herausfinden.

Es dauerte einige Zeit, bis sie die Mine verlassen hatten. Das ein oder andere Mal verliefen sie sich, aber letztendlich schienen ihnen die Götter wohlgesonnen zu sein. An Tag erwartete den Geweihten allerdings eine weitere Enttäuschung: Dass er das Pergament nicht lesen konnte lag nicht nur an dem Licht, sondern auch an der Feuchtigkeit im Bergwerk – es war unleserlich geworden. Anscheinend hatte das Rätsel um den Mord am Grafen sich entschlossen alles zu tun um sich einer Lösung zu entziehen. So bestiegen sie die Pferde und ritten schwermütig und ziemlich dreckig zurück nach Destelbach.

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BeitragVerfasst: 6.08.05, 12:55 
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Abends saß Sebian bei einer trockenen Scheibe Brot grübelnd vor seinen Aufzeichnungen. Langsam blätterte er um.
Der Graf wurde tot in der Bibliothek gefunden. Sein Verwalter hatte Spielschulden, war aber zur Tatzeit nicht im Schloss gewesen. Ebenso wenig die Bedienstete des Grafen, die bei ihrem Freund Pelos gewesen war. So blieben nur noch die Köchin und Gejalf, wobei die erste ein viel zu gutes Gemüt hatte, um einen Mord zu begehen, und der zweite inzwischen auch tot war. Außer zu seinem Todestag musste der Bote noch mindestens ein weiteres Mal in dem Bergwerk gewesen sein, wie die dreckigen Stiefel bezeugten. War er dem Geweihten in der Dunkelheit, als er vom Baron zurückkehrte, aufgelauert und hatte versucht ihn umzubringen? Doch woher sollte er gewusst haben, dass Sebian diesen Weg entlang kam? Hatte der Baron ihm eine heimliche Nachricht zukommen lassen? Wedesto Hornstein schien jedenfalls ebenfalls eine Entschuldigung für den Zeitpunkt des Mordes zu haben. Hatte er also Gejalf beauftragt?
Sebians Blick fiel auf das unleserliche Stück Pergament. Irgendwie schien es nicht in seine Theorien hineinzupassen. Was war auf diesem Zettel gestanden? Hatte der Bote versucht den Baron zu erpressen? Langsam drehte er den Fetzen in seiner Hand hin und her. Die Schrift war zu verwaschen um sie lesen zu können, aber der Autor schien viel wert auf das Aussehen gelegt zu haben. Hier und da meinte er sogar einige Kapitälchen und anderes schmückende Beiwerk zu erkennen. Wenn jemand einen Erpresserbrief schrieb, dann wäre dieser wohl eher hingekritzelt als gemalt, oder nicht? War das Pergament am Ende aus einem Buch herausgerissen worden? Sollte das stimmen so würden sich dort sicher weiterer Hinweise auf das Mordmotiv und sogar den Mörder finden lassen. Kurz entschlossen schob der Geweihte sich den Zettel in die Tasche und griff seinen Hut. Zum Glück würde er Elayra nicht erklären müssen wo er zu dieser späten Stunde hinging, denn die saß beleidigt in der Waschstube und versuchte von der Robe zu retten was noch zu retten war.

Unbehelligt erreichte er so einige Zeit später das Herrenhaus des Verstorbenen. Er beschloss zuerst in dem Zimmer des Boten zu suchen. Das gestaltete sich jedoch schwerer als erwartet. Da Medelia inzwischen bei ihrem Verlobten lebte und die Köchin sich ganz allein in dem riesigen Gebäude fürchtete, war auch sie inzwischen ins Dorf zu Verwandten gezogen, weshalb das große Gebäude nun dunkel und verlassen in der Landschaft lag. Zum Glück hatte der Geweihte wenigstens einen Schlüssel für das Anwesen bekommen, dennoch brauchte er einige Zeit um eine Kerze zu finden und diese zu entzünden. Schließlich gelang es ihm jedoch ein wenig Licht in die Finsternis zu bringen und er suchte sich seinen Weg durch die Gänge des Schlosses.
Es lag wohl an den unzähligen verworrenen Gängen, dass er sich letztendlich verlief. Als er das bemerkte war es allerdings schon zu spät. Ein Versuch sich zu orientieren scheiterte kläglich. Er bog um die nächste Ecke und atmete erleichtert auf. Wenn er sich nicht irrte, dann war zu seiner Linken die Türe zur Bibliothek. Von hier aus würde er den Weg finden. Irgendetwas hielt ihn jedoch vom Weitergehen ab. Es war als winkte jemand in seinem Unterbewusstsein mit einem großen roten Schild, jedoch vermochte er nicht zu sagen was auf diesem Schild stand. Langsam wanderte sein Blick über die von der Kerzenflamme erleuchteten Dinge. Da war ein großer Wandteppich, der ein abstraktes Muster zeigte, eine Vase mit vertrockneten Blumen und schließlich die Türe der Bibliothek selbst. Verdutzt blinzelte Sebian. War da nicht ein Lichtschein, der unter der Türe hinausschlüpfte? Nur schwach schien er zu sein, aber beständig. Doch von was sollte dieser kommen?
Entschlossen griff der Geweihte nach dem Griff und drückte ihn nieder. Er brauchte etwas Kraft, dann jedoch schob sich die Türe einen Spalt weit auf. Das Licht wurde nun heller und er erkannte, dass es von dem Kamin in der Bibliothek stammte. Den Spalt weiter vergrößernd, wollte er schon eintreten, als er einer dunklen Gestalt gewahr wurde. Ihre Umrisse schienen durch das flackernde Licht der Flammen zu verschwimmen, aber er erkannte deutlich, wie sie einen Arm hob und dann etwas in das Feuer warf. Sebian musste nicht lange überlegen. Da war einmal ein Zettel, den ein toter Mann bei sich getragen hatte und der wohl aus einem Buch herausgerissen worden war, und nun fand er eine verhüllte Gestalt in einer Bibliothek, die ganz offensichtlich versuchte ein Buch zu verbrennen. Der Geweihte zählte Eins und Eins zusammen und verwettete seinen Hut, dass es sich bei diesem Werk um das gesuchte handelte. Ruckartig stieß er die Türe auf, wodurch sie einen quietschenden Ton von sich gab. Der Unbekannte drehte dadurch aufgeschreckt seinen Kopf in Richtung des Zimmereingangs, nur um im nächsten Augenblick in Richtung des Fensters – das, wie der Diener Astraels jetzt erst bemerkte, geöffnet war – zu spurten und hinaus zu springen. Leider hatte Sebian nicht das Gesicht der Gestalt erkennen können. Er hatte in diesem Moment nur noch Augen für das Buch. Eilig trat er näher und holte die brennenden Überreste aus den Flammen. Um das Feuer zu ersticken wickelte er seinen Fund schnell in einen kleinen Teppich ein, der neben dem Kamin lag. Dann erst widmete er sich der Verfolgung des Unbekannten, von dem jedoch nichts mehr zu sehen war. Diesmal wies das Fenster ganz deutliche Einbruchspuren auf, wie der Geweihte zu seiner Genugtuung feststellte.
Von dem Buch jedoch hatte er nicht mehr viel retten können. Das Pergament musste sehr trocken gewesen sein. Beim Durchblättern der von den Flammen geschwärzten Seiten fiel ihm eine Stelle auf, bei der offenbar etwas herausgerissen worden war. Er zog den Zettel aus seiner Robentasche hervor und tatsächlich: er passte wie angegossen – soweit sich das noch erkennen ließ. Nun musste er also nur noch herausfinden, worum es sich bei dem Buch gehandelt hatte. Schließlich wurde er auf der zweiten Seite fündig. Mit dem Fingernagel hatte er etwas von dem Ruß abgekratzt und konnte einige der Zeichen entziffern:
„T...geb...h d... Zere...s von D...bach“
Es dauerte einige Zeit bis Sebian hinter das Geheimnis kam, doch dann war er überzeugt, dass es sich dabei nur um einen Titel gehandelt haben konnte:
„Tagebuch des Zerelus von Destelbach“

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BeitragVerfasst: 8.08.05, 14:34 
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Was auch immer in dem Buch gestanden hatte, es war nicht mehr zu retten. So leicht wollte sich Sebian aber nicht geschlagen geben. Wenn der Graf ein Tagebuch hier in der Bibliothek aufbewahrt hatte, dann vielleicht auch andere. Das Buch in seinen Händen war jedenfalls viel zu dünn um alle Gedankengänge des Toten über all die Jahre zu fassen. Wenn er herausfinden könnte wo das Buch entnommen wurde, dann wäre es über das vorausgegangene und nachfolgende Tagebuch leicht den Zeitraum einzugrenzen – vorausgesetzt der Verstorbene hatte regelmäßig einen Eintrag verfasst und das ganze chronologisch sortiert im Regal untergebracht.
Er konnte allerdings erst mit dem Suchen anfangen als es hell wurde, davor war die Beleuchtung zu spärlich. Langsam ging er die großen Bücherschränke auf und ab und suchte dabei nach einer Lücke. Hier und da glaubte er sie gefunden zu haben, doch immer wieder zeigte sich, dass darin noch ein kleines unscheinbares Werk versteckt war. Fast den gesamten Hellzyklus dauerte es bis er endlich erfolg hatte. Glücklicherweise war der Graf wohl ein sehr ordentlicher Mensch gewesen, der dazu neigte ausführlich Tagebuch zu führen. Das verbrannte Schriftstück musste in einem Zeitraum von vierunddreißig bis sechsunddreißig Jahren vor Heute gelegen haben.
Nachdenklich trat der Geweihte seinen Heimweg an. Was konnte zu dieser Zeit geschehen sein? War es ein Streit zwischen den Destelbachs und den Hornsteins? Gab es ein einschneidendes Ereignis, dass den Mord erklären konnte? Je näher er der Lösung des Rätsels kam, desto verwirrender war es. Immer wieder trag er auf Teile, die einfach nicht in das Puzzle passen wollten. Was ihm fehlte war ein Motiv.

Zwei weitere lange Tage vergingen, in denen er immer wieder alles im Kopf durchging. Er war sich sicher irgendetwas übersehen zu haben.
Währenddessen nutzte der Novize Bar Cabol die Zeit, um an seiner Intrige weiterzuarbeiten. Beinahe das ganze Buch hatte er inzwischen mit Verfehlungen des Geweihten gefüllt. Es musste einfach ausreichen um ihn selbst zum Geweihten zu machen. Trotzdem wollte er noch warten, denn er war sich sicher, dass Sebian sich bald noch mehr zu Schulden kommen lassen würde.
Medelia und Pelos steckten in den Hochzeitsvorbereitungen. Beide hatten auf ihre unschuldig naive Art absolut keinen Zweifel daran, dass der Geweihte den Mord bald lösen würde. Das Ansehen des jungen Mannes war inzwischen durch seine Arbeit gestiegen – keiner wagte es noch ihn als Dorftrottel zu bezeichnen. Doch es ging noch viel weiter: Als die Verlobung der beiden jungen Leute im Dorf bekannt wurde, kam der Wirt zu seinem ehemaligen Knecht und bot ihm – um der alten Zeiten willen – an, das Hochzeitsmahl kostenlos auszurichten. Die Verlobten freuten sich darüber sehr und sagten zu. Sie konnten ja nicht wissen, dass Sebian wenige Tage zuvor beim Wirt gewesen war und ihm vorgerechnet hatte, wie viel er dem jungen Mann noch an Lohn schuldete.
Auch Elayra war vom Hochzeitsfieber angesteckt. Sie hatte sich angeboten der ehemaligen Bediensteten des toten Grafen ein Kleid zu nähen. Keine Mühe scheuend, ließ sie dafür sogar einen Tuchhändler aus der nahen Stadt kommen. Seitdem war sie nur noch selten außerhalb ihrer Kammer zu sehen, in der sie Zyklus für Zyklus schuftete. Sebian konnte das nur Recht sein, so musste er sich wenigstens nicht immer wieder ihre Schelte anhören, weil er schon wieder etwas getan hatte, was sich in ihren Augen nicht für einen Diener Astraels geziemte.
Erst an diesem Tag gerieten sie mal wieder aneinander. Der Geweihte saß draußen auf der Bank, rauchte Pfeife und dachte sich nichts böses, als sie die Türe öffnete.
„Euer Gnaden, was macht ihr da?“
„Ich rauche Pfeife, meine Gute.“
„Wie könnt ihr jetzt daran denken Pfeife zu rauchen?“
„Wieso nicht? Um diese Zeit sitze ich immer hier und entspanne mich etwas.“
„Habt ihr denn nichts besseres zu tun? Die Hochzeit von Medelia und Pelos soll schon bald stattfinden!“
Sebian seufzte schwermütig. Musste sie ihn unbedingt daran erinnern?
„Ja, ich weiß, meine Liebe.“
„Und warum sitzt ihr dann hier draußen?“
„Wo sollte ich denn sonst sitzen?“
„Na in eurem Schreibzimmer, schließlich habt ihr so etwas noch nie gemacht!“
„Elayra, ich rauche doch nur meine Pfeife.“
„Ja eben!“
„Ich bin bald fertig und kann dann weiter arbeiten.“
Die Haushälterin kniff die Augen zusammen.
„Der Bund der beiden soll schön und makellos sein. Ihr wollt sie doch nicht enttäuschen, euer Gnaden?“
„Nein, will ich natürlich nicht. Deshalb mache ich ja auch nur eine kurze Pause.“
Doch die Frau schien seine Antwort einfach zu übergehen.
„Damit ist nämlich nicht zu spaßen, euer Gnaden. Am Ende erkennt Vitama den Bund gar nicht an und das kann schlimme Folgen haben! Wie bei meiner Cousine. Sie hatte ja so einen netten Mann kennen gelernt, doch die Hochzeit war eine Katastrophe! Einfach alles ging an diesem Tag schief. Und dann, nicht einmal ein Jahr später, war ihr Mann davongelaufen und sie blieb schwanger zurück. Hach, die Arme...“
Lachend sprang Sebian auf und umarmte seine Haushälterin übermütig. Noch ehe sie etwas sagen konnte, hatte er sie auf die Wange geküsst und war an ihr vorbei ins Haus geeilt. Verdutzt sah sie ihm nach, denn so hatte sie ihn noch nicht erlebt. Was er an dieser Tragödie bloß so lustig fand?
Im Haus griff Sebian nach Pergament und Tinte und setzte einen Brief an die Wachmannschaft der Garnison auf. Endlich ergab alles einen Sinn.

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BeitragVerfasst: 9.08.05, 14:23 
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Am nächsten Tag traf sich Sebian mit einer kleinen Gruppe Soldaten unweit des Schlosses des Barons. Sie sollten den Weg blockieren, während er das Herrenhaus aufsuchen würde um den Mörder zu überführen. Der Geweihte vermutete, dass dieser daraufhin fliehen würde – genau in die Arme der wachenden Soldaten. So sah zumindest der Plan aus.
Als Sebian das Anwesen des Barons betrat, sah er ihn und seinen Schmied beieinander stehen, wie sie auf eine Karte hinabsahen und offenbar kräftig miteinander diskutierten. Er näherte sich einige Schritte.
„Dem Allsehenden zum Gruße, Baron Hornstein, Schmied Baltasar.“
Die beiden angesprochenen sahen von der Karte auf. Der Blick des Barons war mürrisch wie immer, der Schmied hingegen wirkte angespannt.
„Ich hoffe ich komme nicht ungelegen?“
Wedesto Hornstein ergriff das Wort.
„Bellum zum Gruße, euer Gnaden. Nein, natürlich nicht.“
Er faltete die Karte etwas schneller als nötig zusammen und steckte sie in die Tasche seines Gehrocks.
„Wie kann ich euch helfen, euer Gnaden?“
„Ich bin wegen dem Mord hier.“
Das Gesicht der beiden verdüsterte sich.
„Es wird euch vielleicht freuen zu hören, dass ich den Fall nun geklärt habe.“
„So? Und warum erzählt ihr uns das?“, meinte Baltasar mürrisch.
„Nun ihr könnt wieder sorgenfrei leben und müsste keine Angst haben, dass der Mörder auch euch besucht.“
„Bestand denn Gefahr dazu, euer Gnaden?“; der Baron wirkte nun doch unsicher.
„Man kann ja nie wissen, Baron.“
Sebian lächelte, ehe er fortfuhr.
„Doch eines ist mir noch nicht ganz klar.“
„Ja?“
„Wie sagtet ihr, Baron, hieß noch gleich die Mutter von Baltasar?“
„Derna Ovelenthal“, antwortete der Angesprochene beinahe automatisch, nur um ärgerlich hinzuzufügen:
„Wartet, ich nannte euch den Namen doch gar...“
Doch Sebian ließ ihn nicht aussprechen. Aus seiner Tasche zog er die Überreste des verbrannten Buches hervor und hielt sie dem Schmied hin.
„Dann habt ihr dies vergessen, Baltasar Ovelenthal.“
Erschrocken sah dieser hinab. Noch bevor der Graf oder der Geweihte reagieren konnten wandte er sich zur Flucht und rannte davon – genau in die Arme der Soldaten, die sich inzwischen unweit des Eingangs platziert hatten. Verdutzt sah Hornstein dem Mann nach.
„Wie...?“
„Nun Baron, ich glaube ich schulde euch eine Erklärung...“

Sebian begann zu erzählen, während die Soldaten den Davongelaufenen zurückbrachten. Es hatte alles vor etwas mehr als 36 Jahren begonnen. Der Graf, damals noch ein gutes Stück jünger, hatte eine Frau getroffen und sich in diese verliebt. Es kam zu einer gemeinsamen Nacht und seine Geliebte trug darauf das Geschenk Vitamas unter dem Herzen. Als Zerelus von Destelbach jedoch davon erfuhr, wollte er von dem Kind und seiner Mutter nichts mehr wissen. Zudem begab es sich zufällig, dass diese Frau auch noch die Bedienstete seines ärgsten Feindes, des Barons, war. So gebar sie einen Sohn: Baltasar. Als er alt genug war, erzählte sie ihm davon wer sein Vater war und in ihm begann sich Zorn zu regen. Er hasste seinen Vater weil er seine Mutter im Stich gelassen hatte.
Eines Tages begegnete er Gejalf, dem Boten des Grafen. Die beiden schlossen Freundschaft und als Zeichen dafür fertigte der Schmied seinem Freund ein Messer, dass er stolz mit seinen Initialen versah: B.O.
Immer wieder trafen sie sich, manchmal sogar in der Goldmine. Eines Abends dann kam Baltasar mit zu Gejalf. Doch als er ging, täuschte er dies nur vor. Stattdessen lief er dem Grafen über den Weg und sah darin die Möglichkeit sich endlich für seine inzwischen verstorbene Mutter zu rächen. Von Destelbach bemerkte seinen Sohn nicht und betrat die Bibliothek. Baltasar schlich ihm hinterher und ermordete ihn. Anschließend flüchtete er aus dem Fenster, worauf die Kerzen durch den Windzug erloschen.
Baltasar dachte, dass er damit durchkommen würde, doch Sebian stellte Nachforschungen an. Er versuchte den Geweihten aus dem Weg zu räumen, indem er ihm im Wald auflauerte – beinahe wäre es geglückt. Jedoch war der Geweihte nicht der einzigste, der misstrauisch geworden war. Gejalf wusste, dass Baltasar am Abend im Schloss war. Schließlich stieß er auf das Tagebuch des Grafen, der dort die Beziehung mit Derna schilderte. Gejalf wollte seinen Freund in der Mine stellen, indem er ihm den Ausschnitt zeigte, den er aus dem Buch herausgerissen hatte. Baltasar bekam es mit der Angst zu tun und erschlug auch noch den Boten. Dann brach er in die Bibliothek ein und versuchte den Beweis zu verbrennen, wo er vom Geweihten überrascht wurde.
Der Baron wusste nicht was er sagen sollte, als Sebian fertig war. Selbst der Schmied schien überrascht zu sein. Am Ende gab er die Tat aber zu.

Knapp eine Woche später stand Sebian zitternd vor der Türe und starrte sie an. Sein Hals fühlte sich trocken an und er war erschöpft. Die Nacht zuvor hatte er kaum geschlafen. Immer wieder ging er in seinem Kopf die Zeilen durch. Schließlich faste er sich ein Herz, setzte ein gezwungenes Lächeln auf und trat in die Kapelle.
„Dem Allsehenden und der Liebenden zum Gruße, meine Kinder!“
Langsam ließ er den Blick über die Anwesenden gleiten. Fast das ganze Dorf war versammelt. Sein Blick blieb bei Medelia und Pelos in der ersten Reihe hängen, die beide festlich gekleidet waren.
„Na dann wollen wir die beiden mal trauen.“, murmelte Sebian.

Zur selben Zeit gab ein Bote seinem Pferd die Sporen und machte sich auf den langen Weg nach Draconis – bei sich trug er ein Buch, gefüllt mit den Beobachtungen des Novizen Bar Cabol.

Ende.

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