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 Betreff des Beitrags: Und so ward Tare
BeitragVerfasst: 23.09.05, 01:48 
Ehrenbürger
Ehrenbürger
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Registriert: 30.08.04, 22:46
Beiträge: 773
Das leise klimpern der aus Holz gearbeiteten Schmuckstücke, welche überall an seiner schmutzigen, braunen
Robe und in seinem Haar hingen, begleitete ihn auf seinem Weg aus dem Waldstück hinaus. Über die rechte
Schulter war ein wohl erst kürzlich erlegtes Reh geschlungen, die Vorderbeine - zusammgeschnürt - hielt
er mit einer Hand fest an seinen Oberkörper. Das zerzauste, struppige Haar wehte nur schwerfällig im gerade
aufziehenden Unwetter. Zufrieden wirkend rieb er sich den dicklichen Wanst, der die Robe deutlich kürzer
erscheinen ließ als sie eigentlich war, mit der freien Hand. Einige recht tölpelhaft angestickte Runen
waren auf ihr zu erkennen, und am Hüftband waren unzählige kleiner Beutel und Alltagswerkzeuge wie Messer
und Sichel angeknotet. Das Gesamtbild mochte wohl wirken wie ein Mönch, der gerade daran war seinen
Ramsch, den ohnehin niemand brauchen würde zur Schau zu stellen.

"Für mich doch recht praktisch." Der Gedanke des Ramschverscherbelers schoss dem Druiden just in diesem
Moment durch den Kopf. Er betrat die Straße zum Ostwall nur kurz um sie zu überqueren, sein Ziel war die
Grotte am nördlich gelegenen Bergmassiv. Langsam und gemächlich näherte er sich dem Eingang der Grotte,
welcher vom leichten Regen und der Dunkelheit in einen düsteren, nebeligen Schleier gehüllt war. Er
bemerkte zwar den dort auf einem der kleineren Felsen sitzenden Rekruten, kümmerte sich jedoch nicht
weiter darum. Er kannte ihn bereits. Er war keine Gefahr. Jener war wohl mit seinen eigenen Gedanken
beschäftigt, wurde aber durch das klimpern des Holzschmuckes aus diesen gerissen und wandte seine
Aufmerksamkeit dem langsam vorbeiziehenden Druiden zu.

"Ach du bist es.. oder? Broyd, nicht?" Der untersetzte Druide kam zum stehen. Das kam ihm jetzt so gar
nicht recht, wollte er doch nur in Ruhe seinen Festschmaus genießen. "Schattenkind, was willst du denn
jetzt schon wieder von mir?" Er brummte nur leise in sich hinein und begnügte sich mit dem Gedanken, dass
er ihn ja jederzeit zum schweigen bringen konnte, sollte er sich aufmüpferisch verhalten. Er sprach
jedoch kein Wort, sondern begnügte sich damit einfach weiter in Richtung des Grotteneinganges zu stapfen.

"Ich an deiner Stelle würde da jetzt nicht hineingehen.." rief der Rekrut ihm hinterher, als er schon
fast mit einem Schritt in der Grotte war. Wieder machte er halt. "Bei Mens.." Er würdigte den Rekruten
keines Blickes, verharrte jedoch stehend vor dem Eingang. Es interessierte ihn doch warum jener so
kläglich im Regen auf dem Stein sitzende Rekrut es nicht vorzog selbst in der Grotte Unterschlupf zu
suchen. "Da drinnen hausen einige Gestalten, welche Recht schnell mit dem Säbel zur Hand sind." schallte
es wieder durch den Regen. "Bei Mens.." Dachte sich Broyd nur wieder. "Da ist er schon beim Lehensbanner
und unternimmt nichts. Was kümmert es mich dann?" Er schenkte dem Rekruten, den er als Benedikt kannte
nur eine einladende Geste in Richtung der Höhle. Dann betrat er die Grotte. Auch deren Bewohner waren ihm
nicht sonderlich fremd. Er schritt voran, der Rekrut folgte ihm beinahe schon auf den Fersen, dessen
Hand umklammerte den Schwertknauf fast so, als wolle er jenen nicht griffbereit, sondern zerknautscht
haben. Als er um die Ecke bog und in die Gesichter der Gestalten blickte, welche scheinbar zuerst recht
düster und beklemmend dreinblickten, als würden sie jemanden anderes erwarten, dann jedoch recht schnell
in eine mehr oder minder freundlich-gleichgültige Miene umschwangen, schmunzelte er nur kurz zufrieden
und machte sich weiter in Richtung der heissen Quelle auf. Der Rekrut jedoch wurde säbelrasselnd
empfangen und wurde direkt am Eingang der Grotte gestellt.

Der Druide kümmerte sich nicht weiter darum, setzte seinen Weg fort. Und doch wunderte ihn der Rekrut
abermals. Er ließ sich einfach stellen, obwohl er doch wissen müsste das die besagten Gestalten sich
hier aufhalten würden. Er verwarf den Gedanken jedoch wieder schnell. Essenszeit. "Gehen wir." Die
ehemaligen Höhlenbesetzer machten sich auf den Weg, scheinbar wurde es dann doch zuviel des Guten.

Für Broyd waren sie keine Gefahr. Vielleicht Schattenkinder. Vielleicht auch nicht. Sie duldeten ihn,
wann immer er sie in der Höhle antraf. Er duldete sie. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, setzte sich
der braunberobte Druide langsam in den hinteren Teil der Grotte, wo er sich scheinbar sein eigenes
kleines Reich gebaut hatte. Direkt über dem natürlich angeordneten Steinwall welcher die Quelle vom
restlichen Teil der Grotte abschottete hatte er sich einen kleinen Haken aufgehängt wo er seine Nahrung
meist in die heiße Quelle hängen ließ, in der Felswand dahinter befand sich eine kleine Ritze, in welcher
er sämtlichen Krimskrams aufbewahrte. Direkt zwischen den dicht wachsenden Farnen und Pflanzen, welche
die Grotte beinahe vollständig bewuchterten hatte er sich zudem noch einige Felle aufgespannt, die
sowohl als Schlafplatz als auch als allgemeiner Aufenthaltsort dienten.

Der Rekrut schritt zaghaft auf ihn zu, setzte sich dann schweigsam zu ihm auf eines der Felle. Ohne
Worte reichte Broyd Benedikt eine hölzerne Schale, gefüllt mit allen erdenklichen Waldfrüchten.
Wo er schonmal da war, konnte er ihm auch ein kleines bisschen Gesellschaft leisten.

Und dann war es wieder soweit.
Eines dieser Gespräche, die so unbedeutend sind wie nichts anderes,
so sinnlos sind wie das endlose streben nach Macht, Ruhm und Ehre,
so ohne Bedeutung sind das Morsan selbst ihrer wohl keine Beachtung schenkt,
und doch alles bedeuten.

Ein Gespräch über die Götter, das Leben, Bestimmung, Sein, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.

Erst weltliche, dann geistliche Belange. Letzteres fand bei Broyd den meisten zuspruch, war es doch
das einzige das er für erstrebenswert erachtete. Mens, das erlangen eines vollkommenen Bewusstseins,
im Einklang mit Tare und allem was dieser Begriff beinhaltet. Ein Geist, der alles und nichts ineinander
vereint und zu einem Zustand führt, in dem Worte, Taten, unnötig werden. Oder aber nicht. Woher sollte
er das auch wissen, Mens zu erreichen ist ein Ziel, dass wohl niemand bisher vollständig erreicht hat.
Das streben danach trieb die meisten in den Wahnsinn oder direkt in den Tod, kamen sie doch nicht zurecht
mit den Erkenntnissen und Erfahrungen, die ein solches streben mit sich bringt.

Solche Gespräche bringen es auch mit sich, dass sich früher oder später klare Linien zeichnen, die einem
Aufschluss darüber geben was der jeweilige beteiligte nun von dem ganzen hält. Benedikt war klar als
Schattenkind auszumachen, zu unklar, zu verworren waren die Antworten auf die Fragen, welche einen Geweihten
der Viere zu wahren Redeflüssen und Predigten veranlasst hätten. Broyd schaffte es selbstverständlich so
gut wie möglich sich in einen Schleier zu hüllen, der jede mögliche Offenbarung im Keim erstickte.
Das hatte er sich schon lange angeeignet, um den verdächtigenden Blicken der Geweihten zu entgehen, die
ihn des öfteren schon beinahe für seine Ansichten zur Rechenschaft gezogen hätten.

Nachdem das Reh und die Früchte verzehrt waren, machten sich beide auf und verließen die Grotte ihrerseits.
"Folge mir, ich will dir etwas zeigen." Der Druide nahm Benedikt in Beschlag und führte ihn auf den Weg
nach Falkensee. Das Gespräch ging nicht ganz spurlos an ihm vorrüber. Für ihn bedeutete Mens, jede
erdenkliche Erfahrung zu sammeln, jeden Gedanken zu denken, jedes Gefühl zu fühlen. Gut oder Böse.
Der Rekrut würde sein Portal zu den Schattenseiten Tares sein.

[sry für die miserable Formatierung :evil: ]


Zuletzt geändert von Spike: 23.09.05, 01:49, insgesamt 1-mal geändert.

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