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*Ein schlacksiger Junge, vielleicht gerade 14, höchstens 15 Götterläufe alt, klopfte an die Tür des alten Gemäuers und übergab einen Brief an den älteren Herrn, welcher die Tür geöffnet hatte. Ein paar Hände weiter landete der Brief auf dem Schreibpult seines Empfängers, einem etwas dicklichen Jungen, wohl selbst erst so um die 16 Götterläufe herum alt, zumindest wirkte er nicht wesentlich älter. Er drehte den Brief herum, ehe er ihn öffnete und ihn zu lesen begann. Mit jeder Zeile wirkte er irgendwie trauriger, zum Ende hin als würde ihn der Mut völlig verlassen und er seufzte tief aus.*
Ach Hanna. Was soll ich hier denn nur ohne dich machen?
*Er zog ein Blatt Pergament hervor und tunkte den Federkiel der bauschigen gräulichen Feder in die Tinte um seine Antwort zu verfassen.*
Meine liebste Hanna,
verzeih, dass ich dir nicht schon bei deinem ersten Brief an mich antwortete, aber es war einfach zu viel hier los. Du weißt ja wie die anderen so sein können, aber mach dir deshalb keine Gedanken. Außerdem war es schlimm für mich, dass du einfach so gegangen bist, ohne dich zu verabschieden.
Ich freue mich aber für dich, dass du sowohl deinen Vater als auch eine Liebe gefunden hast.
*Für einen Moment hält er beim schreiben inne und sieht auf seinen letzten Satz. Ein kleiner und nur leiser Seufzer dringt über seine Lippen, ehe er den Federkiel nur wieder in die Tinte tunkt um weiter zu schreiben.*
Ich hoffe, dass dein Leben dort auf Siebenwind ist, so ist, wie du es dir von deinem Leben erwartet hast, du weißt ja, dass ich dir immer nur das Beste für dein Leben gewünscht habe und es immer noch tue. Du fehlst mir sehr, meine Hanna. Hier ist es einfach nicht mehr so wie es sein sollte, seit dem du weg bist. Ich vermisse dich mehr als gut ist.
*Wieder unterbricht er sich beim schreiben und starrt auf sein Geschriebenes hinab. Nimmt dann den Brief und zerknüllt ihn zu einer Kugel um diese weg zu werfen.
Nein, dass sollte sie so nicht bekommen.
Ein neues Pergament auf das Pult legend fängt er erneut an zu schreiben.
01.Querler 16 nH
Liebe Hanna,
ich freue mich so für dich, dass du gefunden hast, was du suchtest. Auch wenn es vielleicht viel verlangt erscheint, aber, ich würde mich freuen, wenn du mir mehr von deinem Vater und deinem Liebsten schreiben würdest. Wie ist das Leben auf dieser Insel überhaupt? Wie ist das Wetter? Wie die Leute? Ich weiß diese Fragen mögen dir Banal vorkommen, aber du weißt ja, dass ich nie weiter hinaus kam, als gerade eben vor die Tore der Akademie.
Hier in der Akademie ist alles beim Alten geblieben. Die selben Schüler, die selben Lehrer, aber etwas vertrautes ist nie wirklich schlecht. Ich sitze immer noch oft unter dem Baum, unter welchem wir sonst saßen und gebe mich meinen Studien hin. Ein gutes hat es ja dass du fort bist, ich habe einfach mehr Zeit zu lernen. Jetzt sitze ich gerade mit einem Schmunzeln da, weil ich genau weiß, wie du guckst, völlig ungläubig und so als wenn du sagen wolltest "Dieser Jona, sein Humor ist noch immer genauso schlecht." Die Wahrheit ist, dass du hier in der Akademie fehlst. Ein Felaschein weniger fällt eben doch auf.
Ich hoffe, dass du mit deinen Studien gut voran kommst und dass bei dir auch ansonsten alles so ist wie es sein sollte. Bevor ich aber jetzt anfange mich zu wiederholen, werde ich den Brief an dieser Stelle nun beenden. Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn du mir trotz deiner Schreibunmut, mir trotzdem weiter schreiben würdest.
Jona
*Er nimmt das Blatt nochmals zur Hand und liest über seine Zeilen, ehe er es faltet und mit etwas Siegellack verschließt, danach noch die letzten Federstriche hinzufügend, welche Name und Ort beinhalten wo der Brief hin soll. Mit langsamen und ein wenig schwerfällig wirkenden Schritten bringt er jenen Brief hinaus um dafür zu sorgen, dass er auf seinen Weg geht.*
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Zuletzt geändert von Isodora: 14.08.05, 10:40, insgesamt 1-mal geändert.
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