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 Betreff des Beitrags: Nordmanns Handel
BeitragVerfasst: 10.08.05, 23:13 
Mama des Shards
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Missmutigen Blickes ritt sie auf dem düsteren Pfad Richtung Brandenstein. Der sandfarbene Hengst trottete gemächlich heimwärts, hier und da im vorbeistreifen das Maul mit einem Büschel süßen Grases füllend während seine Reiterin unaufmerksam ihren eigenen Gedanken nachhing. Dieser sture Sohn eines Ziegenbockes wage es ihr ungewöhnlich, großzügiges Angebot auszuschlagen. Er hätte von jemandem ihres Volkes ein besseres Gebot erwartet. Sie erlaubte sich ein zorniges Schnauben. Der Hengst spitze die Ohren, schüttelte dann seinerseits Schnaufend den schweren Schädel, das klingend die Troddeln und dünnen Kupferscheiben seines Geschirres durcheinander wirbelte. „Er hat genau gewusst das ich nicht mit ihren Sitten vertraut bin! Woher soll ich wissen wie Nordmänner verhandeln? Aufgebracht ordnete sie das dünne Tuch um die Schultern, auf dem ungesattelten Rücken des Pferdes kauernd als wäre es ein dickes Sitzkissen. „Und einfach so schiebt er mir die Schande zu, er hat mich faseln lassen als wäre ich einer von diesen Galadonischen Bauern die nicht mal das Wort Handeln kennen!“ Beipflichtend zerkaut ihr stummer Gesprächspartner die knirschenden Gräser. Ein entschlossener, grade zu verbissener Zug lässt sie das Kinn vorschieben, die Haltung straffen und den Hengst antreiben. „Ich werde diesem Berg Walfleisch zeigen was wir zu bieten haben. Ich werde ihm weisen das unser Volk nicht ohne Grund die Meister des Verhandelns sind.“ Zügigen Trabs durchquerten sie den Pass und wenig später waren schon die Lichter Brandensteins zu erkennen.

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BeitragVerfasst: 11.08.05, 10:49 
Mama des Shards
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Funkensprühend und knisternd glühten die Kohlen in der Esse auf. Weiter entfachte sie mit dem knarzenden Blasebalg die Hitze, bis ihre Augen zu tränen begannen und die Umrisse des Tiegels in der glühenden Luft flimmerten als wäre er selbst eine Flamme. Mit zu Schlitzen verengten Augen starrte sie auf die grauen Bruchstückchen des Glasblockes. Die gemahlene Schwefelaschen lagen staubfein auf dem zermalmten, nebeligblinden Glas. Behutsam, das nur nicht der Staub aufwirbelt wird führt sie den Bronzestab durch die knirschende Masse. Eine Suppe aus zermalmten und zersplitterten Glasstücken die mit dem gelblichen Schwefelpulfern und Aschen bedeckt waren. Nicht zu heiß sonst steht dir der Schwefel in Flammen auf! Eilig zieht sie den Tiegel weiter aus dem Feuer. Schiebt die widerspenstigen Bruchstücke in dem glühendheißen Bronzetopf herum, angespannt die Farbe der Splitter beobachtend. Etwas mehr Hitze. Der Topf wird wieder weiter in die Glut geschoben. Schweißtropfen sammeln sich zu kleinen Rinnsalen in den Furchen der angestrengt gerunzelten Stirn. Die zarten Härchen auf den Unterarmen vergehen stinkend und ihr Leben aufkräuselnd in der Gluthitze. Doch auf ihren Zügen erscheint ein selbstzufriedenes, erleichtertes Lächeln als der Nebel gebrochenen Glases weicht und sich sonnengelbe Schlieren über die klarrissige Oberfläche der zähschmelzenden Glasbrocken zeigen. Zügig, doch mit sicherer Gelassenheit rückt sie den Tiegel in die Mitte der Esse, drückt und knetet mit dem langen Bronzehaken die glühende Glasmasse bis sich der Farbton gleichmäßig in ihr verteilt hat. Vorsichtig hebt sie den unförmigen Klumpen auf die glatte, geölte Fläche des Ambosses und sieht seinem amöbenhaft, zerfließenden Erstarren zu, wie man sein Kind begeistert bei seinen ersten Schritten betrachtet. Behutsam löst sie mit der flachen Zange den erkaltenden Glasfladen und hebt ihn gegen das Licht der Laterne. Sonnengelbe Schlieren durchziehen in wirrem Netzwerk das flache Glasstück und lassen die Laterne zu einem bizarrem Lichtmuster verschwimmen.

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BeitragVerfasst: 13.08.05, 23:30 
Mama des Shards
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Pling! Klirr! Ein paar dünne Scherben platzen ab und der Glasfladen brach sauber in der Mitte durch. Gründlich wurde die eine Hälfte wieder von ihr bearbeitet, zersplittert und unter dem unablässig klopfenden Hammer zu perlengroßen Stücken. Die ein weiteres mal in den Tiegel kamen und auf die schon kräftig angefachte Glut gerückt wurden. Rasch ging sie zum Werktisch und füllte aus dem Stoffbeutel das getrocknete Moos in den Mörser und gab einen Fingerhut Alaunsalz dazu. Während sie mit dem Bronzestößel die beiden Pulver mischt richtete sich wieder aufmerksam dem Glasbruch. Prüfte immer wieder mit dem Bronzerohr die Konsistenz des Glases, beobachtete seine Farbe um den richtigen Moment abzupassen. In der linken den Mörser mit dem Pulver in der Rechten die Zange für den Tiegel stand sie lauernd vor der rauchigen Esse. Dann als die Masse wie Honig im Tiegel glühte griff sie eilig zu, goß einen Streifen Glas auf den öligen Amboß und gleichzeitig als sie zurück ein zweites Mal über den Streifen fuhr bestreute sie es mit dem roten Pulver. Schloss den roten Farbton ein bevor er unter der Hitze des Glases verbrennen konnte. Hastig wurden Mörser und Tiegel abgestellt und stattdessen zwei Bronzerohre gegriffen. Dann wurde der immer noch geschmeidige Glasstreifen um eines der Rohre gerollt, wieder über der Glut erhitzt bis es wieder sich wieder zäh und langsam streckte und abermals um das Bronzerohr gerollt und so lange wiederholt bis sich das gelbe Glas mit feinen, blutroten Bändern schmückte die in weichen Wellen um das Bronzerohr gewunden schienen. Abermals wurde es erhitzt, doch diesmal nur das es biegsam und geschmeidig wurde. Mit einem breiten und flachen Spachtel schnitt sie diese Rolle dann in Daumengroße Stücke und ließ sie wie Zuckerwerk von Kindern, achtlos liegen gelassen, auf dem Amboß auskühlen.
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BeitragVerfasst: 24.08.05, 21:43 
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Vorsichtig den Nachtopf balancierend trat sie an die kleine Feuerstelle hinter dem Haus. Goß den abgestandenen Urin in den alten Topf auf dem Feuer und trat, die Luft anhaltend zurück. Am besten wäre es gewesen wenn sie das Wasser einer Schwangeren hätte sammeln können, so musste es halt der ihre gereichen. Schäumend verkochte langsam die Flüssigkeit. Mit einem belaubten Zweig wedelte sie über dem aufsteigenden Dunst herum um den Gestank wenigstens halbwegs zu vertreiben. Zischend verging dann endlich der letzte Rest Feuchtigkeit und das Eisen des Topfes knackte. Mit einem dick gefalteten Tuch zog sie den Topf aus der Asche und löschte die Feuerstelle ab. Gründlich kratzte sie dann die braungelben, brüchigen Rückstände vom Topfboden und trägt sie im Mörser wie einen kostbaren Schatz wieder hinein. Zerstampft sie dort dann gründlichst zu einem feinen Pulver welches sie dann auf die geschmolzene gelbe Glasmasse rieseln lässt. Angespannt windet sie den zähen Glasklumpen um das Bronzerohr den Farbumschlag des salzigen Pulvers abwartend. Doch statt des erwarteten Blaues zeigen sich nur trübgraue Schlieren. Enttäuscht lässt sie den Atem aus und lässt das verdorbene Glas auf die Fläche des Ambosses rinnen. „Dann wird sie eben nur aus rotem Glas.“ Seufzend warf sie den abgekühlten Glasfladen in den Korb und nahm dann die rotgefärbten Glasstücke an die Esse.



Vorsichtig erwärmt sie eines der Stücke und als es die Konsistenz von warmem Wachs annimmt trennt sie, sie mit dem Spatel zu Nußkerngroßen Stücken auf bis sie wohl drei Dutzend vor sich auf dem Amboß liegen hat. Dann zieht sie sich einen Hocker an den Eisenblock heran, stellt den kleinen Brenner auf und legt eine Handvoll dünner Goldnadeln aus. Die erste Nadel wird gleich an ihrer Spitze über dem Brenner erhitzt und dann eine der kleinen rotgemusterten Glasstückchen damit aufgespießt. Sehr vorsichtig erhitzt sie dann dieses kleine Stückchen, dreht und wendet es in der kleinen konzentrierten Flamme des Brenners bis es nachgiebig und formbar ist. Konzentriert bearbeitet, zieht, dehnt und schiebt sie das Glas mit der feinen Zange in die Form die ihr vorschwebt, und ganz langsam nimmt es die Gestalt einer winzigen Fingernagelgroßen Rosenblüte an. Die roten Schlieren in dem Glas lassen die angedeuteten Blütenblätter kunstvoll hervorstechen. Vor dem endgültigen erhärten der winzigen Glasrose wird sie weiter auf die Goldnadel geschoben, so das sie die Rose an der Rückseite ganz durchsticht. Vorsichtig steckt sie die rosentragende Nadel dann in einen Klumpen weichen Tones und nach Stunden konzentriertesten Arbeitens spicken den Tonklumpen Einunddreißig rosengeschmückter Nadeln. Aufseufzend streckt sie die verkrampften Glieder und entrollte das Garn aus dem Schweifhaar Halas’hars knotete ein Ende um ihren kleinen Finger und fädelte die erste Glasrose auf die Schnur, genau den Abstand von einem halben Fingerglied einhaltend knotete sie das zähe Pferdehaar um die Perle und fädelte die nächste auf bis alle Einunddreißig Rosenperlen aufgereiht waren.

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